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Full text of "Annalen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung"

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III-  J.  PAUL  GEITY  MUSEUM  LIBRy\RY 


ANNALEN  DES  VEREL\8 


FÜR 


NASSAÜI8CHE  ALTERTÜMSKUNDE 


UND 


GESCHICHTSFORSCHUNrx. 


DEEISSIGSTEE  BAND. 


1899. 


Mit  einem  Bildnis  und  einer  Karte. 


WIESBADEN. 

VERLAG  VON  Rüü.  BECHTOLU  &  COMP. 
1899. 


DIlt'CK  VON  RÜD.  DKCHTOLD  4  COMP..  WIESBADEN. 

BrCIlUttCCKERKI  *   I.ITIIOUK.  ASSTAI.T. 


IHE.  J.   P/-  ■'   CENTEk 


Inlialts-Verzeichnis. 


Annalen. 

Seite 

I.  Ciaren  thaler  Studien  (Fortsetzung).     Von  F.  Otto 1—54 

IL  Das  politische  Testament  des  Grafen  Johannes   von  Idstein-Wies- 

baden.     Ton  0.  Meinardus 55—108 

ITT.  Die  Wiesbadener  Landstrassen   im  XVIII.    und  XIX.  Jahrhundert 

(mit  oiiior  Kurte).     Von  C.  Spicimaiin .     .     109 — 130 

IV.  Die  Wellritz,  ihr  Name  und  ihre  Benutzung  durch  Bürger  und  Adel 

im  XVI.  Jahrhundert.     Von  F.  Otto 131—142 

V.  Der  nassauische  Publizist  Johannes  Weitzel.     Von  G.  Zedier       .     .     143—192 
VI.  Ein  Gesamtfund  römischer  Kleinerze  aus  der  Zeit  Diocletians.    Von 

E.  Ritterling 193—201 

VII.  Graf  Ludwig  von  Arnstein  und   die  Neubegründung   des  Klosters 

Münsterdreisen.     Von  E.  Seh  aus 202—205 

VIII.  Die  Auflösung  dfv  nassauischen  Klosterbibliotheken.    Von  G.  Zedier    206—220 


Mitteilungen  18991900. 

Spalte 

Amtsgerichtsrat  a.  D.  DüsseU  f.  (Mit  einem  Bildnis*).    Nekrolog  von  G.  Zedier  1 — «> 

Vereinsnachrichten  von  G.  Zedier 7—8,  33-85,  65—66,  97—98 

Vorträge  1898/99: 

Der  Verfall  der  antil<en  Kultur  von  1}.  Heil 8  —  14 

Ueber  Johann  Georg  Hagelgans  von  P.  Richter 35 — 49 

Die  Kultur  des  hohen  Westerwaldos  von  Heyn-Marionberg 66 — 71 

lieber  den  Ursprung  des  Hauses  Nassau  von  P.   Wagner       . 71 — 74 

Gefecht  bei  Eckernförde  von  R.  Kolb 74-76 

1899/1900: 

Einleitende  Bemerkungen  von  P.  Wagner 100  -104 

Die  Fahnen  des  nassauischen  Landsturms  von   1814  von   I*.   Wagner   ....  104    -107 

Ueber  Stadtrechtsurkundon  für  nassauische  Orte  von  E.  Sc  haus 107 — 109 

Ein  Volksspiel  aus  1814:  Die  Schifler  von  Caub  von  V.  Richter 10^^—110 

Graf  Ludwig  von  Nassau-Dillenburg  von  F.  Heymach .  110—112 

Verwaltungsbericht   des   Altertunis-Museums    von    H.   I.ohnor   und    E.  Ritterling 

15—17,  49—56,  76—79,  113-117 


*)  Aus  praktischen  Gründeti  ist  dasselbe  dem  Aiwalothande  beigeheftet  tcorden. 


IV 

Spalte 
Funde  (siehe  auch  den  Verwaltungsbericht  des  Altertums-Museums); 

zu  Xiederlahnstein  von  R.  Bodewig 17 

auf  dem  Römerberg  bei  Höchst  von  E.  Suchier 17  —  20 

OoldmQnzenfuiul  bei  Riidesheim  von  P.  Joseph .  20 — 22 

Müiizfunde  in  Höchst  uiul  Xied  von  H  Suchier   .     .           56—57 

Müuzfund  bei  Eppstein  von  E.  Suchier   .. 92 

zu  Braubach  von  R.  Bodewig 92—93 

Miseellen : 

Limesforschung  auf  der  Strecke  Holzhausen  a.  d.  H.  bis  Adolfseck  von  H.  Lehner  22—23 

Mitteilungen  aus  dem  Stamnibuche  des  J.  A.  Kitzhaub  von  F.  Otto    ....  24 — 30 

Johann  Tobias  \V  eller  von  E.  Seh  aus 30 

Aus  dem  häuslichen  Leben  der  nassauischen  Grafenfaniilie   im  16.  Jahrhundert 

von  P.  Wagner     .... 57—62 

Da«  Kugelgeld  in  Herborn 62—63 

Mittelalterlifhe  Befestigung  auf  dem  Blasiusberge  beiFrickhofen  vonE.  Ritterling  80 — 86 
Fliedners  Aufsatz  „Beiträge  zur  Kulturgeschichte    des  Herzogtums  Xassau"  von 

O    Meinardus 86—92 

Friedrich  von  Reiffenberg  auf  der  Universität  Wittenberg  von  F.  Otto     .     .     .  117  —  118 
Chronik: 

AltiTtumsverein  zu  Horborn,  Bericht  von  J.  H.  Hoff  mann 63—64,  122 

.Mtortumsverein  zu  Höchst  a.  M.,  Bericht  von  E    Suchier 118 — 122 

Bücheranzeigen:   C  ramer,    Geschichte    der  Alamannen  (von    F.   Otto)   93  —  96, 

Erwiderung  Cramers  122  —  126;  Schädel,   Xamen   und  Rad    der  Stadt  Mainz 

(von  ti.  Zedier) 96 

Neueste  historische  Litteratur  über  Nassau  von  F.  Otto  und  G.  Zedier       30—32,  126-128 


Ciarenthaler  Studien. 


Von 

Fr*  Otto, 


III.    Die  letzten  Zeiten  des  Klosters. 

Über  die  letzten  Zeiten  des  Klosters  Clarentlial  haben  zwar  S  c  h  e  n  c  k 
und  nach  ihm  Schliephake,  dann  Nebe  und  Roth^)  einige  Nachrichten 
zusammengestellt,  andere  jedoch,  die  ausführlicher  sind  und  genauere  Mitteilungen 
enthalten,  entweder  nicht  gekannt  oder  nicht  benutzt.  Eine  nochmalige  Prüfung 
der  Frage  ist  daher  gerechtfertigt  und  das  um  so  mehr,  als  sich  auch  über  die 
frühere  Geschichte  der  Anstalt  durch,  sie  einiges  Licht  verbreiten  lässt.  Wir 
werden  zuerst  über  die  Klosterjungfrauen  von  1550 — 1559  reden,  dann  einiges 
über  den  Haushalt  des  Klosters  folgen  lassen  und  zuletzt  über  die  Auflösung 
desselben  berichten. 

a)   Die  Klostepjung'frauen  von  1550 — 1559. 

Über  die  Zahl  der  zu  gleicher  Zeit  in  Ciarenthal  anwesenden  Kloster- 
jungfrauen geben  uns  zwei  Verzeichnisse  von  den  Jahren  1550  und  1554,  sowie 
die  Entlassung  der  letzten  Schwestern  in  den  Jahren  1558  und  1559  eine  er- 
wünschte Belehrung,  die  um  so  wertvoller  ist,  als  uns  für  die  frühere  Zeit  fast 
alle  Kunde  darüber  abgeht.  Wir  wissen  zwar  durch  die  Eintragungen  der  Todes- 
fälle in  das  Necrologium,  wie  viele  der  Jungfrauen  in  einzelnen,  grösseren  oder 
kleineren  Zeiträumen  gestorben  sind,  aber  diese  Angaben  sind  nicht  einmal  ganz 
genau,  da  namentlich  im  14.  Jahrhundert  manche  Namen  nachweislich  fehlen,  und 
aus  ihnen  ergibt  sich  nur,  was  wir  schon  vorher  annehmen  konnten,  dass  die  Zahl 
der  Nonnen  im  Laufe  der  Zeit  allmählich  abgenommen  hat;  in  den  ersten  130 
Jahren  von  der  Gründung  des  Klosters  an  zählen  wir  etwa  121  Sterbefälle  inkl. 
der  nachweislich  nicht  eingetragenen,  in  den  folgenden  20  Jahren  11,  in  den 
90  Jahren  von  1453 — 1543  etwa  54,  statt  dass  die  beiden  letzteren  nach  dem 
Verhältnis  zum  ersten  Zeiträume  18  und  83  hätten  betragen  müssen.  Auf  die 
Zahl  der  zu  derselben  Zeit  eingeschlossenen  Schwestern  können  wir  daraus 
keinen  Schluss  ziehen.  Nur  für  das  Jahr  1371  gewährt  eine  Urkunde  der 
Äbtissin    Jutta    einen    xiuhaltspunkt ;    am    10.   Februar  d.   J.   beschloss  nämlich 


^)  Schenck,  Schliepliake  und  Roth  an   den    bekannten  Stellen    (vergl.  Nu.  I  dieser 
Studien),  Nebe  in  der  Denkschrift  des  theologischen  Seminars  zu  Herborn  vom  Jahre  1866,  S.  1". 

1 


der  Conveut  in  Betreff  der  Jalirgezeits  für  den  verstorbenen  Oaplan  der  Gräfin 
Margarerlie  Kunrad:  ..uff  denselben  Dag  sullen  wir  geben  den  frauwen  über 
disfh  um  speise  evnen  gülden,  den  sullen  \\  ir  nemen  von  unsern  guderu  zu 
Xurdensrar.  daz  der  gülden  mit  eyn  ander  eylt'e  werden."  Daraus  ergiebt  sich, 
dass  damals  elf  Nonnen  zu  Tlarentlial  weilten,  und  wohl  auch,  dass  man  di(>se 
Zahl  als  eine  voraussichtlich  bleil)ende   ansah. 

Für  die  Jahre  lö50  und  \^h)4  erhalten  wir  durcli  die  zwei  genannten 
Verzeichnisse  genauere  Kunde.  Das  erste  ist  in  dem  Auszuge  aus  einem 
Visitationsprotokoll  des  Jahres  1050  erhalten.*)  Bekanntlich  sollte  das  im 
Jahre  l.')4S  erlassene  Interim  auch  in  Nassau  eingeführt  werden,  und  um  über 
die  Ausführung  dieses  Gebots  in  den  zu  seinem  Sprengel  gehörenden  Bezirken 
der  nassauischeu  Lande  zu  berichten,  ernannte  der  Erzbischof  von  Mainz 
Visitatoreu.  an  deren  Spitze  der  AVeihbisihof  Michael  Heiding,  gen.  Sidonius, 
stand.  Am  1'4.  Februar  des  Jahres  1550  wurden  die  Pfarrer  der  Herrschaft 
Wiesbaden^i  examiniert,  am  25.,  einem  Dienstage,  sollte  das  Stift  Bleidenstadt 
an  die  Keihe  kommen ;  aber  da  die  Meldung  einlief,  dass  niemand  von  dem 
Kapitel  anwesend  sei,  wurde  der  Besuch  verschoben  (er  fand  nachher,  am 
23.  Mai  statt)  und  dafür  das  Kloster  Clarenthal  vorgenommen.  Das  Haushaltuugs- 
buch  des  Klosters  verlegt  die  Anwesenheit  des  Weihbiscliofs  irrtümlich  auf 
den  '24..  indem  es  schreibt:  „vor  stockfiss  und  bückiug  zu  "Wiesbaden  kauft, 
als  der  "NVeyebisehof  liif  was  S.  Matyes,  9  Alb.",  denn  S.  Matthias  ist  der 
iM.  Februar,  an  dem  die  Visitatoren  zu  Wiesbaden  beschäftigt  waren.  Es 
mochte  am  1^4.  von  der  bevorstehenden  Ankunft  dos  Weihbischofs  Mitteilung 
gemacht  worden  sein,  wie  dies  auch  bei  dem  Stifte  Bleidenstadt  geschehen  war, 
und  so  wird  man  noch  an  demselben  Tage  zur  Bewirtung  desselben  für  Fasten- 
speise gesorgt  haben. 

Das  l'rotokoll  berichtet  über  das  Kloster  also:  „Dienstag,   den  25.  Februar 
wird  tlas  sogenannte  Neue  Kloster  visitirt  und  examinirt.*) 

1.  Anna  Brenlin  von  Homburg,    Äbtissin, 

1^  Margarethe  Reinbergerin*),  Pi-iorin, 

3.  Agnes  von  Hattstein, 

4.  Guetli  von  Hattstein, 

5.  Christine  von  Diez, 
Ct.  Maria   Echter, 

7.   Maria  von  Nassau, 

halten    sich    an    ihre  licgel,    sowie    in    geistlichen    und    weltlichen  Sachen  gut 
und  wohl." 

Zu   ijicscm   Hericht   halicn   wii-  einige  Bemerkungen  zu  machen. 


*)  Allgedruckt  in  dor  Zoitsclir.   f.  Kircligosoli.  XV,  435. 

')  No}if  ft.  a.  ().  nininit,  gostützt  auf  tirioHiclic  Äusspningon  Molanohtlions,  eine  drei- 
fache ViHitati(»ii  iler  Herrhcliaft  'NVichliaden  an,  kennt  alior  die  obigo  vom  24.  Februar  nicht; 
CB  war  diese  über  die  ein/ige,  die  stattfand. 

*)  Die  Zahlen  vor  den  einzelnen  Namen  halien  wir  zugefügt. 

*)  In  der  Zeitsclir.  f.   Kinliengescii.  i.st  irrtünilidi   Cainbergorin  gedruckt. 


1.  Das  Exainon  orstrockte  sich  bei  den  Xounen  wohl  hauptsäclilich  nur 
darüber,  ob  die  Regel  dos  Ordens  g;e\vissenliaft  bef()l2;t  und  der  Crottesdienst 
ordnungsniässig  abgehalten  werde. 

2.  Die  Namen  dei-    hicu-  genannten  Schwestern  warcm    dtuu  Kloster  nieht 
fremd;    sie    kommen    im    Jjauf'e    des    letzten    Jalirhunderts    alle    vor.      Anna 
lirtMidel  von  llomlturg  (so  müsste  statt  BreÜLdo]lin  von  llomhurg  geselirieben 
sein)  war    seit  1^)21')  Aebtissin    und    starb    am    2;>.    Oktober  1553.")     Vor    ihr 
W'erden  noch  fünf    andere   der  Familie    im  Necrologium  genannt,    alle  mit  Zu- 
füii'una'  ihres  Todesiahres:  soror  Dorothea  Brendeln  am  7.   November  a.    1472, 
soror    Kungundis  Brendeln    am    21.   März  1480,    soror    Dorothea    Brendel    am 
"22.  Januar  1495,   soror  ri(!belgin  Brendeln  am  6.  Januar  1507,   soror  Kungundis 
Brendeln  am  17.  Sept.  (15)24.  Ein  Messgewand  war  mit  dem  Brendelschen  Wappen 
geschmückt;  der  Ilebelgin  (ihren  zwei  Schwestern  und  ihren  Eltern)  war  eine 
Jahrzeit    in  der  Fastenzeit    gestiftet,    weil    sie    dem  Kloster  92  Fl.   und    einen 
ewigen    Gulden    zu    Wiesbaden    gegeben    hatte,')      Deren  Feier    gedenkt    das 
Ilaushaltungsbucli    des    Klosters    im   Jahre    1550  („2  Fl.    vor    2  U  Salmen    zu 
der   brendeln    sei.     jarzyt").   —  Die  Margarethe   Reinbergerin    entstammte 
dem  Geschlecht    der  Herren  von  Rheinberg,    die  sich  nach  ihrer  Burg  an  der 
Wisper    nannten    und    von    1226—1615   vorkommen');     das    Necrologium    ver- 
zeichnet   vor    ihr  eine  soror  Liepmuudis  de  Reinberg    am  14.   September  1503 
und  eine  soror  Anna  Rinberg  am  4.  September  1514.     Die  Priorin  MargaTethe 
starb  am  28.  August  1554.  —  Die  beiden  llatt  stein  gehörten  ohne  Zweifel 
der    Familie     derer    von    Igstatt,     genannt  Hattstein,    an'),     die    im    15.    und 
16.   Jahrhundert  zu  Bierstadt  ^vohnten  und  auch  zu  Wiesbaden  einen  Hof  und 
Güter   besassen.      Graf  Ludwig    kaufte  den  Hof    im  Jahre  1607    und  schenkte 
am  25.  August  1608  den  „ledigen  platz  und  hofraido  inn  der  Statt  forncn    uff 
dem    Marckt    gelegen.    Der    Hattsteinische    unndt    Enderss  Büctelsplatz  genant, 
sambt  dem  Keller  darunter  .  .  .   binden   wider    die  Stattmauer  streickendt"  der 
Stadt    AViesbaden,    „dergestalt    und    also,    das    sie    uff  solchenn    Ort  .  .  .    eine 
Behaussung  setzen"'") ;    dies    geschah    denn    auch    sofort,    indem    die  Stadt  das 
jetzt    noch     stehende    alte    Rathaus    au    dieser    Stelle    erbaute;.     —    l'ber    die 
persönlichen  Verhältnisse    der    beiden  Jungfrauen    sind  wir  nicht    näher    unter- 
richtet;   sie    können  Töchter    oder  Schwestern    des  Ludwig    oder    Michael    v<ui 
Igstatt,  gen.  Hattstein,  die  1524  und  1532  zu  Wiesbaden  vorkommen"),  gewesen 
sein;  Michael  soll  eine  Schwester  des  Joachim    von  Geispitzheim,    der    damals 
den  Hof  der  Herrn  von  Wiesbaden  besass  und  1557  starb'^,  zur  Frau  gehabt 
haben.     In  dem  Necrologium  ward  am  29.  Juli  eine  soror  Katharina  de    Igstat 


")  Vergl.  No.  I  dieser  Studien,  Annalen  XXIX,  2,  191. 
^)  Nekr.  6  Januar. 
*)  Vogel,  Besclireibung  S.  603. 
P)  Vogel  S.  538. 

10)  Urkunden  im  Staatsarchive  zu  Wiesbaden.     Rössel,  Stadtwappen  S.  44,  67  f. 
")  Bürgermeisterreclmung  von  1524  im  städtischen  und  altes  Hospitalregister  von  1532 
im  Stuatsarcliive. 

'-)  Altes  üerichtsbiich   im  städtischen  Archive. 

1* 


in  der  Schrift  des  ausgehenden  15.  oder  beijinnenden  IG.  Jahrhunderts  genannt ; 
sie  gehörte  ohne  Zweifel  derselben  Familie  an.  Auch  Christine  von  Diez 
hatte  Vurgän^erinneu  aus  ihrer  Familie  in  dem  Kloster:  das  isecrologium  nennt 
am  14.  April  eine  uublissima  virgo  Chira  de  Dvtz  (15)29  (sie  ist  die  letzte  der 
dort  eingetragenen  Tersouen)  und  am  (i.  -Mai  soror  Merg  von  Ditz  a.  (15)43 
(die  Schrift  und  Sprache  gehurt  dem  IG.  Jahrhundert  an);  einer  Margarethe 
(Gred)  von  Dietz  begegnen  wir  in  den  Jahren  1553—1559.  Die  Familie  starb 
im  Jahre  1727  aus.")  —  Mehrere  Echter  von  Mespelbrunn  waren  im 
15.  Jahrhundert  zu  Mainz  Canonici  eccles.  maioris,  wie  Marcus,  f  1483, 
l'eirus.  Piiilippus'*);  daher  mag  es  gekommen  sein,  dass  wir  zu  Ciarenthal  im 
Xecrologium  eine  Anna  Echtem  am  25.  Mai  1455,  und  eine  soror  Gerdrut 
Echtem  am  30.  Oktober  145G  finden;  ausser  der  Marie  erscheint  im  Jahre  1554 
eine  Curduhi.  —  Über  die  Marie  von  Nassau  siehe  unten  bei  dem  zweiten  Ver- 
zeichnis von  1554.  S.  9. 

3.  Es  waren  also  sieben  Jungfrauen  anwesend,  wurden  examiniert  und 
sind  namentlich  verzeichnet;  ihre  Zahl  war  aber  grösser,  wenn  wir  auch  nicht 
wissen,  warum  nicht  alle  hier  genannt  sind;  es  fehlen  drei  Xamen,  zwei 
Grätinnen  von  Erbach  und  die  Margarethe  Cambergerin.'^)  Von  den  beiden 
Erb  ac  herinnen  war  die  ältere,  Elisabeth,  geb.  im  Jahre  1514,  anfangs 
dem  Kloster  Marienborn  übergeben  worden,  hatte  aber  dieses  nachher  mit 
Clarenthal  vertauscht;  die  jüngere,  im  Jahre  1516  geborene  Katherine  hatte 
der  Vater,  Graf  Eberhard  Schenk  von  Erbach,  sofort  im  Jahre  1523  nach 
Clarenthal  gebracht.  Grund  dafür  mag  der  Umstand  gewesen  sein,  dass  damals 
seine  Schwester  Magdalena  Priorin  des  Klosters  war  (sie  starb  nach  dem 
Xecrologium  am  8.  Januar  1532  und  ein  Jahrgezeit  sollte  ihr  am  Tage  Mariae 
Magdalenae,  d.  h.  22,  Juli,  gefeiert  werden) ;  auch  vorher  bereits  waren  zwei 
andere  Erbacherinnen  Nonnen  zii  Clarenthal  gewesen,  die  soror  Margaretha 
Schenkin  von  Erbach,  gestorben  am  25.  Mai  1504  und  eine  zweite  Magdalena, 
die  als  Abti.ssin  am  28.   Oktober  1512  gestorben  war. 

Über  die  Aufnahme  der  Katiiarina  gibt  eine  Urkunde  vom  14.  Mai  1523'") 
Bericiit.  in  welcher  die  Äbtissin  Marie,  geborene  Gräfin  von  Hanau-Lichten- 
berg, und  der  ganze  Convent  in  Clarenthal  bekennen,  dass  der  wohlgeborene 
Schenk  Eberhard  von  Erbach  seine  Tochter  Katrina  in  ihr  Kloster  gegeben, 
den  Orden  anzunehmen,  und  in  ihrem  Kloster  wie  andere  Schwestern,  Grafen 
und  Herrn  Kinder,  gehalten  werden  solle  und  dass  er  ihnen  alsbald  hundert 
Gulden  überantwortet  und  geben  lassen,  davon  ihr  lebenlang  zehen  Gulden 
Leib.sgedings  folgen  und  worden,  endlich  dass  darauf  Katrina  auf  alle  und 
jegliche  Anfälh;  und  Erbschaften  verzichten  solle,  wie  andrerseits  Äbtissin  und 
Convent  auf  alle  Erbschaftsfalle  der  Katrina  verzichten. 


".)  Vo^el,  8.  764. 

")  loannis  II,  354. 

'*)  Die  nachfolgenden  Mitteilungen  über  diese  stützen  sich  auf  Simon,  Geschichte  der 
Dynasten  und  (irafon  von  Krbach  S.  'MH  und  auf  Urkunden  und  andere  archivalische  Auf- 
Zf.'ichnuiigen  dc;s  •Staat.'iarühives  zu  ^VieH^Jaden. 

")  Abgedruckt  bei  Schenck,  Meniurab.  urb.  Wisb.  S.  60. 


Auffallend  ist,  dass  diese  Katharina  in  dem  /arten  Alter  von  sieben 
Jahren  eingekleidet  wurde,  da  die  Ciarissen  nach  der  damals  bestehenden 
Ordnung  nicht  vor  dein  14.  .Jahre  den  Schleier  nehmen  durftcin.  Aber  weder 
kann  die  erwähnte  Urkunde  angezweifelt  werden,  noch  das  Geburtsjahr  der 
Katherina  in  eine  frühere  Zeit  hinauf  gerückt  werden,  da  dies  die  Reihenfolge 
der  grätlichen  Kinder  nicht  zulässt.  Es  erklärt  sich  die  frühe  Aufnahme  leicht 
daraus,  dass  die  laxe  Ikfolgung  der  Klosterordnung  in  jener  Zeit,  namentlich 
den  Töchtern  hochstehender  Familien  gegenüber,  nicht  ungewöhnlich  war,  be- 
sonders wenn  sie  eine  ansehnliche  Summe  Geldes  mitbrachten,  dem  Grafen 
aber  bei  der  grossen  Zahl  seiner  Kinder  (es  waren  sieben  Söhne  und  neun 
Töchter)  viel  darum  zu  thun  sein  musste,  die  Töchter  frühzeitig  versorgt  zu 
sehen  und  in  ein  Kloster  unterzubringen.  Und  in  der  That  nahmen  vier  von 
ihnen  den  Schleier,  zwei  zu  Marien born,  von  denen  die  eine  später  nach  Claren- 
thal  überging,  eine  zu  Ciarenthal  und  eine  in  einem  anderen  unbekannten 
Kloster.  Vielleicht  ist  die  Marienborner  Elisabeth  nach  dem  Tode  der  anderen 
Marienborner  Schwester,  der  im  Jahre  1540  erfolgte,  zu  ihrer  Ciarenthaler 
Schwester  übergesiedelt,   weil  sie  sich  dort  nicht  mehr  wohl  fühlte. 

Die  Zeit,  wann  die  Erbacherinnen  aus  dem  Kloster  austraten,  wird  nicht 
überliefert,  nur  von  Katharina  hören  wir,  dass  sie  im  Jahre  1566  ausgeschieden 
sei;  aber  da  damals  bereits  mehrere  Jahre  lang  eine  klösterliche  Anstalt  zu 
Ciarenthal  nicht  mehr  bestand,  so  kann  sie  damals  höchstens  eine  formelle  Er- 
klärung ihres  Austritts  gegeben  und  damit  einen  Verzicht  auf  alle  Ansprüche, 
die  sie  als  Ordensperson  erheben  könnte,  ausgestellt  haben.  Soviel  aber  ist 
gewiss,  dass  die  drei  überlebenden  Erbacher  ehemaligen  Nonnen  den  Rest  ihrer 
Tage  zu  Michelstadt  verlebten  und  dort  starben,  zwei  von  ihnen  im  Jahre  1574. 
Das  Fehlen  der  Elisabeth  und  Katharina  bei  dem  Examen  des  Jahres  1550  —  und 
darum  handelt  es  sich,  nicht  von  ihrer  Abwesenheit  aus  dem  Kloster  —  kann 
mancherlei  Gründe  gehabt  haben,  die  wir  nicht  alle  aufsuchen  mögen ;  es  könnte 
sehr  wohl  möglich  gewesen  sein,  dass  sie,  nachdem  ihr  Vater  (f  1539)  sich 
bereits  der  Reformation  geneigt  gezeigt,  und  nach  ihm  ihr  Bruder  Georg,  der 
Nachfolger  Eberhards,  sich  ihr  entschieden  zugew^andt  hatte,  deren  Beispiel 
folgend  gleichfalls  die  neue  Lehre  angenommen  hätten  und  vielleicht  schon  vor 
dem  Jahre  1550  in  die  Heimat  zurückgekehrt  wären.  Ihre  Namen  nämlich 
erscheinen  auch  nach  diesem  Jahre  nicht  mehr  zu  Ciarenthal,  formell  aber  ge- 
hörten sie  ihm  noch  an,   bis  sie  ihren  Austritt  erklärt  hatten. 

Besser  sind  wir  über  die  Margarethe  Camberg  er  in  oder  Margarethe 
von  Camberg  unterrichtet.  Dieselbe  war  die  Tochter  des  Herrn  Johann  Hain 
von  Camberg,  Pfarrers  und  Vikarius  zu  Bleidenstadt"),  der,,  ehe  er  in  den  geist- 
lichen Stand  trat,  vermählt  gewesen  und  Vater  mehrerer  Kinder  geworden  sein 
muss ;  sie  selbst  wird  jedoch  nie  mit  dem  väterlichen  Namen  benannt,  sondern 
hat    höchstens    den  Zusatz  „von  Bleidenstadt"    neben    obigem  Namen,    Avie  sie 


'^)  Das  Stift  hatte  acht  Canonici  uml  zehn  Vicarien,  welche  die  Hören  und  sonstigen 
Gottesdienst  hielten;  im  Jahre  1550  waren  nur  drei  A'icarien  bei  der  Visitation  anwesend. 
Yisitationsprotokoil  a.  a.  ü. 


6 

muh  selbst  iu  ilor  rrkumlo  vom  30.  Juni  1558  schreibt.  Sie  \var  im  Jahre  1521 
in  das  KU>ster  eingetreteD,  ^vi.•  die  rrkinide  vom  13.  August  (Dienstag  nach 
Laurentiustag)  dieses  Jalires  besagt.  Durch  sie  bekennen  die  Äbtissin  Marie 
von  Hanau  und  von  Lichtenberg  und  der  ganze  Conveut  zu  Clarenthal,  dass 
sie,  naelidem  der  würdige  Herr  Johann  Hain  von  Camberg,  Pfarrer  und  Yicarius 
zu  lih-idenstadt.  um  Crottes  Willen  gebeten  hat  seine  Tochter  Gretchen  in  das 
Kloster  aufzunehmen,  und  Gretchen  selbst  in  eigener  Person  um  Gottes  Willen 
darum  gebeten,  dieselbe  in  den  Orden  und  das  Kloster  angenommen  haben, 
dass  ferner  Herr  Johann  Hain,  damit  die  Tochter  desto  besser  mit  Leibesnahrung 
und  Notdurft  versehen  werde,  dem  Convent  und  Gotteshaus  150  Fl.  gegeben 
iiat,  wogegen  die  Äbtissin  und  der  Conveut  auf  weitere  Ansprüche  an  Herrn 
Joliann  und  seine  anderen  Kinder  verzichten,  ausgenommen  sowohl  das,  was 
HeiT  Job.  Hain  seiner  Tochter  Gretchen  in  seinem  letzten  Willen  und  Testament 
verordnen  und  legieren  werde,  als  auch  dasjenige,  was  nach  etwa  kinder- 
losem Tode  ihrer  Geschwister  an  sie  falle;  dass  endlich  Herr  Job.  Hain  ver- 
sprochen habe,  bis  zum  Ende  seines  Lebens  seine  Tochter  Gretchen  mit  ziem- 
licher Bekleidung  ihres  geistlichen  Ordens  nach  Notdurft  zu  versehen;  es 
siegeln  die  Äbtissin  und  der  Convent  mit  ihrem  Conventssiegel  und  für  Johann 
Hain,  da  ihm  ein  eigen  Ingesiegel  dieser  Zeit  mangelt,  auf  seine  Bitte  der 
ehrsame  Herr  Christian  Becker  von  Weilburg,  Yicarius  zu  Bleidenstadt.  Die 
beiden  Siegel  sind  erhalten.  Offenbar  Hessen  die  dringenden  Bitten  von  Vater 
und  Tochter,  die  Höhe  des  Eintrittsgeldes  und  der  nunmehrige  Stand  des 
Vaters  über  die  bürgerliche  Herkunft  der  neuen  Schwester  hinw^eg  sehen,  aber 
trotz  ihres  langen  Aufenthaltes  im  Kloster  brachte  sie  es  nicht  zu  einer  höheren 
Stellung,  sie  blieb  37  Jahre  lang  einfache  Nonne.  ]k'i  ihrem  Austritt  aus  dem 
Kloster  erklärte  sie,  einzelne  Gegenstände,  die  sich  ,,in  ihrer  Zelle  oder  ihrem 
Gemach,  auch  in  Kisten  und  Schränken"  befanden,  nicht  bloss  von  Schwestern, 
die  uns  bekannt  sind,  der  Agnes  von  Hattstein  und  der  Äbtissin  (Anna), 
sondern  auch  „von  der  von  Hanau",  d.  h.  von  der  längst  vor  1525  verstorbenen 
Äbtissin  Marie  von  Hanau-Lichtenberg  erhalten  zu  haben.  Einen  weiteren  Beweis 
für  die  lange  Zeit  ihres  Aufenthaltes  zu  Clarenthal  gibt  ihre  Urkunde  vom  Jahre 
1558,  die  wir  im  3.  Teil  dieser  Abhandlung  (S.  26)  ausführlicher  bringen  werden; 
in  derselben  sagt  sie,  sie  sei  in  Zeiten  ihres  unverständigen,  minderjährigen 
Alters  vor  etlichen  Jahren  in  das  Kloster  zu  Clarenthal  beredet  worden, 
habe  Profess  gethan  und  sich  dann  eine  gute  Zeit  darin  gehalten.  So  un- 
bestimmt auch  die  Worte  „vor  etlichen  Jahren"  lauten,  so  kann  der  Ausdruck 
„eine  gute  Zeit"  nur  auf  eine  längere  Zeit  —  hier  sind  es,  wie  gesagt, 
37  Jahre  —  hindeuten.  So  ist  es  unzweifelhaft,  dass  sie  im  Jahre  1550  noch 
Lisassin  von  Clarenthal  war.  wenn  uns  auch  verborgen  bleibt,  warum  sie  bei 
der  Visitation  nicht  zugegen  war,  d.  li.  warum  ihr  Name  fehlt  und  sie  nicht 
examiniert   wurdt;. 

Ziehen  wir  das  Resultat  unserer  Darlegungen,  so  betrug  die  Zahl  der 
Nonnen  zu  Clarenthal  im  Jahre  1550  nicht  sieben,  sonderen  mindestens  acht, 
oder  wenn  wir  die  p]rba<l)erinnen.  die  noch  formell  dahin  gehörten,  mitrechnen, 
zehn  Jungfrauen, 


Es  folgten  schwere  Zeiten  für  Cliircntlial.      Im  Soninior  dos  Jahres  1552 
brauste  der  verheerende  Sturm  des  wilden  ^Markgrafen  von  Brandenburg-Culm- 
baeh  über  die  Landschaftern    des  Mittelrheins.      Er  hatte    im  Dienste    des  Kur- 
fürsten Moriz  von  Saclisen  an  der  Belag(u-ung  der  Stadt  Frankfurt  teilgenommen 
und  war  erst  (ünige  Zeit  nach  deren  Aufhebung  abgezogen,   nachdem  (ir  erkannt 
hatte,    dass  er    eine   l' hergäbe  der  Stadt    oder  Zahlung  einer  Geldsumme  nicht 
erzwingen    konnte.     Berüchtigt    ist    sein    nunmehr    (im    August    1552)    unter- 
nommener Kaub-  und  l'lünderungszug  nach  dem  Rhein,    durch  den  namentlich 
die  Stadt  Mainz    hart    mitgenommen    wurde.     Aber  auch  die  Umgegend    blieb 
nicht  verschont  und  überall  herrschte  Furcht  vor  einem   Tberfall  seiner  beute- 
gierigen Landsknechte.     Damals    war    es,    dass    die  Nonnen    zu  Ciarenthal    ilir 
friedliches  Thälchen  verliessen    und    hinter    den  ]\Lauern    der    Stadt   Wiesbaden 
Schutz  suchten.    Zweimal  meldet  das  Haushaltungsbuch  vdu  dieser  St-hreckens- 
zeit:  „als  die  Jungfrauen  gen  Wiesbaden  zogen,   des  Markgrafenkriegs  halber" 
und  „als  wir  ausser  dem  Kloster  waren  und  zu  Wiesbaden  im  Schlosse  hauseten". 
Jene  Worte  („als  die  Jungfrauen  gen  Wiesbaden  zogen")  stehen  bei  Ausgaben, 
die  für  Schlösser  an  Thüren  und  Schränken  gemacht  worden  waren,    aber  erst 
im  Jahre  1554  bezahlt  wurden;  es  scheint  also,  dass  man  bei  dem  Gerücht  von 
dem  Herannahen  Albrechts    und    seiner  Horden    alles    gehörig    verwahren    und 
sichern  wollte,    als  ob  das  einen  Schutz  gegen  die  gewaltthätigen  Hände  jener 
Scharen    hätte    gewähren    können.      Ob    übrigens    das  Kloster    damals  Schaden 
gelitten  und  welchen,  wissen  wir  nicht,  aber  die  Erinnerung  an  die  ausgestandene 
Angst  veranlasste  später  die  Klosterjungfrauen  dazu,    auf  die  gefährliche  Lage 
solcher  „Feldklöster",  wie  Clarenthal  eins  war.   und  auf  dessen  Unsicherheit  in 
den  geschwinden  Lauften  der  Zeit  hinzuweisen,   da  es  am  grossen  Gewälde  der 
Höhe  und  fast  eine  Stunde  von  den  Dörfern  umher  gelegen  sei. 

Kaum  war  Ruhe  und  Friede  zurückgekehrt,  als  ein  neues  Ungemach 
hereinbrach,  das  Graf  Philipp  Sterbensläufto  nennt,  ein  anderer  „ein  Sterbendt", 
ein  dritter  „eine  Infection",  schlimmer  noch  für  das  Kloster  als  die  Kriegs- 
läufte,  da  der  Graf  dadurch  veranlasst  wurde  die  Verwaltung  des  Klosters  in 
seine  Hand  zu  nehmen  und  schliesslich  es  selbst  seiner  Auflösung  entgegen- 
zuführen. Der  Seuche  erlag  am  25.  Oktober  1553  die  Äbtissin'*),  am 
28.  August  1554  die  Priorin  Margarethe  Reinberger,  welche  bis  dahin  das  Amt 
der  Äbtissin  verwaltet  hatte;  von  den  fünf  übrigen  Schwestern  des  Ver- 
zeichnisses und  den  inzwischen  neu  eingetretenen'*)  starben  einige,  andere 
„wichen  aus",  wie  ein  Bericht  sich  ausdrückt,  so  dass  zuletzt  nur  noch  eine, 
die  Marie  von  Nassau,  übrig  war;  unter  den  ausgewichenen  befand  sich  die 
Cambergerin,  die  nachher  wieder  erscheint;  eine  andere,  im  Jahre  1550  nicht 
genannte,  die  Margarethe  von  Diez,  war,  wie  wir  sehen  werden,  bereits  vor 
dem  Tode  der  Äbtissin,   also  vor  oder  während  der  Sterbensläufto,   eingetreten. 


'*)  Den  Todestag  giebt  ihre  (.irabscluit't  bei  Hol  wich  an.  Die  aiuleni  hier  folgenden 
Angaben  beruhen  meist  auf  Aufzeichnungen  des  Staatsarchivs;  über  Marie  von  Nassau 
8.  weiter  unten. 

*®)  Schliephake  (IV,  55)  irrt,  wie  sich  weiter  unten  bei  uns  ergiebt,  wenn  er  sagt, 
erst  nach  der  Seuche  hätten  ?ich  vier  .Schwestern  wioJer  eingefun<lcn. 


kommt    aber    ebenfalls    später  wieder    vor    und    harte    also    auih    zu  den  aus- 
gewichenen gehört. 

Auf  die  Xachriiht  von  dem  Tode  der  Äbtissin  und  mehrerer  Jungfrauen 
erliess  der  Graf  Thilipp  der  Ältere'*)  ein  Schreiben  au  den  Amtmann  zu 
Wiesbaden"),  das  vom  V2.  Dezember  datiert  ist.'*)  Er  habe  erfahren,  so  sagt 
er,  dass  die  Äbtissin  und  mehrere  Jungfrauen  verstorben  seien,  so  dass  die 
klüsterlichen  Personen  und  Laienschwestern  in  geringer  Anzahl  vorhanden  und 
zum  Teil  schwach  seien  und  dadurch  das  Kloster-  und  llofregiment  geringest 
oder  «'•ar  kein  ordentlich  Haushalten  und  Versehung  beschehe.  Desshalb 
und  weil  jetzt  ganz  geschwinde  nicht  allein  Sterbens-,  sondern  auch  Kriegsläufte 
seien  und  des  Ab-  und  Zulaufens  vielfältig  geschehen  möge,  so  habe  er,  wie 
ihm  solches  gebühre,  nicht  umgehen  mögen  in  solchen  zugestandenen  Unrat 
ein  "-nädio-es  mitleidiges  Einsehen  zu  thun  und  befehle  also  —  ausser,  dass  der 
Klosterhofmanu  zu  der  Armen  Ruhe  die  Sachen  mit  dem  Kloster  wohl  machen 
solle  — ,  der  Amtmann  wolle  im  Kloster  alle  Briefe  und  Register  in  eine  be- 
schlossene verwahrte  Kiste  bringen  und  solche  in  dem  Gewölb  zu  Wiesbaden 
bei  der  Gemein  einstellen  und  verwahren  lassen,  den  Schlüssel  behalten  und 
ein  fleissiges  Aufsehen  thun  über  die  Vorräte  und  das  Dienstgesinde,  damit 
nichts  entwendet  und  alles,  soviel  als  möglich,  in  guter  pünktlicher  Ordnung 
gehalten  werde. 

Dieses  Vorgehen  des  Grafen  bedarf  einer  genaueren  Beleuchtung.  In 
dem  Staatsarchiv  befindet  sich  ein  „Bericht  über  das  Kloster,  nunmehr  Landes- 
hospital Clarenthal",  der  kurz  nach  dem  Erlasse  des  Restitutionsediktes  von 
1629  abgefasst  ist,  da  er  am  Schlüsse  erwähnt,  dass  nach  jenem  Edikte  kaiser- 
liche Subdelegierte  wegen  Abtretung  des  Klosters,  damals  Landeshospitals,  in 
Clarenthal  erschienen  seien;  denn  es  hatte  ja  noch  nach  dem  Passauer  Vertrag 
bestanden,  welcher  nach  dem  Restitutionsedikt  die  Grenze  der  Säkularisierungen 
sein  sollte.  Und  wirklich  nahm  es  der  Erzbischof  von  Mainz  am  6.  Juli  1630 
in  Besitz  (später  setzten  sich  die  Jesuiten  daselbst  fest).-'^)  Wir  dürfen  also 
unbedenklich  jenen  Bericht  in  diese  Zeit  setzen  und  seine  Bestimmung  darin 
erblicken,  dass  er  den  Absichten  der  katholischen  Partei  entgegenwirken  sollte. 
Denn  er  geht  offenbar  darauf  aus,  das  Verfahren  des  Grafen  Philipp  als  durchaus 
rechtmässig  zu  erweisen,  indem  er  ausführlich  darthut,  dass  auch  früher  die 
Verwaltung  des  Klosters  unter  einer  weitgehenden  Aufsicht  und  Kontrolc  des 
Grafen  und  seiner  Beamten  gestanden  habe.  .  Wenn  auch  diese  Sätze  eine 
Einschränkung  zu  bedürfen  scheinen,  so  galt  doch  der  Graf,  wie  die  Cambcrgerin 
in  ihrer  Urkunde  vom  Jahre  1558  sagt,  als  „fundator,  Oberer  und  Schutzherr" 
des  Klosters  und  es  konnten,  wie  es  der  Convent  am  15.  März  und  14.  Sept.  1555 
ausspricht  (s.  u.),  ohne  seine  Einwilligung  keine  Novizen  aufgenommen  werden. 
Danach  kann  man  ihm  sicherlich  nicht  das  Recht  absprechen  auf  Beseitigung 
bestehender  Missbräuche    zu  dringen  oder.    w(>nn    dies  nicht  gelang,    sie  selbst 


*^  So  heisst  er  in  gleichzeitigen  Urkunden,  nicht  Altherr,  wie  er  gewöhnlich  genannt  wird. 
*')  Amtmann  zu  "Wiesbaden  war  seit  dem  l.'i.  Juni   1540  Moriz  von  Bresen. 
")  Nicht  vom  4.  Dezemlior,  wie  Nehe  a.  a.  ().  berichtet. 
*')  Vergl.  das  Evang.  (Jeineindcbiatt  18'Jl,  XI,  Xo.  5  u.  ü. 


in  die  Iltind  zu  nelnncn.  Yoraiisgosotzt,  dass  ein  Eingreifen  des  Sclmtzlicrrn 
nach  dem  8terbondt  nötig  war,  was  hätte  zunächst  geschehen  müssen?  Ofleubar 
w^ir  es  zu  aUererst  erfurderlich  die  Ordnung  des  Kk)sters  wiederherzustelicni, 
d.  h.  für  die  Neuwahl  einer  Äbtissin  zu  sorgen.  Indem  der  Graf  das  unter- 
liess  und  si'lbst  die  Verwaltung  des  Klosters  in  die  Hand  nahm,  w^orauf  doch 
die  i'bernahme  der  Briefe  und  Register  hinauslief,  ging  er  über  seine  Be- 
rechtigung hinaus.  Vielleicht  war  er  froh  eine  Veranlassung  gefunden  zu 
haben,  sich  ernstlicher  mit  dem  Kloster  zu  beschäftigen.  Er  hatte  der  Refor- 
mation im  Jahre  1543  den  Zugang  zu  seiner  Herrschaft  gestattet;  zu  durch- 
greifenderen Neuerungen,  wie  Aufhebung  der  Klöster,  waren  die  unsicheren 
politischen  Zustände  nicht  angethan  gewesen  und  das  Interim  hatte  alles  wieder 
in  Frage  gestellt.  Jetzt,  nachdem  der  Passauer  Vertrag  eine  grössere  Stetig- 
keit der  Verhältnisse  und  mehr  Ruhe  und  Frieden  zu  verbürgen  schien,  konnte 
er  daran  denken,  weiter  voranzuschreiten  und  die  Anstalt  zu  Clarenthal  ihrem 
Ende  entgegenzuführen,  ein  Ziel,   das  er  von  nun  an  nicht  aus  den  Augen  verlor. 

Die  Ausführung  des  gräflichen  Gebots  verzögerte  sich.  War  die  Gefahr 
einer  Ansteckung  noch  nicht  geschwunden?  Fast  sollte  man  vernmten,  dass  die 
Furcht  vor  ihr  noch  geherrscht  habe;  hatte  doch  der  Amtmann  Moriz  v.  Bresen 
nach  dem  Ilaushaltungsbuch  im  Bichterhaus  zu  Clarenthal  im  Sterben  gelegen, 
der  am  30.  April  1554,  wie  sein  Grabstein  meldet'-"),  wirklich  starb,  ob  infolge 
der  „Infection"?  Jedenfalls  verzögerte  sein  Tod  die  Ausführung  des  gräflichen 
Gebots.  Seine  Stelle  blieb  dann  geraume  Zeit  unbesetzt  und  der  Bereiter  Hans 
Zeun  von  Büdingen  versah  das  Amt.  So  kam  es,  dass  erst  am  6.  Sept.  1554, 
wenige  Tage  nach  dem  Tode  der  Priorin,   der  Befehl  des  Grafen  vollzogen  wurde. 

„Mittwoch,  den  6.  September  1554,  so  lautet  eine  Aufzeichnung  des 
Staatsarchives,  hat  auf  Befehl  des  Grafen  Philipp  der  Amtsverwalter  Hans 
Zeun  von  Büdingen  und  der  Rentmoister  Levin  von  Havelberg  zu  Wiesbaden 
alle  Siegel  und  Briefe  des  Klosters  besichtigt  und  den  Inhalt  verzeichnet")  in 
Gegenwart  der  Klosterjungfrauen 

1.  Marie  von  Rüdesheim, 

2.  Margarethe  von  Diez, 

3.  Margarethe  von  Camberg, 

4.  Else  von  Würges, 

5.  Cordula  Echtem, 

6.  Margarethe  von  Eufingen, 

sowie  der  Hofleute  Ilen  von  Erbenheim  und  Teysen." 

Betrachten  wir  zuerst  die  Namen  der  Nonnen.  Von  den  Namen  des 
Verzeichnisses  von  1550  erscheint  hier  nur  einer  wieder,  der  der  ^larie,  nun- 
mehr als  Marie  von  Rüdesheim.  Dass  beide,  :^[arie  von  Nassau  und  Marie 
von  Rüdesheim,  dieselbe  Jungfrau  bezeichnen,  geht  daraus  hervor,  dass  von  der 
Nassauerin    gesagt  wird,    sie    sei    bei    dem  Tode  der  Reinbergerin    die  einzige 


")  Ilel wichs  Abschrift  iioiint  ihn  Max  von  Prostoln,   doch  j,^il.  es  damals  koin^ii  .>i11<mi 
und  ehrenfesten  Mann  dieses  Namens  zu  Wiesbaden. 

")  Das  Staatsarchiv  bewahrt  dieses  Verzeichnis  noch  heute  auf. 


10 

noih  zu  Chireiirlial  verbliebene  Sclnvester  gewesen.'*)  Nach  Verlauf  von  kaum 
acht  Tagen  —  am  6.  September  —  bi'gegnet  uns  der  Name  „von  Rüdosheim", 
nach  noch  niciit  14  TuirtMi.  am  17..  und  bald  darauf  am  24.  September  wird 
im  Haushaltungsburh  wieder  Marie  Nassauerin  genannt;  sie  steht  an  diesen 
Tagen,  wo  sie  Stattlmlterin  oder  Verwalterin  lieisst.  gerade  wie  am  6.  September 
an  der  Spitze  der  Klosterschwestern  und  ebenso  noch  bei  ihrem  Sclieiden  aus 
C'larenthal  im  Jidire  löMK  wo  sie  wieder  Merg  von  Küdesheim  genannt  wird 
und  die  „akc  Aiitoi".   d.   li.   die  Zelle  der  Äbtissin,   bewohnt.") 

ich  denke,  daraus  erhi'Ut  genugsam,  dass  die  beiden  Namen  nur  eine 
Person  bezeiehnen.  Sie  war  schon  im  Jahre  1550  im  Kloster  und  zwar,  da 
sie  in  dem  Verzeichnis  zuletzt  aufgeführt  ist,  als  jüngste  Nonne;  da  sie  allein 
ausgehalten  hatte  während  der  Sterbensläuftc,  trat  sie  v(m  selbst  in  die  Stelle 
dor  Vorsteiieriu  ein  und  behielt  dieselbe,  auch  als  die  andern  Schwestern  sich 
wieder    einfanden. 

Aber  warum  der  "Wechsel  des  Namens?  Es  ist  wohl  nicht  zu  bezweifeln, 
dass  der  eine  ihre  Herkunft  von  Ilüdesheim,  der  andere  ihre  Abstammung  von 
den  Nassauern  angeben  sollte.  Bei  diesen  kann  man  zunächst  an  die  Grafen- 
familie denken  und  wird  darin  bestärkt  durch  folgenden  Umstand.  In  der 
Kirche  des  Klosters  befanden  sich  nach  dem  „luventarium  der  Ornata  und 
Kirchen  Cleinott  zum  Neuen  Closter"  vom  10.  Dezember  1558  u.  a.  „zwen 
Nassauer  Leb",  d.  h.  zwei  nassauische  Wappen.  Diese  beiden  erbat  sich  und 
erhielt  die  Jungfrau  Merg  bei  ihrer  Übersiedelung  nach  Walsdorf  im  Jahre  1559 
mir  anderen  Gegenständen  von  Graf  Philipp;  sie  sind  hier  als  „zwei  Nassawer 
Wappen  an  albeu"  verzeichnet.  Sie  kann  das  grosse  Interesse  an  ihnen,  das 
durch  ihre  Birre  bekundet  Avird,  doch  nur  desswegen  gehabt  haben,  weil  sie 
sich  mit  dem  Hause  Nassau  verwandt  glaubte.  Wenn  wir  nun  von  einer 
Marie  von  Nassau  als  Mitglied  des  Grafenhauses  in  jener  Zeit  nichts  wissen, 
die  Genealogen  wenigstens  davon  nichts  berichten,  so  muss  entweder  ihr  Name 
sonst  nicht  genannt  oder  bekannt  geworden  sein,  oder  wir  haben  in  ihr  eine 
Spuria  des  Hauses  zu  erblicken,  deren  Mutter  zu  Rüdesheim  lebte  und  die 
unter  dem  Schutze  und  der  Fürsprache  ihres  Vaters  die  Aufnahn.e  in  das 
Kloster  erlangte,  wie  das  ja  auch  sonst  vorkam.  —  Man  könnte  aber  auch  die 
Maiie  dem  Geschlechte  der  Herrn  von  Nassau-Spurkenburg  zuweisen,  das  damals 
zu  Sonnenberg  im  Besitze  einer  Burgmannschaft  war  und  auch  zu  Wiesbaden 
einen  Hof  besass;  zwei  der  Faiiiili(!  kommen  als  Amtmänner  daselbst  vor, 
Jtdiann  im  Jahre  1532  und  Georg  im  Jahre  1558.-*)  Doch  hier  geraten  wir 
wieder  in  Verlegenheit  durch  die  Bezeichnung  „von  Rüdeslieim".  Es  bleibt 
daher  vorerst  nur  ein  non  liquet  für  uns  übrig. 

A  on  den  Fräulein  von  Diez,  der  Cambergerin  und  den  Echtem  haben 
wir  oben  bereits   gesprochen;    bei    der  Else    von  Würges    und  Margarethe  von 

"j  Roth,  fontes  I,  1,  483. 

*')  Siehe  unten  in  der  Inventarisatioii   vom  .'>.   Fcbninr  1559. 

")  Vogel,  Annal.  II,  3,  31.  Junker  Johann  von  Knssau  besass  nach  einem  alten  Zins- 
rogister  des  Hos-pitnls  u.  a.  vier  Morgen,  die  dem  Junker  Winter  von  Küdesheim  (im  Hofe  der 
Herrn  von  Wiesbaden,  zuletzt  der  Mahrische  Hof  in  der  Kirclignsse  geimnnt)  gehört  hnttoii. 


11 

Eufingon  können  wir  nicht  entscheiden,  ob  sie  adeligen  Familien,  die  zu  Wiiiges 
und  Eiifiiigen  angesessen  und  begütert  waren,  oder  ob  bürgerlichem  Stande 
angehörten.  Über  die  lieiden  Hofleute  s.  unten  in  dein  Abschnitt  3,  S.  20. 
You  den  sechs  Jungfrauen  der  Liste  von  1554  waren  also  vier,  Nu.  2, 
4,  ")  und  6,  nach  dem  Jahre  1550  in  das  Kloster  eingetreten,  eine  Thatsache, 
die  auch  Fichardt  in  seinem  Gutachten  au  den  Grafen  bestätigt  fs.  u.).  Von 
der  Diezeriu  berichtet  die  Priorin  in  ihrer  Rechnung  (s.  u. ),  dass  sie  iiir  das 
von  der  Äbtissin  bei  ihrem  Tode  (155,'))  hinterlassene  Geld  ausgehändigt  habe: 
sie  befand  sich  also  zur  Zeit  der  Sterbensläufto  schon  im  Kloster,  von  den 
drei  andern  aber  dürfen  wir  getrost  annehmen,  dass  auch  sie  um  diese  Zeit 
bereits  zu  Ciarenthal  geweilt  haben,  ja  noch  mehr,  dass  sie  v  o  r  dem  traurigen 
Ereignisse  eingetroffen  waren,  etwa  1550 — 1552.  In  jenen  Jahren  wird  also 
die  Zahl  der  Nonnen  bis  auf  zwölf  gestiegen  sein,  von  denen  eben  fünf  zur 
Zeit  des  Sterbendts  auswichen  und  im  September  1554  sich  wieder  einfanden, 
No.  2 — 6  des  Verzeichnisses,  eine  (Marie)  Stand  hielt,  di(!  übrigen  sechs  entweder 
starben  oder  gleichfalls  auswichen,  aber  ohne  wiederzukehren,  No.  1 — 6  des 
Yerzeichnisses  von  1550.  Die  Zahl  derer,  welche  der  Seuche  erlagen,  betrug 
also  höchstens  sechs,  allerdings  hinreichend  gross,  um  denen,  die  noch  verschont 
waren,  die  Furcht  einzuflössen,  dass  sie  das  gleiche  Geschick  wie  die  Ver- 
storbenen ereilen  möge. 

Die  Rückkehr  der  ausgewichenen  Schwestern  muss  alsbald  nach  dem  Tode 
der  Priorin  stattgefunden  haben.  Die  Berichte  stimmen  darin  überein,  dass 
nur  eine  Nonne  im  Kloster  verblieben  sei;  das  war  am  28.  August;  die  oben 
angeführte  Notiz,  die  Roth,  fönt.  I,  1,  483  mitteilt  (sie  ist  dem  Würzburger 
Archive  entnommen),  sagt:  „1554,  28.  August  moriente  eciam  priorissa  Margareta 
de  Rinberg  et  unica  suporstite  moniali  Maria  de  Nassaw  cum  quatuor  sororibus 
servientibus  Philippus  comes  de  Nassau  per  suos  officiales  omnia  documenta. 
census,  sigilla  etc.,  claves  cciam  ad  mauus  suas  recepit."  In  diesen  Worten 
ist  nur  das  nicht  zutreffend,  dass  nicht  erwähnt  wird,  dass  bei  dem  Eingreifen 
Philipps,  welches  eben  die  „Besichtigung"  der  Briefe  u.  s.  w.  des  Klosters 
am  6.  September  ist,  wieder  sechs  Jungfrauen  anwesend  waren.  Zwischen 
beiden  Tagen,  dem  28.  August  und  dem  6.  September,  muss  die  Rückkehr 
(U'folgt  sein.  Der  Tod  der  Priorin  nicht  weniger  als  das  drohende  Vorgehen 
der  Grafen,  das  siclierlicli  keiner  unter  ihnen  unbekannt  sein  konnte,  da  es 
schon  lange  beschlossen  war,  vielleicht  auch  ein  Befehl  desselben,  dem  ihre 
Anwesenheit  bei  diesem  Avichtigen  Akte  erwünscht  sein  mochte,  alles  dies  rief 
sie  schnell  von  ihren  Zufluchtsstätten  zurück. 

Ob  die  Marie  von  Nassau  die  Leitung  des  Klosters  als  Statthalterin  still- 
schweigend in  die  Hand  genommen  als  die,  welche  allein  im  Kloster  geblieben 
war,  oder  ob  sie  von  dem  Convent  ernannt  wurde,  bis  die  vorgesetzte  Behörde 
eine  Neubesetzung  des  Amtes  der  Äbtissin  herbeigeführt  hätte,  oder  ob  auch 
hier  der  Graf  eingriff,  wird  nicht  gemeldet.  Zur  Seite  stand  ihr  die  ^largarethc 
von  Diez,  in  deren  Beisein  sie  z.  H.  am  21.  und  24.  September  1554  n>ir 
Meister  Christmann  und  Sattler  Melchior  von  Mainz  abrechnete. 


12 

Doch  die  Zalil  (Ut  JSehwostern  sollte  noch  iiu'hr  zusammenschrumpfen: 
am  25.  Januar  \')'ü  schreibt  der  Graf,  es  seien  ilirer  noch  fünf  anwesend  und 
diese  fünf  wurden  endlich  im  Jahre  15r)8  und  1559  „abgefertigt"  oder  nach 
Walsdorf  verpHanzt;  unter  ihnen  befand  sich  nicht  die  Cordula  Echter,  die  ent- 
weder ohne  Abfertigung,  wie  die  Fräulein  von  Erbach  ausgetreten  oder  ge- 
storben war. 

Eine  L'bersicht  über  diese  Verhältnisse  gibt  die  folgende  Zusammenstelluns:: 


Die  Klosterjungfrauen. 

1550,  25.  Februar. 

1554,  6.  September. 

1.   Anna   Brendeln,    Äb- 

t 1553,  13.  Okt 

— 

— 

tissin 

2.  Margarethe    Reinber- 

t  1554,  28.  Aug. 

— 

— 

gerin,  Priorin 

3.  Agnes   von   Hattstein 

4.  Gueth   von    Hattstein 

5.  Christine  von  Diez 

6.  Marie  Kclitor 

vor  1554,  28  Aug. 

gestorben      oder 

„ausgewichen", 

— 

— 

7.  Marie  von  Nassau 

1.  Marie  von  Rüdesheim 

bis  Januar  1559 

2.  Margnrethe  von  Diez 

bis  Januar  1559 

[8.  Margareihe  Cam- 

nicht  examiniert] 

3.  Margarethe  Cam- 

bis  1558,  30.  Juni 

bepgerin 

bergerin 

4.  i-^lse  von  Würges 

bis  1559,  27.  Januar 

5.  Cordula  Echter 

vor  1557,  25.  Januar 
ausgeschieden 

6.  Margarethe  vonEufingcn. 

bis  1559,  27.  Januar. 

~  9.  Katharina  Schenk  von 

— 

— 

— 

Krbach 

vor    1550    aus- 

10.  Klisabeth  Schenk  von 

getreten  (?). 





_        Erbach 

^ 

b)  Aus  dem  Haushalt  des  Klosters  von  1550—1554. 

Während  wir  über  die  Führung  des  Haushaltes  des  Klosters  für  die  frühere 
Zeit  nur  geringe  Kunde  haben,  da  die  dürftigen  Mitteilungen  der  Necrologiums 
über  Schenkungen  und  über  die  Jahrgezeiten  unsere  einzigen  Quellen  sind,  das 
Ilauslialtungsbuch  von  1525—1550  nur  trockene  Zahlen  gibt  und  die  „aller- 
han<lt  Register",  die  das  Inventar  vom  5.  Februar  1559  kennt,  sämtlich  ver- 
schwunden zu  sein  scheinen,  sind  uns  für  die  Jahre  1550 — 1554  mehrere  Auf- 
zeichnungen erhalten,  die  einen  Einblick  in  die  Einnahmen  und  Ausgaben  des 
Klosters  erlauben,  das  Hau.shaltungsbuch  von  1550 — 1554  und  das  Rechnungs- 
buch der  Priorin  während  ihrer  Amtsverwaltung. 

Jenes  ist  bis  zu  ihrem  Tode  von  der  Äbtissin  selbst  geführt  worden; 
denn  das  Jahr  1550  hat  die  l'berschrift:  „in  anno  L  in  dem  25  jare  meynes 
ampts"  und  entsprechend  in  den  folgenden  Jahren  (1551  =  26.  Jahr,  1552  = 
27.  Jalu-j,  ferner  spricht  sie  bisweilen  mit  „ich",  Avie  (1,551)  am  27.  Juli: 
„alöz  unsser  zwen  hern  gestorben  warn  und  ich  einen  boden  zu  dem  provinzial 


13 

schicken  iiiost"  und  das  öfter  vorkommende  „uli  rceluieie  ab  mit.  .  .".  Nach 
ihrem  Tode  ward  es  von  der  Priorin  weitergeführt  bis  in  den  J [erbst  1554.  Jenes 
lässt  in  Bezug  auf  Genauigkeit  und  Vollständigkeit  manches  zu  wünschen  übrif, 
indem  z.  B.  die  Einnahmen  nicht  regelmässig,  sondern  nur  vereinzelt  aufgeführt, 
die  Ausgaben  nach  Materien  (Küchenspeise,  Geschenke,  Weiubergarbeit  u.  s.  w. ) 
geordnet,  dabei  aber  die  Jahre  nicht  inmier  gesondert  werden,  wodurch  ein 
Jahresabschluss,  der  regelmässig  fehlt,  unmöglich  gemacht  oder  sehr  erschwert 
wird.  Trotzdem  bietet  es  eine  Fülle  von  Einzelheiten,  aus  der  wir  eine  Aus- 
lese geben  werden. 

Das  Rechnungsbuch  der  Priorin,  welches  etwa  zehn  Monate  umfasst,  ist 
sorgfältigc^r  geführt;  es  sondert  Einnahmen  und  Ausgaben,  zieht  die  Summen 
von  jenen  zu  einem  Gesamtresultat,  von  diesen  wenigstens  für  die  einzelnen 
Seiten  bis  zum  Anfang  des  Juli  1554  zusammen  und  ordnet  die  Ausgaben  meist 
genau  nach  der  Zeitfolge.  Wir  legen  es  daher  für  die  Einnahmen  zu  Grunde 
und  ergänzen  die  fehlenden  zwei  Monate,  um  die  Gesamteinnahme  eines  Jahres 
zu  gewinnen,  durch  den  verhältnismässigen  Betrag  derselben.  Die  Über- 
schrift des  Eechuungsbuchs  lautet :  „Innom  und  ussgabe  d  u  r  c  h  m  i  c  h 
Margarethe  ßeinbergerin  zu  Ciareuthal  nach  Absterben  der  Alten  Frau  Äbtissin 
sei.  gescheen. "  Daraus  erkennen  wir,  dass  auch  sie  selbst  hier  die  Feder 
geführt  hat. 


1.   Die  Einnahmen  der  Priorin   vom  25.   Oktober  1553 

bis  Ende  Auffust  1554. 


Die  Gesamteinnahmen  der  zehn  Monate  der  Priorin  ergeben  die  Summe 
von  c.  360  Fl.  12  Alb.  Wir  können  sie  nur  annäherungsweise  angeben,  sie 
mag  eher  etwas  höher  anzusetzen  sein,  da  der  Wert  des  Thalers,  der  bei 
einigen  Posten  vorkommt,  nicht  bestimmt  werden  kann ;  nach  einer  Stelle 
werden  4  Thaler  =  5  Fl.  4  Alb.,  also  einer  =  1  Fl.  7  Alb.  gesetzt,  an  einer 
andern  kosten  2  Malter  einen  Thaler,  die  nach  dem  gewöhnlichen  Preise  mit 
2  X  -^'^  Alb.  =  2  Fl.  2  Alb.  bezahlt  werden.  Von  den  genannten  360  Fl. 
12  Alb.  müssen  wir  aber  abrechnen  die  48  Fl.,  welche  die  Äbtissin  hinter- 
lassen hatte,  es  bleiben  also  312  Fl.  12  Alb.  als  Gesamteinnahme  übrig,  und 
rechnen  wir  den  verhältnismässigen  Betrag  für  die  zwei  fehlenden  Monate 
=  c.  62  Fl.  hinzu,  so  ergibt  sich  eine  Jahreseinnahme  von  c.  374  Fl.  Das 
ist  in  unsern  Augen  eine  sehr  geringe  Summe,  erscheint  aber  in  einem  andern 
Lichte,  wenn  man  bedenkt,  dass  der  Geldwert  damals  ein  ganz  andrer  war, 
als  man  ein  Malter  Korn  für  25  Alb.  und  ein  Pfund  Fleisch  für  5 — 7  Pfennige 
kaufen  konnte,  das  Kloster  aber  vieles,  was  zum  Leben  nötig  war,  z.  B.  Fleisch, 
Brod,  Butter  und  Wein,  von  seinen  zwei  Höfen  beziehen  konnte  und  aucli 
Schenkungen  von  Korn  und  Geld  zu  Zeiten  ihm  zuflössen. 

Da  die  Art  der  Einnahmen  nicht  ohne  Interesse  ist,  so  lassen  wir  dieselben 
hier  folgen,  wobei  wir  die  lateinischen  Zahlangaben  des  Originals  mit  unseren 
Ziffern  wiedergeben. 


14 

1.  «Vun  inyntT  Erw.  Frau  inutor  eptissin  sei.  verlassen  gellt  empfangen 
48  Fl.  C'onv.  gelt,  empfangen  von  Margareten  von  Dietz,  hat  min  erw.  Frau 
muter  eptissin  sei.   verlassen.'* 

2.  „Awgelt  (Ertrag  tler  Au  des  Klosters  bei  JJiebrieh).  43  Fl.  18  Alb. 
awgelt  von  Cleiss  wirt  zu  Biberig  empfangen  uf  Oster  Montag,  mit  Im  ge- 
rechnet von  wegen  unser  Awen,   uml  ist  v^n  dem  Jar  fiinfft/ig  drie  unsz  nichts 

mehr  schuldig." 

8.  Uss  woll  o-eleist.  G8  Fl.  vcm  Arnolt  Ingenommen  ....  so  diss  53  Jor 
ine  und  zur  Armen  liue  gefallen."     im  .lahre  1552  erlöste  man  aus  AV(dle  83  Fl. 

4.  „Leibfall.     C  Fl.   leibfall    von    wegen    das    Apts    zu    Erbach  .   .   .   uf 

Soutag  omnis  terra." 

Hieizu  fügen  wir  folgende  Erläuterungen:  1.  Leibfall  ist  eigentlich  der 
I Unfall  der  persönlichen,  namentlich  der  Besitzrechto  eines  Leibeigenen  bei 
seinem  Ai)leben  und  die  Abgabe,  die  seine  Angehörigen  für  i'bertragung 
solcher  Hechte  auf  sich  andern  Herrn  zu  entrichten  hatten.  Deutsches  AVörter- 
bueh  Yl,  598.  Hier  bezieht  sich  der  Leibfall  auf  das  Verhältnis  des  Klosters 
Eberbach  zu  Clarenthal.  Eberbach  musste  nämlich  früher  bei  dem  Tode  eines 
Abtes  wegen  seiner  Besitzungen  zu  Mosbach  zwei  Besthäupter  an  Clarenthal 
abgeben.  Im  Jahre  1433  aber  trafen  beide  Klöster  das  Abkommen,  dass  Eberbach 
dafür  bei  dem  Tode  eines  Abtes  künftig  sechs  Goldgulden  entrichten  solle. 
B  odman  n  S.  12.  Ein  Copiar  im  St. -Archive  sagt:  „Item  so  eyn  apt  gestorben 
zu  Erpach,  8al  er  dem  Convendt  geben  6  Goltgulden  vor  ein  besthaupt,  Sal 
im  die  eptissen  quetiren."  Das  Formular  einer  solchen  (Quittung  ist  dabei 
erhalten.  —  2.  Am  14.  September  1553  war  der  Eberbacher  Abt  Andreas  von 
Küblenz  gestorben;  das  Kloster  kam  also  an  dem  Sonntag  omnis  terra  seiner 
Verpflichtung  nach.  — •  3.  Dieser  Sonntag  omnis  terra  hatte  seinen  Namen  von 
dem  Anfange  der  Messe  des  Tages :  er  war  der  zweite  Sonntag  nach  Epi[)hania, 
der  im  Jahre  1554  auf  den  14.   Januar  tiel. 

5.  ^1272  Fl.  von  Hennen  dem  meister  emjjfangen  uf  gemelten  tag." 
fber  den  Meister  Hennen  s.  unten  in  Abschnitt  3,  S.  20.  Wofür  diese  Summe 
gezahlt  wurde,   wird  nicht  gesagt. 

Als  Summe  dieser  fünf  Posten  ist  angegeben  der  Betrag  von  188  Fl. 
6  Alb.,  sie  beläuft  sich  aber  nur  auf  178  Fl.  6  Alb. ;  es  muss  also  irgend  ein 
Irrtum  untergelaufen  sein,  indem  entweder  ein  Fehler  in  der  Addition  gemacht 
wurde  oder  ein  oder  mehrere  Posten  unrichtig  angesetzt  sind.  So  leicht  der 
erste  Fall  bei  Anwendung  der  lateinischen  Zahlzeichen  vorkommen  konnte  und 
auch  vorgekommen  ist,  wie  einzelne  Nachprüfungen  bewiesen  haben,  so  scheint 
doch  hier  der  zweite  Fall  vorzuliegen.  In  Xo.  1  nämlich  ist  allem  Anschein 
nach  dem  LVIII  .später,  wie  die  Schrift  zu  schliessen  erlaubt,  ein  X  vorgesetzt 
und  dadurch  die  Zahl  um  zehn  veriniudert  worden;  das  muss  erst  nach  ge- 
Hcheln-ner  Addition  stattgefunden  haben;  die  Priorin  vergass  dab(>i  das  Ergebnis 
ihrer  früheren  Addition  zu  ändern.  AVir  haben  für  unsere  Berechnung  den 
Ff'hlcr  berichtigt. 

G.  Aus  Vieh  wurden  erlöst.  1.  „15  Fl.  (>mpfangeii  \<tn  Hennen  von  wegen 
Jeckel  metzger  zu  AVisbaden,   dem  wir  den  Ochsen  verkauft,   und  ist  noch  ganz 


schuldig-  7  Fl.  myncr  2  Alb.  (=  G  Fl.  22  All).),  empfangen  auf  Ostor  Mittwoch«; 
2.  „3V2  Fl.  2  Alb.  (=  3  Fl.  14  Alb.)  für  1  Saw  von  Kaps  Hansen  em- 
pfangen"; '.).  „4  Fl.  für  1  Saw,  hat  Jlans  Krvv  uf  seines  Vettern  hochzeit 
kaufit",   zusamiucii  „22'/2  Fl.   2  Alb."   (22  Fl.    14  Alb.) 

7.  Aus  AVolle  wurden  weiter  erlöst  am  S.  Annentag  den  27.  Juli  ir)r)4 
f)  Fl.,  9  Alb.;  „des  hat  Arnolt  (von  Sonnenberg)  2  Fl.  iubohulten  alt  schuldt 
lutt  der  ussgab." 

8.  Als  Pachtgelder  sind  vier  Posten  aufgefühi-t,  aus  denen  wir  folgendes 
auslieben:  1.  .')'/2  Fl.  von  Meckels  Hansen  /u  Mossbach  empfangen  wegen 
seiner  Pacht  und  Wiesen ;  ist  noch  schuldig  6  Fl.  ;  auf  Ostern-Mittwoch ; 
2.  11  Fl.  1  Ort  (=  74  Gulden)  von  Pacht  /u  Dotzheim  auf  Lichtmess;  3.  4  Fl. 
13 '/2  Alb.  Dotzheimer  Pacht  Donnerstag  nach  Oculi  (1.  März);  das  andere, 
7  Fl.,  ist  „mir"  Margrcdt  noch  schuldig;  4.  4  Fl.  Pacht  von  Michels  Peter  zu 
Mosbach  Freitag  nach  Quasimodo  (6.   April);  zusamnu^n  .,22  Fl.   23  Alb." 

9.  Für  verkauftes  Korn  und  Weizen  wurde  eingenommen  im  Ganzen  der 
Betrag  von  ca.  34  Fl.  7  Alb.  ;  er  verteilt  sich  auf  acht  Posten,  von  denen 
der  erste  auf  Mittwoch  vor  corp.  Christi  (31.  Mai),  der  letzte  auf  Margarethen- 
tag  (13.  Juli)  einging;  ein  Malter  Korn  ist  mit  24,  25  und  20  Alb.  bezahlt 
worden,    einmal    2  Malter    mit    einem  Thaler,    12  Malter    Weizen    mit    15  Fl. 

7  Alb,  ;  12^/2  Fl.  sind  von  der  Armen  Kühe  eingegangen,  ebenso  wohl  auch 
das  Geld  für  Weizen;  denn  der  Hofmann  derselben  kaufte  dafür  verschiedene 
Fische,  Käse,   Oliven  u.   a. 

10.  Die  Einnahme  von  „Zinsgcld"  betrug  im  Ganzen  97  Fl.,  1  Alb. 
Davon  zahlte  Hans  Krug  auf  Thomae  erst  (21.  Dezember)  1553  22  Fl.  auf 
Sonntag  nach  Thomae  (23.  Dezember)  5  FL,  4  Alb.  und  auf  Yincula  Petri 
(1.  August)  1554  22  Fl.  ;  nähere  Angabe  fehlt;  von  Wentzen  Hansen  zu 
Mossbach  gingen  auf  S.  Marxtag  (S.  Marcus,  25.  April)  4  Fl.  für  eine  Wiese 
ein.  Die  drei  folgenden  Posten  bedürfen  einer  längeren  Begründung.  Zunächst 
erhielt  die  Priorin  „20  Fl.  Zinsz  vom  5.').  Jor  von  Herr  Johann  Pastor  zu 
Reinbellen  uf  unserr  Herrn  Offartstag  (Ascensio  dom.  =  3.  Mai)";  in  den  Aus- 
gaben heisst  es:  „Item  hab  ich  Peter  von  Dotzheim  uf  h.  Himelfartstag  geben 

8  Alb.,  als  er  mir  das  gelt  bei  dem  Pastor  Reinbelleu  holt."  ^lit  diesen 
20  Fl.  hat  es  folgen  Bewandtnis.  Im  Jahre  1355  am  17.  Dezember  schenkte 
der  Pfalzgraf  ßuprecht,  seine  Mutter  Mechtild,  Tochter  des  Königs  Adolf,  und 
die  damalige  Äbtissin  von  Clarenthal  Agnes  von  Nassau  ehrend  und  zum  ewigen 
Gedächtnis  seiner  Mutter  und  seiner  Vorfahren  das  Patronat  von  Rheinböllen 
bei  Bacharach  dem  Kloster  Clarenthal  und  sowohl  der  Erzbischof  Gerlach  von 
Mainz  als  Ruprecht  der  Jüngere  bestätigten  diese  Schenkung,  1356  und  1360. 
Als  später  die  entfernte  Pfarrei  dem  Kloster  lästig  wurde,  veräusserte  es  sie 
an  den  Pfalzgrafen  Friedrich,  worüber  eine  Urkunde  vom  28.  Februar  1455 
vorliegt,  behielt  indessen  gewisse  Rechte.  Über  dieselben  erhob  sich  etwa 
zwanzig  Jahre  nachher  ein  Streit  zwischen  dem  Kloster  und  dem  Pfarrer  des 
Ortes  Peter  Schluch,  den  als  Schiedsrichter  Adolf  von  Breithart,  Schulmeister, 
und  Wolfgang  von  Nellenburg,  Sänger  uns.  1.  Fr.  zu  den  Greden  in  Mainz, 
dahin    cutschieden,    dass    der  Zehnte    dem  Kloster    gehihv.     Derselbe    muss  zu 


IG 

20  Fl.  verauschlagt  wurden  sein  oder  soviel  ergeben  haben.  Mit  dem  Pfarrer 
Scbluch  stellte  sieh,  wie  es  scheint,  das  gute  Verhältnis  wieder  her,  denn  nach 
dem  Neerologiuni,  18.  September,  wurde  ihm,  dem  venerabilis  dominus  Petrus 
Scbluch,  plebauus  zu  Reiubulde,  ein  Anniversarium  angeordnet;  er  hatte  dem 
Convente  ein  silbernes  vergoldetes  Kreuz  verehrt,  das  noch  im  Jahre  1558 
vorhanden  war   und  zu  den  Kleinodien  des  Klosters  gehörte. 

Die  zwei  letzten  Pusten  betreffen  die  Stadt  Wiesbaden,  welche  am 
1.  Augu>t  1438  ein  Kapital  von  250  Fl.,  am  28.  October  1486  ein  solches  von 
200  Fl.  von  dem  Kloster  gekauft  hatte,  jenes  für  jährliche  13  Fl.,  dieses  für 
jährliche  10  Fl.  Die  JUirgermeisterrechnung  vom  Jahre  1524  verzeichnet  dem 
entsprechend  als  Ausgabe  zum  Neuen  Kloster  12  Goldgulden  zu  26  Alb.  = 
13  Fl.  und  in  gleicher  Weise  10  Goldgulden  zu  26  Alb.  =  10  Fl.  20  Alb. 
Die  Priorin  gibt  als  Einnahme  von  Wiesbaden  an  am  Dienstag  nach  dem  neuen 
Jahre  10  Fl.  zu  26  Alb.  „zu  der  Brendeln  Jarzeit"-'*)  und  13  Fl.  an  Kiliani 
den  i).   Juli-.*") 

2.    Die   Ausgaben    des    Klosters. 

In  Bezug  auf  die  Ausgaben  sind  wir  weniger  gut  gestellt  als  bei  den  Ein- 
nahmen. Die  Priorin  hat  zwar  ziemlich  genaue  Rechnung  geführt;  nur  manchmal 
ist  eine  vergessene  Au.sgabe  an  unrichtiger  Stelle  nachgeholt,  auch  die  Tage, 
wenn  sie  neben  dem  Kalenderlieiligen  unsere  Datierung  durch  Abzählen  angibt, 
sind  nicht  immer  richtig  bezeichnet,  wie  wir  schon  zu  bemerken  Gelegenheit 
hatten ;  einmal  schreibt  sie  bei  dem  Einkauf  von  Karpfen  in  naiver  Weise : 
„was  sie  kosten,  weiss  ich  nit".  Aber,  was  die  Hauptsache  ist,  der  Abschluss 
fehlt,  da  sie  mitten  aus  ihrer  Thätigkcit  herausgerissen  wurde.  Die  Gesamt- 
ausgabe ihrer  zehn  Monate  beträgt  ca.  293  Fl.,  so  dass  sie  bei  ihrem  Tode 
noch  ca.  07  FI.  in  der  Kasse  hinterliess.  Blieben  die  Ausgaben  während  der 
folgenden  zwei  Monate  in  gleichem  Verhältnis,  so  würden  sie  ca.  350  Fl.  be- 
tragen,  also  ein  Überschuss  von  ca.   70  Fl.   sich  ergeben  haben. 

So  günstii;  scheint  es  in  den  letzten  der  vorhergehenden  Jahre  niemals 
gestanden  zu  haben.  So  wenig  wir  auch  die  Gesamtausgaben  eines  derselben 
übersehen  können,  so  erkennen  wir  doch  so  viel,  dass  bisweilen  grosse  Ebbe 
in  der  Kasse  herrschte.  Das  erhellt  daraus,  dass  die  Äbtissin  Anna  bisweilen 
ein  Anlehen  bei  einer  Schwester  machte  oder  Forderungen  für  geleistete  Dienste 
und  Arbeit  durch  Teilzahlungen  oder  Naturalien,  Korn,  ]\[ehl  u.  a.,  l>efriedigt. 
Zwei  Beispiele  mögen  zum  Beweis  des  Gesagten  genügen.  Am  Andreastage 
(30.  Novemer)  1550  entlieh  sie  von  der  Agnes  Hattstein  4  Tlialer,  erstattete 
sie  ihr  alier  erst  in  <ler  AN'oche  von  (Juasimodogeniti  (5.  — 11.  April)  1551 
wi<!der  zurück.  Dienstag  nach  Pfingsten  1550  (27.  Mai)  rechnete  sie  mit  dem 
Schmiede  Adam    zu  Wiesbaden  ab;    die  Forderune:    desselben    betrug:  —  ohne 


**)  "NVnruiii  zu  der  Breiidolii  Jahrgezeiti'  Gemeint  ist  das  Jahrgezeit  der  Hebelgin 
Urondeln,  da«  in  der  Fastenzeit  gehalten  werden  sollte.  S.  Necrolog,  6.  Januar.  Mit  der  Stadt 
«tand  das  Kloster  durch  Ilcbolgin  nur  dadurcli  in  Heziehung,  daßs  diese  dem  Convent  zehn 
ewigo  Gulden  zu  Wiesbaden  gegeben  hatte. 

*")  Kilimist.'iL,'  ist  al)cr  <ior  M.  .Juli. 


r 


den  Jahreslohn  von  7  Fl.,  1  Malter  Korn  und  einem  Wao-cn  Uolz  —  22  Fl. 
16  Alb.  ;  dafür  erhielt  er  zunächst  5  Fl.  19  Alb.  in  Korn  und  Mehl,  dann 
6  Fl.   und  erst  auf  S.   Andreas  den  Rest. 

Es  kann  natürli(Oi  n'u'lit  unsere  Aljsirlit  sein  dii;  Aus^ulxn  des  Klosters 
bis  ins  Einzclnt-  hinein  zu  verfolgen;  es  niuss  genügen  nur  soviel  heraus  zu 
heben  und  zusauunenzustelleu,  als  nötig  ist,  um  die  Zustände  und  das  Leben  zu 
Clarenthal,  soweit  es  aus  den  dürren  Angaben  einer  Rechnung  möglich  ist,  zu 
erkennen. 

Eine    hervorragende    Rolle    sjuelten    die    Geistlichen,     der    Richter    oder 
Bichti"'er  und  der  Kaplan,  welcher  die  Messe  hielt.    Jenem  wurdt;  im  Jahre  1550 
und  1551   zum  neuen  Jahr  jedesmal  ein  Thaler,     diesem  ein  halber  Thaler  ge- 
geben.    Als  die  „zwen  Herrn"    im  Jahre  1551    gestorben    waren,    der  Richter 
Johann  Clee  an  S.  Medardustag  (8.  Juni),   der  andere  wenig  nachher,  befanden 
sich  die  Nonnen  längere  Zeit    in  grosser  Verlegenheit.     Sie  wandten  sich  zwar 
alsbald  —  am  Sonntag    nach  S.   Annatag,    dem  2.   August  -  -  an  den  Ordens- 
provinzial  mit  der  Bitte,   dass  er  für  Nachfolger  der  beiden  Herren  sorgen  möge 
und,   als  dies  erfolglos  blieb,   abermals  am  2.  März  des  folgenden  Jahres ;  beide 
Sendungen  kosteten  die  erste  4  Fl.,  die  zweite  8  Thaler  Botenlohn  („zu  zerung"). 
Wann  neue  „Herrn"  ankamen,   wissen  wir  nicht,   aber  die  Angaben  des  Haus- 
haltungsbuches belehren  uns,   wie  sehr  man  sich  behelfen  musste,    da  die  Regel 
eine  bestimmte  Anzahl  geistlicher  Übungen  vorschrieb;  so    sollten    die  Nonnen 
nach  der  ältesten  Anordnung  vom  Jahre  1220  in  jedem  Jahre  zwölf  mal  beichten 
und  sechsmal  kommunizieren.    Man  musste  sich  einstweilen  mit  fremden  Geist- 
lichen aus  Mainz  behelfen.     „Zum  guten  Jahre"   1552  erhielt  der  Richter  einen 
Thaler,   der  Kaplan  zu  Mainz,   der  „uns  hie  mess  gethan,   als  wir  keinen  Kaplan 
haben",    einen    halben  Thaler,    der    Bichter,    als    er    hinwegzog,    nachdem    er 
15  AVochen  da  gewesen  war,   Montag  nach  Estomihi  (28.  Februar)  einen  Thaler, 
ein    andrer    von  Mainz    für    einen  Besuch    auf  Pauli  Bekehrung    {2':).   Januar) 
einen  halben  Thaler,    Herr  Heinrich  von  Mainz,   der  auf  Weihnachten   und  an 
vier  Tagen    Messe    gethan    hatte,    einen  Thaler,    ein    Bichter    von    Mainz    am 
3.   April  (Judica)  einen  halben  Thaler,    weil  er  die  Nonnen,    Herr  Jost.    nach 
dem  er  das  Gesinde    berichtet  (sie  mit  dem  Sakramente  versehen),    am  Oster- 
dienstag  ebensoviel,    und  nochmals    im  Laufe  des  Jahres    den  gleichen  Betrag, 
Aveil  er  „den  Nonnen  gedient  hatte";    am  Anfang  des  Jahres  1553  verzeichnet 
die    Äbtissin    vier    Thaler    dem  Bichter,    am    3.   März  1554    die  Priorin  9  Fl. 
als  dessen  Lohn  für  das  Jahr  1553,   am  13.  März  1554  für  den  Herrn  Kaplan 
Johann  4  Fl.   als  „sines  lones"  und  endlich  am  29.  März  dem  Bichtiger  2'/2  Fl. 
„zur  Zehrung  in  seine  Heinuit". 

Der  Hofmeister  ging  gleichfalls  am  Neujahrstage  nicht  leer  aus ;  er  bekam 
„zum  guten  Jahr"  einen  halben,  seine  Frau  einen  Drittelthaler,  eine  dritte 
Person,  deren  Verhältnis  nicht  näher  angegeben  ist,  fünf  Albus.  Desgleichen 
wurde  dem  Hofmeister  Theis  auf  der  Armen  Ruhe  von  Convents  wegen  eiu 
Neujahrsgeschenk  genuicht.  Im  Jahre  1550  kaufte  die  Äbtissin  u.  a.  15\'2  Ellen 
„wirken"  Tuch    für    das  Gesinde    und    auf  des  Meisters  Tisch    zu  Brodtücheru 

2 


18 

für  32  Alb.   iiml  gub   lr):>2  doni  Meister  und  seiner  Frau  G  Fl.,    dass  sie  sich 
sollen  kleiden. 

Gehen  ^vir  /.u  aiuK-rn  Personen  über,  die  mit  dem  Kloster  in  naher  Be- 
ziehung standen,  so  gab  die  Äbtissin  im  Jahre  1550  den  vier  Förstern  zu 
Wiesbaden  4  Thaler  ^vor  unser  schaf,  dass  mir  (sie)  sie  /u  waldo  dryben 
möchten,  darumb  habe  ich  Sie  in  geschenkt,  dan  mir  liaben  iss  nit  macht, 
dan  habe  iih  mich  mir  in  verdragen,  sonst  werden  mir  von  den  Wehern  furstern 
auch  irepandei.    ich  schrib  diss  zu  eym  gedechtnuss.'* 

Denselben  lierrag  gab  die  Priorin  im  Sommer  1554  („tut  5  Fl.  4  Alb."), 
dazu  Maigeld  den  Förstern  von  Wiesbaden  und  Wehen  U  und  18  Alb.,  dem 
Schuhheiss  auf  PHngstabend  als  Pfingstrecht  einen  Thaler,  den  Schützen,  „wie 
man  ihnen  alle  Jahr  geben  nniss",  ebensoviel.  —  Der  Zehentknecht  Peter 
erhielt  1551  einen  Tlialer  für  die  Knechte  in  der  Ernte  und  wenn  man  ihnen 
Wein  geben  nuiss,  etwa  täglich  eine  Mass,  „dass  sie  keinen  Wein  borgen  bei 
den  Wirtheu.  wie  sie  denn  gethan  haben,  dass  die  Äbtissin  dick  4  Fl.  den 
Wirthen  zu  Erbenheim  bezahlen  musste."  Etwas  später,  am  Freitag  nach 
u.  1.  Fr.  Geburt  (11.  September)  erhielt  der  Zehentknecht  Philips,  der  18  Tage 
des  Zehntens  gewartet  hatte,  bei  der  Abrechnung  2  Fl.   15  Alb. 

Als  Schätzung  zahlte  das  Kloster  im  Jahre  1551  am  8.  August  12  Fl.,  für 
155-'>  verlangte  nuin  17  FL.  doch  wurde  diese  Summe  durch  den  Einfluss  des 
(Jrafen  auf  <l  Fl.  ermässigt.  In  einem  Rechtsstreit,  den  das  Kloster  wegen 
einer  Wiese  mit  dem  Herrn  von  Geispitzheim")  hatte,  zog  es  Doktoren  (im-is, 
wohl  aus  Mainz)  zu  Rat;  welches  Honorar  diese  forderten,  ist  nicht  deutlich, 
da  es  mit  andern  Ausgaben  zusammengefasst  ist;  auch  die  andern  Kosten  in 
dieser  Sache,  gemeinsame  Verhandlungen,  Botenlohn  u.  s.  w.  scheinen  nicht 
alle  verzeichnet. 

Auch  einen  Arzt,  aber  nicht  einen  Dr.  med.  erwähnt  die  Priorin  im 
März  1554;  Meister  Andres  oder  Endres  Scherer  zu  Wiesbaden  heilte  damals 
des  Klosterbäckers  Buben  und  erhielt  als  Honorar  8  Albus.  Die  Scherer, 
eiffentlich  Bartscherer.  tonsores,  waren  vielfach  zugleich  ^^'uudärzte  und  in 
Bädern  beschäftigt,  da  man  gern  im  Bade  zur  Ader  Hess;  daher  sehen  wir  sie 
nicht  selten  im  Besitze  von  Badhäusern.  Das  scheint  bei  unserm  Scherer  nun 
nicht  der  Fall  gewesen  zu  sein;  denn  des  Scherers  Endres  Erben  wohnten  im 
Jahre  1555  (er  selbst  war  also  mittlerweile  gestorben)  nach  einer  Bürgerliste 
in  der  hiesigen  Grabenstrasse,  er  übte  also  sein  Gewerbe  in  fremden  Häusern 
und  war  daneben  auch  anderwärts  Heilkünstler. 

Sti-afen  wegen  Vergehens  gegen  die  Feldpolizei  musste  das  Kloster  zahlen, 
weil  die  Schäfer  Nüsse  aufgehoben  hatten;  sie;  wurden  von  den  Schützen 
„geruwct",  d.  h.  in  einer  der  drei  oder  vier  Rügen  der  Schützen  angezeigt  und 
zur  Strafe  gezogen. 

Der  Dechant  u.  1.  Fi.  zu  l-'rankfurt  erhielt  jährlich  16  Fl.  Zinsen  für 
«■ine    Schuld    von    400  Fl.,     die    Äbtissin    von    S.    Clara    zu   Mainz    mehrmals 


")  Damals  HcMitzcr  dos  Hofes  <ltr  lltMiii   \oii   Wiesbaden. 


10 


4  Thaler;  jene  SchiiUl  tilgte  der  (<raf  sofort,  nachdem  er  in  d(!n  vollen  Besitz 


des  Klosters  gelangt  ^var. 


Gehen  wir  nunmehr  zu  dem  Gesinde  des  Klosters  über,  so  müssen  wir 
bedauern  eine  genaue  Übersicht  über  die  Personen  und  Ti(ilinv(!rliältnisse  nicht 
zu  gewinnen  Unter  den  PiM-sdiicii  wii-d  nicht  unterschieden,  welchem  der  beiden 
Höfe  des  Klosters  sie  angehörtiui,  und  die  Lühne  werden  meist  in  Teilzahlungen. 
Ilestlieträgen  oder  auf  l\,e(;hnung  (ungeschrieben.  Es  werdim  g(^nannt  ein  Olier- 
knecht,  JJuben  und  Viohbuben,  Mägde  und  Viehmägde,  Schäfer  und  ihre  Buben, 
Bäcker  und  Bäckerbuben,  Küchenbuben,   der  Sauhans. 

Klarer  sehen  wir  in  die  Verhältnisse  der  im  Dienst  des  Klosters  stehenden 
Arbeiter:  die  zwei  Strohschneider  zu  Bierstadt  waren  im  Jahre  1550  gedingt  zu 
6  Fl.  und  2  Malter  K(n-n;  die  Kornschneider  zu  18  Fl.  und  soll  man  ihnen  Bier 
geben  und  keinen  Wein,  wenn  aber  das  Korn  abg(!schnitten  ist,  sollen  sie 
74  Wein  erhalten;  die  Gras-  und  Hafermähder  bekommen  lö^i  Fl.,  die  Jleu- 
mähdor  7  Fl.,  die  Drescher  5  Fl.  8  Alb,,  die  Schafscherer  12  Batzen  und  die 
Fraucni,  welche  die  Schafe  zu  wasclien  helfen,  3  Alb.  Dazu  treten  Leute,  welche 
Mist  tragen  und  streuen,  und  mancherlei  Taglöhner;  dem  Gelzenleuchter  gab 
man  1550  einen  Gulden. 

Höchst  bedeutsam  sind  die  Mitteilungen  über  die  Thätigkeit  der  Wingertleute, 
zumal  da  wir  aus  einer  derselben  die  Lage  eines  AVeinberges  erfahren.  Wir 
folgen  hier  wieder  der  Rechnung  der  Priorin  und  ihrer  Fortsetzung.  Nachdem 
im  Frühjahr  7  Fl.  und  dann  5  Fl.  7  Alb.  auf  die  Arbeiten  in  den  Wein- 
bergen verwendet  worden  waren,  erhielten  im  Mai  Frauen,  welche  die  Heben 
gebogen  hatten,  3V2  Alb.,  im  Juni  vier  Frauen  für  das  Heften  (Binden)  der 
Wingerte  einen  Gulden  und  endlich  am  14.  Oktober  die  Leser  in  dem  Wein- 
berg, genannt  die  Geisheck,  2  Fl.  2  ^.  Wir  erkennen  hieraus,  dass  die 
Zeit  der  Lese  im  Jahre  1554  der  Anfang  des  Oktober  war,  und  fiudcui  die 
Nachricht,  die  Schenck  S.  406  mitteilt,  dass  das  Kloster  in  dem  Distrikte 
Geisheck  einen  Weinberg  angelegt  habe,  vollauf  bestätigt.  Hier  war  ehemals 
ein  Gebüsch  gewesen,  ein  „husche"  =  Gesträuch  oder  Gehölz  im  Gegensatz 
zu  dem  eigentlichen  Walde,  welches  die  Grafen  Gerlach  und  seine  Söhne 
Adolf  und  Johann  dem  Kloster  im  Jahre  1347  geschenkt  hatten;  Graf  Adolf 
erlaubte  dann  im  Jahre  1349  seiner  Schwester'-)  und  dem  Convent  das  Rod 
zu  roden.  Diese  oder  ihre  Nachfolgerinnen  benutzten  die  ihnen  gegebene 
Freiheit,  indem  sie  das  Land  urbar  machten.  Der  Weinberg  bestand  noch  zur 
Zeit  des  30jährigen  Krieges''),  zu  Schencks  Zeit  waren  nur  noch  Si)uren 
von  ihm  zu  sehen. 

Natürlich  waren  auf  den  Klosterhöfen  manclietlei  Handwerker,  meist  aus 
Wiesbaden,  doch  auch  von  Mainz,  Leieudecker  (Dach-  oder  Schieferdecker), 
Schlosser,  Schmiede,  Sattler,  Wagner  u.  s.  w.  beschäftigt;  Waren  und  Lebens- 
mittel kaufte  man  an  den  genannten  beiden  Orten. 


»•-)  Es  war  dies    offenbar   die    Äbtissin   Katharina,    die    im  .lalue    134S    nielirnials    in 

Urkunden  vorkommt. 

»ä)  „Extract   aus    den    Clarentlialer  Hospitalrechnungen    a.    1631."      Vori,'!. 

Ende  des  Inventars. 


o* 


20 

Zuletzt  werfeil  wir  einen  Blick  auf  die  Mahlzeiten.  Ohne  Zweifel  lieferten 
die  Kofi'  des  Klosters  vieles,  wie  Jirod  und  Geniüt'e,  aber  z.  B.  Butter  und 
Wein  wurde  nirht  in  genügender  Menge  gewonnen.  Käse  kaufte  man  zentner- 
weise, wie  einmal  zwei  Zentner  zu  S  Fl.  5  Alb.  Am  iiäuügsten  erscheinen 
Ausgaben  für  Fische,  da  die  Fastengebute  sich  über  einen  langen  Zeitraum 
erstreckten,  von  dem  nur  einzelne  Tage  ausgenomnu>n  waren.  Hier  begegnen 
uns  vielerlei  Arten  von  Fischen,  Stockfische,  Bückinge,  Karpfen,  Blattisen 
(Phitteiseu),   selten  Salme,   desto  häutiger  Pläringe,   die  man   tonnenweise   bezog. 

—  i'ber  tlen  Verbrauch  von  Fleisch  gibt  die  Rechnung  des  Metzgers  am 
Mittwoch  nach  Peter  und  Paul  l').")!  eine  Vorstellung:  or  hatte  von  Ostern  bis 
zum  Johannistage  für  IT  Fl.  lU '/■.•  Alb.  Fleisch  gt'liefert  und  für  die  Kirch- 
weih l.')r>4  wurden  lM  Pfund  Rindfleisch  für  nötig  befunden  —  und  dabei 
mochte  auch  manches  von  dem  eigenen  Besitz  verzehrt  werden.  —  An  zwei 
Festen,    zu  (Astern   und  auf  der  Kirch  weih,    wurden  Kuchen  in  grosser  Auzalil 

—  ,.s  werden  mehrmals  19  Fladen  genannt  —  gekauft,  dabei  fehlte  es  nicht 
an  (rewürzen.  Rosinen,  Muskatblume,  Oliven,  Feigen  u.  a.  Wie  gross  der 
Vorrat  an  Wein  im  Keller  war,  zeigt  die  Inventarisation  vom  Jahre  1559;  sie 
nennt  S  Fuder  =  48  Ohm. 

Über  die  Ausstattung  der  Zimmer  und  das  Bottwerk  vgl.  die  unten  mit- 
geteilten Berichte. 

Aus  allem  geht  hervor,  dass  sich  die  Klosterjungfraucn  durchaus  nicht 
streng  an  die  harten  Regeln  der  älteren  Zeit  hielten,  die  bereits  mancherlei 
Milderungen  im  Laufe  der  Zeit  erfahren  hatten.  Jedenfalls  ernteten  die 
Scliwestern  von  dem  Weilibischof  das  Lob,  dass  sie  sich  gut  und  wolil  liiolton ; 
oder  hatte  die  frugale  Fastennuihlzeit  sein  Urteil  bestochen? 

.").     i'ber  den  Viehbestand  des  Klosters  im  Jahre  L554 

belehren  uns  zwei  Verzeichnisse,  die  alsbald,  nachdem  der  Graf  die  Verwaltung 
des  Klosters  in  die  Hand  genommen  hatte,  am  13.  September  und  18.  Oktober 
aufgenommen  wurden.  In  eigener  Bewirtschaftung  hatte  damals  das  Kloster 
zwei  Jlöfe.  den  zu  Clarenthal  und  den  zu  der  Armen  Ruhe  bei  Biebrich.  Auf 
jedem  derselben  hatte  es  einen  Hofmeister  oder  Meister,  Hen  von  Erbenheim 
zu  Clarenthal.  Theiss  (Deis,  Teis)  auf  der  Armen  Ruhe;  sie  vermittcdten  aber 
auch  oft  den  V(;rkejir  der  Äbtissin  mit  der  Aussenwelt,  nahmen  eingehende 
(ielder  in  Kmjifang  und  besorgten  Einkäufe  und  Zahlungen,  waren  überhau])t 
wichtige  Personen  für  das  Kloster,  weshalb  sie  auch  wie  die  Goistliclien  mit 
Neujahrsg(!S(d>enk(!n  bedacht  wurden.  So  finden  wir  sie  aucli  zu  der  Besiclitigung 
(b-r  Briefe  und  Dokumente  des  Klosters  zugezogen  und  sie  sind  bei  der  Vieh- 
zählung als  gi'genwärtig  zu  denken,  wie  die  zweite  andeutet.  Bei  der  (U'sten 
fehlt  der  Nanu-  des  Jlofes,  bei  der  zwcuten  wird  in  der  Fberschrift  das  neue 
Kloster  genannt,   daher  wir  für  die  erste  die  Arme  Ruhe  voraussetzen. 

1.   Viehstand  des  Klosters,    13.   September  1554. 
Item  iin  sawe  vige  gezelt  gross  iiihI  klein  sechtzigk  und  eyn  saw,   darunter 

23   ijrrjlier    s;iwe. 


21 

item  ;iii  riiidtvi^^c   XXII   stuck   iiml   vioi  st.    kclInT, 

Item  Schott'  f^ezclt  junge  und  alt(!  vierhundert  secht/.igk  eyn  stuek.  dur- 
unter dei-  Kneclit.  Xotii:  der  Itzige  Schaff'er  Kneelit  hatt  X  stuck 
line  zustendig-. 

Item    viel'   \v;ig'en    pterde. 

Item  zwey  moln  pf'erde. 

Item  eyn  tiln  von  tzweien  joren. 

2.     Dem   XVIII.   October   ir)54. 

New  Closter  das  vihc  gezalt. 
Item  IX  st.   gelle  vihe  (gelte  =  sterilis). 
Item  XVII  Melke  kuhe. 
Item  VII  jerlinge  Kelber. 
Item  VII  st.   von  zweyen  Jahren  Jlindtfylie. 
Item  VI  st.   mastvehe  und  VIII  Kelber. 

Item  II£:  weyuiger  1  stuck  an  Schaff'  vihe,   darunter  der  Knecht. 
Item  I^  XV  st.   an  Saw  vihe  gross  und  klein,    wie  sie  der  Maister  selbst 

zaitt  hatt. 
Item  AVagen  und  Pferde. 

Danach  besass  das  Kloster  an  Schafen,  wenn  wir  auch  bei  denn  zweiten 
Verzeichnis  für  den  Knecht  zehn  Stück  rechnen,  etwa  640  Stück,  an  Schweinen  1 76. 
an  Rindvieh  im  Ganzen  80  Stück,   dazu  Wagen  und  Pferde  auf  beiden  Höfen. 

c)   Die  Auflösung  des  Klosters  1554—1559. 

Von  dem  Zeitpunkte  au,  wo  die  von  dem  Grafen  am  12.  Dezember  1553 
angeordneten  Massregelu  ruchbar  geworden  sein  mochten  und  droheten.  beginnen 
die  Versuche  der  Hüter  der  alten  Ordnung  geregelte  Zustände  zu  Chireuthal 
wieder  herzustellen  und  dadurch  den  Fortbestand  des  Klosters  zu  sichern:  sic^ 
gingen  von  drei  Seiten  aus,  dem  Ordensproviuzial,  dem  Convent  zu  Olarenthal 
selbst  und  dem  Erzbischofe  von  Mainz,  und  betrafen  die  Wahl  einer  Äbtissin, 
die  Aufnahme  neuer  Mitglieder  und  das  ganze  Verhältnis  des  Klosters  zu  dem 
(frafen,   waren  aber  von  gleicher  Erfolglosigkeit. 

1.  Die  Wahl  einer  Äbtissin  herbeizuführen  und  zu  leiten  war  Sache  des 
Provinzials.  Bruder  Heinrich  Stollcisen,  damals  (seit  1545  bis  1556)'")  Bar- 
füsser-Ordensprovinzial  in  oberen  deutschen  Landen,  richtete,  noch  ehe  er  den 
Tod  der  Priorin  erfahren  haben  konnte,  an  demselben  6.  September,  als  die 
gräflichen  Beamten  die  Briefe  des  Klosters  besichtigten,  an  den  Amtmann  zu 
„Weisbaden"  ein  Schreiben  des  Inhalts,  er  habe  eine  Statthalterin  aus  dem 
Convent  zu  Speier  für  Ciarenthal  konfirmiert,  die  bis  zur  Wahl  einer  Äbtissin 
dem  Kloster  vorstehen  solle.  Eine  Antwort  auf  dieses  Schreiben  ist  nicht 
erhalten,  aber  die  konfirmierte  Statthalterin  fand  keine  Aufnahme.  —  Nach 
länger  als  Jahresfrist,    am  5.   Januar  1556,    meldet  Friedrich  Hund    von  Saul- 


ä»)  P^ubel,  Geschichte  der  oberdeutschen  Minoritcn-Proviiiz  8.   167. 


hi'im  (U-r  Ältere  dem  Grafen,  die  geistliehe  Obrigkeit  wolle  seine  Tochter 
Clara.  Jungfrau  im  Kloster  zu  dem  alten  Münster  in  Mainz,  zu  einer  Äbtissin 
von  Ciareuthal  verordnen;  dieweil  dazu  seine  Yerwilligung  erforderlich  sei  und 
er  ohne  Yurwisseu  des  Grafen  keine  Lust  habe  sie  zu  geben,  fragt  er  um  seine 
Meinung.  Audi  hier  vermissen  wir  die  Autwort,  die  nicht  aufmunternd  ge- 
wesen sein  wird,  da  Clara  nicht  als  Äbtissin  erscheint.  Der  IS'achfolger  Stoll- 
eisens. Ki.nrad  Ludescher,  scheint  die  Saclie  nicht  weiter  verfolgt  zu  haben. 
1'.  \)a<  Kluster  selbst  fühlte  sich  von  der  geringen  Zahl  der  Schwestern 
am  meisten  unbefriedigt.  Es  wandte  sich  zweimal  im  Laufe  des  Jahres  1555 
deswegen  an  den  Grafen;  wir  geben  den  Inhalt  der  ersten  Bittschrift  (vom 
L").  März)  kurz  wieder.  Der  Graf  wisse,  wie  das  Kloster  mit  so  wenig  Personen 
begabt  sei.  dass  sie,  wie  von  Alters  beschehen,  ihre  Bräuche  mit  Singen  und 
anderem  im  Ciior  nicht  vollenden  könnten,  dazu  sei  keine  unter  ihnen,  die 
etwas  schreiben  möge;  sie  wüssten  aber,  dass  eine  Jungfrau  zu  Mainz  im 
Kloster  zu  St.  Clara  sei,  die  ihrem  Orden  angehöre  und  die  solches  mit  Singen 
und  Schreiben  versehen  kcinne;  sie  seien  aber  nicht  gemeint  oline  Vorwissen 
und  gnädige  Verwilliguug  des  Grafen,  jemand  aufzunehmen,  bäten  also  um 
Erlaubnis  diese  Person  aufzunehmen,  damit  sie  das  Kloster  in  "Würden  und 
Ehren,  wie  es  vormals  gewesen  ist,  haben  mögen.  Die  zweite  Bittschrift  ist 
vom  14.  September:  hier  findet  sich  ihr  Gesuch  also  begründet:  „Da  das 
Kloster  niemand  ohne  das  Yorwissen  des  Grafen  aufnehmen  dürfe  und 
wolle"".     Philipp  blieb  für  die  Bitten  der  Jungfrauen  taub. 

i).  Endlich  ergriff  der  Erzbischof  von  Mainz  am  29.  März  1556  das  AYort, 
Auf  den  Erzbischof  Sebastian  von  Heusenstamm,  der,  wie  es  scheint,  der  Sache 
ihren  Lauf  gelassen  hatte,  war  am  18.  April  1555  Daniel  Brendel  von  Hom- 
burg gefolgt.  Er  brachte  als  Glied  der  Familie,  welcher  die  letzte  Äbtissin 
Ciarenthals  und  fünf  Klosterjungfrauen  angehört  hatten  (s.  oben),  der  Anstalt 
ein  grösseres  Interesse  entgegen  und  beschloss  hier  einzuschreiten.  In  einem 
Schreiben  von  dem  genannten  Tage  beklagt  er  sich  darüber,  dass  schon  geraume 
Zeit  das  Kloster  einer  Äbtissin  entbehre  und  die  Conventualen,  die  Willens 
.seien  eine  neue  zu  wählen,  daran  verhindert  würden,  ferner  dass  eine  weltliche 
Mannsperson  das  llegiment  führe  und  Briefe  und  Siegel  besitze;  er  verlangt 
Abstellung  dieses  Zustandes. 

Dieses  Schreiben  drängte  den  Grafen  zu  einer  endlichen  Entscheidung. 
Zunächst  suchte  derselbe  eine  bestimmte  Antwort  hinauszuschieben,  indem  er  den 
Erzbisehof  auf  den  Tag.  an  dem  er  seine  Mainzer  Lehen  empfangen  werde, 
vertröst(,'te ;  er  werde  dann  zugleich  über  die  Klosterfrage  berichten.  Aber  auch 
di«!sen  Tag  wusste  er  wegen  seiner  Gesuudheitsverhältnisse  weiter  hinauszudrücken. 
Mittlerwcil((  wandte  er  sich  an  den  Frankfurter  Rechtsgelehrteu  und  Syndicus, 
Dr.  Johann  Fichard.  der  sich  in  seiner  Heimat  eines  hohen  Ansehens  erfreute, 
und  bat  um  dessen   Hat. 

Johann  Fichard'*},    Sohn   des  Kekturs    einer    Stiftsschule,    dann  Gerichts- 
schreibers Ficliard  zu  Frankfurt,   war  im  Jahre  1512  geboren  und  erhielt  nach 

'*)  Kitien  Abriss  seines  Lebens  von  Dr.  Juiifj  s.  in  dem  Korresp.-ßl.  der  Westdeutschen 
Zoitsclir.   1886,  .Sp.  207   fl". 


Ja 


Vüllontlung-  seiner  Univorsitätsstuduin  iin<l  kurzer  Thätij^keit  am  Rcichskanniu'r- 
gcricht  zu  Spcier  im  Jahre  10:5;]  die  Stelle  als  Stadtsyudieus  in  seiuer  Vater- 
stadt, die  er  mit  einer  kurzen  Unterbrechung-  vom  Jahre  löBT  an  bis  zu  seinem 
Tode  (1Ö81)  bekleidete.  In  sti-eng  katholischen  Anschauungen  erzogen  wandte 
er  sich  mii'  allinählich  mehr  der  reformatorisclKMi  Richtung,  die  in  Frankfurt 
herrschte,  zu  und  gewann  in  seiner  Stellung  durch  seine;  Befähigung  als  Staats- 
mann einen  massgebenden  EinHuss  auf  die  Frankfurter  Angelegenheiten,  ent- 
wi(dvelte  eine  fruchtban;  Thätigkeit  als  Reclitsgelelirter  sowohl  auf  theoretiscluMU 
als  praktischem  Gebiete  und  hat  sich  auch  durch  geschichtliche  Arbeiten  vorteil- 
haft bekannt  gemacht.  Ihm  also  legte  Philipp  am  24.  April  1556  seine  Sache 
vor  und  bat  um  seinen  Rat.  Wir  übergehen  einige  Briefe;  der  beiden,  da  das 
gründliche  Gutachten  Fichards  vom  Februar  1557  alles  hierher  Gehörige  zu- 
sammenfasst. 

Der  Graf  hatte  nämlich  am  25.  Januar  1557  Fichard  gemeldet,  dass  die 
Jungfrauen  von  Clarenthal  ein  Gesuch  an  ihn  hätten  gelangen  lassen,  über  das 
er  abermals  seinen  Rat  erbitte. 

Wir  müssen  die  Schrift  der  Nonnen  weitläufiger  vorführen,  da  sie  den 
Weg  angiebt,  auf  dem  schliesslich  die  ganze  Klosterfrage  erledigt  wurde, 
Philipp  schreibt,  „die  noch  anwesenden  fünf"^)  Jungfrauen  hätten  an  ihn 
gelangen  und  ansuchen  lassen,  er  möge  ihnen  ihre  eingebrachte  Barschaft  und 
dazu  einer  jeden  ihr  gebührliches  jährliches  Gefäll  auf  ihr  lebenlang  oder 
einmal  für  allemal,  wie  er  das  mit  ihnen  zufrieden  werden  könne,  verwidemen") 
und  geben  lassen ;  so  wären  sie  gemeint,  eine  jede  nach  ihrer  Gelegenheit  sich 
in  andere  Klöster  oder  sonst  zu  ilirer  Freundschaft  zu  begeben  und  aus  dem 
Kloster  zu  thun,  auch  ihme  und  seinen  Erben  gegen  solche  Begabung  für  sich 
und  ihre  Erben  auf  weitere  Forderungen  und  Ansprüche  zu  verzichten  und 
vollkommen  zu  quittieren;  sie  bäten,  er  möge  ihnen  beraten  sein,  wie  sie  am 
sichersten  nach  empfangener  Abfertigung  sein  könnten ;  Ursache,  dass  sie  nicht 
mehr  begehrten  im  Kloster  zu  sein,  sei,  sie  hätten  keine  gute  Unterhaltung, 
da  sie  nicht  mehr  Personen  ihres  Ordens  aufnehmen  sollten  und  ihrer  von  Tag 
zu  Tag  weniger  würden ;  sie  seien  ferner  nicht,  ihrer  Religion  gemäss,  mit  einem 
Mönch  versehen,  Messe  zu  thun,  zu  beichten,  und  könnten  ihre  hergebrachten 
Ge^'cmonien  nicht  üben."  Daran  schliesst  der  Graf  in  seinem  Briefe  die 
Bitte  um  Antwort  in  ungefährlich  acht  Tagen  und  im  Falle  der  Notdurft  um 
weiteren  Rat  und  verspricht  gebührliche  Belohnung. 

Das  umfangreiche  Gutachten  Fichards  ist  am  13.  Februar  1557  aus- 
2-efertiii't  und  ffiuu'  mit  i>inem  Beo'leitschreiben  vom  14.  Februar  an  den  Grafen 
ab.  Es  hat  die  Überschrift:  „Deo  optimo  maximo  opitulante'-  und  dii;  Unter- 
schrift: „et  ut  supra  de  iure  responsum  est,  ita  videtur  mihi  lohanni  Fichardo, 
u.  i.  Dri  et  reipublicae  Francofurtensis  Advocato  etc.,  salvo  tamen  omnium 
rectius  sentientium  iudicio.    In  cuius  fidem  haec  rcspousa  mea  manu  subscripsi 


^'^)  Es    war    also    nach    dem    6.    September    1554     oiiio    Schwester    ausgeschieden,    die 
Cordula  Echter,  wie  sich  später  ergiebt. 

^')  Yerwidcmcn  =  zu  Nutzuiess  stiften.     Lex  er. 


24 

data  ur  supra.-     Wir  geben  hier  nur  einige    entscheidende  Stellen,    zuerst  aus 
der  Einleitung,   die  die  Veranlassung  zu  der  ganzen  Frage  gegeben  hat.     „Nach- 
dem aus  Erneuerung  der  Religion  und  gemeinem  Abgang  des  Klosterlebens  sich 
zugetragen,   dass  aueli  im  Kloster  Clarenthal  die  Jungfrauen  je  länger  jt;  mehr 
abgenommen,   dazu  auch  zuletzt  ungefähr  vor  zwei  Jahren'')  ein  heftig  Stcrbendt 
in  das  Kloster  ki>mmen.   also  dass  damals  Abbatissin  und  alle  geweihten  Jung- 
frauen bis  auf  eine  Tods'*")  verfahren  und  auch  seithero  nie  mehr  als  vier'")  ins 
Kl«>ster  gekommen    seien,    nunmehr    aber  sie  sämtlich  befänden,    dass  ihnen  in 
selbigem  Kloster,   welches  von  Leuten  abgesondert  in  einem  Walde  liege,   länger 
zu  bleiben  und  dem  Gottesdienst  und  gewöhnlichen  Ccremonien  mit  Singen  u.  a. 
ihrer  Regel  nach  ob  zu  sein,    sonderlicli    nachdem    sie    auch    nicht    mit  einem 
Beichtvater  versehen  seien,    nicht  allein  hochbeschwerlich,    sondern  auch  ihnen 
als    schlechten  Jungfrauen  unmi'jglieh  sei,    so  hätten    sie    einmütiglieh  bedacht. 
sich  aus  solchem  Kloster  zu  thun  .  .  .   und  hätten  dem  Grafen  als  dem  rechten 
Stifter  und  Schutzherrn  das  Kloster,   zum  beständigsten  solches  beschehen  sollte, 
zu  cedieren  und  zu  übergeben  sich  entschlossen,   doch  so,  dass  der  Graf  ihnen 
ihre  eingebrachte  Barschaft  und  ein  gebührliches  jährliches  Gefäll  verordne  .  .  .") 
Nachdem  nun  der  Graf  den  gewissen  Abgang    des  Klosterlebens  zu  Clarenthal 
vt>r  Augen  sehe  und  das  nicht  nachgeben  könne,   dass  das  Kloster  samt  seinen 
Gütern  nicht  allein  wegen  der  Fuudations-Gerechtigkeit,    sondern  auch  weil  es 
samt  seinen  Höfen    und  Gütern    nassauischer  Grund    und  Boden  sei    und  dess- 
wegen    die    angebotene  Cession  anzunehmen    gemeint   sei,    doch    in  Ansehung, 
dass  solche  geistliches  Gut  anlange,   allerlei  Bedenken  hierin  habe,   so  frage  der 
(fraf.    1.   ob  solche  angebotene  Cession  zu  Recht  bestehe  und  nicht  abgetrieben 
werden    könne.    :?.    wenn    sie  nach    gemeinem    beschriebenem  Rechte  nicht  be- 
ständiglich  beschehen  möge,   wie  dann  durch  welche  Mittel  zu  helfen  sei,   dass  sie 
kräftig  sei."    Die  erste  Frage  wird  verneint,   auf  die  zweite  erfolgt  die  xVntwort, 
„dass  in  alle  Wege  des  Papstes  Consens  und  Confirmation  erlangt  werden  müsse ; 
es  sei    also    eine  Sujjplikatidn    an  den  Papst    zu  richten,    in  welcher    man    die 
traurige  Lage    des  Klosters  vorstellen    und  namentlich    die  Absicht   der  Grafen 
geltend  machen  müsse,   die  Gefälle  desselben  nicht  zum  eigenen  Nutzen,   sondern 
zu  andern  Gottesdiensten  und  milden  Sachen  zu  verwenden ;  eine  solche  Suppli- 
kation um  Genehmigung  der  Cession  erbiet(>  er  sich  zu  machen." 

In  (Ii'iii  Begleitschreiben  sagt  Fichard,  „er  habe  seinen  Ratschlag  so  ge- 
stellt, dass  der  Graf  wisse,  was  er  in  diesem  ganzen  Werk  zu  thun  befugt  sei, 
damit  er  künftighin  in  Rechten  nichts  zu  befahren  und  alles  einen  Bestand 
habe;  wenn  ihm  der  Ratschlag  beider  zweiten  Frage  gefalle,  so  möge  er  einen 
seiner  Secretairen  zu  ihm  abfertigen,  damit  er  dcunselben  noch  allerlei  mündlich 
berichte,   was  sich   nicht  alles    habe  schreiben   lassen  wollen,"     In  einer  Nach- 


")  Sollte  hoisßen  ..vor  vior  Jahren",  d.  h.   1553. 

")  Sie  waren  nicht  alle  gestorben,  sondern  hatten  sich  z.  T.  im  luulcre  Orte  geflüchtet, 
vrie  die  Camhergerin  ii.  Mnrgarethc  von  Diez. 

**)  Nach  dem  Jahre  1550  waren  von  den  sechs  der  Listi?  von  1554  allerdings  nur  vior 
eingetreten  (s.o.  S.   11). 

")  l'j»  folgt  die  Stolle  über  die  Absichten  der  Xonnon;  s.  den  vorigen  Brief. 


J-*^ 


25 

Schrift,  um  dieses  niclit  zu  üborgelKui.  fügt  er  hinzu,  dass  der  Graf  dem  l'ber- 
bringer  seinen  gewöhnlichen  Botenh)]m  entrichten,  ilim  selbst  aber  für  seine 
gehabte  Mülic  12  Thaler,   „doch  verpitschirt",   überschicken  möge. 

Sehen  wir  recht,   so  lief  Fichards  Gutachten  auf  vier  Hauptsätze  hinaus: 

1.  Er  fasst  das  Anerbieten  der  Nonncm,  das  Kloster  mit  den  verlangten 
Abfcn-tigungen  zu  verlassen,  unter  den  juristischen  Begriff  der  Cession ; 

2.  er  hält  den  Grafen  für  berechtigt  das  Kloster  und  dessen  Güter  in 
Besitz  zu  nehmen,  weil  er  Fundator  und  Hchutzherr  sei  und  sie  in 
seinen  Landen  liegen; 

3.  Die  Cession  bedarf  zu  ihrer  Giltigkeit  der  Bestätigung  des  Papstes ; 

4.  die  Einkünfte  d(^s  Klosters  werden  zu  anderen  Gottesdiensten  und 
milden  Sachen,   nicht  in  dem  Nutzen  des  Grafen  verwendet. 

So  sehr  auch  der  Graf  mit  dem  zweiten  und  vierten  Punkte  einverstanden 
sein  mochte,  so  war  er  schwerlich  von  dem  ersten,  gar  nicht  aber  von  d(!m 
dritten  befriedigt.  Er  gedachte  nicht  durch  Cession  das  Kloster  zu  erhalten, 
sondern  als  durch  den  Abzug  der  Nonnen  erledigten  Besitz,  der  nunmehr  an 
den  Fundator  zurückfalle ;  die  ausscheidenden  Jungfrauen  sollten  nicht,  wie  aus 
ihren  späteren  Erklärungen  erhellt,  das  Kloster  und  seine  Güter  cedieren,  was 
r:i  sie  ja  eigentlich  auch  nicht  konnten,  sondern  nur  auf  ihre  etwaigen  Ansprüche 
•  an  das  Kloster  oder  dessen  nunmehrigen  Rechtsnachfolger  verzichten  und  diese 
cedieren.  Ob  der  Graf  die  von  Fichard  angebotenen  Verhandlungen  angeknüpft 
hat,  davon  verlautet  nichts,  eine  Bittschrift  an  den  Papst  ist  aber  nicht  ab- 
gegangen, da  von  einer  solchen  keine  Spur  oder  Andeutung  sich  erhalten  hat, 
sie  wäre  sicherlich  auch  ohne  allen  Erfolg  geblieben  zu  einer  Zeit,  wo  die 
Thätigkeit  der  Jesuiten  in  Deutschland  eben  kräftig  eingesetzt  hatte,  und  da 
sie  von  einem  Fürsten  kam,  der  sich  der  neuen  Lehre  angeschlossen  hatte. 
Welche  andere  Gottesdienste  hätte  er  auch  eingeführt  als  die  der  verhassten 
Lehre,  die  man  eben  zu  Tridcnt  verdammte  und  überall  mit  allen  Mitteln 
bekämpfte? 

Noch  ehe  Graf  Philipp  einen  entscheidenden  Schritt  gethan  hatte,  lief 
ein  zweites  Gesuch  um  Entlassung  ans  dem  Kloster  ein,  diesmal  nicht  von  allen 
Schwestern,  sondern  von  den  Verwandten  einer  einzigen,  der  Cam b erger in^'' ) : 
die  Erledigung  dieser  Sache  jedoch,  die  reichlich  überlegt  und  vorbereitet  werden 
musste,  namentlich  was  die  Höhe  der  Abfertigung  betraf,  entfiel  seinen  Händen ; 
durch  Alter  und  Krankheit  geschwächt  starb  er  am  6.  Juni  1558.  Bei  seinem 
Sohn  nnd  Nachfolger  Philipp  dem  Jüngeren  wiederholten  die  Verwandten  ihr 
Anliegen  und  noch  vor  Ablauf  des  Monats  erfolgte  die  vielleicht  schon  von 
dem  Vater  Philipp  beschlossene  Genehmigung  und  vereinbarte  Abfertigung. 
Daraufliin  stellte  am  30.  Juni  1558  die  Margarethe  eine  Erklärung  aus,  die 
wir  oben  schon  erwähnt  haben;  in  ihr  bescheinigt  sie  den  Empfang  ihrer  Ab- 
fertigung und  spricht  ihren  Verzicht  auf  weitere  Ansprüche  aus.  Wir  halten 
es   für  angezeigt    den  Inhalt  dieser  Erklärung  ausführlicher  hier  mitzuteilen. 


*■■')  Von  diesem  Gesuch  erfahren  wir  etwas  nur  aus  der  fjlcich  folgenden  Erklärung  der 
Carabergerin   vom  30.  Juni   1558.     AVann  es  eingereicht  wurde,  wissen  wir  nicht. 


26 

Sie  beginnt  in  feierlicher  Weise  mit  ihrem  vollen  Klosternamen:  „Ich, 
Margarethe  Canibergerin  von  Bleydeustatt"  und  fährt  dann  fort,  sie  sei  vor 
etlichen  Jahren  in  Zeiten  ihres  unverständigen,  minderjährigen  Alters  in  das 
Jungfrauoukloster  Olarenthal  beredet  Nvorden  und  habe  sich  darin  als  eine  Ordens- 
und Prtifessperson  eine  gute  Zeit  gehalten;  nun  aber  hätten  sich  seithcro  die 
Zeit  und  Laufte  derniassen  verändert,  dass  das  Klosterlebeu  fast  allenthalben 
und  auch  zu  Clareuthal  in  merklichen  Abgang  geraten  sei  und  sonderlich  zu 
jetziger  Zeit  Hessen  sich  die  Laufte  derniassen  geschwind  und  sorglich  an.  dass 
in  dergleichen  Feldklöstern  zu  Avohiien  fast  gefährlich  und  unsicher  sein  wolle; 
derwegen  habe  ihre  Freundschaft  mir  ihrem  Yorwissen  und  guten  Willen  weiland 
den  (irafen  Philipj)  den  Alteren  und  mm  Philii)p  den  Jüngeren  als  dessen 
JSulm  und  Landeserben  bittlich  ersucht,  ihr  aus  dem  Kloster  wieder  zu  ihrer 
Freundschaft  zu  erlauben")  und  sie  mit  einer  ziemlichen  Bereitschaft^')  ab- 
zufertigen, damit  sie  sich  hinfih'o  bei  derselben  desto  ehrlicher  erhalten  möge; 
nadideni  der  Graf  auf  ihre  und  ihrer  Freundschaft  vielfältige  Bitte  solches 
zuletzt  also  verfolget"),  bekenne  sie  für  sich  und  ihre  Erben,  dass  der  Graf  auf 
erlangte  Erlaubnis  ihr  zu  ihrer  Al)fertigung  einmal  für  allemal  habe  folgen 
lassen  60  F 1.  a  n  barem  Geld,  zwei  Säue,  eine  Kuh,  ein  Bett 
und  alles,  was  zu  ihrem  Leibe  gehöre;  dafür  bedanke  sie  sich  zum 
unterthänigsten  und  fleissigsten  und  sage  den  Grafen  der  Itewiil igten  und  ge- 
reichten 60  Fl.  u.  s.  w.  quitt,  ledig  und  los,  sie  verzichte  auch  auf  alle  An- 
sprüche und  Forderungen,  die  sie  als  gewesene  Ordenspersou  des  Klosters  an 
dieses  oder  an  den  Grafen  als  dessen  Fundatoren,  Oberen  und  Schutzherrn  von 
Rechtsgewohnheit  oder  Billigkeit  wegen  gehabt  oder  haben  möge  in  bester  und 
beständigester  Form  gänzlich  und  gründlich  und  codiere  sie  an  den  Grafen,  und 
solle  diese  Cession  von  nicnnand  aus  irgend  einem  Grunde  angefochten  werden 
können;  sie  habe  einen  leiblichen,  gelehrten  Eid  zu  Gott  und  seine  heiligen 
Evangelien  für  sich  und  ihre  Erben  geschworen  alles  fest  und  unwiderruflich 
zu  halten  und  habe  den  edlen  und  ehrenfesten  Christoffel  von  Lindau  gebeten, 
dass  er  sein  angeboren  Insiegel  an  diesen  Brief  hängen  möge".  Dieses  bekennt 
derselbe  gethan  zu  haben;  das  Siegel  ist  erhalten.  Die  Urkunde  ist  ausgestellt 
am  Donnerstag  rfach  Petri  und  Pauli  apost.   =  80.   Juni   1558. 

A\'ir  sehen  hieraus,  wie  mangelhaft  Scheue  k  unterrichtet  war.  wenn  er 
sagt  (S.  411),  der  Graf  habe  „von  den  letzten  zwei  Nonnen,  einer  Fräulein 
von  Camberg  und  einer  Fräulein  von  Eff'ingen,  nach  geschehener  schriftlicher 
Übergabe  von  denselben  um  das  Jahr  1560  das  Kloster  wirklich  über- 
nommen"; S  c  h  1  i  e  p  h  a  k  e  wiederholt  (IV,  55)  diese  Angabe,  weiss  aber 
mittlerweile  über  den  Zeitpunkt  genauer  berichten  zu  können,  indem  er  sagt, 
nicht  um  das  Jahi-  1560,  sondern  im  Jahr  ]5()0  sei  diese  l'bergabe  erfolgt. 
Tud  (luiji  haric  Marg.  schon  vor  dem  oO.  Juni  1558  die  Erlauljiiis.  d.  ]i,  die 
Entlassung  «jrhalten  und  nennt  sich  an  diesem  Tage  eine  ge^yesene  Ordensperson. 


*^)  Kinem  ciluul)en  =  Erlaubnis  geben  zu  gehen.     Lexcr 

*')  Bereitschuft,  hier  =  bares  Geld.     Ijexor. 

")  Verfolgen  =  Folge  leisten,  zugeben.     Lex  er. 


27 

Die  Entlassung  der  Fräuloin  von  Effingon  (Eufingon)  erfolgte  erst  später,  aber 
ebenfalls  vor  dem  Jahre  1560  und  auch  sie  übergab  nicht  das  Kloster,  ebenso- 
wenig als  die  Canibergerin.  Wir  wollen  hiergegen  S  ebene  k  keinen  Vorwurf 
erheben,  da  er  von  den  Mitteilungen  aus  dem  Archive  abhängig  war;  ab(!r 
S  (',  h  1  i  e  p  h  a  k  e  als  Vorstand  desselben  konnte  bei  genauer  Durchforschung  der 
ihm  anvertrauten  Schätze  der  Walirheit  auf  die  Spur  kommen. 

l'ber  das,  Avas  d(n'  Camberg(M-in  ausser  dem  baren  (leide,  den  Schweinen 
und  der  Kidi  mitgegeben  wurde,  li(!gt  eine  Aufzeichnung  vor,  welche  die  Über- 
schrift trägt:  „Nota.  Was  Margaretho  Canibergerin  aus  Bleidenstadt  in  Irer 
Zelle  oder  Gemach,  Au(di  Kisten  und  Schrenk,  So  durch  den  Amptnumn  und 
bereider^'^)  besichtiget,  befunden  hat";  die  Aufschrift  auf  der  Ausscnseite  des 
Bogens  lautet:  „Zettel  oder  Verzeichnung,  was  Margarethe  Cambergerin  aus  dem 
Closter  Clarenthal  gevolgt  worden.  .  .  1558."  Wir  lassen  den  Inhalt  des 
Verzeichnisses  folgen;  es  zeigt  uns,  wie  die  Ausstattung  einer  Ciarenthaler 
Nonne  beschaffen  war.  Die  Gegenstände  befanden  sich  teils  im  Dormenter''), 
teils  in  der  Zelle,  teils  in  der  Kammer  der  Margarethe;  sie  besass  also  zwei 
Gemächer,  was  wir  uns  für  die  unten  folgende  Inventarvisitation  vom  5.  Febr.  1559 
merken  müssen.  Von  einigen  Dingen  erklärt  sie,  sie  habe  sie  „dahin  bracht", 
d.  h.  mitgebracht  bei  ihrem  Eintritt  in  das  Kloster,  von  andern,  sie  seien  ihr 
(geschenkt)  „worden"  oder  sie  habe  sie  „bekommen"  von  der  Äbtissin  (Anna 
Brendel),  der  (Agnes)  von  Hattstein  oder  der  von  Hanau")  andre  haben  kaufen 
lassen  oder  selbst  „gezeugen".") 

1.  Im  Dormenter  befanden  sich  in  einer  grossen  Kiste  ihr  Eock  und 
ihre  Kleider,  die  sie  „dahin  bracht"  hatte;  in  einem  Schrank  etliche  kleine 
Gläser,  die  sie  gleichfalls  „dahin  bracht"  hatte;  ein  klein  Kistlein,  das  sie 
„von  der  von  Ilatstein  bekomen",  zwei  kleine,  leere  Kistlein,  die  ihr  „von  der 
Äbtissin  worden" ;  eine  grosso  Kiste,  die  sie  selbst  „gezeugen"  und  darin 
drei  Eeder-Hauptkisten,  die  „sie  auch  selbst  gezeugen  hat",  und  zwei  Deck- 
betten, deren  eins  sie  „von  der  von  Platstein  bekomen,  das  ander  selbst  gezeugen" 
hat,    sowie  „zwei  gebilter  Decktücher'*"),   hat  sie  zu  Frankfurt  kaufen  lassen." 

2.  In  ihrer  Kammer  war  ein  gutes  Bett  mit  einer  „Kölschen  Zieh"'"') 
ein  „Pulffkisseu"^'),   die  sie  „dahin  bracht"  hat;  vor  ihrer  Kammer  eine  Kiste 


*®)  Amtmann  war  laut  der  Urkunde  vom  22.  Februar  1558  Uoorg  von  Nassau-Spurken- 
burg, Sohn  des  Johann  von  N.-Sp. ;  er  starb  am  31.  August  desselben  Jahres.  Vogel  in  den 
Annalen  II,  3,  31.    Helwichs  Epitaphien.     Bereiter  war  noch  Hans  Zeuu. 

*')  Dormenter  ;=  Dormitorium.     Deutsches  Wörterb. 

*^)  Diese  Schvj^ester  kann  nur  die  Marie  von  Hanau-Liclitenberg  sein,  die  sie  als  Äbtissin 
aufgenommen  hatte;  sie  war  die  Vorgängerin  der  letzten  Äbtissin  und  starb  vor  oder  in  dem 
Anfange  des  Jahres  1525. 

*^)  Zeugen  bedeutet  nach  Lex  er  sowohl  verfertigen  als  auch  machen  lassen;  hier  ist  es  in 
dem  zweiten  Sinne  zu  verstehen,  weiter  unten  kann  es  auch  in  dem  ersten  gefasst  werden. 

^'')  Gebilde,  rheinisch  =  Bildwerk  in  leinenem  Uewebe,  Leinwand  mit  eingewebten 
Würfeln  u.  a.  zu  Tischtüchern;  ebenso  das  Parlicipium.     D.  Wort.  IV,  1,  I.  Sp.  1771. 

^*)  Kelsch  (Kölsch)  =  külniscli,  auch  von  der  Farbe  blau  und  blau  gestreift.  Hilde n- 
brand  im  D.  "VVört.  V,  2,  1622.  Zieh,  rheinisch  =  Zieche,  Überzug  über  Kissen  und  Bett- 
decke.    Kehr  ein,  Volkssprache  in  Nassau,  S.  453. 

")  Pulff  =  Pfühl,  mhd.   Phulwe. 


28 

mit  neun  Paar  Lointüclier.  zwei  llauJzwehlou").  zwei  Tisclitüolunu  und  etlichen 
Femeln**  .   der  ^sie  selbst  gezeuj,'en  hat:  ihr  Vater  hat  ihr  die  Kiste  gegeben^'. 

.).  In  ihrer  Zelle:  drei  „gewirgte"  Stuhlkissen"),  von  Jungfrau  (.  .  . ) 
bekommt-n.  zwei  lederne  ^.Bankpulft.  von  Jungfrau  Angnes  eins  bekommen,  das 
ander  dahin  bracht " ;  noch  ein  klein  Tischlein,  ein  klein  Kistlein,  „hat  sie  von 
der  von  Hanau  bekommen." 

in  einem  Schrank  war  .,Zinnwerk":  eine  Mass-  und  eine  Halbmasskandc*®), 
vier  kleine  Kanden.  eine  Flasche  vt>n  einer  halben  3Iass,  zwölf  Schüsseln, 
klein  und  gross,  fünf  Kessel,  klein  und  gross,  und  noch  drei  Kanden.  Den 
Bi'schluss  machen  zwei  Badebütten,    „die  sie  akh)  maclien   lassen.'" 

Die  Cambergerin  wurde  also  nicht,  wie  die  Jungfrauen  Anfangs  verlangt 
hatten,  mit  ihrer  ganzen  eingebrachten  liarsehaft  :=  150  Fl.  entlassen,  sondern 
erhielt  nicht  einmal  die  llälfte:  dagegen  gab  man  ihr  zu  den  bewilligten 
60  Fl.  eine  Kuh  und  zwei  Schweine,  deren  Preis,  billig  berechnet,  etwa 
1.')  Fl.  ausmachte,  sodass  dadurch  die  Hälfte  der  Summe  ihres  eingebrachten 
Geldes  erreicht  wurde.  Die  übrigen  ihr  mitgegebenen  Gegenstände,  unter  denen 
besonders  das  Bettwerk  reich  vertreten  ist.  waren  ihr  Eigentum,  was  sie  von 
allen  mit  Ausnainne  des  Zinnwerks  ausdrücklich  aussagt,  von  diesem  vielleicht 
vorausgesetzt  werden  darf.  Auffallend  kann  erscheinen,  dass  nicht  einmal  ein 
Gebetbuch,  gesdiweige  ein  andres  genannt  wird,  ebensowenig  als  ein  Heiligen- 
bild. J).is  lässt  tief  blicken,  wie  der  Abgeordnete  Sa  bor  in  der  Reichstags- 
sitzung vom  17.  Dezember  1884  sagte:  geistige  Interessen  lagen  den  Xonneu 
zu  Clarenthal  fern ;  ihr  Gesichtskreis  war  ein  eng  begrenzter. 

Di-m  Vorgänge  der  Cambergerin  schlössen  sich  die  vier  noch  übrigen 
Jungfrauen  an;  wann  dies  geschehen  ist,  darüber  hören  wir  nichts,  doch  dürfen 
wir  vermut«'n.  dass  es  nicht  lange  nachher  stattfand,  da  ihre  Entlassung  im 
Januar  l.')r)9  gemeldet  wird  und  sicher  schon  einige  Zeit  vorher  l)eschlossen 
war.  die  Festsetzung  ihrer  Abfertigung  und  Abfassung  ihrer  Erklärungen  aber 
noch  einige  Zeit  erforderten.  Denn  bereits  am  10.  Dezember  1558  wurden 
die  in  der  Kirche  behndliclien  Gegenstände  inventarisiert  und  zum  Teil  nach 
Wiesbaden  gebracht,  was  doch  nur  geschehen  konnte,  wenn  man  damit  im 
Jii'inen  war.  dass  hier  kein  Gottesdienst  mehr  abgehalten  werde.  Die  Über- 
schrift di's  aufgenommenen  Inventars  lautet:  „Inventarium  der  Ornata  und 
Kirchen-Cleinott  zum  neuen  Closter  den  10.  tag  Decembris  ao.  1558'"',  und  eine 
Jiandbemerkung  (die  nachher  zugefügt  wurde)  besagt:  „Nota.  Diese  Ornata 
seindt  mehrtheils  ghen  Wisbaden  in  einer  kisten  in  das  Gewelb  gofurt  worden, 
wie  sy  dan  daselbst  zu  finden  seindt." 

Dieses  Inventar  zählt  1)5  Xunimern.  docji  sind  uu'hrfacli  zwei  oder  mehr 
Gegenstände  iiiitir  einer  Nummer  vereinigt,  s(tdass  die  Anzahl  derselben  sich 
auf  eine  viel  grössere  erhöht.  Werfen  wir  einen  Blick  auf  das  Ver- 
zeichnis. 


'•'^}  Ilandzwelile  =  Handtuch. 

")  Femel  oder  Fimmel  =  kurzer  Hanf.      I).   Wort.  III,   1638. 

")  (rewirk  =  Tuch  aus  Flachs,   Hanf  odor  Woroh   zusammen.     Kohrein  S.   103. 

**)  Kande  =   Kanne. 


29 

Den  grösston  Raum  nohiiion  dio  Messgewündor  oin,  deren  neunzehn 
genannt  werden,  versohiedcn  an  Stoff",  Farbe  und  Verzierungen ;  die  Beschreibung 
ist  insofern  mangelhaft,  als  bisweilen  d'io  Angabe  des  Stoffes  oder  der  Farbe 
oder  der  Verzierung  fclilt.  Sechsmal  wird  als  Stoff  genannt  Saramet,  dreimal 
Seide,  einmal  Damast.  Als  Farben  (>rschein(m  fünfmal  rot  (drei  Messgewänder 
von  Seide,  eins  von  Seidenatlas ;  ein  Lundisches),  dreimal  grün  (eins  von 
Sammet,  zwei  Lundische),  zwcümal  schwarz  (eins  von  Seide,  eins  v(m  Damast), 
zweimal  braun  (von  Suiuniet),  je  einmal  weiss  (di(!s  und  die  folgenden  ohne 
Angab(^  des  Stoffes),  blau,  halbrot,  halbgrün,  verblümt  und  gemalt.  Die  Wahl 
der  Farben  für  dvn  jedesmaligen  Gebrauch  i-ichtete  sich  nach  den  betreffenden 
Festtagen  und  Festzeiten:")  dw  weisse  Farbe  als  Bild  der  Eeinhcüt  und 
Freude  bestimmte  man  für  die  Gedächtnisfeier  Christi,  der  heil.  Jungfrau,  der 
Bekeuner  und  Jungfrauen,  die  nicht  den  Märtyrertod  erlitten;  die  rote  als 
Bild  der  brennenden  Liebe  für  die  Feste  zum  Andenken  an  die  Apostel  und 
Märtyrer,  sowie  für  die  Octav  des  heil.  Geistes ;  die  schwarze  als  Bild  der 
Trauer  für  Totenfeier;  violett  für  die  Advents-  und  Fastenzeit ;  blau  früher 
nur  für  das  Fest  der  unscliuldigen  Kindlein  und  den  Sonntag  Laetare,  später 
mit  der  schwarzen  Farbe  wechselnd  von  Septuagesima  bis  Ostern,  für  die 
Quatemberzeiten,  Vigilien  und  Bettago ;  g  r  ü  n  für  den  Rest.  Als  Ver- 
zierung diente  vornehmlich  das  Kreuz  und  zwar  zunächst  ein  goldnes  auf 
schwarzer  oder  roter  Seide,  schwarzem  Damast  uud  rotem  Sammet,  auf  einem 
gemalten  oder  halbroten  und  halbgrüneu  Gewand;  es  wird  im  Ganzen  sechsmal 
genannt;  ein  Ferienkreuz  wird  zweimal  angeführt,  auf  grünem  Sammet  und 
verblümtem  Gewand;  Perlonbuchstaben  auf  braunem  Sammet;  Perlen  auf 
rotem  Sammet;  einmal  wird  ein  rotes  Kreuz  auf  blauem  Messgewand  genannt. 
Wappen  auf  Messgewändern  kommen  dreimal  vor :  eins  mit  Nassauer-  und 
Ifauauer-Wappen,  ein  rotes  (Lundisches)  mit  Brendels  und  ein  seidenes  mit 
dem  Lindauer-Wappen. 

Als  L  u  n  d  i  s  c  h  werden  drei  Messgewänder  bezeichnet :  das  eben  genannte 
mit  Brendels  Wappen,  ein  grünes  mit  goldenem  Kreuz  uud  ein  grünes  ohne 
Verzierung.  Luudisch  =  aus  London  stammend;  seit  der  2.  Hälfte  des  15.  Jahr- 
hunderts vorkommend  zur  Bezeichnung  eines  englischen  Tuchs,  das  seiner  Güte 
wegen  gesucht  war.^'^) 

Im  Necrologium  werden  erwähnt  eine  rote  Casula  (Cassel),  auf  der  das 
grosse  Perlenkreuz  steht,  als  Geschenk  der  Margarethe  und  Anna  Grorod,  am 
T).  Februar  (1492);  eine  Kasel  als  Geschenk  der  Gräfin  Margarethe  von  Hanau- 
Lichtenberg,  Gemahlin  des  Grafen  Adolf  III.  (y  1004)  am  20.  Mai:  das  grosse 
Perlenkreuz  auf  der  roten  Casel,  das  aus  den  Perlen  des  kostbaren  Rockes  der 
Jungfrau  Eisgen,  Witwe  des  Hartmann  Hielgen,  gemacht  wurde,   am  IG.  Xovbr. 

Das  Nassauer-  und  Hanauer-\Va})pen  kann  aus  der  Zeit  der  Adelheid  von 
Nassau,   Gemahlin  Ulrichs  III.  von  Hanau  (f  1370).   die  vor  dem  Dezember  134") 


^^)  Kraus,  Geschichte  der   christlichen   Kunst  11,   l.  401       Weiss,    Kostüinkumle   vom 
4.— 14.  Jahrh.,  S.  688. 

^^)  Heyne  im  Deutschen  Würterb.   VI,   1302. 


30 

starb"),  oder  der  Margarethe  von  Ilanau-Lichtonberg,  Gemahlin  Adolfs  HL  von 
Nassau' (8.  oben)  stanunen:  das  Brondelsche  Wappen  gehört  der  Zeit  an,  avo 
die  vielen  Jungfrauen  der  Familie  im  Kloster  waren;  die  Lindauer  waren  eifrige 
Förderer  des  Klosters  und  eine    von    ilnu-n    lange  Zeit  Äbtissin,    die  Paze  von 

Lindau. 

Von  anderen  Stücken  der  Priesterkleider  erscheinen  acht  Albae,  teils 
ohne  Schmuck,  teils  mit  ^Stossen"  und  farbigen  (roten)  Sammetstreifen ;  zwei 
Albae  hatte  naeh  dem  Xecrologium  (U>.  April)  im  15.  Jahrhundert  die  Priorin 
Elisabeth  von  Yringen  dem  Kloster  gesclienkt,  eine  im  14.  Jahrhundert  Sifrid, 
Sohn  des  Sibodo  xon  Wiesbaden  (5  Oktober).  Sieben  bis  acht  Stolae, 
rot,  grün.  gelb,  von  Seide  oder  Sammet.  —  U  mb  1  eg  er"»),  humeralia,  fanden 
sich  etwa  sechs,  ein^-r  genannt  der  engelische  Gruss""),  andere  anders  verziert, 
einer  mit  den  heil,  drei  Königen ;  einen  hatte  der  Confessor  pater  frater  Johannes 
(t  i:m>  geschenkt,  nach  dem  Necroh)gium  7.  März.  -  Das  einigemal  genannte 
Bändciren  soll  wohl  das  Cingulum  bedeuten.  Endlich  folgen  14  Leviten - 
rocke  (Levit  =  Diaconus)  von  Sammet  oder  Damast,  zwei  rote,  fünf  grüne, 
ein  schwarzer,  zwei  weisse,  ZAvei  braune,   zwei  gemalte,   zum  Teil  verziert. 

Heilige  Gefässe:  Vier  silberne  Messkandeu,  vier  silberne  Messkelche, 
mit  ihren  Patenen,  zwei  ohne  Patenen:  eine  Hostienbüchse,  drei  Hostien- 
häuschen; ferner  die  dazu  gehörigen  Pallae,  Corporalia  und  Corporaltäschchen, 
eins  ein  Geschenk  des  eben  genannten  Confessors  Johann;  eine  Monstranz. 

Teppiche  und  Tücher  (Altartücher,  Grabtücher)  waren  gleichfalls  in 
DTÖsserer  Zahl  vorhanden;  unter  ihnen  sind  aufgezählt  „zwen  Nassauer  Leb", 
die  sieli  auf  zwei  Alben  (oder  andern  Tüchern?)  gestickt  befanden,  ein  „altes 
Leichtuch  mit  alt  Nassauer- Wappen",  drei  lange  Teppiche  mit  vielerlei  Wappen, 
mit  etlichen  Figuren  und  mit  etlichen  liildern,  zwei  seidene  Tücher  mit  „Draseln" 
u.  s.  w.  Von  den  Kissen  trug  ein  seidnes  das  Bild  eines  Adlers;  der  Stoff 
derselben  war  Sammet  oder  Seide,   eins  wird  streifig,   ein  anderes  musirt  genannt. 

Kleinodien:  Zwei  silberne  vergoldete  Kreuze  und  zwei  seidene  Kreuze, 
eine  Perlen-  und  eine  silberne  Krone,  u.  1.  Fr.  Pujck  mit  goldnen  Buchstaben, 
S.  Marj,'reten  Haupt.  König  Adolfs  Ermel.  —  Kleinodien  hatten  nach  dem 
Necrologium  geschenkt:  der  Erzbischof  Gerlach  (eingetragen  am  14.  Februar, 
starb  am  12.  Februar  1371),  der  Graf  Ruprecht,  Sohn  des  Grafen  Gerlach 
(t  4.  Septeiiil.er  KiltOj  und  die  Gräfin  Agnes,  Gemahlin  des  Grafen  Gerlach 
(t  am  i:'..  Januar  VVd'2,  im  Necrologium  am  11.  Januar  eingetragen);  ein 
silbernes  vergoldetes  Kreuz  von  dem  Pfarrer  Petrus  Sclduch  von  Rhcinhölln 
ca.  14M0  (Necrologium  18.  September).  Die  beiden  Kronen  und  der  Rock 
mögen  einem  (oder  zweij  Standbiltlern  der  heil.  Jungfrau  angehört  haben; 
wenigstens  di<;  silberne  schreibt  eine  andere  Aufzeichnung  (s.  u.)  diesem  zu.   — 

*»)  U »Min er,  lliinaucr  Urkundenbuch  II,  672,  No.  683. 

"")  Hunieriile  (=  Schult<'rtucli)  wiinl  im  Deutscheu  zunäclist  zu  unibrat,  uinbeler,  uiiib- 
l.r.  tiijs  <ii<-s<Mii  «lurrh  eine  Art  VolksetynH)lo},'ie  unibleger,  indem  man  es  vun  umle<;en  ableitete. 

•^V  Man  unttTMchied  genau  angelieus  und  anglicus,  en','elisch  von  englisch  (=  engel- 
ländisch),  jene»  von  ungelus,  dieses  von  anglus  abgeleitet.  Der  engelische  Gruss  bei  Luc.  I, 
28:   Ave  Maria  u.  s.  w. 


m 


31 

Das  Haupt  dor  lioil.  Margarethe  kann  nicht  eine  Reliquie  sein,  da  bereits  an 
zwei  Orten  ein  ITaupt,  an  zwei  andern  Teile  desselben  <;(!/eigt  wurden'''^);  -wir 
werden  an  eine  iniago  argentea,  wie  sie  die  Königin  Maria  von  Medici,  Ge- 
nialdiu  Heinrichs  IV..  dem  Kh)ster  S.  Gerinani  zu  Paris  geschenkt  liatte"^), 
oder  an  etwas  älinliclies  zu  denken  haben. "^) 

Den  ]}(!schhiss  niadien  wir  mit  (hm  „zwo  Kirbf'anen".  Über  den  Tag 
der  Clarenthah'r  Kircliweilie  sind  wir  Jiicht  genau  unterrichtet;  in  den  Kechnungen 
heisst  es  kurz:  „Zu  uns(n'er  Kirb" ;  doch  erluillt  soviel,  dass  sie  im  Mai  ge- 
feiert wurde.  HelwicJi  sagt,  es  sei  ihm  zu  Ciareuthal  mitgeteilt  worden,  dass 
di(!  dedicatio  annua  ijjso  die  sacro  Pentecostes  per  acta  fuit.  Es  soll  Ijekanntlich 
eine  Weihe  der  Kirche  zweimal  stattgefunden  haben,  im  Jahre  lo04  und  im 
Jahre  1321   „uff  unser  frauwen  abent  annuntiationis.  "''^) 

Zu  einigen  der  genannten  Gegenstände  ist  bemerkt,  dass  sie  „geblieben" 
oder  dass  die  Merg  (von  I\üdesheim)  sie  behalten  habe.  Wir  werden  darauf 
unten  zurückkommen. 

Wir  sind  zum  letzten  Akt  der  Geschichte  des  Klosters  gelangt,  zu  der 
Entlassung  der  letzten  Schwestern  im  Januar  des  Jahres  1559.  Nur  von  zweien 
ist  der  Tag  der  Abfertigung  genannt,  von  einer  liegt  eine  Erklärung  ähnlich 
der  der  Cambergerin  vor.  Beginnen  wir  mit  dieser.  Sie  ist  von  der  M  a  r  - 
garethe  von  Euf fingen  angestellt  am  27.  Januar  1559,  und  da  sie  der 
genannten  fast  gleich  lautet,  begnügen  wir  uns  damit,  die  Abweichungen  anzu- 
führen. Sie  gibt  an,  nachdem  sie  zum  Kloster  beredet  worden  sei,  habe  sie 
sich  darin  eine  Zeit  (nicht  eine  gute  Zeit)  gehalten;  (sie  war  eben  in  oder 
bald  nach  dem  Jahre  1550  eingetreten  und  etwa  acht  Jahre  Nonne  gewesen); 
nachdem  sie  ihren  Wunsch  mit  denselben  Gründen  wie  die  Cambergerin  vor- 
gebracht, sagt  sie,  sie  habe  sich  an  den  Grafen  Philipp  —  den  Jüngeren,  nicht 
auch  bereits  an  den  Alteren,  also  nach  dem  6.  Juni  1558,  und  sie  (nicht 
ihre  Freundschaft)  —  bittlich  gewandt  ihr  zu  ihrer  Freundschaft  zu  erlauben*^®) ; 
der  Graf  habe  ihr  40  Fl.  au  barem  Geld  und  alles  was  zu  ihrem  Leibe  gehöre, 
folgen  lassen;  dafür  dankt  und  verzichtet  sie  auf  alle  weiteren  Ansprüche  wie 
die  Cambergerin;  für  sie  siegelt  ebenfalls  ChristofF  von  Lindau;  dessen  Siegel 
ist  zwar  nicht  erhalten,  wohl  aber  ist  der  Schnitt  im  Pergament  sichtbar,  durch 
welchen  die  Pressel  desselben  gezogen  war. 

An  dciuselbuu  Tage  ist  die  Abfertigung  nicht  nur  der  Margarethe  von 
Eulf  iugen,    sondern    auch  der  Else   von  W  ü  r  g  e  s    ausgestellt ;    sie    hat    die 


«'-)  Acta  SS.  im  5.  JJand  des  Juli,  S.  28. 

03)  Ebenda  S.  28. 

^*)  Die  h.  Margarethe  scheint  zu  Clarenthal  eine  besondere  Verehrunfi^  genossen  zu  haben, 
vielleicht  im  Hinblick  auf  eine  ^[argarethe  des  Hauses  Nassau,  die  sich  um  das  Kloster  be- 
sonders verdient  gemacht  hatte;  in  dieser  Beziehung  möchte  man  an  die  Gemahlin  des  Graten 
Adolf  denken,  für  die  ein  besonders  feierliches  Jahrgezeit  im  Jahre  1371  noch  bei  ihrem  Leben 
bestimmt  wurde.  Ob  damit  die  Prozession  des  Schultheissen  und  der  Schöffen  von  Wiesbaden 
am  Margarethentag  (Ann.  XV,  395)  in  Verbindung  steht,  müssen  wir  dahingestellt  sein  lassen. 

^'"j  AVidmann,  Programm  des  Gymnasiums  zu  AViosbaden  1882,  S.  24  f. 

««)  S.  Anm.  43. 


32 

f  berdchrift:  „1559  den  27.  Januar  haben  wir  Jungfrau  Margarethe  von 
Eutfingen  und  Else  von  Würges  abgefertigt  .  .  der  veste  Johann  von  Ehren- 
traut, Conrad  Lesch  im  Beisein  des  Hans  Messerschniidt.  dermalen  Kellers, 
Hans  Loers  und  Adam  BnrnheinuTs''.")  Margarethe  erhielt  au  Zinnwerk  ver- 
schiedene Schüsseln  und  Kanden.  eine  Flasche  und  zwei  messinge  Becher,  so- 
dann eine  Kulte  einen  Mantel,  sechs  schwarze  Unterkleider;  an  Bettwerk  zwei 
wullcne  Decktücher,  davon  eins  ein  Geschenk  der  Cambergerin,  und  zwei  ge- 
wirkte, ein  (rescheuk  der  von  Reinberg,  zwei  Kissen,  ein  Unterbett  u.  s.  w. ; 
acht  Paar  Leintücher  und  anderes  „gemein  geredt  vor  ihren  Hb",  ein  Lodlein 
mit  ihrem  Schleier  und  eins  mit  ihrem  Ärmel  und  Koller  (Kragen  oder  Brust- 
kleidj,  ein  kleines  Sitzbettledlein,   eine  Badbütte  und  ihr  Wäschzeug. 

Vttn  der  Else  von  Würges  liegt  eine  Urkunde  nicht  vor,  sondern  bloss 
ihre  Abfertigung.  Wir  dürfen  uns  deren  Aufzählung  überhebeu.  da  sie  nicht 
sehr  von  der  vorhergehenden  verschieden  ist;  wir  erwähnen  nur,  dass  Else 
einen  ledernen  Bankpfühl  von  der  v.  Hattstein  bekommen  hatte,  und  dass  ihr 
20  Fl.   bar  ausgehändigt  wurden. 

Vergleichen  wir  die  drei  angeführten  Abfertigungen,  so  stehen  die  beiden 
letzten  weit  hinter  der  ersten  zurück,  vornehmlich  in  Bezug  auf  das  bare  Geld ; 
es  betrug  40  und  20  Fl.  gegenüber  den  60  Fl.  der  Cambergerin,  und  wenn 
wir  die  Zugabe  der  ersten  an  Vieh  mitrechnen,  durch  die  die  Hälfte  der  ein- 
gebrachten Summe  erreicht  wurde,  so  muss  die  Margarethe  von  Effingen  etwa 
^0  Fl.,  die  Else  um  40  Fl.  mitgebracht  haben.  Wenn  diese  beiden  auch  sonst 
weniger  reich  ausgestattet  wurden,  so  mag  dies  seinen  Grund  darin  haben,  dass 
sie  in  der  kürzeren  Zeit  ihres  Klosterlebens  weniger  beschenkt  wurden  oder 
erwerben  konnten.  Und  da  die  Else  mit  der  von  Euffingeu  zusammengefasst 
ist.  so  schliessen  wir  daraus,  dass  sie  wie  diese  nicht  in  ein  andres  Kloster 
überging,   sondern  zu  ihren  Verwandten,   ihrer  Freundschaft,  zurückkehrte. 

Anders  steht  es  mit  der  Marie  (Merg)  von  Rüdesheim  und  Mar- 
garethe von  Diez.  Zunächst  steht  ihre  Entlassung  nach  Tag  und  Datum 
nicht  fest,  und  nur  soviel  dürfen  wir  sagen,  dass  sie  im  Januar  des  Jahres  1559 
stattfand.  Dies  geht  aus  verschiedenen  Aufzeichnungen  hervor:  das  Inventar 
der  „Ornata  und  Kirchen  Cleinott"  vom  10.  Dezember  1558  enthält  einen  An- 
hang, der  dasjenige  namhaft  macht,  was  „Jungfrau  Merg  mit  sich  genommen" 
hat  (s.  unten),  und  hat  die  Jahreszahl  1559;  dieselbe  Zahl  trägt  das  „Inven- 
tarium  was  Jungfrau  Morgen  von  Rüdesheim  und  Greden  von  Dicstz  zu  Claren- 
thal  .  .  gev(»lgt  worden,  desgleichen  auch  Abfertigung  Jungfrau  Margaret  von 
Eyffingeu  und  Else  von  Würges,  gewesener  Closterpersonen  zu  Ciareuthal. 
Anno  1559."  Aus  der  Reihenfolge  der  vier  genannten  Jungfrauen  könnte  man 
höchstens  schliessen,  dass  die  beiden  ersten  vor  den  beiden  letzten  ausgeschieden 
seien,  doch  ist  dieser  Schluss  nicht  einmal  notwendig,    die  vier  können  ebenso 


*')  Die  Stelle  eines  Amtmanns  zu  Wiesbaden  war  seit  Georg  von  Nassaus  Tode  noch  nicht 
liesetzt,  daher  zwei  Hcumte  von  Idstein  zu  dieser  Abfertigung  beor<lert  waren;  Messerschniidt 
war  der  Keller  ('larentliais,  II.  Loiir  und  Ad.  liornheiiuer  waren  Keiler  zu  Wiesbaden  gewesen 
und  kommen  jener  im  Jahre   1544,  dieser  1548  als  solche  in  den  Rechnungen  vor. 


gut  an  oinom  Tag  abgoreist    soiii.     Ihre  Tronnung  in    zwei  Gruppen  hat  einen 
anderen  Grund. 

Denn  die  Merg  von  liüdoslicini  und  Gred  von  Diez  kcihrteu  nicht  in  den 
Kreis  ihrer  Verwandten  /.iiriick,  sondern  siedelten,  wie  mehrmals  von  ihnen  aus- 
gesprochen wird,  so  in  dem  oben  augef'ülirt(!n  Invcntarium,  von  der  Merg 
insbesondere  in  dem  „Verzeichniss  was  Jungfrau  Merg  mitgenommen  hat  nach 
Walsdorf",  nach  dem  hier  befindliclum  Kloster  über.  Dies  war  auch  der  Grund, 
(hxss  sie  keine  Abfertigung  an  Geld  erhielten,  sondern  ihnen  bloss  verschiedene 
Gegenstände  aus  Ciarenthal  verabfolgt  wurden.  Eine  Urkunde  über  ihre  L'ber- 
siedelung  oder  einen  Verzicht  auf  Ansprüche  an  Clarenthal  liegt  ebensowenig 
von  ihnen  wie  von  der  Else  vor. 

Wir  müssen  also  die  vier  zuletzt  genannten  Jungfrauen  —  entgegen  der 
2:0 wohnlichen  Ansicht  —  als  die  letzten  Schwestern  Ciarenthals  und  das  Jahr  1559, 
genauer  den  Januar  dieses  Jahres,  als  den  Termin  der  Schliessung  des  Klosters 
ansehen. 

Zu  Walsdorf '^)  war  kurz  vor  dem  Jahre  1156  von  einem  frommen  Priester 
Gottfried  ein  Mönchskloster  Benediktiner-Ordens  gegründet  worden,  das  auf 
Bitte  des  Gottfried  im  Einverständnis  mit  den  Klosterbrüdern  und  der  Dorf- 
«remoinde  der  Erzbischof  Arnold  von  Mainz  in  jenem  Jahre  der  St,  Martins- 
kirche  zu  Mainz  unterordnete.  Etwa  hundert  Jahre  später  wurde  es  in  ein 
adeliges  Frauenkloster  umgewandelt.  Äbtissin  war  im  Jahre  1559  die  Gräfin 
Margarethe  von  Nassau,  Tochter  des  Grafen  Philipp  des  Älteren,  geb.  im 
Januar  1517,  gestorben  im  Jahre  1596,  nachdem  sie  40  Jahre  lang  Äbtissin 
gewesen  war  und  79  Jahre  gelebt  hatte, ^*)  Im  Jahre  1556  verzichtet  sie  mit 
ihrer  Schwester  Anna,  die  gleichfalls  Nonne  zu  Walsdorf  war,  vor  den  geist- 
lichen Richtern  des  heil,  Stuhles  zu  Mainz  im  Schlosse  zu  Wiesbaden  auf  alle 
Ansprüche  an  die  Herrschaften  Wiesbaden  und  Idstein  und  die  ihnen  ge- 
bührenden Anteile  an  dem  väterlichen  und  mütterlichen  Vermögen,  Durch  die 
darüber  ausgestellte  Urkunde'")  lernen  wir  einen  Teil  des  Kreises  der  Jung- 
frauen, in  den  unsere  Clarenthalerinnen  eintraten,  kennen.  Als  anwesend 
werden  nämlich  genannt  neun  Jungfrauen  von  Walsdorf,  sechs  Gräfinnen,  davon 
vier  von  Nassau  (die  Äbtissin  und  ihre  Schwester  von  Nassau-Wiesbaden  und 
Idstein,  Elisabeth  von  Nassau-Saarbrücken  und  Eva  von  Nassau-Beilstein)  und 
zwei  von  Solms-Braunfels  (]Merge  und  Agatha),  die  Priorin  Martha  von  Stock- 
heim,  Margarethe  Wolfskelin  und  Kuuigundt  IIoltzapfHin.  Unsere  beiden  Jung- 
frauen waren  nicht  zugegen,  man  glaubte  offenbar  mit  den  neun  aus  Walsdorf 
genug  gethau  zu  haben;  denn  die  dortigen  Schwestern,   die  kurz  vorher  (1555) 


^^)  Vogel,  Beselircil)ung  S.  824.  8cli  1  iephake  I, '292  f.  Deissniaiin,  Geschichte  des 
Benediktiner-Klosters  Walsdorf  1863.     Seh liephake -Menzel  VI,  2  f. 

"«)  Ihr  Grabstein  sagt,  sie  sei  70  Jahre  alt  geworden;  bereits  Hagelgans  S.  39  hat 
darauf  hingewiesen,  dafs  diese  Zahl  nicht  zu  ihrem  Geburtsjahr  stimme. 

"')  Die  Urkunde  selbst  ist  nicht  erhalten,    das  Konzept   derselben  trägt  das  Datum   ,am 

18,  August",    eine  Beilage    mit    den  Namen    der   Klosterjungfrauen    ist    niedergeschrieben    am 

19,  Dezember.     Daher  ist  die  Versdiiodenheit  der  Tagesangaben  bei  Schliephake-Menzel 
VI,  3  und   Deissmann,  S.  0"  zu  erklären. 


;;4 

sieh  auf  06  PtTsuiK'n  lielaufon  hüben  solh'ii'M.  konnten  und  brauchten  dueli  nicht 
vollzählig  /u  Wiesbaden  zu  erscheinen. 

Was  die  beiden  Clarenthaleriuuen  luitnahnien  —  das  Wort  Abfertigung- 
ist hier  vermieden  — .  ist  in  z\vei  Verzeichnissen  aufgeführt;  es  ist  nicht  viel 
verschieden  von  den  Abfertigungen  der  drei  andern.  Wir  linden  genannt  ihre 
Kleider.  IJettwerk.  Leinwandgerät.  Zinnwerk.  Kanden.  Schränke  und  Tische. 
Zu  benu'rken  sind  bei  der  Merg  drei  kleine  Kistchen,  „darin  allerhand  Boppen- 
werk  und  Heilige  sind",    bei  der  Diezerin    ein  „Beltz"    und    zwei  „Arresz".") 

Merg  von  liüdesheini  hatte  den  Grafen  gebeten,  dass  sie  einige  Gegen- 
stände der  Kirchen-Ornate  mitnehmen  dürfe;  dies  w  uidc  ihr  bewilligt.  Bei 
einigen  Stücken  ist  schon  im  Inventar,  wie  wir  oben  anmerkten,  eine  darauf 
hinweisende  Bemerkung  gemacht:  schliesslich  wurde  alles  in  einem  besonderen 
Verzeichnis  zusanuuengestellt.  Dasselbe  umfasst  17  Nummern,  deren  einige 
zwei  oder  mehr  Stücke  namhaft  machen.  Dahin  gehörten  drei  Corpora,  die 
Munstranz.  zwei  silberne  Kreuze,  die  grosse  silberne  Krone  u.  1.  Fr.  und  die 
Perlenkrone,  u.  1.  Fr.  Röcke,  drei  an  der  Zahl,  deren  einer  bös  s(!i.  u.  1.  Fr. 
Zopf,  der  Fmbleger  mit  einem  grossen  engelischen  Gruss,  die  zwei  seidenen 
Fähnlein  u.  a.  Die  beiden  Verzeichnisse  der  Ornata  vom  10.  Dezember  und 
das  der  Jungfrau  Mergen  von  1559  stimmen  mehrfach  nicht  in  der  Beschreibung; 
z.  B.  dort  wird  der  engelische  Gruss  der  kleine,  hier  der  grosse  genannt;  hier 
erscheint  ein  Altartucli  und  eine  Borde  mit  den  zwölf  Aposteln  und  ein  kleines 
silbernes  Kreuz,  die  heil,  drei  Könige,  die  Paternoster  und  Kleinodien  zu 
u.  1.  Fr.  Kindchen,  sowie  ein  Perlen-Paternoster,  die  wir  vorgeblich  dort 
suchen;  ob  der  „silbern  Korb,  darin  ein  Heiltumb"  =  der  „sanct  Margarethen 
Haupt"?  Denn  es  hat  den  Zusatz  „ist  Blieben",  d.  h.  ist  der  3Ierg  von  Küdes- 
heim  nicht  mitgegeben  worden,   wie  die  silberne  Krone. 

Den  Abschluss  der  Übernahme  des  Klosters  durch  den  Grafen  bildet  die 
Inventarisation  des  Bestandes  an  3Iöbeln  u.  s.  w.,  der  sich  in  den  Kloster- 
räundichkeiten  fand.  Darüber  liegen  zwei  Aufzeichnungen  vor,  deren  erstes 
unmittelbar  nach  der  Entlassung  der  vier  letzten  Schwestern  aufgenommen  zu 
sein  scheint,  also  im  Januar  1559.  Denn  es  findet  sich  unmittelbar  nach  der 
Aufzählung  dessen,  was  diese  mitgenommen  haben.  Es  umfasst  nicht  alle 
liäundichkeiten  des  Klosters  und  am  Schlüsse  ist  bemerkt,  dass  es,  „soviel 
ausserhalb  bemelter  Jungfrauen  anlangt,  geendert"  worden  sei.  Und  in  der 
That  führt  es  bloss  vier  Zellen,  darunter  die  der  Merg  und  Gred  Dietzen  auf, 
daneben  die  Kirche,  das  Dctrmitorium.  den  Kebenthal  (Keventer,  Revent,  das 
Speisezimmer;,  die  ConvimtstubcN  das  Wiudhäuslein,  Siechhaus,  der  Nonnen 
(refängnis.  aber  auch,  was  in  der  zweiten  Aufzeichnung  fehlt,  den  Keller  mit 
seinen  Weinen  auf:  doch  stimmt  mehrfach  die  Aufzählung  nicht  mit  der  des 
zweiten   Verzeichnisses  üb(a*ein.      Wii'  be/.eiciinen  es  mit  VA. 

Das  zweite  Inventarium  (VBj  ist  am  5.  F(;bruar  1559  aufgenommen  und 
zwar,    wie  die   Überschrift  besagt,   von  den  uns    bekannten  Johann  von   Ehron- 


^')  So  berichtest  Dfis.siiiunn  S.   111. 

'■')  Lcifhtes  Wolloiigewebe,  benannt  nach   der  Stadt  Arras.     Lexer,  unter  auaz. 


35 

traut  mid  Kunrad  Lcsch  von  Idsti'iii  im  Boisoin  Ad.  Boinhnimers  und  J(di. 
Mcsserschuiids,  jetzigen  Kellers  zum  Neuen  Klosters;  die  äussere  Aufschrift 
laut(!t:  „luvontarium  zu  Clarenthal,  Joli.  Messerschnütttm  giditfert,  naclideui  die 
Jungfrauen  alle  heraus  koininen  inwendig  dem  Kloster  anno  1559."  Dasselbe 
"•eilt  alle  Iviiumlichkeiten  ein/ein  durch  und  verzeichnet  alles,  was  sich  in  ihnen 
vorfand.  \\"iv  legen  daher  das  Invcmtarium  VP>  unserer  Betrachtung  zu  Grunde 
uiul  ziehen  VA  luu-  aushilfsweise  zu. 

VB  zählt  zunächst  28  ZelUm  auf,  die  mit  den  ]3uchstaben  A,  B,  D— FF 
bezeichnet  sind;  eingestreut  ist  C,  eine  Kammer,  und  nach  CC  der  Thormeltil, 
welcher  dem  Dormcter,  dormitorium,  in  VA  entspricht;  in  btndim  Verzeichnissen 
werden  viele  Kisten  (VA  45,  VB  44)  gezählt,  in  deren  einer  sich  nach  VA 
ein  Kirchenteppich,  nach  VB  etliche  Kirchenteppiche  befanden.  Die  Zellen 
waren  nicht  alle  als  solche  benutzt;  mehrere  dienten  offcmbar  dazu,  überflüssig 
gewordene,  alte  oder  unbrauchbare  Dinge  aus  dem  Wege  zu  schaffen,  wie 
No.  A  und  B,  die  „vielerlei  bilwerk  und  taffeln'-'  enthielten,  No.  E  „etzlich 
alt  mannen  und  alt  gerümpell",  No.  H  „3  kleine;  Ledlcin,  5  Henckkorb  und 
ein  gemaltes  Duch",  No.  N  „3  Dücher,  4  henckig  Korb  gross  und  klein, 
4  kleinen  Defi'elgen,  ein  Sitzbedlein'-'  u.  a.  m.  ;  die  Kammer  No.  C  enthielt  vieler- 
lei Bettwerk,  No.  J  einen  Schneiderstuhl,   2  Sitzstühle,   4  Tücher,    1  Schenklein. 

Es  ist  nicht  immer  leicht  zu  entscheiden,  ob  eine  Zelle  von  Nonnen  be- 
wohnt wurde  oder  ob  sie  nur  zur  Aufbewahrung  solcher  ausser  Gebrauch 
stehender  Dinge  gedient  habe;  doch  kann  man  getrost  annehmen,  dass  letzteres 
der  Fall  war,  wenn  kein  Bett  oder  Stuhl  in  derselben  sich  befand.  Solcher 
Zellen  zählen  wir  (mit  der  Kammer  No.  C)  neun;  c.  zwanzig  also  waren  für  die 
Nonnen  bestimmt:  drei  von  ihnen  hatten  „Bedtledlein",  acht  „Sitzbedtledlein" 
oder  „Sitzbedtledchen",  sieben  „Sitzledlein"  (in  einer  deren  zwei),  fünf  „Led- 
lein" oder  „Ledgen";  die  letzten  meist  in  Zellen,  die  schon  mit  den  zuerst 
genannten  versehen  waren.  Die  nicht  mit  einer  No.  versehene,  nach  der  letzten 
Zelle  aufgeführte  Schlafkammer  der  Merg  enthielt  sogar  drei  alte  Bettladen, 
wovon  vielleicht  zwei  bei  Aufnahme  neuer  Schwestern  Verwendung  finden  sollt(!n. 
Dürfen  wir  aus  diesen  Angaben  einen  Schluss  ziehen,  so  würde  sich  als  höchste 
Zahl  der  Bewohnerinnen  des  Klosters,  auf  die  man  rechnen  konnte  (ob  auch 
erreichte,   bleibt  zweifelhaft),    zwanzig  ergeben. 

Die  Ausstattung  der  einzelnen  Zellen  war  höchst  einfach  und  einförmig. 
Tücher,  ein  Schenklein,  ein  Bänklein,  ein  Schemel,  Täfelchen,  Kistchen  u.  ä. 
kehren  ausser  den  Bett-  und  Sitzladen   oft  wieder. 

Nur  drei  Zellen  verdienen  besondere  Erwähnung :  No.  Y  war  mit  vielen 
wertvolleren  Dingen,  namentlich  an  Bettwerk  versehen;  sie  wurde  deshalb 
„verpetschirt".  Aus  gleichem  Grunde  wurde  No.  Z  „versecretirt" ;  denn  hier 
waren  „zwei  schöne  geschnittene  schiink,"  ein  „genullter  schank",  „zwei  feine 
Kistgen",  vier  „Bilt  Daffel"  und  einiges  Bettwerk.  Endli<h  dürfen  wir  nichr 
die  letzte;  Zelle,  No.  FF.,  übergehen;  sie  hiess  die  „alte  A[.tei"  und  war  von 
der  Junofrau  M(>r"'  bewohnt,  ein  Beweis,  dass  diese  noch  immer  die  Stelle  der 
Äbtissin  als  Statthalterin  bekleidete;  daher  waren  hier  auch  nach  VA  auf- 
bewahrt eine  weisse  Briefkiste,   eine  Kiste  mit  allerhand  Registern,   d.   h.  liecli- 


3 


* 


36 

nungsbücheru  iiml  ilirl.  Nach  Yli  waren  ilieso  nacli  Wiesbaden  zur  Bcsichtigiiug 
abgeschiokr  worden.  Endliih  wird  von  der  Merg  allein  gesagt,  dass  sie  eine 
besondere  Sehlalkanniu'r  an  dnu  „Xeiien  Gang"  gehabt  habe;  in  ihr  befand  sicli 
kein  weiteres  Bettwerk,   wohl  aber  in  ihrer  Zelle;  jenes  muss  sie  nach  Walsdorf 

niitgenoninien  haben. 

Von  andern  Räumlichkeiten  werden  genannt  eine  Stube  und  eine  Kammer, 
„do  man  riulür/.r  by  der  Stuben",  jene  mit  einem  Tische,  zwei  Kistchen,  zwei 
Sesseln  und  einem  kleinen  Bänklein,  diese  mit  mancherlei  Hausrat.  Es  folgt 
das  untere  Siechhaus  (YA  unterscheidet  „oben  im  Siechhaus  ein  Stübchen,  im 
untersten  S.  und  im  untern  Siechhausstübchen") ;  schon  in  der  ältesten  Zeit  des 
Klosters  wird  dessen  gedacht:  am  17.  Januar  sind  im  Necrologium  Cuno  von 
Dütscheim  und  dessen  Mutter  Katherina  als  Wohlthäter  desselben  augeführt, 
indem  jener  ein  Pfund  Heller,  diese  eine  kleine  Geldsumme  an  Solidi  (die 
Ziffer  ist  nicht  eingeschrieben)  und  drei  Hühner  „in  infirmarium"  spendete. 
Hie  Familie  derer  von  Hotzheim  starb  um  das  Jahr  HioO  aus,  die  Schenkungen 
waren  also  vorher  erfolgt.  Ha  der  Vater  Cunos  Sybode  hiess,  wie  das  Necro- 
loirium  anmerkt,  so  ist  wahrscheinlich,  dass  er  diesen  der  Familie  der  Herrn 
von  Wiesbaden  geläufigen  Namen  durch  Abstamnumg  von  einer  Tochter  der- 
selben erhielt;  und  in  der  That  ist  auch  der  Name  Katharina  bei  ihr  gebräuchlich 
o-ewesen  Ferner  schenkte  Jutta  von  Frauenstein  dem  Kloster  ein  Malter  Korn 
„in  infirmarium",  Necrologium   17.   Februar. 

Haran  schliessen  sich  in  VB  der  Revendal  (auch  „thormeltil"  genannt)  und 
die  Conventstube  mit  einem  Vorplatz :  dort  standen  drei  Brodkörbe,  zwei  Schränke, 
ein  Küchen-  und  ein  langer  Tisch,  fünf  Webstühle  oder  Rahmen,  eine  Haspel 
und  ein  Schemelchen,  hier  ausser  mehreren  Tischen,  Sesseln  u.  s.  w.  nach  VB, 
eine  Kiste  mit  zwei  eingebundenen  Zinsregistern  und  zwei  Zinsbücheru,  deren 
eins  zu  Graf  Adolfs  Zeit  (f  1511),  eins  zu  Graf  Philipps  Zeit  erneut  war, 
ausserdem  etliche  Zettel  und  Register  und  ein  Evangelienbuch,  vor  der  Convent- 
stube mehrere  grosse  und  kleine  Schränke,  eine  Kiste  und  eine  Plandfassdrisur, 
d.  h.  ein  Gefäss  zum  Handwaschen.  Von  den  Registern,  die  in  VB  fehlen, 
ist  nichts  erhalten  ausser  zwei  Haushaltungsbüchern  der  letzten  Äbtissin,  deren 
älteres  gar  keine  Ausbeute  gibt,  da  es  bloss  die  jedesmaligen  Summen,  niclit 
aber  einzelne  Posten  der  Einnahme  und  Ausgabe  enthält. 

Im  Kerker,  der  nun  in  VB  folgt  (in  VA  heisst  es  „bei  der  Nonnen 
Gefengknis")  waren  acht  Küchenschränke,  in  der  Badstube  mehrere  Badbütten. 
Eine  wichtige  Rolle  spielt  in  Nonnenklöstern  die  Winde  und  das  Windhäuslcin; 
durch  sie  wurde  der  Verkehr  der  Schwestern  mit  der  Aussenwelt  vermittelt. 
Die  Winde  war  (sine  wagerecht  drehbare  Vorriclitung  zum  Ein-  und  Auslassen 
von  Dingen.  In  VB  sind  „by  der  Winen"  einige  Kistchen  und  Schränke 
aufgeführt,  im  „Windttlieuslein"  merkwürdigerweise  neun  grössere  und  kleinere 
Kannen.  Endlich  waren  in  dem  Klostergebäude  zur  Aufbewahrung  von,  wie 
es  scheint,  alten  oder  abgängigen  Möbeln  einige  „Gänge"  benutzt,  wie  der 
Gang  bei  Jungfrau  Mergen  Schlafkammer    und  der  neue  Gaug  vor  demselben. 

VA  führt  uns  auch,  wie  gesagt,  in  den  Keller  und  zählt  den  daselbst 
aufbewahrten  Weinvorrat  auf:  es  waren  an  firnem  Wein  4  Fuder.    1  Ohm  und 


37 

2  Vicrtol,  an  neuem  Wein  4  FiiJur,  4^2  Oluii.  zustunmen  8  Fuder,  5'/2  Ohm, 
2  Viertül.  Nach  einer  Aufzeichnung^-  des  Jahres  1631  betrug  der  Ertrag  der 
Weinberge  des  ehemaligen  KU)sters  im  üurclischnitt  jährlich  10  Fudcn-,  von 
denen  je  die  Hälfte  „Mospacher  Gewechs"  war  oder  von  der  Goisheck  geerntet 
wurde");  dazu  trat  eine  Ohm,  die  zu  Biebrich  ständig  fiel.  Dem  standen  an 
Ausgaben  gegenüber:  Dienstwein  des  Kellers  ein  Fuder,  für  dessen  Frau  täglich 
eine  jMass  (=  4  Ohm,  11  Viertel,  1  Mass),  für  den  Schreiber  täglich  eine 
halbe  Mass  Tischwein  (=  2  Ohm,  5  Viertel,  3  Mass)  und  an  WeissAvein  2  Ohm. 
Den  Beschluss  der  VB  macht  die  Kirche,  die  in  VA  in  die  Mitte  gestellt 
ist  und  wie  sonst  kürzer  abgemacht  wird.  Zunächst  werden  die  Messbücher 
aufgezählt:  „ein  messbucli,  ein  gross  missale,  da  Introitus  in  steh(>n,  ein  Metten- 
buch, ein  vesperbuch,  alt  pergament,  21  sunsten  allerlei  klein  metten  büchlein, 
noch  ein  Vesperbuch,  noch  ein  buch,  so  evangelia  und  epistel  gesungen  werden, 
ein  klein  Vesperbuch,  alt  pergament",  zusammen  2S  Bücher.  In  der  grossen 
Altartafel  (VA)  befanden  sich  fünf  kleine  Kistlein,  „helffen  beiner  (von  Elfen- 
bein) und  sunsten''',  ein  Sacramentshäuslein,  ein  Crucifix  mit  Tafel,  sechs  Tafeln, 
klein,  stehen  auf  dem  Altar,  44  kleine  gemalte  Tafel-Tücher  und  Briefe  auf 
der  Stube,  vier  Pfühle,  sechs  Kircheuleuchter  von  Zinn  für  den  Altar,  ein 
Leuchter  von  Zinn  und  zwei  Fussbecken  „in  der  Orgalarei"  und  ein  kleines 
rundes  Tischlein  in  der  Kirche.  Daran  schliosst  sich  ein  Schrank  l)ei  der 
Kirche,  „do  man  aus  dem  Kloster  hineingeht"  mit  verschiednen  Tüchern  und 
Messkendlein. 

Anhang. 
Die  Kirche  und  andere  Gebäulichkeiten  des  Klosters. 

Über  den  Bau,  die  innere  Gliederung,  die  Denkmäler  und  Ausschmückung 
der  Kirche  gibt  uns  die  Inventarisation  keinen  näheren  Aufschluss  ebensowenig 
als  Reste  derselben,  da  diese  vollständig  verschwunden  sind.  Das  Wenige,  was 
wir  aus  andern  Quellen  erfahren,   soll  hier  zusammengestellt  werden. 

1.  1296  am  2.  Februar  hub  der  König  Adolf  mit  seiner  Gemahlin 
an  das  Neue  Kloster  zu  bauen.  Werner  von  Saulheim  bei  S  c  h  1  i  e  p  h  a  k  c 
11,  227.     IV,  41. 

2.  1296,  am  29.  September  wird  von  dem  Statthalter  des  Königs  Ludwig 
von  Sonnenberg  der  erste  Stein  gelegt.     Ebenda;  Necrologium  10.   Juni. 

3.  1298,  6.  Januar.  Stiftungsbrief  des  Klosters  durch  den  König  Adolf. 
Koth,   im  Korresp.-Bl.   des  Gesamtvereins  1882,   S.    78. 

4.  1298,  27.  Januar.  Die  Königin  Imagina  gibt  ihre  Zustimmung  zur 
Stiftung.     Ebenda. 

5.  Um  1304.  Weihe  des  Klosters,  t'ber  diese  s.  AV  i  d  in  a  ii  n  .  Fro- 
gramm  der  Gymnasiums  zu  Wiesbaden  1882,  S.   2^)  und  unten  Xo.   8. 

6.  1298  fl'.  Baumeister  und  Förderer  des  Baues  waren  frater  Petrus 
pictor  de  ordiiu;  minorum,  qui  fuit  magister  operis  in  principio  structure  istius 
claustri;    Necrologium    27.   Oktober;    Gotfridus    frater  de  ordine  minorum,   qui 


'■"')  Vergl.  übeji  S.  19. 


38 

tiilelitor  hiljoravit  pro  elausrrü  consrnioiulo :  Nocrologiuni  2^».  A])ril;  Wigandus 
plebanus  de  Moschbach.  qui  tidelitor  laboravit  pro  elaustro  constriiendo ;  Nccro- 
Kigiimi   !?4.   NoYOinber, 

7.  i:ill  wird  die  erste  Äbris.sin  Jfidiardis  (f -"•  ''iili)  i>'>  Kreuzgang  der 
Kirehe  beigeser/.t.    Xecrelitgiuin  22.   Juli.     II  el  wich.    D  (•  r  s  '  Epitaidiienbueli. 

8.  KI21.  24.  März.  Die  Kirclie  und  dt>r  Chor  der  Jungfrauen  wird  aber- 
mals (zum  erstenuuile?)  geweiht  von  dem  Mainzer  AVeihbischof  Tiethniar. 
"Widmann  a.  a.  0.  In  dem  .[ungi'rauenchor  hielten  und  begingen  die 
Schwestern  die  sieben  Zeiten ;  seine  Lage  war  in  der  Verlängerung  des  Mittel- 
schiffes'*) ;  es  war  etwas  höher  als  die  übrige  Kirelic  und  liiess  desshalb  auch 
der  höhere  Chor  im  Gegensatz  zu  dem  niederen  Chor.  Kirche  und  Chor  der 
Schwestern  wurde  geweiht  ,,in  die  Ere  Marien  der  wirdigeu  Jungfrawen'',  der 
Fronaltar  in  der  Kirehe  ..in  die  Ere  der  heyligen  Dreyfaltigkeit,  des  heiligen 
Crutzes  und  aller  Apostelen  und  Evangelisten".      Widmann  a.   a.   0. 

\K  l'm  1440  stall I  Jiulman,  der  länger  als  20  Jahre  llof'meister  des 
Klosters  gewesen  war  und  demselben  140  Goldgulden  „zu  stuher  zu  dem  crutz- 
gang  an  dem  buhe"  gegeben  hatte.     Necrologium   12.   April. 

10.  1500.  24.  November  starb  der  ehrwürdige  Vater  und  Bruder  Johann 
Müller  von  Gelnhausen.  Custos  am  Rhein  und  Guardian  zu  Frankfurt,  von  dem 
das  Kloster  60  Fl.  empfangen  hatte,  verwandt  „in  Nutz  des  Gotzhauses". 
Xecrologium  24.  November. 

11.  15(0)7  starb  Sifridt  Stum  von  Bleidenstat,  Laienbruder  des  Klosters, 
der  ihm  40  Fl.  für  eine  ewige  Messe  und  Vigilie  gab ;  seine  Schwester  hat 
nach  seinem  Tod  „an  das  closter  gelacht  in  bu  und  besserung  35  Fl.  1518". 
Necrolügium  13.   Januar. 

12.  1530  starb  Merg  de  Konstein,  „die  da  gegeben  hat  23  Fl.  zu  den 
Daffcln  zum  Fronaltar  in  der  Kirchen."     Necrologium  9.  Dezember. 

13.  Der  Laienbruder  Eygelberg  und  seine  Frau  Kathcriua  schenkten  dem 
Kloster  100  Fl.  für  ein  Anniversarium  „et  pro  lumine  candcle  perpetue". 
Necrologium  30.  November;  der  Eintrag  stammt  der  Schrift  nach  aus  dem 
14.   Jahrhundert. 

14.  Dctniicellus  Dederich  ILut  (von  Sonnenberg)  und  seine  Frau  Margreta 
stiften  jälnlicli  12  ^Malter  Korn  und  35  Pfund  zu  einem  ewigen  Lichte.  Necro- 
logium 4.  Oktober.  Der  Schrift  nach  aus  dem  15.  Jahrhundert,  Ein  Jungher 
Dietherich  lludt  kommt  in  einer  Urkunde  vom  7.  Dezember  14(17  vor;  ein 
Dietrich  und  dessen  Gemahlin  Nese  werden  erwähnt  mir  der  dahreszahl  1467 
und   1475.     Vogel.   Ann.    Fl,   :>,   30. 

15.  Gertrudis,  die  ^lutter  der  Schwester  Mechtildis,  schenkte  dem  Kloster 
drei  Pfund  ilelhjr  zu  eineiu  Messbuch.  Necrologium  12.  März,  der  Schrift 
nach  aus  dem  14.  .lahrhundert.  Welche  Mechtildis  gemeint  sei,  ist  nicht  fest- 
zustellen. 


")  Ver;,'l.  S  <•  li  n  c  i  il  f  r  in  W  u|,'n  ors  f,M'istliclieii  Stiften  des  Orosslier/.ugtunis   Hessen  II, 
Ü2ü  u.  224  über  das  Xoniioiitliur  im  Keicli-  und  Arine-Clarcnkloster  zu  ]Mainz. 


39 

16.  Im  Septombor  1484  stavli  dci-  .,r('V(Mon(lus  purer  et  ddininus  Joliaimo.s 
Isonburg,  cpiscopus  Thonnopolcnsis  et  SuffViigancus  doinini  Spirousis,  qui 
contulit  nobis  XX  Floi'.  et  uiiuiu  brcvitiriuiii  in  dualjus  partibus  pro  se  ot  suis 
bonis  fautoribus.  Aiiik»  doiuini  iM('CCCLXXXIlll".  Das  Nocrologiuin  vor- 
z(nclin(!t  diese  Notiz  am  4.  .Septombur,  andere  neiuien  den  1.  oder  2.  September 
1484  seinen  Todestag.  Ei-  >var  vor  dem  Jalire  14(56  C'ustos  generalis  der  Kliein- 
kustodie  dov  oberdeutsclien  Minoritenprovinz  und  Siiffraganeus  Thernio})ylensis 
gewesen.  Sielie  E  u  bei,  Gescliiclit(!  der  oberdeutsclien  (Strassburger)  Minoriten- 
provinz.     Würzburg  1886,   S.    181,    186. 

17.  Am  1.  Dezember  J431  starb  die  Gräfin  Elisabeth  von  ILanau,  (u;- 
mahlin  Ulrichs  V.  von  Hanau  (f  1419);  sie  war  die  Mutter  der  Äbtissin  Agnes 
(1422 — 1446)  und  deren  Schwester,  der  Nonne  Adelheid  (f  1440),  die  beide 
im  Jahre  1412  in  das  Kloster  Clarenthal  eingetreten  waren.  You  ilii'  Ijerichtet 
das  Necrologium,  wie  wii-  in  (h'in  ersten  T(m1  dieser  Studien  bereits  erwähnt 
haben,  dass  si(^  zwanzig  -lahre  zu  Clarenthal  in  einem  Hause,  das  sie  sich  bei 
der  Kirche  erbaut  liatte,  als  Mutter  und  Freundin  der  Schwestern  gewohnt  und 
dem  Convent  iiundert  Gulden  hinterlassen  habe. 

Wollen  wii'  uns  ein  einigermassen  zutreffendes  jjild  der  Kirche  machen, 
so  müssen  wir  vor  allem  das  im  Auge  behalten,  dass  der  Stifter  des  Ordens 
für  dessen  Bauwerke  die  grösste  Einfachheit  em])fahl  und  Bonaventura  im 
Jahre  1260  bestimmte  Regeln  aufstellte.  So  sollte  die  Wölbung  der  Kirchen 
nur  ausnahmsweise  gestattet  sein  und  diese  weder  durch  grosse  Dimensionen 
noch  durch  Säulen,  Fenster  und  Bilder  ins  Auge  fallen.'^)  Wir  dih-fen  danach 
als  wahrscheinlich  voraussetzen,  dass  die  bald  nachher  (um  1300)  erbaute 
Ciarenthaler  Kirche  im  wesentlichen  diesen  Vorschriften  entsprocheii  habe. 
Erst  im  Fortgange  der  Zeit  fing  man  an  auf  künstlerische  Ausstattung  und 
Ausschmückung  mehr  Gewicht  zu  legen.  Damit  würde  stimmen,  dass  die 
Clarenthaler  Bildwerke  an  den  Wänden  und  Fenstern  erst  dem  lö.  Jahrhundert, 
wie  wir  angenommen  haben,  angehörten."')  Wir  können  aber  auch  noch  einen 
Schritt  weiter  gehen  und  sei  es  ein  Vorbild  unserer  Kirche  oder  ein  aus  dem- 
selben Geist  entsprungenes  Bauwerk  in  der  Kirche  des  ßeichclarissen-Klosters 
zu  Mainz  erblicken,  das  als  Mutter  Ciarenthals  betrachtet  werden  kann.  Trotz 
ihrer  Verstümmelung,  sagt  S  c  h  n  e  i  d  e  r"),  ist  dieselbe  noch  heute  ein  mächtiger 
gotischer  Bau  von  guten  Verliältnissen,  abei-  herber  E  i  n  f  a  c  h  li  e  i  t ;  an  den 
grossen  Mittelbau  lehnt  sich  nur  ein  Seitenschiff  an:  ein  Querschiff  fehlt: 
sämtliche  Teile  der  Kirche  waren  überwölbt;  charaktei-istisclie  Gliederungen  und 
Ausschmückungen  sind  nur  an  einigen  Stellen  angebracht.  Inwieweit  Claren- 
thal damit  übereinstimmte,  lässt  sich  nicht  entscheiden,  z.  B.  die  Frage,  ob 
nur  ein  Seitenschiff  oder  gar  keins  angebaut  war,  ob  WiUbungen  sich  vor- 
fanden; nur  das  dürfen  wir  festhalten,    dass  die  gleiche  Einfachheit  lierrschte. 


'''")  Kraus,  Gesclnchto  der  cliristliclien  Kunst,  II.   1,   1H5. 
^«)  Aiinalen  XXIX,  18,  5. 


^')  In   dorn  "NVorko  von  "Wap^nor.    Die  vorninligon  goistliclion  8tiftc  im   fJrossherzogtuui 
Hessen  II.  2'JÜ  u.  Tafel  VIII. 


40 


Die  Grabdenkmäler  und  Gemälde  der  Kirche  zu  Clarenthal. 

Ton  der  Kirche  zu  Clrtrentiiul  ist  nichts  erhalten ;  sie  erfuhr  nach  der 
Aufhebung  des  Klosters  mehrfache  Veränderungen  und  zuletzt,  als  die  Räumlich- 
keiten des  Klosters  zu  ganz  andern  Zwecken  benutzt  wurden,  eine  gänzliche 
Zerstörung.  Die  jetzige  Kapelle  ist  für  den  protestantischen  Gottesdienst  neu 
erbaut  und  nur  i'in  Grabstein  hat  an  der  Wand  an  recht  ungünstiger  Stelle, 
hinter  einer  Treppe,  seine  Aufstellung  gefunden.  Andere  Inschriftsteine  sind 
zu  Neubauten  benutzt  und  zerschlagen,  vier  von  Persönlichkeiten  des  nassauischen 
Hauses  nach  Wiesbaden  in  die  dortige  Kirche  verbracht,  aber  teils  dem  Zahne 
der  Zeit,  teils  dem  Brande  der  Kirche  im  Jahre  1850  zum  Opfer  gefallen. 
"Was  wir  noch  von  der  Clareuthalcr  Kirche  wissen,  verdanken  wir  den  Auf- 
zeichnungen II  e  1  w  i  e  h  s  (lül4)  und  den  Abbildungen  des  Malers  D  o  r  s  (1632). 
Jener  schrieb  die  Inschriften  aller  Grabsteine,  soweit  sie  erhalten  waren  und 
gelesen  werden  konnten,  ab  und  verzeichnete  die  Namen  der  Personen,  die  auf 
den  zwei  grossen  Wandgemälden  dargestellt  sind,  dieser  machte  Abbildungen 
derjenigen  Grabdenkmäler  und  Gemälde,  welche  Mitglieder  des  Hauses  Nassau 
betrafen,  beide  mit  kürzerer  (H  e  1  w  i  c  h)  oder  genauerer  (D  o  r  s)  Angabe  der 
Stellen,  wo  sich  diese  ehrwürdigen  Zeugen  der  Vergangenheit  befanden.  So 
ergänzen  sich  beide  Aufzeichnungen  bis  zu  einem  gewissen  Grade  einander. 

Die  Kirche  lag  wie  natürlich  bei  dem  Klostergebäude;  w^nn  das  Inventar 
vom  .").  Februar  lö.öQ  sagt,  dass  ein  Schrank  bei  der  Kirche  stand,  wo  man 
aus  dem  Kloster  hineingeht,  so  muss  wohl  ein  bedeckter  Gang  aus  diesem  in 
jene  geführt  haben.  Durch  ihn  trat  Hei  wich  in  die  Kirche,  da  er  zuerst 
dif  hier  befindlichen  Gemälde  und  Inschriften  aufzeichnet,  dies  war  aber  die 
südliehe  Seite  des  Gebäudes ;  es  lag  also  im  Norden  des  Klosters :   siehe  unten. 

Von  den  liäumlichkeiten,  in  denen  sich  Denkmäler  befanden,  nennt 
Dors  1.  den  niederen  Chor,  bei  Hei  wich  Chor  schlechthin  oder  mit  ante 
aram  maiorem  (altare  malus)  bezeichnet;  2.  den  höheren  oder  Jungfrauenchor, 
bei  H  e  1  w  i  c  h  chorus  virginum  ;  ihn  fanden  wir  schon  in  der  chronikalischen 
Notiz  des  Jahres  1321  erwähnt;  3.  den  Kreuzgang  oder  ambitus.  Da  Hei  wich 
ihn  zuletzt  verzeichnet,  so  ist  er  an  der  seinem  Eingang  zur  Kirche  entgegen- 
gesetzten Seite,   also  an  der  Nordseite  des  Schiffes,   angebaut  gewesen. 

Hei  wich  befolgt  nämli(;h  in  seiner  Aufzählung  der  Denkmäler  genau 
dir  Reihenfolge  derselben,  die  er  selbst  einhielt,  indem  er  von  dem  einen  zum 
nächstliegenden  vorschritt,  anders  als  Dors,  der  mehrmals  hin-  und  her- 
springend verfuhr;  durch  genauere  Beschreibung  der  betr.  Örtlichkeit  machte 
er  jedoch  das  Irreführende  seines  Vorgehens  wieder  gut.  Nur  einmal  (No.  6) 
lässt  sieh  seine  Angabe  mit  der  Hei  wichs  nicht  vereinigen ;  s.  No.  6  unserer 
Zählung.  Hl' I  wich  beginnt  mit  dem  Chor,  dem  niederen  Chor  bei  Dors, 
N<..  1-19,  steigt  dann  zum  Jungfrauen-  oder  höheren  Chor,  No.  24,  geht  darauf 
zum  Kreuzgang.  No.  20—30,  und  schliesst  mit  dem  daran  stossenden  circuitus, 
No.  31.  Dors  oder  das  Epitaphienbuch  beginnt  mit  dem  Kreuzgang,  (No.  25) 
Kichardis,  zu  dem  er  ncch  zweimul  zurückkehrt,  No.  6  und  28,  Imagina  und 
Margarethe    von   Ei)penstein.    wendet    sich    dann    zu  dem  Gemälde    des  Grafen 


41 

Adolf  und  seiner  Familie,  No.  4,  von  da  wieder  zum  Krouzgaug,  No.  (')  Imagina, 
dann  zum  Jungfrauenchor,  No.  24  Adelheid,  darauf  aborjnals  zum  niederen 
Chor,  iS'o.  7  Mechtildis,  um  sofort  wieder  zu  jenem  zurückzukehren  (Xo.  20  bis 
23),  die  bei  II  e  1  w  i  c  h  fehlen,  und  nachdem  er  das  noch  fehlende  vor  dem 
Hauptaltar  aufgeführt  hat,  No,  8  und  9  Graf  Gerlach  und  seine  Gemahlin, 
2  und  3  Graf  Adolf  und  seine  Gemahlin,  4,  ö,  10,  das  Gemälde  Graf  Adolfs 
und  seiner  Familie,  Graf  IMülipp  und  Friedrich  von  Hohenlohc,  schliesst  er 
mit  dem  Kreuzgange,  mit  dem  er  begonnen  hatte,  No.  28  Margarethe  von 
Eppcnstein.  Offenbar  waren  die  einzelnen  Abbildungen  oder  deren  Copien  auf 
je  einem  13ogen  ausgeführt  und  wurden  in  dem  sogenannten  Epitaphienbuch 
zusammen  mit  den  anderen  nassauischen  Grabdenkmälern  in  einen  Band  ver- 
einigt, ohne  dass  man  auf  die  Stellung  in  der  Kirche  Rücksicht  nahm  und 
auch  die  zeitliche  Abfolge  nicht  genau  beachtete. 

Aus  H  c  1  w  i  c  h  s  Ortsangaben  geht  hervor,  dass  weltliche  Personen  nur 
im  niederen  Chor  bestattet  waren,  Klosterschwestern  im  Jungfrauenchor  und  im 
Kreuzgang  ihre  letzte  Kuhestätte  gefunden  hatten;  vier  Gemälde,  die  Hei  wich 
nicht  erwähnt,   befanden  sich  im  höheren  Chor,  zwei  andere  im  niederen  Chor. 

Für  die  Orientierung  der  Kirche  gibt  D  o  r  s  einen  sicheren  Anhaltspunkt, 
Nach  ihm  befanden  sich  im  Jungfrauenchor  vier  Bilder,  das  erste  auf  der 
linken  Seite  der  Wand,  die  drei  andern  im  Giebel,  welcher  dem  Altar  gegenüber 
war,  Yon  diesen  war  No.  2  und  4  auf  der  linken  und  rechten  Seite  in  Fenstern 
des  Giebels,  No.  3,  das  mittlere,  auf  die  Mauer  gemalt  gegen  Niedergang  der 
Sonne,  also  gegen  Westen  gerichtet;  der  Altar  und  der  ganze  Chor  lag  also 
genau  im  Osten  der  Kirche, 

In  der  nachfolgenden  Aufzählung  der  Denkmäler  legen  wir  die  Reihen- 
folge von  H  e  1  w  i  c  h  zu  Grunde  und  schliessen  an  die  einzelnen  eine  kurze 
Angabe  der  Örtlichkeit  von  D  o  r  s  an,  Yorher  aber  müssen  wir  eine  Be- 
merkung über  den  Gebrauch  von  rechts  und  links  bei  beiden  machen.  Was 
nämlich  H  e  1  w  i  c  h  rechts  nennt,  ist  bei  D  o  r  s  links  und  umgekehrt.  Dieses 
beruht  auf  der  verschiedenen  Stellung,  die  sie  für  die  Beschreibung  der  Lage 
einnahmen  oder  von  ihnen  eingenommen  denken.  H  e  1  w  i  c  h  steht  oder  denkt 
sich  vor  dem  Altar,  mit  dem  Gesicht  gerichtet  nach  dem  Altar,  wie  es  der 
katholische  Geistliche  bei  der  Messe  thut,  D  o  i-  s  steht  ebenfalls  vor  dem  Altar, 
aber  zu  ihm  mit  dem  Rücken  gewendet,  zu  der  Gemeinde  im  Schiffe  der  Kirche 
mit  dem  Antlitz,    So  erklärt  sich  der  entgegengesetzte  Gebrauch  beider  Wörter. 

A.    Weltliche    Personen, 

I.  Im  niederen  Chor: 
a)  Auf  der  Südseite  der  Kirche. 
1.  König  Adolf  und  seine  Gemahlin  Imagina,  eine  Kirche  in  die 
Höhe  haltend,  zu  beiden  Seiten  ihre  Kinder,  ein  Gemälde  an  der  Wand, 
Hei  wich:  pictura  ad  latus  dextrum  chori  depicta,  in  qua  Rex  Adolffus  cum 
Imagina  regina  cernuntur,  ab  utraque  parte  templum  sustinentes,  adiuncfis  filiis 
et  filiabus  eorundem.  Dors:  Dieses  Gemälde  hndet  sich  ,  .  .  im  niederen  Chor 
auf    der    linken   Seite    in    der  Höhe    auf    die  flauer    gemalt.      Abgebildet    bei 


42 

Ilagolgans    zu  S.    12  umi  KrcmiM-,   Orig.    TI  Taf.    1.    Yorgl.    Sehen  ck 
S.   399/  Scbliophako  11.    147.   IV.   46. 

•J.   uml  3.      Cr  V  a  f  A  il  o  1  f    uuil    sei nc  ( Joinalilin  M  a  r  g  a  r  v.  r  li  0.      J I  e  1  - 
wich:    ante    luaius    altaro  a  doxrris    in    numumentü    elevato.      f  Anno  doniini 
M°CCC°LXX°  in  die  sauoti  Antunii  abbatis  ob.   illustris  d.)niiniis  Adolffus  eomes 
de  Nassaw,  tilius  (Jorlaei  coniitis.   ([ui  fuit  tilius  Doniini  Adolf'fi  rogis  ronianorum. 
Ad  latus  di'xrruni  dt'i.icta  insignia  0.   in  Xassaw.    Burggr.  Norinbergcnsis.   Hiebe 
Hagelgans    S.  1!>.    Neerologiuni  unt.r   dem    IT.  Jan.     Dors:    Begräbnis   im 
niederen  Chor    auf  d.T    linken  Seite    des  Altars  in    einem  Bogen,   erhoben  und 
ist  gewesen  A.b.ltt'  Graf  zu  Nassau.   <mii  Snhn  (iraf  CJerlaehs  und  Frau  Agnes. 
Seine  Geniahlin    liegt   nrben   ihm.    welehe    eine  Tochter  Friedrichs  lY..    Burg- 
grafen  von  Nürnberg,    war.   —  Die  lusihvil'r  des   zweiten   (rrabd(!nkmals  fehlt, 
nicht  aber  das  Bildnis  der  Gräfin:  audi   in  das  Necrologium  ist  ihr  Name  nicht 
eingetragen,    obgleich  sie  in  dem  Kloster  hohes  Ansehen  genossen  hatte:    noch 
zu  ihren  Lebzeiten  —   am   10.  Februar   loTl  —bestimmte  der  Convent  für  sie 
ein    reiches  Jahrgezi'it.     das    sofmt    jnliilich    gefeiert  werden    sollte.      Dass  ihr 
Name  im  Necrologium  fehlt,   ist  um  so  autfallender,   als  sie  mit   ihrem  (Jemahl 
in  ihrem  beiderseitigen  Testamente  vom  'M.  März  1360")  das  Kloster  glänzend 
bedacht  hatten,    und  als  Margarethe  wahrscheinlich  starl).   währcMid  ihre  gleich- 
namige Tochter  Äbtissin  war.     Sie    kommt  nämlich,    was  man   bisher  übersah, 
noch  im  Jahre   1382  vor,    wo    sie  am   13.   Oktober    eine  testamentarische  Ver- 
schreibung  für  ihre  Tochter  Katherina.   Gemahlin  Reinhai  ds  IL  von  Westerburg, 
machte.'")    Der  Grabstein  wurde  später  in  die  Kirche  zu  Wiesbaden  verbracht, 
Wfi  er.    weil  er  abgängig  war,    im  Jahre  1818  vollständig    zerschlagen    wurde; 
nur  ein  liest  desselben,   zwei  gepanzerte  Füsse  auf  einem  Löwen  stehend,   mit 
der  Jahreszahl  1370,   befindet  sich  jetzt  im  Museum  zu  Wiesbaden."") 

4.  Graf  Adolf  und  seine  Gemahlin  Margarethe  mir  ihren  Kindern, 
Gemälde  wie  No.  1.  11  el  wich:  ab  uniujue  parte  ipse  cum  uxore  et  omnibus 
liberis  depictus.  Dors:  Gemalt  in  einem  Bogen  in  der  Mauer  über  ihrem 
Begräbnis,  llagelgans  S.  19,  24.  Abgebildet  bei  Kr  einer  IL  Taf.  2. 
Das  Gemälde  ist  angefertigt  nach  dem  Jahre  1396,  vielleicht  als  Face  von 
Lindau  (v  1422)  Äbtissin  war,  da  ihr  Sohn  Johann  in  diesem  Jahre  die  crz- 
Ijischöflichen  Insignien  (von  Mainz),    mir  (hmen  er  abgebildet  ist,   erhielt. 

.').  (rraf  Philipp  von  Nassau-Saarbrücken.  Hei  wich:  In  epitaphio 
iliidem  ad  murum  erecto.  Anno  1429  ipso  die  Yisitationis  b.  Mariae  virg. 
gloriosae  obiit  Nobilis  Dominus  Phili])])us  Conies  in  Nassaw  et  in  Saraponte. 
Das  Necrologium  setzt  seinen  Tod  iiiclir  auf  den  Tag  AHsitationis  (2.  Juli), 
sondern  auf  den  4.  Juli.  Dors:  Dieser  Stein  steht  aufrecht  im  niederen  Chor 
auf  der  linken  Hand.  • —  Kr  wurde  später  in  die  Kirche  zu  Wiesbaden  ver- 
braeht.  we  er  l)ei  dem  Brande  derselben  im  Jahre  1800  zu  Grunde  ging.  Ab- 
;;el>ildet  bei  U<»ssel,    Kirchliche  Altertümer  von   Wiesbaden,   Taf.    3. 


'")  Uikiindf   im  Stuatsurcliivf;  zu  Wicsbadon. 

"*)  l'rkund«  im  Stautsarcliivp  und  aligediuckt    nach    einer  alten  Kopie  bei   fjelunann, 
Oescbiclitc  der  Horrfn  von  AVestorlimi,',  S.   19t).     S,   Aljsehnitt  IV. 

""l  |{(issel.   Die  kirclilichun  Altertümer  von  AVioshadon,  H.  3S. 


4:j 

h)    Vor  dem  Altar. 

6.  Königin  I  m  a g  i  n  a.  11  <;  1  w  ich:  in  medio  clidii  ante  aram  maiorem  in 
nionumentü  elevato,  in  (|in>  Uoginac  species.  Als  T(xlestag  gibt  das  Necr.  den 
29.  8e])tcnib(Ji-  an,  das  Tüdosjahr  ist  unbekannt;  vgl.  S  c,  h  1  i  (;  p  li  ak  e  IV,  ;")<). 
Doi-s  setzt  diesen  Grabstein  in  den  Kreuzgang;  er  steht  nach  ihm  dorr  auf- 
recht und  ist  wie  bei  1 1  c  1  w  i  eh  dlmc  Inscdirift.  Gegenüber  d(mi  ausdrücklichen 
Ztnignis  Ilclwii-hs  und  dem  Ihustaud,  dass  im  Kreuzgang  sonst  keine  welt- 
lichen Personen  begraben  sind,  darf  mau  ausDors'  entschiedenen*  Angabe  ver- 
muten, dass  zwis(dien  den  Jahnni  1614  und  1632  der  Stein  in  den  Kreuzgang 
vers(^tzt  wurde  und  seine  aufrecht(!  Stellung  (erhielt,  die,  so  lange  er  sich  vor 
dem  Altar  b(>fan(l,  unmöglich  war.  Später  wurde  er  abermals  und  zwar  in  die 
Kirche  zu  Wi(>sbaden  versetzt,  wo  er  bei  den)  Brande  von  IHöO  zu  Grunde 
ging.     Eine  Abbildung  von  ihm  gibt  Rössel  a.   a.   O.,  Taf.   ;>. 

7.  Mechtildis,  Tochter  des  Königs  Adolf,  Gemahlin  des  Pfalzgrafen 
Kudolf.  ILelwich  lässt  sie  unmittelbar  auf  Imagina  folgen:  Anno  Domini 
1328  in  die  Sanctorum  Gervasii  et  Protasii  (19.  Junij  ob.  lllustrissima  Do- 
inina  Mezza  ducissa,  Domini  Adolfi  Regis  Romanorum  (filia),  mater  Dominorum 
Ducum  Bavariae.  —  Das  Necrologium  setzt  ihren  Tod  auf  den  13.  Juni. 
Dors:  Stein  im  niederen  Chor  vor  dem  Altar,  erhoben.  Mechtildis  starb  im 
Jahre  1328.     Über  sie  vgl.  Schliephake  11,  60. 

c)   Auf  der  Nordseite  der  Kirche. 

8.  9.  Graf  Ger  lach  und  seine  Gemahlin  Agnes  von  Hessen.  Hel- 
wich:  in  sinistris  ante  altare  malus  in  monumento  elevato.  Anno  Domini  1361 
in  crastino  Epiphaniae  (7.  Januar)  ob.  Illustrissinms  Dominus  Gerlacus  comes 
de  Nassaw,  filius  serenissimi  Domini  Adolfi  Regis  Romanorum.  Anno  Domini 
1332  in  crastino  Epiphaniae  (13.  Januar)  ob.  Sereniss.  Domina  Agnes,  coniux 
nobilissimi  Domini  Gerlaci,  comitis  de  Nassaw.  Im  Necrologium  steht  Gerlach 
unter  dem  10.,  Agnes  unter  dem  11.  Januar.  —  Dors:  Im  niederen  Chor  auf 
der  rechten  Seite  des  Altars,  erhoben,  in  einem  Bogen;  ist  gewesen  Graf 
Gerlach  zu  Nassau,  Sohn  Kaiser  Adolfs,  und  Agnes,  Landgräfin,  seine  Gemahlin. 

—  Der  Stein  wurde  später  nach  Wicisbaden  verbracht  und  ging  bei  dem  Brande 
der  Kirche  zu  Grunde. 

10.  F  r  i  e  d  r  i  (•  h  von  II  o  h  e  n  1  o  h  e.  II  e  1  w  i  c  h :  inscriptio  tumuli  solo 
adaequati.  Anno  Domini  1304  in  die  St.  Martini  (11.  November)  ob.  Domicellus 
Fredericus  de  liohenloch.      Im  Necrologium   steht  der  Name  am  6.   November. 

—  Dors:  Im  niederen  Chor  auf  der  rechten  Seite  des  Altars.  Die  Abbildung 
zeigt  eine  jugendliche  Gestalt.  Da  der  Stein  neben  dem  Grabstein  Gerlachs 
und  der  Agnes  lag,  so  wird  Friedrich  von  Uohenlohe  diesen  beiden  verwandt- 
schaftlich nahe  g(;standen  haben;  es  liegt  daher  die  Vermutung  nahe,  dass  er 
der  Sohn  ihrer  Tochter  Anna,  die  mit  Graft  von  Uohenlohe  bereits  im  Jahre 
1337  vermählt  war,  also  der  Enkel  Gerlachs  und  seiner  Gemahlin  Agnes  ge- 
wesen sei.  Gerlachs  zweite  Gemahlin  Irmengard  war  ebenfalls  eine  geb.  von 
Hühenlohe.     Friedrich  mag  auf  einem  Besuche  des  Grossvaters  gestorben  sein. 


44 

dj   In  der  Mute  des  Chores. 

11.  (iriifiu  Elisabeth  von  Hanau.  Hei  wich:  in  medio  chori 
in  numumonto  olevato.  Anno  Doinini  UiU  iu  crastino  Audreae  apostoli 
(1.  Dfzi-mber)  üb.  venerabilis  Doinina  Elizabeth  de  Hanamve.  —  Neorologium 
1.   Dc/ember.     Vgl.   eben  S.   39  über  ilir  Verhältnis  zu  den  Kloster  Jungfrauen. 

12.  8  i  f  r  i  d  II  u  t  (von  Sonuenberg).  Hei  w  i  e  li :  A  dextris  inseriptio 
tumuli.  Anno  l)..niini  1413  die  Cathedra  Petri  (22.  Februar)  ob.  Domiccllus 
Sifridus  dictus  lludr.  —  Neerologiuiii  21.  Febr.:  domicellus  Sifridus  dictus 
Hut  post  obituni  suun»  contulit  nobis  36  libb.    in  anniversario  suo. 

13.  Greda  Und  in  de  .Sonnenberg.  Hei  wich:  inscripti«)  tumuli. 
Anno  Doniini  1407  pridie  Kalendas  Novenibris  in  vigilia  Omniuni  Sanctoruni 
ob.   (freda  Hudin  de  Sonnenberg. 

14.  FI  a  n  n  ('  ni  a  n  n  u  s  H  c  r  o  It ,  Bürger  von  Oppenheim.  H  e  1  w  i  c  h  : 
inseriptio  tunmli.  Anno  Domiui  1340  in  die  sanctae  Catherinae  virg.  (25.  Novbr.) 
ob.  HannemannusdietusHerolt,  Civis  in  Oppenheim.  —  Necrologium,  23.  Nov.: 
contulit  nobis  annuatim  8  maldr.  silig..  V/2  virnzal,  (>  libb.  et  8  capones  pro 
remedio  anime  sue  et  uxoris  sue  Elizabeth  et  liberorum  [et]  omnium  parentum. 

1  r>. .  1 »'). .  17.  E  1  i  s  a  b  e  t  li  Heroldi.  H  e  l  w  i  c  h  :  inseriptio  tumuli. 
Anno  Domini  133ö  XHII  Kai.  Maii  (18.  April)  ob.  Elizabeth  Herokli.  quibus 
[anuis  scilieet]  X  depositis  YI  [Kai]  Martii  (24.  Februar)  ob.  Wcrutrudis 
ipsisque  [annis]  X  repositis  Y  Idus  Maii  (11.  Mai)  ob.  Lieba  tiliae  eius.  — 
Xerrologium:  20.  April  ob.  Domina  Elizabeth  de  Oppenheim;  2.").  Februar  ob. 
Wcrndrudis  de  Oppenheim,  cognata  fratris  Gerhardi,  quo  contulit  nobis  annuatim 
1  lib.  hall.  :  7.  Mai  ob.  Liba  de  Oppenheim  cognata  fratris  Gerhardi.  Wie 
man  sieht,  stimmen  die  Angaben  über  die  Todestage  nicht  überein;  richtig 
werden  die  der  Inschrift  sein.  Dieser  Stein  findet  sich  jetzt  als  der  einzige 
noch  erhaltene  in  der  Wand  der  neuen  Kapelle,  leider  an  einer  ungünstigen 
Stelle  (hinter  einer  Treppe)  eingemauert. 

18.  H  e  i  n  r  i  c  h  von  Lindau.  H  e  1  w  i  c  h :  inseriptio  tumuli  a  sinistris. 
Ann(j  Domini  1334  ob.  lleinricus  miles  de  Lindamve  XIHI.  Kai.  Octobris 
(18.  September).  —  Necrologium  24.  September:  ob.  Hominis  Hcinricus  miles 
de  Lindau  (jui  contulit  nobis  ad  anniversarium  1  marck  et  12  solid,  zu  eime 
ewigen  lii'hr. 

[19.  Katharina  von  Stockheim,  geb.  Knebel  von  Katzcnelnbogcn,  ge- 
storben d(,'n   16.  Dezember  1606,   also  nach  Aufhebung  des  Klosters.] 

H.    Im  Jungfrauenchor 
vier  Gemälde;  sie  fehlen  bei  H  cl  w  i  c  h. 

20.  Gi-iif  Gerlach  und  seine  Gemahlin  Agnes  von  Hessen;  zwei  betende 
Personen  mit  nassauischen  und  hessischen  Wappen;  Dors:  Fenster  im  Jung- 
frauenchor auf  der  linken  Seite  der  Wand. 

21.  Walrabe  und  Adolfus,  betend;  Dors:  im  Fenster  i]n  .kingfrauenchor 
auf  d(,'r  linken  Seite  im  Giebel.  Es  sind  zwei  jüngere  Söhne  des  Königs  Adolf. 
Hagelgans  S.  17  berichtet  irrtündich,  das  Gemälde  habe  sich  in  der  Kirche 
zu  Wiesbaden  befunden. 


45 

22.  Dors:  Allliio  (je)  /woi  ^[anns-  und  Weibspersonen  gemalt,  aber  gar 
verbliclien;  (rechts  oben  das  nassauisclie  Wappen,  links  das  hessische) ;  auf  die 
Mauer  gemalt  im  Juugf'rauenchor  an  dem  Giebel  gegen  Niedergang  der  Sonne. 

211.  Kuieende  Person,  eine  Kirche  emporhaltend.  mit  einer  Krone  auf  dem 
Haupte,  wie  in  No.  (5.  Im  Fenster  im  Jungfrauen-  oder  höheren  Chor  im 
Giebel  auf  der  rechten  Ifand.  Dors  sagt,  die  gekrönte  Person  sei  Imagina, 
des  Königs  zweite  Tochter  gewesen;  aber  die  Krone  deut<it  offenbar  auf  die 
Königin  liin.    di(»  ^litstifterin  des  Klosters. 

B.    Klosterjungfrauen. 
a)  Im  Jungfrauenchor. 

24.  Die  Äbtissin  Adelheid  von  Nassau.  11  el  wich:  in  choro 
Virginum.  Anno  Domini  1338  VII.  Kai.  Junii  (26.  Mai)  ob.  Alheydes 
Abbatissa  de  Nassowe  Kogis  filia.  —  Necrologium  12.  Mai.  —  Dors:  Im 
Jungfrauenchor  vor  dem  Altar.     Adelheid  war  Äbtissin  von  1311 — 1338. 

b)    Im  Kreusgang,   amhitus. 

25.  R  i  c  li  a  r  d  i  s :  11  e  1  w  i  c  h :  scquuntur  inscriptiones  in  Ambitu.  Anno 
Domini  1311  V.  Kai.  Augusti  (28.  Juli)  ob.  Soror  Richardis  de  Nassauwia, 
germana  Domini  Adolffi  regis.  —  Necrologium  27.  Juli.  Dors:  Im  Kreuz- 
gang.     Sie  war  die  erste  Äbtissin,   ohne  diesen  Namen  zu  führen. 

26.  Anna  von  Höh  enl  che.  Hei  wich:  Anno  Domini  1440  ipso 
die  nativitatis  Virginis  Mariae  (8.  September)  ob.  Illustris  Domina  soror  Anna 
de  Hohenloch.  Necrologium  8.  Sept. :  Illustris  soror  Anna  de  Hoenloch  sub 
a.    1440,   de  qua  habemus  160  Flor. 

27.  Agnes  von  Hanau.  Hei  wich:  Anno  domini  1446  die  s. 
Ceciliae  virginis  {22.  November)  ob.  Illustris  Domina  Abbatissa  soror  Agnes 
de  Hanaw.  —  Necrologium  22.  November:  fuit  abbatissa  huius  conventus  24 
annos  (1422—1426.)     Sie  war  die  Tochter  der  Elisabeth  No.    11. 

28.  Mar  gar  et  he  von  Ep  penstein,  Äbtissin  1446 — 1450.  Hel- 
wich:  Anno  Domini  1450  in  die  8.  Laurentii  (10.  August)  ob.  Illustris 
Domina  soror  Margaretha  de  Eppstein  Abbatissa  huius  conventus.  —  Necro- 
logium 17.  August.  —  Dors:  Im  Kreuzgang.  Sie  war  die  Tochter  der  Agnes, 
der  ältesten  Tochter  des  Grafen  Adolf  I.  und  der  Margaretha,  zum  erstenmale 
vermählt  mit  einem  Grafen  von  Witgcnstein,  dann  —  um  1360  • —  mir  Eber- 
hard   von  Eppenstein,     Hagelgans  S.   25. 

29.  Magdalena  S  c  h  e  n  k  i  u  von  E  r  b  a  c  h  ,  Äbtissin.  Hol  w  ich: 
Anno  Domini  1512  ipso  die  Simonis  et  ludae  (28.  Oktober)  ob.  Illustris 
Domina  Magdalena  Schenkin  de  Erpach  Abbatissa  huius  Conventus.  —  Necro- 
logium 28.   Oktober.     Sie  war  die  Tochter  des  Georg  Schenk  vcm  Erbach. 

30.  Anna  Brendel  von  1  [  o  m  b  u  r  g ,  Äbtissin.  H  e  1  w  i  c  h  :  Anno 
1553  die  Kai.  ...  25.  Oct.  ob.  veneranda  et  nobilis  Domina  Soror  Anna  Brende- 
lin de  Homburg  Abbatissa  huius  Conventus.   Sic  war  die  letzte  Äbtissin:  s.  oben. 

Ausserdem  nennt  Dors  als  im  Kreuzsanii;  Ijotindlich  den  Grabstein  der 
Königin  Imagina.   s.   No.    6. 


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48 

Tun  tlon  Grabsteinen  der  2.")  Äbtissinnen  waren  also  im  Jahre  1614  nur 
noch  sechs  erhalten,  einer  von  einer  Soror  (So.  26).  Man  darf  vermuten,  dass 
die  lange  Iteihe  der  Äbtissinnen  von  der  Adelheid  an  [So.  24)  bis  auf  die 
Agnes  von  Hanau  (^No.  27)  gleichfalls  eutweder  im  Jungfrauenchor  oder  dem 
Kreuzgang  bestattet  wurden,  ja  man  mag  diesen  um  das  Jahr  1440  deshalb 
erweitert  haben,  um  Platz  für  Grabsteine  zu  gewinnen:  aber  auch  aus  der 
folgenden  Zeit  entbehren  mehrere  Äbtissinnen  eines  Denkmals,  die  durch  die 
späteren  Umbauten  vernichtet  sein  mögen. 

Vun  dem  auf  der  Nordseite  der  Kirclie  augebauten  Kreuzgang  wendet 
sich   Hei  wich  zu  dem  benachbarten  Friedhof  des  Klosters  und  schreibt: 

cj  Extra  temphim, 
ubi  qiiomlam  aiüiqtius  fuit  circintus,  sunt  quidom  lajiides  sepulcrales 
terra  ohrafi,  inter  quos  est  unus  tali  Epigrapho : 

',)\.  Anno  Domini  1359  in  die  Parasceves  ob.  dominus  Sifridus  miles 
de  Lindauwe.  Die  Parascevc  fiel  im  Jahre  1359  auf  den  19.  April.  Necro- 
logium  '2'2.  April:  dnus  Syfridus  miles  de  Lindaw,  qui  contulit  uobis  pro  se  et 
(iiimi  parentela  sua  22V2  libb.  hall,  in  XL  super  mensam  conventus  distri- 
bueudum  (!).    Die  Urkunde  über  diese  Stiftung  ist  ausgestellt  am  27.  März  1358. 

Versuchen  wir  schliesslich  den  Denkmälern  und  Bildwerken  auf  dem 
Plane  der  Kirche  des  Klosters  nach  der  Angabe  unserer  beiden  Gewährsmänner 
einen  Platz  anzuweisen,  so  mag  die  folgende  Anordnung  etwa  das  Richtige 
treffen. 


Giebel  im  Westen. 


Kreuzgang  2ö — 30.       Extra  tcmplam  31. 


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Kloster. 


I 


I 


Über  die  zu  dem  Klosterhof  sfehörendon  Gebäulichkeiten  der  früheren 
Zeit  wissen  wir  nur  wenig.  Einige  werden  iu  dem  llaushaltungsbuch  genannt. 
Als  nämlich  der  Sturm  des  Markgrafenkrieges  im  August  1552  die  Nonnen  aus 
dem  Kloster  trieb,  um  hinter  den  Mauern  von  Wiesbaden  Schutz  zu  suchen, 
Hessen  sie  an  mehreren  Gebäulichkeiten,  um  sie  vor  den  Landsknechten  zu 
sichern,  Schlösser  und  Schlüssel  in  Stand  setzen,  und  bei  Gelegenheit  der  Be- 
zahlung der  Kosten  dafür  im  Jalire   1554  werden  genannt: 


49 

1.  Das  Kornhaus; 

2.  das  JJackluius; 

3.  das   Koltcrhaus ; 

4.  zwei    Scheunen; 

f).    das  Bichterhaus  und  in   ihm 
G.    eine  Kannner; 
7.   eine  Cfesindestube. 
Das  Kelterhaus  -^'ird    schon    in    der  Urkunde    vom    2'.].   August  1307  er- 
wähnt,  aber  so,   dass  die  Lage  desselben  nicht  genau  /u  bestimmen  ist. 

Als  Pforten  des  Klosterhofes,   /u  denen  ebenfalls  Schlösser  und  Schlüssel 
neu  augefertigt  wurden,   kommen  vor: 

1.  Die  obere  kleine  Pforte,    da  man   zum   Walde  fährt; 

2.  di(^  obere  Pfort(!; 

o.   die  unterste  l'forte ; 
4.   eine  Pforte  ohne  nähere  Angabe. 
Von  seinem  Rechte  als  Eigentümer  des  Klosters  und  seiner  Güter  macht 
(Iraf  Philip])  alsbald  mich  dem  Abzug  der  Nonnen  Gebrauch,  indem  er  am  2ß.  Juli 
desselben  Jahres   loöl)  die  Güter  zu  Niedererlenbach  verkaufte. 


IV.    Die  Jahrgezeiten  der  Gräfin  Margarethe  von  Nassau   und   ihres 

Kaplans  Cunradus  vom  Jahre    1371. 

Die  beiden  unten  mitgeteilten  Urkunden  über  die  Jahrgezeiten'')  der 
Gräfin  Margarethe  von  Nassau  und  ihres  Caplans  Cunradus  vom  10.  Februar 
(Scolasticae  virginis)  1371  sind  für  uns  sehr  belehrend;  denn  sie  geben  uns 
genaue  Mitteilung  darüber,  wie  ein  feierliches  Jahrgezeit  in  dem  Kloster  Claren- 
thal  verlief,  namentlich  erfahren  wir  etwas  genaueres  über  die  Mahlzeit,  die 
mit  demselben  verbunden  war.  Wir  ersehen  daraus,  dass  das  stille  Leben  der 
Klosterschwestern  zu  Ciaronthal,  das  wir  uns  g(u-ne  als  eintönig  und  in  Bezug 
auf  Speise  und  Trank  als  höchst  beschränkt  denken,  nicht  selten  bei  Gelegen- 
heit der  Jahrgezeiten,  deren  Zahl  nach  dem  Necrologium  nicht  gering  war  und 
im  Laufes  der  Zeit  immer  grösser  werden  musste,  durch  flotte  Mahlzeiten  unter- 
brochen wurde.     Das    Necrologium**^)    gibt    uns  zwar  über  die  kirchliche  Feier 


*')  Unser  Necrologium  sagt  gewölmlich  Jargeziit  oder  auch  schon  Jargezeit,  aber  seltner 
Jarzit  oder  Jarzeitung.  Mit  dem  Worte  wurde  die  kirchliche  Jahresfeier  zum  Andenken  Ge- 
storbener bezeichnet;  gewöhnlicher  war  sonst  die  Form  Jarzit.  Deutscli.  AVörterbuch  (Heyne) 
IV.  2.  Sp.  2249.     Lex  er,  Mlid.  Wörterbuch  unter  iärzit. 

*-)  Ein  Necrologium,  liber  animarum,  Totenbuch  oder  Seelbuch  enthielt  eigentlicli  nur 
die  Namen  der  eingetragenen  Toten;  weitere  Zusätze  über  Stiftungen  und  Totenfeiern  gehör- 
ten in  ein  Seelgerätbuch.  Unser  Necrologium  vereinigt  beides.  Daher  nennt  es  der  gräfliche 
Kanzleirat  Konrad  Lesch,  als  es  zur  Kanzlei  nach  Idstein  gel)ra('ht  wurde,  mit  dem  gleichen 
Rechte,  als  wir  Necr.,  mit  dem  zweiten  Namen,  indem  er  auf  die  vordere  Seite  des  Deckels 
den  Titel  des  Buches  also  niederschrieb:  „Sei  geredtl)uch  des  Newen  Closter  zur  Cantzley 
bracht  Anno  1564.  Con.  Lesch.**  Vgl.  auch  Baumann  im  Neuen  Archiv  VII,  23.  "NVetzer 
und  Weite  unter  Anniversarium  und  Necrologium. 

4 


50 

o-enug  Aufklärunjr,  Nvonu  es  au.li  inoistens  bloss  alli-omeino  Ausdrüeko  ohne 
weiteren  Zusatz,  coinmenioratii».  memoria.  (ledächtnis,  officium,  aniiiversariuiu, 
eonferre  in  remedium  animae,  anwendet:  wir  erfahren  an  anderen  Stellen,  dass 
wie  bei  Mar^aretlie  eine  Yigilie  des  Abends  und  tüne  Messe  mit  vier  Kerzen. 
.,als  (Jewohnheit  unsers  Ordens  ist"*  (auniversarium  cum  debita  consuetudine 
uostri  ordinis  euni  vigiliis  de  sero,  de  mane  vero  cum  missa  pro  defunctis 
cum  f|uatu..r  candelis  aecensis)  stattl'aiul.  V^l.  /-.  B.  das  Jalirgezeit  des  Erz- 
bischofs  Adolf  (loi)O;  unter  dem  G.  Februar  und  der  Margarethe  von  lieim- 
bach  unter  dem  9.  Februar.  Eine  Erwähnung  aber  der  Mahlzeit,  geschweige 
denn  über  die  Art  und  den  Umfang  derselben  finden  wir  nirgends;  nur  drei- 
mal ist  von  einem  consolari  in  auniversario,  d.  h.  von  einer  reichlicheren 
Mahlzeit  (extra  ordiuem  et  solito  suavior  et  delicatior;  Du  Gange), 
einmal  von  der  distributio  super  mensam.  d.  li.  von  der  Verteilung  einer  ge- 
wissen Summe  (unter  die  Priester  und  andere)  die  Kede:  am  17.  Mai. 
].").  .luni  und  18.  Oktober  (consolari),  sowie  am  2'2.  April  (distributio)'') ;  die 
Schrift  der  Einträge  weist  auf  das  14.  und  den  Anfang  des  1.').  Jahrhunderts  liin. 
Die  Namen  der  Grätin  ^fargarethe  von  Nassau,  der  Gemahlin  Adolfs  1.. 
und  des  Caplans  Cunradus  fehlen  in  unserm  Necrologium  ebenso  wie  die  Er- 
wähnung ihrer  Jahrgezeiten.  Dieser  Umstand  lässt  sich  erklären  aus  der  Art 
der  Entstehung  des  Necrologiums.  obgleich  dabei  auffallend  bleibt,  dass  beide 
dasselbe  Schicksal  betroffen  hat.  Unser  Necrologium  war  nämlich  nicht  das 
erste  des  Klosters,  sondern  man  hatte  anfangs  ein  zu  kleines  angelegt  oder 
dieses  war  im  Eaufe  der  Zeit  schadhaft  geworden,  so  dass  man  später  ein 
«rrösseres  und  haltbareres  anzulejiren  sich  veranlasst  sah;  in  dieses  wurden  die 
Namen  des  älteren  mit  aufgenommen.**^)  Dabei  mochte  es  vorkommen,  dass 
man  einzelne  Namen  nicht  mehr  lesen  konnte  oder  aus  Unachtsamkeit  übersah, 
wie  wir  im  ersten  Teil  dieser  Studien  mehrfach  bemerken  mussten.  oder  unter 
einem  falschen  Tag  verzeichnete,  wie  dies  nachweislich  in  Ciarenthal  geschah ; 
es  sind  hier  von  36  Personen,  deren  Todestage  wir  aus  anderen  Quellen, 
namentlich  Grabschriften,  kennen,  nur  10  richtig  eingetragen,  16  vordatiert, 
10  nachdatiert.  Die  älteren  Einträge  sind  am  Anfang  des  15.  Jahrhunderts 
von  einer  Hand  in  dem  neuen  Buche  niedergeschrieben;  der  letzte  Name  des 
älteren  Buches  war,  wie  es  scheint,  Agnes  von  Katzenelnbogen,  die  unter  dem 
10.  .1  Ulli  verzeichnet  ist.  Nach  W  e  n  c  k  starb  diese  im  Jahre  1399''°),  der  erste 
der   jüngeren  Schrift,   dessen  Todesjahr  wir  kennen,   war  Sifrid  Hut  von  Sonnen- 

"')  Hier  Iioisst  es:  .,<ib.  dominus  Syfridus  niiles  de  Lindau  (f  lit.  April  l'.i'>9  naoli 
seiner  Grabschrift,  die  Stiftung  hatte  er  am  27.  März  13ö8  gemacht),  (pii  coiitulit  nobis  .  .  . 
WIM   UM»,  liall. .  .  super  mensam  conventus  distribuenduiii."    Kreiucr  II,  414  schrieb  XXIII 

lib.  llal.,  und  weil  sein  gramnuitisches  (iefühl  sich  mm  i;('i;eii  distribuendum  sträubte,  Hess  er 
ilio  Kndung  -um   weg.  —    Über  die  distributio  s.  auch    IIa  ii  um  im  a    a.  O. 

"'j  Vergl.  Hauiiiauii  a.  a.   0. 

**)  Hess.  Landesgeschiidite  II,  50").  Woher  Woiick  diese  .Jahreszahl  liat,  giebt  er 
nicht  an,  er  beruft  sich  auf  unser  Xecr.,  das  eine  solche  nicht  enthält.  Rössel,  Ann,  VII, 
Hll,  macht  aus  wenig  stichhaltigen  <iriinden  Agnes  zur  Tochter  Diethor  III.  (f  1276),  setzt 
sie  also  etwa  hundert  Jahre  früher  an.  Jedenfalls  war  Agnes  am  Ende  des  14.  Jahrhunderts 
Nonne  zu   Clarentlial    und    wird   um   die  ant,''eirelieno  Zeit  gestorben  sein. 


51 

berg,  der  nach  der  Orabsehrift  bei  lielwidi  am  22.  Februar  1413  starb. 
Vor  dieses  Julir,  also  in  den  Anfang  des  15.  Jahrbunderts,  dürfen  wir  daber  die 
Anlegung  des  jetzigen  Necrob)giunis  setzen;  das  nho  \vurd(!  niebt  aufbewalirt 
und  ist  verloren.  Die  Namen  Margarctbe  und  Cunradus  können  nun  unleserlieb 
gewesen  oder  von  dem  Scbreil)er  überseben  worden  s(Mn,  zumal  wenn  der  Zu- 
satz des  Jahrgez(!its  feblte.  Denn  viele,  bei  denen  wii-  die  Abbaltung  eines 
solc'ben  voraussetzen  dürfen,  z.  V*.  des  Stift(!rs  der  Anstalt  und  seiner  Gemablin, 
der  (h-afen  (lerlacb  und  Adolf  u.  a.,  entbehren  jeder  dabin  abzielenden  Be- 
merkung; es  verstand  siiib  wobl  von  selbst,  dass  so  grosse  Woblthäter  des 
Klosters  feierlich  „begangen"  wurden.  Es  können  freiliob  die  Namen  Marguretbe 
und  Cunradus  aucli  schon  in  älteren  Nekrologen  gefehlt  haben,  grade  so  wie 
man  auch  auf  dem  Grabmal  der  Margarethe  die  Inschrift  „vergessen  hat  bei- 
zufügen" (Hagelgans  S.    19). 

Die  Gräfin  Margarethe  war  die  Tochter  des  Burggrafen  Friedricli  IV.  von 
Nürnberg,  seit  dem  Jahre  lo32  mit  dem  Grafen  Adolf  L  von  Nassau  ver- 
mählt und  die  Mutter  einer  zahlreichen  Kinderschar  geworden;  sie  starb,  wie 
wir  in  diesen  Studien  I.,  181,  Anmerkung  nachgewiesen  haben,  nach  dem 
14.  November  1382.  Dass  sie  auch  nach  ihrem  Tode  eine  grosse  Verehrung 
in  dem  Kloster  genoss,  beweist  das  Wandgemälde  in  dessen  Kirche,  das  sie 
mit  ihrem  Gemahl  und  ihren  Kindern  darstellte  und  bei  K  r  e  m  e  r  II  abgebildet 
ist.  Warum  für  sie  die  Äbtissin  und  der  Convent  das  Jahrgezeit  und  grade 
in  dem  Jahre  1371  anordneten,  sagt  teils  die  Urkunde  selbst,  teils  können  wir 
es  aus  zwei  Wohlthaten,  die  kurz  vorher  dem  Kloster  bekannt  geworden  und 
erwiesen  worden  waren,  schlicssen.  Die  Urkunde  rühmt  nänüich  die  Andacht 
(Frömmigkeit)  und  Gutthat  der  Gräfin;  mit  dem  zweiten  Worte  weist  sie 
sicherlich  auf  die  zwei  angedeuteten  Wohlthaten  derselben  hin,  die  wir  in 
Kürze  hier  anführen. 

Margarethe  hatte  nämlich  mit  ihrem  Gemahl  am  31.  März  (feria  tertia 
proxima  post  diem  palmarum)  1360  ein  „selegerede  und  Testament"  gemacht, 
nach  dem  beide  350  Pfund  Heller  für  verschiedene  Klöster  und  Kirchen 
aussetzten,  die  der  überlebende  Teil  nach  des  andern  Tode  gänzlich  aus- 
zahlen solle.  Da  Graf  Adolf  am  17.  Januar  1370  starb,  so  fiel  dies  der 
Gräfin  zu.  Zur  Vollstreckung  des  Testaments  sollten  drei  Truwenhendor  mir- 
wirken,  „denen  der  Brief  geantwortet  war",  und  auch  für  den  Fall  des  vor- 
zeitigen Todes  derselben  war  Fürsorge  getroffen.  In  dem  Testamente  war 
Ciarenthal,  wo  die  beiden,  Graf  und  Gräfin,  auch  begraben  sein  wcdlten.  be- 
sonders reichlich  bedacht:  es  sollte  100  Pfund  Heller  erhalten;  mit  dem  Gelde 
sollte  man  beiden  ein  Jahrgezeit  kaufen  und  machen,  also  dass  man  es  den 
Klosterfrauen  und  den  Herren  daselbst  (den  Priestern)  geben  soll,  dass  sie 
ihrer  jährlich  gedenken  zu  den  vier  Fronfasten  mit  Vigilien  und  ]\Iesseu,  als 
in  ihrem  Kloster  gewöhnlich  ist.  Auch  setzte  der  Graf  dar.  wann  Gott  über 
ihn  gebiete,    das    beste  Koss''),    das    er  habe    und    das  beste  Pferd    und    zwei 


80\ 


«)  Audi  Wernber  de  Merkesheini  schenkte  ausser  nii<lcrn  Dingen  ein  grosses,  starkes 
Ross,  einen  equus  dextrarius,  das  die  Nonnen  alsbald  für  84  i'fmi.l  Heller  verkauften;  s.  d. 
15.  Juni. 


4 


* 


52 

seiner  besron  Haruischo.  einen  zum  Ernst  und  einen  zum  Schimpfe,  und  seinen 
besten  Waffenroek:  liabe  er  zu  der  Zeit  kein  Rüss,  so  sollen  es  zwei  Hengste 
sein,  die  besten,  die  er  luibc.  Die  Grätin  setzte  dar  das  beste  Gewand"),  das 
sie  habe,  nämlii-h  t'incn  Mantel,  einen  Warkos  (ein  Oberkleid)  und  ihren  besten 
Roc-k  mit  Futter. 

Diese  Stiftung  uuiss  also  im  Laufe  des  Jahres  1370  vollzogen  worden 
sein.  Dazu  fügt  Margarethe  im  J.aufe  eben  dieses  Jahres  eine  weitere  Ver- 
günstigung, wie  die  Urkunde  vom  2.").  .luli  i^die  Jacobi  apostoli)  meldet.  Sie 
verspricht  darin  mit  Graf  Johann  von  Nassau-Weilburg,  iJirem  Schwager,  und 
mit  ihrem  Sohn  Adolf*';  mir  Rat  und  Wissen  des  Erzbischofs  Gerlach  von 
Mainz,  dass  sie  alle  keine  Pferde,  Rosse  oder  Hengste,  in  das  Kloster  stellen 
wollen,  noch  Jäger  oder  Hunde  dahin  legen  werden.  Damit  war  die  Atzungs- 
geret-htigkeit  der  Schirmhorrn  des  Klosters*')  aufgeliobeu,  eine  demselben  lästige 
und  kostspielige  Auflage. 

Diese  zwei  in  dasselbe  Jahr  fallenden  Wohlthaten  mögen  die  Äbtissin 
und  den  Convent  veranlasst  haben,  wie  die  Urkunde  berichtet,  mit  Wissen  und 
Zustimnuing  ihres  Yisitators  und  Gustos  des  Minderbrüder-Ordeus  auf  dem 
Rhein,  der  bei  der  Abfassung  der  Urkunde  zugegen  war  und  sie  besiegelte, 
der  Grätin  noch  bei  ihren  Lebzeiten  ein  besonderes  Jahrgezeit  anzuordnen  und 
zu  feiern  und  zwar  nach  ihrem  Tode  auf  ihren  Sterbetag  und  vor  ihrem  Tode 
auf  den  Freitag  in  den  Fronfasten  nach  des  heiligen  Kreuzes  Tag,  da  es  erh()ht 
ward  (14.  September),  oder  an  dem  nächsten  Tag.  Wie  die  Feier  verlaufen 
sollte,   sagt  die  Urkunde,   die  wir  nun  folgen  lassen. 

Urkunde  über  das  Jahrgezeit  der  Gräfin  Margarethe 
vom  10.  Februar  1371. 

In  Godis  namen  Amen.  Wir  swester  Jutte  Eptissen  und  der  gantze 
Convent  gemeynlich  Sanct  Ciareu  ordens  zu  dem  nuwen  Closter  by  Wisebaden 
gelegen  in  mentzer  bisthdum  han  an  gesehen  und  bekant  di  Andacht,  begird 
und  di  gutdat  der  Edelen  hochgebornen  frauwen.  unser  frauwen  Margareten, 
(rreljynnen  zu  Nassauwe,  und  han  eynmuteclichen  für  uns  und  alle  unser  nach- 
kumen  globt  und  verbunden  mit  diser  gegenwortigeu  schrifft.  daz  wir  alle  iar 
eweclichen  uf  den  dag,  als  sie  verscheidit  von  diser  wernt,  sullen  bogen  ir 
iargezit  und  da  mite  irs  seligen  herren,  des  edcln  herren  grafe  Adolfs,  grafe 
zu  Xassauwe,  gedenken,  des  abendes  mit  selvesper  und  mit  vigilie  und  des 
morgens  mit  sidmesse  und  mit  eyme  duche  und  mit  brennenden  kerzen,  als 
unser  gewonheid  ist.  Aurh  sullen  wir  zu  der  zir.  so  man  das  iargezit  begeet, 
zweier  prister  me  haben,    den  gewonlich  hie   ist.      Audi   sal  man    den    frauwen. 

")  Klspeii  Hiflyen  schenkte  einen  gesteppten  Hock  mit  Perlon  und  silbernen  Bockclin 
im  ^Verte  von  70  H.;  s.   17.  November.     Geschenke  von  Kleinodion  u.  s.  w.  kommen  öfter  vor. 

*")  Dio  zwei  älteren  Söhne  waren  damals  schon  tot,  die  jüngeren  noch  minderjährig. 
Menzel  V,  28. 

•"*)  Nach  der  Vereinbarung  der  Grafen  Adolf  von  Nassau-Idstoin  und  Johnnn  von  Nassau- 
W.;ilburg  vom  11.  Januar  13.'j8  sollte  dio  Vogtoi  übor  Clareuthal  don  beiden  lirüdorn  gemoin- 
ham  zustehen.     .Menzel   V,  1.5. 


53 


iitr  <l(^n  selben  da,«;-,    uls   iiinii   ir  iargezit  bcgeot.    geb(Mi  cineu    dinst'")    vou  eleu 
zclion  guUlyn,   di    utt'  daz  iargezit  benant  syn,   yoclichor  frauwou  ein  schonbrijt, 
evn  vcnnaz")   \Yynes.    Ist  aber,   daz  man  fleisch  sat  ezsen,   so  sal  man  gesotten 
und  gebraten    geben,      ist  aber,    daz   man   tische    sal  ezsen,    zwei  gericht,    eyu 
kleyncs    und  eyn    grozses.     Die   vorgenannten    zehen  guld(!U  di  sal  man  gebeu 
und  nemen  von  den  sechs  und  zwenzig  nuildcü'   k()rng(ddis  und  von  eynen  (sie) 
fäder  wynes  uff  unseren  gutern  gelegen  zu  Nordenstat.   Welches  iares  daz  iargezit 
begangen   nicht  invvurde  und  mit    v()rda(lit(Mii  nuite    und  uffsatze  oder  gevcrde 
uubegangen  blibe    nach  der  wise,    als    vor   benant  ist,    daz  is    nicht    begangen 
^vurde  uff  (h-n  dag,   als  is  gevellet  oder  uff  den  ucliesten  dag  dar  nach,   so  man 
is  wol  Ijcgaii  n)()cht(>  au  geverde,    so  sullen  des    selben  iares  zu  eyner  pcno  di 
vorgenanten    zehen    gülden    vervalleu    syn    an  di  pfarre    zu  Wisebaden.     Auch 
sullen  wir  an  vahen  und  began  itzt   by    irm  lebtage  ir  iargezit  alle  iar  uff  den 
frietag    in    der     fronfasten,    di  da  gefellet  nach  des  heyligen  Crucisdag,   als  is 
erhaben  wart    oder    uff    den  nehisten    dag  dar  nach,    So  is  wol  gesyn  mag  an 
gevcrde,   mit  selniesso,    mit  diuste,    mit    pene  und  mit  aller  wise.   als  vor  be- 
schriben  ist.     Und  zu  eym  steten  vesten  Urkunde    So  han  wir    di  vorgenanten 
frauAven    unsers  Convents  gemeyn  yngesigel  an  diesen  brieff'  gehangen.     Auch 
han  wir  uebetten  den  ersamen    vater  Bruder  Johans    von  Dippurg,    Custos  des 
Mynro  bruder  Ordens  uff  dem  Ryn,  unser  visitator,   der  vor  und  nach  by  diesen 
dingen  ist  gewcst,   daz  er  daz  yngesigel  synes  Amptes  zu  eynem  merern  Urkunde 
an  disen  brieff  hat  gehenkit,   Der  gegeben  wart  zu  dem  Nuwen  kloster  gelegen 
bi  Wisebaden,    da  man    zalte    von  gods  geburte  Dusend  iar    druhundert  iar  in 
dem  eyn  und  sibenzigsten  iar  an  dem  dage  der  heyligen  Jungfrauwen  Scolastice 


virgmis. 


:\lit  dieser  Urkunde  ist  eine  zweite  durch  einen  Pergamentstreifen  ver- 
bunden, die  wir  ebendeshalb  auch  abdrucken  lassen;  wir  bemerken  nur  vorher, 
dass  wir  von  dem  Caplan  Cunradus  sonst  nichts  wissen. 

Urkunde  über  das  Jahrg-ezeit  des  Caplans  Cunradus 
vom  10.  Februar  1371. 

Wir  swester  Jutte  Eptisseu  und  der  gautze  Convent  sanct  Ciaren  ordens 
des  Nuwen  Closters  bi  Wisebaden  gelegen  bekennen  mit  diser  gegenwurtigcn 
schlifft,  daz  wir  alle  iar  uff  den  achten  dag  Sanct  Mathies  des  zwelffpoten'*) 
sullen  gedenken  getruwelichen  in  der  messe  und  in  unserm  gebcte  hern  Cunradis 
seligen,  ewan  Caplan  waz  der  erwirdigen  hochgebornen  frauwen,  unser  frauwen 
Margareten,  grebinnen  zu  Nassaw.  Und  uff  den  selben  dag  sullen  wir  geben 
den  frauwen  über  disch  um  spise  eynen  gülden,   den  sullen  wir  nemen  von  den 


°")  Ein  leckeres  Mahl. 

»')  Schwerlich  eine  Manss  im  heutigen  Sinne,  sundern  eine  ubgonicssone  Portion  A\eni; 
das  Wort  kommt  her  von  vermessen  =  abmessen. 

92)  Ob  hier  der  Tag  des  Apostels  Matthäus  (21.  September)  oder  des  Matthias  (24.  Febr.) 
gemeint  sei,  ist  bei  dem   Mnngvl  fines  Zusatzes  nicht  zu  sagen. 


54 

YorgeDiiDten  uuseru  gutlern  zu  Nordeustat.  da/,  der  guldon  mit  oyn  ander  eylfe 
werden.  Und  dis  zu  evneni  waren  vesten  urkuud  so  han  wir  unsers  Convents 
vngesigel  an  dise  bede  mit  eynre  j)resseln")  gehenkit  und  geslozsen.  Der 
•»e^eben  wart,  da  man  zalte  von  *:odis  geburte  dusent  iar  druhundert  iar  in 
dem    evu    und  Sibenzigsten    iare  an    ^]ov    lieyligen  Jimgfrauwen    dag  Scolasticc 


virginis. 


Die  Siegel  an  den  beiden   Urkunden  sind  erhalten. 


■  ,1  Kiiif  l'ressel  von  dum  inlat.  pri's.suhi  war  uiii  Purgameiitstreit'en.    Deutsches  Wörter- 
buch  VII,  2104. 


Das  politische  Testament  des  Grafen  Johannes 

von  Idstein- Wiesbaden. 


Von 

0*  Meinardus» 


Die  Erforschung  und  Beschreibung-  grosser  weltgeschiclitlicher  Ereignisse 
ist  nicht  die  einzige  Aufgabe  des  Historikers,  sie  ist  auch  nicht  einmal  die 
dankbarste.  Weit  anziehender  ist  die  Verfolgung  der  tiefsten  Beweggründe 
menschlicher  Handlungen ;  und  gleich  dem  frohen  Jägersmann,  der  die  glücklich 
entdeckte  Spur  eines  Edelwildes  entzückt  betrachtet,  empfindet  der  Forscher 
freudige  Genugthuung,  wenn  ihm  auf  vergilbten  Blättern  der  Vergangenheit 
eindringliche  Worte  eines  warm  empfindenden  Menschenherzens  und  edle 
Charakterzüge  entgegentreten. 

Mitlebende  unserer  Tage,  die  in  kleineren  oder  grösseren  Kreisen  drv 
Gemeinde  oder  des  Staates  eine  Kolle  spielen,  Volksmänn(!r,  Krieger,  Staats- 
männer, Fürsten  oder  überhaupt  Leute  beiderlei  Geschlechts,  die  aus  der  grossen 
Menge  der  Einzelerscheinungen  auf  ein  allgemeineres  Niveau  der  Betrachtung 
emporgehoben  erscheinen,  alle  diese  Zeitgenossen  können  heutzutage  nur  dann 
ihre  Aufgabe  erfüllen,  wenn  sie  das  Licht  der  Oeffentlichkeit  nicht  scheuen. 
Wie  eine  grelle  Fackel  beleuchtet  ihr  Thun  und  Treiben,  man  kann  sagen  auf 
allen  Teilen  des  Erdballs  der  elektrische  Funke,  wenn  uns  durch  ihn,  sei  es 
mit,  sei  es  ohne  Draht  die  neuesten  Ereignisse  übermittelt  werden.  Das  öffent- 
liche Leben  unserer  Tage  ist  in  Wahrheit  erst  ein  öffentliches  zu  nennen. 
Was  in  diesem  öffentlichen  Leben  steht  und  in  ihm  arbeitet,  dessen  Art  uiul 
Wesen  wird  auf  die  Dauer  nicht  unbekannt  bleiben,  er  kann  sie  nicht  ver- 
hehlen. Für  den  Historiker  der  Zukunft  wird  es  aber  eine  Riesenaufgabe  sein, 
diesen  ganzen  Niederschlag  zu  sichten,  die  mündlichen  Äusserungen  mit  den 
schriftlichen  zu  vergleichen,  der  Parteien  Hass  und  Gunst  zu  entwirren  und  dii; 
wahren  Charakterzüge  im  Bilde  festzuhalten  und  an  die  richtige  Stelle  zu  setzen. 

Wie  ganz  anders  stehen  wir  der  geschichtlichen  Vergangenheit  gegenüber! 
In  welches  tiefe  Dunkel  müssen  wir  uns  oft  versenken,  um  doch  so  liäufig  nur 
zweifelhafte  Ergebnisse  an  das  Tageslicht  zu  fördern,  wogegen  die  Arbeit  des 
Tauchers  wie  eine  Arbeit  an  der  Helle  des  Tageslichtes  erscheint!  Freilich  ist 
der  noch  glücklich    zu  nennen,    welcher    die  Geschichte    unserer  jüngsten  Ver- 


Ob 

»ano-enheit  Ijearboitet.  Welch  ein  roiflior  8tt»ti'  an  (lesfhichtstiiu'lK'n  aller  Art 
steht  ihm  da  zu  Gebote!  Briefe,  Tagebücher,  Memoiren,  Denkschriften,  kurz 
Aufzeichnungen  aller  Art.  Gedrucktes  und  Geschriebenes  gestatten  uns  Einblicke 
in  das  innerste  Leben  dtr  grossen  .Männi-r  aus  unserer  jüngsten  grossen  Zeit! 
Wer  dagegen  fünfzig,  hundert,  ja  zweihundert  Jahre  zurückgeht,  wie  oft  kommt 
es  da  vor.  dass  wir  vor  einem  Rätsel  stehen,  wenn  uns  die  Quellen  im  Stiche 
lassen !  Und  doch  hat  die  eigentliche  Arbeit  des  Historikers  zu  allen  Zeiten  uiul 
seffenüber  dem  reichsten  Material  mit  der  «j-leichen  Arbeitsmethode  einzusetzen. 
Wer  jetzt  zum  Beispiel  in  der  Zeitschriften-Litteratur  die  Beurteilung  verfulgt 
hat.  welche  das  grosse  Memoirenwerk  des  Fürsten  Bismarck,  seine  „Gedanken 
und  Erinnerungen''  von  einigen  unserer  ersten  Historiker')  erfährt,  der  kann 
sich  einen  Begriff  von  den  Schwierigkeiten  machen,  mit  denen  eine  Er- 
forschung der  weiteren  Yergangenheit  zu  kämpfen  hat.  Das  politische  Testa- 
ment, um  es  so  zu  nennen,  welches  unser  grösster  Staatsmann  hinterlassen, 
wird  immer  ein  klassisches  Werk  bleiben,  aus  dem  gegenwärtige  und  zu- 
künftige Geschlechter  vieles  lernen  können,  und  unsere  Fachgeuosseu  bekennen 
im  Anfang  ihrer  Kritik,  dass  sie  es  stets  in  diesem  Sinne  betrachtet  und  ge- 
lesen wissen  wollen,  aber  der  höchsten  Pflicht  des  Historikers,  der  Erforschung 
der  Wahrheit,   haben  auch  sie  sich  beugen  müssen. 

Die  „Gedanken  und  Erinnerungen'*  sind  eben  für  den  Historiker  eine 
(reschichtsquelle,  die  er  methodisch  zu  bearbeiten  hat.  Und  eine  Geschichts- 
»juelle  ist  auch  das  „Politische  Testament  des  Grafen  Johannes  von  Idstein- 
Wiesbaden, "  mit  dem  wir  uns  jetzt  beschäftigen  wollen. 

,,l*olitische  Testamente"  gehören  zur  Memoiren-Litteratur  im  weitesten 
Sinne  des  Wortes.  Es  sind  hinterlassene  Ausarbeitungen  von  Fürsten  oder 
Staatsmännern,  in  denen  sie  gewissermassen  Kechenschaft  ablegen  über  die  von 
ihnen  verfolgte  Politik  und  ihren  Nachfolgern  aus  dem  Schatze  ihrer  Er- 
fahrungen heraus  Winke  und  Wünsche  für  die  politische  Zukunft  ihres  Staates 
unterbreiten.  So  sprechen  wir  von  politischen  Testamenten  des  Grossen  Kur- 
fürsten und  Friedrichs  des  Grossen.  Es  ist  gar  nicht  nötig,  derartige  Nieder- 
schriften erst  am  Ende  des  Lebens  entstanden  zu  denken,  sondern  wie  Privat- 
testamentc,  Tagebücher  und  Memoiren  pflegen  sie  bei  passender  Gelegenheit 
angefertigt  zu  sein. 

f  !raf  Johannes,  dessen  Leben  bekanntlicli  in  die  trüben  Zeiten  des  dreissig- 
jäiu'igeu  Krieges  und  der  folgenden  Jahrzehnte  fällt  —  er  ist  160)5  geboren 
und  1(377  gestorben  — ,  hat  die  uns  noch  vorliegenden  Aufzeichnungen  offenbar 
in  seinen  letzten  Lebensjahren  verfasst.  Ein  reiches  Leben  voll  von  Erfahrungen, 
von  Mühe  und  Arbeit  lag  damals  hinter  ihm.  Als  einer  der  jüngeren  Söhne 
des  Grafen  Ludwig  II.  von  Xassau-Saarbrückeu,  dem  es  gelang,  in  der  Zeit  von 
100.) — \&J1  all(!  Landi!  des  Walramischen  Stammes  des  Hauses  Nassau  in 
Einer  Hand  zu  vereinigen,  erhielt  er  nach  des  Vaters  Tode  bei  der  Erb- 
auseinandersetzung mit  den  Brüdern,  welche  der  sogenannte  Gothaische  Vergleich 
von   \V)7)]     bestätigte,    die  Herrschaftcm   Idstein    und  Wiesbaden    nebst    einigen 


'i  Maroks  und   I>cnz  in  den  letzten  Heften  dor  Deutschen  Rundschau. 


57 

boigolcgencn  Ämtern  und  die  TleiTseluift  Tiulii'.  So  wird  in  dieseui  Gescidochte 
immer  vun  neuem  dns  überlieferte  Ilerkomiiicn  bestätigt,  die  Lande  zu  teilen 
und  die  ]\lrtclit  /u  zer.splitti'ru.  Wenn  wii'  iiicrin  einerseits  eine  privatrecht- 
liche Auffassung  der  fürstlichen  Stellung  erkennen,  welche  in  kleinen  und 
grossen  deutschen  Herrschaften  und  Fürstentümern  die  Versuche,  zu  festen 
Primogeniturordnungen  /u  gedangen,  immer  wieder  zurückdrängt,  so  kann  man 
es  andererseits  vom  Standpunkte  eines  gräflichen  Familienvaters  jener  Tage; 
wohl  verstehen,  dass  er  darauf  bedacht  war,  seine  Kind(!r  in  lierrschendcr 
Stellung  und  wohlversorgt  zu  wissen,  Nur  dass  es  bei  der  in  dieser  Epoche 
meist  recht  zahlreichen  Nachkommenschaft  unseres  gräflichen  JLauses  oft  schwer 
war,  für  jeden  Sjjrössling  einen  Souveränitätsteil  an  Landen  zu  bescliaffen. 
Wie  dem  auch  sei,  wir  werden  seilen,  dass  die  Zuteilung  der  Herrschaften 
Wiesbaden-Idstein  an  den  Grafen  Joluuuies  den  J^andeu  nur  zum  wahren  Segen 
gereicht  hat,  als  es  darauf  ankam,  die  tiefen  Wunden  zu  heilen,  welche  der 
dreissigjährige  Krieg  ihnen  geschlagen. 

In  diesen  Krit^g  sind  grade  die  nassauischen  Grafen  stark  verwickelt 
worden,  was  man  unter  andern  daraus  sieht,  dass  sie  mit  zu  den  letzten 
deutschen  Fürsten  gehörten,  welche  in  die  allgemeine  Amnestie  eingeschlossen 
wurden,  erst  1645.  In  den  ersten  Jahren  des  Krieges  wählten  sie  zu  ihrem 
Unglück  die  Neutralität  und  nmssten  es  nun  erleben,  dass  ihre  fast  unbewehrten 
Lande  von  Feind  und  Freund  ausgesogen  wurden.  Der  alte  Wetterauische 
Grafenbund,  welcher  in  der  Reformationszeit  stark  gewesen  war  und  sich  noch 
im  Anfang  des  Jahrhunderts  gegen  Spinola  und  die  Spanier  bewährt  hatte,  war 
zerfallen.  Yergeblich  waren  in  den  zwanziger  Jahren  die  Versuche  des  Grafen 
Johannes,  an  den  Höfen  zu  AschafFeuburg,  München  und  Darmstadt,  später  in 
Prag  am  Kaiserhofe  die  Befreiung  des  Landes  von  dem  furchtbaren  Druck  der 
eingelagerten  Heere  zu  erwirken.  Ihm  ging  es  so,  wie  gleichzeitig  dem  Ge- 
heimen Rat  des  Kurfürsten  von  Brandenburg,  dem  Grafen  Adam  von  Schwarzeu- 
berg,  der  auch  die  Abführung  der  Wallensteinischen  Scharen  aus  der  Mark 
Brandenburg  erbitten  sollte,  beide  erhielten  vom  Kaiser  weitgehende  Zusagen, 
aber  diese  wurden  nicht  erfüllt,  obwohl  Schwarzenberg  Katholik  und  beim 
Kaiser  eine  sehr  angesehene  Persönlichkeit  war.  Denn  damals,  es  war  1628, 
gewannen  am  Wiener  Hofe  radikale  politische  und  religiöse  Elemente,  welche 
das  Restitutionsedikt  von  16:^9  durchzusetzen  wussten,  die  Oberhand.  Auch 
katholische  Geschichtschreiber,  z.  B.  Koch,  der  Biograph  Ferdinand  HL.  haben 
dies  Edikt  verdammt,  und  Graf  .lohannes  sagt  selbst  darüber:  „Der  Jesuiten 
Geiz  und  des  Herzogs  von  Friedland  hohe  Anschläge  warfen  solche  gute  Ent- 
schlüsse (des  Kaisers)  über  den  Haufen."-  Im  Fortgange  des  Krieges  schlössen 
sich  die  nassauischen  Grafen  aus  voller  Überzeugung  dem  Schwedenkönig  an. 
Graf  Johannes  hatte  schon  1621)  durch  seine  Heirat  mit  einer  Tochter  des 
bekannten  Markgrafen  Georg  Friedrich  von  Baden-Durlach,  der  sich  nach  dem 
Niedergang  der  Union  als  erster  der  Liga  entgegengestellt  hatte,  aber  von  Tilly 
geschlagen  war,  gezeigt,  dass  seine  innere  Cberzeugung  ihn  den  lutherischen 
Glaubensgenossen  zutrieb.  So  musste  er  auch  die  weiteren  Konsecjuenzen  tragen. 
Im  Einzelneu  ganz  aufgeklärt  ist  seine  Beteiligung  an  »len  folgenden  Ereignissen 


58 

noch  nifhr.  Jodonfalls  gehörte  er  nacli  (Irin  Tode  Gustav  Adolfs  dem  Heil- 
Jirunner  Bunde  und  dem  Kriegsrat,  dem  (Vmsilium  formatum.  au,  welclu's  zunächst 
die  Kriei'sbeweguugen  leitete.  Kr  scheint  das  Ijündnis  mit  Frankreich  im 
Jahre  iGao  mit  unterschrieben  und  die  Bestallung  des  IFerzogs  Bernhard  von 
.Sachsen-Weimar  im  ^lärz  HyX)  mit  uuterzeidinet  zu  haben.  Durch  dieses 
mutige  Ynrijeht'n  im  Interesse  ihres  (rlaubens  und  ihrer  Selbständigkeit  luden 
die  AValramischen  Brüder  den  ganzen  Zorn  des  Kaisers  auf  sich:  sie  wurden 
ausdrücklich  neben  verschiedenen  anderen  südd(!utschen  Fürsten  vom  Prager 
Frieden  ausgeschlossen  und  ihrer  Länder  entsetzt;  die  Herrschaft  Idstein  übergab 
der  Kaiser  im  Jahn»  lüot)  dem  oben  genannten  Grafen  Schwarzenberg,  der 
allerdings  zwei  .lahrc  sjjäter  auf  sie  verzichtete.  Fast  13  Jahre  lang  musste 
(fraf  Johannes  mit  seinen  Brüdern  das  bittere  Brod  der  Verbannung  kosten. 
Er  lebte  mit  seiner  Familie  und  seinem  Schwiegervater  meist  in  Strassburg 
und  Metz.  Damals  ging  es  ihm  so  schlecht,  dass  er  in  Paris  die  Unterstützung 
des  französischen  Königs  anging:  und  seit  1G39  hat  er  eine  jährliche  Pension 
vdu  0000  Frcs.  von  dort  bezogen.")  Während  dieser  ganzen  Zeit  unterliielt  er 
zuirleich  Beziehungen  zum  schwedischen  Reichskanzler  Oxenstierna,  der  ihn  von 
seiner  im  Jahre  164")  erfolgten  Amnestie  in  Kenntnis  setzte,  worauf  Graf 
Johannes,  nachdem  er  im  Mai  1646  durch  den  Amtmann  Schmittburg  von 
Wiesbaden  und  Idstein  hatte  Besitz  ergreifen  lassen,  im  l)ezeml)er  dieses  Jahres 
hier  seinen  Einzug  liielt. 

Damit  schliesst  die  erste  Lebenshälfte  des  Grafen.  Die  zweite  ist  erfüllt 
von  Werken  des  Friedens.  Zwar  fanden  bis  in  die  fünfziger  Jahre  hinein  noch 
allerlei  Beunruhigungen  durch  den  Herzog  von  Lothringen  statt ;  auch  der  grosse 
Krieg  gegen  Frankreich  von  1672 — 1679  brachte  wieder  viele  Kriegsunruhen  und 
Zerrüttungen  über  das  kleine  Land.  Ebensowenig  gelang  es  der  Saarbrückischen 
Ijinie  des  Hauses  Xassau,  offiziell  zum  Reichsfürstenstande  zugelassen  zu  werden. 
Bei  den  Bemühungen  um  diese  Würde  musste  Graf  Johannes  den  grossen 
Schmerz  erleben,  dass  sein  ältester  Sohn  Gustav  Adolf,  den  er  nach  Regens- 
burg gesandt,  im  Jahre  1653  zum  katholischen  Glauben  übertrat.  Obwohl  ihn 
dieses  Ereignis  tief  erschütterte,  möchte  man  doch  beinahe  glauben,  dass  der 
bekannte,  im  Druck  vervielfältigte  Brief,  in  dem  er  den  Sohn  mit  furchtbaren 
Worten  verflucht,  ein  apokryphes  Machwerk")  ist,  da  Vater  und  Sohn  später 
wieder  miteinander  verkehrten.  Auch  sonst  gab  es  noch  die  eine  und  die 
andere    äussere    politische  Angelegenheit    zu    erledigen.     Aber    wesentlich    be- 


^)  Keller,  Die  Drangsale  des  nassauischen  Volkes  in  den  Zeiten  des  drcissigjiihrigen 
Krieges,  S.  370. 

^)  Gedruckt  zuerst  in  Moscr's  Iseueni  ])atriutis('hen  Archiv  II,  .S.  522.  —  Angeführt 
bei  Firnliaber,  Die  Xassauische  SimuUanvolk.sscliuie  I,  S.  24  und  «grösstenteils  mitgeteilt  von 
F.  Otto  in  seinem  Aufsatz:  Graf  Johann  von  Nassau,  Herr  von  Idstein  und  ^Viesbaden.  Evaug. 
Gemcindoblatt  1891,  'So.  33,  S.  261  f.  —  Es  ist  auffällig-,  dass  dieser  Brief,  nebst  einigen 
anderen  auf  die  Sache  bezüglichen,  im  .lahre  1654  als  gedrucktes  Flugblatt  im  Reiche  ver- 
trieben worden  ist.  Es  wäre  gewiss  eine  nicht  uninteressante  rntorsuchung,  festzustellen,  was 
ilabei  Thatsächliches  zu  (Jrundo  liegt.  Der  erwähnte  Abdruck  befindet  sich  im  Staatsarchiv 
zu  Wiesbaden.     11.  A.  Wairam    St.  II.  D.  2,  No.  28. 


59 

kümmorte  sich  Graf  Johannes  darum.  <li<'  \viitscluiftliche  Lage  der  Bevölkerung 
zu  verbessern.  Er  suchte  ihren  Zuwadis  durch  Heranziehung  Benachbarter  zu 
befih-dern,  Handwerk  uiul  Gewerbe  verlieh  er  neuen  Aufschwung.  Die  Land- 
wirtschaft war  er  bemüht  zu  lieben,  indem  er  die  Verwertung  der  Boden- 
(u-zeugnissc  besser  ermöglichte  und  Viehzucht  und  Ackerbau  verbesserte,  Wies- 
baden und  Idstein  haben  ihm  vi(!l  zu  verdanken,  und  während  seiner  Regierungs- 
zoit  stieg  die  Zahl  der  Bevölkerung  nicht  unwesentlich.  Dem  Badeweseu  in 
Wiesbaden  und  den  Taunusbädern  vei'lieh  m-  neue  Grundhigen,  fih'derte  über- 
haupt die  Landeskultur.  Dabei  war  er  auf  den  Wiederaufbau  und  sogar  die 
Verschönerung  der  (■■)ffentlichen  Gebäude  und  Gärten  bedacht,  und  dieser  beim 
Antritt  seiner  Regierung  so  verarmte  Graf  erübrigte  durch  verständige  Ökonomie 
soviel  Mittel,  dass  er  sich  eine  bedeutende  Gemäldegallerio  anlegen  und  die 
Kirche  zu  Idstein  neu  wieder  erbauen  und  ausschmücken  konnte.*)  Nicht  ver- 
gessen werden  dürfen  seine  Bemühungen  um  die  Hebung  der  allgemeinen 
Sittlichkeit  und  um  die  elementare  und  wissenschaftliche  Unterweisung  der 
Jugend.  Auf  seine  Stellung  zur  Kirche  und  Konfession  v, und  seine  Anschauungen 
über  Hexenprozesse  werden  wir  noch  zu  sprechen  kommen. 

Graf  Johannes  erfreute  sich  einer  zahlreichen  Familie.  Seine  erste  Ge- 
mahlin gebar  ihm  9  Kinder,  die  meist  schon  früh  gestorben  sind;  von  den 
16  Kindern  seiner  zweiten  Gemahlin,  einer  Gräfin  von  Leiningen-Dachsburg, 
waren  bei  seinem  Hinscheiden  noch  drei  am  Leben. 

Dieser  kurze  Überblick  über  den  Lebensgang  des  Grafen  muss  uns  ge- 
nügen ;  denn  es  gehört  nicht  zu  unserer  Aufgabe,  seine  Biographie  zu  schreiben, 
sondern  nur  dahin  geht  unsere  Absicht,  durch  eine  Veröffentlichung  wertvoller 
Aufzeichnungen  dieses  eigenartigen  Fürsten-Charakters  zu  weiteren  Forschungen 
über   seine  Lebensschicksale  anzuregen;    Material  dafür  ist  genug  vorhanden. 

Aufzeichnungen  aller  Art  hat  Graf  Johannes  schon  während  der  Zeit 
seiner  Verbannung  gemacht,  von  denen  aber  nur  Weniges  erhalten  zu  sein 
scheint.  Dazu  gehört  eine  ausführliche  Instruktion  für  die  Erziehung  seiner 
Kinder.  Auch  über  Aufteilungen  der  Lande  des  Saarbrückischen  Stammes  ist 
eine  Niederschrift  von  ihm  vorhanden. 

Das  uns  hier  vorliegende  politische  Testament  hat  er  in  seinen  letzten 
Lebensjahren  abgefasst.  Er  spricht  an  mehreren  Stellen  von  dem  gleichzeitig 
wütenden  Kriege  zwischen  Frankreich  und  Holland  (1672— 1()79)  und  erwähnt 
einmaP)  die  Bemühungen  um  Erlangung  der  Reichsfürstenwürdc  für  sein  Haus, 
von  denen  er  angibt,  dass  sie  vor  fünf  Jahren  in  Regensburg  augestellt  seien. 
Da  wir  nun  wissen,  dass  dies  1672  geschah,  so  muss  dieser  Teil  des  Testa- 
mentes 1677  niedergeschrieben  sein.  Es  ist  der  letzte;  denn  am  Ende  bricht 
das  Manuskript  plötzlich  ab,  offenbar  mit  den  letzten  Schriftzügen  des  Grafen, 
der  am  23.   Mai  1677  im  Idsteiner  Schlosse  das  Zeitliche  segnete. 


^)  Hierüber  ist  zu  Yt»rgleichen :  Cuntz,  Die  Kirnho  zu  Idstein.  Idstein  1868,  und  neuer- 
dings die  Aufsätze  von  Suuer  im  Beiblatt  „Alt-Nassau'*  des  Wiesbadener  Tagblntts  von  li-QS, 
No.  1—3:  „Die  Bildergallerie  und  Kuustkanimer  des  Grafen  Johann  von  Nassau-Idstein  im 
Idsteiner  Schloss." 

*)  S.  98. 


00 

Das  Testaiiionr  hat  ursprüiiglii-h  aus  drei  Teilen  bestanden.  Per  erste  ist 
bis  auf  einen  kleinen,  unten  wiedergegebenen  Zusatz  verloren  gegangen.  In 
ihm  fand  sich  Graf  Johannes  wahrseheinlidi  mit  den  religiösen  Fragen  und 
Anschauungen  seiner  Zeit  und  mit  seinem  Yerhältnis  zur  Kirchenlehre  und 
Kircheuverfassung  ab.  Der  erwälmte  Zusatz  handelt  nämlich  von  den  Pflichten 
derer,  die  geistliche  Stellen  zu  besetzen  haben,  von  der  Instandhaltung  der 
Kirchen  und  Kirchengebäude  und  von  der  Pflege  der  Musik,  die  er  für  eine 
erhabene  Kunst  erklärt,  deren  PHcge  Gott  uns  in  der  heiligen  Schrift  auferlegt, 
indem  er  befiehlt,  dass  wir  vt.r  allen  Dingen  ihn  selbst  mit  der  Musik  loben  und 
preisen  sollen.  Es  ist  sehr  zu  bedauern,  dass  gerade  dieser  Teil  verloren  ist.  AVir 
hätten  gewiss  interessante  Einblicke  in  des  Grafen  religiöses  Empfinden  gethan 
und  uns  davon  überzeugen  können,  ob  der  überwiegend  praktische  Zug  seines 
rhristentums.  wir  er  uns  im  Testament  entgegentritt,  ihm  schon  von  früh  an 
iunegewohnt  hat  oder  ob  derselbe  sich  mit  der  allgemeinen  Abwandlung  der 
religiösen  Anschauungen  des  17.  Jahrhunderts')  von  dogmatischer  Reflexion  zu 
praktischer  Frömmigkeit,  von  orthodoxer  Ivechtgläul)igkeit  zur  Aufklärung,  vom 
Streit  um  dit-  Lehre  zur  Heiligung  des  Lebens  auch  bei  ihm  erst  allmählich 
entwickelt  hat.  Auch  über  'sein  Verhältnis  zum  Katholizismus  wird  er  sich  ge- 
äussert haben,  da  doch  sein  eigener  Sohn  abtrünnig  wurde  und  andererseits 
der  bekannte  l'bertritt  des  Grafen  Johann  Ludwig  von  Xassau-Hadamar  im 
Jahre  161^9  den  Vettern  Walramischer  Linie  offenbar  in  den  dreissiger  und  vier- 
ziger Jahren  zu  Statten  kam,  als  sie  vom  Kaiser  geächtet  waren:  denn  Johann 
Ludwig  galt  viel  am  Kaiserhofe  und  bei  den  damals  mächtigen  Jesuiten  und  ver- 
wandte sich  für  Uestitution  seiner  Verwandten.  Vielleicht  ist  dieser  erste  Teil 
der  Aufzeichnungen  nur  verlegt  und  findet  sich  noch  einmal  an  irgend  einer 
Stelle  des  Archivs  unter  anderen  Akten,   wo  man  ihn  nicht  vermuten  sollte. 

Die  zwei  andern  Teile  sind  erhalten.  Der  zweite  ist  überschrieben: 
«Vom  weltlichen  Regiment.  "*  Darin  ist  von  Regierungs-  und  Lebens-Grund- 
sätzen aller  Art  die  Rede.  Dem  dritten  Teil  hat  der  Verfasser  keine  Lber- 
schrift  gegeben,  aber  er  sagt  im  Anfang:  „Was  in  vorigen  beiden  Teilen 
ausgearbeitet  worden,  kann  schwerlich  ins  Werk  gesetzt  werden,  wenn  nicht 
eine  solche  Haushaltung  angestellt  wirf,  das  man  das,  so  zu  deren  Effectuiiung 
gehört,  auch  ausrichten  könne. "  Dieser  Teil  behandelt  also  die  Staatswirtschaft, 
die  Finanzen,  die  Nutzbarmachung  der  Domänen  und  Regalien  und  volks- 
wirtsehaftliehe  Fragen    aller  Art. 

Alles  ist  eigenhändig  vom  Grafen  niedergeschrieben  mit  einer  sehr  zier- 
lichen, deutlichen  Handschrift,  in  der  an  vielen  Stellen  korrigiert  ist:  auch  am 
Iiiindir  finden  sich  häutig  Zusätze,  sf)  dass  die  Aufzeichnungen  mehrfach  durch- 
gearbeitet und  gefeilt  erscheinen. 

Der  grösste  Teil  des  Dokuimmtes  ist  liereits  im  vorigen  Jahrhundert  ge- 
druckt worden,  jt^loch  unvollständig,  iidiorrekt  und  an  einer  jetzt  sehr  ent- 
legenen Stelle:  von  Friedrich  ^arl  l-'reiherrn  v  o  n  M  o  s  e  r  im  Neuen  patriotischen 
Archiv    für  Deutschland';;    ((inzelne  Stellen    haben    auch    neuere  Forscher  ver- 

•)  V^l.  Tholufk,  I»ii8  kirchliche  Leben  des  17.  Jiihihuiulerts,  2.  S.   13  ü'. 
')  Kreter  UuuA.     .MHrmhciiii   uml   Loipzi;,'    17'.)'J.     S.    147   if. 


61 

wertet,  so  P' i  r  n  li  ab  or  in  seiner  Simultanvolkssohulo®)  und  Professor  F.  Otto 
im  Evangolisclicu  Gonieinclohlatt.'"')  Eingehender  und  mit  \vurmer  Anerkennung 
hat  Tholudk  in  dem  schon  angeführten  Buciie  über  das  kirchliche  Leben 
des  17.  JahrJiundorts  II,  S.  29.")  ff.  mit  IJezug  auf  das  Testament  vom  Grafen 
Johannes  gesproclu^n. 

Man  kann  den  ganzen  Inhalt  des  Manuskriptes  in  zwei  Teile  zerglied(n-n: 
in  dem  einen  Ixn-ichtet  der  Graf  von  politischen  Handlungen  und  Erlebnissen, 
au  denen  er  beteiligt  war,  sowohl  äusseren  als  inneren,  überhaupt  von  Er- 
eignissen seines  Lebens  und  seiner  Regierung,  welche  ihn  betroffen  oder  die 
er  zur  Ausführung  gebracht  hat,  im  anderen  reflektiert  er,  fällt  Kritiken  und 
Urteile  über  .Menschen  und  Dinge,  spricht  Lebensgrundsätze  aus  und  sucht  die 
reichen  Erfahrungen  seines  (Mgenen  Lebens  zu  formuli(!ren,  um  sie  durch  kluge 
Erwägung  aller  Schädim  und  Nachtcule  und  des  Nutzens,  der  daraus  entspringcm 
könne,  für  seine  Söhne  und  Nachfolger  möglichst  annehmbar  zu  macheu.  Er 
verfahrt  dabei  wie  ein  kluger  Hausvater  und  demütiger  Priedensfürst,  dem  am 
Gedeihen  seines  I^andos  und  am  Fortblühen  des  Segens,  den  er  gestiftet,  Alles 
gelegen  ist,  ganz  im  Gegensatz  zu  so  manchen  andern  Fürsten  seiner  Zeit, 
welche  nur  das  „apres  moi  le  deluge''  kannten  und  deren  autokratischer  Eigen- 
dünkel den  krassesten  Ausdruck  im  dänischen  Königsgesotz  von  1660  gefunden 
hat,  wo  es  heisst:  „Der  erbliche  König  von  Dänemark  soll  von  nun  an  von 
seinen  Unterthanen  als  das  liöchste,  über  alle  menschliche  Gesetze  erhabene 
Oberhaupt  auf  Erden  angesehen  werden,  das  weder  in  geistlichen  noch  in  welt- 
lichen Dingen  einen  anderen  Herrn  über  sich  kennt,   als  Gott  allein." 

Wie  ganz  anders  dachte  Graf  Johannes.  Seine  Anschauungen  von  den 
Aufgaben  des  Regenten  wurzeln  in  den  tiefsten  Tiefen  seiner  religiösen  Über- 
zeugung. Er  kennt  nicht  die  Herrschaft  jenes  zum  Götzenbilde  gewordenen, 
aller  menschlichen  Gesetze  überhobenen  absoluten  Monarchen,  sondern  eine 
Theokratie  des  allmächtigen  Gottes,  dem  der  Regent  ebenso  verantwortlich  ist, 
wie  die  Regierten ;  Gott  hat  den  Herrscher  und  seine  Unterthanen  zu  richtiger 
Bestellung  seines  Dienstes  geschaffen ;  er  hat  jene  zu  seines  Reichs  Amtleuten 
vorordnet;  wer  ein  Amt  hat,  soll  sich  nicht  einbilden,  dass  er  Herr  sei,  sondern 
ein  Knecht  Gottes;  Gott  hat  die  Land  und  Leute  geschaffen  und  selbiger 
Regierung  Kaisern,  Königen,  Fürsten,  Grafen,  Herren  und  Obrigkeiten  nach 
seinem  Befehl  zu  regieren  auf  eine  Zeitlang  anvertrauet,  welches  sie  auch  Gott 
als  dem  rechten  Herrn  verantworten  müssen  und  sich  nicht  einbilden,  dass  Gott 
die  Lande  ihnen  zu  ihrer  Kurzweil,  Pracht  und  Hoheit  gegeben,  sondern  dass 
sie  die  Unterthanen  richten  sollen  mit  gerechtem  Gericht  und  nicht  ihre,  sondern 
Gottes  Ehre  zu  befördern  suchen  sollen.  Kommt  ein  Herr  zur  Regierung,  muss 
er  nicht  denken,  dass  er  ein  gewaltiger  Herr  sei,  sondern  ein  Diener  Gottes; 
je  höher  er  ist,  je  mehr  soll  er  sich  demütigen.  Indem  der  Graf  mit  aller 
Bestimmtheit  erklärt,  so  wenig  als  ein  Beamter  sagen  könne,  dass  seines  Herren 
Unterthanen  sein  seien,    so  wenig  könne  es  ein  Herr  sagen,    erhebt  er  sidi  zu 


Ol,  «.  82  f. 

^)  In  doni   olion   citiorton   Aufsatz. 


62 

einor  Anscliauiiug  von  den  Aufgaben  seiner  J'ürsrliclien  Stellung,  die  weit  über 
seine  Zeit  hinausgeht.  Mit  dieser  milden,  patriarehalisohon  Autfassung  seines 
Berufes  ist  er  sehen  unter  die  Fürsten  des  herannahenden  aufgeklärten  Zeit- 
alters zu  rechnen,  die  sieh  für  die  ersten  Diener  des  Staats  ansahen  und  dies 
unisomehr.  als  er,  wie  wir  weiter  sehen  werden,  auch  in  der  Praxis  in  diesem 
Sinne  gehandelt  hat. 

Es  ist.  als  wenn  der  Patriarch  des  Alten  Testaments  uns  liier  entgegen- 
tritt. Der  abgeklärten  und  durchgereiften  L'berzeugung  des  Grafen  liegt  die  Er- 
zit'hung  und  der  Unterricht  zu  Grunde,  welche  im  Anfang  des  17.  Jahrhunderts 
den  Fürstensühnen  und  den  Ilöchstgebildeten  der  Zeit  überhaupt  zu  Teil  wurden. 
Diese  Bildung  beruhte  auf  der  Bibel  und  der  Antike,  es  sind  im  wesentlichen 
die  Früchte,  welche  vom  Baum  des  Humanisnms  und  der  Reformation  gepflückt 
wurden;  sie  sind  allerdings  verschlechtert  und  verdorben  duich  die  Ver- 
knöcherung des  kirchlichen  Lebens;  und  musste  nicht  der  dogmatische  Zank 
der  Konfessionen,  die  wiederauflebende  Nichtigkeit  scholastischer  Wortklaube- 
reien eine  Erstarrung  der  Anschauungen  herbeiführen,  der  in  gewisser  Be- 
ziehung auch  erleuchtete  Köpfe  verfielen? 

l'nd  doch  war  die  Erziehung  des  Grafen  Johannes  immer  noch,  was  den 
Charakter  und  das  Herz  betrifft,  als  die  ]u)here,  edlere  anzusehen  gegenüber 
den  Einflüssen,  welchen  man  in  der  zweiten  Hälfte  des  Jahrhunderts'")  junge 
Fürsteusöhne  aussetzte.  Diese,  die  französisch-weltliche  Erziehung,  verdirbt  nach 
seiner  Ansicht  den  Charakter.  Zwar  ist  er  nicht  so  kurzsichtig,  dass  er  den 
feinen  Schliff  weltmännischer  Bildung,  wie  er  auf  Reisen  von  den  Prinzen 
und  Edelleuten  jener  Tage  an  fremden  Fürstenhöfen  erworben  zu  werden  pflegte, 
nicht  auch  seinen  Söhnen  beigebracht  zu  wissen  wünschte;  auch  lebende 
Sprachen  der  damaligen  Kulturvölker  sollen  sie  sich  aneignen.  Französisch, 
Italienisch  und  Spanisch  und  das  Studium  der  Staatswissenschaften  eifrig  pflegen ; 
es  macht  endlich  seinem  Urteil  über  Kunst  und  Kunstausübung  alle  Ehre,  wenn 
er  sagt:  „Musica  und  Pictura  schaden  einem  Herrn  nicht,  recreiren  und  schärfen 
dir  ingenia. '•  Wogegen  er  mit  scharfem  Tadel  und  mit  beissender  Ironie 
eifert,  das  sind  Reisen  in  zu  frühem  .lünglingsalter  und  die  Versuchungen, 
denen  junge  Prinzen  dabei  ausgesetzt  waren,  die  Verführungen,  denen  sie  er- 
lagen. ..Es  haben  die  alte  Teutschen  sich  des  Reisen  in  frembte  Landen  ent- 
halten und  iiiilirii  >i(li  Redlichkeit  und  Erbarkcsit  beflissen,  vor  den  frembten 
I^astern  und  Unredlichkeit  ein  Abscheu  getragen."  Was  taugen  jungen  Herren 
solche  Reisen,  sagt  er  an  anderer  Stelle,  uum  schickt  eine  Gans  übers  Meer 
und  kommt  eine  Gans  wieder  her.  Wenn  junge  Herren  von  dreizehn,  vierzehn 
.Jahren  reiscsn,  was  lernen  sic^-^  Ein  kruiiini  Füsschen  machen,  ein  wenig 
baiser  les  mains  und  bringen  einen  Wagen  voll  Laster  und  ein  leichtfertig 
paar  Hosen  wiedei'  heim  und  lassen  so  viel  Geld  darinnen  um  so  böse  Waren, 
dass  die  nachfolgenden  Gescidechter  daran  zu  zahlen  haben.  Er  hat  diese 
Erfahrungen  an  seinen  älteren  Brüdern  gemacht,  für  deren  Auslandsreisen 
Tonnen  (roldes    verausgabt  sind,    und    er    schätzt    sich  glücklich,    dass    es  ihm 


'")  Vgl.  im  allgemeinen  'Jliuluok  a.  u.  O.  II.   S.   192   ü\ 


mcht  molir  vorgönnt  gewesen  ist,  claraii  Teil  zu  nehmen,  ^[an  muss  die  Stelle 
selbst  lesen,  an  der  er  sich  noch  \veit<M-  über  diesen  heiklen  Punkt  verbreitet. 
Auch  das  lUsiscn  wirft  seiner  Ansicht  nach  Nutzen  ab,  aber  nicht  für  Kinder, 
sondern  für  junge  Männer  reiferen  Alters,  dw  fähig  sind,  das,  was  sie  sehen, 
zu  verstehen  und  davon  zu  lernen.  „Es  taugt  kein  Bau,  der  nicht  gutes 
Fundament  hat,  so  taugt  auch  kein  Reisen,  da  nicht  zuvor  d(!r  Eckstein  Pietas 
und  das  Eundamcnr  Prudcntia  ist;  man  suche  sie  bcü  (unemKind;  ist  aber  das 
Fundament  niclit  gut,  so  lallt  der  Ibiu  durch  die  Winde  und  WasserHuti^n  dor 
Verführung  zu  GottlosigkeittMi  und  Jjastern,  und  wii'd  man  von  Ausländern  ver- 
lacht,  wenn  man  ihnen  vicd  Geld  bringt  und  Narrheit  und  ihre;  Laster  heim  bringt.'' 

Man  sollte  denken,  ein  Mann,  wie  Graf  Johannes.  Avelcher  der  Musik, 
Malerei  und  Baukunst  soviel  Interesse  und  Verständnis  entgegenbrachte,  hätte 
dieselbe  Vorliebe  für  das  Theater  und  für  Kunstaltertümer  empfunden.  JJas 
ist  jedoch  nicht  der  Fall;  dabei  tritt  vielmehr  die  Rücksicht  auf  den  Nutzen 
bei  ihm  in  d<m  Vordergrund,  der  Zug  auf  das  Praktische,  wohin  die  bösen 
Zeitumstände  damals  Jeden  drängen  nmssten.  Auch  lag  die  Schauspielkunst 
im  17.  .Jahrhundert  in  Deutschland  noch  sehr  darnieder.  Er  will  nicht,  dass 
junge  Herren  um  Fastnachtspiel,  Komödien  und  dergleichen  viel  Geld  verzehren, 
„Was  liat  man  davon?  Man  kann  ja  in  Lesung  der  Historien,  so  solclie 
Komödianten  repräsentieren,  mehr  Nutzen  mit  weniger  Kosten  haben."  Auch 
die  Sucht,  auf  Reisen  Stunden  lang  zu  laufen,  um  ein  Gebäude  oder  eine 
Rarität  zu  sehen,  verdammt  er.  Das  ist  nichts  für  junge  Herren;  können  si(» 
damit  Land  und  Leute  regieren?  Auch  haben  sie  dergleichen  im  eigenen 
Vaterlande  viel  besser.  Vielleicht  dachte  er  dabei  an  die  Kirche  zu  Idstein, 
von  der  es  an  anderer  Stelle  heisst,  seitdem  er  sie  mit  Bildern  ausschmückte, 
kämen  die  Leute  von  weit  her,  um  sie  zu  sehen  und  Idstein  sei  ein  bekannter 
Ort  geworden,   während  es  früher  ganz  im  Dunkeln  gelegen. 

Lernen  sollen  die  jungen  Herren  auf  ihren  Reisen,  was  sie  später  für  die 
Regierung  ihres  Landes  gebrauchen  können,  um  gerecht  und  fromm,  um  ver- 
ständig und  vorbildlich  regieren  zu  können,  von  Gelehrten  und  Staatsmännein 
und  anderen  kundigen  Leuten.  „Zu  lernen  ist  keiner  zu  hoch  oder  zu  alt: 
hast  Du  etwa  Dich  verführen  lassen  in  der  Jugend,  dass  Du  nicht  hast  wollen 
lernen,  so  bessere  Dich  im  Alter  und  denke:  pudor  est  nil  discere  velle;  und 
dass  Du  musst  Rechenschaft  geben  alles,  was  Du  durtdi  Unwissenheit  ver- 
absäumt oder  Unrecht  gethan  hast.  Es  ist  keiner  zu  alt  /u  lernen,  es  sei 
denn,   dass  er  vor  Alter  kindiseli  worden." 

Wie  herrlich  alle  diese  Grundsätze !  Wie  warm  schlug  in  dieser  Brust 
das  Herz  für  alles  Edl(%  Schöne  und  Gute,  das  den  Menschen  zum  Göttlichen 
emporhebt!  Und  wie  treu  klingt  die  Stimme  des  warnenden  Vaters,  des  deutschen 
Patrioten  in  dieser  Zeit,  wo  fremde  Einflüsse  Deutschland  nur  zu  sehr  durch- 
seuchten. Wenn  man  von  einer  guten,  alten  Zeit  sprechen  darf,  so  konnten 
die  Nachkommen  aus  dem  Ende  des  17.  Jahrhunderts  ihn  als  einen  Mann  aus 
solcher  Zeit  bezeichnen. 

Und  doch  entdecken  wir  auch  bei  diesem  von  so  modernen  Anschauungen 
erfüllten  Manne  eine  tiefe  sittliche  Befangenheit  I     Mit  Schaudern    und  Grauen 


64 

nur  liest  man  in  soinoni  Testament  jene  Aiisfülirungcn  über  Hexenprozesse"), 
für  deren  strenge  Durchführung;  er  mit  Schärfe  eintritt.  Da 'zeigt  sich  bei  ihm 
kein  Gefühl  für  diese  einem  furchtbaren  Wahn  entsprungenen  Unmenschlich- 
keiten, für  dit'  Tortur,  für  den  Ted  auf  dem  Scheiterhaufen.  Er  zergliedert 
nur  mit  dem  Sccirmesser  juristischer  Gesetzes-  und  Buchstabenweisheit  die 
materielle  Grundlage  der  Strai'e.  welche  man  über  diese  l'belthäter  verhängen 
soll.  Nicht  rnglückliche  sieht  er  in  ihnen,  sondern  die  schlimmsten  Verbrecher, 
welche  er  kennt,  und  eiiu-  Milderung  des  Feuertodes  befürwortet  er  nur  in  der 
Weise,  dass  er  es  zugeben  will,  wenn  mau  das  Opfer  vorher  erdrosselt  oder 
enthauptet. 

Wenden  wir  uns  nun  /u  den  grossen  Ereignissen  seines  Lebens,  um  zu 
sehen,  wie  er  sich  über  diese  in  seinem  Testament  äussert,  so  müssen  wir  be- 
kennen, dass  es  hierbei  angebracht  ist,  die  Sonde  der  Kritik  anzulegen,  wenn 
wir  auch  noch  keineswegs  im  Stande  sind,  nach  dem  lioutigen  Befunde  der 
gedruckten  rberlieferung  alle  Einzelheiton  aufzuklären  und  zu  entliüllen.  Wir 
wollen  daher  auch  nur  im  allgemeinen  die  Auffassung  beleuchten,  welche  er 
von  seinen  Erlebnissen  im  dreissigjährigen  Kriege  kundgiebt. 

l  bei'  die  diplomatische  Geschichte  des  Krieges  bringt  er  einen  kurzen 
Auszug,  der  in  mancher  Beziehung  unser  Interesse  erregt.  Graf  Johannes 
erklärt,  er  habe  mit  seinen  Brüdern  und  Verwandten  unschuldig  leiden  müssen. 
Kr  habe  treu  zu  Kaiser  und  Reich  gehalten,  sei  zwar  in  der  ersten  Zeit  neutral 
geblieben,  später  aber,  nachdem  er  auf  die  schwedische  Seite  getreten,  und 
nach  dem  Tode  Gustav  Adolfs  habe  er  befürwortet,  dass  man  sich  nur  noch 
defensiv  verhalten  und  den  Kaiser  mit  allen  möglichen  Vorstellungen  zu  einem 
billigen  Frieden  bewegen  solle,  der  den  evangelischen  Ständen  Religionsfreiheit 
gewähre.  Er  sei  aber  mit  seiner  Ansicht  nicht  durchgedrungen  und  habe 
darauf,  als  die  Schweden  bei  iS^ördlingen  geschlagen,  mit  den  Wölfen  heulen 
müssen.  Aber  auch  den  französischen  Diplomaten  und  dem  K(>nige  von  Frank- 
reicii  sei  er  bei  den  Verhandlungen  entgegengetreten,  was  der  letztere  ihm 
liersr.nlii-h  vorgeworfen,  als  der  Graf  zu  iJim  kam.  Er  schilt  auf  die  Donationen 
der  Schweden  und  die  Pensionen  der  Franzosen  und  behauptet,  er  hätte  auch 
»o  etwas  haben  können,  sei  aber  fest  geblieben  und  habe  als  deutscher  Patriot 
für  sein  Vaterland  geredet,  jedoch  nichts  erreicht. 

.Man  muss  sagen,  die  Ereignisse  haben  sicli  in  dem  Gedächtnisse  des 
(Jrafen  etwas  verschoben,  und  auch  liei  ihm  zeigt  sich,  was  noch  bisher  von 
allen  V(^rfassern  von  Memoiren  und  Denkwürdigkeiten  festgestellt  worden  ist, 
sie  schreiben  am  Ende  ihres  Lcsbens  anders,  als  wenn  sie  kurz  hinter  der  Zeit, 
in  der  sie  handelnd  auftraten,  ihre  Erlebnisse  fixiert  hätten.  Auch  Graf  Johannes 
sclireibt  unter  den  Eindrücken  des  grossen  Rcücliskrieges  gegen  Frankreich,  und 
da  er  ausserdem  seinen  Söhnen  für  die  Zukunft  mit  seinem  Rate  dienen  will, 
so  bi-trachtet  er  unwillkürlich  auch  die  längst  vergangenen  Jugend-  und  ersten 
Maunesjalire  untt-r  diesem  Gesichtswinkel. 


")  Di«  .Stellen  über  Ilexenprozesse,  welche  Moser  fortlässt,  sind  sohon  mehrfach  ver- 
w.Tlet.  Schliephiike-Menzel,  Geschichte  von  Nassau,  VI.  S.  564  hat  die  frühere  Litte- 
ratur  aufgeführt. 


65 

Die  schlunme  Zeit  im  drcissigjälirigon  Kriogn,  wo  ihre  ganze  Existenz 
gefälirdot:  wurde,  trat  für  die  iiassauischen  Grafen  erst  dann  ein,  als  die 
schwedische  Macht  nach  der  Schlacht  bei  Nürdlingen  (1634)  zurückging. 
Während  sie  also  bis  zur  xVnkunft  Gustav  Adolfs  neutral  geblieben  waren,  hatten 
sie  sich  dem  Heldcmkönig  mit  der  Freudigkeit  ihres  protestantischen  Herzens  und 
mit  ganzer  Hingabe  angeschlossen,  was  ilinen  nicht  verdacht  werden  kann. 
Aber  in  der  Zeitlage,  die  auf  Gustav  Adolfs  Tod  folgte,  traten  doch  allerlei 
Umstände  ein,  welche  sie  zu  grösserer  politischer  Vorsicht  hätten  bewegim 
sollen.  Sie  waren  Herren  eines  kleinen  Territoriums  und  ohne  den  Kückhalt  einer 
starken  bewaffneten  Macht;  war  es  denn  durchaus  nötig,  dass  Graf  Johannes 
dem  Kriegsrate  des  Heilbronner  Bundes  beitrat,  dass  er  eine  prononcirt  feind- 
liche Stellung  gegen  den  Kaiser  einnahm?  Niemand  wird  es  ihm  vorwerfen 
wollen,  dass  er  seinem  Bekenntnisse  treu  zugethan  blieb,  aber  es  wäre  besser 
gewesen,  wenn  er  sich  jetzt  wiederum  wie  in  den  zwanziger  -Jahren  zur  X(!U- 
tralität  zurückgewandt,  wenigstens  einer  gewissen  Zurückhaltung  beflissen  hätte! 
Wenn  er  mit  seinem  Eintreten  für  Kaiser  und  Reich,  mit  dem  Antrage  auf 
defensive  Kriegführung  nicht  durchdringen  konnte,  warum  trat  er  dann  nicht 
lieber  aus  dem  Kriegsrate  heraus  und  überliess  denen  die  Weiterführung  des 
Kampfes,  welche  dazu  die  erforderlichen  militärischen  und  finanziellen  Kräfte 
besassen?  Da  er  dies  nicht  zu  tliim  für  gut  fand,  da  er  das  Bündnis  mit 
Frankreich,  dem  Hauptgegner  Österreichs,  wohl  selbst  mit  unterzeichnete  und 
Bernhard  von  Sachsen-Weimar  als  Heerführer  verpflichtete,  so  musste  er  auch 
die  bösen  Folgen  tragen,   als  die  kaiserlichen  Waffen  siegreicli  waren. 

Unschuldig  gelitten  hat  also  in  diesem  Teile  des  30  jährigen  Krieges 
Graf  Johannes  nicht. 

Wenn  er  nun  weiter  beteuert,  er  habe  schwedische  Donationen  und 
französische  Pensionen  nicht  genommen,  obwohl  er  sie  hätte  erhalten  können, 
so  hat  er  auch  mit  dieser  Behauptung  nur  in  gewissem  Sinne  recht:  angenommen 
hat  er  schwedische  und  französische  Geschenke  nicht  in  jener  Zeit,  die  dem 
Abschlüsse  des  französisch-schwedischen  Bündnisses  voraufging,  also  nach 
Gustav  Adolfs  Tod;  und  es  war  durchaus  ehrenhaft  von  ihm,  dass  er  sich  da- 
mals nicht  bereichert  hat,  wie  so  viele  kleine  Pferren,  wovon  er  im  politischen 
Testamente  Beispiele  anführt.  Erst  als  er  mit  den  Seinigen  aus  dem  Yater- 
lande  vertrieben  in  Frankreich  Schutz  suchen  musste,  entschloss  er  sich  dazu 
die  Hilfe  des  französischen  Königs  anzugehen,  wahrscheinlich  mir  Bezug  auf 
das  Bündnis,   infolge  dessen  er  ja  sein  Unglück  auf  sich  hatte  nehmen  müssen. 

Gefühlt  hat  er  es  beim  Niederschreiben  auch  wohl,  dass  sein  Verhalten 
in  diesem  Jahrzehnt  nicht  ganz  einwandsfrei  gewesen  ist  und  seine  Stimmung 
äussert  sich  mehr  in  einer  gewissen  Resignation  über  die  traurige  Stellung  der 
kleineu  Fürsten  im  Reich,  über  ihre  verlassene  Lage  gegenüber  den  grösseren 
Fürsten  und  nun  erst  recht  gegenüber  den  Grossmächten  im  Auslande.  „Dero- 
lialben  hat  man  sich  bei  innerlichen  Kriegen  wohl  furzusehen,  dass  man  den 
]{espekt  des  Oberhauptes,  soviel  Gewissens  hall)er  sein  kann,  in  acht  nehme, 
sich  nicht  durch  Mutmassungen,  Privat-Considerationen  oder  Begierde  etwas  au 
sich  zu  bringen  betrügen   lasse,   wider  selben  sich   aufzulehnen.     Da  aber  eine 

5 


66 

solche  Sach  vorticlo.  da  man  die  Religiün  zu  tilgen,  des  Reicliö  Freiheit  zu 
unterdrücken  understündc  kann  mau  sich  GeNvissens  halber  nicht  vom  evange- 
lischen Corpore  oder  dem  iieich  separieren,  sich  aber  erinnern,  dass  man  sich 
nicht  under  die  Aufriihrischen  mengen  solle,  weniger  under  dem  Yorwand  der 
licligion  und  des  Reichs  AVohltart,  Privatpassiones  oder  Begierde  zu  anderer 
Leut  Güter  etwas  wider  den  Kaiser  oder  seine  Mitstände  zu  machiniren  gelüsten 
lasse:  denn  Gott  lasset  es  nicht  ungestraft,  sondern  man  muss  leiden,  bis  causa 
communis  wider  die  ( )hnbilligkeit  eclatirt  und  Gottes  Ehr  und  die  Reichspflichten 
dazu  uecessitiren-.  Und  an  anderer  Stelle:  man  müsse  sich  gegen  seine  Reichs- 
stände so  verhalten,  dass  man  jeden  gebührend  respectire,  hiihere  ehre,  mit 
gleichen  .^icii  wohl  betrage  und  gegen  geringere  sich  freundlich  erzeige;  übe 
ein  mächtiger  Xachbar  jedoch  Gewalt,  so  weiss  er  nichts  Anderes  dagegen 
anzuführen,  als  Güte  und  das  Recht  und  zwar  eine  kaiserliche  Kommission 
oder  einen  Prozess  vor  dem  höchsten  Gericht  des  Reichs;  da  er  aber  wohl  weiss, 
wie  wenig  das  alles  helfen  kann,  fügt  er  hinzu :  „Es  ist  leider  bei  unser  jetzigen 
Reichsjustiz  das  Hand  für  den  Augen  hinweg  oder  doch  von  Flor  oder  Kammer- 
tuch gemacht,  dass  ;uan  dadurch  leicht  sehen  kann,  und  muss  man  sein  Recht 
teuer  kaufen :  man  muss  sich  aber  in  die  Zeit  schicken,  denn  es  ist  böse  Zeit, 
und  die  jetziger  Zeit  gebräuchliche  Mittel  zu  gebrauchen  nicht  vergessen  und 
nmss  hier  heissen:  cede  majori!" 

So  klingen  die  Stossseufzer  eines  deutschen  Patrioten  über  den  üblen 
Zustand  des  Vaterlandes  in  beweglichen  Klagen  aus !  Hat  Graf  Johannes  nun 
auch  als  Politiker  im  dreissigjährigen  Kriege  wenig  Glück  gehabt,  so  treten 
doch  auch  in  dieser  Zeit  aus  seiner  Handlungsweise  einige  persönliche  Charakter- 
züge hervor,  die  wir  rühmend  erwähnen  müssen,  das  ist  der  grosse  Freimut, 
die  fitt'ene  Ehrlichkeit,  mit  der  er  ungescheut  und  manchmal  auch  derbe  seine 
Meinung  den  fremden  Machthabern  gegenüber  betont.  Es  hat  eine  Gelegenheit 
sich  dargeboten,  wo  er  sogar  für  das  Beste  seiner  Unterthanen  sein  Leben 
daran  setzte.  Ein  Wallensteinscher  Oberst  hauste  1626/1^7  mit  seinen  furcht- 
baren Horden  in  so  barbarischer  Weise  in  Idstein  und  Wiesbaden,  dass  der 
Graf  seine  Entrüstung  darüber  an  der  Tafel  des  Erzbischofs  von  Mainz  laut  zu 
vernehmen  gab'"),  worauf  ihm  der  kaiserliche  Oberst  durch  einen  Stellvertreter 
eine  Forderung  überbringen  Hess.  Diese  nahm  Graf  Johannes  an :  er  war  auch 
zur  verabredeten  Stunde  an  Ort  und  Stelle;  allein  der  Gegner  blieb  aus,  da 
der  Erzbischof  sich  auf  Bitten  der  Idsteiner  Räte  ins  Mittel  legte. 

Das  Wohl  und  Wehe  seines  Landes  hat  Graf  Johannes  auch  in  dieser 
traurigem  Zeit  im  Auge  gehabt,   so  gut  er  konnte. 

Wir  wollen  nocji  rincu  Blick  auf  seine  Thätigkeit  als  Landesvater  werfen, 
auf  dir  l'iirsorge,  welche  er  seinen  Unterthanen  angedeihen  Hess,  und  wollen  es 
verfcdgeu,  wie  er  die  (Grundsätze,  deren  Ausübung  er  vom  Regenten  verlangt, 
wie  wii-  oben  sahen,   selbst  zur  Geltung  brachte. 

Er  verlangt  vom  Regenten  genaue  Rechtskenntnis,  damit  er  die  Urteils- 
sprüche seiner   Didier    revidieren   kann:    denn   nicht    jeder  ]5eainte  sei  redlich. 


'-)  Kf'IliM-  M    II.  ().  S.  75  f. 


67 

Auch  soll  (31-  sich  nicht  scheueD,  die  Klaf;(m  dev  Ilnterthanon  selbst  anzuhören 
und  ihnen  (relegenheit  verschaffen,  sie  bei  ihm  vorzubriufi-en.  Er  erklärt, 
während  seiner  langem  Reoierung  Manchem  geholfen  zu  liaben,  dem  sonst  Un- 
recht geschehen  wäre.  Mit  seinen  ]huimten  muss  er  cifter  hüs(i  Erf'ahrung(!n 
gemacht  haben;  denn  er  s]»i'i(;ht  viel  davon,  dass  ihnen  auf  di(!  Finger  gesidutn 
werden  muss.  So  sieht  man,  dass  er  in  dieser  traurigen  Zeit,  wo  Kcjrruption 
überall  nur  zu  sehr  eingerissen  war,  durch  sein  scharfes  Regiment  für  die 
Integrität  des  Beamten  Standes  und  für  die  Jteform  der  Reclitsprcclmng  un- 
ermüdlicli  gesorgt  hat.  Auch  auf  die  Vorwaltung  selbst  richtete  er  sein  Augen- 
merk: er  ordnete  öfter  Landvisitationen  an,  um  zu  untersuchen,  wie  die  Be- 
amten haushielten  und  sah  streng  darauf,  dass  die  Rechnungen  stimmten.  Bei 
dieser  Oelegenheit  wurde  aber  zugleich  Leben  und  Wandel  der  Unterthanen  in 
sittlicher  und  materielUu-  Beziehung  einer  genauen  Einsicht  unterzogen.  Wie 
CS  seit  dem  10.  Jahrhundert  bei  kirchlichen  Visitationen'^)  üblicli  war,  wurden 
die  dabei  gebräuchlichen  Grundsätze  auch  auf  weltliche  Dinge  angewandr. 
Indem  man  einerseits  die  Führung  der  Pfarrer  und  Beamten  einer  scharfen 
Prüfung  unterzog,  beschränkte  man  sich  bezüglich  der  Unterthanen  jedoch  nicht 
bloss  auf  ihr  sittliches  Verhalten,  sondern  nmsterte  ihre  ganze  wirtschaftliche 
Lage  in  eingehendster  Prüfung.  Es  soll  z.  B.  untersucht  werden,  wie  die 
Unterthanen  ihre  Haushaltungen  anstellen,  ob  sie  mit  den  Ihrigen  ehrlich  und 
friedlich  leben,  ob  sie  sich  mit  den  Nachbarn  wohl  vertragen  oder  gern  haddern, 
ob  sie  die  Wirthshäuser  fleissig  besuchen  oder  ihren  Häusern  wohl  fürstehen, 
wie  sie  ihre  Häuser  und  Gebäu  in  acht  nehmen,  ob  sie  mit  Fuhren  oder  mit 
der  Hand  frohnen,  wie  sie  bespannt,  ob  sie  ihre  Frohnen  fleissig  und  willig 
verrichten ;  —  wieviel  Güter  der  Einzelne  habe,  ob  er  sie  von  seinen  Eltern 
oder  andern  ererbt,  ob  er  Güter  erkauft,  was  für  freie  Güter  bei  ihnen,  wem  sie 
zustehen  und  woher  sie  frei  sindt ;  ob  auch  Fremde  oder  Einheimische  sich 
des  Weidwerks  heinüich  oder  öffentlich  gebrauchen  u.  a.  Die  Antworten  auf 
diese  und  ähnliche  Fragen  der  Beamten  müssen  eidlich  abgegeben  werden  und 
auch  über  die  Führung  der  Beamten  selbst  sollen  die  Leute  von  den  herrschaft- 
lichen Räten  in  dieser  Form  befragt  werden.  Dabei  Hess  es  der  Graf  nicht 
einmal  bewenden;  er  mischte  sich  bei  Jagden  oder  bei  anderer  Gelegenheit 
selbst  unter  das  Volk  uutl  fragte  und  erkundigte  sich  nach  allem,  was  er  wissen 
wollte.  Die  erhaltenen  Akten,  Protokolle  und  Rechnungen  weisen  aus,  dass 
das  politische  Testament  in  diesen  Behauptungen  nicht  zu  weit  geht,  Xach 
diesen  Weisungen  ist  verfahren  und  in  diesem  Sinne  ist  der  Wille  des  Landes- 
herrn vollzogen  worden. 

Man  muss,  rein  theoretisch  gedacht,  anerkennen,  dass  dieses  System  der 
Regierung  in  jenen  bösen  Zeiten  nach  den  furchtbaren  Kriegsjahren  angebracht 
gewesen  ist,  (heutzutage  würden  die  Bauern  es  sich  kaum  noch  gefallen  lassen, 
wenn  man  Angaben  über  die  Herkunft  des  Huhnes  von  ihnen  verlangte,  das 
sie  im  Topfe  brieten)  und  die  praktischen  Erfolge,   von  denen   wir  wissen,    be- 


^^)  Vgl.  ausser  aiuleni    uuch    F.  Utto,   Die  Visitationen   der    nassuuischon   Kirchen   des 
Mainzer  Sprongelä  in  den  Janren  1548— 13 JO  (Evang.  Cienieindeljlatt  1892,  Xo.  47 — r»0). 

5* 


p 


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künden,  dass  ps  segensreich  gewirkr  luir.  Man  darf  dabei  jedoch  nicht  ver- 
"ossen.  dass  in  erster  Linie  die  finanziellen  Erträge  in  die  Tasche  des  Grafen 
flössen.  Im  Kriege  waren  Herkommen  und  Recht  verwischt;  viele  liechts- 
verhältnisse  waren  offenbar  überhaupt  verschoben  und  unkenntlich  geworden, 
nur  Eins  stand  fest,  dass  eine  Herrschaft  da  war  und  viele  Unterthanen,  die 
Lasten  trugen  und  frohuden  mussteu.  Die  Herrschaft  besass  die  grösseren 
Mittel,  die  grössere  Macht  und  die  grössere  Fähigkeit  zu  reformieren,  ihre 
Hechte  festzustellen  und  zu  gebrauchen.  So  zeigt  sich  auch  hier,  wie  vielfach 
anderswti  in  deutschen  Landen,  dass  das  Fürstentum  mit  verstärkter  Macht 
aus  diesen  Zeiten  hervorgeht.  Das  souveräne  Fürstentum  erhebt  sich  über  der 
»■rossen  Masse  des  Adels  und  der  bürgerlich-bäuerlichen  Volksschichten,  die 
ihm  dienen  und  frohnden  müssen  und  nur  da  sich  zu  einer  gewissen  Unabhängig- 
keit aufzuraffen  und  sie  zu  erhalten  wissen,  wo  günstige  politische  Verhältnisse 
das  Heranwachsen  eines  mit  dreinredenden  Ständetums  gestattet  haben.  Nicht 
alle  deutschen  Fürsten  haben  in  dieser  Zeitepoche  zugleich  ein  warmes  Herz 
für  der  Unterthanen  Wohl  und  Wehe  gehabt.  Graf  Johannes  hatte  es;  er  ist 
während  seiner  Regierung  dazu  gelangt,  nicht  allein  viele  Schulden  seines 
Vaters  und  seiner  A'orfahren  abzubezahlen,  er  hat  nicht  nur  eine  Gemälde- 
sammlung erworben  und  Kirche  und  Schloss  in  Idstein  reich  geschmückt,  er 
ist  auch  den  Armen  und  Notleidenden  zu  Hilfe  gekommen  und  hat  ihre  Kräfte 
geschont.  „Es  weiset  der  leidige  Augenschein,  dass  viel  mal  durch  Krieg, 
Brand,  Misswachs  die  arme  üuderthauen  ganz  um  das  Ihrige  kommen,  dass  sie 
müssen  Schulden  machen,  um  wieder  auf  zu  kommen ;  hat  es  der  Landherr  im 
Vermögen,  tluit  er  wohl,  das  er  ihnen  selbsten  vorsetzet,  dass  nicht  Frembte 
einnisten ;  auf  das  wenigste  soll  er  bei  Renten  und  Aulagen  so  viel  möglich 
schonen,  dass  sie  sich  erliolen  mögen ;  hat  ein  Armer  liegende  Güter  und  keine 
Mittel,  selbe  zu  bauen,  soll  die  Gemeinde  angehalten  werden,  die  Güter  zu 
bauen :  ddch  dass  das  dritte  Theil  des  Einkommens  der  Gemein  bleibe,  vom 
übrigen  aber  der  Arme  wieder  zu  Kräften  kommen  könne." 

Es  ist  wohl  keinem  Zweifel  unterworfen,  dass  Graf  Johannes'  Regierung 
ein  Segen  für  Land  und  Volk  gewesen  ist.  Dass  es  ihm  nniglich  geworden 
ist,  in  den  dem  grossen  Kriege  folgenden  dreissig  Jahren  soviel  zu  erreichen, 
wie  er  erreicht  hat,  liegt  endlich  wohl  mit  daran,  dass  der  Graf  ein  wirtschaft- 
lich begabter  Kopf  gewesen  ist.  Und  Jeder,  der  namentlich  den  dritten 
Teil  seines  politischen  Testaments  aufmerksam  liest,  wird  zugeben  müssen, 
dass  nur  ein  wirtschaftliches  Tahmt  von  grosser  praktischer  Begabung  sich  so 
bewandert  in  allen  Fragen  der  Landesökonomie  zeigen  konnte,  wie  es  bei  ihm 
der  Fall    gewesen  ist. 

Mit  dem  Hinweis  hierauf  möchte  ich  schliesscn  und  die  Lesung  des 
Testamentes  selbst  anheimgeben.  Ich  glaube,  der  Eindruck  davon  wird  bei 
Allen  vorhalten,  dass  hier  ein  bedeutender,  origineller,  wenn  auch  in  man- 
clien  Schwächen  seiner  Zeit  befangener  Geist  zu  uns  spricht,  ein  starker, 
offener  Charakter,  der  getreu  seinem  Wahlspruch:  nee  temere  nee  timide 
festen    männlichen    Schrittes    sein    Ziel     verfolgte,     ein    treuer    Anhänger    des 


69 

luthorisohen  rflaubons,  kein  grosser  Pulitikcr,  über  ein  wuriucr  deutscher  l\uriüC 
und  ein  wahrer  Vater  seines  engereu  Jlcuinatlandes,  gescluiffen  für  den  stillen 
Wirkungskreis  eines  deutschen  KlcMn-Fürstcui  des   siebzehnten  -lahrlnindcrts. 


Additamentum  ad   primam  partem.") 

[F/l'ichtcn  derer,  die  fjeistliche  Stellen  zu  besetzen  hahen^ 
Demnach  auch  verschiedene  Stifter  coUaturen  inn  dem  unserigen  hei- 
bracht,  kann  mann  denselben  nichts  benommen,  ist  al)i'r  iim  acht  zu  nemmen. 
das  s(dbige  nicht  zu  weit  extendirt  werden,  sundern  bey  dem  herkommen  ge- 
lassen werde,  sonderlich  das  sie  sich  nicht  arrogiren  einig(^  zu  ubtrudiren,  die 
entweder  in  doctrina  oder  vita  oder  gar  inn  der  Jleligion  nicht  richtig  seyen; 
ist  ihnen  auch  die  examiuatio  deren,  so  sie  präsentiren,  keineswegs  zu  ge- 
statten, sondern  dahin  zu  sehen,  das  tüchtige  personen  ihnen  recon)mendirt. 
die,  so  erst  zu  den  collatorn  lauffen,  nicht  acceptirt,  sondern  als  untüchtig 
verworfen  undt  das  herkommen  wohl  inn  acht  g(!nommen  werde.  Wo  die 
collatores  als  decimatores  oder  nach  dem  herkommen  der  kirchen,  pfarr,  schul 
oder  andere  häuser  zu  bawen  schuldig,  scindt  dieselbe  zeitlieh  darzu  zu  erinnern 
undt  auf  saumnus  oder  verwegeruugs  fall  ihre  zehenden  oder  gefäll  so  laug 
zurück  zu  halten,  biss  die  bäw  gefülnt  undt  inn  gehörigen  standt  ge- 
setzet worden,  darbey  aber  sich  zu  hütten,  das  kein  übermaass  oder  betrug 
vorgehe. 

[Instandhaltung  der  Kirchen  und  Kirchengebäude.] 
Inns  gemein  sollen  Obrigkeitten,  Superattendenten  undt  beampten  obsicht 
haben,  das  alle  kirchen  undt  darzu  gehörige  gebäw  in  guttem  esse  erhalten, 
mit  dach  undt  fach  wohl  verwahrt  bleiben,  welche  abgangen  wiederumb  gebauet 
und  Gott  zu  ehren,  so  viel  sein  kann,  verbessert  werden;  wo  die  gefäll  nicht 
zu  langen,  hatt  die  Oberkeit  nach  vermögen  darzu  zu  helfen,  auch  die  under- 
thanen  zur  beystewer  zu  erinneren  undt  anzuhalten. 

[Fßege  der  Musilx.'] 
Es  ist  auch  die  hcylige  schrift  voll  befehl  Gottes  undt  exempel.  das 
mann  Gott  mitt  der  musica  loben  undt  preysen  solle,  welchem  auch  billig  zu 
gehorsamen,  wo  sichs  thun  lasset,  music  anzustellen;  zieret  auch  sonderlich 
fürnemme  residentzen  undt  örter,  da  viel  leut  hinkommen;  derohalbeu  htblich. 
wo  mann  selbe  anrichtet,  welches  geschehen  kann,  wann  ein  herr  wohlbestelte 
schulen  anrichtet  und  gutte  nmsicos  zu  präceptorn  haben  kann :  darneben  under 
den  cantzelisten,  Cammerdieneru  undt  anderen  bedienten  musicos  zu  haben  sich 
befleissiget;  hatt  mann  die  mittel  undt  gelegenheit  ein  mehreres  zu  thun.  ist 
es  ein  werck,  das  zu  Gottes  ehr  nicht  aus  der  acht  zu  lassen,  ist  weit  besser 
angewendt,  als  an  spielen,  sauffeu,  jagen,  comödien,  kleider  praclit  undt  andere 
Üppigkeiten. 

'*)  Das  Manuskript  ist,  da  es  ganz  eigonhändig  ist,  wörtlich  wiudergcgcJicu. 


70 

Ander  theil.   vom   weltlichen   Regiment. 

[Towj  Gottes-Gnadeniiim  und  der  Yerantirortung  des  Regenten  und  der  Regierten 

gegen   Gott.'] 

Es  harr  der  Allinäclitigo  Schöpfer  uiidr  HeiTsoher  Himmels  uiidt  der  erden 
uinb  desto  richriger  bestellung  seines  dienst  undt  mehrerer  Ordnung  Avillen  under 
den  menschen  etzliche  zu  Regenten,  etzliche  zu  dieijern  undt  underthanen 
verorduer.  undr  jedwederem  sein  taleutum  geben,  seinen  dienst  zu  versehen, 
allesambr  aber  niclu  zu  herrn,  sondern  alle  zu  seines  Reichs  amj)tleuten  über 
die  geringere  verordnet,  AVer  nun  ein  ampt  hatt,  der  warte  des  ampts  trewlich 
undt  bilde  sich  nichr  ein.  das  er  Herr  seye,  sondern  ein  Knecht  Gottes,  der 
ilime  ein  irewisses  stück  landes  zu  verwalten  anvertrawet  hatt:  Davon  "will  der 
erbherr  aller  heyden  rechenschaft  von  iedwederm,  wie  er  haus  gehalten,  fordern, 
undr  ist  keiner  so  gross  undt  inn  hohen  eheren,  das  er  sich  des  befehls :  Redde 
rationem  villicationis  tuae,  entschütten  könne,  sondern  welchem  viel  befohlen 
ist.  von  dem  wirdt  mann  viel  fordern,  et  potentes  potenter  punientur.  Dann 
bey  Gott  ist  kein  ansehen  der  person,  undt  müssen  wissen,  das  Gott  mitt  ist 
imm  gericht.  undt  das  gericht  ampt  ist  Gottes,  undt  so  wenig  als  ein  beampter 
sagen  kann,  das  seines  herren  underthanen  sein  seyen,  so  wenig  kann  es 
ein  herr  sagen;  dann  Gott  hatt  die  landt  undt  loute  geschaffen  undt  selbiger 
regierung  Kaysern,  Königen,  Fürsten,  Graffen,  Herrn  undt  Obrigkeiten  nach 
seinem  befehl  zu  regieren  auf  ein  Zeitlang  anvertrawet,  welches  sie  auch  fleissig 
undr  rrewlich  zu  verrichten  schuldig  scindt  undt  für  Gott  als  dem  rechten  herrn 
verantworten  müssen,  undt  (wie  es  leider  nur  zuviel  gcschichet)  sich  nicht  ein- 
bilden, das  Gott  die  landen  ihnen  zu  ihrer  kurtzweil,  pracht  undt  hoheit  gegeben, 
sondern  das  sie  die  underthanen  richten  sollen  mitt  rechtem  gericht,  undt  nicht 
ihre,  sondern  Gottes  ehre  zu  befürdern  suchen  sollen,  undt  sich  nicht  einbilden, 
wann  sie  diener  halten  undt  die  ämpter  bestellen,  das  sie  gnug  gethan  haben 
undr  ihres  lustes  abwarten  mögen,  sondern  wissen,  das,  wann  sie  nicht  fleissige 
aufsieht  haben,  die  diener  zwar  ihre  straf  werden  empfahen,  die  herren  aber 
die  grösste  Verantwortung  undt  straf  zu  gewarten  haben  werden.  Die  herren 
seindt  zwar  nicht  hertzenkündiger  (dann  das  hatt  Gott  seiner  allwissenheit  vor- 
behalten), aber  sie  sollen  es  machen  wie  Hiob  undt,  was  sie  nicht  wissen, 
erforschen. 

[Vom  guten  Beispiel  des  Herrschers^ 
Das  erste,  so  sie  inn  acht  zu  nemmcn  haben,  ist  das  sie  ihren 
underthanen  mitt  guttem  exempel  vorgehen  undt  nicht  ärgern,  nam  Regis  ad 
exemiihuri  rcttus  componitur  orbis.  undt  bedenken  was  jener  sagt,  omne  aninii 
Vitium  tain  cons])ectius  in  se  crimen  habet,  quanto  major  (jui  peccat  habetur, 
undt  s(dches  uiiib  so  viel  mehr,  das  der  Jlerr  Christus  das  wehe  über  die 
schreyet,  so  die  geringen  ärgeren,  undt  ein  Regent  nicht  mitt  guttem  gewissen 
dasjenige  an  anderen    straffen  kann,    darinn'")    er    selbstcn'®)    sündiget.     Ist  er 


'^)  Durchstriclieii :  das 

""')  Durchstrichen :   selbigr-r. 


71 

ungorocht,  w'w,  kann  er  die  unyerecJitigkcit  sriaffeii.  nimbt  er  geschenck  undt 
beuget  das  recht,  wie  kann  er  einen  beunipten  richten,  der  dergleichen  thut- 
ist  er  blutdürstig,  wie  kann  er  über  niordt  urtheilen.  dergleichen  mit  ehbruch, 
hurerey,  sauff'en,  fluchen  undt  allen  lästern;  höret  er  gerne  verleunibter,  so  sindt 
alle  seine  diener  gottloss'') ;  ist  er  stoltz,  so  wolhms  diener  undt  underthanen 
nach  thun. 

[Erster  Unterricht  eines  junr/en  Prinzen.  Vermeidimg  der  Schul  fuchser  ei. \ 
Das  aber  ein  lierr  sich  für  bösem  liiitte  undt  zum  gutten  desto  geschickter 
seye,  erfordert  die  notthurft.  das  er  wohl  erzogen  werde,  daran  die  älteren 
ihren  grössten  fleiss  wendi'U  sollen:  undt  zwar  ei-stlich  ist  vounöhten,  das,  so 
baldt  sie  reden  kimnen,  sie  fleissig  zum  gebet  undt  furcht  Gottes  angehalten 
werden,  damit  gleichsamb  mitt  der  nuittermilch  sie  die  Gottesfurcht  einsaugen. 
Wann  sie  gegen  sechs  oder  höchstens  sieben  Jahr  kommen,  müssen  ihnen 
praeccptores  gegeben  werden,  undt  zwar  anfangs  Tlieologi,  darmitt  sie  für 
allen  dingen  neben  litoris  humanioribus  Tlieologiam  also  fassen,  das  sie  wissen, 
wie  sie  Gott  dienen  undt  dem  AVidersprechern  das  maul  stopfen  sollcm,  sonder- 
lich") die  Bibel  aufs  fleissigst  lesen  undt  ihr  gantzes  leben  darnach  richten. 
Der  Apostel  Paulus  weiset  deren  nutzen,  undt  findet  sich  derselbe  täglich,  dann 
es  ist  das  einige  perfectes  buch,  daraus  iodermanu  inn  seinem  gantzen  leben 
sein  thun  und  lassen  gegen  Gott  undt  seinen  nechsten  richten  soll  undt  kann. 
Tun  literis  humanioribus  muss  mann  nicht  mitt  einen  jungen  herrn,  wie  mitt 
gemeinen  Kindern  verfahren,  dann  die  schulfuchserey  ihnen  nichts  nutz,  sondern 
es  ist  aller  fleiss  anzuwenden,  wie  sie  die  Grammaticam,  Ilhctoricam,  J)ia- 
lecticam  undt  latein  mehr  durch  usum  hey  lesung  der  historien  undt  Übung  der 
theologischen  information  erlernen,  als  lang  vergeblich  aufgehalten  werden; 
dann  sie  künftig  keine  Schulmeister,  die  kinder  lehren,  sondern  Kcgenteu  werden 
sollen ;  was  wirdt  ihnen  alsdann  logica,  Metaphisica,  Poesis,  Astrologia,  Physica 
undt  dergleichen  nutzen;  das  sie  inn  Rhetorica,  Oratoria  und  Logica  eine 
Cognition  haben,  ist  gut,  seindt  aber  darmitt  nicht  aufzuhalten  undt  allso,  das 
sie  nicht  besseres  versäumen. 

[Ein  Edelmann  als  Hofmeister.] 

Wann  sie  umb  die  zwölf  jähr  kommen,  hatt  mann  sich  umb  einen  edel- 
numn  umb  zu  sehen,  der  gottesfürchtig,  gelehrt,  nicht  stoltz  noch  morosus 
seye,  undt  albereits  inn  reisen  undt  sonston  etwas  erfahren  habe,  welcher  als 
hofmeister  einen  jungen  herrn  in  acht  nemmen,  seine  studia  undt  cxercitia 
anordnen,  auf  Praeccptores  undt  gesindt  acht  haben  könne,  das  ein  icder  sein 
ampt  fleissig  undt  trewlich  verrichte,  das  den  jungen  herren''')  die  Lieb  zu  den 
studiis  vermcliret  undt  durch  praeceptores  oder  gesindt  nicht  geärgert  werden. 
Deswegen  der  hofmeister  fleissige  aufsieht  zu  haben,  das  keine  lasterhafte  leut 
einem   jungen  Herrn  gegeben,    auch    sonsten    von    verführerischen    ärgerlichen 


"J  üurchstrichen:  undt  allso  von  allen  Untugenden. 
'")  Durchstrichen:   inn  ihrem  gantzen  Leben. 
*^)  Durclistricbcn:  ihnen. 


12 


Ic'urten  abgehalten  werde:  uudr  seiiulr  studia  undt  exercitia  allso  anzuordnen,  das 
keines  das  andere  liindern.  s^imderu  beides  befördert  werde;  superflua  undt 
pedautereyen  seindt  zu  meiden,  die"")  nicht  gar  nötige  scientiae  seindt  allso  zu 
tractiren,   das  gnug  seye,   wann  man  etwas  darvon  reden  könne. ^') 

[  Wissenschaftliche  Unterrichtsfächer.'] 
Inn  sprachen  sollen  neben  der  lateinischen  erst  die  Frantzösisehe,  hernach 
die  Italienisch  undt.  wo  es  sein  kann,  die  hispanische  erlernet  werden,  als 
welche  der  Situation  unserer  Landen  halben  die  gebräuchlichste.  Das  Studium 
historicum  ist  sehr  nöttig  undt  weiln  es  annehmblich,  kann  es  desto  leichter 
beygebracht  werden.  AVaun  der  Verstandt  so  weit  gewachsen,  das  das  Judicium 
sich  mehret,  hatt  man  politicam  undt  jurisprudentiam  allso  fürzuncmmen,  das 
obsoleta  die  uohtwendige  nicht  aufhalten.  Die  arithmeticam,  Georaetriam  undt 
Architecturam,  darzu  Mechanica  gehört,  seindt  einem  herrn  nöttig  undt  sehr 
nützlich,  wie  ich  in  praxi  erfahren  undt  grosse  summen  geldes  mitt  ersparet. 
Der  die  Wissenschaft  nicht  hatt,  wirdt  betrogen,  gibt  viel  geldts  für  böse 
arbeit.  Musiea  und  Pictura  schaden  einem  herrn  nicht,  recreircn  undt  schärfen 
die  ingenia. 

[Pflege  körperlicher  Erholungen.     Einwirkung   auf  den  CharaJder.     Beachtung 

der  Individualität.'] 

Ehrliche  recreationes  soll  manu  jungen  herrn  nicht  weren,  als  jagen, 
ballenspielen  undt  dergleichen;  reiten,  fechten  undt  tantzen  seindt  nötig.  Das 
letzte  zwar  am  meisten  die  gebärden  zu  formiren.  Sauffen,  hoch  spielen  undt 
alle  ü}tpigkeitten  undt  die  occasionen  zu  selbigen  undt  böse  anreitzende  gesel- 
schaften  seindt  aufs  fleissigst  zu  verhütten  undt  meiden.  Undt  da  andere  junge 
herren  sich  prostituiren,  selbiger  exempel  zur  abschew  vorzustellen;  undt  da  sich 
solche  Verführer  finden,  ihre  junge  herrn  ohne  respect  undt  forcht  für  Ungunst 
von  selbigen  abhalten,  hingegen  alle  gelegenheit  suchen  selbige  zu  Gottes- 
fürchtigen,  erfahrenen,  gelahrten  leutteu  in  conversation  zu  bringen.  Wann 
ein  junger  herr  bissweiln  curios  ist,  undt  auch  wohl  impertinente  fragen  thut, 
muss  er  nicht  darumb  gestraft,  sondern  vielmehr  seine  curiosität  gelobet  undt, 
was  gefehlet,  durch  bessere  Information  cultivirt  werden;  dann  Avir  seindt  keine 
meister  gebohren.  Was  nicht  schadet,  kann  mann  mitt  sitsamkeit  verbessern, 
böses  aber  mitt  gütte  undt,  da  es  nicht  helfen  will,  mitt  moderirter')  straf 
corrigiren.  Doch  soll  einem  jungen  praeceptori  nicht  gestatt  werden,  solche 
]>ropria  authoritate  vorzunemmen,  sondern  auf  befehl  des  herrn  oder  Käht ;  dann 
ich  hab  gefunden,  das  es  under  den  praeceptoribus  flegel  gibt,  die  da  meinen, 
sie  haben  sich  ein  sonders  lob  acquirirt,  wann  sie  bestialisch  mitt  jungen  herrn 
umbgangen,  ich  schreibe  aus  eigner  erfahrung.  Die  Gemühter  seindt  undcr- 
schiedtlich.   darumb  müssen  auch  hofmeister  undt  praeceptores  sich  nach  selbiger 

*")  Durchstrichen:  metaphysia,  astrologia,  poesis  undt  dergleichen  können  allso  super- 
fifialiter  vorgenommen  worden. 

*' I  Durchstrichen:  keineswegs  aber  sich  darinn  aufhalte. 
*''j  Correction. 


73 

richten  undt,  wh  jedes  ingeuiuiu  beschaffen,  darnach  niitt  ihme  verfahren ; 
nicht  wie  inn  trivial  schulen,  da  wegen  Vielheit  der  schüler  mann  keinem  ein 
eigene  wurst  zu  braten  pflegt.  Ein  junger  herr  ist  ein  einiges  objectum,  nach 
welchem  mann  sich  richten  undt  nach  undt  zugeben  kann;  wie  bauren 
kinder  lassen  sie  sich  nicht  tractiren;  dann  entweder  werden  sie  halsstarrig 
oder  verzagt;  deren  keines  einem  herrn  wolil  anstehet;  von  ehrlichen  gesei- 
schaften  müssen  sie  nicht  abgehalten  werden,  cordat  aber  nicht  muhtwillig  sein. 

[Warmnig  vor  Beisen  ins  Ausland  in  ni  früher  Jugend.] 
Es  haben  die  alt(^  Teutschen  sich  des  reisen  inn  frembte  landen  enthalten 
undt  haben    sich   rcdligkeit    und  erbarkeit  beflissen,    vor  den  frembten    lästern 
undt  unrcdligkeit  ein  abschew  getragen.    Als  der  könig  inn  Frankreich  Carolus 
Nonus  kaysers  Maximiliani  secundi  Tochter")  heurahtet,    ist  ein  Churfürst  von 
Mayntz  undt  Marggraf    zu  Baden    mitgeben  worden,    die    königliche    braut  zu 
überlieff'ern.     Dazumahlu    ist    die  Frantzösische    sprach    inn  Teutschlandt  nicht 
so  gemein  gewesen,    das  der  Tollmetsch    den  nebel,    so  beym  einzug  gewesen, 
nicht  auf  Frautzösisch  nennen  können,    sondern  den  könig  ans  Fenster  geführt 
undt  gewiesen,   das  es  der  nebel,   so  dazumahln  auch  war,  verhindert,   das  mann 
die  pomposität  nicht  recht  sehen  können;   wolte  Gott,   es  were  noch  allso:  ich 
hab  inn  meiner  jugeudt  mich  nicht  wenig  bekümmert,   das  ich  nicht  auch,  gleich 
meinen    altern  Brüdern    undt    anderen    jungen    heim,    inn    Franckreich    reisen 
dürfen,    dancke    aber  Gott,    das    die  zeitten    es  nicht    zugelassen.     Was  tügen 
jungen  herrn  solche  reisen?  mann  schickt  ein  gans  über  meer,   undt  kombt  ein 
gans  wieder  her.    Junge  herrn  von  dreyzehen,   vierzehen  jähren  müssen  reisen, 
auch  wohl  jüngere,  was  lernen  sie?  ein  krumb  füsgen  machen,   ein  wenig  base 
les  manes  (sagt  Dr.   Johann  Schmidt'*),    praeses  im   consistorio    zu  Strassburg, 
in    einer  predigt)    undt    bringen    heraus  ein  wagen    voll  laster  undt  ein  leicht- 
fertig pahr  hosen;  undt  lasset  so  viel  geldt  darinn  umb  so  bösser  wahren,   das 
die  nachkommende    daran    zu    zahlen    haben.     Ist    inn  Wahrheit    nicht  anders. 
Darbey  gibt  mann  ihnen  manchmahln    esel  zu,    die  hofmeister  heissen,    welche 
den  lästern  nachhängen,   auch  die  herren  darzu  verführen ;  wann  es  hoch  kombt, 
so  lernen  sie  ein  wenig  tantzen,   ein  pferdt,   das  die  schule  besser  verstehet,   als 
der    reuter,    reuten,    einen    wunderlich    gebogenen    leib    zum    fechten  machen, 
papier  mit  grundrissen  zu  festungen  verderben  undt  dergleichen.    Am  wenigsten 
kommen  sie  in  conversation  mit  gelahrten  oder  Staatsleuten,    das  gutte,   so  sie 
lernen  selten,    bleibt  zurück,    das    schlimste    undt  die  laster  lernen  sie:    mann 
führet    sie  viel  meilen    ein  gebäw    oder  rarität    zu  sehen,    dergleichen    sie  inn 
ihrem  vatterlandt  besser  sehen  könten ;  was  hilft  es  sie,  wann  sie  drey  brücken 
über  einander  sehen,   wann  sie  einen  brunnen  sehen,   der  kalt  ist  und  brent  und 
anzündet?    Können    sie    darmitt    landt  undt  leut  regieren?    oder  wann    sie  ein 
hübsches  Gebäw,  schöne  gärten  undt  dergleichen  sehen,  wiewohln,  wann  es  mitt 

")  Elisabeth.   Die  Hochzeit  fand  am  26.  ^'ovembcr  1570  zu  Mczieres  statt. 

"')  Hervorragender  Theolog  aus  der  alten  Wittenberger  Schule  in  Strassburg.  Ver?l. 
Tholuck,  Das  kirchliche  Leben  des  17.  Jahrhunderts,  S.  42,  216  u.  a.  a.  Stellen.  Tholuck, 
Lebenszeugen  der  lutherischen  Kirche,  S.  217  S. 


verstandt  gt-seht-n  winlr.  i->  uocli  soinon  nurzi'u  halieu  kauii.  luelir  als  obiges: 
kann  aber  ein  kindt  von  vierzehen  uudr  weniger  jähren  den  nutzen  finden? 
Kummen  sie  zurück,  was  Laben  sie  mehr,  als  das  sie  sich  mehr  einbilden,  bey 
verständigen  aber  verlacht  werden. 

[Xtitzen   der  Heisen  für  das    reifere  JüntjUnysalter.     Ohachf  vor  religiösen  Be- 
lehnmgsrersuehcn,   Gottlosigkeit  und  Lasterti.] 

Wann  herren  reisen,    so  verachte  ich  es    nicht,    aber    kiuderreisen    sindt 
schädlich:  herren  können  reisen,  das  ist  wann  sie  die  kindersehueh  vertretten, 
undt    die  tohrheit  der  .Jugendt  vorüber  ist.    wann   sie  die  Theologie  verstehen, 
ihr  gewissen  inn  acht  zu  nemmen  wissen,   wann  sie  eapable  seindt  mitt  staats- 
leuten  umbzugeheu.    wann    sie  den  verstandt  haben    ein  luudt    /u    considerirn, 
wie  es  beschaffen,   wie  es  regieret  würdt,    was  für  maximes  d'estat  sie  haben, 
obs  vost    oder  nicht,    was    für  vestungen  undt  päss  darin    seindt.    ob  sie  unns 
schaden  oder  nutzen  können,  wie  sie  unnserer  nation  holdt  oder  nicht,  was  sie  ver- 
mögen, wie  sich  ihrer  aufn  nohtfall  zu  erwehren  oder  ihnen  beyzukommen  oder  wie 
sie  deren  aufn  nohtfall  zu  gebrauchen,  darzu  die  jähr  undter  etzlich  undt  zwantzig 
undüchtig  seindt ;  wie  oben  gedacht  hab  ich  keine  solche  reisen  gethan,  sondern  binn 
allein  inn  wichtigen  geschaffen  oder  kriegs-expeditionen  gereiset.    Es  haben  meine 
brüder  Tonnen'')  golds  auf  ihrer  reisen  geeostet,   ich  hab  nicht  einen  heller  ange- 
wendet,  hab  doch  alle  exercitia  zu  Saarbrücken  besser  gelernt,  als  sie  inn  Franck- 
reieh,  binn  auch  (ohn  unzimblichen  rhum  zu  melden)  in  toga  et  saga  höher  kommen 
als  sie  undt  viel  andere :  Gott  hatt  mich  geleitet,  das  ich  nicht  allein  die  mauren  undt 
eusserliche    gebaw    gesehen,    sondern  den  staht  erforschet,    undt  mitt  den  vor- 
nembsten  miuistris  umbgangen  binn.    Es  taug  kein  baw,   der  nitt  guttes  funda- 
ment  hatt,    so  taug  kein  reisen,    da  nicht    zuvor  der  eckstein  Pietas    undt  das 
fundament    Prudentia    ist;    mann    suche    sie    bey    einem    kindt;    ist    aber    das 
fundament  nicht  gutt,    so  fält  der  baw  durch  die  windt  undt  wassorflutten  der 
Verführung  zu  gottlosigkeir  undr  lästern,   undt  wirdt  mann  von  ausländem  ver- 
laclit,   wann  mann  ihnen  viel  geldt  bringt    undt  narrheit    undt  ihre  laster  heim 
bringet.     Derohalbcn  ist    am  besten,   Gott    undt  ehrlichen  verständigen    leutten 
gefälliger,   das  mann  erst  das  zu  haus  lernet,   was  gutt  ist.   undt  hernach,   wann 
das  gewissen  undt    verstandt  starck  seindt.    frembte  lande  durchwandert,    undt 
was  gutt  oder  böse  darinnen  siehet,    sich  der  töhrichten   undt  gottlosen  sachen 
entschlägt,    undt  das  gutte    sich    zu  nutz  machet.     Es  ist    nicht    zu  verneinen, 
das  es  under  den  jtalian(!rn  undt  Frantzosen,  auch  anderen  natiouen  kluge  Icutt 
gibt,   wann    mann    den    atheisnuim    undt  laster  darvon  scheidet,   welches  einer, 
der  mitt  verstandt  reiset,   tliun  kann :  kombt  mann  inns  reisen,   soll  mann  sich 
hütten.    das    mann    nicht    an    solclie    ort    komme,    da    mann  die  knie  für  Baal 
beugen   müsse;,   das   ist  heuchelcn,   umb  eines  beinleins  willen,   so  mann  mehren- 
theils    nicht    weiss,    von    wem  es  ist;    wann  ihme  zu  ehren  etwa  eine  hübsche 
kircli  g(!bawet    oder  mit    goldr.    silber    undt  cdelgcsteinen    geziehret  ist,    reiset 
mann  viel  meilen,    muss    heuchlen,    darmitt  Gott  erzörnen    undt    sein  gewissen 


"j  Durchstriclieti   vor  Tonnen:  viel. 


75 

bcschwohren;  dafür  hatt  jiiicli  Gott  boliüt,  icli  l)iim  b(^y  Kaysoru  undt  Königen 
gewesen,  hab  nie  geheuchelt,  lieber  mich  der  örter  eutschlagen,  da  mann  ohu- 
geheuchelt  ohne  gefahr  nicht  sein  kann ;  an  den  orten,  dahin  mann  reiset,  die 
t'römbter  rcligion  seindt,  muss  mann  an  den  Apostel  Paulum  denckeu,  der  sagt: 
warumb  richtestu  einen  f'rembten  knc^cht,  er  stehet  oder  fält  seinem  Herrn, 
undt  weiln  junge  hcrrn  keine  vocation  habcm  andern  zu  informiren  und  ihnen 
nicht  gesagt  ist:  gehet  hin  inn  alle  weit  undt  lehret  alle  Völker,  so  warten  sie 
ihres  thuns,  sehen  was  zu  sehen  ist,  halten  politische  freuudtschaft  mitt  recht- 
schaffenen leutten,  undt  lusscni  das  lehren  undt  dis[)Utir(!n  denctn,  deren  ampt 
uiult  beruf  es  mitt  sich  bringet.  Es  sollen  sich  die  jiingi;  herren  imin  reisen 
nicht  lang  aufhalten,  weniger  umb  Fastnachtspiel,  Comoedien  undt  derghäclicn 
viel  geldt  verzehren,  was  hatt  mann  darvon?  selten  mit  Socrato  sagen:  Tanti 
poeuitere  non  emo.  Mann  kann  ja  inn  lesung  der  historien,  so  solche  Comoedianten 
repräsentircn,  mehr  nutzen  mitt  weniger  costen  haben,  was  ist  es,  wann  es 
ausgemacht  ist?  ein  gauckelspiel,  wer  es  ein  pahr  mahl  gesehen,  wundert  sich 
der  torheit;  wann  er  witzig  ist,  das  mann  so  grossen  costen  anwendet  umb 
eine  sach,  die  wie  ein  gespenst  verschwindet,  ohne  einigen  künftigenn  nutzen. 
Ja  mann  muss  noch  umb  solcher  torheit  willen  das  leben  wagen,  undt  bey 
nacht  mit  höchster  gefahr  darzu  undt  darvon  kommen,  der  anreitzungen  zu 
lästern  zu  geschweigen. 

[Richtiger  TaJct  eines  regierenden  Herrn.'] 

Kombt  ein  herr  inn  die  regierung,  jnuss  er  nicht  denckeu,  das  er  ein 
gewaltiger  herr  seye,  sondern,  wie  oben  gedacht,  ein  diener  Gottes ;  desw'egen 
sich  als  ein  diener  undt  knecht  halten,  gegen  seine  mittknecht  nicht  stoltz 
sein,  sondern  je  höher  er  ist,  je  mehr  er  sich  soll  demütig(!n,  nicht,  wie  wohl 
ctzliche  thun,  mitt  liederlichen  leutten  sauffen,  spielen,  undt  dergleichen;  dann 
dardurch  macht  mann  sich  veracht  undt  lernet  nichts  als  böses,  sondern  also, 
(his  er  mitt  ehrlichen  leutten  freundlich  umbgehe,  geringere  nicht  verachte, 
iedwederen  nach  seinem  standt  ehre,  die  ehr,  so  ihm  Gott  geben,  inn  acht 
nemme,  sich  nicht  underdrücken  lasse,  seinen  stand,  als  welcher  ihme  von  Gott 
geben,  nicht  verachten  lasse,  seinen  rang  so  ihme  gebührt,  sonderlich  bey  lleichs- 
oder  Creystagen  oder  hohen  orten,  nicht  nemmen  lasse,  sich  aber  auch  nicht 
über  standt  undt  gebür  erhebe,  mitt  geringeren  mitt  moderation  familiär,  aber 
nicht  gemein  seye,  höhere  allso  ehre,   das  er  nicht  dardurch  veracht  werde. 

[  Warnung  vor  übermässigem  Luxus,    Künstlerische  Ausschmücl'ung  von  Schloss 

und  Kirche.] 

¥a'  nuiss  auch  die  einbildung  nicht  haben,  das  grosse  übermässige  hofstatt. 
pracht  in  kleidcrn  undt  livreen  undt  was  dergleichen,  eines  Fürsten,  Gräften 
oder  herrn  gröste  ehr  seye,  der  gemeine  unverständige  pöfel  möclite  darnach 
sehen,  wie  eine  kuh  nach  einem  neuen  scheunethor,  verständige  würden  dar- 
gegen  sagen,  der  herr  trägt  herrschaften  undt  ämpter  an  den  hosen.  Ehrliche 
kleidung  an  herrn  undt  gesindt  seindt  keine  frembte  kleider.  sondern  Gott  hatt 
nicht  verbotten    sich  standt  gemäss  /u  kleiden,    aber  daniitr  prangen,    were  so 


76 

rühmlich,  als  wann  eiu  dii'b")  eiu  sträng  am  hals  tragen  müssto  undt  wolte 
daruiitt  prangen:  die  kleider  seindt  nichts  als  eine  decke  der  schaudt  undt 
straf  der  sünden;  allso  Nverden  sie  abusive  für  pracht  gebrauchet,  da  mann 
sich  billig  der  sünde  unserer  ersten  altern  erinnern  solte;  will  mann  prangen, 
so  prange  ein  herr  mitt  fugenden''")  undt*')  goldt.  silber  undt  dergleichen ;  dann 
dieselbe  ki>nnen  inn  der  noht  den  herrn  retten,  undt  werden  die  motten  nicht 
dieselbe  fressen.  Es  wirdt  hieriiiift  nicht  geohnbilliget  schöne  mobilia  zu 
haben,  können  bissweilen  sowohl  als  goldt  undt  silber  ihren  herrn  retten ;  meine 
geniählde  kosten  mich  nicht  4500  Rth.  :  da  sie  feil  weren,  würden  sie  inn 
wenig  stücken  ihr  geldt  tragen,  ist  aber  ein  schätz,  der  considerable  ist  undt 
tihne  eusserste  not  nicht  anzugreiffen.  Vermehren  ist  erlaubt,  aber  nicht  ver- 
äussern ;  was  ist  ausser  der  grosse  für  ein  uuderschiedt  under  herrn  oder  privat- 
häusern :  wann  des  herrt-n  liaus  von  zierlichen  Sachen  lelier.  das  privathaus  aber 
gezieret  ist.  warbey  kennet  mann  des  herrn  verstandt,  wann  nichts  da  ist,  das 
es  weiset?  Seithcro  ich  erst  den  garten,  hernach  die  kirch,  neben  anderen 
raritäten  gebawet  undt  zu  wegen  gebracht,  kommen  grosse  anzahl  leut  deswegen 
anhero.  da  zuvor  Itzstein  in  obscuro  gelegen.  Solches  aber  nmss  allso  angestelt 
werden,  das  es  die  mittel  nicht  allso  consummire,  das  mann  schulden  darumb 
machen  müsse,  sondern  nach  den  mittein  angefangen  undt  nicht  übereilet  werden. 
Ich  hab  solcher  sachen  halber  keine  schulden  gemacht,  sondern  darbey  viele 
geerbte  getilget,  aber  hiervon  im  dritten  theil  ein  nicheres.  Wollen  nun  an  die 
regierung  selbsten  kommen  undt.   was  ein  Regent  thun  solle,   erwehnen. 

[Kenntnis  des  g'uttlichcn  und  iveltUchcn  Rechts.'] 

Für  allen  dingen  nmss  ein  Obrigkeit  ihr  Aiiipt  verstehen,  welches  fliesset 
aus  den  göttlichen  undt  weltlichen  rechten,  derer  beider  Wissenschaft  ihme  so 
nöttig,  das  er  ohne  dieselbe  nicht  recht  regieren  kann.  Was  Gott  durch  Mosen 
darinn  befohlen,  weiset  sonderlich  das  fünfte  buch;  wie  hoch  Gott  Josua  dessen 
beständige  betrachtung  anbefohlen,  lieset  mann  inn  dem  ersten  capititeP*)  des 
buchs  Josuae;  er  habe  billig  meine  obige  meinung,  das  mann  wisse,  das  die 
herren  Gottes  knecht  undt  amptleut  seindt,  undt  Gott  wegen  ihres  Regiments 
Verantwortung  thun  müssen.  Inn  weltlichen  sachen  nmss  nmn  sich  bey  unns 
der  gemeinen  undt  Reichssatzungen  gemäss  verhalten :  wenn  ein  herr  deren  keine 
Wissenschaft  hatt,  vrirdt  er  seiner  diencr  knecht;  sindt  sie  redlich,  weiss  er  es 
nicht;  seindt  sie  falsch,  muss  er  wie  oben  gedacht  ihre  sünde  verantworten, 
und  weiss  selbsten  nicht,  ob  sie  recht  oder  unrecht  gethan  haben.  Seindt  herren 
durch  fahrlässigkeit  der  eitern  oder  Vormünder  verwahrloset  worden,  warumb 
bestreben  sie  sich  noch  bey  wehrender  regierung  nicht  zu  lernen,  was  sie  ver- 
säumbt  haben?  Zu  lernen  ist  keiner  zu  hoch  oder  alt;  hastu  etwa  dich  verführen 
lassf-n  inn  der  jugendt,  das  du  nicht  hast  wollen  lernen,  so  bessere  Dich  imm 
alter  undt  denckc:  pudor  est  nil  discere  volle;   undt  das  du  must  rechenschaft 

**)  Es  hat  ursprünglich  da  f,^estaii(len :  als  wann  einer  einen  Strang  am  Hals  tragen  müste. 

")  Mitt  tugpnden:  am  Rande. 

'•**)  ,l'ndt"   ist  verVjesBert  aus  „mitt", 

»»}  So! 


77 

geben  alles,  was  du  durch  Unwissenheit  dessen,  so  du  wissen  sollest,  verabsäumet 
oder  ohnrocht  getluin  hast.  Es  hatt  Gott  nicht  allein  Sündt-  sondern  au(;h 
Schulopf'er  angeordnet  für  die  Unwissenheit.  Es  ist  keiner  zu  alt  zu  lernen, 
es  seye  dann,  das  er  für  alter  kindisch  worden ;  hette  ich  keine  gnugsanie 
([ualitätcMi  zur  Regirung  gehabt,  ich  würde  unib  des  gewissens  willen  keine 
regierung  angetretteu  haben,    dann  ich  wüste,    das  das  gcriclitampt  Gottes  ist. 

[Persönliches  Anhören  von  Klagen  der  Untcrthanen.'] 
Das  zweitte,  so  ein  regent  inn  acht  zu  nemnien.  ist,  das  er  die  clagttm 
der  underthanen  höre,  nieniandt,  er  seye  so  gering  als  er  wolle,  verachte, 
sondern  so  ers  begert  selbsten  höre;  kann  er  seine  sach  nicht  förmblich  genug 
forbringen,  denselben  helfe  durch  floissige  nachforschung,  oder  iemandt  un- 
partheisches  selbiges  erkundigen  undt  verfassen  lasse;  es  hatt  nianchniahl  einer 
recht,  wirdt  durch  einen  verschlagenen,  weil  er  sich  nicht  helfen  kann,  \oa'^ 
fortheilet.  Da  soll  die  Obrigkeit  ex  officio  Icut  zu  ordnen,  die  diesen  niangel 
ersetzen,  auch  selbsten  inquiriren,  damit  dem  einfältigen  nicht  zu  kurtz  g(!- 
schehe.  Ich  hab  inn  meiner  langwürigen  regierung  manchem  allso  geholfen, 
dem  sonsten  unrecht  geschehen  were,  undt  haben  iun  solchem  fall  die  subtili- 
tates  juris,  undt  sibi  imputet,  quod  jus  suum  non  melius  dixerit,  für  Gott 
keinen  platz,  sondern  mann  muss  der  justitiae  undt  nicht  fraudi  helfen. 

[Handhabung  strenger  Gerechtigkeit.] 

Es  hatt  sich  eine  Obrigkeit  wohl  zu  hütten,  das  sie  nicht  umb  gunst, 
Ungunst,  geschenck  oder  nutzens  willen  den  gerechten  verdamme  oder  dem 
ungerechten  helfe;  es  ist  Gott  ein  grewel;  er  ist  gerecht,  will  auch  gerechte 
diener  haben;  er  soll  sich  hütten  unrecht  gutt  under  dem  schein  rechtens  an 
sich  zu  bringen  undt  dencken,  wie  es  Ahab  gieng,  als  seine  Isebell  den  ^'aboht 
umb  des  Weinbergs  willen  steinigen  Hesse,  auch  deswegen,  wie  obgedacht, 
iedermann  hören;  dann  auch  viel  exempel  vorhanden,  das  die  diener  umb  ihres 
nutzens  willen  leut  falsch  angeben,  darmitt  sie  zu  den  güttern  kommen  können, 
ihnen  auch  den  weg  zum  horrn  versperren,  das  sie  sich  der  falschen  anclag 
nicht  purgiren  können,  oder  die  herren,  so  gegen  sie  irritircn,  das  sie  sie  nicl.t 
mehr  hören  wollen;  darumb  ist  nöttig,  das  die  herrn  nicht  allein  die  diener, 
sondern  auch  die  Underthanen  gern  hören;  hatt  allso  jene  alte  Frau  König 
Demetrio,  so  sagte,  er  hette  nicht  weil,  sie  zu  hören,  recht  geantwortet :  wenn 
er  nicht  hören  wolte,  solte  er  auch  nicht  König  sein.  Wann  underthanen  wider 
beampten  klagen,  sollen  sie  gehört,  aber  die  Beampten  darumb  nicht  allsobaldr 
verdächtig  gehalten  werden,  biss  die  Sach  erst  recht  erkundigt  undt  die  warheit 
an  tag  gebracht  wirdt,  da  dann  ein  ]l(!gent  sich  nicht  entziehen  soll,  die  sache 
selbsten  zu  erforschen;  dann  leichtglaube  ist  ein  anzeigung  eines  leichten  oder 
unverständigen  gemühts;  undt  wann  mann  nicht  höret,  kann  mann  auch  nichts 
erfahren  noch  wissen,  ob  die  diener  gutt  oder  böse  seyen ;  darzu  seindt  Landt- 
visitationen  gutt,  da  mann  auf  diener  undt  underthanen  leben  undt  thun  iu- 
quiriret,  wie  ich  vor  etzlichen  jähren  gethan  undt  augefangen ;  wie  es  an- 
zustellen,  folget  hernach. 


78 

[nichtige  Abmessung  der  Strafen.'] 

Ein  Regent  muss  ernsthaft  sein,  das  böse  straffen,  das  gutte  befördern; 
wu  keine  straffen  seindt.  wirdt  das  vulk  ruchloss:  wo  mann  des  gutt<>n  nicht 
geneust,  verlischt  die  begierde  zum  gutten;  manu  muss  aber  bey  dem  straffen 
keine  passiones  haben,  das  mann  gerne  ursacli  an  einein  haben  mögte,  sein 
niüthleiu  /u  kühlen:  nicht  zu  tyranuiseh.  wo  es  mit  guttem  gewissen  sein  kann; 
güttig.  lieber  perdunireu  als  straffen,  doch  allso,  das  sich  der  böse  nicht  auf 
seines  herru  güttigkeit  zu  viel  verlasse:  uiidt  liatt  sicli  ein  ßegent  eben  so 
wohl  zu  hütten,  das  er  nicht  so  güttig  seye,  das  er  abschewliche  sündeu,  oder 
die  zu  gemein  werden,  perdouire  als  den  unschuldigen  straffe;  dann  wir  haben 
dessen  kein  erlaubnuss  von  Gott,  sondern  es  ladet  die  Obrigkeit  auf  sich  undt 
deren  landen  die  sündeu,  so  solche  perdouirte  ubelthäter  hernach  begehen,  wie 
Claus  Xarr  weisslich  zu  seinem  herrn  sagte,  als  er  für  einen  edelmann,  so 
zween  andere  ermordet,  hatte.  Der  Churfürst  aber  sagte,  er  müste  ihn  straffen ; 
denn  er  hette  nun  zween  umbracht;  sagte  Claus,  den  ersten  hatt  er  umbracht, 
aber  du  den  anderen;  dann  wann  du  ihn  das  erste  mahl  gestrafft  bettest,  hätte 
er  die  andere  that  nicht  gethau.  Ist  warlich  keine  narren  rede.  Ich  wolte 
nicht  aller  weit  gutt  nemmen,  einen  frcvelichen  mordt  zu  verzeihen  oder  einen 
Zauberer  lauffen  zu  lassen,  welche  alle  mörder  seindt;  dann  Gott  hatt  befohlen, 
das  mann  den  bösen  solle  von  sich  thun;  undt  das  landt  kann  nicht  versöhnet 
werden  über  dem  blut  als  durch  das  blut  dessen,  so  es  vergossen  hatt ;  undt 
ist  dieses  das  erste  gesetz  gleich  nach  der  sündfiuht.  Allso  ist  es  auch  mitt 
anderen  lästern,  wann  sie  zu  gemein  werden,  als  stehlen  kann  ohne  den  sträng 
bestraffet  werden,  wann  es  nicht  zu  gemein  wirdt;  wanu  aber  es  zu  viel  wirdt 
oder  ein  habitus  bey  den  delinqucnten  gefunden  wirdt,  muss  mann  den  galgen 
brauchen,  damitt  andere  es  sehen  undt  sich  förchten :  oder  die  Verantwortung 
fället  auf  den  herrn,  der  nicht  gebührlich  straffet;  dann  er  trägt  das  schwcrdt 
nicht  umsonst,  sondern  die  Obrigkeit  ist  eine  rächerin  zur  straf  über  den,  so 
böses'  thut,  undt  hatt  derselben  Gott  das  schwort  undt  nicht  einen  fuchs- 
schwantz  angehencket.  Doch  muss  mann  die  umbstände  recht  betrachten,  wie 
in  criminalibus  die  peinliche  halsgerichtsorduung  Kayser  Carbi  Y.  darinn 
stattliche  anleitung,   ziel  undt  mass  gibt. 

iroiiur.] 
Es  hütte  sich  ein  Regent,  das  er  sich  nicht  zu  streng. zu  vorfahren  ver- 
führen lasse,  sonderlich  um  erkennung  und  gebraucli  der  tortur:  dann  selbe 
manchmahlen  unschuldig  blut  auf  das  landt  bringen  kann,  wie  ich  deren 
exempel  mehr  als  eines  erlebet,  so  ich  umb  der  Richter  elir  willen  nicht 
nennen  will,  doch  ein  pahr  gedenken.  Es  trug  sich  einmahl  zu,  das  zwo  hexen 
zum  fewer  g(!führet  worden;  eine  ehrliche  Fraw,  die  sie  siebet  ausführen,  daucket 
Gott,  das  mann  solche  böse  leut,  so  gemacht,  das  mann  weder  kinder  noch 
vieh  erhalten  können,  einmahl  abschaffe ;  dieses  nemmen  die  böse  leut  inn  acht, 
undt  durcli  hülf  des  Teuffels  borahten  sie  sich,  di(;ses  mensch  umb  das  leben 
zu  bring(.-ii.  Als  die  execution  geschehen  soll,  geben  sie  vor.  betten  noch  etwas 
auf  dem  gewissen,    mann  solte  sie   imch  einmahl  hören,    geben  die  unschuldige 


79 

Fraw  au,  als  die  ärgste;  die  unvorsichtige  Obrigkeit  gibt  ihneu  gehör;  zieliet 
sie  ein,  torquirt  sie  ohngewöhnlich ;  durcli  die  grosse  niarter  bekennet  sie,  dessen 
sie  unschuhlig  war;  als  sie  hinausgefülu-t  wardt,  begeren  die  hexen,  das  sie 
als  die  ärgste  am  ersten  m()gte  verbrant  \v(!rden ;  als  es  geschehen,  bekennen 
sie,  das  sie  unschuldig  angeben  worden,  weiln  sie  ihnen  ihr  billiges  urtheil  so 
wohl  gegönuet  hette.  Ist  der  Oberk«nt  nicht  wohl  bekonnueu,  uudt  würde 
ärger  worden  sein,  wenn  nicht  hiUierc  intercession  es  verhütet  hätte.  Es  wurde 
ein  Cavallier  schelniisch  ermordet;  seiu  verwanter,  iiiii  dessfui  liaus  sein  degen, 
escharpe  undt  sporen  gefunden,  wurde  torquirt,  das  er  die  nicht  begangene  that 
bekennete ;  were  auch  gerichtet  worden,  wann  nicht  eben  der  thäter  d(ui  mordt 
bekant,  und  diesen  post  acceptam  ignominiam  dardurch  liberiret  hette;  ich 
habe  diese  Umt  gekaut;  derohalben  grosse  Vorsichtigkeit  darinn  vonnölitcn, 
welche  obgedachte  P.    11.   G.   O.   vorstelt. 

{Hexenprosesse.     1.   Untersuchung.^ 

Sonderlich  in  zauberey  processen  hatt  mann  sich  vorzusehen,  dann  allda 
der  l\mtfel  doppelt  geschäftig,  die  schuldige  darvon  zu  bringen  uudt  unschuldige 
inn  Unglück  zu  setzen^  sonderlich  aber  den  von  Gott  befoldenen  })rocess  zu 
stecken.  Es  gibt  die  P.  H.  0.  an  die  handt,  wie  darinnen  zu  verfahren, 
weiset  aber  vielfaltig  auf  die  obere  Obrigkeit,  weiln  es  mehrentheils  auf  die 
Untergericht  gerichtet,  als  schöpfenstühl ;  dahero  sie  augewiesen  werden  bey  der 
Regierung  sich  anzumelden,  wo  sie  sicli  uicht  selbst  gnugsam  linden  können. 
Ist  derowegen  nöttig,  das  die  Obrigkeit  selbsten,  wann  sie  solche  maleficanten 
einziehen  will,  zuforderst  sehe,  ob  auch  guugsame  iudicia  ad  capturam  vor- 
handen, da  dann  der  leumuht,  art  und  leben  wohl  zu  examiniren,  ob  verdacht 
mitt  bestaudt  auf  die  person  könne  fallen ;  die  indicia  seindt  zweyerlei,  als 
denuuciationes  redlicher  oder  böser  leut;  die  erste  seindt  wohl  zu  examiniren, 
ob  sie  relevant  in  circumstantiis,  ponderos  oder  nicht,  ob  etwa  neidt,  eigennutz  oder 
dergleichen  underlauffe;  woher  der  verdacht  rühre  und  wie  er  zu  verificiren,  Ist 
es  von  bösen  leutten,  sonderli(di  wann  zauberinneu  sagen,  ich  hab  diese  oder  jene 
persohn  auf  täntzen  gesehen,  undt  die  persohu  ist  sonsten  nicht  verdächtig,  kann 
mann  zwar  es  aufzeichnen,  aber  verschwiegen  halten ;  dann  obschon  viele  auch  darauf 
sterben,  undt  doch  keine  fama  darbey,  weniger  facta,  seindt  sie  nicht  zur  captur, 
weniger  tortur  qualiticirt;  wann  aber  facta  concurrirn,  hatt  die  Obrigkeit  auf 
dieselbe  fleissig  und  genaw  zu  inquiriren ;  finden  sich  selbige  proben  der  fama 
undt  anderen  inn  der  P.  H.  0.  specificirteu  umbständen,  hatt  mann  nach  der  captur 
erstlich  confrontation  mitt  den  anzeigern,  sie  seyen  ehrliche  oder  hexen  leut, 
vorzunemmeu;  undt  gilt  alsdann  die  aussage  der  bösen  gegen  den  inquisituiii 
nicht  für  sich  selbst,  sondern  weiln  sie  mitt  fama,  bonorum  testimoniis  uudt 
factis  concordiren.  Ist  alsdaun  inquisitus  halsstarrig,  hatt  mann  das  gesetz  der 
P.  II.  0.  wegen  der  tortur  inn  acht  zu  nemmen  und  sich  etzlicher  Juristen 
meinungen  nicht  irren  zu  lassen  undt  mitt  derselben  zu  verfahren,  nicht  nm* 
dreymahl,  sondern  so  oft  es  die  sach  erfordert,  aber  gradatim  vort  zu  gehen, 
nicht  mitt  nowen  martern,  oder  den  stachelichten  stuhlen,  so  die  Jesuiten  ei- 
fundcMi.      Wann    leut    gefunden    werden,    so    überzeugt    seindt.    undt    doch  die 


80 

turtur  ausstellen,  hatt  manu  dvr  P.  H.  0.  zu  folgen  undt  der  Universitäten,  die 
darwiderspreohen,  nicht  zu  achton.  undt  eher  noch  ein  pahr  anderer  oder  besser 
anderer  vornehmer  ßeichsstände  Rhät  rhat  zu  pflegen. 

[j2.  Exekution.'] 
Die  execution  ist  das  feyrr;  es  kann  aber  nach  den  umbstäuden  allso 
mitigirr  werden,  das  erst  der  köpf  mitt  dem  schwerth  abgeschlagen  oder 
strangulirt  uder  nach  der  spürenden  buss,  da  Gott  die  sünde  vergibt,  undt  die 
ewige  straf  erlast,  nach  der  enthaubtung  begrauen  werden.  Es  seindt  zwar 
Juristen,  die  auf  cuntiscation*")  der  gütter  gehen,  ich  halte  es  aber,  wo  unn- 
schuldige  kinder  oder  erben  seindt,  nicht  recht;  wann  aber  die  begräbnuss  ge- 
stattet wirdt,  seindt  selbige  zur  kirchen  zu  stewren  anzuhalten.  Spüret  mann 
aber  keine  buss  oder  bekehrung,  seindt  sie  der  schärpfo  nach  lebendig  zu  ver- 
brennen: die  ahncosten,  wo  mittel  fürhanden,  scintlt  aus  ilireu  mittein  zu 
nemmen,  inn  deren  entstehung  von  der  herrschaft  oder  dem  landt  zu  nommcn, 
undr  kann  sich  das  landt  deren  nicht  entschütten,  weiln  sie  undt  die  ihre  auch 
ihr  hat)  und  gutt  dardui'ch  nicht  allein  gerettet,  sondern  auch  der  gerechte  zorn 
Gottes  durch  solchen  process  vom  landt  gewandt  wirdt. 

[Schwere  des  Hexenprosesses.'] 

Es  lassen  sich  viel  Regenten  durch  die  schwere  dieses  processes  von 
administrirung  der  justitz  abschrecken ;  ich  hab  weder  inn  Gottlichen  noch  welt- 
lichen rechten  gefunden,  das  mann  inn  Verwaltung  seines  ampts,  allein  was 
leicht  zu  thun,  fürzunemmen  habe,  sondern  vielmehr,  was  mann  nicht  weis, 
soll  mann  erforschen,  undt  das  wohl  undt  fleissig.  Mann  gehe  der  peinlichen 
JI.  0.  Gar.  Y.  nach,  wirdt  man  schwerlich  irren,  so  kann  mann  in  dubiis 
vornehmer  Juristen  nicht  gebrauchen,  mitt  obgedachter  bescheidenheit ;  das  ampt 
ist  einmahl  der  Obrigkeit  befohlen,  undt  lasset  sich  das  pfundt  nicht  vergraben. 
Gott  befihlt.  mann  solle  keine  Zauberer  leben  lassen ;  thustu  dem  befehl  kein 
gnügen,  so  siehe,  wie  du  es  am  jüngsten  gericht  verantworten  könnest,  das 
arme  kinder  undt  einfältige  durch  deine  fahrlässigkeit  verführet,  viele  ehrliche 
leut  beschädigt,  das  viehe  undt  anders  verderbt,  Gott  gelästert  undt  des  Teuffels 
Reich,  wo  nicht  befördert,  doch  aufs  wenigst  nicht  gestöret  werde;  gibt  eine 
schwere  Verantwortung ;  heisset  es  innsgcmein,  du  solt  den  bösen  von  dir  thun, 
so  ist  es  gewiss  inn  diesem  laster,  inn  welchem  alle  andere  laster  im  höchsten 
grundt  sich  finden,  am  nohtwendigston :  undt  liatt  ein  Regent  si(^h  zu  hütten, 
das  er  nicht  durch  solche  forcht  den  fluch  auf  sich  lade,  w^anu  er  sein  schwehrt 
aufhält,  das  [es]  nicht  blut  vergiesse  undt  des  herrn  werck  nachlässig  thut.  Es 
betrübt  sich  billig  ein  gewissenliafter  Regent,  wann  ihm  maleflcanten  in  seine 
justitz  fallen;  dann  er  besorgen  muss,  das  Gottes  zorn  über  die  sünden  über 
ein  gantzes  landt  gehen;  will  er  aber  denselben  versöhnen,  so  thue  er  den  bösen 
von  sich,  durch  die  verordnete  straffen,  damit  er  sich  derselben  nicht  theilhaftig 
mache    durch    ülxn-sehung.     Er    soll    auch    keine    persohn    ansehen,    dann    ein 


*")  Verachriebeii:  coiification. 


81 

malcficant  ist  kein  vornohmnr,  \veni<?ov  olirlichor  mann  niohr:  mann  kann  koincn 
Edelmann  oder  geistlichen  straften:  dann  wann  sie  edel  oder  gcistlicli  selndt, 
thun  sie,  was  edel  undt  geistlieh  ist:  thun  sie  böses,  verlihren  sie  iiireu 
characterem  nndt  wirdt  alsdann  nicht  ein  edclmann  noch  geistlicher,  sondern 
ein  böser  bub,  so  sich  deren  praerogativen  verlustigt  gemacht  dui-cli  böse  thaten, 
gestraft;  thue  recht,  schewe  uiemandt.  ^Vic  alle  andere  laster  zu  straffen,  gil)t 
oft  gedachter.  H.  0.,  die  landt-  undt  kirchcn-ordmmgcn  an  die  liaiidt.  I)i(!ses 
dienet  zur  general  information,  wie  inn  criminalibus  zu  verfahren,  das  es  für 
Gott  undt  ehrlichen  leutten  verantwortlich  seye. 


[Civil-Prozesse  des  fürstlichen  Hauses.'] 
Die    civilsachen    seindt    zweyerley,    die    erste    activ    uiidr    passiv  Jiecht- 
fertiffunaen,   die  andern,   recht  den  uuderthanen  zu  schaffen. 

[«)  Ixichtige  Auswald  des  Gerichtshofes.'] 
Die  Rechtfertigungen  seindt  zweyerley,  activae  et  passivae.  J)i(!  activas 
betreffendt  suche  mann  zuvor  alle  thunliche  mittel,  sonderlich  gegen  höhereu, 
ob  die  sach  güttlich  könne  beygelegt  werden;  kann  es  nicht  sein,  muss  mann 
anderer  ungestüm  mitt  recht  zu  wiederstehen  trachten,  darbey  zu  sehen,  welches 
dicasterium  zu  wehlen  ob  adversarius  zu  viel  authorität  inn  einem  oder  dem 
anderen  habe,  ob  Commissiones  auszuwürcken,  was  vor  Commissarii  zu  suchen, 
ob  sie  dem  gegentheil  zugethan  oder  zu  viel  respect  wegen  religion  oder  sonsten 
auf  selbigen  tragen  oder  selben  zu  gebrauchen  haben  oder  förchten ;  ob  sie  sich 
auch  den  dativum  lassen  zu  lieb  sein,  undt  was  dergleichen  mehr.  Es  ist 
leider  nunmehr  dahin  kommen,  das  keiner  sein  bestes  Recht  ohne  denselben 
gewinnen  kann ;  derowegen  muss  ein  herr  denselben  nicht  vergessen,  darbei 
aber  sich  hütten,  das  er  nicht  unurecht  dardurch  zu  gewinnen  trachte;  dann 
solches  für  Gott  nicht  verantwortlich  undt  in  rechtmässigen  sachen  schadet. 
Da  auch  die  gegenparthey  vergleichung  suchet,  ist  sie  nicht  auszuschlagen,  da 
der  schade  nicht  zu  gross;  dann  wann  mann  die  gefahr,  auch  inn  den  ge- 
rechtesten Sachen  zu  succumbiren  neben  den  uncosten,  so  auf  Rechtfertigungen 
ffehen.  ansiehet,  ist  es  allezeit  am  besten,  wann  mann  mitt  ehren  aus  der  sach 
kommen  kann. 

\b)  Richtige  AiisivaM  der  Rechtsgelehrten.] 
Wirdt  er  angefochten  undt  allso  reus,  tliut  er  wohl,  wann  er  schon  recht 
hatt,  das  er  sich  inn  der  gütte  drauss  wickelt;  wo  das  nicht  sein  kann,  sehe 
er  sich  aufs  beste  vor,  als  er  kann,  sonderlicli  das  gegentheil  ihn  nicht  durch 
dativum  Überwege.  Suche  bey  bciderley  actioiicn  solche  advocatos,  so  gewissen- 
haft, redlich,  nicht  Schmeichler,  gelahrt,  geübt,  nicht  zänkisch,  die  sich 
calumniiren  oder  schmähen  enthalten;  dann  dieses  gar  gemein  undt  zu  Ver- 
wirrung der  Sachen  dienet.  Hatt  der  herr  nicht  inn  seinem  raht  gnugsam 
qualificirte  Rhät  oder  der  sachen  zu  viel  oder  in  der  Regierung  so  viel  zu  thun 
ist,  das  sie  nicht  totis  viribus  auf  diese  sachen  arbeiten  können,  so  nemme  er 
Rhat  von    ehrlichen  leutten    inn    der  nachbarschaft,    bezahle  sie  allso,    das  sie 

6 


82 

können  zufrieden  sein,  erkundige  aber  zuvor  wolil.  was  es  für  leutt  seindt 
undt  wie  viel  iliuen  zu  trawen.  undt  lasse  keine  schmäluingeu  inn  den  Schriften ; 
wirdt  ihnie  von  denn  Advocaten  oder  Rhäteu  gewiesen,  das  er  unrecht  habe, 
gebe  der  herr  nach  undt  suche  aus  der  sach  zu  kommen,  das  er  kein  unreclit 
thue:  dann  es  ziehet  straffen  nach  sich:  dann  Gott  hasset  das  arge  undt  liebet 
die  gerechtigkeit :  undt  lasse  sich  die  hofnung  inn  böser  sach  nicht  betriegen; 
dann  unrecht  gutt  faselt  nicht,   sondern  frist  das  gerechte  mitt. 

[r)  Saanrerdischc  Rechtssache  gegen  Lothringen.'] 
Es  seindt  bev    unseruj  Xassaw-Sarbrückischen  luius    die   gemeine  Recht- 

fertigungen  diese: 

Erstlich  die  Sarwerdische  sach  gegen  Lothringen:'')  vors  ander  die 
Lahrische  sach  gegen  Badcn-Durlach :  zum  dritten  die  Bentheimische  sach. 

Die  erste  hab  ich  durch  Gottes  gnadt  dahin  gebraclit.  das  die  Grafschaft, 
so  der  Hertzog  vi  armata  wieder  das  urthel  de  7.  Julii  1629  eingenommen  undt 
biss  inn  annum  lüTO  besessen,  wiederumb  inn  unsers  hauses  banden  ist  biss 
auf  die  Metzische  lelien.  derowegen  die  revision  noch  offen  undt  causa  Mandati 
wegen  der  grafschaft  undt  die  action  der  von  Lotthringen  aufgehabenen 
nutzuug<»n  noch  vorstehet.  Bey  ietzigen  leuften  ist  nicht  thunlich  die  sach  starck 
zu  treiben,  dann  der  herr  Hertzog  entweder  sich  nicht  einlassen  oder  doch  kein 
ausgang  der  sacken,  weniger  execution  würde  zu  hoffen  sein:  kombt  es  aber 
inn  andern  standt.  iiarr  mann  besser  auf  die  actionen  Mandati  et  damnorum  als 
auf  Revision  zu  treiben:  dann  dieses  trägt  viel  höher  als  diese  statt  wehrt 
seindt,  wie  die  protocoUa  dessen,  so  in  anno  1669  gehandelt  worden,  ausweisen. 
Es  ist  Gott  lob  so  weit  gebracht,  das  Lotthringen  nichts  an  unns,  wir  aber 
eine  grosse  praetension  an  Lotthringen  haben,  darbey  inn  acht  zu  nommen,  das 
Lotthringen  under  dem  practext,  als  ob  die  sach  in  revisorio  stehe,  spe  praepo- 
tentiae  et  favoris  die  gantze  sach  dahin  zu  ziehen  gedencke;  es  ist  aber  aus 
dem  Mandato  poenali  undt  paritorien  dar,  das  das  Cammergericht  die  Dorf- 
schaften Lotthringen  gantz  nicht  adjudicirt,  Lotthringen  auch  keine  revision 
gesucht,  sondern  Nassaw:  undt,  wie  oben  gedacht,  kann  mann  revisionem 
praeteriren  undt  Mandatum  prosequiren. 

\d)  Lah)-ischc  Sache  gegen  Badeii- Durlach.] 
Die  J^ahrische^^)  sach  ist  soweit  gebracht,  das  es  auf  der  liquidation 
stehet,  das  der  Marggraf  überzahlt :  dann  am  Kayserlichen  hof  das  moratorium 
stabilirt  undt  <lem  Marggrafen,  wie  im  Cammergericht,  25  000  i\.  pension  zu- 
gesjiroclien  worden ;  dahero  ich  eine  grosse  summ  voji  ihme  fordere,  so  er  zu 
viel  einirenommen :  darbev  in  acht  zu  nemmen,  das  Sarbrückische  lini  an  diesen 
25  0CK)  nichts  bezahlt.  Wcilburgisch(^  aber  nocli  ein  merckliches  rostirt,  das 
capital  aber  inn  der  schuhhüi  theilung  mir  an  meiner  quota  abzuziehen,  weihi 
es  aus  meinen  mittein  allein  bezahlet  worden. 


'V  V-,'1.  S.lili.'p  hake- Menzel  VI,  S.  530  f.,  543,  54H  ff.,  553  ff. 

'■')   Die   Jlerrscliuft  l^ulir    \Nur   iiocli   iii   den   Iliunlen  des  Markj^rufen   num  JJuden-Duilach. 
Vgl.  Seh liep hake  a.  o.  U.  S.  555. 


83 

[e)  Benthehnsche  Sache.'] 
Die  Jiuntlicimischo"^)   sacli  stehet  iiuf  dein  sprach  5  uudt  huffe  ich   dariun 
so  viel  gethan  zu  haben,    das    sie  ohuo  gofalir    sein  wirdt,    ist  allso    bey  dem 
Spruch  zu  vigiliren. 

[/)  Sfreitigkeiteti  der  Lhiien.'] 
Particulir  proccss  seindt  mehrenthiMls  durch  (his  nioratorium  undt  schulden 
bezahhing  abgetlian,   undt  keiner  von  iinportantz;  undt  wann  die  liquiihition  mit 
dem  Marggrafen   undt  di(^  scluddeu  tlieiluug  vorgangen,    wird  mein  antlieil  der 
schuhU'n  hncht  zu  bezahUm  sein. 

[//)  Fremde  Klagesachen.'] 

J)er  Churfürst  Johann  Philips  zu  Mayntz  hatte  viel  strittigkeiten  erregt; 
er  undt  seine  beide  nachfarn  haben  oft  güttliche  handlung  angenommen;  ist 
auch  einsmahls  anno  [  f*)    zu    S(diwalbacli    fürgenommen,    aber   durch 

friedthässige  ohne  effect  gemacht  worden;  werde  es  nachmahln  versuchen;  inn 
deren  (jntstehung  ist  Kayserliche  Commission  zu  suchen. 

Das  Stift  Limburg  hatt  eine  leichtfertige,  auf  eitel  lügen  bestehende 
actiou  wegen  25  nuiltcr  körn  Limpurger  maass  angefangen ;  ist  submittirt  undt 
hatt  es  Ottweiler  vom  Obersten  Hattstein  zu  lösen;  dann  es  gehöret  nach  Kir- 
berg  undt  gehet  mich  nicht  an,  als  das  sie  mich  super  arresto  actionirt,  da 
doch  keiner  war,   auch  noch  nicht  ist. 

Von  mehreren  passiv  actionen  weiss  ich  Gott  lob  nicht,  undt  haben  sich 
meine  nachkommen  zu  hütten,  das  sie  durch  ohnnötigen  streit  schulden  machen 
undt  dergleichen  keine  Ursache  darzu  geben. 

[Eingehende  Untersuchung  und  gerechte  Entscheidung  von  Bechtssachen  der 

Unterthanen.] 
Wann  die  underthanen  sachen  mitt  frembten  oder  under  sich  selbsten 
haben,  soll  der  Eegent  alle  beide  partheyen  gerne  hören,  nach  befindung  die 
Sachen  für  sich  selbsten  ziehen  oder  an  die  Cantzley  weisen;  ist  sie  bey  dem 
herrn  erst  angebracht,  soll  er,  ehe  die  urthel  verfast  oder  publicirt  wirdt,  sich 
aus  den  actis  referiren  lassen,  die  acta  darbey  haben,  das  er  sehe,  ob  den 
actis  gemäss  referirt  worden,  welches  auch  bey  appellationen,  so  an  ihn  ge- 
langen, inn  acht  zu  nemmen,  undt  fleissig  darvor  sein,  das  die  appellationen 
von  Beampten  oder  Cantzleyen  nicht  gehindert  oder  die  gravirte  nicht  ab- 
geschreckt werden  zu  appelliren ;  uiult  kann  dasselbe  nicht  f üglicher  geschehen, 
als  wann  ein  herr  iedermann  gern  höret  undt  die  landtvisitationes  oft  fürnimbt, 
davon  hernach  mehreres  folgen  wirdt.  Da  sich  finden  solte,  das  von  Rhäten 
oder  Beampten  die  leut  vom  herrn,  selbigem  selbsten  zu  clagen,  weiten  ab- 
gehalten werden,  ist  es  ein  anzeig,  das  sie  inn  ihrem  gewissen  überzeugt  sein, 
das  sie  unrecht  gethan  haben;  derowegen  das  urthel  zu  reformiren  ist.  undt 
hatt  ein  Jlerr  mitt  moderatem  ernst  dasselbe  zu  anden;  da  aber  starcker  dolus 


•'^)  Es  luiudelt  sieb  um  eine  Fürderunjj. 
^*)  Vom  Grafen  niclit  ausgefüllte  Lücke. 


84 

tlarbov  gospüret  \\\Y(\t.  ornstlu-h  zu  straftVn  undt  des  iliousts  zu  entsotzon.  daniitt 
nicht  t\vr  annvn  seufzen  auf  ihn  selbsten  fallen,  undt  er  frombte  schulde  tragen 
müssen.  Wenn  auch  sclum  secunduni  acta  et  probata  judicirt  worden,  undt 
sich  findet,  das  der  coudeniuirte  aus  einfalt  seine  sach  nicht  recht  forbracht 
oder  sein  advocat  der  saehen  nicht  gewachsen  oder  falsch  gewesen,  können 
undt  sollen  die  Khät  oder  nach  erheischender  notthurft  der  Herr  selbsten  die 
acta  revidiren.  auch  ex  officio  des  laedirten  einfalt  suppliren,  undt  dem  armen 
geholfen  wi'rden:  undt  soll  sich  inn  diesem  fall  die  Obrigkeit  nicht  verdriesen 
lassen,  tleissig  zu  intjuiiiren.  Ich  hab  leutcn,  die  aus  melancholi  über  das 
xinnrecht.  so  ihnen  von  den  beampten  geschehen,  närrisch  worden,  durch  fleissigc 
nachforschung  geholfen:  undt  ist  es  eine  Obrigkeit  schuldig;  undt  da  es  nicht 
«'eschiehet,  hart  sie  es  für  Gott  zu  verantworten.  Darum  rhümet  sich  Iliob 
löblich,  wann  er  eine  sach  nicht  gewust,  hab  er  sie  erforschet;  ist  eben  was 
oben  stehet,  undt  hatt  selbige  das  ansehen  oder  affection  seiner  dioner  nicht  so 
hocl)  zu  achten,   als  die  Verantwortung  für  Gott. 

[Laml-V'n^itationen  zur  Untersuchung  der  VerualUmg  und  von  Lehre  und  Lehen 

der  Unterthanen .] 
Zu  rechter  erkundiguug,  wie  alles  im  lande  stehe,  wie  die  beampten 
haushalten,  wie  die  underthanen  inn  lehr  uudt  leben  sich  verhalten,  wie  die 
verrechnete  diener  mitt  einnehmung  der  renthen  verfahren,  ob  selbige  rcvJlich 
oder  nicht  mit  umbgehen,  ist  kein  bequemer  mittel,  als  das  die  herrschaft 
hindtvisitationen  anstellen  uudt  durch  unpartheische  diener  erkundigen. 

[].  In  Icirchllchen  Sachen.'] 
1.  Erstlich  wie  iedes  orts  Pfarhcn  bastelt,  ob  die  Pfarlierrn  from, 
Gottesfürchtig,  lehrhaft,  fleissig,  geschickt,  ob  sie  sich  mitt  ihren  Pfarkindern 
wohl  betragen,  ob  sie  fleissig  studiren,  wohl  undt  lehrhaft  predigen,  das  böse 
straffen,  vor  sünden  warnen,  selbsten  erbar  undt  exemplarisch  leben,  die  gemein 
erbauen  undt  nicht  ärgern;  ob  sie  zancksüchtig,  privatas  passiones  auf  die 
Cantzel  bringen,  den  biudtschlüssel  missbrauchen,  umb  gelt  oder  guust  willen 
die  vor  die  Obrigkeit  gehörige  delicta  verschweigen,  under  dem  scheine  der 
sündt  ruhen,  was  ihnen  zu  lioch,  straffen  undt  vertuschen ;  ob  sie  dem  wein  er- 
geben, faul  im  sru<liren  undt  predigen,  ob  die  superattendenten  umb  geschenck, 
freundtschaft  oder  anderes  nutzen  willen  ohngelärte  undt  untüchtige  zum  predig- 
anipt  Ijefördern :  ob  die  kirchengütter,  gebäw,  renthen,  allmosen  wohl  inn  acht 
genommen  undt  ausgetheilet  werden,  uudt  was  mehrercs  sein  kann.  Zu  dieser 
in(iuisition  stillen  nicht  allein  geistliche,  sondern  iedes  orts  bcampte  undt  iemandt 
von  «h'M  weltlichen  Jihäten  geordnet  werden,  wie  auch  wann  o'm  Syuodus  ge- 
halten wirdr.  iiiidr  --'nh  uiider  keinem  praetext  abweisen  lassen,  uudt  nicht 
allein  die  schulteisen  undt  gerichten,  sondern  auch  inn  Sonderheit  die  geringenn 
gehört  werden,  als  über  die  es  am  lufüsten  zu  gehen  pflogt;  undt  darmitt  manu 
auf  l)esseren  grundt  ko)iimen  möge,  kann  mann  olingewarut  öfters  eine  oder 
andere  pfarr  besuchen  undt  v<'rnemmen,  ob  die  leut  bey  vorigen  aussagen  ver- 
plciben  od(M-  ob  sie  praeoccuj/irt  gewesen;  solches  kann  durch  Superattendeuten, 
ln^^]lectores  mitt  zu/ichung  des  Amptmauns  vorgenommeu  werden. 


r> 


85 

[3.  In  iveltlichen  Sacheii.] 
2.  Inii  well  liehen  siiclien  sollen  die  Ix^iiinptcn  ieib's  orts  iinf'un^s  niclit 
iiiitt  zugezog'on  wcrdcui,  soiidcü'Ji  luunn  soll  (ü'stlicli  (M'kuiidi;^eii.  oli  sclbigu  ilir 
ampt  recht  verwalten,  ol»  sie  di(^  lierscluif'tliche  Jura  uiidt  grcntzen  gegen  die 
benachbarte  wohl  inn  acht  nenmien,  ob  sie  die  verliüren  Heissig  lialtcm,  ob  sie 
geschenck  nenmien  undt  das  strafbare  versclnveigen,  ob  sie  den  kleinen  wie 
den  grossen,  den  arnum  wie  den  reichen  hören  undt  reclit  schaffen,  ob  sie 
gewalt  braiiclioiu  ob  sie  iemaiiden  imib  neidt  oder  gewinn  unreclit  gethan.  ob 
sie  von  benacliliarten  gesclienck  niunnieii.  (itwas  zu  schaden  oder  nachtheil  der 
herrschaf't  oder  des  landes  liingeheu  zu  lassen,  ob  sie  die,  so  dnrcli  ilii'<'  urthel 
gravirt,  abschrecken,  das  sie  nicht  appelliren  dörfen  od(!r,  da  sie  >onsten 
ieniandt  g(^walt  gethan,  verweln-en,  das  sie  es  ilirer  Obrigkeit  iiidii  klagen 
dürfen,  ob  sie  ärgerlich  leben,  ob  sie  die  landrordnungen  H(!issig  inn  acht 
nemmen,  ob  sie  den  underthanen  gegen  ausländische  die  handt  gebührlich 
bieten,  was  sie  für  aniptgebülir  fordern.  Ob  sie  inn  kriegszeitcn  fleissig  für 
die  underthanen  reiten  undt  reden,  undt  was  etwa  niehreres  die  inquisition  an 
handt  geben  wirdt. 

[o.  Führung  der  Beamten?^ 

Bey  verrechneten  dienern,  ob  sie  der  Cainnierordnung  gemäss  die  renrhen 
einnehmen,  ob  sie  mehr  als  ihnen  gehört,  erheben,  sonderlich  bey  extraordinari 
anlagen,  ob  sie  die  ansätz  ersteigern,  ob  sie  geschenck  nemmen,  die  renthen 
anstehen  zu  lassen,  da  icli  dann  befunden,  das  die  underthanen  wohl  drey 
auch  viermahl  so  viel  umb  den  anstandt  geben,  als  sie  der  herrschaft  geben 
sollen,  undt  nicht  gemerckt,  das  sie  inn  vielmahlen  dasjeuig,  so  sie  der  herr- 
schaft auf  einmahl  geben  sollen,  den  dienern  so  vielfaltig  geben  haben,  auch 
ob  sie  von  den  underthanen  die  renthen  inn  groben  sorten  vermög  der  Canimer- 
ordnung  erheben,  hernach  aber  inn  schlechtem  gelt  der  herrschaft  verrechnen, 
dadurch  den  kaufleutten  aufwechseP^)  oder  different  (discorent?)  geben,  sie 
aber  den  aufwechsel  zu  ihrem  nutzen  gebrauchen :  ob  sie  die  fruchten  ge- 
häuft einnehmen,  hernach  aber  gestrichen  verrechnen.  AVo  dei'  überschus 
hin  kommen?  Ob  sie  ihre  fruchten  under  die  herrschaftliche  fruchten  mengiMi, 
darmitt  sie  ihre  schlechte  fruchten  mitt  den  gutten  herrschaftlichen  durch- 
bringen können  oder  gar  die  fruchten  allso  ronten,  das  sie  die  beste,  die 
herrschaft  aber  die  schlechteste  habe.  Ob  sie  bey  verlähnung  der  gütter,  ver- 
pfächtung  der  zehenden  oder  dergleichen  vortheil  zu  schaden  der  herrschaft 
brauchen,   undt  was  hiervon  im  dritten  thoil  mehrer(>s  folgen  wirdt. 

liey  den  beampten  und  dienern,  ob  sie  die  underthanen  initt  frohnen 
beschweren,  ob  die  landtbereiter  gleicheit  inn  bestelluiig  der  fronen  iialten.  ob 
sie  umb  gelt  oder  gunst  willen  einen  füi-  dem  anderen  vi'rschonen.  ob  die 
schulteissen  ihr  ampt  trewlich  verrichten  otler  einen  o(h'r  andern  beschweliren. 
ob  sie  bey  besthäuptern,  zehendtpfennig  undt  zollen,  weggelt  oder  dergleiclien 
underschleif  oder  untrew  suchen,  ob  sie  auf  die  wirtli.  anschneider  undt  der- 
gleichen aufsieht  haben    oder  durch  die  linger  sehen;    ob  sie  atteutata  der  be- 

^*)  =  agio. 


86 

naehbiirrou  vorsehweigen.  ol)  Ix'v  doiii  aussclms  einer  für  dein  andern  be- 
8ohwehrr  werde,  ob  sie  ihnen  nicht  zugt'hörige  gütter,  die  der  herrschaft  heinib- 
gefaliene  an  sich  ziehen  oder  gebrauchen,  ob  sie  witwen  uudt  Avaisen  inu 
acht  nemnien  undt  selbige  schützen  oder  drücken,  ob  sie  die  gemeine  gebäw, 
marck-  undt  grentzstein  inn  aclit  nennnen,  ob  sie  undt  die  Gerichte  den  ge- 
meinen ohnnöttige  uncosten  machen,  ob  sie  die  rügen  anzeigen  oder  verschweigen, 
ob  sie  gemeine  weg,  steig,  wasser,  weide  den  Ordnungen  gemäss  inn  acht 
nemmen  undt  was  dessen  int'lir  sein  mag. 

[4.  Sittliches  Verhalten  und  wirtschaftliche  Lage  der  Unferthanen.'] 
]iev  den  underthanen  innsgemein,  ob  sie  Gott  undt  der  Obrigkeit  getrew 
oder  nicht,  was  religion  sie  seyen,  ob  sie  die  kirchen  iun  oder  ausser  hmdt 
«»■ebührlich  besuchen,  ob  sie  wohl  oder  übel  haushalten,  ob  sie  vermöglich  oder  nicht, 
ob  sie  from  »idcr  böss,  verträglich  oder  zänekisch,  ob  sie  sich  redlich  uehren 
oder  auf  dieberey,  strassenrauben,  wiltpretschiessen  oder  unehrliche  handthierung 
sich  geben,  wie  sie  ihre  haushaltungen  anstellen,  ob  sie  mitt  den  ihrigen  ehrlich 
und  friedtlich  leben,  ob  sie  sich  mitt  den  nachbaren  wohl  vertragen  oder  gern 
haddern,  ob  sie  die  wirthshäuser  fleissig  besuchen  oder  ihren  häusern  wohl 
fürstelu'n.  wie  sie  ilire  häuser  undt  gebäw  inn  acht  nemmen,  ob  sie  mitt  fuhren 
oder  handt  frohnen,  wie  sie  bespant,  ob  sie  ihre  frohnen  fleissig  undt  willig 
verrichten,  ob  sie  beim  ausschus  seyen,  wie  sie  bewehrt,  ob  undt  was  für 
herren  gütter  inn  ihrer  gemarckung,  was  für  ausgestorbene  undt  der  herrschaft 
heimbgefallene  gütter  allda  seyen,  wer  sie  brauche,  wer  die  zehenden  allda 
habe,  ob  sie  verlehnt  oder  gehoben  werden,  wie  viel  gütter  er  habe,  ob  er  sie 
von  seinen  eitern  oder  andern  ererbt,  ob  er  gütter  erkauft,  von  wem?  was  für 
freye  gütter  bey  ihnen,  wem  sie  zustehen  undt  woher  sie  frey  seindt;  ob  auch 
frombte  oder  einheimische  sich  des  weidtwercks  heimblich  oder  oft'entlich  ge- 
brauchen undt  woher  sie  es  berechtigt,  ob  es  schulteissen  oder  andere  gewust 
undt  zugelassen  undt  verschwiegen,  ob  sie  den  beamptou  undt  Khäten  mit  ge- 
schencken    boKoguen    müssen. 


"O^O" 


[Verfahren  bei  den  Latidvisitationen.'\ 
Zu  solcher  Inquisition  sollen  neben  den  beampten  iedes  ampts  (welche, 
wie  oben  gedacht,  wann  auf  ihr  thuu  inquirirt  wirdt,  anfangs  nicht  darbey  sein 
sollen)  herrschaftliche  Rhäte  undt  diener,  auch  nach  befindung  der  qualitäten 
undt  redligkeit  andere  ohnpartheischc  zugezogen  undt  zu  dieser  sach  beeydigt 
werden,  alles  fleissig  protocoUiren  undt  niemandt  durch  die  finger  sehen,  auch 
die  underthanen,  so  befragt  werden,  für  dem  fragen  undt  eydt  für  meineidt 
fleissig  zu  warnen  mitt  der  betrohuug,  das,  wann  sie  bey  künftigen  Visitationen 
oder  sonsten  falsch  gefunden  werden,  sie  schwerer  straf  gewärtig  sein  sollen, 
auch  Versicherung,  wann  sie  redlich  heraus  gehen,  das  sie  für  niemandt  sich 
sollen  zu  fürchten  haben,  wie  dann  auch  ohne  ansehen  der  person,  diejenige, 
so  falsch  gefunden  werden,  hart  zu  straffen  seindt,  undt  können  die  landtvisi- 
tatores  zwar  xmi  iedf^r  gemein  (jder  schulteiss  undt  gerichten  die  designation 
der  gütter  undt,  was  weiter  hieoben  gedacht,  erfordern,  hernach  ahvY  die  ge- 
meinen ieden  absonderlich    darüber  hören,    auch    selbsten  den  augenschein  ein- 


87 

noinnien,  wo  sie  einiges  duhium  imi  der  sachon  liabon.  Von  ilivcr  vrrrichtuno- 
haben  sie  der  Herrschaft  schriftliche,  wohl  sjuMuficii-to  relation  zu  thun,  imdt 
selbe  bey  dem  archiv  wohl  zu  verwahren,  undt  scindt  soIcIk;  inciuisitionen  oft 
zu  wiederholen,  wo  nicht  allentJuilben,  doch  hin  undt  her,  dainitt  die  leut  nicht 
sicher  werden,  sonderlich  wann  (!twa  verdacht,  das  es  nicht  i-eclit  iiergangen 
seye  oder  ein  oder  anders  wieder  Verordnung  eingeschlichen,  sich  ereignet.  Ich 
hal)  auch  diese  weise  gehalten,  das  ich  beyni  weidewcrck  oder  sonsten  mit 
den  uiulerthanen  gespräch  gehalten  undt  viel  erfahren,  das  mir  wohl  bekommen 
undt  sonsten   vertuscht    worden  were,    dessen    sich  kein  herr  zu  schewen  hatt. 

[ZiicJit  der  Beamten.] 

Wann  bey  solcher  landvisitation  befunden  wirdt,  das  beampte,  Jihiite, 
scliulteisen  oder  gerichtcn  ihres  ampts  missbraucht,  kann  nach  der  grosse  des 
Verbrechens  die  remediruug  undt  bostraffung  vorgenommen  werden,  undt  hatt 
die  Obrigkeit,  die  armen  gegen  unbilligen  gewalt  zu  schützen,  von  Gott  scharpf(> 
befehl,  betrohungen  undt  straffem  iiin  Gottes  wort  vielfältig,  undt  da  sie  zu 
viel  nachlasset,   nimbt  sie  die  Verantwortung  für  Gott  auf  sich. 

Den  Rhätcn,  ober-  undt  underbeampten  muss  zwar  ihr  respect  erhalten 
werden,  darumb  auch  nicht  leichtlich  iedermann  gegen  sie  zu  glauben,  ddch 
muss  verhütet  werden,  das  sie  nicht  zu  streng  gegen  die  underthanen  ver- 
fahren, derowegen  ein  herr  solche  leut  zu  ßhäten  und  beamptcii  zu  suchen,  die 
nicht  zu  jung,  Gotsförchtig,  redlich,  nicht  geitzig,  gelahrt  oder  wenigsten  so 
viel  studirt,  das  sie  die  landtordnungen  inn  aclit  zu  nemmen  wissen;  kann 
mann  leut  zu  Amptleuten  haben,  die  Soldaten  gewesen,  können  sie  inn  kriegs- 
zeitten  wohl  dienen  undt  haben  bessern  zutritt  bey  hohen  officirern,  Rhäte  ab(M' 
müssen  gelahrt  sein,  wann  sie  rechtsprechen  oder  dem  lierrn  Rhateu  undt  inn 
Processen  dienen  sollen.  Ich  hab  zwar  auch  leut  gesehen,  die  aus  langer 
experientz  grosses  gethan,  da  sie  doch  nicht  studirt  gehabt,  wirdt  aber  schwer, 
undt  können  inn  processen  keine  feder  ansetzen. 

\_VerhaUms  des  Herrn  zu  seinen  Beamten.'] 

Es  soll  ein  herr,  der  seiner  Rhät  undt  Beampten  trew  undt  fleiss  spüret, 
selbige  inn  ehren  haltcm.  ihres  rahts  pflegen,  demselben  inn  billigen  dingen 
folgen,  ihre  trew  undt  fleiss  recompensiren,  aber  sie  nicht  lassen  seine  herrn 
werden ;  dero  trew  undt  fleiss  kann  er  nicht  besser  erfahren,  als  wann  er  sclbsten 
im  studiren  sich  so  befleissigt,  das  er  selbsten  judiciren  könne,  ob  sie  wdhl 
od(;r  übel  hausen,  undt  dann  durch  Visitationen,  appellationen  undt  dergleichen, 
auch  durch  discurs  mitt  den  underthanen  ihr  thun  erfahren.  Es  soll  auch  ein 
herr  keinen  von  den  Khäten  dem  andern  underwerfFen,  sondern  ieglichem  inn 
seinem  thun  schützen  undt  handthaben,  auch  so  viel  möglich  selbsten  inn  der 
Cantzley  sich  finden  lassen,  selbsten  die  partheyen  hören  undt  mitt  Rhat  der 
Rhät  die  sachen  decidiren,  gibt  ursacli,  das  die  Rhäte  desto  behutsamer  undt 
fleissigcr  werden;  wann  bissweilen  die  vota  ditt'erent  fallen  oder  der  Herr  ver- 
meint, das  er  es  besser  trofl'en  habe,  thut  er  nicht  wohl,  wann  er  auf  eigener 
opinion  bestehet,    sondern    besser,    wann  er  anderer    erfahrener    leut    Judicium 


88 

darüber  eiuholot,    dasselbe  mitr    seineu  Rhäten    überlegr    undt    dann    das  beste 
wehlet. 

Sonderlich  suU  er  sich  liütten,   das  er  nicht  alles  allein  an  die  diener  hencke 
undt    seiner  kurtzweil    abwarte    oder  massig  gehe    oder    sich    so  gar    au  einen 
dii'ner  hencke.   das  er  ihnc  undt  er  selbsteu    sich  für  necessariuni  halte.      Wie 
schädlich  es  herrn  undt  dienern  scye,   weisen  die  alte  undt  uewe  exenipla.   das 
herrn  inu  höchste  Verachtung  darüber  kommen,   die  diener  insolent  worden,   den 
herrn  vrracht,    gourmandiret.  höhere   selbe  bestochen,    das  sie  untrew  worden, 
auch  selbige    trewe  diener  undertrückt,   fälschlich  angeben,    undt  auch  so  weit 
trebracht.    das    selbe    endtlich  mehr    absehens    auf    den  dienern    als    den  herrn 
gehabt,    redlichen    herren    undt  underthanen  undertrückt,    verrahten    undt  unn- 
schuldige  diener  undt  underthanen  umb  das  ihre  gebracht,   auch  wohl  gar  umbs 
leben:    was    schwere    Verantwortung  das    für  Gott  gibt,    wie  veracht    ein  herr 
darüber  wirdt.    ist  theils  zuvor  gedacht,    undt  weiset  die  erfahr ung,    das  wann 
mann  zu  spat    liatt    remediren  wollen,    das  sie  gar  die  herrn    aus  dem  weg  zu 
räumen  gesucht.     Ich  bin  dessen    ein    lebendiger  zeuge,    weiln    ich  nicht  mich 
allso  submittiren  wollen,  ist  Uneinigkeit  imm  haus  gestift,   mir  nach  dem  leben'*) 
gestanden  worden ;  die  semina  discordiae  blühen  noch,   so  solche  leut  inns  haus 
gesäet,    die  sich  bey  theils  herren  haben  necessarios  gemacht,    undt  mich,   der 
ich  mich  ihnen  nicht  undergeben  wollen,   aufs  eusserst  verfolgt,   es  ist  aber  an 
ihren  nachkommen  zu  sehen,   wie  es  Gott  gefallen.    Es  thut  ein  herr  wohl,  wann 
er  gegen    seine    diener  affable  ist,    er  muss    aber  niclit    zu  gemein  mitt    ihnen 
werden,   sondern  seinen  respect  darbey  erhalten. 

[Verhältnis  zu  Kaiser  und  Iieich.'\ 
Gegen  iedermann  soll  ein  herr  wissen,  wie  er  sich  verhalten  solle,  gegen 
höhere,  gleiche,  geringere;  zuvorderst  hatt  er  seinen  schuldigen  respect  gegen 
seinen  Keyser  zu  erweisen :  inn  allen  dingen,  so  nicht  w-ieder  Gott  undt  die 
Reichsplichten^')  lauffen.  soll  er  allen  gehorsamb,  trew  uudr  lieb  erweisen,  sich 
nicht  under  die  aufrürischen  mengen,  gern  zu  assistentz  gegen  des  Keisers 
undt  Reichs  feindt  das  seinige  anwenden,  nicht  zugeben,  das  die  seinige  un- 
gebührlich gegen  J.  K.  M.  reden,  weniger  sich  zu  Reichsfeinden  diensten  wenden 
undt  in  allen  dingen  sich  als  ein  gehorsamen  Reichsstandt  erweisen.  Da  auch 
wieder  das  Rcicli  undt  dessen  freyheit*^)  etwas  vorgenommen  würde,  es  nicht 
mitt  ungestüm  auf  nmhtmassungen  allso  balde  eifern,  weniger  sich  an  frembte 
potentaten  liencken,  sondern  so  viel  möglich  sich  gedulden.  Da  aber  eine  ge- 
meine Reichssach  oder  der  Religion  darauss  würde,  sich  seiner  Reichspflichten 
erinneren  undt  sein  Yatterlandt  retten  helfen,  inn  Religionssachen  sich  zu  dem 
pAangelischen   corpore  halt(!n. 

[Verhältnis  zu  den  Reichsständen ^ 
Gegen  die  Reichsstände    soll  er  sich  allso  verhalten,    das  er  einem  ieden 
seinen  gebürenden  respect  gebe,   höhere  ehre,   mitt  gleichen  sich  wohl  betrage, 

'*)  Das  Nähere  ist  noch  nicht  bokaiin^t. 

")  So! 

^"j  Vom   KaiHer  also  doch   wohl  I 


89 

gegen  geringere  sich  freundtlicli  erzeige,  Ijey  allen  fricidtlich  undt  nachbarlich 
sich  verhalte,  keinem,  soviel  an  ihm  ist.  /u  unwilloii  ursach  gebe,  sondern 
allezeit,  wo  es  sein  kann,  den  glinipf  zu  erhalten  suche,  doch  allso,  das  er 
mitt  guttem  sein  recht  undt  respect  erhalte  undt  si<-li  nicht  eben  undcirtrückeu 
lasse;  thut  ihm  ein  mächtiger  nachbar  gewalt,  suche  er  erstlich  die  glitte,  inn 
deren  Verweigerung  das  recht,  nach  denn  die  sach  ist,  durch  kayserliche  com- 
mission  oder  processen  sein  recht  zu  salviren.  Es  ist  leider  bey  unnser  ietzigen 
Reiclisjustitz  das  bandt  für  den  äugen  hinweg,  oder  doch  von  flor  oder  Cammer- 
duch  gemacht,  das  mann  dardurch  leicht  sehen  kann,  undt  muss  mann  sein 
recht  thewer  kauften;  nuinn  muss  sich  aber  inn  die  Zeit  schicken,  dan  es  ist 
böse  Zeit,  undt  die  ietziger  Zeit  gebräuchliche  mittel  zu  gebrauchen  nicht  ver- 
gessen undt  nniss  hier  heissen:  cede  majori. 

Gegen  gleiche  kann  mann  sich  aller  civilität  gebrauchen;  wollen  sie  sich 
aber  nicht  zu  ruhe  geben,  hatt  mann  die  von  Gott  verliehene  mittel  zu  l)rauchen 
undt  gewalt  gewalt  entgegen  zu  setzen,  undt  rechtliche  mittel  zu  gebrauchen, 
dann  es  kann  nicht  allezeit  gegen  einen  aggressorem  das  recht  erwartet  werden 
et  vim  vi  rcpellere  licet. 

Gegen  geringere  kann  mann  freundtligkeit  gebrauchen,  aber  keinen  ver- 
achten oder  zu  drücken  suchen,  sondern  gedencken,  das  unns  Gott  alle  ge- 
schaffen undt  nicht  erlaubt,  seiner  macht  zu  missbrauchen,  sondern  es  heist 
minori  parce,  auch  muss  mann  nicht  all  zu  geschwindt  umb  liederlicher  ursach 
willen  gleich  zu  harten  mittein  greiffen,  sondern  selbige  erst  von  ihrem  unfug 
abmahnen;  will  es  nicht  helfen,  kann  mann  seiner  mittel  gebrauchen. 

[Verhältnis  su  fremden  Potentaten.] 

Gegen  frembte  potentaten  muss  mann  sich  allso  verhalten,  das  sie  keinen 
praetext  haben  zu  einigem  unnwillen ;  will  es  nicht  helfen,  muss  mann  kayser- 
liche undt  Reichsmanutenentz  suchen  und  gebrauchen.  Es  ist  aber  leider  dahin 
kommen,  das  es  heist:  wer  reit,  der  reit,  wer  leit,  der  leit'') ;  doch  muss  mann 
thun,  was  mann  kann,  undt  Gott  vertrawen,  der  der  könig  hertzen  inn  seiner 
handt  hatt  undt  leitet  sie,  wie  er  will.  Inn  gemein  muss  mann  sie  recht  sal- 
viren undt  nicht  begeben,  auch  nach  vielen  Jahren  kann  es  Gott  endern;  was 
aber  begeben,  ist  weg. 

Inn  krieffszeitten  hatt  man  sich  woiil  fürzuselicn,  das  mann  dardurch 
nicht  aufgerieben  werde. 


\_Kriegc  mit  dem  Ausland.'] 
Die  krieg  seindt  zweyerley :  eusserlicho  undt  innerliche.  Bekombt  das 
Reich  mitt  ausländem  zu  thun.  kann  kein  Reichsstandt  sich  mitt  guttem  ge- 
wissen undt  ehren  vom  Reich  separiren,  sondern  ist  schuldig  das  seine  nach 
vermögen  anzuwenden,  das  dem  Reich  kein  schaden  entstehe,  docli  mitt  di'r 
bescheidenheit,  das,  wer  auf  den  grentzen  ist,  so  lang  gutte  wort  gebe,  biss 
er  succurrirt  oder  erledigt  werden  kann. 


^)  Wer  reitet,  der  reitet,  wer  liegt,  der  liegt. 


90 

Hart  Krtvsorliohe  Maysr.  krieg,  so  seiudt  sio  entweder  wegen  der  crb- 
hinden  oder  des  Reichs.  Ist  es  das  erste,  liatt  mann  zu  sehen,  wie  weit  das 
Reich  sich  einniisrliet.  undt  vun  selbigem  sich  nicht  zu  separiren;  doch  tluit 
manu  nicht  uhcl,  wer  es  vermag  undt  dem  feindt  nicht  zu  nahe  ist,  das  mann 
auch  extraordinari  dienst  thue.  Ist  es  wegen  des  Reichs,  ist  mann  schuklig 
sein  eusserstes  darbey  zu  rlum.  doch  mitt  obgedachter  beschcidenheit:  dann 
wann  mann  allein  über  vermögen  thun  will,  ist  es  eine  tohrheit,  sonderlich 
wann  mann  nicht  kann  geschützt  werden.  Ist  es  gegen  den  erbfeindt,  thut 
ein  ieder  withU  der  seinem  Kayscr  dienet  undt  seine  mitt  Christen  rettet ;  undt 
kann  ich  gar  nicht  approbiren,  das  mann  aus  einer  Jalousie  gegen  den  Kayser 
die  Türeken  solle  solche  progress  thun  lassen,  das  er  das  Reich  desto  leichter 
überschwemmen  könne. 

[Kriege  im  Innern  des  Reiches.     Kurzer   Überblick  über  den   Verlauf  des 

30jährigen  Krieges.'] 

Gibt  es  innerliche  krieg,  hat  mann  sich  am  meisten  vorzusehen:  dann 
diese  die  gefährligste  seindt. 

Selbige  entstehen  entweder  wegen  der  Religion  oder  aus  anderen  prae- 
tensionen.  Es  haben  bey  dem  dreyssigjährigcn  krieg  sich  die  Reichsstände  inn 
drey  theil  getheilet,  etzliche  als  inns  gemein  die  Romisch-Catholische  haben 
under  dem  praetext  den  Kayser  gegen  die  Böhmische  unruhe  zu  assistiren,  eine 
Ligam  gemacht  undt  verhoft,  das  Evangelium  auszutilgen,  denen  sich  etliche 
Evangelische  umb  anderer  respect  willen  zugesellet. 

Etzliche  Evangelische  haben  sich  mitt  den  genanten  Reformirten  inn  eine 
Vnion  begeben,  das  zwar  vermuthete  Reformationswesen  undt  politische  gra- 
vamina  zu  verhütten,  aber  zu  frühe;  undt  ist  das  bandt  gar  baldt  zurissen, 
weiln  mann  Gott  mehr  im  nmndt,  die  stiftor  aber  im  hertzen  gehabt,  dero- 
wegen  mein  inn  Gott  ruhender  horr  vatter  nichts  hart  wollen  darmift  zu  thun 
haben*") ;  darüber  er  zwar  von  beiden  theilen  hart  mitt  genommen  worden, 
aber  von  seiner  beständigen  trew  nicht  weichen  wollen. 

Etliche  seiudt  neutral  blieben.  Anfangs  haben  die  Römisch-Catholische 
grosse  sincerationes  gcthan,  das  sie  nichts  zu  nachtheil  der  Evangelischen  zu 
thun  gedächten;  als  sie  aber  die  uuion  zutrennet,  Pfaltz  aus  Böhmen  ge- 
jagt, die  noch  assistirende  geschlagen,  haben  sie  den  mantel  aufgedeckt  undt 
die  Religion  angegriffen  undt  seindt  so  verbleut  gewesen,  das  sie  nicht  ge- 
merckt,  das  manu  durch  den  hertzog  von  Friedlandt  das  Reich  inn  einen  andern 
model  zu  giessen  Vorhabens  gewesen,  wie  dann  nicht  allein  der  obgedachte 
General  selbsten  solches  öffentlich  gesagt,  sondern  auch  der  Kayser  selbst, 
welches  zween  Mayntzische  Capitulare  gehört  undt  gehöriger  orten  avisirt, 
welches  die  Catholische  Jjigam  alarmirt,  die  des  Tilli  armee  versterckt,  auch 
mich  Selbsten  etlich  tausendt  mann  auf  zu  bringen*')  ersucht  haben,   dessen  ich 


*")  Vgl.  Schliopliake,  VI,  418  ff. 

*')  Vgl.   Keller,  Drangsale,    S.  143,    ohne   jedoch    genügende    Aufklärung   über    diesen 
Punkt  zu  geben. 


91 

hedcnckens  g(!lial)t,  ^voilll  es  keim'  ^ciiicinc  Koiclissadi  gewesen.  Es  ist  ihnen 
aber  auch  dazumahln  wieder  solche  starke  hofnung  zu  der  Reformation  undt  der 
Evangelischfm  güttern  gemacht  worden,  das  sie  wiederumb  geholfen  iiir  eigen 
verderben  zu  befördern,  undt  d(m  Churfürsteii  zu  Sachsen  attacjuirt,  als  den 
einigen  Evangelischen,  so  noch  nicht  ruinirt  gew(!sen;  haben  zwar  es  dahin 
bracht,  das  der  Friedtländer  abgescluift  undt  die  Kayserlichc^  arniee  wold  umb 
die  helft  abgedanckt  unilt  in  Pohlen,  Italien  undt  Niederlanden  verschickt 
worden,  da  sie  dann  starck  hin  niarchirt,  aber  wenig  wiederkommen.  Als 
mann  den  Evangelischen  so  deutlich  dies  vorhaben  entdeckt,  haben  sie  sich 
anno  1()81  zu  Leipzig  zusammen  gethan  undt  einen  schlus  g(!macht,  der  zwar 
nicht  gar  wohl  gefast  gewesen  —  dann  es  w'aren  scopae  dissolutae  —  ieden- 
noch  zu  etwas  armatur  ursach  gegeben,  darzu  dann  der  König  inn  Schweden 
kommen ;  undt  obschon  beide  Churfürsten  von  Sachsen  undt  Brandenburg  anfangs 
demselben  König  keinen  pass  Magdeburg  zu  entsetzen  geben  wollen,  hatt  sie 
aber  Tilly  gezwungen,  mitt  dem  König  zu  coujuugiren,  dann  Leipzig  ein- 
gcnonmien  undt  weiter  inns  landt  gehen  wollen:  als  aber  die  Leipziger  erste 
Schlacht,  Avic  bekant,  abgangen,  hatt  der  König  den  Mayn  undt  Rheinstrom 
fast  ohne  resistentz  occupirt,  auf  die  Donaw  gangen  undt  München  ein- 
genommen, darüber  die  Catholischc  Liga  gar  zu  grundt  gangen  were,  ^vann  der 
Privatus  nicht  den  vorzug  für  dem  Publice  gehabt  hette.  Nach  des  Königs 
todt  hatt  mann  den  Heilbronnischen  bundt  gemacht,  da  dann  die?  privat 
respecten  undt  das  Französische  geldt  viel  böse  consilia  suppeditirt,  deren  ich 
etliche  verhüttet,  etzliche  aber  aufgehalten ;  undt  ist  die  Ketzerey  der  Donatisten 
Politisch  worden,  undt  hatt  ein  iedweder  donationen  undt  pensionen  haben 
wollen,  hingegen  nichts  bey  dem  gemeinen  wesen  gethan.  Ich  hette  das  ding 
auch  haben  können,  aber  ob  es  mir  auch  obtrudirt  werden  wollen,  hab  ich 
nichts  angenommen,  sondern  allein  meiner  religion  undt  vatterlandts  bestes 
gesucht:  undt  ist  der  übermuht,  bossheit  undt  untrew  so  gross  worden,  das 
Gott  durch  die  Nördlinger  schlacht  anno  1634  hatt  straffen  müssen,  dardurch 
viele  landt  undt  leut  mitt  dem  rücken  ansehen  müssen,  welches  mich  unschuldig 
betroffen.  Da  ist  es  erst  bundt  hergangen,  der  Churfürst  von  Sachsen  hatt 
durch  den  schändtlichen  Prager  Frieden  die  vornembste  Chur  undt  Fürsten  irr 
gemacht,  das  sie  baldt  diese,  baldt  jene  partie  angenommen.  Die  Schweden 
haben  inn  den  Sächsischen  Greisen  sich  verstärckt  undt  biss  naher  Wien  durch- 
gtrungen.  Ilcrtzog  Beruhart  zu  Sachsen  AVcinimai'  hatt  am  Rhein  agirt,  die 
Frantzoseu  an  sich  gezogen;  undt  nach  seinem  todt  liulx'ii  die  Frantzosen  selbe 
Kutte  Völcker  anoenommeu  und  durch  das  Reich  inn  allen  Greisen  neben  den 
Schweden,  Lünenburgischen  undt  Hessen  so  weit  victorisirt,  das  endlich  die 
Friedenstractaten  inn  Westpfahleu  haben  müssen    an   handt  genommen  werden. 

\yerte\d\(jung  seiner  Stvllioii/  i»  diesem  Kriege.] 

Diesen  kurtzen  extract  eines  laugwürigen  kriegs,  so  gantz  Europam  inn 
einander  verwickelt,  hab  ich  zu  dem  ende  hierinn  gesetzt,  das  mann  sich  für 
begangenen  fehlem  hütten  undt  künftig  klüger  handlcn  möge.    Es  ist  bey  dem 


92 

in  anno  1548")  und  ht-rnach  geführten  Roligii>nskriog  nicht  aniU'rsr  zu  gangen 
undr  ilardurch  goschelR-n.  das  cino  gutte  sach  übel  abgelauffen;  mann  hatt 
dazunuililn  darfui  gohalton.  das  manu  sich  nicht  wieder  ahubilligeu  gewalt  gegen 
den  Kayser  schützen  könne,  darunib  den  Kayser  einseitig  des  Reichs  entsetzen 
undt  uicht  mehr  deu  kayserlicheu  titul  geben  wollen,  sondern  Carln  von  Gent  ge- 
nennet, undt  ahnerwartt  geNvalts  offensive  gangen:  war  nicht  wohl  angefangen 
umlt  ahnglücklich  geendet.  Anno  IG^;')  waren  die  gemüther  nicht  besser  gestelt 
undt  wulte  mann  auch  dem  Kayser  absagen,  ich  hab  aber  mich  darwieder 
gesetzt  uudt  verwehret,  das  es  nicht  geschehen;  hab  zwar  bey  den  Schweden, 
Frantzosen  undt  bösen  teutschen  wenig  danck  verdient,  aber  justitiam  causae 
gerett.  Meine  consilia")  sindt  dahin  gaugt'n,  das  mann  sich  inn  gutte  defensions 
postur  stellen.  Kays.  Mayst.  mitt  allen  möglichen  remoustrationen  das  hertz  zu 
einem  billigmässigen  frieden  erweichen,  der  Catholischen  Liga  aber  mitt  solcher 
resolution  under  äugen  gehen  möge,  das  sie  von  ihrem  ihren  mittständen  zugefügter 
gewalt  abstehen  undt  die  Evangelische  mitt  sieh  inn  gleichem  gradt  der  imme- 
dietät  undt  religinns  freiheit  bleiben  lassen  mögten,  undt  alle;  occasionen  zu 
einem  reputirlicheu  frieden  annehmen  undt  selben  aufs  möglichts  befördern 
mögte.  Im  9.bri  1633  jähre  hatt  der  König  inn  Dennenuirck  sich  zu  einem 
interptinenten  offerirt.  ist  auch  pro  forma  angenommen  worden,  aber  mitt 
solchen  conditionen.  das  mann  sie  einem  inn  fessel  undt  banden  liegenden  nicht 
wohl  ärger  machen  könte;  als  ich  es  anhörete,  sprach  ich,  das  were  nur  schertz, 
moinete  nicht,  das  verständige  leut  dergleichen  würden  auskommen  lassen; 
wurde  mir  zur  antwort.  andern  theils  hette  mann  es  anno  IGol  auch  so  ge- 
macht: als  ich  replicirte.  ob  sie  recht  daran  gethan  undt  nutzen  darvon  ge- 
habt, wurde  von  einem  geantwortet,  manu  müste  es  ihnen  zwiefaltig  machen 
nach  ihrer  bossheit;  ein  anderer  fragte  alle  donatarios,  ob  sie  gedächten  etwas 
von  den  donationen  zurück  zu  geben,  er  wolte  leib  undt  gutt  aufsetzen,  ehe  er 
etwas  zurück  lassen  wolte,  das  der  redtliche  König  inn  Schweden  undt  die 
Cron  ihme  geben  hetten;  krigte  von  alUni  politischen  Douatisten  den  zufall. 
Ich  fragte,  ob  er  das  auch  über  ein  Jahr  noch  einmahl  sagen  wolte.  Er:  ja, 
ich  aber:  wolten  einander  gemahnen,  ehe  das  Jahr  umb  wäre,  undt  bäte  es  ad 
protocollum  zu  nemnien:  nach  dreyen  viertel  jähren,  als  die  Nördlinger  schlacht 
geschehen.  Ii;ili  iili  ihn  inn  gegenwart  Fürsten,  Graffen  undt  lierrn,  auch  vieler 
abgesandten  erinnert,  ob  er  noch  so  hertzhaft  were  als  vt)riges  jähr:  da  seine 
antwort  gewesen:  wann  er  das  seine  erhalten  könte,  wolte  er  die  hosen  ab- 
ziehen undr  dio  Olöster  besudeln  undt  sagen:  nemmct  ewcre  beschissene  Clöster 
wieder,  worauf  ich  ihme  sein  ahnbesoimenheit  vorgeworfen,  dardurch  er  mich 
undt  das  gantze  Keich  inn  clcndr  gesetzt.  Solche  böse  consilia  haben  mich 
bewogen,  das  ich  nicht  mehr  darboy  sein  wollen;  darauf  mann  mir  das 
commando  an  niedern  RIkmu  aufgel)ürdet.  Es  ist  aber  durch  der  Frantzosen 
pensions  das  werck  allso  verwirrest  worden,  das  keiner  ein  wort  im  Rhat  reden 
ktinnen.    das  nicht   ihnen  allsobaldt  zu  gebracht  worden,   aucii  durch  grosse,   zu 


**)  Mufis  heissen  1546. 

")  Vgl.  Keller   ii.  u.  ( >.  S.   11)0  f. 


93 

doron  vorunf^rmipfiing  so  rodlicho  consilia  f^^ofülirot,  so  o;av.  das  mir  der  König 
inn  Pranckrcicli  solbstcu  vorgüworft'en,  das  nicinandt  seiuon  intontionen  so  hurt 
sieh  wicdcrsotzot,  als  ich,  woh'hes  ich  so  wcuig  gch'ugncit  als  zuvor  dem 
Oclisonstirn,  Schwodischen  Itcichs  Cant/lor,  inn  gloichoni  casu,  undt  regorirt, 
das  ich  als  ein  toutscher  patriot  für  mein  vatterlandt  gcredt,  wie  andere  für 
ihr  Interesse;  undt  hcttc  der  König  meinem  ralit  gefolgt,  were  es  beiderseits 
besser  abgangen,  welches  er  auch  erkant  undt  übel  mitt  seinen  gesandten  zu- 
frieden gewes(>n,    das  sie  nicht  besser  berichtet. 

[Schiricri(/e  Lage  der  kleinen  Fürsten :  bewaffnete  Neutralität  ist  das  Beste. 
Sein   Wahlspruch:  nee  temere,  nee  ti)nide.~\ 

Dcrolialbon  liatt  mann  sich  bey  innerlichen  kriegc^i  Wdlil  für  zu  sehen, 
das  manu  den  respect  des  Oberhaupts,  so  viel  gewissens  halben  sein  kann,  inn 
acht  nemme,  sich  nicht  durch  muhtmassungen,  privat  considerationen  oder  be- 
gierde  etwas  an  sich  zu  bringen  betriegen  lasse,  wieder  selben  sich  aufzulehnen, 
sich  leiden,  so  lang  es  sein  kann.  Da  aber  eine  solche  sach  vorfiele,  da  mann 
die  religion  zu  tilgen,  die  Reichs  freyheit  zu  undertrücken  understünde,  kann 
mann  sich  gewissens  halben  nicht  vom  Evangelischen  corpore  oder  dem  Reich 
separiren,  sich  aber  erinnern,  das  mann  sich  nicht  under  die  aufrührischen 
mengen  solle,  weniger  under  dem  vorwandt  der  religion  undt  des  Reichs  wohl- 
fart,  privat  passionos  oder  begierde  zu  anderer  leut  gütter  etwas  wieder  den 
Kayser  oder  seine  mittstände  zu  machinireu  gelüsten  lasse;  dann  Gott  lasset 
es  nicht  ungestraft,  sondern  manu  muss  leiden,  biss  causa  comnumis  wneder  die 
ohnbilligkeit  esclattirt  undt  Gottes  ehr  undt  die  Reichspflichten  darzu  neccssi- 
tircn,  doch  allezeit  den  respect  des  Oberhau})ts  so  viel  möglich  inn  acht  nemmen, 
allezeit  zu  sicheren  reconciliationsmittcln  rahten  undt  mittel  zu  einem  sicheren 
frieden  suchen.  Biss  selbiger  erlangt  werdim  kann,  nmss  mann  sich  so  gutt 
möglich  inn  Verfassung  stellen,  dauu  inermis  ab  armato  sich  leges  muss  für- 
schreiben lassen,  aber  nicht  zuviel  auf  die  waffen  trawen,  das  mann  deswegen 
ehrliche  undt  billige  conditionen  zum  frieden  zu  gelangen  ausschlagen  wolte; 
dann  der  oberst  frieden  fürst  hatt  kein  gefallen  am  blut  stürtzen,  sondern  hatt 
einen  grewel  daran,  undt  kann  sich  das  blat  baldt  wenden:  anno  1628  redete 
mann  am  kayserlichen  hof,  als  ich  anfangs  hinkam"),  von  nichts  als  frieden, 
war  auch  eine  erwüntschte  gelegenheit  darzu,  da  der  Kayser  das  Reich  auch 
mitt  harten  conditionen  hotte  obligiren  undt  danck  gewinnen  können,  aber  der 
Jesuiten  geitz  undt  des  hertzogcn  von  Friedtlandt  hohe  anschlage  warfen  solche 
gutte  consilia  über  einen  hauffen,  undt  kam  der  Schwedische  Krieg,  darein 
sich  auch  Franckreich  mengete  mitt  unwiederbringlichen  schaden  des  Kaysers 
undt  Reichs  darzu,  welches  auch  zu  ietzigcm  krieg")  anlas  geben,  inn  deme 
sich  die  beide  Cronen  eingebildet  gleichen  success  bey  diesen  zeitten  zu  haben, 
ja  Franckreich  den  Domiuat  der  gautzen  weit    inn    seinen   godancken  albereits 


**)  Graf  Johann  wurde  1628  an  den  Kaiserlichen  Hof  geschickt,  um  Befreiung  oder  Er- 
leichterung des  von  "Wallenstein  besetzten  Landes  zu  erwirken.     Keller,  S.  9:j. 
*'")  Er  schreilit  während  des  Krieges  von   ir>72-167y. 


94 

"ehabt:  als  aber  keine  wiewohl  avanteuge  couditiones  von  den  Holländern  an- 
geborten  acceptirt  wurden,  ist  Hollundr  gleichsam  ohne  Schwertstreich  zu  dem 
seinigen  kommen  undr  Frankreich  su  viel  feinde  erregt,  das  mann  noch  nicht 
absehen  kann,   wie  es  ablaufen  wirdr. 

Derowegen  mann  sich  bey  solcher  unruhe  wohl  für  zu  sehen  hatt,  dulce 
bellum  inexpertis.  welches  macht,  das  mancher  zum  krieg  rüst,  der  es  wohl 
bleiben  Hess,  wann  er  wüste,  was  krieg  were  undt  was  gofahr  daraus  entstehen 
kann:  werden  auch  bissweilen  übel  belohnet,  wann  es  übel  ablauft.  Es  über- 
schlägt auch  mancher  den  krieg,  wie  ein  unerfahrener  einen  baw:  als  die 
Mavntzische  fortiticatiun  solte  angefangen  werden,  wurde  der  Überschlag  auf 
L^OOOOO  Rth.  gemacht  undt  solte  inn  fünf  jähren  gewiss  fertig  sein,  darüber 
ich  lachete.  Als  ein  jähr  oder  neun  für  über  waren,  fragte  ich  den  Cammer 
Kaht  inn  gegenwart  des  Churfürsteu.  ob  die  fortification  fertig,  undt  ob  die 
200  000  Rth.  zu  gelaugt  hetten;  es  war  aber  wohl  vier  mahl  so  viel  spesen 
drauf  gangen,  die  fortification  ist  aber  noch  nicht  fertig;  allso  macht  mann 
auch  bissweilen  den  Überschlag  im  krieg,  wie  König  Pyrrhus  inn  Epiro,  were 
aber  besser,  mann  bedächte  zuvor,  was  für  liinderungeu  fürfallen  können,  undt 
sonderlich  «ib  die  sach  gutt,  das  Gott  auch  segen  darzu  geben  könne,  inn 
welchem  aucii  nicht  allein  grosse  potentaten,  sondern  auch  geringere  fehlen 
können.  P]s  fragten  mich  einsmahls  etliche,  so  sich  mitt  Chur  Mayntz  undt 
Lothringen  gegen  Churpfaltz  inn  bünduuss  cinliesscn,  unil)  raht :  ich  wicderriehte 
es,  sie  aber  meineten.  es  were  ein  kirschenkrieg ;  ich  antwortete,  sie  selten  die 
kirschen,  hernach  die  äpfel  undt  birne,  die  trauben  undt  castanien  essen,  undt 
darnach  sehen,  ob  die  kirschen  Avieder  reif  würden  eher  als  ein  jähr;  kratzeten 
sie  sich  hinter  den  obren,  aber  zu  spat,  wie  bekandt.  Dergleichen  könte  ich 
aus  eigener  erfahrung  viel  darthun,  wo  es  nicht  von  alters  her  bekandt,  das 
solche  bündtnussen  selten  wohl  ausschlagen.  Es  geschiehet  auch  wohl,  das 
grössere  geringere  angreiffen  undt  dardurch  zu  kurtz  kommen ;  dann  neben  dem, 
das  Gott  dem  rechten  beystehet  undt  dem  hochmuht  steuret,  bewirbt  sich  auch  ein 
geringer  umb  liülf  undt  er  meistert  den  mächtigem  zu  seinem  grossen  schaden ; 
derohalben  am  besten,  wann  mann  frieden  hält,  undt  wann  der  nicht  halten 
will,  der  sich  auf  seine  praepotentz  verlässt,  muss  manu  Gott  undt  das  recht 
aurutfen  undt  gutter  freundt  underhandlung,  und  auf  den  nohtfall  assistentz 
suchen,  sich  aber  allezeit  hütten,  das  mann  keine  ursach  gebe  undt  inn  terminis 
justae  defensionis  bleiben.  Aus  obigem  kann  manu  gnugsam  abnehmen,  wie 
mann  sich  bey  innerlich(;n  undt  eusserlichen  krigeu  zu  verhalten  hatt,  ncmblich: 
das  Reich  gegen  auswärtigen  defendiren  helfen,  bey  innerlichen  der  Kayser- 
lichen  respect  nicht  verliehren,  seine  mittständt  nicht  ofiendiren,  gegen  gewalt 
sich  80  gutt  mann  kann  schützen,  sich  vom  Reich  nicht  separiren,  ausländisches 
gcldt  jiK'idcn,  für  donationen.  welche  des  vatterlandts  trewe  undt  respect  brechen 
undt  keinen  bestandt  hahen.  sich  hütten  undt  ohne  eusserste  noht  sich  nicht 
in  krieg  einmischen;  ieder  zeit,  wo  nicht  Gottes  ehr  undt  die  Reichspflichten 
es  änderst  erfordern,  zum  frieden  rahten,  keine  ehrliche  friedens  verschlag  aus 
liandeu  lassen  undt  mein  Symbolum  inn  acht  nemmen:  Nee  temere,  nee  timide, 
undt  nicht  gleich  verzagen,    wann  es  übel  gehet,    sondern  Gott  vertrawen,   der 


95 

alles  wohl  maclion  undt,  wann  die  sachon  am  aro:sten  stehen,  liolffen  kann;  ich 
hab  unschuldig-  droyzehen  jaiu-  oxulivtm  niiisson,  iiab  Gott  boy  meinem  gutten 
gewissen  irotrawet,  der  hat  mich  erhalten  undt  mitt  ehren  wieder  zu  dem 
meinigen  gebracht,  umb  Gottes  ehr  undt  woi-t  undt  des  Vatterlandts  woldfart 
ist  mann  schuldig,   alles  dran  zu  wagen. 

[Bettimysmiftel  gegen  stärkere  Gewalt:     Waffen  und  Äu/gehot,  Aushalten 

heim  Bcich.^ 

Es  were    eine  temerität,    wann  iemandt  von  unsers  hauses  mittein  gi-ossc 
armoen  richten,   si(di  gegen  grossen  gewalt  schützen  oder  andere  mitt  krieg  an- 
greiften wolte,   aber  doch  nöttig  rettungsmittel  zu  suchen,   wie  mann  sich  gegen 
o-rossen    ffewalt  defendiren  möge.     Da  seindt  nun    die  anfechter  entweder  aus- 
oder  innländische,   aucli  freundt,   undt  feindt;  hatt  mann  mitt  ausländischen  zu 
thun,   so  nuiss  mann  den  Kayser    undt  Reich  mitt  interessiren  undt  deren  hülf 
suchen  undt  erwarten,    undt  wie    schwerlich  umb   so  ein  geringes,    als  sie  bey 
unnsers  gleichen  suchen  können,    grosse  potentaten  krieg  anfangen  werden,   da 
das  Reich  mitt  eingeflochten  werden  kann,    als  ist  es  mehr  umb  die  nachbarn 
undt  strüppereyen,    so  von  freundts  undt  feinndts  Völkern  vorgehen  mögfm,   zu 
thun;    da  dann,    wann  mann    von    benachbarten   angegriff'eu,    durch    rechtliche 
mittel,   Zusammensetzung  unnscres  hauses    undt    hülf  gutter  freundt  gegenwchr 
zu  thun ;  so  es  strüppereyen  antrift,   da  wäre  zu  wünschen,   das  durch  einmütige 
Zusammensetzung  dem  werck  geholfen  würde ;  ist  aber,  wie  die  erfahrung  gibt, 
also  beschaff'en,   das  die  mächtigere  den  last  von  sich  undt  auf  die  Schwächesten 
ziehen  undt  schieben;  wann  schon  die  geringern  sich  zur  assistentz  verbinden, 
ist  keine  rechte  Verfassung  oder  aufrichtige  vertrawligkeit  mehr,    wie  bey  den 
alten,    würde    sonsten    der    sach    leicht    zu    holff'en    sein.     Als    anno  1601  der 
Hispanische  Admirant  von  Arragonien")    mitt  seiner  armee  inn  wetteraw  undt 
Westerwalt  quartier  machen  wolte,   setzten  die  grafen  sich  zusammen,   machten 
ein  retranchement  under  Alten  Kirchen  undt  logirten  sich  allda  mit  20  000  mann : 
alle  Gräften,   so  Soldaten  waren,   seindt  persöhnlich  darbey  gewessen  undt  haben 
den  Spanier  allso  abgehalten,   das  er  abziehen  müssen,  undt  haben  die  Fürsten 
von  Hessen    undt    andere    assistentz    versprochen;    wolte   Gott,    es    were    noch 
solche  Zusammensetzung,   aber!  Anno  16:52  hab  ich  den  Nassaw-Sarbrückischen 
ausschus  auf  dicsseit  Rheins  auf  ()000  wohl  exercirter  mannschaft  gesteh,   dar- 
mitt    alle,    so  unns  zwacken  wollen,    abgehalten,    auch  andere  gerettet;    es  ist 
aber  ietzo  mangel  an  mannschaft  undt  Zusammensetzung,    Gott  gebe  besserung. 
so  könte  es  noch  einmahl  allso  gesteh  werden ;  ietzo  muss  mann  sich  mitt  gutten 
Worten    retten,    wolte    die    alte    Teutsche    redlichkeit  wieder  aufkommen,   were 
gutt    solche    Zusammensetzung  zu  restabliren.     Für    allem  ist  sich  wohl  für  zu 
sehen,   das  mann  sich  mitt  ausländischen  nicht  zu  weit  einlasse  oder  verbindt. 
wirdt    gemeiniglich    Leonina    societas,    wie    bey  den  westpfählischen    Friedeus- 
tractaten    die    Frantzoseu    erwiesen,    da    sie    zur    recompens    unnserer  diensten 

*8)  Franz  Mendoza.     Vgl.    Keller,    Geschichte   Nassaus   von    der  Retornmtion    bis   zum 
Anfang  des  30  jährigen  Krieges.     S.  464  f. 


96 

iinns  vom  Reich  ab  umlt  inn  ihre  subjoction  ziehen  wollen;  undt  da  ich  mich 
darlegen  gesetzt,  haben  sie  mich  feindtlich  zu  tractiren  betrohet,  hab  aber  nicht 
nachgeben.  Mann  bleibe  inn  solchen  fallen  bey  dem  corpore  des  Reichs  undt 
rahte  iederzeir,  das  mann  sich  mitt  ausländischen  wohl  für  sehe  undt  nicht  zu 
weit  einlasse:  dann  es  heissen  wirdt:  Turpius  ejicitur  quam  non  admittitur 
hospes. 

[Streitigkeifen  des  Hauses.] 

Inn  unserem  haus  hatt  Erys  semen  discordiae  gesehet,  welches  auszurotten 
ich  viel  mühe  angewandt,  auch  viel  ül)er  mich  gehen  lassen,  aber  biss  noch 
nicht  den  gewünschten  zweck  erreichen  können ;  Ich  hab  darüber  den  inn  unsers 
hauses  Erbeinigung  vorgeschriebenen  weg  des  Arbitrii  ergriffen,  anderseits  ist 
es  80  hart  zu  wieder  gewesen,  das  mann  mich  auch  ehrurürig  angreiffen  dörfen, 
hab  es  aber  so  lang  verschmertzot,  das  es  zu  der  wiedrigen  eigenen  schimpf 
ausgeschlagen  undt  doch  endtlich  einen  anfang  genommen.  Es  ist  aber  erst- 
Uch  der  Oberst  Lcutenant  Leyen,  so  der  eine  arbiter  gewesen,  hernach  mein 
Vetter  von  Weilburg,  ietzo  aber  der  von  Dahlberg  auch  arbiter  verstorben, 
dahero  mitt  der  Sachen  nicht  fort  zu  kommen  gewesen.  Ich  binn  darüber  alt 
undt  baufellig  worden,  weiss  auch  nicht,  ob  ich  den  ausgang  erleben  werde, 
hotFe  aber,  die  von  mir  verordnete  Vormünder  werden  es  zu  endt  treiben.  Es 
ist  inn  unserm  haus  keine  eiuigkeit  zu  hoffen,  wann  dieses  verpleibt;  es  ist 
so  viel  darinn  angefangen,  das  der  sachen  leicht  zu  liolffen,  undt  binn  ich 
gefast.  das  meine  zu  erweisen  undt  anderer  seits  unfug  dar  zu  thun,  undt  will 
lieber  nachgeben,  was  thunlich,  als  die  Uneinigkeit  zu  erhalten:  Ich  hab  seither 
dem  Gottischen  recess")  mit  grosser  gedult  gesucht,  was  zu  diesem  zweck 
dienet,  mann  hatt  aber  meiner  nur  gespott,  welches  mich  gezwungen  die 
Arl)itros  inn  Camera  confirmiren  undt  authorisirn  zu  lassen,  ohneracht  ich  durch 
meines  Bruders  Söhne  darüber  hart  angegriffen  worden ;  sie  haben  aber  propriam 
turpitudinem  allegirt  undt  nichts  erhalten,  werden  aber  des  von  Dahlberg  todt 
sieh  zu  nutz  machen  undt  die  ernennung  undt  confirmation  des  successoris,  so 
lang  sie  können,  aufschieben,  welches  aber  durch  ein  Mandatum  kann  verhindert 
werden.  Das  meiste,  so  zu  thun  wirdt  sein,  ist  die  Direction  inn  gemeinen 
Sachen,  die  Administrationsrechnungen  undt  schulden  theilung.  Das  erste  ist 
wohl  inn  acht  zu  nemmen,  dann  nach  meinem  todt  Vetter  Johann  Ludtwig  sich 
wirdt  understehen  dasjenige  zu  thun,  das  er  mir  ahn  grundt  beymist,  nemblich 
nach  seinem  Latein,  nach  einem  absoluto  Directorium'*)  trachten  oder  weil 
lauter  ])Uj)illen  hier  undt  zu  Weilburg  sein  werden,  suchen  sich  zum  herrn  zu 
machen,  die  vertrag  übern  hauffen  zu  werfen  undt  die  Primogenitur  einzuführen, 
wirdt  aber  leicht  durch  die  herrn  vornmndcr  können  übern  hauffen  geworfen 
werden,   weil  herkommen  undt  vertrag  dar  seindt. 

Die  Administrations  Rechnungen  seindt  zwar  l)oy  mir  etwas  schwer,  weil 
ich  ujiib  viele  Rechnungen  kommen,   ich  will  aber  lieber  schaden  leiden,   als  das 


")  Der  Gothaische  Yergloich  übor  die  Erbteilung   der  Lande  vom  6.  März  1651.     Tgl. 
Schliephake,  S.  .088   f. 


97 

werck    darninb    nnfhaltcn ;    nicinc    v(ir;j,-<fs(ili()ss('n('    ,ii,rl(lcr    weiden    ein    nielircn-s 
austragen. 

Die  schulden  rlieiiun.i;-en  seindi  anno  IDTl  zu  Wiessbaden  so  weitt  braclit, 
das  die  arbitri  die  strittig  gemachte  ])uncten  gar  leiclir  werden  ausmachen 
kruinen ;  undt  ist  bev  diesem  Aveick  dahin  zu  seilen,  wie  einigkeit  im  haus 
i'estabilirt  weiden  köniu':  undt  seile  niaiiii  aiicli  \cilust  über  sicli  gelu'n  lassen 
müssen.  J)er  (lotliisehe  A'ergleicli  muss  wohl  inii  acht  gehalten  werden,  welchen 
obgedachter  mein  vetter  durch  alle  w(^g  ubern  hauffen  zu  werften  suchet,  olin- 
eracht  ihme  undr  seinen  Brüdern  grossei'  vertlieil  darboy  geschehen,  undt  w(dre 
selber  gerne  die  vorige  theilung(m  von  anm»  \(')'Ji)  undr  deren  ergäntzung  ile 
anno  1651  vernichten  iindi  eine  newe  theilung  nach  ietzigeiii  zustandt  der  landen 
gemacht  haben  oder,  wie  er  nicht  verschweigen  krmnen,  alles  allein  haben  undt 
übrige  zu  abgetheilten  herrn  machen:  die  bey  den  .Vrbitris  eingebene  ])uncten 
seindt  allso  beschaffen,  das  theils  gantz  falsch,  die  andere,  wann  sie  sich  allso 
befinden,  ihnen  mehr  schädlich  als  nützlich  wercüi,  wi(^  meine  notamina  ausweisen; 
darzu  er  keinen  buchstaben  inn  unnsers  hauses  vertragen  vor  si(di  hatt.  undt 
hatt  mann  sich  keines  wegs  von  <lems(dben  undt  dem  Arbitrie  abbi-ingen  zu 
lassen. 

\_Fvuansielh;  Massregcln  zur  Wiederauf hcsserunf/  des  Landes.'] 
Es  weiset  der  leidige  augenschein,  das  viel  mahl  durch  krieg,  brandt, 
misswachs  die  arme  underthanen  gantz  umb  das  ihrige  kommen,  das  sie  müssen 
schulden  machen,  umb  wieder  auf  zu  kommen;  hatt  es  (h^r  landtherr  inn 
vermögen,  thut  er  wohl,  das  (^r  ihnen  selbsten  v(n-setzet,  das  nicht  frembtc 
einnisten:  auf  das  wenigst  soll  er  b(!y  renthen  undt  anlagen  so  viel  möglich 
schonen,  das  sie  sich  erholen  mögen :  hatt  ein  armer  liegende  gütter  undt  keine 
mittel  selbe  zu  bawen.  soll  die  gemeindt  angehalten  werden,  die  gütter  zu 
bawen,  doch  das  das  dritte  theil  des  einkommens  der  gemein  bleibe,  vom 
übrigen  aber  der  arme  wieder  zu  kräften  k(unmen  könn(\ 

Bey  kriegszeitten  ist  sonderlich  nöttig.  das  zu  Verschickungen.  Ver- 
ehrungen undt  dergleichen  alle  zeit  geldt  vorhanden  seye:  deswegen  wann 
ruhe  im  landt  ist,  ein  cassa  aufzurichten,  etwa  von  ein  oder  zwey  dausent 
Kth. :  dardurch  kann  manche  beschwerung  abgewandt  werden :  undt  kann,  wann 
mann  ruhe  hatt,  monatlich  etwas  zusammen  getragen,  inn  der  Cantzley  ver- 
wahrt undt  zu  nichts  anders  angewandt  werden. 

[Befestigwtg  der  einzelnen  Orte.] 
Beschlossene  ort  sollen  mitt  mauren,  graben,  thürmen  undr  thoren  wohl 
verwahrt  werden;  hette  ich  nicht  die  Wissbader  angehalten  bey  frieden,  die 
graben  wieder  zu  machen,  weren  sie  bey  diesem  krieg,  wie  bey  vorigem 
])reiss  gewesen.  Es  wollen  aber  die  underthanen  mirr  ernst  darzu  angehaUen 
sein,  dann  sie  ungern  dran  kommen,  biss  sie  mirt  schaden  gewahr  werden, 
wie  gutt  mann  es  mitt  ihnen  gemeint,  da  man  sie  darzu  erinnert.  Umb  hiesigen 
flecken'^j    hatt    es    stattliche  grältep    imdr   mauren  gehabt,    es  ist    aber    meistes 

*")  Idstein. 


98 

al.j;aij-«'ii.  isr  abiT  lu.tri-.  .so  haUlr  os  sich  rhiin  lässor,  alles  zu  lopurireu:  /.u 
AN-issbaden  seindt  zwar  die  -räl.cii  ziniblicli  gesteh,,  aber  es  ist  mirr  inauren 
undt  thürnien  sdilecht  besteh :  iindf  /.ioheu  doch  die  büiger  verschiedeue  renthen 
/ii  diesiMU  endt.  welche,  wann  sie  iiidit  l)awen.  wiederuinb  einzuziehen  seindt. 
Es  ist  keine  V.'stung  iun  allen  Xassaw  Sarbrückischen  landen  diesseit  Rheins, 
wcre  wohl  eint'  zu  wünschen,  weiss  aber  keine  gelegenheit  darzu:  Walsdorf 
were  zwar  wcdd  gelegen,  mangelt  aber  an  wasser;  wann  dieser  fehler  zu  ver- 
bessern,   wüste  irh   keinen  ort.   der  leichter  fest  könte  gemacht  werden. 

[JieichsfürsfeusliDnl  r/r.<  Handies  Nassau.'] 
Es  iiart  Kayser  ('arolus  (|uartns  weilandt  Graf  Johannen  zu  Nassaw 
herrn  zu  Mehrenbeig  inn  ann«»  KUiC)  iiin  Fürstenstandt  erhoben:  dasselb  ist  von 
den  nachkc.nunen  etwas  negligirt.  ab.-r  für  fünf'")  Jahren  die  restitution  gesucht 
worden,  stehet  noch  am  Kayserlicheu  huf  ahnerortert,  wiewohl  der  Reichs- 
hofraht  für  uns  gesprochen.  Dieses  ist  zu  treiben  uiidt  nidir  now  zu  suchen; 
dann  es  ein  anzeigen  were,  das  es  unns  adimivr  worden,  welches  absque 
ignominia  nicht  geschehen  kann:  es  ist  in  zweyen  responsis.  das  es  uns  mitt 
recht  gebühre  undt  nicht  genommen  werden  könne.  weitläufFig  ausgeführt,  undt 
weisen  die  acta,  was  darinn  gethan  worden.  Die  päpstische  Catholici  fürchten 
pluralitatem  votorum:  ich  wolte  nicht  raliten.  das  mann  auf  vielen  bestünde: 
undt  wann  wir  gleich  Xassaw  Catzenelnbogen  nur  zwey")  erhalten  könten. 
würde  es  besser  sein  als  keines.  D(n-  rang  iun  Reichs  undt  Creisstägen  ge- 
bührte uns  vor  vielen,  so  weit  oben  sitzen,  ist  aber  besser  darinn  nach  zu 
"•eben  undr  ila  mann  bev  Mümpelgart  kommen  könte.  were  nicht  viel  zu 
ilisputiren. 


Dritte  Theil.'O 

[Wert  einer  r/uten  Hauslialiimg^ 
Was  iun  vorigen  beiden  theilen  ausgearbeitet  worden,  kann  schwerlich 
inns  werck  gesetzet  werden,  wann  nicht  eine  solche  haushaltung  angestelt  wirdt, 
das  mann  das,  so  zu  deren  eft'ectuirung  gehört,  auch  ausrichten  könne.  Es 
gibt  Claus  Narrn  nachfolgen-  viel,  die  theils  aus  ignorantz.  theils  aus  bossheir 
undt  eigenem  v(»rtheil  den  herrn  rahtiui :  verkauf  dein  Dorf,  so  krigestu  gelt; 
ist  ein  böser  ralir.  Zu  eingang  meiner  regierung  hatt  Pissport^*)  eben  diesen 
raht  gegeben,  uiul  wer.-  dci'  llürtenberg  neben  beiden  Rossbach  weg  gangen, 
wann  der  Landtgraf  redliche  leutt  gehabt  bette:  weiln  aber  dieselbe  das  darzu 
erhaben  gelt  dem  Landtgraffen   veruntrewet,    ist  es  Gott  lol»  verblieben,   da  icli 


•■'")  Wühl  1672.  nftinals  liorichtete  dor  nassauifiche  (iesandte  in  Regensburg  davon.  Vgl. 
Snh  lie|»hake  a.  a.  O.  S.  .'i56.     l'ber  frühere  Versuche  in  Wien  S.  545. 

*')  (iraf  .Johann  Ludwig  von  Hadiiniar  war  1650  und  rirnf  Ludwig  Heinrieh  von  Dilleu- 
hurg  1652  in  den   Reichsfürstenstand  erhoben. 

")  So: 

")  Philipp  (it'org  VDii  Piessport,  ( »lioranitnitmii  in  Suitrhiiickpn  1609— 16.")0.  \'gl.  Külliior, 
(iosrliiphte  von  SanrliriicktMi,  S-   '516. 


'.I'.t 

unno   KioO  dus    wiirck    \v«^;^on    iiicln    (Mtnli^iri'    /aliluni;-   wieder    icrnicrirr.      Für 
solchen    iiiittcdii    iiiiin-    sicli  ein   licir  hätten    und  (huickcn,    wunn  er  c^twas  landt 
wog^-iht,   das  dardurch   die  oinl<uniinen  g-winj'ert    undt  d(T  hist  nicht  geniindort 
wirdr,     nndr    allso    ein   dnrf    nach  (h'in   andern   hiiiwei;-  lachet,     iiiidt    dai-aiif  die 
ämptef  folgen,     liiss    mann     endtli<li     nichts     Ix-liäh.      Dieses    kann     alh's    (hii'rh 
wohi    hanshalten    verminen    lileilieii.      Ich    lial)   v<ni   nieinem    lierni    Vattern   viel 
schnlden  ererbet,     nicht   das    sie    /u    des   hauses  notthurft   oder  un\/Am  {gemacht 
worden,     sondern  durch  \ortlunIsüchti<;'k(!it  der  dieiier:    dann   erstlich  ludjen  si(! 
die  recliJinn^^iui  un(Un'schri(d»en  nndr   inu  eincMn   latei'c^  bissweihni  <^tli(di  ta\is(!ndt 
hini^-cduai  lass(ui :   voi's  ander  von   den,    so   ihr  .i;('ldt  .i^crn  wohl   aidifinn'cn  wolhni, 
verehrung'on  geneniinen    undt  dit^  vorhanchuie  iniitid  vertuscht  undt  schidden  aul'- 
i^ebürdot,   /n   ilircnn  profit  undt  der  herrschat't  schinn>f  undt  .schaden:  Jiatt  mann 
die  pensiones  zahlen  sollen,   haben  hu)  müssen  geschmiret  werden  undt  /wey  per 
cento  Cammer  recht  darzu  zurück  lassen  müssen  :  liatt  mann  dicnier,  handtwerckslout 
undt  derg-leichen  bezahlen  sollen,    haben  sie  die  «|uittungen  anf  das  totum   sich 
geben  lassen,    hingegen    die  helfte,    auch   wohl   zwey    dritte  theil    für    sich   be- 
halten.     Meiner    älteren  Brüder    reisen  haben    über  ein  tojjncn  goldts  gecostet, 
der  baw    zu  Sarbrücken    ist    so  redlich    verrechnet  worden,    das   der  Cammer- 
schreiber  meinen  herrn  Vattern  l)eredt,   das  w  die  r(H'lmungen  verbrant,   darndtt 
nicht    iemandt  den  betrug    einmahl  find(!n   möge;    luitt  dahero    ein  herr    ursach 
die  rechnungen  fleissig    undt  jährlich  abzuhören,    die  beylagen    zu   examiniieu, 
ob  sie  richtig  oder  nicht,    die  qnittungen  fleissig  zu  erforschen,    ob  sie  richtig 
oder  nicht,     zu    dem  (mdt  die,     so    sie    geben,     zu  redt  zu  setzen,     o1)    es  ihre 
liandt,    ob  sie  nicht  mehr  (piittirt    als  sie  empfangen,    undt  wie  sie  darzu   \  er- 
anlasset worden.     Die    nudmungen    s(nndt    nach    uhüiku-  (Jammer    ordming,    so 
hernach  beschrieben  stehet,   abzuhören   undt  selbe  ordnuug,    als  welche  ich  aus 
diM-  erfahrung  zusammen  getragen,   wold  in  atdit  zu  nemmeu. 

[HofhaUiDhj.] 
Fürs  ander  nmss  ein  herr  seinen  staat  allso  anstellen,  das  er  nicht  höher 
fliegt  als  seine  federn  zulassen.  Erstlich  seinen  hofstaat  allso  richten,  das  er 
seinem  standt  gemäss  seye.  Mein  inn  Gott  ruhender  herr  Yatter  hatt  einen 
über  Fürstlichen  staat  geführt  ans  lauter  güttigkeit,  weibi  er  niemandt  gerne 
eine  fehlbitt  thuu  lassen;  hatt  vicd  unordtnung  undt  ohnnöttige  costen  ver- 
m-sachet;  undt  da  mein  herr  Yatter,  als  er  allein  Ottweiler  undt  Hondiurg 
gehabt  undt  einen  staat  geführt,  dessen  sich  ein  fürst  nicht  schämen  dörfen. 
geldt  genug  gehabt,  allso  das  sich  nach  seinem  todt  inn  seiner  (Jammer  zu 
bttweiler  etlich  tausendt  gülden  inn  einem  kästen  gefunden,  darvon  er  nichts 
mehr  gewust;  dann  dazumahl  sähe  er  auf  (bis  seinige;  hernach  da  er  dw  lande 
alle  zusammen  geerbt  undt  Friedrich  Scheffern'O  zum  Cammerschreibern  be- 
kommen, da  ist  alles  dahin  gespielet  worden,  wie  man  schulden  macheu  möchte: 
undt  hatt  mann,  wann  gast  in  haus  gewesen,  vorgeben,  das  bey  so  vielen 
lauten  ahnm()glich  küchen,   speiclier  undt  keller  rechnungen   zu  thun:   mann  hatt 


■•*)   Frioilricli   Scliät'er. 


100 

jährlich  übiT  daust-nt  stück  wilKirin-et  gofaui^en.  hutr  so  viel  getluiii  als  ^ve^e]^ 
es  meiseu  gewesen :  alle  höf  seiiult  voll  viehe  gewesen  undt  noch  jährlich  grosse 
anzahl  darzii  gekauft  worden,  hatt  wenig  vortheil  gebracht.  Es  seindt  etzlich 
hundert  stück  Schweitzer  viehe  da  gewesen,  mann  hatt  viel  Centner  butter 
kautf'en  müssen:  etzlich  hundert  fuder  wein  eigen  gewächs  undt  zehenden 
haben  müssen  nichts  sein,  sondern  es  si'indt  wein  mitt  grosser  anzahl  gekauft 
worden;  manu  wirdt  von  vielen  dausenten  schaffen  wenig  nutzen  inn  rechnuugeu 
finden;  ja  die  stattlich«'  h«">ff  dies  undt  jenseits  Rheins  haben  der  herrschaft 
müssen  schädlich  sein   undt  selbige  noili  zu  bussen  müssen. 

Verrechnete  diener  seindt  angenommen  worden  ohne  instruction,  bestallung 
undt  pHichten;  <lann  hatt  mann  dm-cli  das  w<trt:  zur  kellcrey.  Rentmeisterey 
undr  dergleichen  gehi»rig.  sechtzig  oder  meher  mahl  mehr  zugeeigent  als 
sonsten  die  bestalliins  sein  scdlen.  Auf  solche  weiss  kann  ein  reicher  herr  arm 
werden;  imdt  gehen  «buh  die  diener.  so  solche  untrew  brauchen,  selbstcn  oder 
doch  die  Kinder  zu  grundt.  wie  der  augenschein  weiset.  Diesem  vorzukommen, 
muss  mann  sidi  strecken  nach  der  decken  undt  seinen  staat  allso  regaliren, 
das  er  nicht  über  das  Vermögen  geht;  bei  jetzigem  Grafenstandt  hatt  jnaun 
gnug  neben  einem  Ober  Amptmann  mitt  einem  Raht  undt  einem  Secretario, 
auch  einem  Registratore  undt  einem  oder  zwey  Schreiber.  Icli  liab  zwar  wegen 
Direction  inn  gemeinen  sachen  uiidr  vieler  rechtfertigungen  mehr  halten  müssen; 
wann  aber  stdbige  cessiren.  kaiin  es  reducirt  werden.  Bey  der  hofhaltung*") 
neben  einem  hofmeister  undt  Stallmeister  (unen  Cammerdiener,  etwa  einen 
)»a<!:en  undt  zween  lacqueien.  So  lang  der  herr  ahnverheurathet,  darf  er  neben 
nüttigen  reitpferden  aufs  hTtchst  nur  eine  Kutsch 'j  [halten].  Einen  tüchtigen 
Cammcrschreibcr  muss  er  haben,  kann  er  auch  wohl  die  kellcrey  durch  selbigen 
versehen,  einen  landtbereiter  wegen  disr  frohn ;  auf  den  ämptern  ist  ietzo 
uiemandt  überflüssig(!s.  Würde  der  Fürstenstandt  «»rnewert.  were  aufs  höchst 
ein  Cammerjuncker,  ein  Truckses  vom  adel.  ein  Pagi^  undt  noch  ein  oder  zwey 
lac«|ueyen  zuzusetzen:  dann  der  Fürstenstandt  bestehet  nicht  inn  unnötigen 
dienern  undt  kann  mann  bev  ankunft  "frembter  herrschaft  allezeit  von  den 
leben leutten  haben. 

[Vrrbesseri/ug  der  Benten.  Domänenverpachtung.  Holz- Verkauf.'] 
Man  hüttet  sich  billig  für  schulden  machen:  dann  nichts  verdi'iesslicheres 
als  das  nachlautfen.  process  undt  d(>rgleichen,  die  daraus  entspringen:  solchem 
vorzukommen  muss  mann  «'rstlidi.  wie  obgedacht.  die  Cammerordnung  inn 
fleissigor  obadir  haben  undt  die  renthen  fieissig  inn  acht  nemmen.  vors  ander 
auf  Verbesserung  d<!r  renthen  dencken,  vors  dritte  gutte  Ordnung  bey  hof  halten, 
das  nichts  unnützlich  verschwendet  werde.  Die  Verbesserung  der  renthen  kann 
geschehen.  Erstlich  wann  mann  die  heimbgefallene  gütter  umb  gewissen  pfacht 
erliliili  vr-rleihef.  da  niaiiii  nicht  daran  gebunden,  das  sie,  wie  vorige  verstorbene 
sie  ijesessen.   verbsyhe,   sondern  sehen,    wie   viel  mann  sie   höher  bringen  könne. 


*^)   Cnilcutlicli. 

'"*)  llintor   „Kutsch''    ist  «iiif   Liickf 


101 

Es  thun  dio  Diener  l)is>.\vcilrji,  ;ils  dl»  sie  niclit  liölier  zu  hiin^cn.  sct/.cii 
hofleut  darauf,  die  ihnen  violi  halten,  dar^e^en  wenif?  I)awcn:  und  liatt  allso 
der  diener  nielu*  davon  als  dei-  licir  darauf  /u  sehen:  /um  anderen  wann  mann 
das  g-ehültz  recht  hrauehet:  es  ist  in  dei'  h()lu'  viel  holtz.  das  vcn-dirht,  undt  kann 
durch  tiössen  naher  Maynt/.  nder  liinck^aw  »•ebracht  werden,  darbey  iiin  aclir 
zu  nemnieu,  das  mann  die  s])esen  nicht  anwende,  mann  habe  dann  erst  einen 
gewissen  accord  wegen  des  preisen  gemacht ;  dann  die  Mayntzische  das  holtz 
gerne  vergebens  hätten,  wie  ich  ttrfahren:  darn(d)en  kann  n)ann  auf  schneidt- 
mühlen  büclien  brettcn-  schneiden,  wc^lciu;  wohl  an  mann  zu  bi-ingen  seindt,  ist 
sonsten  die  liöhe  Ordnung  wohl  in  gang  zu  erhalten  undt  zu  handthaben:  dann 
die  förster  fahrlässig  undt  vortlieilsüclitig. 

[Michelhaclier  EifienhiUte.^^ 

Zum  dritten  hab  ich  bev  Michelbach  eini;  eisehürte  an;;ericlu ;  diescdbo 
ist  wohl  inn  acht  zu  nemmen,  sie  kann  ein  merckliches  eintragen,  wann  sie 
recht  getrieben  wirdt,  kann  auch  mercklich  verbessert  werden,  wann  mann  drat 
ziehen,  allerhandt  waffenschmidt  darauf  hält:  kann  auch  oberhalb  Michelbachcr 
niühl  einen  kleinern  liainmer  erbawet,  darauf  auch  hufeisen.  platten  undt  pfannen 
gemacht  werden;  undt  muss  wohl  bey  den  hütten  rechnuugcn  inn  acht  genommen 
werden,  das  die  Güss  gewogen  undt  was  eine  geben  könne  an  geschmittem 
eisen  erforschet  wirdt;  der  eisenstein  ist  sehr  reich  undt  gutt,  gehet  wenig  ab; 
es  mangelt  zwar  bissweilen  an  wasser,  kann  aber  durch  schleussen  inn  der  alir 
verbessert  werden,  wie  auch  da  mann  die  bach,  so  durch  Michelbacli  fieusst, 
niitt  einem  Damm  versiehet,  da  man  viel  wasser  gewinnen  kann;  holtz  wirdt 
inann  nunmeher  aus  der  höhe  nemmen  müssen,  selbiges  zu  kohlen  brennen  undt 
durch  den  Weher  grundt  biss  Sterckenraht  führen  lassen,  da  dann  selbige 
durch  die  hütten-  oder  gemietete  fuhren,  fort  undt  die  ledige  wagen  zurück 
gebracht  werden  können. 

[Bergwerke.     Mudershäuser  Marmorhruch.^ 

Bergwerck,  wann  sie  gerahten,  können  au('ii  nutzen  bringen,  ist  aber  ge- 
fährlich, undt  muss  mann  sich  für  sehen,  das  mann  nicht  mehr  inn  die  berge 
werfe,  als  mann  wieder  heraus  bringen  kann:  es  hatt  einsmahls  ein  Fürst 
viertzig  Dausent  Rth.  inn  ein  borg  geworfen  undt  viertausendt  herausbracht, 
hatt  allso  den  zehnden  seiner  auslag  wiedei'  bekommen.  AVann  mann  mitt- 
gewercke  haben  kann,  die  den  hazard  mitt  lauffen,  ist  es  desto  leichter  undt 
hatt  mann  den  zehend(Mi  vor  aus;  was  numn  nicht  sucliet,  findet  mann  selten, 
darumb  kann  ein  luu'r  wohl  besser  ein  paJir  hundert  lith.,  an  wagen,  als  es 
gar  unversucht  liegen  lassen,  aber  sich  die  hofnung  nicht  zu  weit  verleitten  lassen. 

Der  Mudersliauser  marmelbruch  ist  bekandt.  derselbe  hart  mir  noch  nichts 
eingetragen,  weiln  ich  ihne  zum  kircheubaw*')  angewendet  undt  für  mich  ge- 
braucht. Es  können  aber  auf  den  schneidtmühlen  künftig  platten,  thürgestell. 
camin  undt  dergleichen  mitt  vortheil  geschnitten  undt  den  Kluün  hinunder  ge- 
führt,  auch  wohl    mitt  Unniburgern.    Tjn1)eckern.    j'i-emeiii  undt  dergleiciien  kauf- 


'')  Vgl.  Cuntz.    Dil!  Kirche  zu  Idstein,  .S.  4, 


1  l'»l^ 

leutreu    iuu  die  Ost  :!>ei'  gobraclir    worilm.     «las    mauu    kiintrig-    uutzeii    daraus 

hüben  kann. 

[Viehzucht.'] 

Viehe  zutht  kanu  iiiauu  auch  mitr  uut/.eu  austeilen;  bey  dorn  Wissbader 
uudt  GasenbacJUT  huf  kanu  uuiuu  Nvt.hl  au  die  lumdert  undt  zelu^u  stück  uielck 
viehe  halten:  zu  Weh.-n  hal»  i<li  bishen»  die  mutterkälber  gehalten,  zu  Buvii- 
selnvalbaeli  die  juuire  Oehsen:  es  kann  aber  der  "svieswachs,  wie  hernach 
t"(dgef.  vernu'hrr  undt  allsu  uudir  viehe  geluilteu  werden.  Schaf  vielie  kann 
uiaun  aueii  au  allen  denen  orten  halten,  dir  wolle  jährlieli  zu  luitzen  bringen. 
die  lämuier  uudt  häiuuiel.   die  überHüssig  seindt.    zu  geldt  uiadicn. 

Schweinen  viehe  undt  Federviehe  kann  mann  allororteu  zui'  hofhaltung 
undt  den  uberHus  zu  verkaufen  ziehen.  Ich  luib  hiebevor  verschieden  mahl 
im  Frühling,  Sommer  umlt  Herbst  Ochsen  gekauft,  inn  die  weidt  gethan  undt 
stdchen  nutzen  darvon  gehabt,  das  ich  nicht  allein  das  Kindtfleisch  bey  der 
hofhaltung  frey.  sondern  noch  einen  gutten  überschus  an  gcldt  geliabt,  ist  ein 
starcker  Wucher,  ohne  süude;  ist  wold  inn  acht  zu  ncnumen,  wann  die  erste,  da 
das  stück  etwa  zwölf  biss  aufs  höchste  fünfzehen  Kth.  gecostet,  von  anfang  der 
weidt  biss  auf  Joliauniss  inn  doY  weidt  gegangen,  seindt  sie  auf  fünf  undt 
zwantzig  gebracht  worden:  alsdann  andere  eingescldagen  biss  auf  Jiartholonun. 
wieder  verkauft:  die  dritte  biss  Galli  undt  wann  kraut  undt  rübeu  gerahten. 
die  vierte  im  Stall  gemästet;  trägt  wie  obgedacht  das  fleisch  iun  die  küchen, 
das  unnschlicht  zu  liechteren  uudt  geldt  iun  den  beuttel 

[Wieshader  Hof.] 

Die  liöf  seiudt  wohl  inn  aclit  zu  ncnuncn.  dci'  Wissbader  liof  ist  durch 
das  Schützische  gutt  mercklich  verbessert"'*),  ist  ein  stattlich  stück,  wann  es 
trewlicli  vriwultcr  wird:  es  können  allda  neben  obgedachtem  Rindtviehe  wohl 
dausent  stück  schafviehe  gehalten  werden;  ich  hab  sie  auch  selbst  gehabt;  es 
kamen  eiusmahls  die  Wissbader  Bürger  undr  beschwehrtcn  sich,  das  icli  soviel 
schaf  hielte:  als  idi  ilmcn  antwortete,  es  betten  ja  die  Rentmeister  auch  so 
viel  gehalten,  antworteten  sie,  das  hätten  sie  ihnen  zu  gefallen  gethan:  ant- 
wortete ich,  sie  selten  es  mir  ja  billig  als  ihrem  herren  eher  zu  gefallen  thun : 
Hessen  sie  es  geschehen  undt  folgeten  untrewen  dienern  undt  dem  damahligt'u 
Su]K;rattendenten.   so  sie  angestiftet,   nicht  mehr. 

Federvieiie  zu  ziehen  ludt  es  die  beste  gelegenhoit,  wann  jnanu  nur  trewe 
leut  (hirbey  hatt:  er*'')  luitt  viel  wisswachs,  seindt  aber  die  Röder''")  wieder  inn 
gang  zu  bringen,    undt  hatt  kraut  undt  rüben  zehenden  zu  vortheil. 

[Gassenbacher  Hof.'] 

\hu  (rasenbacher  hof  habe  ich  iU(W  ei'bauet  undr  viel  güttei'  darzu  ge- 
kauft umlt  getauscht:  es  ist  aber  der  klöppeis  hof  undt  der  Zischeubacher  hof 


•'*')  (rber  den    liciitf    iiucli    so    ;^ciunnitoii   Schützeiiliuf    vül.    Otto,    CJeschiohto   der  Stadt 
NN  iesliadeii,  S.  SH. 
*''l   l).!r  Hof. 
"")   Die  KödeiwicsjtMi, 


io;i 

Itisslicfo  ;iii>  iiiiin;;«'!  ^n^iiidt  Ih'\  di'ii  l'ulirt'n  lic^rii  blicibcn.  wrldu-  küufri;;-  iiiii 
,i;;iijg-  undt  biiw  geliraclir  werden  kriniKn:  ist  aueli  i'iii  stattlicher  hof,  auf 
welchcüii  t'ünf'ziy  stück  iiielckvielie  midi  li'oO  stiudv  scJiafvielie  w(dil  können 
,1,'elialten  werdeji.  riidt  dieweil  es  elien  iiidii  (d)erHüssi_ü;e)i  wisswaclis  liatt. 
kann  die  (Ji-äfeii  wiess  wi(Hl(M'  gesaiibtut  iiiidt  l)esser  Innuiiter  fort^efülirt  werden: 
es  liaben  sicli,  wie  ich  Acvnelniie.  (it/liche.  iiachdeiii  ich  die  ych'^-enheit  he- 
sielitiget.  i>'elüst(!n  hissen  ei<;(>nes  gefaUens  wiesen  f'iii'  sich  zu  machen,  weh'he 
ahei'  hilli«;-  /u  strafen,  undr  (h'r  (h'r  herrscliaf't  «■ehüi-ii^c  i^riiiidt  ein/.u/.ieheii.  Im 
Meissel  i;il)r  es  auch  ^^idegenheit.  mehreren  wisswachs  zu  machen.  Ist  hisides 
nalier  Wissbaden.  anJieru  undt  Wellen  becjuem.  uiidt  da  dieses  an<>'(M'iehtot  wero, 
künte  mann  zu  Wehen  auch  neben  dem  jung(!n  viehe  zwantzig  oder  mehr 
stück  mek'kviehe  halten.  Ist  dai'bey  inn  acht  zu  nemineji.  das  fleissigc^  uinh 
rr(>we  leutt  boy  dem  vitdu'  seyen;  es  hatt  jnir  daran  gemanf^elt  undt  liab  daher 
weJiig'  luitzen  darvon  g(diabr.  dariimb  ich  Schweitzer  augenoiiiiiieii.  die  ein  ge- 
w^isses,   aber  zu  wenig  geben,   kann  künftig  ersteigert  werden. 

[  W('inhcm.'\ 
Es  liegen  noch  viel  läudereyen  an  Weingärten,  ackern  undt  wiesen  noch 
wüst,  seindt  künftig  nach  undt  nach  wieder  inn  baw  zu  bringen.  Am  Sommer- 
berg liegen  noch  sechs  Jiiorg(!n  wüst,  ist  sonderlich  darauf  zu  s(dien.  das  sie 
wieder  groht''')  werden,  undt  das  ein  stück  wegs  der  waldt  darvon  gehawen 
werde.  Zu  Souneuberg  seindt  vierzehen  morgen  wüst,  seindt  auch  wiederum!) 
inn  baw  zu  bringen:  diese  letztere  seindt  zwar  gutt,  tiber  den  Wissbadern 
undt  denen  auf  den  liöfen  nicht  gleich,  geben  aber  gutte  speiswein,  undt  ist 
darauf  zu  sehen,  wann  gutte  Jahr  kommen,  das  mann  mitt  den  stattlichen  weinen 
zurück  halte  undt  die  geringere  als  die  Nassawisch(>  (alhvo  auch  mehr  wüste 
weingerten  wiederumb  zu  rothen  seindt):  uudr  wann  die  herrschaft  Lahr 
wiederumb  inn  i'ochten  bänden,  dieselbe  wein,  welche  leicht  auf  dem  iihein 
herab  gebracht  wei'den  können.  Wir  speisswein  zu  l)rauchen:  undt  da  miss- 
wachsende jähr  kommen,  kommen  die  stattliche  wein  inn  lioheii  preiss,  da") 
dann,  wann  mann  o.'m  stück  verkauft,  drey  andere  darfür  (üngekauft  werih-n 
können,  welches  ein  grossen  vortheil  bringen  undt  die  köstliche  wein  sparen 
kann.  Mann  nuiss  sich  nicht  bereden  lassen,  die  vornehme  wein  zu  ver- 
schleudern; es  ist  ein  gewisser  schätz  im  liaus.  der  seinen  herrn  lösen  kann: 
auf  dem  gaw"")  undt  an  der  bergstras,  zu  Lorch  undt  zu  Frankfurth  am  Mayn 
kann  mann  wolfeile  W(>in  kaufen  zur  hofhaltung.  undt  zu  iui;-enhcim  gutte  wein 
inns  Einhorn  zu  Wissbaden  undr   auf  dii-  .fahi'niärkr. 

[Ga^tnff.'] 
(iestüJit    kann    iiiaiin    nützlich   halten,     wann   mann    auf  den   höfen   schone 
stutten  zum  ackerbaw  hält,    als  a.uf  dem  gasenbacher  hof  dreyssig.   zu  AN  issl)aden 
zwölf,    auf  dem  Nornbern'er    hof   zwev.     zu  WeluMi  Aier.     zu   Ihu-g  Schwalbach 


«')  Gerodet. 

"'•')  Hier  ist  i>lii  .,iimiiii''  nccil.ut. 

'''^)  Klioinorau. 


104 

vioi,  das  jehrlicli  dlv  lu-Uf  trächtig  seyeii.  bov  fnedouszeitton :  kann  niaun  iiin 
der  höhe  s:ele":enheitt  machen  für  die  tohleiu  unib  die  Gräfenwiess.  >Yaim  sie. 
wie  oben,  verbessert  undt  erweittert  wirdt :  da  dann  ein  herr.  Avann  er  taugliche 
bescheler  hält,  seine  Ställe  zieren,  auch  aus  jungen  pferden,  wann  sie  zugeritten 
seindt.  nutzen  undt  geldf  haben  kann.  I^s  kann  auch  allso  angestelt  Averden, 
das  die  underthanen  hübsche  Stutten  inn  ihren  fuhren  halten,  der  lierr  aber 
schöne  undt  gutte  bescheler.  da  dann,  waiui  einer  fine  stutte  springen  lasset, 
ein  ducat  pflegt  geben  zu  werden:  wann  dif  fohlen  abgestossen  werden,  gibt 
der  herr  zehen  Rfii.  darvur:  wann  sie  ihnie  gefallen,  kann  manch  guttes  pferdt 
gezogen  werden. 

Innsgenu'iu  seindt  gi-usse  liüf  der  herrscliaft  nützlich,  wenn  sie  inn  acht 
genommen  werden.  Die  kleine  werden  besser  erblich  verliehen  oder  verkauft, 
dann  sie  mehr  zu  bawen  costen.   als  sie  wehrt  seindt  oder  nutzen  können. 

[Mulden.'] 

Es  seindt  sehr  viel  mülden  abgangen,  daher  die  fruchtrenthen  sehr  ge- 
ringert  wurden,  ist  darauf  zu  sehen,  wie  sie  wuederumb  angerichtet  werden 
kiinnen.  welches  an  den  herrschaftlichen  eigenen  niühlcn  zu  thuu.  undt  jährlich 
etwas  wieder  angebawet  werden  kann:  wo  andere  }>facht  baar  abgangen,  ist 
inn  acht  zu  nenimen.  ob  sie  der  leut  eigen  oder  erblich  oder  sonsten  auf  ge- 
wisse jähr  verliehen:  seindt  sie  der  leut  eigen  oder  erblich  verliehen,  seindt 
dieselbe  zu  erinnern,  das  sie  selbe  bawen :  inn  verpleibung  seindt  die  pfächt  von 
ihnen  zu  fordern  oder  wann  sie  sie  nicht  bawen  können  oder  wollen,  dahin 
anzuhalten,  das  sie  sie  anderen  überlassen,  die  den  pfacht  entrichten,  undt 
kaim  denen,  die  sie  erbawen  wollen,  der  jifacht  auf  etzliche  zeitt  erlassen, 
herntich  etwas  geringert  werden,  biss  es  wiederumb  auf  den  rechten  pfacht 
gebracht  werden  kann.  Ich  kam  einsmahls  naher  Laher,  da  wardt  von  den 
beampten  undt  geistlichen  grosse  clag  gefülirt  gegen  den  kircheu  schafner.  Ich 
Hess  seine  rechnungen  abliih-en  undt  auf  die  clagtcn  inquiriren,  befandt,  das 
der  kirchen  schafncn-  die  gantz  verwachsene  gütter,  wie  oben  bey  den  mühlen 
gedacht,  auf  etzliclie  jähr  den  kfutten  für  ihre  schwere  arbeit  vergebens  ver- 
liehen. liernacJi  di(^  pfaeht  jährlich  gesteigert,  das  er  höher  kommen,  als  er 
iemahln  gewesen ;  strafte  ihn  derowegen  mitt  einem  hübschen  platz  zum  garten, 
welchen  ihm  der  Marggraf  ohnbillig  genommen,  ist  aber  seinen  erben,  wann 
die  herrscliaft  inn  unsern  banden  ist,  zu  restituiren. 

[Brennhoh.] 

Die  gütter  l)ey  (iasenl)ach  seindt  eitel  bäume  undt  hecken  gewesen,  Avar 
bey  den  dienern  ohnmöglicli  sie.  zu  recht  zu  briugeji;  ich  aber  Hesse  die,  so 
mir  Iteruhoitz  machtcm,  dieselbe  ausstocken,  hatte  das  andere  Jahr  fruchten 
alldar  undt  brauchte  das  holt/,  zur  hofhaltung;  ist  aHes  unmöglich,  das  mann 
nicht  angrcjift.    welches  auch   an   an<lren  ortteji  zu  rliun. 

Es  gehet  aMhicr  ein  gross  brenuholtz  auf.  so  wojil  bey  hof  als  den  bc- 
<li<!nten:  auf  das  es  abei-  desto  Icicbrei'  bev  zu  bringen  s(>ve.  wann  die  under- 
tlianeii  <lieiistgeldt  gc-beii.   kann  mann  an  den  Jungen  undr  biss  an  den  Trompeter 


105 


uiidr  (rräfVmwioHs  lidlt/.  uiitcJicji.  »iurrii  (!i;^cii<'  führen  l»fy  »lif  L'iU'clu^iiliaiK.'r 
h-M-h  hriiigen,  liernucli  durch  dcu  gnibon,  so  ich  von  (h-r  llncchcnlmncr  buch 
anhoro  luiichon  lasse,  biss  bey  das  hiius  «^cHüsst  werden:  den  dieneren  nuiss 
ied(!ni  ein  »-cwisses  an  holtz  "eniaolit  werden,  das  die  und«!rthanen  nicht  be- 
schwehrt  uudt  das  holt/,  niclit   zu  viel  verüst  werdt. 


[WaidicerJc.'] 
Ik'v  ihn-  hof'lialtung  niuss  mann  ehrlich  tractameut  haben,  sond(!rUcli  wann 
frembte  herrschaft  aukü)nmcn;  dann  zu  viel  iiaushälterisch  leben,  gibt  endtlicli 
einen  geitz;  uudt  Verachtung:  nuiun  niuss  sich  aber  für  unnützem  verschwc^nden 
hütten,  welclios  schulden  verursachet.  Dieses  landt  ist  allse  von  Gott  gesegnet, 
das,  wann  mann  recht  haushält,  mann  alles  gnug  zur  hofhaltung  haben  kann,  was 
mann  wünschen  mag !  Es  ist  oben  von  fruchten,  wein,  viehezucht  und  dergleichen 
geredt  worden,  ist  das  gröste  stück  boy  der  hofhaltung :  es  kann  aber  an  Heisch 
viel  erspart  werden,  sonderlich  bey  dem  gesindt,  wann  mann  boy  rechter  zeit 
fastenspeisen  einkauft  undt  das  weidtwerck  undt  fischereyen  wohl  anstcdlet.  icli 
liab  nach  meinem  exilio  nicht  einen  mann  bis  dato  haben  können,  der  bey  dem 
kleineu  weidtwerck  flcnssig  undt  trew  gewesen  were:  da  ich  zuvor  fünf'zehen 
hundert  biss  zwei  tauscnt  feldthüuer  auf  der  Cammer  gehabt,  hab  ich  nicht  zwey 
hundert.  Kann  mann  junge  lout  haben,  die  das  kleine  weidtwerck  lernen, 
thut  es  einen  grossen  vortheil  undt  zierdt  bey  der  tafl'el  uudt  ist  der  costen 
wohl  daran  zu  wenden,  das  mann  sie  an  orten  lernen  lasse,  da  es  rechtschaffene 
weidtleut  gibt:  liier  zu  landt  gibt  es  keine  als  zu  hüner  undt  aufs  höchste 
schneppen  fangen;  sie  müssen  aber  auch  lerchen,  hncke,  krametsvögel  undt 
dergleichen,  auch  vögel  mitt  den  globen"*)  fangen  können,  sonsten  seindt  sie 
keine  rechte  Vogelfänger ;  mann  kann  nicht  allein  feldthüuer,  sondern  Aur-  undt 
birckhanen.  haselhüner.  schnepfen,  wachtein,  krametsvögel,  lerchen  undt  mitt 
dem  globen  allerhandt  vögel  haben,  auf  dem  Jlhein  wilde  endten  mit  schiessen 
undt  endten  fängeru.  Hochwiltpret  kann  manu  zur  notthurft,  Rehe  undt  hasen 
inn  menge,  wann  es  recht  gehegt  wirdt.  haben,  da  dann  auf  die  hirten.  auch 
hauern  fleissig  acht  zu  geben,  da  sie  mitt  ihren  hunden  nicht  das  junge  wildt- 
pn^t  undt  hasen  wegfangen.  Mann  kann  auch  nacli  undt  nach  wildt  tücher 
undt  garn  zu  wegen  bringen,  darvon  numn  nicht  allein  nutzen,  sondern  auch 
histen  haben  kann;  federleinen  undt  läppen  seindt  nützlich  undt  auch  zum 
kisten  dienlich,  mann  muss  aber  die  Jäger  aufwecken,  das  sie  sich  nicht  auf 
die  faule  seitteu  legen,  sondern  die  leithundt  bey  zeitten  abrichten  undt  fleissig 
üben;  mann  nrass  auch  auf  Adeler  undt  ander(>  raubvögel  fieiss  sie  zu  tilgen 
anwenden,   dann  sie  thun  grossen  schaden. 

[Fischereien.'} 
Frisches   hschwerk    muss    mann  auch  haben:  (hirumb   reich   unch   behälter 
erhalten  undt  die  abgangene  zu  repariren;    es  hatt  diss  landt  an  Forellen  undt 
krebsen  den  uberfluss,    so  wohl    inn  bächen    als    inu   wevern    zu   Walrabenstein 


'^*)  Klobe  =  gespaltener  Stock  zum   Vugeltnnjjeu.     Siehe  Kehre  in,  Vülk,ssi»rHchu. 


100 

und  ( f a^tMiliach ;  umlr  kauji  t-iii  M-hr.ncr  wi'u-r  auf  dvv  Unt'fhonliiiner  badi  ge- 
macht wfrdeu.  so  sich  selbsteu  speiset.  ^Van  «lie  reich  inn  acht  genommen 
wenlen.  kann  luaiin  an  hecliten  und  carijeu  iiodi  verkauften:  die  weyer  zu 
Adtdfseck.  weht-n.  Wissbadeu  undr  der  graben  allhier  seindt  gnug  zu  diesem 
allem.  E>  kann  zwischen  der  Sjiiral  undr  armen  rulier  mühl  mitt  leichten 
ciisten  fin  <ch(»uer  weyer  gemacht  werden,  dieser  ietzige  krieg  liarr  luicli  daran 
verhindert:  wann  dii'  reich  rechr  inn  aciit  genommen  werden,  kann  juann  alle  jähr 
zween  fischen.  Ich  hal»  au  hiesigem  küchengarten  denn  graben  undt  behälter 
machen  lassen,  kiinucn  darein  liecht  undt  carpen  zu  täglichem  gebrauch  auf- 
gehalten wenlen :  können  iu»ch  mehr  inn  schlossgrabeu  undt  für  dem  lustgarten 
iremacht  werden,  da^  mann  allerlev  fisch  darein  halten  kann,  ich  hab  die 
stoltze  wiesh  vollendt  gebrauchen  wtdlen.  einen  grossen  garten  von  achthundert 
schurh  lang  undt  breit  daraus  zu  machen,  da  dann  ein  grosses  bassin  inn  die 
mitte  undt  an  statt  erden  zu  lusststücken  wasser  kann  gebracht  werden,  hab 
aber  wegen  anderer  gebäw  undt  uucosteu  auf  reisen  undt  Verschickungen  nicht 
darzu  irelanjren  können ;  es  y;ebe  einen  nützlichen  lusten  mitt  eascaden  undr 
anderem  wasserwerck.  undt  könte  mann  den  nutzen  von  tischen  undt  gewachsen 
darbey  haben.  Undt  dieweil  die  Kesslerin  undt  andere  wiesen  undr  kleine 
ländereyen  haben.  s(i  darinn  kommen  müsten.  weren  selbe  durch  kauf  oder 
tausch  daraus  zu  bringen,  müste  durch  machung  eines  w'assergrabens  gleich 
gemacht  werden,  welcher  etlicli  mahl  durchschnitten,  desto  mehr  gefach  zu 
tischen  geben  würde;  wann  die  weiher  recht  inn  acht  genommen  werden,  kann 
man  alle  niess  durch  die  tisch  die  messwahren  bezahlen.  Fischereveu  im  Rhein 
undt  der  Schiersteiner  loch  können  also  angestelt  werden,  das  mann  wöchentlich 
cinmahl  darein  fische.  Avas  iiichr  zur  Hofhaltung  zu  bringen,  verkauft  werde. 
p]issbrüch  seindt  auch  nützlich,  uiidt  können  die  Biebricher  undt  Schiersteiner 
umb  das  dritte  theil  oder  die  helft  mir  Schaffung  der  garne  selbiges  verrichten : 
wann  mann  eissbrüch  hatt,  kann  die  bach  inn  meiner  Kinder  garten  geschwelt 
undt  die  fisch  darinn  aufgehalten  werden. 


[T hier  fj  arten.'] 
'Filier  gärten  seindt  auch  nützlich,  müssen  aber  ohne  der  underthanen 
schallen  gemacht  werden,  der  Frawen  waldt,  mittel  undt  sangerberg,  wie  aucii 
Meissel  könnten  darzu  gebrau(dit  werden,  wann  die  uuechenhaner  undt  Eschen- 
haner  an  andere  orth.  als  den  Lirbacher  undt  Seibacher  grundt  köuten  trans- 
ferirt  wcsrden :  ist  ein  grosser  bezirck,  undr  könte  etwas  von  der  höhe  darzu 
gezogen  undt  die  Vdhlen.  wie  (»bgedacht.  darbey  gethau  werden,  doch  das 
selbe  sonderlich  inn  der  Hirschbrunst  abgescheiden  weren:  können  auch  sprüng 
gemacht  werden,  das  frembr  wildpret  darein,  aber  nicht  daraus  kommen  können: 
darmit  aber  IjUX  undr  widf  hinein  kommen,  aber  nicht  hinauskommen  können, 
scha(h'n  zu  rhun.  seindt  an  die  sj)rung.  darein  sie  fallen,  zu  beiden  seiften 
uiaureji  oder  hohe  paiissaden  zu  machen,  die  sich  zu  spitzen,  das  sie  endtlich 
iii<;ht  juelii'  /iirüek  kommen  können.  \v(ül  maim  einen  iiattfU'  liinder  ihnen  zu 
rJuin  kann:  kann  alsdann   da>  wihltjirer.    wann  mann  will,    hinein  gelassen,   JjUX, 


107 

wölf  iimlr  (lerg'loiclicii  hIuh'  imilic  gctil;;<'t  worden;  wolfsf^ürten  srindi  muli 
ilarzu  luitzlicli  iindr  kann  das  S(di\vart/wildpret  gciköret  undr  allso  gefang-en 
Avcrden. 


[Älcssirarcii.'] 

Wiini)  Mcsswaron  oinzukauttViii,  isr  dahin  /.n  sehen,  (his  mann  tüelitige 
waren  einkauffe,  entweder  bey  den  f'renibteu  oder  doch  nielit  vuii  denen  kräniern. 
SU  OS  von  selbigen  erkauften,  undr  heriiaeli  unib  d(i[)j)olt  geldt  verkauft'en;  ist 
es  an  specoreyen,  kann  mann  es,  was  centner  widss  verkauft  wirdt  (dann  den 
f'renibton  ist  es  nicht  anders  erlaubt),  am  besten  bey  den  ^'iederländern;  ist  es 
t'asts])ois,  dergleiclien;  tiiclior  zu  livreen  bey  den  Hamburgern,  da  maim  gutto 
wahren  bokt)mbt;  kann  aber  nur  jnitt  gantzon  stücken  bekommen  W(irden,  daiaii 
ni(dits  gelogen;  dann  ob  man  etwas  über  die  notthurft  kauft,  hatt  mann  es  ein 
ander  mahl  zum  bessern,  undt  liatt  manu  dahin  zu  sehen,  <his  gutte  wahr 
gekauft  werde;  dann  wann  mann  schlechte  wahr  kauft,  hatt  mann  den  vortheil. 
das  mann  zwoy  livreen  des  Jahres  geben  muss ;  es  thun  zwar  die  diener 
hissweilen,  auf  das  sie  sie  thewer  inn  liochuung  bringen  können,  wann  sie  sie 
wohlfeil  eingekauft  haben.  Für  grossen  Kleider  pracht  ist  schon  oben  gedacht 
worden,  das  mann  sich  zu  hütten  hatt,  dergleichen  ist  auch  mitt  livreen,  undr 
können  dieselbe  ehrlich  undt  zierlich  gemacht  werden,  wann  sie  schon  nicht 
übrig  köstlich  seindt. 

\_Sc/iii/(lc/itil(j/(iiy.^ 

Mann  liatt  dahin  zu  sehen,  das  die  diener  jährlich  bezahlt  werden ;  dann 
es  sonsten  baldt  aufschwillot,  undt  dieweil  der  wein  nicht  alle  jähr  geräht,  luitr 
mann  sich  zu  boHeissen,  wie  oben  gedacht,  das  mann  die  köstliche  wein  spar»^ 
undt  lieber  andere  kaufte  oder  den  dienern  goldt  darfür  gebe.  Wann  ein  herr 
schulden  ererbt  oder  durch  unglückselige  zeitten  deren  zu  machen  gezwungen 
wirdt,  hatt  er  nicht  zu  ruhen,  biss  sie  getilget  seindt,  das  dann  geschehen  kann, 
wann  manu  allso  haushält,  das  mann  geldt,  frücht  undt  wein  im  vorraht  hat: 
wie  solches  zu  wegen  zu  bringen,  ist  schon  oben  geflacht;  fürs  ander  eine 
Zeitlang  den  hofstatt  ringert,  Avelches  nicht  so  schim})ftich  als  wann  ihme 
Mandata  immissorialia  eingehändigt  werden;  zum  dritten  etwann  mitr  wein, 
fruchten  od(!r  vi  ehe  undt  anderen  eine  solche  ])artirung  treibet,  das  er  geldt 
inn  liänd(!n  bokombt,  den  numgel  der  R(Mithen  zu  ersetzen:  zum  vierten,  das 
er  auf  doA\  nolitfall  di<^  undertlianen  zu  liili'  nimbt:  dann  so  lang  es  verpleiben 
kann,  soll  mann  andere  mittel  gebrauchen  undt  dahin  sehen,  das  die  under- 
thancn  bev  cräften  bleiben. 


[Buh  und  haH-Unterhaltuntj.'] 

u'    zu  conservirung    oder  veib( 
zu  newen  iu»tti""en  ddci'   iiützlielirn    bawcii    luiei'  zu  zieraht  ixlei"  lustcn  «xlcr  zu 


Bawen  ist  entweder    zu  conservirung    oder  veibesserung    der  gebäw  oder 


108 

sicherlifir.  Die  biiw.  xi  uiirrig  iindr  nürzlicli  albereits  gebawet  seindr.  muss 
mann  i'rlialten:  dann  \vann  sie  nicht  iun  tacli  und  fach  gehalten  werden,  hatt 
mann  den  vortheil.  this.  was  mann  manches  mahl  niitt  einem  litli.  hette  erhalten 
können,  hernacli  wann  es  verwarhiset  ist,  mitt  hunderten  muss  wieder  gebawet 
werden:  undr  muss  mann  die  Diener,  so  sie  verwahrloset,  anhalten,  das  sie  sie 
auf  ihnen  costen  repariren.  Es  können  auili  die  nöttige  gebäw  verbessert 
wenU'n.   wann  mann  anstatt  des  gehöltzes  selbige  mitt  mauren  underziehet. 


Die  Wiesbadener  Landstrassen  im 
18.  und  19.  Jahrhundert. 


Ydii 

C.  Spielmann. 

Mit  1   Karte. 


Nicht  nur  in  der  Umgegend  von  Wiesbaden,   nicht  nur  in  Nassau  aUein. 
sondern  wold  allenthalben  im  Reiche  wird  man  die  Erfahrung  viclfacii  gemacht 
haben,   dass  früher  die  alten  Ileerstrassen  zum  Tcül,    die  übrigen  Landstrassen 
ebenfalls  mehr  oder  minder  andere  Richtungen  eingeschlagen  haben.     Und  zwar 
sind  die  Änderungen  der  Richtung    allermeist  in  dc^r  jüngsten  Zeil,     im  Tjaufe 
dieses  Jahrhunderts    vorgenommen   worden,    dabei  oft    so  gründlich,    dass  mau 
den  Lauf    früherer  Strassen    kaum    wiedererkennt.      Der   Grund    weshalb    diese 
Änderungen    erfolgten,    ist  in  zweierlei    zu  suchen.     Erstlich   fand    durch    den 
Regensburger  Reichsdeputationshauptschluss  im  Jahre  1803  eine  Vereinfachung 
der  deutschen  J.andkarte  statt:  eine  Menge  kleiner  Territorien  verschwand  und 
half  anderem  vergrüssern;  letztere  wurd(m  dadurch  zugleich  kompakter.     Infolge- 
dessen wurde  auch    der  Verkehr    innerhalb    der  Grenzen    der    also    erweiterten 
Ijandgebiete  freier,    der  Anschluss    der    einzelnen  Strassen    besser,    die  Durch- 
führung in  einer  Strecke  leichter;  es  Hess  sich  ferner  zwischen  mehreren  grösseren 
Staaten  leichter  ein  Abkommen  treffen,   (une  Heerstrasse  auf  weite  Entfernung 
hin  anzulegen.      Hieraus  ergal)  sich  dann  zum  anderen  schon  von    selbst    diese 
oder  jene  Änderung    der  Richtung    alter  Strassenzüge:    ausserdem    alier    nahm 
man  jetzt  bereits  etwas  darauf  Bedacht,    die  neuen  A^erkehrsstrassen  nicht  wie 
früher  geradeaus,     ohne  Rücksicht    auf   ßodensteigung,    durdi    dick    und    dünn 
bergauf    und  bergab    zu  führen.     Man  kam  überhaui)t  von    der  Praxis  ab.   die 
Wege  über  die  Höhen  zu  leiten  und  benutzte  Rasse  und  Thäler.   um  namentlich 
den  Lastfuhrwerken  die  Reise  zu  erleichtern. 

Übrigens  war  schon  in  den  Zeiten  des  aufgeklärten  Despotismus  nianche.s 
zur  Verbesserung  der  bestehenden  Strassen  und  zur  Erleichterung  des  Verkehrs 
geschehen.  Aber  der  Grundsatz  der  ]{öhenführung  der  Heerstrassen  blieb  be- 
stehen; man  haftete  daran   mit  einer  Zähigkeit,    die  erstaunlich  ist.   wenn  luau 


110 

l.eiibachr.T.    wir  amloiM-it-  mit    s..  vielem    «lureli  die   rberliefcruiii--  Uelieiligteii 
kurzer  Prozess  gemachr  wurde. 

Die  YeränderuuiC  nauieurlicli  tler  ülier  das  Höhei,'ebirge  zur  Stadt  Wies- 
liaden  tulireuden  Strassen  wird  l)es(tnders  deutlieh  erkoindjar.  wenn  wir  die  im 
Stadtarehiv  zu  Wiesbaden  l)eündlielie  alte  (Temarkungskarte  vou  1701  mir 
neueren  Karren  vergleielten.  .b'iie  Karte  stammt  aus  einer  Zeit,  da  der  Fürst 
Georg  August  von  Nassau- Idstein,  einer  der  Vorläufer  des  aufgeklärten  Despo- 
tismus, noch  nicht  begonnen  hatte.  «hMii  Strassenbau  in  seinem  (rebiete  be- 
sondere Aufmerksamkeit  zuzuwenden.  Ks  sind  also  lüer  noch  die  ältesten 
Strassenzüge  eingezeichnet:  selbstverstäudlieJi  sind  die  Ziele  der  Ileer-  und 
Landstrassen  dieselben  wiv  in  der  Folgezeit,  t'bei'  die  Veränderungen  geben 
uns  die  ChaussecOiauakteu  des  Archivs  entsj)rccliendeu  Aufschluss.  Betrachten 
wir  imn  di»'  alten  nach  AVit'sbaden  zi(^henden  Strassen  und  die  Veränderungen, 
die  Nie  seit  etwa  zweihundert  Jahren  eifuhren.    näher. 

1.  Die  Xenhufer  Strasse  oder  Platter  Chaussee.  Sie  ist  eine 
uralte  lleerstrasse  gewesen,  von  den  Römern  angelegt  und  vielleicht  von  diesen, 
wenn  uidit.  dann  gewiss  zur  Frankenzeit  vom  Zugmantel,  wo  dei'  Limes  sie 
«[lun-te.  iÜM'r  die  Uünerkirche  und  ülier  Kirberg  nacji  Limburg  weitergeführt 
worden. 

Nach  K.  1701')  lief  sie  aus  dem  Jleidenthore  an  der  Kircldu)fgasse,  die 
heutitre  Kirclihofffasse  und  Adlerstrasse  aufwärts,  dann  in  der  Richtung  der  Kastell- 
Strasse  weiter,  bis  sie  oberhalb  des  Städtischen  Krankenhauses  die  Linie  der 
heufiiren  Platter  Strasse  aufnahm  und  beibehielt. 

Anno  1714  fand  hier  eine  Veränderung  statt.  Fürst  Georg  August,  der 
einsehen  mochte,  dass  die  Einmündung  der  Landstrassc  in  das  enge  Heidenthor 
(auch  die  Weh(en)er  Pforte  genannt)  zu  jäh  und  daher  zu  unbequem  Avar,  dass 
aucli  nicht  die  rechte  Verkehrsader  der  Stadt  damit  getroffen  wurde,  verlegte 
die  Richtung  der  Strasse  nach  dem  Stumpfen  Thore  hin.  Er  nötigte  die  "Wies- 
badener Rürger.  dieses  Thor  zu  einem  Fahrthore  umzubauen,  was  die  Stadt  noch 
dazu  auf  ihre  Kosreii  tlum  inusste.  Ferner  wurde  es  notwendig,  den  vor  dem 
Thore  sich  eriiebenden  Hügel,  der  damals  noch  bis  zur  lieutigen  Eniser  Strasse 
in  derselben  H("ihe,  wie  wir  sie  am  Krankenhause  bemerken,  vorgerückt  war. 
zu  durchschneiden.  Das  Stumpfe  Thor  stand  am  Hause  Michelsberg  Nr.  15: 
es  entstand  also  ein  gerades  Stück  Strasse  (heute  verlängerter  Michelsberg  bis 
zur  Schwalljaclier  Strasse)  und  dann  ein  gewundener  IFohhveg  (Schwalbacher 
Strasse  und  Platttu"  Strasse  bis  zum  freien  Platze  vor  der  Kastellschule).  Auf 
<ler  Spitze  des  Grundstücks  Emser  Sti-asse  Nr.  1  (Stallforth,  früher  Stamm) 
und  g(!genüber,  auf  der  heutigen  Schwalbacher  Strasse  in  Verbindung  mit  dem 
Schulbergc^  (;rhoben  sich  zwei  hohe  ,,Bü('kel"  (Hügel),  zwischen  denen  die  Strasse 
sich  hindurchwand.  Sie  war  bis  auf  die  Hö]u>  liinter  dem  Krankenhause  ge- 
jtflastert,    doch  niclit  chausseemässig  angelegt. 

Diese  Anlage  fand  erst  177()  statt.  Der  Fürst  Karl  Wilhelm  von  Nassau- 
L'singen,   ein  grosser  Jagdliebhaber,   erbaute  in  diesem  Jahre  auf  der  Platte  ein 


')  Dio   Alikiirzuiiir   bcdoiitct   i.   f.:    Iviirtr   von    iToi    im    Wicslmdeiier  Ötddliiifliiv. 


111 


„Jägorliaiis".  an  dc^sscii  Stelle  lS2;V/iU  dincli  ILcr/u^'  W  ilhcliii  ilas  heiui.nj 
.ragflschloss  trat.  Fürst  Karl  AVillielm  eiiitinetc»  clor  IJürjioi-seliaft  zu  Wioshadffii, 
(lasH  er  vorhaben  die  alte  I  Iccrstrasse  über  XcMiliof  und  die  I  liiii(M'kircli(^  in  ihrei- 
f<anz(Mi  Ausdehnung-  ebausscemässi^  lierri(diten  zu  lassen.  Mr  wolle  in  Anbetrarht 
dei-  nalimn<>'sl()sen  Zeiten  und  einn'ei'isseiien  ( i<ddnniJifi-<ds  die  Stadt  nüt  lie- 
sondcrcMii  Ueitrafje  vcirscilnmen.  auch  die  i)eue  (']uiuss(u?  l)is  auf  die  Haui»t- 
roparaturcn  „oline  ri-acjudiz''  nntorhalton.  Doch  seicMi  di(!  Hiirf|;er  gelulltem, 
ihren  Anttdl  liis  zur  (Irenzo  des  Stadtbanns  inunentlich  inb(.'zu<i;  auf  das  PHastor 
zu  (M'neueiii.  Ms  wuide  ihnen  anlieinig(!st(dlr.  uli  sie  den  Ausbau  selbst  ver- 
nehmen oder  ihn  gegen  /ahlung  ven  ."iOO  Gulden  der  llerrsiduift  ülxirti'agcui 
wollton.  Si(^  (intschlossen  sicli  zu  erstoreni.  nahmen  alsn  (Um  IJau  selbst  in  di«^ 
lland  und  zogcm  dazu  auch  dic^  IJef'roiten,  d.  h.  di«-  Aihiligeu  und  steuerfreien 
.Ilofb(!ständer.  zur  Arbeitsleistung  (l><'ifuhri  heran,  was  fr(nli<di  anfänglirh  einen 
kleimm  Jvam]»f   kostete. 

Die  Firncuierung  der  Strasse  bestand  darin,  dass  „die;  J bilde  aj»]»laniert, 
die  zwei  vorragenden  Hüek(d  abg(Mvnrfen,  der  (Irund  und  Boden  in  den  Graben 
links  g(d)raclir.  dii^ser  ausgefidlt,  das  alte  Pflaster  liegen  gelassen  und  das  ne:ue 
daraufgesotzt  wurde.'''  Der  fürstliche  Wegebauführe)'  gab  dabei  genau  acdit, 
dass  alles  richtig  ausgeführt  wurde,  und  als  die  Wiesbadener  nicht  sachgeniäss 
genug  verfuhren,  erschien  ein  D(dvret  des  Fürsten,  „dass  in  der  Hohle  bei  der 
Bestückung  die  Steine  Imch  zu  stellen  und  einen  halben  Schuh  hoch  mit  zer- 
schlagenen kleinen  Steinen  zu  überschütten,  die  Ufer  nicht  zu  steil  anzulegen, 
vielmehr  schief  zu  beschürf(ui,  oder  besser  noch  mit  einer  flauer  zu  unter- 
fangen! seien."  Auf  Vorstellung  der  Biirger  sah  Juan  von  einer  3[auerauft'tihrung 
als  zu  kostspi(dig  ab;  es  dauerte  drei  Jahre,  bis  die  Strasse  bis  oberhalb  des 
..Wulkenbruch'"  (vor  dem  neuen  Friedhof i;)  fertig  war.  Doch  wurden  bald  darauf 
und  auch  in  der  Folgezeit  anhaltend  über  den  schlechten  Zustand  der  Strasse, 
luimentlich  beim  Wolkenbruch,  geklagt.  Der  weitere  Strassenzug  ist  bis  zur 
Platte  bis  heute  derselbe  geblieben.  Kurz  vor  dei'  Platte  zweigte  ein  Weg- 
direkt  nördlich  ühvr  die  Rentmauer,  den  Herzogsweg  (s.  w.  u. )  kreuzend. 
nach    Wehen  ab.    dei'  bis   in   die  neueste  Zeit  noch  viel  lienutzt  ward. 

2.  Die  S  c  h  w  a  1  b  a  c  h  e  r  Strasse.  Auf  K.  1 701  zwengt  diese  Strasse 
von  der  Neuhofer  Strasse  ab  und  zwar  auf  der  Höhe  gegenüber  dem  heutigen 
älteren  Friedhofe  an  der  Platter  Strasse.  Sie  lief  über  den  Atzelberg  und  kajn 
vor  der  Walkmühlen  begrünter,  durchschnittt  das  Thal  des  Deudelbachs  (Kessel- 
bachs), zog  quer  durch  den  Wald,  am  Pulverhause  vorbei,  über  den  (rlasberg 
zwischen  diesem  und  der  1 700  erbauien  Klostermühle  hinunter  nach  Clarenthal 
und  an  dieser  Niederlassung  vorüber,  bis  sie  die  heutige  Lahnstrassc  erreicht(\ 
Dann  behielt  sie  deren  Lauf  bei.  steil  aufwärts  bis  zum  riiausseehaus  und 
weiter  um  die  Hohe  Wurzel  herum  über  den  Klapperstock  und  die  Sehauze 
nach  Langenschwalbach. 

Die'^Richtung  der  Strasse  über  den  Atzelberg  ist  auf  einer  andern  Karte* 
aus  dem  Jahre  li<20  noch  durch  einen  Feldweg  angedeutet;  sie  lässt  sich  heute- 
nicht  mehr  verfolgen,  ebonse^wenig  wie  den-  Zug  über  den  Glaskojd"  und  Claren- 
thal nach  der  Lahnstrasse. 


112 

Dil'  Vorloguug  der  Münilunj;  der  Neuhofor  Strasse  in  das  Stumpfe  Thor 
im  Jahre  1714  hatte  auch  eine  Änderung  der  SchAvalbaehcr  Strasse  zur  Folge. 
Man  zog  einen  geraden  AVeg  vom  Stumpfen  Thore  aus  ,,durch  das  Baumstück, 
dem  Sturmenliof  gehörig,  am  Leimen  (Lehmgrube;",  die  lieutige  Emserstrasse. 
Hierbei  ist  zu  beac-htt-n.  «liss  die  Stadtmauer  au  der  Rückseite  der  Ilochstätte 
herlief  und  aUes  Terrain  wesrlicli  davon  aus  Cfärten  und  Ackerland  bestand. 
Ferner  war  der  neue  AVcg.  der  weiter  die  Lahnstrasse  liinaus  zur  Klostermühh> 
führte,  keine  Chaussee,  sondern  nur  der  besseren,  direkten  Verbindung  halber 
angelegt:  die  ahe  von  der  ILdie  der  Phxtter  Strasse  hinter  der  Holde  luieh  dem 
Atzelberir  führende  Strasse  bliel»   einstweilen   noch  bestehen. 

Um  ITöH  wurde  geplant,  die  S(;liwalbacher  Hauptstrasso  ehausseemässig 
von  der  Hohen  Wurzel  übei  Mosbach.  Kastei  nach  Frankfurt  zu  leiten,  während 
sie  bisher  über  Ciarenthal.  Wiesbaden  und  Erbenheim  nach  Frankfurt  gegangen 
war.  Als  Grund  dafür  wurden  die  schlechten  Wegverhältnisse  auf  letzterer 
Richtung  angegeben.  Und  in  der  Thal  scheint  sowohl  die  Strecke  über  Claren- 
thal.  wie  die  über  Erbenheini  (s.  w.  u.)  in  einem  bedauernswerten  Zustande 
gewesen  zu  sein.  Dazu  kam  der  Umstand,  dass  der  Weg  beschwerlicher  war 
als  der  andere  zum  Ausbau  vorgeschlagene.  Aber  die  Wiesbad(^ner  setzten 
sich  mit  allen  Kräften  zur  Wehr,  damit  der  Verkehr  nicht  von  ihrer  Stadt 
abgelenkt  würde.  Sie  beschrieben,  wie  si(>  grossen  Mangel  an  Nahrung  erleiden 
müssten,  wenn  namentlich  die  Lastwagenführcr  und  Hauderer  nicht  mehr  im 
Gasthause  zum  Einhorn  einkehren  würden.  Die  J\[osbacher  dagegen  hätten  die 
Hinüberlenkung  des  Verkehrs  über  die  alte  Holzstrasse  nicht  so  ungern  ge- 
sehen. Der  Fürst  Karl  vdu  iSassau-Usingen  holte  Gutachten  der  drei  Ge- 
meinden (ün.  Der  Stadtschultheiss  Hoffmann  zu  Wiesbaden,  unterstützt  von 
dem  gesamten  Stadtvorstande,  legte  darauf  einen  Flau  vor.  wonach  der  Schwal- 
bacher  Weg  zum  Stumpfen  Thore  hinaus  bis  ;in  die  Klostermühle,  ehaussee- 
mässig erbreitert.  neu  angelegt  werden  sollte.  Von  da  sollte  er  nach  dem 
Kloster  zugeführt  werd(^n  und  von  dort.  ..wie  er  gegenwärtig  ist.  inu'  dass  unten 
an  dem  Wald  derselbe  etliche  Schuh  weiter  in  die  Wiesen  und  an  das  Kloster, 
wn  die  Hohl  ist.  über  der  Hohl  her  durch  das  Feld  getrieben  müsstc;  werden, 
dann  gerade  durch  den  Wald  an  den  Wiesen  her  fort  bis  in  die  Höhe  in  die 
Schwalbacher  Strasse  an  dem  Stock"  (vor  dem  Chausseehaus V).  Der  Schultheiss 
von  Mosl)iicli  und  seine  Gemeinde,  sprachen  für  die  andere  Strassenführung  und 
<lie  Dotzh(^imcr  schlössen  sich  an;  doch  gelang  es  den  Wiesbadenern  zu  be- 
weisen, dass  die  Holzstrasse  des  schlechten  Bodens  wegen  nicht  geeignet  sei, 
eine  Hauptvcrkehrsstrasse  zu  werden.  Man  wies  dann  weiter  darauf  hin,  dass 
(dn  Weg  v<.n  der  Wald-  oder  Holzstrasse  nach  der  Sclnvalbach-Wiesbadener 
Strasse,  der  sogenaimte  Klosterweg,  als  Verliindungsweg  bestehe  und  dass  von 
Dotzheim  zwei  Wege  durchs  I  Inllribornfeld  und  durchs  Wiesbadener  Feld  nach 
letzterer  Stadt  liefen. 

Dil;  Wiesbadener  behielten  den  Sieg.  Aber  erst  zehn  Jahre  später  kam 
der  n(!ue  Chaussecibau  in  der  von  dem  Stadtvorstande  vorgeschlagenen  Weise 
zur  Ausführung.  Anno  ITO:)  ixigann  man  mit  der  Erbreiterung  des  Weges 
zunächst  auf  der  Stieeke   v«.ni  Stumpfen  Thore  bis  zur  -lunkersmüJde  (Ecke  der 


11.". 

Drudcnstrasae),  und  dann  folgte  unter  tcihvciser  Aljünderung  der  ultcn  Linie 
der  allmähliche  Ausbau  der  heutigen  Lalmstrasso  übers  Chausseehaus  zur  Hohen 
Wurzel  weiter.  Nassau-Usiugen  setzte  sich  damals  mit  Hessen-Kheinfels,  zu 
dessen  Gebiet  Langenschwalbach  gehi'.rte,  auseinander,  und  dieses  baute  dann 
die  Strecke  von  dort  aus  bis  zur  Schanze.  Erst  1785  war  die  ganze  Chaussee 
Langeuschwalbach-Wiesbadeu  vollend(!t. 

Die  Schanze,    am  jenseitigen   Hange  der  Hohen  Wurzel  gelegen,    bildete 
die  Grenze    des    nassauischen    und    hessischen  Gebietes.     Es  waren    eigentlich 
zwei    solcher  Schanzen  vorhanden,    eine  westlich    gelegene    hessische    und  eine 
östlich  "-elegeno  nassauische.     Sie  bestanden  beide  aus  einem  von  einer  Mauer 
und    einem  Erdwallo  mit  Graben    umgebenen  Gebäude,    das    nachher    als  Zoil- 
station  diente    und  stammen  wohl    aus  dem    grossen  Kriege  her.     Das  heutige 
Gasthaus    zur    Schanze    steht    auf    dem    Terrain    der    hessischen  Schanze;    die 
nassauischc,    an    der  Abzweigung    des  Seitzenhahner  Weges    von   der  Chaussee 
gelegen,    ist    abgetragen  worden.     Die  Maut    wurde    hier    streng    geübt.     Die 
nassau  -  usingische    Regierung     fand    es    1767    für    notwendig,     einzuschärfen, 
dass  der  Privatweg    unter    der  (uassauischeu)  Schanze    nach    dem  (hessischen) 
Dorfe   Wambach    nicht    befahren,    noch    von    den   Sauerwasserträgern    benutzt 
werden    dürfe.     Die  Sauerwasserträger    waren    nämlich,    um    die  Gebühren   zu 
umgehen,    gern    geneigt,    den  Weg,    der    vor    der    nassauischen  Schanze    vom 
sogenannten   Klapperstock  nach  Wambach  abwärts    führte,    einzuschlagen,    um 
sich    von    dort    nach    Schwalbach    zu    begeben,    ihre    Krüge    und    Gefässe    zu 
füllen    und    denselben    Weg,     stets    auf   hessischem    Gebiete,    wieder    zurück- 
zuwandern. 

Zu  Anfang  unseres  Jahrhunderts  wird  über  den  schlechten  Zustand  der 
Lahnstrasse  berichtet.  Auch  klagte  man  über  die  gering'e  Breite  der  Strasse; 
doch  wurde  die  beabsichtigte  Erbreiterung  (1830)  unterlassen.  Die  Chaussee 
war  unvorteilhaft  angelegt;  Lastfulirwerk  musste  mitunter  zwölf  bis  fünfzehn 
Paar  Pferde  zum  Vorspann  nehmen.  Dennoch  blieb  die  Lahnstrasse  bis  vor 
vierzig  Jahren  der  einzige  Hochweg  nach  Laugenschwalbach. 

3.  Der  B  leiden  stadter  Weg  und  die  Eisenstrasse.  Nach 
K.  1701  führte  aus  dem  Mainzer  Thore  an  der  Kirchgasse  (Nonnenhof)  westlich 
am  Druderbache  entlang  (durch  die  heutige  Paulbrunuen-  und  vordere  Bleich- 
strasse) ein  Weg,  der  weiterhin  nordwestlich  durch  die  Distrikte  Überhoben 
und  Seeroben  lief,  auf  der  Hi)he  der  heutigen  Lahnstrasse  herauskam  und  d(.rr 
die  vom  Atzelberg  durchs  Walkmühlthal  heraufkommende  alte  Schwalbach. -r 
Strasse  kreuzte.  Er  führte  dann  weiter  westlich  um  den  Glasberg  (heutige 
Strasse  zur  Fasanerie),  dann  an  der  Kreuzung  des  von  Clarenthal  über  den 
Glasberg  zum  Adamsthale  führenden  Weges  geradeaus  durch  den  Wald  zum  Holz- 
hackerhäuschen, auf  welcher  Strecke  er  als  Promenadeweg  noch  zum  Teil  besteht. 
Hier  stiess  er  auf  die  Eisenstrasse. 

Die  Eisenstrasse  ist  eine  sehr  alte  Hochstrasse,  die  über  den  Pass  der 
Eisernen  Hand,  die  tiefste  der  drei  Senken  —  Eiserne  Hand  (434  m)  in  der 
Mitte,  Klapperstock  (569  m)  links  und  Platte  (501  m)  rechts  -  des  Kammes 


114 

der  Hiilu'  tührti'.  Ihren  Xaiiu-n  liat  die  Strasse  davon,  das«  auf  ihr  die  Eiseii- 
industrieprudukte  der  Miehelbaoher  Hütte  im  Aartliale.  besonders  die  eisernen 
liaueruüfeu.  die  damals  aber  fast  ausnahmslos  auch  noch  in  den  Städten  ge- 
braucht wurden,  auf  Lastwagen  ins  Gebier  südlich  der  Höhe  verfrachtet 
wurden.  Die  Eisenstrasse  verfolgte  vom  llolzhackerbäuschen  den  Lauf  der 
heutigen  Aarstras>^e  links  (westlich)  um  den  Bleidenstadter  Kopf  herum, 
führte  dann  aljer  in  Biegungen  bald  links,  bald  rechts  von  der  letzteren 
zur    Eisernen    Hand,    einem    uralten    Strassenknotenpunkte.     auf    der    Passhühe 

sreleiren. 

Hie  Eiserne  Hand  findet  mau  am  leichtesten,  wenn  man  sicji  von  der 
Aarchaussee,  da.  wo  an  der  Einfriedigung  vor  dem  Stationsgebäude  eine  Schneise 
die  Chaussee  kreuzt,  nach  (von  Wiesbaden  aus  gedacht)  links  über  diese  Schneise 
wendet.  Nach  zwei  Minuten  befindet  man  sich  hier  auf  einer  kleinen  Wald- 
lichtung, wo  eine  Anzahl  (fünf)  Wege  radienartig  einmünden,  bezw.  wie 
die  Finger  einer  Hand  auseinandergehen,  die  Rheingauer  Strasse  (s.  im  folg.) 
als  Arm  gedacht.  Von  Wiesbaden  her  kommt  die  alte  Bleidenstadter  Strasse, 
heute  nur  mehr  eine  Schneise,  die  sich  in  gerader  Riclitung  ebenso  nordwestlich 
fortsetzt.  Aus  dem  Bheingau  führte  hinterm  Schläferskopf  her  die  Ehein- 
o-auer  Strasse,  von  der  wir  noch  hören  werden,  herauf  und  ebenfalls  in  gerader 
Richtung  noidöstlich  weiter;  sie  gabelte  sich  bald  darauf  in  die  Strasse  nach 
Hahn  und  nach  Wehen,  erstere  war  zugleich  Fortsetzung  der  Eisenstrasse. 
Ausserdem  führten  links  zwei  Wege  zur  Hohen  Wurzel  und  zur  Schanze,  nach 
rechts  einer  über  die  zuerst  erwähnte  Schneise  zum  sogenannten  Herzogsweg 
und  auf  diesem  zur  Platte  weiter.  Der  Name  Eiserne  Hand  kommt  wahr- 
scheinlich von  einem  Stock,  wie  die  Wegweiser  im  Nassauischen  heissen,  mit 
einer  eisernen  Hand.  d.  h.  mir  fünf  Armen,  entsprechend  zugleich  den  fünf 
Fingern  der  Hand  und  den  fünf  einmündenden  Wegen.  Die  Michelbacher 
inögen  ihn  aufgestellt  haben. 

Das  Holzhackerhäuschen  ist  der  alte,  bereits  um  1750  bestehende  AVohn- 
sitz  eines  fiskalischen  Holzhauermeisters,  der  auf  dem  Platze,  wo  die  Holz- 
auktionen stattfanden,  auch  Wirtschaft  betrieb.  Beim  Holzhackerhäuscheu  rechts 
von  der  Eisenstrasse  abzweigend,  <»stlich  um  den  Bleidenstadter  Kopf  herum, 
im  Thale  des  Dendelbachs  (hier  Kesselbachs)  weiter  lief  der  Wehe(ne)r  Weg. 
Da.  wo  er  den  Bach  überschritt,  teilte  er  sich.  Der  nachher  wieder  links 
über  den  Bach  führende  Weg  lief  nordwestlieh  über  die  Höhe  nach  Wehen 
(in  ihn  iiiiinder  dei  vim  der  Eisernen  ]land  kommende  Waldweg)  und  kreuzte 
östlich  vom  Altenstein  den  Herzogsweg,  den  uralten  Rennweg,  der  über  den 
Kamm  des  Gebirgs  von  der  Rheingauer  Strasse  nördlich  der  Eisernen  Hand 
zur  Platte  und  Neuhofer  Strasse  li(^f.  J)or  im  Kesselthaie  rechts  aufwärts 
fühlende  andere  Arm  des  Wehencn-  Wegs  erstieg  die  Rentniauei  und  lief  auf 
deren   Kamm  ebenfalls  als  Rennweg  zur  Platte   weiter. 

Der  Zug  der  Eisenstrasse,  vom  Holzhackerhäuschen  südwestlich,  ging  über 
den  heutigen  Waldweg,  von  diesem  zur  Fasanerie,  an  letzterer  vorüber  gerade- 
aus zur  Lahnstrasse.  di(!se  kreuzend  über  eine  heute  noch  bestehende  Schneise 
im  Distrikt  Kohlheck  zur  alten  Schwalbach-Mosbacher  Strasse,   die  heute  Wald- 


117) 

oder  Uolzstrasse  heisst.^)  Als  dci-  Fiirsr  Km!  1744  d'w  Fusiinerie  anlogt-o, 
f'ühvto  er  einen  Weg  vom  alten  ßleidonstadter  Wege  (s.  o.)  am  Glasberge 
vorbei  dorthin, der  heute  mit  einem  Teile  von  jenem,  naclidem  die  Strecke  quer  durch 
den   Widd  zum    Holzhafkci'häuschon   oingeganj'en  ist.   (Muen  geraden  Zug  bildet. 

4.  iJ  i  e  J)  o  t /.  h.  I' i  111  (' r  Strasse.  jSach  i\.  1701  ging  vom  Mainzer 
Thore  an  der  Kirchgas.se  noch  ein  zweiter  Weg  aus,  der  sich  unmittelbar  süd- 
westlich wandt(!.  An  der  Stelle,  wo  die  heutige  Kircligasse  und  Friedrich- 
strasse zusamnu'ntreff'en,  gabelten  sich  die  Strasse.  Hier  stand  ein  Stock  mit 
drei  Armen,  der  eine  Avies  südlich  nach  Mosbach,  dei-  andere  südwestlich  nach 
Schierstein,  der  dritte  westlich  nach  Dotzheim.  Der  Dotzlieimei'  W(!g  gabelte 
sich  etwa  an  der  Mündung  der  heutigen  Karlstrasse  wiederum;  (!s  bestanden  hier 
um  1701  der  alte  und  der  neue  Dotzheimer  Weg  nebeneinander.  Der  alte 
lief  erst  auf,  dann  links  von  der  heutigen  Chaussee  und  ist  als  Feldweg  noch 
erhalten.  Der  neue,  gleichfalls  heute  als  Feldweg  noch  bestehend,  ging  rechts 
von  der  Chaussee  durch  den  Distrikt  Dreiweiden,  w-estlich  am  Bahnhofe  vorbei. 
Beide  Wege  Avurden  gekreuzt  von  der  Scliwalbach-Mosbacher  Strasse  (Wald- 
strasse), der  alte  auf  der  Höhe  beim  früheren  Ciarenthaler  Stock,  wenig  südlich 
der  Chaussee,  wo  ein  lleiligenhaus  stand,  der  neue  an  der  Stelle,  wo  der 
heutige  Feldweg  auf  die  Waldstrasse  rechts  von  der  Chaussee  stösst.  Dort 
erhob  sich  ein  riesiger  Nussbaum.  Kurz  vorm  Heiligenhaus,  nach  Wiesbaden 
zu,  stand  der  Grenzstein,  der  die  Gemarkungen  Wiesbaden,  Mosbacli  und 
Dotzheim  schied.  Rechts  von  dem  neuen  Wege,  im  Distrikt  Uuterhollerborn, 
vor  der  Waldstrasse,  lag  der  Hollerborn,  itn  Quadrat  von  Bäumen  umgeben. 
Am  Hollerboru  östlich  vorbei,  parallel  mit  dem  neuen  Dotzheimer  Weg  bis  zur 
Waldstrasse,  zog  der  Landgraben  v.'ma  alte  Landwehr.  Ihn  kreuzte,  ehe  er  auf 
die  Waldstrasse  stiess,  der  Klosterfeldweg  oder  Klosterweg  nach  Clarenthal. 
der  von  jener  abzweigte  und  auch  heute  noch  besteht. 

Der  alte  Dotzheimer  Weg  mündete  bald  nach  der  Kreuzung  der  Wald- 
strasse in  die  heutige  Chaussee  ein  und  zog,  wie  diese,  durch  die  Hohle,  die 
damals  noch  enger  war  und  keine  Häuser  besass,  nach  dem  Dorfe  hinab.  Der 
n(!ue  Dotzheimer  Weg  lief  nach  Kreuzung  der  Waldstrasse  noch  eine  Strecke 
westlich  (durch  das  Philippische  und  Bahuhofterrain),  bog  aber  dann  nacli 
Süden  um  und  kam  in  einer  geschweiften  Seitenhohle  auf  den  alten  Weg  heraus. 

Die  Dotzheimer  Strasse  lief  durch  J)otzheiiii  über  Fichtenkopf  und 
Hämmereisen  nach  Georgenborn  weiter,  von  da  ging  ein  Weg  nach  Schlangen- 
bad hinab. 

5.  Die  Schier  Steiner  Strasse,  die  zweite  Abzweigung  der  aus 
dem  Mainzer  Thore  führenden  Strasse,  hatte  im  allgemeinen  die  Kichtuni,''  der 
heutigen  Chaussee  nach  genanntem  Orte,  nur  trat  sie  vor  der  Kahlemühle  links 
aus,  lief  dann  durchs  Mühlthal  bis  auf  die  Höhe  ziendich  in  der  Kichtung 
von  heute,  bog  darauf  aber  rechts  aus.  bis  sie  vor  Schierstein  wieder  die 
heutige  Richtung  einschlug.     Am  Schnittpunkte  der  Waldstrasse  links  stand  ein 


■')  Man  beaclite   den   Gegensatz    in    iIimi    Xaini-ii:    Uolzstrasse  =   Strasse  für  Jlolzluliren, 
Eiseiistrasse  =   Strasse  t'ür  EisenfulinMi 


grosser  Baum.  Der  Mühhveg  von  Dotzlieim  nacli  Mosbaoli  bestand  schon 
damals.  177:J  wurde  der  Schiersteiner  ^Veg  als  „fast  ganz  verloren"  be- 
zeichnet. Die  Besitzer  der  (Jrundsrücke  an  ihm  hatten  den  Weg  überptlügr 
und  zum  Teil  zu  ilireu  Ackern  geschlagen.  Es  bedurfte  des  energischen  Ein- 
schreitens der  Kegicrung.  ilin  wieder  ganz  frei  zu  legen.  Er  scheint  aber 
damals  nicht  mehr  als  ein  schlechter,  holperiger,  grasbewachsener  Feldwog  ge- 
wesen zu  sein. 

Tl.  Die  ]^I  (1  s  l>a  (•  li  er  (Biebricher)  Strasse,  war  die  dritte  Ab- 
zweigung der  Strasse  vom  Mainzer  Thore  aus.  Sie  lief  nach  K.  1701  von 
der  Kirchgassen-  und  Friedrichstrassen-Ecke  in  der  Linie  der  Kirchgasse  und 
Moritzstrasse  bis  zum  Rondell  (heutige  Strassenrichtung)  fort.  Etwas  südlich 
vom  Rondell  zweigte  links  (östlich)  der  Mainzer  Weg  ab,  der  am  Hange  des 
Melonenbergs  beinahe  parallel  mit  der  Mosbacher  Strasse,  heute  Chaussee,  bis 
zum  Biebricher  Kirchhof,  und  von  da  zur  Armenruhmülile  lief,  wo  er  in  die 
Schwalbach-^btsbach-Kasteler  Strasse  mündete.  Er  ist  als  Feldweg  heute  noch 
erhalten. 

Die  Mosbacher  Strasse  selbst  zog  in  der  Richtung  der  heutigen  Chaussee 
über  den  Mosbacher  Berg  nach  dem  Dorfe  hinab.  An  der  (rabelung  der 
Strasse  und  des  Mainzer  Weges  stand  ein  zweiarmiger  Stock,  dabei  ein  Heiligen- 
bild, weshalb  der  Distrikt  dort  heute  noch  Heiligenstock  lieisst.  Etwas  weiter, 
östlich  von  der  Sti'asse,  lag  am  Berghange  der  Hoiligenborn,  eine  Quelle,  die 
von  irgcmd  einem  Heiligen,  wie  der  Hollerborn  von  der  alten  Gcittin  Holda  den 
Xamen  erhalten  haben  mag.  Kurz  vor  Mosbach  lief  die  Strasse  durch  dichte  Wein- 
gärten, die  den  ganzen  Hang  des  Hügels,  welch  letzterer  —  wir  müssen  den 
heutigen  A'iadukt  hinwegdenken  —  sich  ziemlich  steil  nach  J^Eosbach  senkte 
und  Ilasenberg  liiess,   bedeckten. 

Mosbach  und  Biobrich,  die  beiden  Schwesterorte,  haben  erst  eine  höhere 
Bedeutung  bekommen,  seitdem  dort  Fürst  Georg  August  von  Nassau-Idstein 
Yttn  1701  bis  170fj  sich  ein  Residenzschloss  am  Rheine  erbaut  hatte.  Mit  dem 
Tode  dieses  sohnlosen  Fürsten  hörte  indes  die  Herrlichkeit  schon  wieder  auf. 
Erst  sein  dritter  Nachfolger  in  der  Herrschaft,  Fürst  Karl  von  Nassau-Usingen, 
verlegte  seine  Residenz  1744  aus  dem  hinterwälderischen  Usingen  nach  Biebrich 
und  den  Regierungssitz  nach  Wiesbaden,  und  beides  ist  seit  der  Zeit  also  ver- 
blieben. Da  nun  ab(!r  Regierung  und  Hof  in  steter  Verbindung  bleiben  mussten. 
Staatskarossen  und  Kuriere  oft  genug  den  Weg  von  Biebrich  nach  Wiesbaden 
zurückzulegen  hatten,  so  war  man  genötigt,  für  eine  gute  Landstrassc  zwischen 
beiden  (Jrt(!n  zu  sorgen.  Um  rasch  aus  dem  alten  Schlosse  auf  dem  heutigen 
Markte  auf  den  Weg  nach  Biebrich  zu  gelangen,  wurde  der  Ausgang  der 
Mosbacher  Strasse  ans  untere  Stadtthor  (Mündung  der  Mauergasse  in  die  Markt- 
Htrasse)  verlegt.  Von  da  legte  man  die  Strasse  in  schnurgerader  südwest- 
licher Richtung  bis  zum  heutigen  Rondell  an  und  Hess  sie  dann  in  der  alten 
Richtung  weiter  gehen.  Das  geschali  in  den  Jahren  1750  bis  1752  und  dabei 
sei  als  eigentümlich  bemerkt,  dass  diese  neue  Chaussee  zuerst  mit  Obstbäumen 
ix'iderseits  besetzt  wurde.  Bei  Anlage  der  Strasse  wurde  der  alte  Herrngarten  vorm 
unteren  Sfadtthore.  1G88  vom  Fürsten  Georg  August  auf  dem  Terrain  der  Friedrich- 


und  liiihnhofstnisso  uiul  riii^a-biiu^-  iiii^ctlcyt,  (Uircliscliiiittcu  und  dadurch  sciiunii 
Untergange  eutgogongof'ührt,  uhwulil  scino  letzten  Jlosto  erst  um  I80O  ein- 
"•ino-en.  lYw  ^Viesl)adeIler  nuisston  bei  dem  Bau  mäelitig  fronen;  sie  tliaten 
es  nur  widerwillig  und  arbeiteten  nachlässig,  l)i(!  Folge  davon  war,  dass  sich 
die  Strasse  schon  drei  Jalir(}  später  in  miserablem  Zustande  befand.  Die  Klagen 
sind  überhaupt  unaufhörlich,  ebenso  unaufhörlich  die  Flickereieii.  Der  Sache 
wurde  dadurch  ein  Ende  gemacht,  dass  1791  die  Strasse  ganz  neu  angelegt 
wurde.  Die  alte  Strasse  ward  damals  als  mit  dem  ] 'Haster  ganz  versunkeji 
bezeichnet;  von  eimu-  Wölbung,  liicss  es,    wäre  nichts  mehr  zu  sehen. 

7.  Di  ('.  M  a  i  n  z  er  S  t  r  a  s  s  e.  Aus  dem  Unteren  Stadtthore  hinaus  führte 
bereits  vor  Anlage  der  neuen  liiebricher  (IVlosbacher)  Chaussee  ein  Weg,  der, 
etwa  dem  Laufe  der  heutigen  Friedrichstrasse  folgend,  durch  ein  grosses  Wiescn- 
ferrain  lief,  das  sich  bis  zum  Salzbache  auf  dem  Warmen  Damme  erstreckte, 
weit  südwärts  zog  und  die  ,, Wiesen  auf  der  Salz''  hicss.  Da.  wo  heute  die 
anglikanische  Kirche  steht,  verzweigte  sich  der  Weg  nach  drei  Richtungen 
hin;  dort  stand  ein  Wogweiser  mit  drei  Armen.  Der  südliche  bezeichnete  die 
Mainzer  Strasse,   die  im  Thale  des  Salzbachs  weiterlief. 

Die  Richtung  dieser  Strasse,  I)is  in  die  sechsziger  Jahre  unseres  Jahr- 
hunderts noch  Mühlweg  genannt,  erscluunt  nach  K.  1701  etwas  verändert  gegen 
die  heutige  der  Mainzer  Strasse  und  Mainzer  Landstrasse.  Zum  Teil  wurde 
bei  der  Anlage  wohl  die  altrömische  Thalstrasse  benutzt,  die  ehedem  denselben 
Lauf  von  Aquae  Mattiacorum  nach  jMogontiacum  genommen  hatte.  Die  Mainzer 
Strasse  führte  östlich  vom  Salzbache  an  dieseju  entlang,  bis  sie  vor  der  Station 
Kurve  in  die  Schwalbach-Kasteler  Strasse  mündete.  Der  Salzbach  selbst  floss 
von  oberhalb  der  Neumühle  ab  in  zwei  getrennten  Armen  südlich,  die  sich 
kurz  vor  der  Mündung  wieder  vereinigten.  Die  Mühlen  im  Salzbachthale 
standen  durch  Wege  mit  der  Mainzer  Strasse  in  Verbindung;  von  der  Ncu- 
mühle  führte  auch  ein  Weg  durch  die  Wiesen  auf  der  Salz  (Richtung  der 
heutigen  Lessing-  und  Goethestrasse)  zur  Mosbacher  Chaussee. 

Von  der  Mainzer  Strasse  zweigte  östlich  ein  Weg  ab,  unterhalb  iler 
Spitalsmühle  (Spelzmühle)  im  Waschbachthale.  Im  Zahlbachfelde  gabelte  er 
sich;  ein  Arm  wandte  sich  direkt  nördlich,  die  Erbenheimcr  Strasse  (s.  u.) 
kreuzend,  nach  Bierstadt;  der  andere  lief  in  östlicher  Richtung  fort,  bis  er 
kurz  darauf  die  Erbcnheinier  Strasse  erreichte.  Der  erstcre  hiess  der  Bicr- 
stadter  Mühlweg,  der  andere  der  Erbenheimer  Mühlweg,  und  beide  bestehen 
als  Feldwege  heute  noch.  Kurz  hinter  der  Gabelung,  im  Zahlbachfelde, 
stiessen  die  Gemarkungen  Wiesbaden,  Mosbach  und  Erbenheim  zusammen. 

8.  Die  Erbenheimer  Strasse.  Sic  führte  von  dem  dreiarmigen 
Wegweiser  (s.  0.  No.  7)  südöstlich  durch  den  sogenannten  Kleinen  J lainer. 
Links  von  der  Strasse,  auf  halbem  Wege  zwischen  ihr  und  der  Bierstadter 
Warte,  steht  ein  Feldbrunnen,  Erckelsborn  benannt,  auf  K.  1701  eingezeichnet. 
1768/09  ging  die  alte  Strasse  auf  der  ]Iöhe  mehr  links  durch  di(>  Hohle. 
dann  wieder  rechts  auf  Erbenheim  zu  und  zwar  nicht  in  so  direkter  Richtung 
wie  heute.     Sie  sollte  damals    etwas  nach  Südwesten,    nach   dem  Abhänge  des 


118 

Berge>  /.n  verlegt  und  dabei  gosfreokr  werden.  Man  klngre  uänilicli  über  den 
schlechten  Zustand  auch  des  gepflasterten  (gestückten)  Teiles:  demnach  war 
die  Strasse  weiter  hinaus  nur  als  blosser  AVeg  gehalten.  Und  doch  wurde  sie, 
besonders  während  der  Frankfurter  Messezeit,  viel  befahren.  ])er  zum  Berichte 
aufgeforderte  AVegemeister  Rücker  war  für  Beibehaltung  der  alten  Jlichtung: 
er  erklärte,  der  Hang  des  Berges  sei  lettig.  Pflaster  würde  dort  schwer  zu 
unterhalten  sein,  ausserdem  gingen  durch  den  neu  projektierten  Zug  mehr  als 
hundert  Morgen  fruchtbaren  Ackerlandes  verloren.  Auch  bestehe  die  Strasse 
als  I\tststrasse  (nach  Frankfurt)  bereits  über  zweihundertfünfzig  Jahre  (also 
seit  ca.  1.")1G)  und  müsse  nur  angemessen  unterhalten,  bez.  erneuert  werden. 
Die  Sache  ruhte  bis  1789,  wo  die  Xeuanlage  der  Strasse  in  Angriff  genommen 
wurde.    — 

Die  Erbeuheimer  Strasse  besass  ein  Bankett,  was  wir  auch  von  der 
Mosbacher  Strasse  erfahren;  ob  die  Schwalbacher  Strasse  über  die  Hohe  Wurzel 
damit  versehen  war.   konnte  ich  nicht  feststellen. 

p]rwähnt  wurde,   dass  die  Erbenheimer  Strasse  durch  den  Kleinen  Hainer 
führte.     Nur  ein  geringer  Teil  des  letzteren  lag  südlich,    der  grössere  nördlich 
von  der  Chaussee  nach  dem  Bierstadter  Wege  zu.   Er  begann  unmittelbar  auf  den 
Anhöhen  hinter  dem  Warmen  Damme    und  zog  sich  bis    zur  Bierstadter  Höhe 
hinauf.    Der  Name  Hainer  kommt  von  Hain  =  Wald;  1221   wird  er  Hagenehe 
genannt,    später    in    Ottos    „Merkerbuch    der  Stadt  Wiesbaden"    Heney    und 
Henauwe  =  Hainaue.     Der  Name  Hainer    deutet    also  an,    dass    die  Höhe  ur- 
sjirünglich  mit  Wald  bestanden  war,   der  Name  Hainaue.   dass  aus  dem  Walde 
Feldfläche    geworden  ist.     Die  Bebauung    fand    frühzeitig,    vielleicht  schon  im 
dreizehnten  Jahrhunderte    statt    und  dauerte    bis    zum  grossen  Kriege.     Durch 
die  Verwüstungen,   die  dieser  mit  sich  brachte  und  durch  die  Entvölkerung  der 
Stadt  kam  es,    dass  der  Distrikt    gänzlich    verwilderte.     Die  Besitzer    der  dort 
gelegenen  Grundstücke  waren  gestorben  und  verdorben;  deshalb  zog  die  Herr- 
schaft den    ganzen  Komplex  ein    und    benutzte    das    von  Gras,    Hecken,    ver- 
wilderten Obstbäumen  und  Gartengewächsen  besetzte  Gebiet  als  herrschaftliche 
Viehweide.    Dasselbe  geschah  mit  dem  Grossen  Hainer,   der  südlich  der  Erben- 
lieimer  Strasse    bis    zum  Bierstadter  Mühlweg    sich    erstreckte.     Als    aber    die 
Bevölkerung    der  Stadt    sich  wieder  mehrte,    beanspruchte    sie  mit  Recht  auch 
wieder  die  beiden  Hainer  als  Stadtbesitz  und  die  Rjürger  begannen  seit  ca.  1680 
die  Distrikte    anzureden.     Fürst  Georg  August    untersagte    ihnen    das  anfangs, 
aber    die  Wiesbadener    liessen    sich    nicht    beirren.     Auf  K.    1701   scheint  ein 
ganz  bedeutendes  Stück  beider  Hainer    in  Acker-  und  Gartenland    verwandelt; 
im_]_Grossen  Hainer    liegt    der  Weidenborn    als    Feldbrunncn    angegeben.     Der 
Fürst  gab  schliesslich  nach  und  übcrliess  weitere  Stücke  zur  Urbarmachung,   den 
Morgen  zu  drei    oder    vier  Gulden  Kaufgeld    und    eine  Jahresabgabe  von  zwei 
Kumpf  Korn,   das  als  Saatkorn  an  arme  Feldbauern  verteilt  wurde.    Die  letzten 
ca.    neunzig  Morgen  ^wurden     1722  verkauft.      An    den    alten    Distrikt    Hainer 
erinnern    noch    die    heutigen" gleichen  Distriktnamen    und    der  Hainerweg,    die 
Strasse,   welche  von  der  unteren  Bierstadter  zur  Blumenstrasse  führt.     Durch  den 
Hainer  lief  auch  der  östliche  Landgraben,   der  als  Grenzwehr  der  Stadt  diente. 


IV.t 

9.  l)i((  15  i  c  r  >  I  a  th  (•  !•  S  r  r  a  s  s  c.  Sic  fol^r  auf  K.  17<tl  /iruilich  ilcr 
JiidituD^-  «Ilt  lieiirig'on  Cliaussue,  docli  ist  ihr  Jiaul'  nicht  so  sclimirgorade ;  sio 
ist  die  dritte  Strasse,  die  bei  dem  S.  117  yeiuiuiiten  Wej^weiser  abzweigte.  Auf 
der  halben  Höhe;  des  Bierstadtcr  Berges  teilte  sich  links  der  sogenannte  Kluppen- 
heimer  Weg  al).  dri'  am  hallicn  Hange;  des  lierges  mit  der  Bierstadter  Strasst^ 
parallel  au  liierstadt  links  vorüber  nach  Kloi)peidieijn  lief.  Die  heutige  llilda- 
strasse  deutet  seine  liichtung  ai\ ;  von  dei-  Weberschen  Gärtnerei  ah  fidirr  ei- 
als  Feldweg  weiter. 

Die  Bierstadtcr  Warte,  auf  K.  1701  rechts  von  chu'  Bierstadter  Strasse 
eingezeichnet,  zeigt  drei  Stockwerke  und  eine  Ku])pelbedachung.  Sic;  war. 
was  iJir  Name  besagt,  ein  Warttuiiu.  dei-  weit  in  die  Umgegend  Umschau 
gewährte.  Erbaut  wurde  sie  jedenfalls  schon  viel  früher,  vermutlich  in  der  Zeit, 
da  Nassau  und  Eppenstein  miteinander  fehdeten,  also  im  dreizehnten  Jahr- 
hundert. Denn  jenseits  Bicu'stadts  begann  das  „Ländchen",  als  dessen  nächster 
Ort  Iji-stadt    dicht    hinter  Bierstadt  lag.     Das  Ländchen    aber  war   erst    e])pen- 


^o 


steinisch,   dann  hessisch. 

10.  Die  Idstei  Her  Strasse  „üb(!r  die  Dörfer".  Noch  bevor 
der  Kloppenheimer  Weg  von  der  Bierstadter  Strasse  abbog,  zweigte,  kurz  liinter 
dem  dreiarmigen  Stock,  links  ein  anderer  Weg  ab,  der  durch  das  grüne  A'iertel 
hinter  den  Warmen  Damm-Anlagen  führte  und  dann  in  die  heutige  Parkstrasse 
einbog.  Er  folgte  dann  deren  Richtung  und  weiter,  seitwärts  der  Dietenmühle 
derjenigen  des  heute  noch  bestehenden,  neu  hergerichteten  J^ingertswegs.  Der 
Bingert,  eine  aus  Bienengarten  entstandene  Distriktsbezeichnung,  weist  auf 
K.  1701  an  seinem  nach  Sonneuberg  zu  gedegenen  Hange  im  unteren  Teile 
AVaUl.  im  oberen  Weinberge  auf,  die  sich  niu-dlicli,  seitwärts  der  alten  Sonnen- 
berger  Kirche  bis  zur  Höhe  ziehen.  Diese  alte  Kirche,  bekanntlich  1429  von 
dem  Edeln  Werner  Hud  von  Sonnenberg  erbaut,  erscheint  auf  K.  1701  noch 
bedacht.  Das  Dach  ist  einfach,  schräg  nach  Norden  und  Süden  abfallend; 
ein  Turm  fehlt,  dageg(Hi  erhebt  sich  auf  der  Spitze  des  Ostgiebels  ein  grosses, 
vielleicht  (der  Form  nach  zu  urteilen)  eisernes  Kreuz.  Die  Kirche  war  in 
Benutzung  bis  17o0,  in  welchem  Jahre  sie  abgebrochen  wurde.  Von  dem 
Bingert  aus  lief  die  Strasse  wie  heute  weiter  über  Naurod  und  Niedernhausen 
nach  Idstein.  Sie  hiess  Weg  über  die  Dörfer  deshalb,  weil  der  andere  Listeiner 
^Yeg  über  die  Höhe  (s.   u. )  ausser  über  Engenhahn  über  kein  Dorf  führte. 

11.  Die  So  nnejih  erger  Strasse.  Aus  dem  Sonuenberger  Thore, 
das  am  Ende  der  heutigen  Pension  zum  Ritter,  an  der  unteren  Webergasse, 
stand,  ging  ein  breiter  Weg  aus,  der  sich  in  der  Gegend  des  heutigen  Kaiser 
Friedrich-Platzes  in  scharfer  Krümmung  nordwärts  und  südwärts  gabelte.  Der 
letztere  Zweig  wandte  sich  hinüber  nach  dem  Warmen  Damme  und  lief  über 
diesen  zwischen  den  dort  befindlichen  Äckern  und  Gärten  her.  bis  er  hinter 
der  PletzmühU-  auf  den  .Vusgangspunkt  der  unter  Nr.  7.  S  und  9  benannten 
Strassen  stiess.  Der  nördliche  ^^'eg  überschritt  Schwarzbach  und  Rambach  und 
schlug  die  Richtung  der  heutigen  Sonuenberger  Strasse  ein,  den  Rambach  stets 
reelir^  l,rli;iltend.      Zu   beiden   S.'iren   des    letzteren    ist   auf  K.    I7nl    ein  breiter 


120 

Stroifen  Wieseulauik's  augegebeu.  Da.  \v<»  huiire  der  Kurliausplatz  liegt,  befindet 
sich  auf  K.  1701  der  ^Süsse  Brunn^.  d.  h.  der  Wiesenbrunneii,  eingezeichnet, 
der  bekanntlieh  später  mehrfach  verlegt  wurde  und  bei  dem  Theaterneuhau 
eingegangen  ist.  Er  hat  erst  nach  1701  seine  Blütezeit  gefeiert  und  ist  sogar 
als  einzio-er  Süsswasserbruunen  Wiesbadens  poetisch  verherrlicht  ^Yorden.  Auf 
K.  1701  ist  auch  das  aus  dem  Aukain  kommende,  oberhalb  der  Blumemviese 
in  den  Rambach  mündende  Zuwässerchen  angegeben.  Auch  die  Dietenmühle 
ist  eino-ezeichnet.  die  von  einem  Seitenarme  des  Baches,  der  oberhalb  der  Mühle 
abzweigt  und  unterhalb  sich  wieder  mit  jenem  vereinigt,  getrieben  wird.  Diese  alte 
Mühle  kommt  schon  ca.  l-'J.")«)  vor;  ihren  Xamen  will  iium  von  diet  =  Volk 
ableiten.  Nach  dem  grossen  Kriege  lag  sie  verlassen  da,  bis  sie  1685  vom 
Grafen  Georg  August  von  Nassau-Idstein  an  den  Amtmann  (rraf  von  Idstein 
seschenkt  wurde,   der  sie  neu  aufbaute. 

Die  Sonnenberger  Strasse  wurde  anno  1776  etwas  mehr  östlich  vom  Thor 
verleo-t.  Denn  in  diesem  Jahre  legte  Fürst  Karl  Wilhelm  von  Xassau-Usingen 
vor  dem  Thore  den  neuen  Herrengarten  (Kurgarten)  auf  dem  Terrain  der 
nördlichen  Hälfte  des  Kaiser  Friedrich-Platzes,  des  Nassauer  Hofes  und  Blockischen 
Hauses  an.  Er  Hess  auch  eine  Allee  zum  Wiesenbrunnen  pflanzen.  Die  An- 
lao-en  wurden  in  1808  u.  ff.  durch  den  Kurhausbau  und  die  Errichtung  des 
Nassauer  Hofs,  der  Vier  Jahreszeiten  und  des  Blockischen  Hauses  sehr  be- 
schränkt,  und  in  1825  u.   ff.   durch  den  Theaterbau  ganz  beseitigt. 

12.  Die  Idsteiner  Strasse  über  den  Trompeter.  Auf K.  1 701 
biegt  von  dem  Sonnenberger  Weg  ein  anderer  direkt  nördlich  ab  und  führt 
über  den  Fufsberg  (Adolfs-  und  Cansteiusberg  —  der  heutige  Cansteinsbergwcg) 
aufwärts.  Der  Name  Fufsberg,  eigentlich  Fusberg,  ist  der  älteste,  der  Name 
Adolfsberg  rührt  von  Herzog  Adolf,  Cansteinsberg  von  dem  Oberstleutnant  von 
Canstein  her,  der  dort  zuerst  eine  Villa  erbaute.  Auf  dem  Fusberg  teilte 
sich,  wie  heute  noch,  der  Weg  in  zwei  Zweige.  Der  eine,  westliche,  führte 
ziemlich  gerade  aus  durch  die  Hohle  (Kuhhohle)  über  den  Geisberg  zur  Trauer- 
eiche und  dann  über  den  Bahnholzkopf  zur  Höhe  des  Trompeters,  von  da  über 
Engenhahn  nach  Idstein  hinunter.^)  Der  andere,  östliche,  zweigte  rechts  über  die 
heutige  Schöne  Aussicht  ab,  bog  hinter  der  Höhe,  wo  sich  das  Reservoir  befindet, 
nördlich  um  und  lief  parallel  dem  Hauptwege  über  den  Leberberg,  am  heutigen 
Rettungshause  vorbei,  bis  er  sich  bei  der  Trauereiche  wieder  mit  dem  Haupt- 
wege vereinigte.     Er  besteht  heute  noch  zum  Teil  als  Feldweg. 

Der  Distrikt  zwischen  diesen  beiden  Wegen  auf  dem  Fusbcrge,  d.  h. 
auf  dessen  Höhe,  hiess  der  Königstuhl,  wie  heute  noch.  Der  Name  bedeutet 
eine  alte  Gerichtsstätte  des  Gaus ;  anderswo  in  Nassau  kommt  die  Bezeichnung 
ebenfalls  vor.  Der  Königstuhl  befand  sich  für  den  Königssondergau,  in  dem 
Wiesbaden  lag,  von  ca.  800  bis  1100  auf  der  Ebene  zwischen  Erbenheim  und 
Kastei.     Da  nun    nach    dieser  Zeit  von    einem  königlichen  Gerichte    des  Gaus 


')  Vom  Trompeter  ah  hiess  diese  Strasse  Trompoterstrasse;  diese  selbst  lenkte  in  früherer 
Zeit  in  die  Platter  Strasse  bei  der  Platte  ein.  Der  Name  Trompeter  und  Trompeterstrasse  ist 
von  den  auf  ilir  vtikflucnlfii  Postreitern   herzuleiten. 


]2\ 

keine  Kode  mehr  ist,  die  Gerichtsbarkeit  viehiieiir  teils  an  ilie  Grafen  von 
Nassau,  teils  an  die  von  Eppstein  überging  und  die  Dingstätte  des  nassauischen 
Teils  sieh  nachweisbar  auf  dem  .Alauritiuskirchhof  in  Wiesbaden  befand,  so  muss 
die  Dingstätte  auf  dem  Fusberge  älter  als  800  sein.  Auf  K.  1701  ist  dort 
der  Galgen  eingezeichnet;  man  hatte  also  den  Ilichtplat/  auf  der  alten  Ge- 
richtsstätto  beibehalten.  Diese  befand  sich  rechts  von  der  idsteiner  Strasse, 
etwa  in  einer  Höhe  mit  d(!m  Hofe  Geisberg. 

Der  Hof  Geisberg  ist  eine  verhältnismässig  neue  Gründung.  Er  wurde 
1788  durch  den  Regierungspräsident  von  Kruse  angelegt.  Kruse  war  einer 
jener  Minister  der  Aufklärungspcu-iode,  die  das  Heil  des  Staates  in  der  Hebung 
der  Bodenkultur  und  des  Bauernstandes  suchten,  den  Bau  neuer  Nähr-  und 
Nutzpflanz(in  (Klee,  Kartoffeln)  einfüln-ten  und  verbesserte  Methoden  des  Acker- 
baus anstatt  der  alten  Dreifelderwirtschaft  anwandten.  Die  Landwirtschaft  auf 
Hof  Geisberg  sollte  vorbildlich  auf  die  Bewohner  von  Wiesbaden  und  Umgebung 
wirken.  Es  war  jedenfalls  auch  Berechnung,  dass  mit  dem  Landbau  auf  dem 
Hofe  Gastwirtschaft  verbunden  wurde;  es  sollten  die  Leute  dadurch  mehr  zur 
Besichtigung  der  Anlagen  veranlasst  werden. 

An  der  Trauereiche  schnitt  damals  die  Gemarkung  Wiesbaden  gegen  die 
herrschaftlichen  Waldungen    ab.     Die    alte  Eiche  war    ein  Grenzbaum;    merk- 


^ö 


würdigerweise  aber  ist  sie  auf  K.  1701  gar  nicht  gekennzeichnet  wie  andere, 
schon  genannte,  heute  nicht  mehr  stehende  Grenzbäume,  trotzdem  sie  wohl  älter 
als  zweihundert  Jahre  sein  mag. 

Auf  K.  1701  ist  dann  noch  von  der  Sonnenberger  Strasse  nach  links, 
also  der  Richtung  jener  entgegengesetzt  führend  und  dem  Laufe  der  heutigen 
Taunusstrasso  entsprechend,  ein  Weg  angegeben.  Er  läuft  dann  die  vordere 
Geisberg-  und  die  Kapellenstrasse  über  den  Thorberg  weiter  zum  Neroberge, 
wo  er  auf  dessen  Höhe  an  der  Gemarkungsgrenze  im  Walde  aufhört.  Er  wird 
als  Feld-  und  Holzweg  bezeichnet. 

Auf  K.  1701  ist  auf  dem  Neroberge  eine  quadratische  Umrahnmng  ein- 
gezeichnet, an  der  Stelle  der  Domänenweinberge  von  heute,  die  auch  mit  Wein 
bepflanzt  erscheint.  Aber  auch  ausserhalb  dieser  finden  sich  die  Südhänge  des 
Nerobergs,  ferner  der  ganze  Thorberg,  jenseits  des  Dambachthals  —  der  Dambach 
ist  als  kleiner  Bach,  der  in  eine  Art  Reservoir  am  Fusse  des  Geisbergs  mündet, 
angegeben  —  der  Neuberg,  der  ganze  Geisberg  und  Leberberg,  mit  einem 
Worte  die  gesamte  Höhe  vom  Schwarzbach(Nero-)thal  bis  zum  Sonnenberger 
(Rambach-)thale  bis  hoch  liinauf  mit  Weingärten  bedeckt.  Dasselbe  ist  der 
Fall  mit  dem  Atzelberge,  auf  dessen  ganzer  Länge  und  Breite.  Auch  seit- 
wärts der  Dietenmühle  am  unteren  Bingertsweg  und  zwischen  Idsteiner  Weg 
(Parkstrasse)  und  Bierstadter  Weg  (Distrikt  Weinreb)  sind  WeinpHanzungcn 
eingezeichnet.  Demnach  sind,  wie  auch  anderweitige  Aufzeichnungen  bezeugen, 
Weinbau  und  Weinkonsum  in  und  bei  Wiesbaden  zu  Anfang  des  vorigen  Jahr- 
hunderts   sehr    bedeutend    gewesen.     Bemerkt    soll    noch    werden,    dass    1744 


_  ,->\voami         lioniprkf:      soll      nocli 

Fürst  Karl  von  Nassau-Usingen  zu  seinem  Weingarten  auf  dem  Neroberge  ein 

/nmeo«    Sfii(>U-     nrivni.nr    Anlf 


grosses  Stück    privater  Anlagen    hinzu  erwarb,    worauf  er    die  heute    noch  be- 
stehende Mauer  um  das  Ganze  aufführen  Hess. 


122 

Doi   Neroberg  wird  auf  K.    1  T(  H    Neliresberg  gesehrieben.     Xoeh  früher, 
im    sechzehnten  Jahrhundert,    heisst    er    Ersberg  oder  Örsberg,    letzteres    ohne 
Zweifel  eine  ^Verböserung"  des  ersteren.   weil  man  dialektisch  e  statt  ö  zu  sagen 
jrewohnt  ist.     Bald  naddier  kommt  auch  die  Benennung  Nersberg  vor.    Ersberg 
deutet    auf  Er  =  Ziu  hin.    d.   h.   auf  den  altgermauischen  Kriegsgott,    der  zu- 
gleich   allemannischer  llauptgt.tt    war.     Eine  Eresburg   gab    es    bekanntlieh  in 
Westfalen  au  derDiemel;  Karl  der  Grosse  zerstörte  sie.    Es  ist  wohl  möglich, 
dass  auf  der  Höhe  des  Nerobergs  ein  Heiligtum  des  Er,   d.  h.    eine  Opferstätte 
sieh  befunden  habe:    denn  Er  ist  ein  Berggott    gewesen.     Als  die  Allemanncn 
von    den    damals  noch    heidnischen  Franken,    chattischen   Stämmen,    verdrängt 
wurden,    trat    an  die  Stelle  des  Er  der  Obergott   der  Chatten,    Donar,     dessen 
Name  in  Thorberg,   früher  richtiger  Dorberg  geschrieben,   anklingt.    Auf  welche 
Weise   das    N    vor    den  Namen  Ersberg    gekommen    ist,    vermag    iiithr    nach- 
gewiesen zu  werden.      Möglich  ist,    dass  es,   wie  sonst  manchmal  der   besseren 
Aussprache  halber,    vorgesetzt  wurde.     Ein  Beweis  dieser  Behauptung  liegt  in 
folgendem.     Ein  alter  Wiesbadener  Herr,    der  meist  im  Dialekt  sprach,    sagte 
nicht  anders  als  „uf  em^Ierschberg"  (Frage  woV)  und  „uf  enNerschberg"  (Frage 
wohin?).     Beim    blossen  Sprechen  merkte  man    nicht,    dass  er  eigentlich  wohl 
„uf    em  Erschberg",    bezw.    ,,uf    en  Erschberg"    hatte    sagen  wollen.     Das  M, 
bezw.   N  ist    einfach  Jiiuübergezogeu  worden,    und  gerade    die  Anwendung  des 
M  in  der  Dativform  und  des  N   in    der  Akkusativform    beweist    wohl    die  Ur- 
sprünglichkeit  der  Form  Ersberg  (Dialekt  Erschberg).     Übrigens  kommt  nach 
den  Akten  des  Stadtarchivs  diese  Form  Ersberg  1472,  1524,  15G(5,  1594,   1692 
und  zuletzt  1716  vor  (Dorberg  zuletzt  1806).    Gesprochen  wurde  Nersberg 
und  Mersberg  schon  vor  Jahrhunderten ;  aber  erst  das  vorige  hat  die  Schreib- 
weise    mit  N    dauernd    eingeführt.     Das  Nersberg    wurde    später    (s.  K.    1701 
u.  a.  a.  0.)  zu  Neresberg,   dann,   indem  aus  dem  zweiten  e  ein  o  w^urde  (wie?) 
zu  Nerosberg  (auf  Karten  zu  Anfang  dieses  Jahrhunderts  Nerosstrasse,   Neros- 
thal) und  schliesslich  durch  Ausstossung  des  s  zu  Neroberg,   w^elcher  ganz  will- 
küi'liche  und  irreführende  Name  sich  erhalten  hat. 

Eigentümlicherweise  befindet  sich  auf  K.  1701  kein  Weg,  der  in  das 
Nerothal  führt,  angegeben.  Zu  beiden  Seiten  des  Schwarzbachs  erscheinen 
Wiesen  bis  an  den  Fuss  des  Thorbergs  und  Nerobergs  und  durch  sie  hindurch 
können  höchstens  Pfade  zum  Walde,  der  am  Fusse  des  Nerobergs  vor  der 
heutigen  Beausite  begann,  geführt  habeii.  Auch  eine  Verbindung  des  Nero- 
thals mit  der  Höhe  der  Neuhofer  Strasse  besteht  nicht;  der  Wolkeubruchw^eg, 
der  um  1 750  bereits  erwähnt  wird,  war  damals  also  noch  niclit  durch  das 
elementare  Ereignis  geschaff(;n  worden.  Die  Stadtgemarkung  hörte  im  Walde 
hinter  der  Beausite  auf.  Diese  letztere  wurde  erst  1737  als  Walkmühle  er- 
richtet   und  damals  wahrscliciiilich  dann  der  Weg  dorthinaus  angelegt.     —  — 

Ausser  diesen  Chausseen  und  Tjaiulwegen,  die  von  W^iesbaden  hinaus- 
führten, müss(m  wir.  dci-  V(dlständigkeit  halber,  unsere  Aufmerksamkeit  noch 
auf  einige  grosse  Verkehrsstrassen  richten,   die  nahe  au  Wiesbaden  vorbei  zogen. 

Durch  Wiesbaden  selbst  führte,  wie  erwähnt,  nur  eine  der  grossen  Heer- 
strassen,   die  alte  fränkische  (Wiinische)  sogenannte  ^[ainzer  Strasse  von  Limburg 


12 


JO 


ül)or  Kirberg,  die  Jlünorkirclio,  den  Zui^iiiantel  und  die  Platif.  und  südlicli  von 
\Viesl)udcn  im  Salzbiiclitlmle  weiter.  Sic;  traf  westlich  von  der  Kurve  auf  die 
alte  Sehwalbacher  Strasse.  Eine  andere,  die  ebenfalls  schon  i)(!sohriobene 
Eisenstrasse,  lief  von  Michelbaeh  über  ]Iahn  und  die  Eiserne  Hand,  aber  nicht 
durch  Wiesbaden  unmittelbar,  sondern  lenkte  am  llolzhackerhäusciien  südwestlich 
at),    an  der  Fasaneric    vorüber  ebenfalls    in  die    alte  Schwalbacher  Strasse  ein. 

Diese  alte  Schwalb  a  c  h  er  S  t  r  a  s  s  e  nahm  ihren  Ursprung  bei  Langen- 
schwalbach;  sie  schlug  dann  die  liichtung  der  heutigen  Lahnstrasse  über  die 
Schanze  ein,  durch  hessen-rheinfelsisclies  Gebiet,  das,  wie  erwähnt,  an  der 
Schanze  aufhörte.  AM)n  da  über  den  Ivlapperstock  ging  es  im  Nassauischen 
weiter  bis  zum  Chausseehaus  und  dann  l)is  zur  Stelle,  wo  der  Distrikt  Ruhehag 
bi^giunt.  Bis  hierher  hielt  die  Strasse  die  Richtung  der  heutigen  Lahnstrasse 
ein;  dann  aber  wandte  sie  sich  ostsüdlich  durch  den  Wald  über  den  heute 
noch  bestehenden  Fahrweg,  der  die  Distrikte  Ruhehag  und  llasenspitz  von  der 
an  die  heutige  Lahnstrasse  grenzenden  Kohlheck  trennt;  auf  dieser  Strecke 
nahm  sie  die  Eisenstrasse  auf.  An  dem  alten  trigonometrischen  Punkte  Trift, 
l»('i  der  Schönen  Aussicht,  in  der  Mitte  zwischen  Dotzheim  und  Clarenthal. 
tritt  sie  heute  aufs  freie  Feld,  das  Wellritzfeld,  das  freilich  damals  noch  ganz 
bewaldet  war.  Sie  läuft  dann  weiter  durchs  Wellritzfeld,  kreuzt  die  Dotz- 
heimer  Strasse,  zieht  am  Exerzierplatz  und  der  Kaserne  südwestlich  vorüber 
durcli  die  neue  Kolonie  des  Wiesbadener  Spar-  und  Bauvereins  über  den  Hügel- 
rücken parallel  der  Dotzheim-Mosbacher  Strasse  im  Ochsenbachthale  und  mündet, 
nach  Süden  umbiegend,  durch  eine  Hohle  nach  Mosbach  hinein.  Sie  heisst 
heute  von  der  Trift  bis  zur  Mosbacher  Hidde  die  Wald-  oder  Holzstrasse.  Die 
weitere  Strecke  von  Mosbach  über  die  Kurve  nach  Kastei  ist  jetzt  in  eine  breite 
und  schöne  Chaussee  umgewandelt.  Diese  Strecke  aber  gehörte  früher  schon 
auch  einer  anderen  grossen,  aus  dem  Rheiugau  kommenden  Landstrasse  an  (s.  u. ). 

Als  weitere  vielbonutzte  Landstrasse  ist  die  sogenannte  RluMiigauer 
Strasse  zu  verzeichnen.  Sie  zog  von  der  Eisernen  Hand  südlich  in  der 
Senke  zwischen  Winterbuche  und  Schläferskopf  lier  direkt  auf  das  Chaussee- 
haus zu,  stets  durch  dichten  Wald.  Ihr  Lauf  ist  heute  noch  als  prächtige 
Waldschneise  erhalten.  Das  Chausseehaus,  wo  die  Rheingauer  Strasse  die 
Schwalbacher  Strasse  kreuzte,  ist  ein  altnassauisches  Zollhaus  gewesen  und  1774 
erbaut  worden,  um  die  Chausseegelderhebungsstelle  von  der  Schanze,  die  der 
hessischen  Grenze  zu  nahe  lag  (vgl.  S.  IL))  weiter  zurück  zu  verlegen.  Das 
alte  Haus  diente  bis  1818  als  Wohnung  des  Zöllners;  dann  wurde  es  etwas 
erweitert  und  Sitz  eines  Oberförsters.  Es  ist  1898  niedergelegt  worden,  nach- 
dem ein  neues  Gebäude  unweit  seiner  aufgeführt  worden  war. 'i  Vom  ("haussec- 
liaus  lief  die  Strasse  in  schnurgerader  Richtung  südwestlich  bis  in  das  Hoch- 
thal vor  Georgenborn,  das  der  sogenannte  Weilburger  Bach  durchtliesst.  dann 
im  JJogeu  um  den  Grauen  Stein,  wo  sie  wieder  die  Höhe  erstieg  und  in  gi-- 
brochener  Linie  auf  dem  Hügelrücken  zwischen  der  Frauensteiner  Senke  und 
dem  Waldafferhal   siidösrlich   zog.      Dann   senkte   sie  sich  durch  einen  Hohlweg 


')  (iiitigc  Mitteilung-  des  llfiin   l'orstnioistcis  Kiiliioi 


124 

ins  Rhoiiirhal  naih  Niodorwalluf.  Auf  der  ganzen  Strecke  vom  Chausseehaus 
bis  dahin,  wo  die  Höhe  nach  Xiederwalhif  abfallt,  war  mit  Ausnahme  des 
"NVeilburger  Thaies  der  dichteste  Hochwald,  und  auf  eben  dieser  ganzen  Strecke 
ist  die  alte  Strasse  lieute  noch  als  Fahrweg  vorhanden.  Von  der  Eisernen 
Hand  bis  zur  Scheide  der  Gemarkungen  Frauenstein  und  Georgenborn  führte 
die  Strasse  durch  altnassauisches  Gebiet:  dann  trat  sie  in  den  kurmainzischen 
Kheingau  ein.  Bei  >'iederwalluf  traf  sie  auf  die  von  Küdesheim  über  Ellfeld 
führende  Landstrasse  durch  den  Kheingau,  die  nach  Schierstein  weiter  lief,  an 
der  Gemarkungsgrenze  von  Niederwalluf  und  Schierstein  aus  dem  Mainzischen 
wieder  ins  Nassauische  übertretend.  Im  ersten  Drittel  der  heutigen  Strassen- 
strecke  Schierstein-Biebrich  bog  die  Strasse  links  aus  und  führte  schnur- 
gerade (heute  Feldweg)  nach  Mosbach.  A'on  dort  lief  sie,  wie  erwähnt,  an 
der  Arnu'nruhmühle  vorbei,  über  die  Kurve  nach  Kastei,  von  du  über  Kost- 
heim. Hochheim.  Wicker,  Weilbach,  Hattersheim,  Siudlingen,  Höchst,  Nied, 
Griesheim  —  immer  durch  kurmainzisches  Gebiet  —  nach  Frankfurt. 

Mit  dem  Aufauge  unseres  Jahrhunderts  trat  ein  gewaltiger  Umschwung 
im  Landstrassenbauwesen  ein.  Grund  liiorfür  waren  die  weltbewegenden  Er- 
eignisse,  die  sich  auf  politischem  und  wirtschaftlichem  Gebiete  vollzogen  hatten. 

Auf  politischem  Gebiete  geschahen  durch  die  beiden  Revolutionskriego 
von  1792  bis  1797  und  von  1798  bis  1801  und  die  nachfolgenden  Friedens- 
bestimmuugen  die  grossartigsten  Umwälzungen,  die  man  vorher  kaum  geahnt 
hatte.  Die  beständigen  Kriegszüge  der  Kaiserlichen,  Preussen,  Reichstruppen 
und  der  feindlichen  Franzosen  rüttelten  alle  Yerhältuisse  durcheinander.  Auf 
den  Landstrassen  war  ein  beständiges  Ziehen  und  "Wandern  von  Bataillonen, 
Schwadronen,  Artillerie-,  Tross-  und  Bagagezügen.  Die*  Wege  litten  dadurch 
ausserordentlich,  die  in  der  Umgegend  von  Wiesbaden  nicht  ausgenommen. 
Einige  von  ihnen,  wie  die  Wiesbaden-Mosbacher  und  Wiesbaden-Erbenheimer 
Strasse,  waren,  wie  wir  weissen,  erst  kurz  vor  deni  Ausbruche  des  Krieges  neu 
hergestellt  worden.  Nun  wurden  au(!h  sie  wieder  verfahren,  ruiniert,  die  Obst- 
bäume geplündert,  beschädigt,  abgehauen.  Mit  der  Verwüstung  der  Wege 
ging  diejenige  der  Äcker  und  Waldungen  Hand  in  Haud;  es  sah  nach  Be- 
richten, die  aus  jener  Zeit  stammen,  schauerlich  in  der  Wiesbadener  Gemarkung 
und  in  der  Umgebung  aus.  Dazu  kam,  dass  der  ganze  private  Verkehr  ins 
Stocken  geriet,  teils  wegen  der  schlechten  W^ego,  teils  aus  3Iangel  au  rollenden 
Verkehrsmitteln;  denn  Pferde  und  Ochsen,  Wagen  und  Karren  waren  von 
Fr(!und  und  Feind  fast  stets  requiriert  und  kamen  oft  nicht  mehr  in  die  Hände 
der  Besitzer  zurück.  Endlich,  was  sollte  denn  auch  verfrachtet  werden,  da  die 
unruhigen  Zeiten  Gewerbe  und  Industrie  lahm  legten  und  dazu  Banden  von 
Marodeuren  und  lUischkleppern  die  Gegend  allenthalben  unsicher  machten  und 
somit  den  geringen,   etwa  noch  bestehenden  Verkehr  bedrohten! 

Dann  kamen  die  Friedensschlüsse  von  Campo  Formio  und  Luneville,  die 
das  Land  aufatmen  liessen:  es  kam  der  Reichsdeputationshauptschluss  zu 
Regensburg,  der  die  deutsche  Landkarte,  besser  gesagt,  Länderkarte,  so  ge- 
waltig veränderte.  Es  ist  bekannt,  in  wie  ausgedehntem  Masse  diese  Ver- 
änderung auch  im  Nassauischen  um  sich  griff.     Damals,    1803,    verschwanden 


125 

die  geistlichen  Staaten  und  eine  Reihe  von  Exklaven  und  Enklaven  weltlicher 
Fürsten,  die  dafür  anderweitige  Entschädigung  faiuhüi.  So  wurd<m  in  unserer 
Umgegend  die  rechtsrheinischen  und  rechtsmainischen  kurniainzischen  Besitzungen 
von  Lorch  bis  nach  Höchst  (Kastei  kam  180(>  an  Frankreich)  und  das  Ländchen, 
bisher  hessen-darmstädtisch,  mit  Nassau  vereinigt,  mit  and(;ren  Werten,  das  ganze 
({('biet  südlich  der  Höhe  kam  unter  eine  Herrschaft.  Ahnlich  geschah  dies  über  der 
Höhe;  nur  die  Niedergrafschaft  Katzenelnbogen  blieb,  seit  180G  als  französisches 
pays  reserve,  bestehen.  Die  liheiubundsakte  von  1806  fügte  weitere  reichs- 
fürstlicho  und  reichsritterschaftliche  Gebiete:  hinzu;  der  nassauische  Staat 
konsolidierte  sich  unter  dem  Namen  Herzogtum  als  ("inig  und  unteilbar. 

Mit  der  politischen   l^mwälzung  ging  die  wirtschaftliche  Hand    in  Hand. 
Wh-  haben  schon  gehört,   dass  vor  der  französischen  Revolution  di(!  Bestrebungen 
der  aufgeklärtem  ]\[inister  auch  der  Kleinstaaten  (Regierungspräsident  von  Kruse, 
s.   0. )    dahin    gingen,    die  Lage    des    Bauernstandes    zu    heben    durch    andere 
Methoden  des  Landbaues,  Einführung  von  neuen  Nähr-  und  Nutzpflanzen  u.  s.  w. 
Dazu  kam  eine  gleich  grosse  Sorge  für  die  Hebung  von  Industrie  und  Gewerbe. 
Die  Kriegszeiten  hatten  hierin  eine  Unterbrechung  herbeigeführt;  aber  nach  der 
Beendigung  jener  strebten  Bürger  und  Bauer    schon    im   eigenen  Interesse  mir 
verdoppelter  Anstrengung  empor  und  lenkten  in  die  früheren  Bahnen  ciji.    Die 
neuen  politischen  Verhältnisse  waren  dem  Aufschwünge  auf  materiellem  Gebiete 
günstig.    Denn  früher  hatten  Austausch  und  Verkehr  nur  innerhalb  eines  jeden 
kleinen  Territoriums  sich  frei  und  ungehindert  bewegen  können,   das  rings  von 
Zollschranken  umgeben  war.     Nunmehr  waren  all  diese  kleinen  Läppchen  und 
Häppchen  mit   dem  nassauischen  Grundstocke   und  Stammlandc    vereinigt;    die 
Schranken  waren  weggefallen,    und  der  Verkehr  konnte  sicli    ungehindert    vom 
Rheine  und  Maine  über  die  Höhe  bis  zur  Lahn    und  hinauf    auf    den  Wester- 
wald  ausdehnen.     Allerdings  anfangs  nur  in  der  Theorie.     Damit  es  praktisch 
der  Fall  sein  konnte,   musste  erst   die  Verbindung,    zugleich  die  innere,    d.   h. 
die  durch  den  Krieg  ruinierten  Vizinalstrassen  und  die  äussere,    d.  h.   die  die 
ehemaligen  Gebiete  aneinander  knüpfenden  Landstrassen  hergestellt  werden. 

Die  nassauische  Regierung  hat  hier  schon  gleich  nach  1803,  die  Not- 
wendigkeit umfassenden  Strassenbaues  erkennend,  tliatkräftig  eingegriffen.  Die 
Verfügungen  betreffen  anfangs  bloss  Ausbesserungen  und  Erneuerungen.  Solche 
fanden  statt  an  der  Platter  Strasse,  Mosbacher  Strasse,  die  neu  mit  Obstbäumen 
l)eprianzt  wurde,  und  am  Sonnenbergcr  Weg  im  Jahre  1804,  an  der  Erben- 
heimer  Strasse  im  Jahre  1805;  aber  damit  war  nur  halbe  .Vrbeit  gethan.  Auch 
dauerte  es  nicht  lange,  so  wurde  schon  wieder  über  den  schlechten  Zustand  der 
Sti-assen  geklagt.  Um  all  dem  ein  Ende  zu  machen,  beschloss  die  herzogliche 
Regierung  den  gründlichen  Neubau  aller  Laudstrasseu  und  grösseren  Landwege. 
Bereits  1807  wurde  damit  begonnen  und  1808  eine  besondere  Wegebaukommission 
eingesetzt,   deren  Vorsitz  die  Regierungsräte  Ibell  und  von  Mülmann  führten. 

Die  Bauten  wurden  nun  in  den  Jahren  1807  bis  1813  fast  sämtlich 
vollendet,  allerdings  unter  starker  Zuhilfenahme    der   Gemeinden.')     Man  kann 


')  Der  muileni  cljiiusseeinässige  Ausbau  füllt   ovst  in  diV  Jaliro   IS-js  u.   rt". 


wühl  sagen,  wenn  die  Akten  schwiegen,  würden  die  Steine  (der  nassanisclion 
Chausseen)  schreien,  um  die  ungeheuren  Lasten  der  Spann-  und  Handfronen 
kuudzuthun.  die  damals  die  Bauern  besonders  drückten.  Alte  Leute  Jiaben 
ihre  Eltern  noch  davon  erzählen  hüren.  Man  hat  vielfach  der  nassauischen 
Regierung  den  Vorwurf  gemacht,  dass  sie  bei  Aufhebung  der  Leibeigenschaft 
gleichwohl  die  Wegefronen  habe  bestehen  lassen;  aber  man  muss  bedenken, 
dass  in  damaliger  Zeit  zugleich  die  grosse  Reform  des  Steuersystems  stattfand, 
durch  welche  an  Stelle  des  bunten  Abgabewesens  mit  seinen  hunderterlei  ver- 
schiedenen Benennungen.  Bestimmungen  und  A'crpHichtungen  eine  einheitliche 
Ordnung  trar.  Die  Regierung  konnte  deshalb  nicht  daneben  wagen,  so  un- 
geheure Kosten,  wie  sie  der  Strassenneubau  erforderte,  allein  der  Staatskasse 
aufzulegen.  Und  dann  rechnete  sie.  dass  dieser  Neubau  doch  in  erster  Linie 
den  Gemeinden  selbst  zu  gute  kommen  würde,  aus  welchem  Grunde  letztere 
denn  auch,   ihren  entsprechenden  Teil  beizutragen,   angehalten  werden  müssten. 

Für  die  Art  und  Weise  des  Chauseebaues  blieben  die  alten  Regeln,  Avenig 
zum  bessern  modifiziert,  in  Geltung.  Mau  wölbte  die  Strasse  etwas  mehr  und 
stach  die  Gräben  tiefer  aus,  Hess  die  Böschungen  auch  weniger  steil  abfallen. 
Durchgängig  aber  wurden  die  Landstrassen  breiter  angelegt:  auch  die  früher 
sogenannten  Wege  wurden  nunmehr  zu  Strassen.  Die  Chausseen  bekamen  zu 
beiden  Seiten,  die  Strassen  auf  einer  Seite  wenigstens  Bankette  und  wurden 
mit  Obstbäumen  eingefasst.  Ferner  fand  überall  eine  möglichste  Streckung  der 
Linien  statt,  daher  die  vielen  schnurgeraden  Landstrassen  im  Xassauischon, 
Mit  der  Ilöhenführung  hatte  man  noch  nicht  gebrochen,  doch  mied  man  die 
steilen  Aufgänge  und  den  unnötigen  AVechsel  von  Steigen  und  Fallen,  auf  den 
man  früher  nicht  geachtet  hatte.  Auch  die  Art  und  Weise  der  Wegebefestigung 
war  noch  die  alte;  das  nach  dem  Erfinder  John  M'Adam  (f  1836)  benannte 
Macadamisieren  kam  erst  viel  später  (in  den  zwanziger  Jahren)  auf,  veranlasste 
aber  damit  einen  abermaligen  Umbau  der  Strassen. 

Die  sechs  Jahre  der  rheiubündlerischen  Zeit,  eine  Friedenszeit  für  das  Herzog- 
tum auf  eigenem  Boden,  sahen  also  auch  um  Wiesbaden  das  Neuentstehen  aller 
Strassen.  Die  Platter  Strasse  besonders  Avurde  als  grosse  Heerstrasse  ausgebaut, 
sie  lief  in  der  Stadt  über  den  Michelsberg,  die  Markt-  und  neue  Friedrich- 
strasse und  setzte  sicli  sodann  in  der  ErbenheiuKn-  oder  Frankfurter  Strasse 
fort,  sodass  eine  direkte  grossartige  Verbindung  von  Limburg  über  die  Regie- 
rungshauptstadt Wiesbaden  nach  Frankfurt  entstand.  Während  die  Platter 
Strasse  im  allgemeinen  ihre  Richtung  beibehielt,  wurde  die  Frankfurter  Strasse 
nach  Erbenheini  und  von  dort  schnurgerade  durchs  Ländchen  gestreckt,  bis  sie 
vor  Hattersheim  auf  die  alte  Mainstrasse  stiess  und  mit  dieser  vereinigt  über 
Höchst  nach  Frankfurt  lief.  Auf  diese  Chaussee  war  die  Regierung  besonders 
stolz;  unweit  des  Wirtshauses  zum  Wandersmann.  berichtet  ein  Sandstein- 
obelisk init  einem  Brunnen:  „Friedericus  Dux  Nassoviae  hanc  viam  construi 
iussit.  MDCCCJXIIP'.  mit  welcher  Zahl  das  Vollondungsjahr  angegeben  werden  soll. 

Die  Schwalbacher  Strasse,  die  alte  Lahnstrasse,  erfuhr  gleichfalls  eine 
Erbreiterung  und  ihre  Fortsetzung  nach  Wiesbaden  hinein  (die  Emser  Strasse) 
ward  nun   aus  einem  Weg  ein"  ebenfalls  breitere  Strasse.     An  der  Emserstrasse 


127 

liig  noch  eine  Reihe  v<in  Mühleu,  die  Evkelsmühle  (Emser  Strasse  2),  1720. 
die  Steinersinühie  (Wah-iunstrasse  32),  1719  erbaut,  und  die  Junkersniühl(> 
(Drudenstra-sse  2),  sehen  1490  bestehend.  Dazu  kam  17.'>G  37  die  Walkniüiile 
vom  Kireheuins])ektov  llelinuind  für  di<'  Waiscnhaus/Aveck(^  erbaut,  wobei 
/ug-leich  der  AVey  dort;  hinaus  angelegt  wuide.  Eine  grössere  Bedeutung  er- 
hielt die  Lahnstrasse  noch  dadurch,  dass  der  französische  Administrator  des 
|)ays  reserve  (Niedergrafschaft  Katzenelnbogen),  der  Präfekturrat  Pietscli  /u 
Lanueuschwalbacli  von  1808  bis  1810  die  Cliaussee  von  letzterem  bis  Kernel 
weiter  baute.  Sie  wurde  1829  bis  Jlolzhauseu,  bis  zur  Lahn  dagegen  erst,  in 
den  fünfziger  Jahri'H  fortgeführt. 

Die  a-leiche  Sorufalt  wurde  auf  die  von  Wiesbaden  iiacJi  den  Nachbarorten 
Kastei,  Bi(>bricli-Mosbac]i,  Schierstein,  Dotzheim,  Sonnenberg  und  Bierstadt 
führenden  Verkehrswege  verwandt.  Sie  alle  wurden  gestreckt.  Die  Dotzheinier 
Strasse  lief  jetzt  zwischen  den  beiden  früheren  Wegen  schnurgerade  über  die 
llölie  des  Hügels  in  der  heutigen  Iiichtung;  die  alten  Wege  gingen  ein.  Die 
Schiersteiner  Strassen  wurde  gestreckt  und  etwas  erbreitert.  Die  Mosbacher 
Chaussee  behielt  die  ihr  unter  Fürst  Karl  gegebene  Richtung  bei ;  dagegen  ging 
der  links  von  ilu-  abzweigende  W(>g  nach  Kastei  als  solcher  ein.  Der  Haupt- 
verkehr nach  Kastei  und  Mainz  vollzog  sich  entweder  über  Biebrich  oder  auf 
d(T  Mainzer  Strasse  im  Salzbachthale,  die  aber  nicht  so  gut  imstande  gehalten 
wurde  wie  die  übrigen  Strassen,  die  zum  RluMue  führten.  Geradeaus  lief  nun 
auch  die  Bierstadter  Strasse;  der  Kloppcjnheimer  Weg  ging  als  solcher  ein, 
indem  sich  der  Verkehr  dorthin  über  Bierstadt  wendete.  Denn  wenn  die 
Strasse  auch  einen  kleinen  Umweg  machte,  so  kam  die  Zeitversäumuis  doch 
dadurch,  dass  jene  stets  gut  imstande  war  und  das  Fortkommen  sehr  erleichterte, 
wieder  ein.  Die  Sonnenbcrger  Strasse  wurde  erbreitert,  gegen  den  Berg,  wie 
nach  den  Wiesen  hin;  sie  wurde  ferner  über  Sonnenberg  nach  Rambach  weiter- 
geführt, oberhalb  dessen  sie  auf  die  alte  Idsteiner  Strasse  (Bingertstrasse)  nach 
Naurod  stiess,  die  von  da  ab  gleichfalls  verbessert  wurde.  Bei  Wiesbaden 
wurde  die  Sonnonberger  Strasse  weiter  westlich  verlängert  bis  zum  Nerothale: 
als  sie  bald  darauf  angebaut  wurde,  empfing  sie  den  Namen  Taunusstrasse, 
di'i'  ihr  bis  heute  geblieben  ist. 

Die  alten  Strassen  nach  Idstein,  sowohl  diejenige  über  den  Bingert,  wie 
die  über  den  Trompeter  gingen  für  den  Fuhrverkehr  fast  ganz  ein.  Wie 
schon  gesagt,  lenkte  sich  dieser  in  erstgenannter  Richtung  über  Sonnenberg 
1111(1  Rambach  nach  Naurod  und  von  da  auf  der  alten  Strasse  weiter.  Man 
hatte  dabei  den  Vorteil,  dass  die  Strasse  durchs  Rambachthal  in  Hinsicht  auf 
Steigung  und  Beschattung  b(^qu(Mner  und  angenehmer  war.  Der  Weg  über  den 
Trompeter  ging  völlig  ein,  seitdem  später  von  Idstein  nach  Neuhof  eine  gute 
Strasse  über  Eschenhahn  angelegt  war,  wodurch  die  steile  Steigung  über  di«; 
Trompeterhöhe  vermieden  und  der  Fuhrverkehr  über  die  Platte  gelenkt  wurde. 

Auch  die  alte  Eisenstrasse  bekam  eine  andere  Richtung.  Die  Strecke 
von  Hahn  und  Bleidenstadt  bis  zum  Holzhackerhäuschen  blieb  die  alte.  ])ie- 
jenige  von  dort  nach  Wiesbaden,  bezw.  nach  der  alten  Schwalbacher  Strasse 
wurde  schon  im  Jahre   1809  als  „ruinös'-'  bezeichnet.     Das  Michelbacher  Fuhr- 


\'26 

werk,  liiess  es,  nehme  aus  iliesem  Grimdo  seineu  Weg  lieber  über  Neuhof 
oder  durch  das  Hessedand.  d.  li.  die  Niedergrafschaft  Katzenelubogen,  über 
Laugenschwalbach  und  von  dorr  ius  Schlangeubader  Thal  hinab.  Der  Jäger 
Genth  auf  der  Platte  schlug  deshalb  vor.  den  Weg.  der  vom  Holzhackerhäuschen 
bis  zur  Geisheck  durch  Wiesbadener  Waldgemarkung  zog,  eine  Strecke  weit  in 
den  vom  Adamsthal  nach  dem  Kloster  führenden  und  von  da  in  den  von  der 
Fasanerie  nach  der  Stadt  ziehenden  zu  verlegen.  Die  Stadt  dagegen  besamte 
den  alten  Zug  der  Eisenstrasse  vom  Holzhackerhäuschen  bis  zur  Fasanerie  und 
le»te  einen  We"-  von  ersterem  quer  durch  den  Wald  und  direkt  auf  die  Höhe 
der  Lahnstrasse  bis  zum  alten  Exerzierplatze  an.  Dies  ist  der  Weg,  auf  dem 
jetzt  die  Militärschiessstände  errichtet  sind.  Auf  solche  Weise  wurde  die  Eisen- 
strasse von  der  alten  Schwalbacher  Strasse  ab  und  nach  Wiesbaden  hin  gelenkt. 
Bemerkt  soll  noch  werden,  dass  der  Adamsthaler  Hof  1804  von  Adam  Hass- 
loch, einem  Wiesbadener,  der  bei  Fellenberg  zu  Hofwyl  in  der  Schweiz 
Bodenkultur  studiert  hatte,  angelegt  wurde;  damals  wurde  auch  der  Ver- 
bindungsweg von  Ciarenthal  nach  Adamsthal  ausgebaut. 

Die  alte  Schwalbacher  Strasse  ging  um  dieselbe  Zeit  ein;  der  Verkehr 
ins  Aarthal  ül)er  Langenschwalbach  vollzog  sich  fortan  über  die  Hochstrasse, 
die  über  die  Hohe  Wurzel  führte  und  dann  über  Wiesbaden  und  Mosbach. 
Die  ahe  Strasse  wurde  fortab  nur  zu  Holzfuhren  aus  dem  Walde  benutzt  von 
unterhalb  des  Chausseehauses  ab,  woher  sie  denn  erst  recht  den  Namen  Wald- 
oder Holzstrasse  bekam.  Ilirer  schlechten  Beschaffenheit  halber  war  der  Ver- 
kehr schon  seit  etwa  dreissig  Jahren,  nach  dem  Neubau  der  neuen  Schwalbacher 
Chaussee,  meist  auf  diese  verlegt  worden. 

Endlich  ging  auch  die  alte  Rheingauer  Strasse  ihrem  Verfall  entgegen. 
Der  Verkehr  auch  über  sie  hörte  auf,  seitdem  Wiesbaden  zum  Schnitt- 
punkt der  verschiedenen  Strassen  über  die  Höhe  gewählt  wurde.  Er  vollzog 
sich,  wie  mehrfach  erwähnt,  über  die  neue  Lahnstrasse  und  die  Platter  Strasse 
nach  Wiesbaden.  Den  Aufschwung,  den  die  Regierungshauptstadt  Nassaus 
dadurch  nahm,  sehen  wir  an  der  steigenden  Zahl  ihrer  Bevölkerung :  18L5:  4303, 
1820:  5516,    1830:  8059,    1840:  11975,   1850:  13992  u.   s.   w. 

Aber  der  Verkehr  über  die  Lahnstrasse  w^ar  äusserst  beschwerlich.  Vom 
Chausseehaus  über  den  Klapperstock  mussten  bei  schweren  Lastwagen  bergauf 
immer  ein  bis  zwei  Dutzend  Vorspannpferde  zu  Hilfe  genommen  werden.  Endlich 
trat  auch  hier  Besserung  ein,  und  eigentümlicherweise  war  daran  wieder  eine 
dolitische  Umwälzung  schuld.  AVir  denken  hier  gleich  an  das  Jahr  1848,  das 
80  mancherlei  Folgen  auch  auf  wirtschaftlichem  Gebiete  hatte.  Die  Regierung 
hatte,  durch  den  Volkswillen  gedrängt,  die  Wegefronen  aufheben  und  die  Unter- 
haltungsarbeiten an  den  Chausseen  bezahlen  müssen.  Sie  und  der  Landtag  fanden 
aber  auch  in  der  Beschäftigung  der  Arbeiter  beim  erweiterten  Wegebau  ein 
vorzügliches  Mittel,  den  vielen  Brotlosen  Unterhalt  zu  verschaffen.  So  nahm 
der  Chausseebau  in  Nassau  einen  neuen  Aufschwung.  Man  trachtete  einerseits 
dahin,  die  vorhandenen  Chausseen  durch  Macadamisieren  zu  v(n-bessern,  ander- 
seits dahin,  neue,  bequemere  Verkehrsstrassen  herzurichten.  Merkwürdiger- 
weise ''eschah  das  zu  einer  Zeit,    da  das  neue  Verkehrsmittel,    die  Eisenbahn, 


129 

durch  den  [)mi  der  Tuunusbahu  Wiosbiidon-Fraiikfiirt  (1839/40)   und  der  Sodrncr 
Zweigbaliu   (1847)   bereits  Einführung  gefunden  hatte.     Allentluilben  sehen  wir 
also  in  den    fünfziger  Jahren    im   Herzogtum    neue  Cliausseen    und    verbesserte 
Vizinalwege  erstehen.    Au(;li  bei  Wiesbaden.")    Der  Land(>sherr  liess  die  schöne 
Biebricher    Strasse    mit    Fussgänger-    und    Keitallee    anlegen;    die    Kastanien- 
anpHanzung    erregte    damals     (1854/56)     als    etwas    ganz    Neues    überall    Be- 
wunderung.     Gleichzcntig  wurde  die  neue  Strasse  ins  Aarthal  erbaut,   die  Aar- 
strasse   genannt.      Es  ist    die   heute    vim  der  Lalinstrasse    rechts    abzweigende, 
unterhalb    des    Exerzierplatzes    geradeaus    zum     llelzhackerhäuschen    fülu'cndc 
Strasse.      Oberhalb    des    letzteren  wurde    sie,    mit  Kurrektui'    drv  Richtung  d(^s 
alten  Bhndenstadter  Weges,    in  sanfter  Steigung    über  die  Senke    dei-  Eisernen 
ILind,    rechts    an    dem    alten  Kreuzungspunkte    vorbei,    geradeaus    nach  Hahn 
hinab    und  von  da  im  Aarthale  über  Bleideustadt    nach  Langensclnvalbach  ge- 
führt.    Von  hier  aus  erfolgte  1857—1863  der  Weiterbau  aarabwärts  bis  nach 
Diez  an  der  Lahn.     So  war  ein  bequemerer  AVeg  übers  Gebirge  nach  Langen- 
schw^ilbach  für  die  Lastfuhrwerke  gefunden,   und  auch  die  Postkutsche  brauchte 
nicht  melir  über  den  Klapperstock  zu  schleichen.     Absichtlich  hatte  man  auch 
bei  Anlage  der  neuen  Chaussee    die  uralte  Kreuzungsstelle    der  Eisernen  Hand 
gemied(>n;    es  sollte    mit  dem    früheren  Strassensystem,    ja  mit  der  Erinnerung 
daran  völlig  gebrochen  werden. 

Seitdem  verödete  die  alte  Strasse  nach  Schwalbach ;  Graswuchs  bedeckte, 
Gestrüpp  umwucherte  die  Waldstrasse  und  die  ehrwürdige  Kheingauer  Strasse, 
während  die  neuen  Chausseen  über  Platte  und  Eiserne  Hand  sich  mit  desto 
lebhafterem  Verkehr  erfüllten.  Ein  Menschcnalter  lang,  da  veränderte  sich 
abermals  das  Bild:  1879  wurde  die  Eisenbahn  von  Wiesbaden  ins  Daisthal  über 
Niedernhausen  und  1889,  bezw.  1893  von  ebenda  ins  Aarthal  über  Langen- 
schwalbach  eröffnet;  die  beiden  Schienenw^ege  nahmen  den  beiden  Landstrassen 
den  Frachtverkehr  zum  grössten  Teile  ab,  und  auch  das  Posthorn  schwieg  jetzt 
auf  jenen  Strecken  durch  die  Wälder. 

Der  Spaziergänger  in  Wiesbadens  Umgebung  hat,  wenn  er  die  Reste  der 
alten  Verkehrswege  bei  den  Schiessständen,  am  Glasberge,  bei  der  Fasanerie, 
beim  Holzhackerhäuschen  und  die  ehrw^ürdige  Waldblösse  auf  der  Eisernen 
Hand,  die  nun  so  verlassen  daliegt,  sinnend  betrachtet  —  vorausgesetzt,  dass 
er  weiss,  was  und  wieviel  diese  Stellen  einst  im  Verkehrsleben  unserer  Vor- 
fahren bedeuteten  —  Ursache  genug,  über  den  Wechsel  aller  menschlichen 
Dinge  nachzudenken.  Und  der  Historiker  entnimmt  daraus  noch  für  sicli  be- 
sonders die  Mahnung,  bei  seinen  Darstellungen  auch  mit  den  Faktoren  der 
wirtschaftlichen  Entwickeluug  entsprechend  zu  rechnen. 

Anhang. 

Actum  Wiesbaden,  d.  11.  May  1789.  Wurde  heute  bei  versamletem 
Stadtrath  und  im  J3eyseyu  der  gemeinen  Vorsteher  wegen  Bauung  des  Erbeuh. 

^)  Vgl.  die  Fussnote  auf  S.  125. 


Woeo-s  mit  dorn  Werkmeistor  Bairer  und  Maurermeister  Jacob  Weber  nach- 
stellender  Accord  abg:eselilos.seii. 

1.  Verbinden  sich  auf  der  einen  Seite  j^edachte  beide  Contrahenten  das- 
jeni^a-  Stück  des  Erbeuli.  Weegs.  so  zm-  Chaussee  abgemessen  ist  und  uugefehr 
120  Ruth  enthält,  gemeinschaftlich  und  zwar  jeder  die  lliilfte  füi-  sich  allein, 
so  wie  einem  ji'den  sein  Stück  zugemessen  werden  ^Yird.  auf  eine  dauerhafte 
und  Chausseemäsii'e  Art  mit  Steinen  zu  setzen,  dass  die  Verbindungen  der 
Steine  wohl    in  acht  genommen. 

'2.  Müssen  die  Steine  in  der  Mitte  der  Chaussee  wenigstens  2  Schuh  hoch 
und  neben  nach  dem  Panciuet  aber  über  einen  Schuh  hoch  gesetzt  werden, 
dergestalt,  dass  die  Wölbung  ungefehr  10  Zoll  hoch  wird  und  die  Steine  auf 
den  Kopf  und  nicht  auf  das  Lager  gesetzt  werden. 

o.  Auf  beiden  Seiten  mus  ein  Band  von  grosen  und  tüchtigen  Steinen 
nach  der  Schnur  G  Zoll  in  die  Chaussee  Wölbungen  eingegraben  und  wechsel- 
weis wie  Binden  und  (^uater  in  das  Chaussee  Pflaster  eingreiffend  und  ver- 
bindend gemacht  werden,  welches  Band  von  20  zu  20  Schuh  ebenfalls  von  grosen 
Steinen  und  0  Zoll  in  den  Grund  eingegraben,  zwerg  durch  die  Chaussee 
nms  gezogen  werden,    und 

4.  Soll  überhaupt  die  Einrichtung  der  Chaussee  so  geschehen,  wie  sie  in 
dem  unterm  21.  May  1772  zwistihen  dem  Maurermeister  Jacob  ]5eltz  und  dem 
ir.   Rittmeister  von  Waldner  abgeschlossenen  Accord  bestimmt  ist. 

.').  Werden  auf  beiden  Seiten  der  Chaussee  sogenannte  Abweisen  vt)n 
grusen  Waldsteinen  gesetzt  und  hier  vor  nichts  besonderes  bezahlt,   dagegen  ist 

l).  Die  Pflasterung  des  Grabens  und  die  weiteren  Kosten,  wenn  allenfalls 
hin  und  wieder  eine  Antauche  erforderlich  wäre,  nicht  mit  in  dem  Accord 
begriffen. 

7.  Da  nun  beide  Contrahenten  alle  erforderliche  Steine  auser  den  Ab- 
weisern zur  Chaussee  liefern  und  solche  nur  von  der  Stadt  herbei  gefahren,  so 
wird  denselben  von  jeder  Chaussee  Ruth,  welche  10  Schuh  lang  und  20  Schuh 
breit  gerechnet  wird,  inclusive  des  Werths  der  Steine  und  des  Arbeitslohn  bei 
dem  Setzen  Drey  Gulden  Zwanzig  albus  verwilliget. 

8.  Verbinden  sich  beide  Contrahenten  die  ganze  Chaussee  bis  längstens 
künftigen  Martini  in  fertigen  Stand  zu  bringen.  Man  hat  daher  diesen  Accord 
von  den  Contrahierenden  Theilen,  nach  dem  er  noch  einmal  vorgelesen  und 
genehmigt  worden  war,  unterschreiben  lassen.  —  Joh.  J.  Bager,  Joh.  J.  Weber, 
(>.  Kulhiiann.  Stadt-Amtmann.  J.  Fr.  Schlidt,  Bg.  Meister,  J.  (f.  Sommer 
Burg.  Meist.,  Johaunes  Göttel  als  Vorste(he)r.  Johann  Balthasar  Jung  als 
Voiste?  he)r. 


Die  Wellritz, 

ihr  Name  und  Ihre  Benutzung  durch  Bürger  und  Adel  im  16.  Jahrhundert. 


Von 

Fr«  Otto* 


In  der  Freibcilage  zum  Wiesbadener  Tageblatt  „Alt-Nassau",  1898,  Nr.  8, 
S.  29  f.  hat  Herr  Dr.  Spiclmann  einen  lesenswerten  Aufsatz  über  das 
Wellritzthal  veröffentlicht,  in  welchem  er  zunächst  den  Umfang  des  alten  Gc- 
meindewaldes,  die  Wellritz  genannt,  beschreibt,  die  Deutung  des  Nanu;ns  aber 
ablehnt    und  sich  nur  gegen  die  Meinung,    als  besage  derselbe    wikh;  Rodung, 

erklärt. 

Über  den  ersten  Punkt  wölben  wir  nicht  mit  ihm  rechten  und  nur  soviel 
bemerken,  dass  die  Ausdehnung  der  AVellritz  uns  als  zu  gross  angenommen 
erscheint.  Denn  z.  B.  die  Geissheck  oder  der  Distrikt  zwischen  der  Bleiden- 
städter  Strasse  und  dem  Bruderbach  (Urkunde  vom  13.  Januar  i;U7)  gehörte 
nicht  zur  Wellritz,  d.  h.  zum  llollerbornfelde,  sondern  zu  dem  durch  die 
Distrikte  Überhoben  und  Ködern  erweiterten  Hengertfelde,  wie  mehrfache  Ein- 
träge in  Lagerbüchern  und  Güterverzeichnissen  beweisen.  Die  Grenze  der 
AVellritz  gibt  Hellmund,  welcher  der  Umwandlung  derselben  in  Ackerland 
noch  ziendich  nahe  stand,  so  an,  dass  er  sagt,  so  heisse  die  Gegend, 
welclie  über  der  Stadt  nach  ])otzheim  zu  neben  dem  Wiesengrund  liege; 
hier  führte  bereits  in  früher  Zeit  ein  Weg  von  Wiesbaden  nach  dem 
Kloster  Ciarenthal,  wahrscheinlich  längs  und  zwischen  der  Wellritz  und  dem 
Bruderbach,  wie  die  Urkunde  vom  7.  April  1326  zu  erkennen  gibr:  „die 
Bruderbach  oder  die  Forstbach,  die  do  tluzet  zu  der  rechten  hende,  so  man 
get  von  Wvsebaden  zu  unserm  clostere."  Gehörte  das  Thal  des  Bruderbachs 
mit  seinen  Wiesen  und  den  links  angrenzenden  Äckern  nicht  zur  Wellritz,  so 
bedeutete  der  heutige  Name  Wellritzthal  anfangs  nicht  das  Thal  in  der  Well- 
ritz, sondern  das  Thal  a  n  der  Wellritz  und  hat  erst  dadurch,  dass  die  Erinnerung 
an  deren  frülierc  Ausdehnung  schwand,  in  dem  unrichtigen  Sinne,  als  ob  der 
Wald  auch  das  Thal  eingenonnnen  habe,   Bestand  gewonnen. 

Doch  wir  wollen  diese  Frage  nicht  näher  erörtern,  sondern  einen  Versuch 
machen,  den  Namen  des  Bezirkes  zu  deuten,  sodann  einige  Thatsachen  aus  der 
Geschichte  der  Wellritz  erwähnen,  di.'  auih  für  die  Geschichte  der  Stadt  von 
Interesse  sind.    Zunächst  stellen  wir  die  Namensformeu  zusammen,   wie  sie  seit 


9 


* 


13i^ 

dem  Antauge    de^  14.   Jahrhuuderts.    wo  die  Wellritz  zum  ersteumale  geuaunt 
wird,  bis  zu  unserer  /»ir  lauten. 

1.  ca.  loOO:    .,uuum  iugerum  .   .  1)  i  m  e  Wilderaif 

2.  ca.    loOO:  „unum  iugerum  se  extendit  in  den  Wilderot." 

Beide  Stellen  in  einem  Eberbacher  Güterverzeielmis,  dessen  Namen 
auf  den  Anfang  des  14.   Jahrhundeits  liinweiscn. 
;>.  1;j49:  Graf  Adolf  erlaubt  dem  Kloster  Clarenthal  zu  roden  ..iin  inuc 
gmzen  rode,   daz  da  stozet  uf  d  i  Wilde  r  a  t. " 

4.  15.  Jahrhundert.  Die  Aufschrift  auf  der  Rückseite  der  unter  Xr.  :\ 
genannten   l'rkunde  hat : 

„und  an  deji  eckern  gegen  dem  Wilrotli". 
.").  i;)."):'..      Weishim  bei  Schliephake  II,   221: 

.,d  i  e  W  e  1  d  r  a  d  i  s  ist  ein  recht  almendt". 
i;.  Vor  1/jT0.     Weistum  im  Merkerbuch: 

..dar  nach  d  i  e  W  i  1  d  c  r  a  t  s". 
7.  ca.  1370—1380.    In  einem  Tiefentluiler  Güterverzeichnis  findet  sicli 
zweimal  der  Name  W  i  1  d  e  r  a  t  z : 

..1   morgen  of  dem  Felde  gen  Dotslieym  an  der  AVi  Ideratz". 

5.  „  1   mortjen  .   .   wendet  in""!!  \  W  i  l  d  e  r  a  t  z". 

9.  ca.  1430.  In  dem  zweiten  Teile  des  Karthäuser-Güterverzeichnisses, 
das  nach  den  darin  erwälmten  Namen  um  das  Jahr  1430  fällt,  finden 
sich  folgende  Namensformen: 

„1   morgen  stozet  gein  der  Wilderytze". 

10.  „2    morgen    darnach    uf    dem    stugkc,    das    I^otz    Koche   geroyt    Itat 

i  n  n  e  der  W  i  1  d  r  ü  t  z  e". 

11.  141)0.      Güterverzeichnis  des  S.   Petersstifts    (schlechte  Abschrift): 

„drei  Morgen  bei  der  Wilritz  bei  dem  Landtgrabcn". 

12.  ca.    1532.      In  einem  alten  Zinsregister  des  Wiesbadener  Hospitals: 

„Wiese  vor  der  Willritz". 

13.  nach   1560,   in  dem  Behaltnusbuch  und  dem  Jlerdschilliugsbuch  findet 
sich   häufig : 

„die  W  i  1 1-  i  t  z  (Willritz)  und  W  e  1  r  i  t  z  (Wälritz),  aucli  einigemal 
Wylretz". 

14.  1572:  „im  Walde  die  Wildritz    genannt". 

15.  Seit  dem   17.   Jahrhundert:  die  Wellritz   (Welritz). 

Do.v  erste  Bestandteil  unseres  Wortes  ist  unstreitig  das  Eigenschaftswort 
wild;  so  erscheint  es  in  fast"  allen  Formen  des  14.  und  15.  Jahrhunderts. 
Nur  zweimal,  in  Nr.  4  und  11.  ist  der  schliessende  Dental  d  ausgefallen,  ijii 
Jahre  14*.»'.»  und  einem  unl)estim]nten  Jahre  desselben  Jahrhunderts.  Der  Aus- 
fall d(;s  d  ei-klärt  sich  so:  d  wurde  zunäclist  dem  vorhergehenden  1  assimiliert 
zu  11.  dann  aber,  da  es  in  der  Aussprache  nicht  mehr  bemerkbar  war,  in  der 
Schrift  weggelassen.  Vom  10.  Jahrhundert  an  wurde  dann  diese  Schreibung 
herrschend,  doch  tritt  die  Erinnerung  an  die  ursprüngliche  Form  noch  in  Nr.  14 
(1572)  zu  Tage. 


1 .  )i} 

]Jor  ui'sprünglu'lic  Vnkal  i  ist  gleichfalls  im  14.  und  1").  JahrhuiKkTr  mit 
einer  Ausnaliinc  gewahrt:  nur  in  Nr.  5  (I^'kj)  erscliuint  ein  e,  das  \vi(>d('i- 
etwa  nacli  der  Mitte  des  lO.  .lahrhunch'rts  eintritt  und  den  Sieg  davuntriigt; 
ä  ist  von  (^  !)h)ss  grapliiseli  verschieden. 

Wild  ist  =  unangel)aut,  wild  wachsend,  wüst,  einc^  passende  Bezciichnung 
eines  Distriktes,  der  in  frülun'en  Zeiten  vielhucht  wüst  dalag,  später  mit  JJäumen. 
"Wald  und  Gebüsch  bewachsim  war  und  nicht  zum  Ackerbau  benutzt   wurde. 

S(;hwiei'iger  ist  es  eine  alles  erklärende  llerleitung  des  zweiten  Bestandteils 
zu  tinden. 

a")  Das  14.  Jahrlmndert  ztügt  die  Jjaute  ai,  a  und  (üniual  o  (^^i'r.  2j,  der 
auch  im  lö.   Jalu'hundert  noch  (üumal  wiederkehrt  (Nr.   4). 

b)  Nur  beim  ersten  Vorkommen  (Nr.  1  und  2)  hat  das  Wort  männliches, 
sonst  stets  wcübliches  Geschlecht. 

c)  Das  schliessende  -is,  s,  tz  tritt  erst  in  der  Mitte  des  14.  Jahr- 
hunderts ein  (Nr.  5—8). 

d)  An  der  Stelle  des  Yokals  a  ers(;lieiut  im  15.  Jahrlmndert  (1430, 
Nr.  9  u.  s.  w.)  der  Vokal  i,  anfangs,  wie  die  Schreibung  ti  oder  y 
(Nr.  9  und  10)  zu  erkennen  gibt,  als  Länge,  dann  'Nr.  11  ff'.)  als 
Kürze  ausgesprochen. 

Zimächst  weisen  Avii",  wozu  die  Sclueibung  Wilderot  und  Wilroth  in 
Nr.  2  und  4  verleiten  könnte,  den  Zusammenhang  des  Wortes  mit  rode  zurück; 
0  ist  hier  nichts  als  dumpferer  Laut  des  a  in  Nr.  ;5,  wie  er  in  der  volks- 
fTimlichen  Aussprache  noch  jetzt  vielfach  vorkommt.  Wie  könnte  ein  nicht 
angerodeter  Wald  als  Rod  oder  gar  als  wilde  Rod  bezeichnet  worden  sein? 
Allerdings  ist  einmal,  im  Jahre  1430  ein  Stück  Land  als  gerodet  „inne  der 
Wildrütze"  (Nr,  10)  angegeben,  und  diese  Rodung  muss  kurz  vorlier  statt- 
gefunden haben,  da  der  Name  dessen,  der  sie  vornahm,  noch  bekannt  war; 
wir  dürfen  hier  daran  denken,  dass  im  Merkerbuch  Lotze  Koch  (ca.  1370) 
genannt  wird  oder  dass  ein  Nachkomme  des  Schöffen  lleintze  Koch  (1363  ff. ) 
die  Rodung  vorgenommen  habe.  Doch  wissen  wir  nichts  Näheres  über  sie  und 
sie  kann,  da  die  AVelliitz  damals  schon  Gemeiudewald  war,  nur  höchstens  ein 
einzelner  Fall  gewesen  sein,  der,  wenn  er  wirklich  stattfand,  eine  Ausnahme 
von  der  Regel  bildete.  Erst  im  17.  Jahrhundert  begann  die  allmählicli  voran- 
schrcitende  Benutzung  der  Wellritz  zu  Ackerland. 

Es  bleiben  uns  somit  nur  die  Formen  rait,  rat  und  rit(z)  zu  betrachten 
übrig.  Von  diesen  scheint  die  zuerst  vorkommende  rait  auch  der  ursprünglichen  am 
nächsten  zu  liegen;  sie  ist  wohl  ohne  Zweifel  gleich  dem  noch  in  Hofreite  er- 
haltenen reite,  reide,  raide;  Ilofreite  ist  der  freie  Hof  platz  in  einem  Landgute 
(Heyne  im  D.  W.  VHI,  766  und  IV,  2,  1{)97).  ,  Wurde  dem  Worte  die  Vorsilbe 
gc,  got.  ga,  vorgesetzt,  so  ergaben  sich  die  Formen  gereite,  gercit.  geraid.  die  auf 
got.  garaidjan.  anordnen,  garaids.  angeordnet,  zurückgeführt  und  als  festgesetzter, 
angeordneter  Raum  gedeutet  werden  (Hildebrand  im  D.  W.  W.  1.  2.  3626). 
Beliebt  war  die  Verbindung  Heimgereite,  der  dem  Gemeinwesen  zugehörige 
Bezirk  im  Gegensatz  zum  eignen,  namentlich  die  nudueren  Gemeinden  gemeinsame 
Waldung.      Wilderait   wäre  demnach  ein   nicht   angebauter   oder   wüster   Bezirk. 


134 

>'un  aber  erheben  sieh  Schwierigkeiten:  wie  kam  es.  dass  Wildorait  als 
männlichen  Geschlechts  in  >'r.  1  und  '2  erscheint,  während  Reite  weiblich  ist? 
dass  der  Tukal  a  an  die  Stelle  von  ai  (ei)  eintrat,    dann  i  sich  festsetzt? 

Auf  die  erste  Frage  antworten  wir  mit  dem  Hinweis  auf  die  Vermischung 
von  rait  und  rät,  copia  (vgl.  II  a  u  s  r  a  t),  von  gereite  und  gerät,  die  sehr  nahe  lag 
und  von  H  i  1  d  e  b  r  a  n  d  in  D.  W.  a.  a.  O.  3567  und  3625  herangezogen  ist.  Rät 
ist  männlichen  Geschlechts  und  so  konnte  sehr  wohl  ein  Schwanken  im  Gebrauch 
desselben  leicht  stattfinden  und  Wilderait  männlich  gebraucht  werden.  Auf 
dieselbe  Vermischung  mir  Rät  sind  die  Formen  mit  a,  weldradis  u.  s.  w. 
zurückzuführen.  Mit  dem  Vokal  i  kehrt  der  Name  wieder  zu  dem  anfänglichen, 
in  dem  Volksbewusstsein  festgehaltenen  Reite  zurück,  behält  aber  von  dem 
inzwischen  angefügten  -is,  s  den  Schluss  mit  tz  bei.  Diese  Bildungen  be- 
rulien  nänüich  offenbar  auf  der  im  Jahre  1353  bezeugten  Form  Weldradis,  das 
durch  den  Ausfall  des  i  zu  Wilderats  und  Wilderatz  wurde.  Die  Erklärung 
jener  Endung  -is  ist  schwierig;  wir  haben  es  ohne  Zweifel  hier  mit  einer 
blossen  lateinischen  Nominativ -Endung  zu  thun.  Sollte  sie  einem  des  Lateinischen 
kundigen  Schreiber  zu  verdanken  sein?  Bei  allen  diesen  Wandlungen  haben  wir 
nicht  zu  vergessen,  dass  die  Schreiber  oft  fremde  Mönche  waren,  welchen  die 
ursprüngliche  Form  des  Worts  unbekannt  war  und  den  gesprochenen  Laut  durch 
die  Schrift  festzulegen  genug  war. 

Wir  kommen  nunmehr  zum  zweiten  Teile  unserer  Mitteilungen,  der  einige 
Thatsachen  aus  der  Geschichte  der  Wellritz  betreffen  soll.  Deren  gibt  es  aus 
der  älteren  Zeit  freilich  sehr  wenige,  da  wir  die  meisten  Aufzeichnungen,  die 
den  Namen  des  Gemeindewaldes  Weliritz  bieten,  Güterverzeichnisse  sind  und  keine 
geschichtlichen  Vorgänge  enthalten.  Aus  dem  14.  und  15.  Jahrhundert  kennen 
wir  nur.  was  das  Weistum  von  etwa  der  Mitte  des  14.  Jahrhunderts  bei 
Schliephake  II,  219  ff.  und  i)n  Merkerbuch  S.  5  ff.,  sowie  die  oben  er- 
wähnte Stelle  im  Verzeichnisse  der  Karthäusergüter  von  ca.    1430  besagen. 

In  dem  Weistum  des  Merkerbuchs  heisst  es,  S.  8,  nachdem  die  vier 
Almenden,  wozu  die  Wellritz  gehörte,  aufgezählt  sind:  „daz  sint  die  fyer 
rechten  alemente,  als  sie  die  von  Wysebadin  von  aldir  hant  gehabt,  da  y  d  e  r  - 
m  a  n  von  der  gemeyn  mak  ynne  hawen  und  ir  g  n  y  s  s  e  n ,  dar  umme 
sie  n  y  m  a  n  s  a  1  pendln."  Und  so  blieb  es,  solange  als  die  Almenden 
bestanden  und  nicht  veräussert  wurden:  die  Bürger  —  aber  auch  nur  diese, 
wenn  nicht  andre  Einwohner  der  Stadt  sich  die  Erlaubnis  dazu  erwirkt  hatten 
—  durften  und  konnten  hier  ihren  Bedarf  an  Holz  holen.  Über  den  Umfang 
freilich,  in  dem  dies  stattfand,  erfahren  wir  nichts  bis  zum  Jahre  1561.  Es 
hatten  zwar  einige  Jahre  vorher,  am  13.  Februar  und  25.  April  1547')  zwei 
grosse  Feuersbrünste  stattgefunden,  die  an  jenem  Tage  zehn  Herd-  und  Feuer- 
stätten nel)st  Ställen  und  Scheunen,  an  diesem  fast  die  ganze  Stadt  in  Asche 
legten,  aber  Nachrichten  über  Neubauten  und  wie  viel  Holz  die  Wellritz  zu 
ihnen  geliefert  habe,   sind  nicht  erhalten. 


*j  Vgl.  Ann.  XIX,   102.     Rössel,  Kinliliche  Altertümer,  S.  22. 


13;") 

Zwei  weitere  älinliche  ünglückställt!  hatte  die  Stadt  im  Jahre  löGl  und 
1563  zu  erleiden,  über  welche  das  Belialtnusbiich  also  berichtet:  „Wissbaden 
gebrant  Anno  1501  uff"  Donnerstagk  nach  Medardi,  welcher  der  12.  war  des 
Monats  Junii  und  sein  verbrauth  53  f'euer  oder  hertstcsth  ohne  Schcuci-  und 
Stell,  gott  behutt  vor  weiderem  schaden"  und  „Anno  1503,  den  22.  Februarii  des 
Abentz  brant  der  Diff'entaller  hoff'  sanipt  scheuern  und  stel  b(;y  neben  4  heuser 
und  stel  und  2  scheuern,  got  behutt  vor  weittereni  Schaden,  Amen."  Infolge 
davon  gab  man  sich  rüstig  daran,  an  Stelle  der  eingeäscherten  Gebäude  neue 
zu  errichten,  und  dabei  nuisste  die  Wellritz  das  JJauholz  liefc^'n.  In  den  fünf 
Jahren  1501,  1503 — 1507  (erhielten  aus  ilir  00  Personen  mindestens  188  „I[ölzer", 
je  nacli  der  Grösse  ihres  Verlustes  und  Bedürfnisses,  viele  (30)  je  vier,  andere 
(32)  je  zwei  Hölzer,  eine  drei  und  eine  ein  Holz;  von  zweien  ist  die  Zahl  nicht 
augegeben.  Aus  der  beifolgenden  Tafel  ist  die  Verteilung  der  Personen  und 
Hölzer  auf  die  einzelnen  Jahre  ersichtlich.  Wir  bemerken  dazu,  dass  Jiicht 
alle  zu  den  „verbrannten"  Personen  gehörten;  die  Namen  der  Empfängen-  hab(!n 
wir  für  uusern  Zweck  nicht  nötig  erachtet  beizufügen.  —  Unter  dem  Worte 
Hölzer  sind  Baumstämme  zu  verstehen,  wie  denn  einigemale  beide  Bezeichnungen 
(„Höltzer  oder  Stem")  verbunden  werden  oder  bloss  von  „Stem"  die  Kode  ist. 


s 

§ 

0^ 

S 
o 

Personen 

Hölzer 

Personen 

Kl 

c 

a 
o 

1 

s 

o 

s 

Hölzer 

Summa 

— 

4 

— 

3     i 

— 

2 

— 

1 

— 

iinl)e-  j 
stimmti 

Personen  j    Hölzer 

1561 

23 

92 

— 

— 

1 

2 

— 

1 

•p 

25 

94  +  X 

1563 

3 

12 

— 

8 

16 

— 

_ 



_ 

11 

28 

1564 

1 

4 

— 

7 

14 

1 

1 

1 
_ 

9 

19 

1565 

2 

8 

— 

5 

10 

— 

1 

? 

8 

18  +  x 

1566 

1 

4 

1 

3 

10 

20 



_ 

12 

27 

1567 

— 

— 

1 

— 

— 

1 

— 

— 

2 



~ 

1 

2 

Summa 

30 

120 

1 

3 

32 

64 

1 

1 

2 

? 

66 

188  +  X 

1575 

— 

— 

3 

— 

— 

\ 
\ 

3        i 

— 

— 

1 

6 

f          6 

1 

Summa 

\     30 

1 

35 

1 

2 

'        69 

120 

3 

70 

1 

V 

194  +  X 

Nach  dem  Jahri^  1507  wird  entweder  der  Verbrauch  der  Wellritzhidzer 
geringer,  da  der  Wald  so  stark  gelichtet  worden  war.  oder  die  Aufzeichnung 
im  Behaltnusbuch  weniger  gewisseidiaft  fortgeführt.    Nur  noch  einmal,  während 


i;50 

des  16.  .Jahrhuuderts,  im  Jaliii"  IT^T."),  wird  gemeldet,  diiss  drei  Personen  je 
zwei  Hölzer  erhalten  hätten,  aber  eifrig  darüber  gewacht,  dass  keine  un- 
berechti'^ten  Persuueu  (es  kam    zweimal  im  Jahre  159.")    von  Auswärtigen  vor) 

sich  Holz  aneigneten. 

Anders  stand  es  mit  dem  in  der  Stadt  Wiesbaden  ansässigen  oder  be- 
«»üterten  Adel,  und  dieser  Umstand  veranlasst  uns  die  Verhältnisse  desselben 
näher  zu  beleuchten. 

Einen  altheimisclu-u  Adel  besass  die  Stadt  nicht  mehr,  seit  das  Geschlecht 
der  Ht'rrn  von  Wiesbaden,  heruntergekommen  wie  es  dem  Anscheine  nach  da- 
mals war.  um  das  Jahr  1400  ausgestorben  und  seine  Besitzungen  in  andere 
Hände  über"-e"-angen  waren.  Neben  demselben  hatten  sich  schon  frühe  andere 
Familien  aus  der  Nähe  und  Ferne  festgesetzt;  einzelne  Glieder  derselben 
mochten  als  Burgmaunen  Eingang  gefunden  und  Grundbesitz  erworben  haben, 
andere  hatten  durch  Heirat  mehr  oder  minder  bedeutende  Güter  erworben  oder 
waren  als  Beamte  oder  Käte  in  den  Dienst  des  Grafen  berufen  worden.  Die 
Bewirtschaftung  ihrer  Besitzungen  besorgten  sie  vielfach  nicht  selbst,  sondern 
o-aben  sie  au  Päi-hter  aus  oder  setzten  Verwalter  ein.  Eine  Eingabe  der  Stadt 
an  den  Grafen  aus  dem  Anfange  des  17.  Jahrhunderts  sagt,  dass  damals  sechs 
adelige  Personen  mit  30—40000  Gulden  zu  Wiesl)adcn  begütert  waren,  aber 
„mehrer  Theils"  ausserhalb  Wiesbadens  wohnten. 

Zwischen  sie  und  der  Stadtgemeinde  kam  es  nun  sehr  oft  zu  Zwistig- 
keiten.  indem  sie  sich  den  landesüblichen  und  von  der  Herrschaft  bestätigten 
Ordnungen  hinsichtlich  der  Abgaben  und  Leistungen  nicht  fügen  wollten,  auch 
sonst  sich  Eigenmächtigkeiten  erlaubten,  die  sich  die  Stadt  nicht  gefallen  lassen 
wollte.*)  Das  angezogene  Schriftstück  des  angehenden  17.  Jahrhunderts  klagt, 
sie  massteu  sich  alle  Freiheit  über  die  von  den  Grafen  gegebenen  genannten 
Befehle  an  und  wollten  Beschwerden  nicht  tragen  helfen.  Und  doch  waren 
diese  nicht  gross  und  nicht  unbillig.  Man  verlangte,  dass  die  angesessenen 
Adelspersouen  und  Herrendiener  AVeg  und  Steg  gleich  den  Bürgern  erhalten 
helfen  sollten,  da  sie.  wie  im  Jahre  1617  geltend  gemacht  wird,  dieselben  mit 
einander  zerreissen  und  zerbrechen,  sich  aber  dieser  Last  soviel  als  möglich  zu 
entziehen  suchten;  ferner  sollten  sie  wie  andere  das  sogenannte  Backungeid 
(2  Alb.  2  Pfg.  von  jedem  Malter)  entrichten,  soweit  sie  nicht  schriftliche  Be- 
freiung aufzulegen  hätten,   und  von  bürgerlichen  Gütern,   d.  h.   solchen,   die  sie 

*)  Ein  interessantes  Beispiel  erzählt  das  Beh.-Buch  fol.  197  vom  4.  Juni  1607.  WalthtM- 
von  Grodian,  Sohn  des  Reinhard  von  Grodian,  der  durch  seine  Mutter  Anna  Maria  von  Goi- 
spitzheim  in  den  Mitbesitz  eines  llofcs  in  der  Kirchgasse  gekommen  war,  hatte  den  Zaun 
seines  Gartens  vor  der  Mainzer  Pforte  herausziehen  und  auf  ein  Grundstück  der  Gemeinde 
setzen  lassen.  Als  er  nun  vergeblich  verschiedene  Male  durch  Schultheiss,  Schöffen  und  Ge- 
meindeitersonen  aufgefordert  worden  war,  den  Zaun  auf  seine  alte  Stelle  zu  setzen,  verfügten 
sich,  als  dor  Gottesdienst  beendet  war,  Schultheiss,  Schöffen,  Geschworne  und  soviel  von  den 
Bürgern  in  dor  Kirche  gewesen,  auf  vorgehabten  Hat  nach  dem  genannten  Garten,  zogen  den 
gesteckten  Zaun  aus,  so  weit  er  übersetzt  gewesen,  und  setzten  ihn  an  seine  richtige  Stelle 
zurück;  die  geschworncn  Feldmesser  waren  sofort  bei  der  Hand  vier  Marksteine  zu  setzen. 
Grodian  scheint  dies  Vorgehen  so  wenig  gefallen  zu  haben,  dass  er  zwei  Jahre  nachher  seinen 
Anteil  an  der  Besitzung  verkaufte. 


137 

von  Bürgern  erkauft,  die  liede  (Ausbude  gomuint,  wi'un  sie  auswärts  wohnten), 
zahlen.  Den  Grafen  mochten  bisweilen  die  Klagen  der  Bürger  über  die  Hinter- 
ziehung und  Schniälerung  der  Abgaben  lästig  Nverden  und  sie  Hessen  sie  wohl 
einmal  unbeantwortet,  in»  allgenu'incn  aber  standen  sie  auf  Seiten  der  Bürger 
uiul  suchten  ihnen  wiederholt  zu  ihrem  Rechte  zu  verhelfen. 

Zu  der  Zeit,  von  der  wir  handeln,  waren  (is  besonders  zwei  Junker,  die  sich 
durcdi  [JnbotmässigkiMt  und  (rewaltthätigkeit  hervorthaten,  Jlaus  Machon- 
h  0  i  m  e  r  v  o  n  Z  w  e  i  b  i  ü  <;  k  e  u  und  W  a  1 1  h  c  r  von  N  i  t  z  s  c  h  w  i  t  z.')  Haus 
Machenheimer  war  der  Sohn  des  Hans  Machcmheimer,  der  die  Tochter  des  Wies- 
badener Amtmanns  .lud  von  Eltvillo  geheiratet  und  durch  sie  nicht  unbeträchtliche 
c;üt(>r  in  der  Gemarkung  der  Stadt  ererbt  hatte,  auch  vom  Jahre  1524  an  einige  Zeit 
Amtmann  daselbst  gewesen  war.  Der  Sohn  erbte  die  väterlichen  Güter  uu-l 
darunter  das  Haus,  das  der  Vater  erbaut  hatte  gegenüber  der  Mauritius-Kirche, 
iu  dem  er  wohnte;  den  Bauplatz  hatte  er  aus  bürgerlichen  Händen  erworben. 
Walther  von  Nitzschwitz  war  früher  Amtmann  von  Greifensteiu  gewesen,  hatte 
dann  die  Witwe  des  1554  verstorbenen  Amtmanns  Moriz  von  Bresen  geheiratet  und 
mit  ihr  dessen  hinterlassene  Güter  erhalten.  Er  mag  sich  infolge  dessen  öftci- 
zu  Wiesbaden  aufgehalten  haben,  wie  wir  das  von  den  Jahren  1558  und  lo59 
wissen,  und  dadurch  den  Grafen  bekannt  geworden  sein:  im  Jahre  1567  machte 
ihn  Graf  Balthasar  zu  seinem  Rat  und  Diener  von  Haus  aus;  von  da  an  scheint 
(>r  beständig  zu  Wiesbaden  gewohnt  zu  haben.  Beide  Junker  hatten  neb(m 
ihren  gefreiten  Gütern  auch  bürgerliche  in  Besitz,  Nitschwitz  etwa  40  Morgen 
Ackerland,  Weinberge  und  Wiesen,  Machenheimer  einige  Weinberge  und  eine 
Hofreite.  Sie  mochten  bereits  oftmals  Veranlassung  zu  Beschwerden  gegeben 
haben,  welche  die  Gemeinde  übersah  oder  nicht  verfolgte,  als  endlich  das  Mass 
voll  war,  und  man  nicht  mehr  ruhig  zusehen  wollte,  wie  Recht  und  Ordnung 
missachtet  w^urde.  Eine  passende  Gelegenheit  schien  zu  sein,  als  Graf  Balthasar, 
der  das  Vertrauen  der  Bürger  nicht  besass*),  gestorben  war  (11.  Januar  1568) 
und  eine  Vormundschaft,  bestehend  aus  dem  Grafen  Johann  von  Saarbrücken  und 
der  Witwe  Balthasars,  Margarethe  von  Isenburg-Büdingen,  die  Regierung  des 
Landes  übernommen  hatte.  Namentlicli  scheint  der  Graf  Johann  den  Bürgern 
die  Hoffnung  erweckt  zu  haben,  dass  ihre  Klagen  nunmehr  Abhilfe  finden 
würden,  während  die  verwitwete  Gräfin  in  den  Verdacht  geriet,  als  ob  sie  ein 
Versprechen  ihres  Gemahls  nicht  halten  und  der  Gemeinde  ihren  Pfarrer 
Nicolaus  Gorapo  nehmen  wolle.') 

"')  Die  Schreibung  des  Xamens  ist  verschieden:  die  Grabsohrift  seiner  Cicninhlin  Aunii 
(ir)6-J)  lautet  bei  llel wich  Nitzschwitz,  daneben  findet  sich  Nichtschwitz  und  Nichsohwitz,  ein- 
mal Nitzwitz.     Wir  folgen  der  Grabschrift. 

')  Balthasar  hatte  eine  öfter  wiederholte  Klage  der  Stadt  gegen  Nitzschwitz  „anderer 
vorfallender  Geschäfte  halber"  zu  verfolgen  eingestellt.  Supplikation  vom  10  Juli  1569.  Auch 
hatte  der  (iraf  ein  Versprechen  nicht  eingelöst,  das  er  der  Stadt  gegeben,  als  diese  ihm  ihr 
altes  Kathaus,  die  Hütte,  überliess;  damals  versprach  er  ein  neues  Haus  dafür  wieder  her- 
zurichten. Ehe  er  das  gethan  hatte,  starb  er,  aber  die  (leraeindo  vorgass  die  Sache  nicht,  die 
erst  im  Jahre  1608  durch  Graf  Ludwig  ihre  Erledigung  fand. 

■')  Diesen  Verdacht  sprach  ein  Schreiben  des  Schultheissen  und  der  Schöft'en  vom 
21.   .Vpril   1508  aus,    das  die  (Jräfin  am  22.   desselben  Monats    in    ziemlidi   gereizter  Stimmung 


138 

Wir  wollen  luimiu'lir  die  hii>rbei  gehörigeu  Schriftstücke,  soweit  sie 
in  dein  Behaltnusbucli  der  Stadt  abschriftlich  erhalten  sind,  in  Kürze  be- 
sprechen und  zwtu-  zuerst  die  den  Adel  im  allgemeinen  angehenden,  dann  die 
Hans  Macheuheimer,  schliesslich  Waltlier  von  ]Sitzschwitz  betreffeud(>n  und 
bemerken  dazu,  dass  die  Angaben  des  Damms  nicht  überall  stimmen,  wie  das 
in  den  einzelnen  Fällen  angegeben   werden  wird. 

I.  (fegen  den  Adel  und  die  gefreiten  Personen  überhaupt,  ohne  dass 
bestimmte  genannt,  aber  vor  allen  die  beiden  namhaft  gemachten  Junker  ge- 
meint sind,  wie  aus  weiter  unten  folgenden  Schriftstücken  hervorgeht,  sind  die 
Klagen  gerichtet,  die  in  dem  „Yerzeichnus  derer  xVrtickell,  darin  die  Burger- 
schaft und  gantz  (femein  zu  Wispaden  hochbeschwerdt,  uf  den  Jluldungstag 
den  i'l.  Juli  1568*)  unser  gn.  Yornuindschaft  autragen  lassen",  zusammen- 
"•efasst  sind.  In  Nr.  1  wird  geltend  gemacht,  dass  in  gemeiner  Acht,  wo  die 
vom  Adel  und  gefreite  Personen  meistenteils  begütert  seien  und  Wege  und 
Stege  brauchen,  allewege  die  Wagen  des  Grafen,  des  Adels  und  der  Gefreiten 
gefahren  seien  samt  andern  Bürgern  geachtet;  dieser  Zeit  aber  thäten  sie  nach 
ihrem  Gefallen,  was  grossen  Unwillen  i]i  der  Gemeinde  errege  („emperet") 
und  dadurch  nichts  Ratsames  angerichtet  werde.  Ferner  habe  (Nr.  2)  Graf 
IMiilipi»  drr  Ältere  mit  gehäuteten  Glocken  vor  dieser  Zeit  verbieten  lassen, 
dass  keiner  von  Adel  und  der  gefreiter  Personen  Bauerngüter  kaufen  dürfe, 
08  wäre  denn,  dass  er  Zins  und  Bede  davon  entrichte.  Darauf  erfolgte  am 
4.  August  der  Abschied,  dass  dem  Amtmann  auferk^gt  sei,  wenn  ihm  hinfüro 
Klage  vorkomme,  dass  einer  oder  der  andere  seine  Gebühr  nicht  geleistet  oder 
vor  der  Zeit  abgestanden  sei,  solle  er  den  oder  dieselbigen  pfänden  und  die 
gebührliche  Strafe  abnehmen. 

In  dem  Abschied  auf  den  zweiten  Punkt  wird  vorausgeschickt,  dass  be- 
richtet worden  sei,  es  massten  sich  nicht  Adelspersonen  und  Herrendiener 
allerhand  Freiheiten  in  Bezahlung  des  Backungelt(is  und  der  Ausbede  an  und 
hätten  das  Landgebück  hier  und  da  ausgerodet  und  sich  angeeignet:  daraufhin 
wird  verordnet,  dass  die  Burgermeister  beide  Abgaben  einfordern  und  im  Falle 
sich  einer  dessen  verweigern  würde,  ihn  jifänden  sollen,  wobei  der  Amtmann 
ihn  jeder  Zeit  handhaben  solle.  In  Betreff  des  Adels  heisst  es:  da  die  Vor- 
mundschaft in  währender  Handlung  befunden  habe,  dass  die  Klage  begründet 
sei,  so  befehle  sie  allen  Büi'gern  und  Inwohnern  der  Stadt,  dass  „ihrer  keiner 
keinem  Freien  einig    liegend  Gut    ohne  Vorwisson    der  Obrigkeit  verkaufe  bei 

beantworteto,  indem  sie  die  .Vuschuliliftungcn  zurückwies  oder  richtig  stellte;  sie  kehrte  schliess- 
lich den  Spioss  um:  sie  ermahnt  die  liiiryer,  dass  sie  die  Predigt  tieissig  und  ordentlich  be- 
suchen und  den  Pfarrer  und  die  Kirchendiener  mit  zeitlicher  notwendiger  Unterhaltung  wohl  ver- 
»ehen,  insbesondere  darauf  achten  sollten,  dass  nichts,  wie  doch  geschehen  sein  soll,  von  den 
Pfarrgütern  abgezogen  werde;  es  solle  deshalb  das  Pfarrgut  von  neuem  abgemessen  und  das 
Kntwendete  wieder  zugemessen  werden,  i^as  Schreiben  der  Gräfin  findet  sich  im  städtischen 
Archive. 

°)  So  in  der  Lberschrift;  in  der  Unterschrift  heisst  es:  „Actum  ...  in  der  Huldung 
unserer  gn.  Vormundschaft  vorgchaltin  den  21.  Junii  Anno  1568."  Die  Huldung  aber  fand 
statt  am  21.  Juli;  sie  steht  im  Beh.-B.  zwischen  einem  Eintrag  von  Johannis  Bapt.  und  von 
Mariao  Himmelfahrt;  dabei  ist  das  Datum  der  Überschrift  das  richtige. 


i:u> 

Ycrlust  flossolbcn  Gutes,  da«  er  verkauft  habe,  und  im  Falle,  dass  es  erlaubt 
werde,  der  Käufer  der  Stadt  eine  Rccognition  der  J3ed(!  halber,  das«  er  dieselbe 
jährlich  auszuriehten  sclaüilig-  sei,   zu  Händen  stelle." 

Es  erhcdltit,  dass  bereits  l'hilipp  der  Altere  (!s  für  nöti«;-  erachtete,  die 
Verpflichtung  des  Adels,  voji  bürgerlichen  Gütern  Bede  zu  /ahkm,  einschärfen 
niusste');  aber  trotz  der  Wiederauffrischung  des  Gebots  hören  später  Beschwerden 
wegen  Nichtachtung  desselben  wie  auch  wegen  Erhaltung  von  Weg  und  Steg 
nicht  auf,  und  jedesnuil,  wo  der  Graf  sich  darüber  äussert,  sehen  wir  ihn  auf 
der  Seite  der  Bürger  stehen,  wie  wir  z.  B.  von  Graf  Ludwig  hüren,  der  grade 
das  Gebot  vom  Jahre  lööS  in  Beantwortung  einer  Su])plikation  der  Stadt  im 
Jahre  1609  wiederholt.  Wenn  dies  auch  ebenso  sehr  in  dem  Interessen  des 
Grafen  wie  der  Stadtgemeinde  lag,  so  niusste  doch  auch  das  Gebahren  einzelner 
Junker  ihn  nicht  wenigen-  als  diesen  aufbringen  und  zum  Einschreiten  reizen, 
wien  es  bei  den  beiden  oben  genannten  Hans  Machenheimer  und  Walther  von 
Nitzsclnvitz  nötig  wurde. 

II.  H  a  n  s  M  a  c  li  e  n  h  e  i  m  e  r  v  o  n  Z  w  c  i  b  r  ü  c  k  (^  n.  Mit  diesem  keliren 
wir  wieder  zu  unserem  Ausgangspunkte,  der  Wellritz,  zurück.  Er  hatte  nändich 
in  der  Woche  nach  Andreastag  des  Jahres  1567  vier  eichene  Stämme  „eignes 
Gewalts  und  freventlicher  AVeise"  in  der  Wellritz  abgehauen  und  entführt. 
Schultheis«  und  Schöffen  hatten  zwar  sofort  die  Sache  dem  Amtmann  Hans 
Bernhard  von  Langein  vorgebracht,  aber  dann  nachbarlicher  Weise  fallen  lassen 
in  der  Hoffnung,  es  werde  nicht  wieder  geschehen.  Aber  Hans  ^lachenheimer 
fuhr  —  wir  folgen  hier  fast  wörtlich  der  eindringlichen  Klagschrift  der  Ge- 
meinde vom  1.  Juli  1568  —  dessen  unangesehen  zum  andern  Male  in  eigener 
Person  zu  Ross,  mit  Wehre  und  Büchse,  Zimmcrlcuten,  Wagen,  Pferden  und 
Knechten  eignes  freventlichen  Gemüts  und  Gewalts  in  der  Gemeinde  Wald, 
fällte  sechs  eichene  Hölzer  und  zeichnet  noch  andre  an,  die  er,  wenn  etliche 
Bürger,  die  ihn  auf  frischer  That  erfanden,  nicht  wehren  konnten,  auch  gefällt 
hätte.  „Als  wir,  heisst  es  weiter,  in  der  Stadt  diesen  Frevel  erfuhren,  schickten 
wir  etliche  aus  den  Rotten  mit  wehrhaftiger  Hand  ihm  nacli  und  erhielten  von 
dem  Amtmann  die  Erlaubnis  ihn  zu  pfänden,  wie  wir  denn  von  Alters  her 
dazu  befugt  sind.  Aber  als  jene  den  Frevler  mit  freundlichen  Worten  anredeten, 
hat  er  sie  nicht  allein  mit  gotteslästerlichen  Worten  Schelme  und  Hiebe  ge- 
heissen,  sondern  seine  Büchse  gezogen,  ihnen  zu  schiessen  gedroht,  ist  aber 
doch  alsbald  mit  Gewalt,  mit  Ross  und  Wagen  davon  gefahren.  Docli  wir 
ihm  die  Pforten  zugethan,  den  Wagen,  daraus  der  Knecht  die  Pferde  gespannt 
und  gen  Mainz  zu  reiten  Willens,  genommen  und  liinter  den  Schultheissen 
gestellt.  Über  das  so  hat  er,  Machenheimer,  eine  stattliche  Nahrung,  braucht 
Wasser  und  Weide,  die  Gemeinde  beschützt,  bewacht  und  behütet  ihm  sein 
Haus,  Hof,  Vieh  und  Güter,  da  er  doch  mit  dem  wenigsten  Buchstaben  einige 
Burgmannsfreiheit  nicht  darthun  kann,   also  dass  wir  wcdil  verursacht,    auch  v<>r- 


^)  Sprachlich  ist  vielleicht  nicht  ohne  Interesse,  dass  es  in  dem  Verzeichnis  vom  21.  .luli 
lioisst:  „mit  gelautter  Klockcn",  in  der  Wiederholung  des  Satzes  im  Abschied  vom  4.  August: 
„mit  leudcnden  Glocken'',  also  nicht  allein  der  Numerus  des  Substantivs,  sondern  auch  das 
Cienus  Yerbi  wechselt. 


140 

möge  unserer  gerhanon  EidspHidit.  ihn  diihin  zu  lialten.  dass  er  zu  Wege  und 
Stege  zu  dienen  nicht  gefreiet,  sein  Baekungeld.  Ausbedo  und  dergleichen  Be- 
schwerden, wie  andere,  die  unget'reite  Güter  besitzen,  ausrichten  sollte.  Und 
dieweil  wir  dann  ihn  in  allem,  wie  itzt  genielt.  aus  gutherziger  nachbarlicher 
Mt'inung  bis  anheru  geleben  lassen  und  er  das  undankbar  achtet,  so  gelangt 
an  E.  Ct.  unser  ganz  unterthänig  und  Heissiges  Bitton,  E.  (i.  wollen  uns  bei 
langwieriger  hergebrachter  Gereclitigkeit  schützen  und  schirmen,  auch  ihn  dahin 
halten,  dass  er  seines  Frevels  halber  uns  eine  Erstattung  thue  und  von  seiner 
Drohung  abstehe."  Zum  Schlüsse  versteigen  sich  die  Bittsteller  zu  der  Drohung. 
dass  sie,  im  Falle  sie  in  ruhiger  Posscssion  nicht  geschützt  werden  möchten 
oder  könnten  (wie  sie  dann  nicht  zweifeln),  verursacht  würden  andere  Mittel 
und  Wege  zum  Guteu  der  ganzen  Gemeinde  vorzunehmen,  und  versichern  i.  Gn. 
ihres  schuldigen  Gehorsams. 

Die  Antwort,  um  welche  sie  gebeten  hatten,  erfolgte  am  4.  August  1568^), 
die  in  einer  Abschrift  von  der  Hand  und  mit  der  Unterschrift  des  Gerichts- 
schreibers Nicolaus  Albrandt  (er  bekleidete  dieses  Amt  vom  29.  Juli  1570  bis 
zum  23.  Juli  1074)  vorliegt.  Sie  erfolgte  nach  einem  Verhör  der  beiden  be- 
teiligten Seiten  und  weiteren  gewissen  Erkundigung  und  lautet:  „Wofern  sich 
^[achenheimer  innerhalb  vierzehn  Tage  mir  den  Bürgcaii  seiner  betretenen  Miss- 
handlung  halber  in  der  Güte  nicht  vorgleichen  werde,  dass  alsdann  den  Bürgern 
der  abgepfändete  AVagen  zu  ihrem  besten  Nutzen  zu  verkaufen  erlaubt  sein 
solle,  und  dem  Amtmann  befohlen  worden,  ihnen  in  dem  Handhabung  zu  er- 
zeigen, und  dabei  auch  Machenheimer  mit  Ernst  untersagt,  dass  er  sich  aller 
Drohworte,  auch  dergleichen  Frevel  und  Mutwillens  enthalte  und  sich  in  dem 
gebührlichen  Rechtens  bevaheu  (?)  lasse." 

Die  letzten  Worte  des  Bescheides  sind  wohl  so  zu  verstehen,  dass  Machen- 
heimer die  Ausbede  und  Zins  u.  s.  w.  von  den  unadeligen  Gütern,  die  er 
und  sein  Vater  erkauft,  geben  solle. 

Welchen  Ausgang  die  Sache  nahm,  ist  nicht  überliefert:  Machenheimer 
wird  sich  gefügt  haben.  Von  Übertretungen  der  Ordnung  und  Gewaltthätig- 
keiten  hören  wir  bis  zu  seinem  im  Jahre  1574  erfolgten  Tode  nichts  mehr. 

HI.  W  a  1 1  h  e  r  v  o  n  N  i  t  z  s  c  h  w  i  t  z  liatte  wie  Machenheimer  gleichfalls 
Il<dz  aus  der  Wellritz  sich  angeeignet  und  ZAvar  etwa  in  derselben  Zeit  als 
dieser.  Darüber  berichtet  die  „Supplication  contra  J.  Waltheru  von  Nitzschwitz, 
den  19.  Juli   15G8*)  übergeben",    die    erst    wie    andere  Aktenstücke    von    dem 


")  Nach  einem  Bericlit  des  Beh.-B.  erfolgte  die  Antwort  am  24.  Juli  durch  den  Lirafeii 
Hans  und  seine  Räte.  Ist  diese  Angabc  richtig,  woran  wir  zu  zweifeln  nicdit  Ursache  haben, 
da  sie  unmittelbar  nachher  niedergeschrieben  wurde,  so  ist  diese  Verschiedenheit  des  Datums 
80  zu  erklären,  dass  der  Graf  bei  (ielegenhcit  der  Huldigung,  die  am  21.  Juli  stattfand  und 
ihn  Wühl  noch  einige  Tage  zu  Wiesbaden  zurückl.ielt,  eine  mündliche  Antwort,  die  ganz  mit 
der  schriftlichen  übereinstimmte,  gab,  die  sr-hriftliche  aber  später  folgen  Hess. 

")  Auch  hier  weicht  das  Datum  der  Überschrift  von  dem  am  Schlüsse  angegebenen  al>, 
da  jenes  di-ii  10.  Juli  l.')G!«  bietet.  Da  der  Abschied  auf  die  Bittschrift  am  4.  Oktober  1568 
erfolgte,  so  müssen  wir  diese  in  das  Jahr  1568  setzen,  das  auch  im  Kontext  genannt  wird. 
Ks  wäre  auch   auttallcnd,   wenn   man  ein  ganzes  Jahr  mit  der  Beschwerde  gewartet  hätte. 


141 

Gerichtsscliroibor  der  Jahro  ir)70— 1574,  Nicohius  Albrundt,  in  das  Belialtnus- 
buch  ('iDg(!rra}j;iai  ist.  In  di(!ser  Bittscbrift  wird  zuerst  Klag«;  erhobou.  dass 
Waltlitsr  von  Nitzschwitz  „eignes  Gcwalts  der  Gomeido  Landgra])on  zum  Teil 
oingenomnien,  Sträucho.  Dornen  und  J lecken  ausgerodet  ....  auch  die  Pfähle 
ausgehauen  haln;''  u.  s.  w.  Die  Bittsteller  liätten  dies  bei  chiiu  Grafen  riiilipi) 
und  IJairliasar  niehnuals  klagend  vorgebraclit,  aber  „wolerniolter  unser  gn.  Herr'' 
(soll  wohl  der  letztgenannte  sein)  habe  jeder  Zeit  dei-  vorfallenden  Geschäfte 
halber  auf  den  Augenschein  zu  gehen  und  zu  besichtigen  uns  Zcdt  zu  ernenmm 
eingestellt.  Mittlerweile  sei  er  mit  Tod  abgegangen  und  ^S'itzschwitz  habe  nun 
noch  einen  sumpflichen  Platz  der  Gemeinde  eingenommen,  was  dieser  und  au<h 
dem  Grafen  beschwerlich  sei  und  Schaden  l)ringe,  Sie  ])itt(!n  um  liesichtigung 
durch  Unparteiische,  die  das  Landgebück  und  Gebrüdi  abstcnnen  und  wieder 
zu  ihren  Händen  stellen.  Ferner  habe  Nitzschwitz,  nachdem  sie  in  nächst 
verschienener  AVinterszeit  auf  sein  bittliches  Begehren  sechs  eichene  Stämme 
Bauholz  aus  ihrem  Walde  Welritz  zu  liauen  erlaubt,  deren  undankbarliclu^r 
AVeise  nicht  geachtet,  sondern  zu  den  sechsen  noch  acht  eignes  Gewalts  ge- 
hauen, was  sie  dem  Amtmann  zu  Wiesbaden  klagend  vorgebracht,  aber  er- 
sitzen lassen,  in  Hoffnung,  er  (AValther)  werd(>  der  Gemeinde  ferner  kein  Un- 
recht zufügen.  Dessen  alles  uuangesehen,  sei  er  zugefahren  Samstag  nach 
Jubilate  (15.  Mai)  dieses  itzt  laufenden  G8.  Jahres  und  cignc^s  Gewalts  ohne  einiges 
Begehren  ihnen  in  ihrem  Wald  zum  anderen  Male  abgeliaucn  22  junge  eichene 
Stämme.  Sie  bitten  um  Schutz,  dass  sie  nicht  von  dem  Ad(d  belästigt  werden; 
wo  nicht,  WHirden  sie  andre  Mittel  vornehmen,  ihre  Gerechtigkeit  zu  behalten. 
Auch  möge  man  von  wegen  der  Obrigkeit  darauf  hinwirken!,  dass  er  sich  seines 
Frevels  mit  ihnen  vergleiche.  Er  habe  ebensowenig  Burgmannsfreiheit  bei- 
zulegen als  Machenhsimer,  und  sei  deshalb,  wie  billig,  Backungcld,  Bede  und 
dergleichen  Beschwerungen  von  den  ungeadelten  und  ungefreiten  Gütern  zu 
geben  schuldig. 

Es  folgt  ein  „A'erzeichnus  derer  ungeadelten  (und  geistlichen)  Güter,  so 
der  Edel  und  Ehrnvest  Waltlier  von  Nichschwitz  inhat''. 

Die  Klage  vom  19.  Juli  wurde  verabsclüedet  am  4.  Oktober.  In  Betreff" 
des  Landgrabens  und  Gebückes  erging  der  Befehl  an  die  Idsteinischen  Räte, 
dass  sie  mit  dem  Amtmann,  Schultheissen,  Schöffen  und  der  ganzen  Gemeinde 
zu  Wiesbaden  beide  besichtigen  und  in  den  alten  Stand  lichten  sollen.  Von 
Pjackungeld  soll  Nitzsclnvitz  wie  andre  vom  Adel  frei  und  unbeschwert  sein, 
von  der  Ausbede  sei  er,  so  lauge  er  Diener  sei,  auch  gefreit  und  dem  Rent- 
meister befohlen  worden,  dieselbe  jährlicli  der  Gemeinde  zu  entrichten  und  zu 
verrechnen.  Was  das  Übrige  betreffe,  so  seien  beide  Teile  verhört,  und  es  sei 
auch,  wo  nötig,  der  Augcnscliein  eingenommen  worden,  aber  zwischen  ihnen 
nicht  Fruchtbarlisches  ausgerichtet  und  daher  die  Verhandlung  eingestellt  worden. 
So  fand  die  Gemeinde  keinen  Ersatz  für  die  weggenommenen  Wellritzstämme, 
aber  das  hatte  sie  erreicht,  dass  kein  weiterer  Eingriff  in  ihre  Rechte  von 
Walrher  gewagt  wurde.  Er  gab  z^Yar  später  noch  mehrmals  Anlass  zu  Klagen, 
wie  er  denn  im  Jahre  1069  sich  der  Verordnung  wegen  des  Landgrabens  nichr 
fügen  wollte,   eine  Ölmühle    ,,eignes  Gefallens"    zu    einer  Mahlmühle    gemachr. 


142 

Netz-  und  Garnstellon  vorgenommen  und  Drolnvorte  gegen  einige  Bürger  hat 
vernehmen  hissen,  sogar  sieh  uiclit  scheute,  den  Zaun  seines  Gartens  au  einigen 
Orten  zwei 'und  drei  Sc-huh  ausserhalb  der  gesetzten  Steine  aufzustellen.  Aber 
als  er  im  Jahre  1574  sechs  Hölzer  oder  Stämme  zu  seinem  laugen  Bau  be- 
durfte, si'heinr  er  die  Gemeinde  um  die  P^rlaubnis  angesprochen  zu  haben,  sie 
;ius  der  WcUritz  zu  holen,   und  sie  ^Yurdeu  ihm  verwilligt. 

Die  beiden  Junker  hatten  also  im  Ganzen  52  Stämme  aus  der  Wellritz 
entnommen.  40  ohne  und  V2  mit  Erlaubnis  der  Stadt.  Rechnen  wir  dazu  das 
an  die  Bürger  ausgegebene  Hauholz  =  li»4  -f  x  Stämme,  so  ergiebt  sich  für 
die  kurze  Zeit  von  1061—1574  die  Zahl  von  246  +  x  oder  etwa  250  Stämmen. 
Noch  grösser  mag  der  Verbrauch  von  Holz  aus  der  AVellritz  nach  dem  grossen 
Brande  von  1547  gewesen  sein. 

Es  frao-t  sich,  ob  man  sofort  dafür  sorgte,  diesen  Verlust  zu  ersetzen  und 
wie  das  geschah.  Auf  die  erste  Frage  gibt  eine  Bittschrift  der  Gemeinde  vom 
16.  Dezember  1592  Antwort,  durch  welche  der  Graf  ersucht  wurde,  den  Wald 
vor  dem  unbefugten  Fällen  von  Bauholz  durch  einen  Neuhof  er  Zimmermann  zu 
schützen.  Derselbe  wollte  eine  ganze  Anzahl  von  Stämmen  sich  zueignen; 
dagegen  machte  die  Gemeinde  geltend,  dass  der  Wald  von  ihren  Vorfahren 
und  ihnen  «-eheo-et  und  gepflegt  worden  sei  und  noch  werde,  um  ihnen  im 
Notfall,  bei  Feuersbrünsten  u.  s.  w.  Vorrat  an  Bauholz  zu  bieten;  jetzt  sei  er  ein 
junger  W  a  1  d  uiul  untauglich  zu  diesem  Zweck  u.  s.  w.  ;  der  Graf  traf 
sofort  dem  Gesuch  entsprechend  die  nötigen  Anordnungen.  Wir  entnehmen 
aus  der  Bittschrift,  dass  Anpflanzungen  von  jungen  J5äumeu  im  Laufe  des 
Jahrhunderts  stattgefunden  hatten,  um  etwaigem  Bedürfnis  zu  genügen,  und 
dass  der  Wald  in  seinem  bisherigen  Umfange  erhalten  werden  sollte. 

Tn  Betreff  der  zweiten  von  uns  aufgeworfenen  Frage  giebt  eine  kurze 
Notiz  vom  Jahre  167;-^»  Aufschluss.  In  diesem  Jahre  reichten  die  Geschworenen 
als  Vertreter  der  Gemeinde  bei  Schultheiss  und  Schöffen  mehrere  Gravamina 
ein,  von  denen  der  vierte  Funkt  lautete:  „dass  jeder  Bürger  wie  vor  Alters 
seine  gewisse  Zahl  eichener  Stämme  zu  setzen  angehalten  werde."  Wir  ersehen 
daraus,  dass  in  früherer  Zeit  jeder  Bürger  eine  gewisse  Zahl  von  Eichbäumen 
zu  pHanzen  verpflichtet  war,  dass  aber  dieser  Brauch  im  Laufe  der  Zeit  ausser 
i'bun^  eekommen  war.  Für  das  16.  Jahrhundert  dürfen  wir  ihn  ohne  Bedenken 
voraussetzen :  es  war  eine  schöne  Sitte,  die  jedem  den  Wald  lieb  nuichte,  wenn 
er  (las  Wachstum  der  von  ihm  oder  seinen  Vorfahren  gepflanzten  Bäume  ver- 
folgt!; und  er  sich  sagen  konnte:  diesen  oder  jenen  Baum  habe  ich  oder  mein 
Vater  u.   s.   w.  gesetzt. 

Doch,  wie  bemerkt,  war  dieser  Brauch  nicht  mehr  lebendig.  Das  17.  Jahr- 
hundert huldigte  andern  Anschauungen:  es  Hess  die  Wellritz  eingehen.  Nach- 
dem bereits  im  Jahre  1619  ein  Teil  derselben  verkauft  worden  war  (man  trug 
mir  dem  Erlöse  eine  Schuld  von  1000  H.  ab),  schritt  man  seit  dem  Jahre  1650 
zur  systematischen  Vernichtung  derselben,  indem  man  sie  in  einzelne  Lose  teilte 
und  diese  gegen  Entgelt  an  die  Bürger  ausgab.  Dadurch  geschah  es,  dass  am 
Ende  des  Jahrhunderts  das  ganze  Gebiet  des  ehemaligen  Waldes  dem  Ackerbau 
srewonnen  war.    Vfjl.  den  oben  erwähnten  Aufsatz. 


Der  nassauische  Publizist  Johannes  Weitzel. 


Von 

G.  Zedier. 


Wiederholt  ist  in  tlicser  Zeitschrift')  eine  Darstellung  von  Wcitzels  Leben 
und  schriftstellerischem  Wirken  gefordert  worden.  Wenn  ich  mich  auf  den 
folgenden  Blättern  dieser  Aufgabe  unterziehe,  so  wurde  ich  durch  meine  Be- 
schäftigung mit  der  Geschichte  der  Presse  in  Nassau  von  selbst  dazu  geführt, 
Wcitzels  publizistischer  Thütigkeit,  der  auch  das  erste  politische  Blatt  Nassaus 
seine  Entstehung  verdankt,   näher  zu  treten. 

Wir  besitzen  über  Weitzel  ausser  seiner  allerdings  nur  die  Jugendzeit 
beliandelnden  Selbstbiographie  ziemlich  ausführliche  Nachrichten  in  dem  Nach- 
ruf, den  ihm  die  Allgemeine  Zeitung  kurz  nach  seinem  Tode  widmete.^)  Ferner 
bietet  das  1843  erschienene  Buch  D  o  r  ^>  w  s  „Erlebtes  aus  den  Jahren  18i:>— 1820" 
gerade  für  die  Zeit,  in  der  Weitzel  auf  der  Höhe  seines  Lebens  stand,  wert- 
volles Material,  das  aus  hinterlassenen  Papieren  Weitzels  in  dem  Aufsatze 
Mathien  Schwanns  „Aus  der  Zeit  der  Karlsbader  Beschlüsse"  neuerdings')  eine 
willkommene  Ergänzung  erfahren  hat.  Die  den  Lebensnachrichteu  über  den 
Ptegierungs-Präsidenteu  K.  von  Ibell  von  K.  Seh  war  t  z')  eingefügte  Lebensskizze 
Weitzels  ist  wesentlich  eine  Jvorapilation  der  in  dem  Nachruf  der  Allgemeinen 
Zeitung  und  bei  D  o  r  o  w  enthalteneu  Angaben  und  atmet  bei  dem  engen  An- 
schluss  an  diese  Quellen  auch  den  panegyrischen  Geist  derselben.  Für  die 
Beurteilung  von  Weitzels  Thätigkeit  als  Redakteur  der  Rheinischen  Blätter 
kommt  das  Buch  Sauers,  „Das  Herzogtum  Nassau  in  den  Jahren  18i:>— 1820" 
in  Betracht,  für  das  jene  Zeitung  eine  llauptciuelle  bildet.  Der  ebenfalls  von 
Sauer  bearbeitete  Artikel  über  Weitzel  in  der  Allgemeinen  deutschen  Bio- 
graphie gibt  eine  auf  Grund  dieser  Quellen  und  Akten  des  Staatsarchivs  zu 
Wiesbaden  gemachte  Zusammenstellung  der  wichtigsten  Daten  von  Weitzels 
Leben.     Die  angeführte  Litteratur    gewährt  uns  keinen  Einblick  in  den  Inhalr 

1)  Bd.  XI,  S.  203  und  Bd.  XIV,  S.  42. 

-)  Aiisserovdentliclie  Beilage  1837,  Xo.  67—73.     Auf  diesem  Xnclinif  l.orulit   aurh    der 
Artikel  im  Neuen  Nekroh.g  der  Deutschen  .lalirg.   15  (1837),  I.,  S.  r,7— 83. 
*)  Vüssische  Zeitung  1897,  Sonntugsbeil.  No.  34  und  3."). 
*)  Aunalen  Bd.  XIV,  S.   1  —  109. 


144 

und  Geist  von  Weitzels  Sohrit'ton,  und  erniöglitlir  os  uns  deshalb  auch  nielit 
ein  lebendiges  Bild  dieses  Mannes  zu  erhalten  und  uns  ein  Urteil  über  ihn  zu 
)>ilden.  Im  Hinblick  auf  den  Umfang  seiner  Schriften  und  auf  die  Stellung, 
die  Weitzel  seinerzeit  als  Publizist  eingenommen  hat,  scheint  eine  eingehendere, 
diese  Forderungen  befriedigende  Darstellung  aber  durchaus  gerechtfertigt.')  Ich 
habe  abgesehen  von  gedrucktem  Material  einige  bisher  nicht  verwertete  Akten 
des  Staatsarchivs  zu  Wiesbaden  und  Familienpapiere  benutzt,  die  mir  ein  Ur- 
enkePj  AVeitzels  freundlichst  zur  Verfügung  stellte  ich  bemerke  indessen  vor- 
weg, dass  ich  mich  in  der  Angabe  der  äusseren  Lebensumstände  auf  das  AVesent- 
lichste  und  Charakteristische  beschränke.  Mit  dem  Folgenden  beanspruche  icli 
auch  keineswegs  eine  eigentliche  Biographie  AVeitzels  zu  geben,  meine  Aufgabe 
findet  vielmehr  in  der  Darstellung  dessen,  was  AVeitzel  als  Publizist  erstrebt 
und  geleistet  hat,  der  Hauptsache  nach  ihre  Begrenzung. 

1.   Jugfendjahre. 

Johannes  "SVeitzel  ist  zu  Johannisberg  im  Rheingau  am  24.  Oktober  1771 
geboren.')  Er  war  kaum  vier  Jahre  alt,  als  sein  Täter,  ein  Winzer,  starb. 
Seine  nüt  vier  noch  unerzogenen  Kindern  zurückbleibende  Mutter  verlor  durcli 
betrügerische  Verwandte  und  durch  die  Habsucht  gewissenloser  Beamter  das  nicht 
unbeträchtliche  Besitztum  fast  ganz  und  hatte  Mühe  sich  durchzuschlagen.  Da 
der  zart  gebaute  Knabe  zu  der  harten  Arbeit  des  Weinbaues  nicht  tauglich 
erschien,  riet  man  der  ^lutter  ihn  das  Schneiderhandwerk  erlernen  zu  lassen. 
Dageg-en  erhob  sich  aber  in  dem  Knaben,  dessen  lebhafte  Phantasie  durch  die 
Lektüre  der  kleinen,  von  seinem  Vater  hiuterlassenen  Bibliothek  schon  früh 
wachgerufen  war,  der  entschiedenste  Widersprucli.  Er  wollte  höher  hinaus, 
und  ein  zufälliger  Besuch  in  Mainz,  wo  ihm  gelegentlich  eines  feierlichen  Hoch- 
amtes in  der  Kirche  des  dortigen  Karmeliterklosters  die  ganze  städtische  Pracht- 
entfaltung entgegentrat,  wirkte  nach  dieser  Richtung  entscheidend.  Fortan 
ruhte  er  nicht,  bis  er  mit  Hilfe  des  Dorfschulmeisters  seiner  Mutter  die  Ein- 
willigung zum  Besuch  einer  Gelehrtenschule  abgerungen  hatte.  Mit  dem 
zwcUften  Jahr  kam  AVeitzel  nach  Kreuznach  auf  die  dortige,  von  Karmelitern 
geleitete  Schule.  Sie  stand  in  dem  Rufe  strenger  Rechtgläubigkeit,  was  sie 
in  den  Augen  der  Mutter  als  besonders  empfehlenswert  erscheinen  liess.  Der 
Unterricht  wurde  hier  aber  so  mechanisch  gehandhabt,  dass  Weitzel  trotz 
glänzender  Zeugnisse  nach  Verlauf  eines  Jahres  die  Schule  aus  eigenem  Ent- 
schluss  schon  wieder  verlicss,  um  sie  mit  dem  3Iainzer  Gymnasium  zu  ver- 
tauschen. Hier  in  Mainz  musste  er,  abgesehen  von  einem  ganz  unbedeutenden 
Stipendium,   sich  seinen  Lebensunterhalt  durch  Privatunterricht  selbst  verdienen. 


*)  In  einem  im  "NVinter  1897/98  gehaltenen  Vortrage,  der  im  Rhein.  Kurier  1897, 
?fo.  353  und  354  mit<jeteilt  worden  ist,  habe  ich  hcreits  die  pu'nlizistischen  Schriften  Weitzels 
aus  der  früliori-ii  Periode  bis  zu  don  Karlsbader  Beschlühseii  kurz  skizziert. 

^)  Herr  Dr.  Aicfcld  in   JJarmstadt. 

^)  Merkwürdigerweise  giebt  sioli  AVeitzel  auf  zwei  seiner  späteren  Schriften  den  Vor- 
namen Josef;  nach  dem  Johannisberger  Kirchenbuch  erhielt  er  in  der  Taufe  die  IS'amen 
.Ifdtanne8  Ignatz. 


145 

Er  mietete    sicli    «'in   Itoi    einer  armen   Witwe,     wo  er    das    enge  l)a(li.stüh(;lien 
abgesehen    von  dem   rngc/ieler    mit    vier    anderen  Stubengenossen,    von  denen 
zwei  sogar  mit   ihm   in  eiiunn  Bette  schliefen,   zu  teih>n  hatte.     Der  in  grösster 
Dürftigkeit    aufgcwaolisene  Dorf  junge  fand    sich  ab(U-  mit  diirscn  Verhältnissen 
/urecht.      Aus  der  Schilderung,    di<^  er   in    seiner  Selbstbiographie    von    seinem 
damaligen  Mainzer  JiidxMi  gibt,    geht  hervor,    dass  er  sich  trotz  aller  sonstigen 
Entbehrungen    doch  die  Kunstgenüsse,    wie    sie  ^lainz    in  seinem  Theater  bot, 
keineswegs    versagte.     Namentlich    die  Oper    besuchtem  er  Heissig.     Vom  Vater 
her  war  Weitzel,   wie  er  selbst  sagt,    musikalisch  beanlagt,    und   wenn  auch  die 
Ungunst  der  Verhältnisse  verhinderte,   diese  Anlage  zu  pHegcm  und  aktiv  zu  ver- 
werten,  so  beweisen  doch  die  vielen  aus  der  Musik  genommenen  Vergleiche  in 
seineu  Schriften    und  die  namentlich    in  seinen  Romanen  wiederkehrenden  Be- 
trachtungen   über    die  Wirkung    der  Musik    eine  besondere  Vorliebe    für  diese 
das  Gemüt  am  unmittelbarsten  ergreifende!  Kunst.    Den  Ansprüchen  der  Schule 
mit  Leichtigkeit  genügend  vergrub  er   sich  zu  Hause  in  die  Lektüre,    die  ihm 
die  Leihbibliothek  eines  Mainzer  Juden  bot  und  verschaffte  sich  auf  diese  Weise 
eine  für  seine  Jahre  ungewöhnliche,   wenn  auch  nicht  sehr  systematische  Litte- 
raturkenntnis.    War  der  Lehrkörper  der  Schule,   wie  es  scheint,  von  dem  Geist 
der  Aufklärung  wenig  berührt,    so  fanden,    wie  man  denn  auch  in  den  oberen 
Regionen    des    damaligen  Mainz    dem  Zeitgeiste  huldigte,    in  der    ebenso  auf- 
geweckten,  wie  leichtlebigen  Bevölkerung  die  revolutionären  Ideen,   die  im  be- 
nachbarten Frankreich  bald  den  Zusammenbruch    der   bestehenden  Verhältnisse 
herbeiführen  sollten,    den    günstigsten  Boden.      Der   junge  Weitzel,    der  schon 
früh  die  Gegensätze    des  Menscheulebens    in    ihrer    ganzen  Schroffheit   kennen 
gelernt    und  in   schweren    inneren  Kämpfen    den  Glauben  seiner  Kindheit,   den 
die  strenge,    dem    katholischen  Bekenntnis  treu  anhängende  Mutter    in    ihm  zu 
pflegen   beflissen  gewesen  war,    bereits    in    jungen  Jahren    verloren   hatte,    sog 
die  Lehren  Rousseaus  begierig    in  sich  ein.     Nach    einem  Zeitraum    von    fünf 
Jahren    verliess    Weitzel    das    Gymnasium,    um    zur    Universität    überzugehen. 
Trotzdem  er  auf  Grund  eines  in  die  Hände  der  Lehrer  gefallenen  Manuskriptes, 
in  welchem  er  seine  dem  strenggläubigen  Lehrkörper  höchst  austössigen  Grund- 
sätze niedergelegt  hatte,    kurz  zuvor  noch  mit  dem  Kirchenbann  und  der  Ver- 
weisung aus  der  Schule  bedroht  worden  war,  wurde  ihm  unter  den  Abiturienten 
die  Ehre  zu  teil,   die  Abschiedsrede  zu  haiton. 

Weitzel  begann  seine  Universitätsstudien  ebenfalls  in  Mainz,  wo  besonders 
Heinrich  und  Niklas  Vogt  seine  Lehrer  waren.  Neben  dem  Studium  der  Ge- 
schichte pflegte  er  seine  litterarischen  Interessen  emsig  weiter.  ^lit  den  deutschen 
und  ausländischen  Klassikern  machte  er  sich  durchaus  vertraut.  Seine  Lieblings- 
autoren aber  waren  Rousseau  und  der  von  den  'deutschen  Klassikern  politische 
Fragen  in  wissenschaftlicher  Form  einzig  behandelnde  Herder.  Zugleich 
ersinff  er  sich  in  allerlei  schriftstellerischen  Versui-hen.  Er  verfasste  Schau- 
s])iele.  Sing-  und  Trauerspiele,  schrieb  R.)mane  und  war  zugleich  bestrebt,  die 
ihn  im  bunten  Wechsel  beschäftigenden  Gedanken  in  zusammenhängenden 
prosaischen  Abhandlungen  zu  Pai)ier  zu  bringen,  um  das  Niedergeschriebene 
mit    gleichgesinnten  Freunden    zu    besprechen.      Er    sagt    selbst,    dass    er  ver- 

10 


14ß 

ständig:  ffonug  seweson.  niclits  von  diesen  Yersuehen  durch  den  Druck  zu  ver- 
öffentlichen,  und  die  späterhin  in  seiner  Selbstbiographie  mitgeteilte  Probe  be- 
stätigt nur  die  Dichtigkeit  dieser  Selbstschätzung.  Sie  zeigt  uns  aber,  wie  ihn 
politische  Fragen,  wenn  auch  rein  tlieoretischer  Xatur,  schon  damals  lebhaft 
interessierten.  Es  ist  deshalb  nicht  zu  verwundern,  dass  das  empfängliche 
Gemüt  des  Jünglings,  dem  die  Schriften  Rousseaus  ein  Evangelium  waren, 
vom  Ausbrucli  der  französischen  Revolution  aufs  tiefste  ergriffen  wurde.  Zumal 
als  dieselbe  in  ihren  unmittelbaren  Folgen  nicht  mehr  auf  Frankreich  beschränkt 
blieb,  sondern  die  Revolutionsheere  sich  seit  1792  gegen  den  Rhein  wandten, 
war  für  Weitzel  „an  keine  Kunst,  an  keine  Wissenschaft  mehr  zu  denken, 
wenn  sie  nicht  mit  dem  grossen  Gegenstand,  der  allein  ihn  unwiderstehlich 
anzog,  mit  der  französischen  Revolution  in  Verbindung  stand."  Den  Enthusias- 
nms  der  Mainzer  Klubisten  teilte  Weitzel  durchaus,  er  wohnte  anfangs  auch 
ihren  Sitzungen  bei,  allein  die  rauhe  Wirklichkeit  entsprach  dem  seinerseits 
geträumten  Ideal  so  wenig,  dass  er  sich  bald  verstimmt  nach  dem  Rheingau 
zurückzog,  wo  er  zunächst  in  Rüdesheim  ein  Unterkommen  als  Hauslehrer  fand. 
Hier  brachte  er  sicJi  aber  bald  durch  unvorsichtige  Äusserungen  in  den  Ver- 
dacht der  Zugehörigkeit  zu  den  Klubisten.  Von  den  Preussen  verfolgt,  ent- 
ging er  der  Verhaftung  nur  durch  eilige  Flucht  auf  das  linke  Rheinufci'. 

Die  französische  Revolution  gab  Weitzel  Veranlassung  zu  seiner  ersten 
publizistischen  Arbeit.  Im  Sommer  1795,  noch  ehe  er  seine  Universitätsstudicu 
in  Jena  wieder  aufnahm,  veröffentlichte  er  die  anonym  erschienene  Schrift 
„Geist  der  fränkischen  Revolution"'.  In  seiner  Selbstbiographie  teilt  er  umfang- 
reiche Auszüge  aus  diesem  damals  bereits  vergessenen  Erstlingswerke  mit,  die 
zur  Genüge  zeigen,  wie  die  Phrase  darin  vorherrscht.  Der  Satz  aus  Rousseaus 
politischer  Ökonomie,  dass  das  Vaterland  nicht  ohne  Freiheit,  die  Freiheit 
nicht  ohne  Tugend  bestehen  könne,  bildet  das  Grundthema,  welches  mit  grossem 
Pathos  in  ermüdenden  Variationen  ausgeführt  wird,  um  darzuthun,  dass  die 
französische  Republik  Gefahr  laufe,  an  sich  selbst  Schiffbruch  zu  erleiden,  und 
ihr  eigentliches  Ziel  nur  erreicht  werden  könne,  wenn  die  Freiheit  in  der  Tugend 
und  Bildung  der  Bürger  die  einzig  sichere  Stütze  finde. 

Kurz  nach  Veröffentlichung  dieser  Schrift  ging  Weitzel  auf  die  Universität 
Jena,  wohin  ihn  ausser  Fichte,  durch  den  er  in  das  Studium  der  kritischen 
Philosophie  eingeführt  zu  werden  hoffte,  der  Wunsch,  die  gefeierten  Dichter- 
heroen Weimars  und  Jenas  in  der  Nähe  sehen  zu  können,  lebhaft  hinzog. 
Allein  mit  so  grossem  Eifer  er  sich  auch  an  das  Studium  Kants  imd  seiner 
Kommentatoren  machte,  seiner  gefühlsseligen  Natur  ward  die  nüchterne  Be- 
schäftigung mit  der  Wissenschaft  des  abstrakten  Denkens  bald  überdrüssig  und 
bei  Anbruch  des  Frühlings  trieb  es  ihn  in  die  Weite.  Mit  zwei  Freunden 
wanderte  er  nach  Dresden,  wo  er  sich  an  den  Kunstgenüssen  und  landschaft- 
lichen Reizen  dieser  Stadt  und  ihrer  Umgebung  erfreute.  Nach  kurzem  Aufent- 
halt in  der  Heimat  suchte  Weitzel  1796  die  Göttinger  Universität  auf,  wo  er 
unter  Schlözer  und  Spittler  Geschichte  und  Staatswissenschaften  studierte  und 
ausserdem  Lichtenberg  und  Bouterwek  näh(>r  trat.  Aber  auch  hier  duldete  es 
ihn  nicht  lange.     Mitten  im  Semester  brach    (!r,     des    übermässigen  Studierens 


147 

müde,  zu  scjincr  Erholung'  in  den  ]Iiir/  iiuf,  um  nach  Schluss  des  Schuljahres 
seine  Universitätsstudion  abzubrechen  und  im  Frühjahr  1797  mit  dem  Gefühl, 
„dass  er  nicht  zum  Gelehrten  geboren  sei",  nacl:  Juhannisberg  zurückzukehren. 
Die  tiefe  Geiehrsamk(Mt  Schlözers  hatte;  auf  die  Dauer  ebenso  wenig  An- 
ziehungskraft auf  ihn  ausüben  können,  wie  die  kritische  Philosophie  Kants. 
Vielmehr  fesselte,  wie  die  heimliche  Jjektüre  Rousseaus  den  8chulknaben  in 
Banden  geschlagen  hatte,  der  naive  Glaube;  an  die;  natürliche  Unschuld  des 
Menschen  und  die  Lehre  von  der  allgemeinen  Gleichheit  und  der  Souveränität 
des  Volkes  auch  den  zum  Manne  heranwachsenden  Jüngling.  In  ebenso  engen 
häuslichen,  wie  staatlichen  Verhältnissen  aufgewachsen,  hielt  er  in  seiner  Ge- 
fühlsseligkoit  diese  Lehren  für  die  Grundlage,  auf  der  fortan  alles  politische 
und  soziale  Leben  neu  aufgebaut  werden  müsse.  In  diesem  Sinne  zu  wirken 
erschien  ihm  als  die  höchste  Lebensaufgabe.  Zu  Ilauso  ohne  bestimmte  Be- 
schäftigung, verfiel  der  in  Idealen  schwelgende  Schwärmer  jetzt,  wo  es  für 
ihn  galt  ins  Leben  hinauszutreten  und  zur  Verwirklichung  dieser  Ideale  werk- 
thätig  seine  Kräfte  einzusetzen,  zunächst  in  tiefe  Schwermut.  In  dieser  Zeit 
kam  er  auf  den  Gedanken,  auf  dem  Theater  in  Scherz  und  Spiel  zu  finden, 
was  seine  von  der  rauhen  Wirklichkeit  des  Lebens  sich  abgestossen  fühlende 
Natur  in  der  Welt  im  Ernste  nicht  erwarten  durfte. **)  Erst  eine  Keise  in 
die  Schweiz  stellte  das  Gleichgewicht  bei  ihm  wieder  her  und  gab  ihm  die 
Ruhe  seiner  Seele  zurück. 

2.  Unter  der  französischen  Herrschaft. 

Bald  nach  seiner  Rückkehr  erhielt  Weitzel  durch  Empfehlung  seines 
früheren  Lehrers,  des  ehemaligen  Professors  Ilofmann,  der  damals  den  Posten 
eines  General-Einnehmers  in  dem  von  den  Franzosen  neu  geschaffenen  Departe- 
ment Donnersberg  bekleidete,  eine  Anstellung  als  Verwaltungsbeamter  im  Kanton 
Otterberg  bei  Kaiserslautern.  Bei  seiner  Begeisterung  für  die  hier  praktisch 
gewordenen  republikanischen  Ideen  trug  er,  der  Angehörige  eines  dem  Unter- 
gänge bereits  geweihten  deutschen  Kleinstaates,  kein  Bedenken  in  französische 
Dienste  zu  treten,  vielmehr  war  hier  allein  der  Boden,  wo  für  ihn  eine  öffent- 
liche Wirksamkeit  im  Dienste  des  Staates  in  Frage  kommen  konnte.  Zu  Beginn 
des  Jahres  1799  wurde  ihm  die  vakante  Stelle  eines  Kreiskommissars  in 
Germersheim  übertragen.  Als  solcher  hatte  er  einen  mit  ziendicher  Macht- 
befugnis ausgestatteten,  verantwortungsvollen  Posten.  Wir  können  es  Weitzel 
glauben,  dass  er  seines  Amtes  mit  peinlicher  Rechtlichkeit  und  Unparteilichkeit 
waltete,  und  dass  diese  Eigenschaften  das  damalige  republikanische  Beamtentum 
nicht  eben  auszeichneten.  Andrerseits  war  der  noch  gänzlich  unerfahrene  junge 
Mann,  der  in  jugendlicher  Unbefangenheit  die  Menschen  au  den  ihm  mit 
gleicher  Vorliebe  wie  Rousseau  vorschwebenden  Plutarch'schen  Idealgestalten 
eines  Epaminondas  oder  Cato  mass,  wohl  kaum  dazu  berufen  in  einer  dem 
Generalkommissar  eingereichten  Denkschrift  die  Zustände  der  Verwaltung  einer 
scharfen  Kritik  zu  unterziehen  und  als  Anwalt  des  Volkes  aufzutreten.    Jedenfalls 


*)  Das  Merkwürdigste  aus  meinem  Leben  I,  S.  201. 

10* 


14b 

eiTciclir  er  nie-hrs  weiter,  als  ilass  er  sieh  an  eutscheidender  Stelle  lästig  machte 
und  bei  der  nach  dem  Staatsstreiche  Napoleons  im  Jahre  1800  statttindeuden 
Reorganisation  der  A'erwaltung  übergangen  wurde.  AVeitzel  kommt  in  seinen 
Schriften')  häutig  und  nicht  ohne  eine  gewisse  Selbstgefälligkeit  auf  diese 
Episode  seines  Lebens  zu  sprechen.  In  seiner  Selbstbiographie'^)  sagt  er:  „In 
dem  thätigen  handelnden  Leben  konnte  ich  nur  einen  mir  angemessenen 
Wirkungskreis  finden.  Hatte  mir  die  mütterliche  Natur  einige  Talente  gegeben, 
dann  konnte  ich  sie  nur  in  iliiii  l»ilden  und  anwenden  und  sie  bestimmten  mich  zu 
einer  ganz  anderen  Laufbahn,  als  die  ist,  welche  mir  mein  Verhängnis  anwies.  Dieser 
Selbstbeurteilung  gegenüber  muss  jedoch  betont  werden,  dass  AVeitzel  sich 
weder  seiner  Naturanlage  noch  seiner  ganzen  Entwickelung  nach  zum  Staats- 
mann und  zu  einer  öftentlichen  Wirksamkeit  eignete.  Es  ist  bereits  hervor- 
gehoben, dass  gerade  seine  Gefühlsschwärmerei  ihn  in  diese  Laufbahn  hinein- 
gedi'ängt  hatte.  Die  allzugrosse  Erregbarkeit  des  Gemüts  brachte  ihn  unter 
dem  Einfluss  ungünstiger  äusserer  Verhältnisse  von  früher  Jugend  an  gar  zu 
leicht  in  einen  Zwiespalt  mit  der  ihn  umgebenden  Welt.  Wie  sich  seiner 
schon  als  Knabe  die  Überzeugung  bemächtigt,  „dass  es  kein  Recht  gäbe,"  und 
dieser  Gedanke  „wie  ein  wildes  Tier  seine  Krallen  und  Zähne  in  sein  Herz 
schlägf^,  wie  den  Jüngling  „überall  die  Gemeinheit  und  Erbärndichkeit  anekelt, 
welche  die  Welt  regiert'',  so  sieht  auch  der  gereifte  Mann  immer  wieder  den 
Stein  des  Anstosses  im  Wege  liegen.  Die  Widersprüche,  die  das  Leben  bietet, 
rauben  ihm  allzu  schnell  den  ruhigen  Genuss  der  Gegenwart  und  lassen  ihn 
aus  der  rauhen  Wirklichkeit  gern  in  das  i)hantastische  Reich  seiner  eignen 
Gedanken  flüchten.  Eine  solche  Tassonatur  passt  nicht  für  eine  öffentliche 
Thätigkeit,  und  so  w^erden,  wenn  Weitzel  vielleicht  auch  persönlich  Grund  haben 
mochte,  über  seine  Dienstentlassung  ungehalten  zu  sein,  doch  auch  andere  als 
rachsüchtige  Motive  massgebend  gewesen  sein,  die  sich  seinem  Verbleiben  im 
Amte  entgegenstellten. 

AVeitzel,  der  sich  in  Germersheim  mit  Margarethe  Dietrich,  der  Tochter 
eines  begüterten  Ilolzhäudlers,  verheiratet  hatte"),  gedachte  sich  jetzt  mit 
seiner  jungen  Frau  nach  Johannisberg  zurückzuziehen.  Doch  wies  ihn  die  ehe- 
malige Mainzer  Regierung,  die  ihren  Sitz  zu  Aschaffenburg  hatte,  wegen  seiner 
die  revolutionären  Ideen  nährenden  Schriften  aus.  Er  hatte  soeben  in  Mainz 
ein  Buch  „Über  die  Bestimmung  des  Menschen  und  des  Bürgers"'  erscheinen 
lassen,  das  ebenfalls  Gedanken  des  Gesellschaftsvertrags  und  der  politischen 
Ökonomie  Rousseaus  verallgemeinert.  Einzelne  Stellen  sind  direkte  Über- 
tragungen aus  jenen  Werken,  und  wenn  es  darin  mit  Emphase  heisst,  „Rousseaus 
Donner  stürmen  erzitternd  gegen  die  Thronen  der  Völkerwürger  durch  alle 
Zonen",    so  erscheint    das  Verfahren    der  kurfürstlichen  Regierung    gegen    ihn 


*)  Siehe  besonders  Briefe  vom  Rhein,  S.  498—011. 
'")  Teil  I,  S.  189. 


")  Die  Ehe  war  eine  sehr  glückliche,  wie  es  Briefe  aus  Weitzels  Xachlass  bezeuge«, 
und  er  es  auch  iu  seiner  Selbstbiographie  (I,  S.  189)  bekennt.  Das  einzige  Kind  aus  dieser 
Ehe,  AVeitzels  Tochter  Auguste,  war  mit  dem  nassauischen  General  Alefeld  verheiratet. 


149 

nicht  so  grundlos,  wio  es  Weitzol  liinzustoUon  boliobt.'-)  Frciilicli  ist  die  Scliriit 
im  übrigen  harmloser  Natur.  Der  Stuat  ist  Weitzel  ganz  so,  wie  im  Contrat 
social,  auf  den  Vertrag  der  Individuen  begründet.  Der  blindem  Konflikt  von 
physischen  Kräften  hat  ihn  geschaffen  und  die  blosse  physische  Kraft  blieb 
seine  Beherrscherin.  Darum  erfasste  die  Willkür  das  JUidor,  weiches  der  Ver- 
nunft gehiirt  hätte.  80  hat  sich  der  Kevolutionsstoff  gebildet,  der  gären<l  in 
den  Völkern  liegt.  Die  Erscheinung  einer  solchen  Staatsumwälzuug  wie  (hir 
französischen  Revolution  ist  in  dieser  Totalität  einzig.  Die  Vernunft  hat  hier 
d'w  unverwerfliche  Urkunde  der  mit  der  Menschheit  unzertrennlich  verbundenc-n 
Vorzüge  der  Freiheit  und  Gleichheit  unter  dem  Schutt  von  tausendjährigen 
Vorurteilen  hervorgesucht.  Dass  aber  diese  Güter  der  Menschheit  erhalten 
bleiben  und  zum  völligen  Besitz  werden,  dazu  bedarf  es  nicht  so  sehr  einer 
äusseren,  wie  einer  inneren  Gesetzgebung:  dazu  ist  die  Herrschaft  des  Moral- 
gesetzes  notwendig. 

Weitzel  beabsichtigte  in  Mainz  ein  politisches  Dckadenblatt  herauszugeben. 
Da  ihm  hierzu  aber  die  Genehmigung  versagt  wurde,  so  änderte  er  den  Plan 
des  Blattes  um,  das  in  der  Folge  unter  dem  Titel  „Egeria,  eine  Monatsschrift 
für  Freunde  der  Geschichte,  Gesetzgebung  und  Politik''  und  zwar  zuerst  im 
Germinal  des  Jahres  9  der  Republik  (April  1801)  erschien.  Diese  Zeitschrift 
hatte  nicht  den  gewünschten  Erfolg.  AVeitzel  fand  weder  genügende  Mitarbeiter 
noch  die  erforderliche  Unterstützung  des  Publikums,  so  dass  das  Unternehmen 
am  Ende  des  Sommers  bereits  wieder  einging.  Er  veröffentlichte  in  ihr  vor 
allem  den  umfangreichen,  über  vier  Hefte  sich  erstreckenden  Aufsatz:  „Be- 
trachtungen über  die  Ursachen  grosser  Staatsrevolutionen  mit  besonderer  Hin- 
sicht auf  die  fränkische."  Auf  ihn  legt  er  auch  später  noch  besonderes  Ge- 
wicht und  bezeichnet  ihn  als  den  Keim,  aus  dem  fast  alles,  was  von  ihm  im 
Fache  der  Staatswissenschaft  geschrieben  worden  sei,  sich  entwickelt  und 
gestaltet  habe;  er  bilde  das  erste  Kapital,  das  nur  durch  glückliches 
Anlegen  und  Umschlagen  gewachsen  sei.^^)  Weitzel  nimmt  hier  das  Thema 
seiner  früheren  Schriften  wieder  auf  und  sucht  für  die  in  der  Politischen  Öko- 
nomie Rousseaus  enthaltenen  Maximen  Mittel  und  Wege  zu  ihrer  praktischen 
Durchführung  darzulegen.  Alle  Menschen,  führt  er  aus,  haben  gleiche  xVnsprücho 
auf  die  Güter  dieses  Lebens  und  folglicli  als  Bürger  eines  Staates  gleiche  An- 
sprüche auf  die  Güter  dieses  Staates.  Die  Gesetze,  sow^eit  sie  Überfluss  und 
Mangel  in  gewissen  Familien  verewigen,  sind  ungerecht  und  sollten  aus  jedem 
gerechten  Staate  verbannt  sein.  Denn  die  Ungleichheit  der  Güter  ist  die  Quelle 
der  Verbrechen  und  des  Elends,  welche  das  gesellige  Leben  geissein.  Si(>  hat 
nicht  nur  die  französische,  sondern  alle  Revolutionen  von  jeher  ins  Dasein  ge- 
rufen. Ein  vollkonmiener  Staat  ist  ein  Ideal.  Die  Wirklichkeit  muss  aber 
diesem  Ideal  möglichst  nahe  gebracht  werden,  und  da  eine  gleiche  Verteilung 
der  Güter  wahrscheinlich  von  einer  gefährlichen  Revolution  begleitet  sein 
würde,   so  könnte   uns  eine  weisere  Bestimmung  der  Erbfolge,    ein  gerechteres 


'■)  Briefe  vuiii  Kliciu,  H.  öll. 

**)  Dfts  Morkwürdigste  aus  lUGiiiem  Leben  I,  S.  323. 


150 

Steuersystem  und  zweckmässige  Anordnungen  bezüglich  der  Mitgift  bei  Heiraten 
der  Gleichheit  der  Güter  ohne  Gefahr  nähern.  Die  Hauptsache  aber  ist  — 
und  hier  knüpft  er  an  seine  vorige  Schrift  an  —  dass  die  äussere  Gesetzgebung 
durch  die  innere,  die  moralische,  ersetzt  werde.  Der  Mensch  soll  aus  Über- 
zeug-unfr  und  aus  Freiheit  thun.  was  er  thut.  Das  Streben  des  Staates  muss 
demnach  darauf  gerichtet  sein,  die  positive  Gesetzgebung  durch  die  ethische 
abzulösen,  die  Strafgesetze  unnötig  zu  machen  und  ihren  Zwang  durch  einen 
rechtmässigen  Willen  zu  ersetzen,  der  des  Zwanges  nicht  bedarf.  Dies  ist  nur 
erreichbar  durch  eine  entsprechende  Erziehung.  Daneben  muss  eine  weisere 
bürgerliche  Gesetzgebung  Platz  greifen.  Yor  allem  müssen  öffentliche  Sitten- 
gerichte eingeführt  werden.  Die  Bestimmung  derselben  soll  sein.  Handlungen, 
über  welche  das  positive  Gesetz  nicht  abzusprechen  hat,  der  öffentlichen 
Meinung  zu  denunzieren.  Undankbare  Söhne,  schlechte  Väter  und  Gatten, 
Ycrläumder,  Verschwender,  Betrüger,  Undankbare,  Verräter,  Treulose,  Lügner, 
Verführer,  Trunkenbolde,  Ehebrecher  und  Feige,  kurz  Menschen,  welche  die 
Würde  der  menschlichen  Natur  schänden,  sollen  durch  Urteile  der  Sitten- 
gerichte der  öffentlichen  Verachtung  und  dem  allgemeinen  Hasse  hingegeben 
werden.  Handlungen  einer  edelmütigen  Aufopferung,  der  Dankbarkeit,  Treue, 
einer  edlen  Einfalt  und  eines  ausgezeichneten  Mutes  soll  dies  Gericht  verbunden 
sein,  der  öffentlichen  Achtung  zu  empfehlen.  Ihre  Organisation  denkt  er  sich 
ähnlich  der  der  peinlichen  Gerichte.  Km-  Männer,  bekannt  durch  reine  Sitten 
und  ein  tadelloses  Leben,  dürften  als  Mitglieder  dieses  Tribunals  aufgenommen 
werden.  Seine  Sitzungen  sollen  öffentlich  sein,  ebenso  sollen  die  Protokolle  zu 
bestimmten  Zeitpunkten  dem  Drucke  übergeben  werden,  und  obgleich  ein  jeder 
Bürger  von  tadellosem  Hufe  vor  ihm  als  Ankläger  auftreten  kann,  so  soll  es 
doch  seinen  öffentlichen  Ankläger  haben,  welcher,  vermöge  seines  Amtes  den 
hohen  Beruf  hat,  die  oben  bezeichneten  Vergehungen  zu  verfolgen.  Mit  offen- 
barem Wohlgefallen  ergeht  sich  AVeitzcl  in  diesen  letzten  Ausführungen,  bei 
denen  ihm  wohl  zunächst  antike  Einrichtungen  vorgeschwebt  haben.'*)  Auch 
nach  dem  Eingehen  der  Egeria  setzte  er  diese  Untersuchungen  weiter  fort. 
Aus  den  Protokollen'^)  der  Departenientalgesellschaft  der  Wissenschaft  und 
Künste  ersehen  wir,  dass  er  in  der  Sitzung  vom  Ib.  Ventose  des  Jahres  11 
der  Kepublik  über  die  Folgen  der  Ungleichheit  der  Güter  und  die  Mittel,  den- 
selben zu  begegnen,  las.  Er  schlägt  vor:  Man  lege  in  allen  Teilen  eines 
Reiches  einen  Fonds  an,  aus  dem  jeder  junge  Bürger  ohne  Vermögen,  der  sich 
cntschliesst,  Familienvater  zu  werden,  ein  Kapital  erhält,  welches  nach  einer 
angestellten  Berechnung  hinreicht,  um  am  Orte  seiner  Niederlassung  ein  Ge- 
schäft anzufangen ;  man  bestimme  gesetzlich  das  Maxinmm  des  Landeigentums, 
welches  ein  Bürger  besitzen  kann;  man  verwandle  allmählich  alle  National-  und 
Gemeindegüter  in  Privateigentum;  man  wende  alle  Mittel  an,  den  Ackerbau 
zu  ernmntern,    durch  Erleichterung    des  Absatzes    der  Produkte,    durch  Urbar- 

'*)  Äliiilich,  wenn  aucli  historisch  vollständig  unrichtig,  fasst  Weitzel  die  Stellung  der 
jüdischen  Propheten  als  staatlich  eingesetzter  Vertreter  der  öffentlichen  Meinung  auf.  Vergl. 
seine  Geschichte  der  Staatswissenschaft  iJd.  I,  S.  32. 

'■^)  Siehe  Mainzer  Zeitung  Xo.  88  dieses  Jahres. 


löl 

iiiuchung  öder  Liiiulcvcicn  vini  Staiitswegen,  durcli  Bowirkuug  einer  leichten, 
wohlfeilen  und  sc^lnudlen  Konuminikution  zwischen  Verkäufern  und  Abnehmern; 
man  gleiche  das  Gehalt  der  unteren  Staatsbeamten  möglichst  mit  dem  der  oberen 
aus;  schliesslich  lasse  sich  jeder  durch  seine  Stelle  ausgezeichnete  Mcinsch  an- 
gelegen sein,  das  Beispicd  von  Frugalität  und  Einfachheit  zu  geben.  Mit 
diesen  Ideen,  Erzeugnissen  einer  allzu  phantastischen  Spekulation,  juochte  er 
wohl  kaum  viel  Jieifall  finden.  Das  grosse  Publikum  las  diese  in  die  Form 
wisscnsdiaftlicher  Abhandlungen  gekleideten  Expektorationen  überhaupt  nicht. 
Um  nun  seinen  politischen  Gedanken  Eingang  bei  diesem  zu  verschaffen, 
zog  es  Weitzel  demnächst  vor,  sie  in  einen  Komau  zu  v(!rarbeiten.  Schon  in 
der  Egeria  wirft  er  die  Frage  auf,  warum  man,  während  so  viele  Rojnane  über 
das  häusliclie  und  eheliche  Glück  der  Menschen  geschrieben  würden,  keine 
über  das  der  V()lker  schreibe.  Er  veröffentlichte  hier  aucli  bereits  Teile  aus 
dem  politischen  Roman,  der  unter  dem  Titel  „Lindau  oder  der  unsichtbare  liund. 
Eine  Geschichte  aus  dem  Kevolutions-Kriege"  1805  selbständig  in  Frankfurt 
a.  M.  erschien.  Die  Zeit  der  Freiheit  und  Gleichheit  war  dahin;  aus  der 
Republik  war  Napoleon  zunächst  als  erster,  dann  als  lebenslänglicher  Konsul 
und  1804  als  erblicher  Kaiser  hervorgegangen.  Seine  Stellungnahme  zu  diesen 
Ereignissen  hat  Weitzel  in  diesem  Roman  gekennzeichnet.  Lindau,  ein  junger 
Deutscher,  hat  wie  der  in  der  ersten  Person  sich  einführende  Verfasser,  mit 
dem  jener  von  Jugend  auf  durch  innige  Freundschaft  verbunden  ist,  voll  Enthusias- 
mus für  die  Revolution  seine  Heimat  verlassen,  um  unter  der  Republik  seine 
Ideale  verwirklichen  zu  helfen.  Seine  jugendlichen  {[offnungen  und  Wünsche 
haben  sich  aber  nicht  erfüllt,  vielmehr  haben  ihn  die  Jahre,  in  denen  er  von 
Weitzel  getrennt  im  Dienste  der  Republik  thätig  war,  bittere  Enttäusclmngen 
gebracht.  Die  Mitteilung  der  letzteren  und  die  Aussprache  der  Freunden  über 
ihre  gegenseitigen  Erfahrungen  bilden  den  Inhalt  des  ersten  Teiles  des  Romanes. 
Die  jetzt  wieder  vereinigten  Freunde  machen  die  Rckanntschaft  Wilsons,  mit 
dem  sie  ihre  Ansichten  über  Staat  und  Politik  austauschen.  In  ihm  zeichnet 
Weitzel  Napoleon,  den  er  in  Mainz  auch  persönlich  kennen  zu  lernen  Gelegen- 
heit liatte."^)  Wilson  weist  mit  überlegener  Einsicht  auf  das  Überschwengliche 
ihrer  Ploffnungen  und  Erwartungen  von  einer  republikanischen  Staatsverfassung 
hin.  Er  belehrt  sie,  dass  diejenigen,  welche  die  Lage  des  menschlichen  Ge- 
schlechtes durch  Staatsverfassungen  bessern  wollen,  das  Geschäft  der  Danaiden 
besorgen,  denn  einer  jeden  Verfassung  werden  die  Gebrechen  der  ]\[enscheu 
anhaften.     Es  giebt  nur  ein  Mittel  allen  diesen  Übelständen  zu  begegnen:    Es 


"')  Die  C'haraktoristik,  die  Weitzel  hier  (S.  90  f.)  von  Xapoleoii  giebt,  ist  nielit  ohne 
Interesse  schon  hinsichtlich  der  Beurteilung  von  Wcitzels  Stellung  zu  letzterem,  auf  die  wir 
\veiter  unten  einzugehen  Veranlagsung  haben.  Deshalb  seien  die  "Worte  hier  mitgeteilt:  .,Es 
war  ein  Mann  im  Sommer  seiner  Jahre,  nicht  gross,  aber  von  starkem  Körperbauc.  Auf  seiner 
hohen  Stirne  thronte  Kraft  und  Muth.  Aus  seinem  tiefliegenden  glühenden  Auge  sprach  eine 
wilde  Keckheit.  Seine  Jlaltung  war  mehr  stolz  als  edel.  Sein  ganzes  AVosen,  Ausdruck  und 
Geberde  verrieten  eine  absj)rechende,  verachtende  Kälte.  Der  erste  Eindruck,  den  dieser 
Mensch  auf  mich  machte,  war  unvertdgbar,  und  ungern  begegnete  ich  seinem  düstern  Blicke, 
tlor  tief  in  das  Mark  dessen  zu  dringen  schien,  den  er  ins  Auge  fosste.  Das  Französische 
sprach  er  fertig,  tibor  mit  ciniMii   fremden,  rauhrii   Akzent." 


152 

ist  ein  Bund  der  weisesten  uiul  muriirston  Mensehen  jeder  Generation,  welcher 
den  grossen  Zweck  erfüllt,  die  Menschen  über  ihre  Pflichten  und  Rechte  auf- 
zuklären und  durch  seine  unsichtbare  Gewalt  die  Entschlüsse  und  Handlungen 
der  Reg:ierunu:en  leitet.     Auf  diese  Weise  wird  der  Beste   und  Würdigste  den 


-r*^*""o 


Staat  lenken.  "Wilson  führt  beide  Freunde  in  diesen  Bund,  dem  er  selbst 
angehört,  ein  und  nuuht  sie  mit  der  Organisation  desselben  bekannt.  Der 
Bund  führt  durch  seine  Mitglieder  genau  Buch  über  alle  politischen,  wirtschaft- 
lichen und  sittlichen  Verhältnisse  jedes  Landes,  seines  Volkes  und  seiner 
Regierung.  Unter  den  erläuternden  Denkschriften,  die  der  Bund  verwahrt, 
betindet  sieh  auch  eine  über  die  beste  Staatsverfassung  für  Frankreich,  Sie 
führt  aus.  dass  der  Bürger  die  Fähigkeit  und  ]^eigung,  sich  mit  den  Angelegen- 
heiten des  Staates  zu  beschäftigen,  in  demselben  Masse  verliere,  als  sich  die 
letzteren  von  seinem  persönlichen  Interesse  entfernen,  und  aus  diesem  Grunde 
der  ausgebreitete  Umfang  eines  Staates  keine  demokratische  Verfassung  vertrage. 
Die  grossen  Verhältnisse  eines  Staates,  wie  es  der  fränkische  ist,  übersieht  nur 
der  grosse  Geist  eines  ausserordentlichen  Menschen.  Da  dieser  aber  nicht  zu- 
gleich in  die  enge  Sphäre  des  Bürgers  dringen  kann,  so  muss  die  konzentrierte 
Gewalt  der  Regierung  mit  einem  föderalistischen  System  der  Lokaladministration 
verbunden  werden. 

Die  Idee  des  heiligen  Bundes  lag  damals,  in  der  Zeit  der  Geheimbunde,  in 
der  Luft.  Ebenso  phantastisch  wie  diese  Idee  durchgeführt  ist,  ebenso  über- 
schwenglich ist  die  in  den  politischen  Kern  des  Romans  verwobene  Liebes- 
geschichte, welche  das  Ganze  nur  sehr  locker  zusammenhält.  Auch  der  Stil  ist 
stellenweise  schwülstig.  Aber  bei  aller  Überspanntheit  zeigt  der  Roman  doch, 
dass  "Weitzels  politische  Anschauungen  in  mancher  Hinsicht  gereiftere  geworden 
sind.  Was  zur  Verteidigung  des  bureaukratischen  Verwaltungssystems  Napoleons 
ausgeführt  wird,  beruht  weit  mehr  auf  wirklicher  Beurteilung  der  realen  Ver- 
hältnisse als  die  frühere  phrasenhafte  Verherrlichung  der  französischen  Revolution 
und  die  allzu  phantasievollen  theoretischen  Untersuchungen  über  ihre  Ursachen, 
die  den  Gegenstand  seiner  früheren  Schriften  bilden.  Wie  wenig  im  übrigen 
seine  Hoffnungen  und  Wünsche  bezüglich  Napoleons  mit  der  Wirklichkeit  zu 
thun  hatten,  darüber  war  Weitzel  nach  der  Vorrede  des  Buches  zur  Zeit,  wo 
er  diesen  Roman  selbständig  erscheinen  liess,  nicht  mehr  im  Unklaren.  Wir 
haben  aber  guten  Grund  zu  glauben,  dass  er  damals,  als  er  ihn  niederschrieb 
—  Teile  desselben  waren,  abgesehen  von  der  Egeria,  bereits  1802  und  1803 
unter  dem  Titel  „Politische  Fragmente"  in  der  Mainzer  Zeitung  veröffentlicht  — 
wirklich  diese  schwärmerischen  Hoffnungen  auf  Napoleon  gesetzt  hatte. 

Weitzel  hatte  bald  nach  dem  Eingehen  der  Egeria  die  Redaktion  der  Mainzer 
Zeitung  erhalten.  Ein  solch(!s  öffentliches  Organ  herauszugeben  und  durch  das- 
selbe der  Herold  der  öffentlichen  Meinung  zu  sein  hatte  für  ihn  grossen  Reiz,  wie 
(;r  andrerseits  bei  seiner  leichten  und  gefälligen  Art  der  Darstellung,  seinen 
vielseitigen,  wenn  auch  nirgends  in  die  Tiefe  gehenden  Kenntnissen  und  seiner 
grossen  Belesenheit  vftrzüglich  dazu  geeignet  war.  Die  Zeitung  erlangte  deshalb 
auch  im  Gegensatz  zu  dem  aus  Mangel  an  Beteiligung  eingegangeneu  „Be- 
obachter vom  Donnersberg'"    im  ganzen  Departement  schnell  Ansehen  und  Be- 


153 

liobthoit.      Woit/X'l,     (l<iii    der    rräfckt    dos    I)(!partcments    Jeanbon-St.   Andre 
porsönlich  wohl  wollte,   hatte  zunächst  unter  der  Zensur  nicht  gross  zu  leidem. 
Ein  IMick  in  seine  Zeitung  belehrt  uns  auch,   dass  seine  mehr  aus  der  Theorie 
als  aus  der  Praxis  geschöpften  politischen  Erörterungen  selbst    einer    rigorosen 
Zensur  nicht  bedenklich  zu  erscheinen  brauchten.     Man  könnte  freilich,    wenn 
Treitschke,   wo  er  von  der  Auflösung  des  deutschen  Reiches  spricht,    in  seinem- 
Deutschen  Geschichte")  sagt:    „Im  Lager  des  Bonapartismus  lärmte  die  freche 
Schadenfreude.    Die  Mainzer  Zeitung  schrieb:  „„Es  ist  kein  Deutschland  mehr. 
Was  man    für  Anstrengungen    einer  gegen    ihre  Auflösung  kämpfenden  Naticm 
zu  lialten  versucht  werden  könnte,   sind  nur  Klagen  weniger  Menschen  au  dem 
Grabe  eines  Volkes,   das  sie  überlebt  haben.     Deutschland  ist  nicht  heute  erst 
untcro-eo-angen.      Was    der  Geschichte    der  Völker  Inhalt   und  Leben  giebt,   ist 
der    Geist    einiger  grösseren  hervorragenden  Menschen""  —  worauf    dann    die 
übliche  Kniebeugung  vor  dem  Helden  des  Jahrhunderts  folgte  — "   man  könnte, 
wenn  man  diese  Worte  liest,   zu  dem  Glauben  kommen,   dass  Weitzel  in  seiner 
Zeitung  für  Napoleons  Eroberungspläne  Propaganda  gemacht  und  sich  in  serviler 
Liebedienerei  gegen  den  Imperator  gefallen  habe.    Beides  lag  Weitzel  gänzlich 
fern.    Weitzel  ist  zwar  kein  starker,  willenskräftiger  Geist,    aber  überall  tritt  er 
uns  als  ein  von  idealen  Gedanken  erfüllter,  über  niedrige  Eigtmschaften  durchaus 
erhabener  Charakter  entgegen.     Bei  der  Schwere  des  Vorwurfs  sei  es  gestattet, 
jene    Stelle    der    Mainzer    Zeitung    nach    ihrem    vollen    Wortlaut    mitzuteilen: 
„Es  ist  kein  Deutschland  mehr.    Was  man  für  Anstrengungen  einer  gegen  ihre 
Auflösung    kämpfenden  Nation    zu    halten    versucht    werden    könnte,    sind    nur 
Klao-en  weniger  Menschen  an  dem  Grabe  eines  Volkes,   das  sie  überlebt  haben. 
Sie  glaubten  an  eine  Nation,   weil  eine  gemeinschaftliche  Sprache  und  gemein- 
schaftliche Sitte    ihnen    ein  Volk  zusammen    zu  halten    schienen.     Deutschland 
ist  nicht  heute  erst  untergegangen.    Es  selbst  hat  seine  Auflösung  beschleunigt 
und  seinem  Dasein  ein  Ende  gemacht.    Es  selbst  konnte  sich  nur  retten.    Aber 
was  der  Geschichte  der  Völker    und  den  Völkern  Inhalt    und  Leben  giebt,    ist 
der  Geist  einiger  grösseren,    hervorragenden  Menschen,    die  durch    sie  wirken. 
Deutschland    hatte  einen    solchen  Menschen  nicht    und  konnte    ihn    nicht  wohl 
haben,   weil  der  Zufall  ihm  denselben  hätte  schenken  müssen.     Jedes  Volk  und 
jedes  Zeitalter  findet  die  kräftigen  Seelen,    deren  es  bedarf,    aber  selten    giebt 
ihnen    die  Laune    des    Schicksals    im    Augenblick    der    Not    den    umfassenden 
Wirkungskreis  von  einem  Throne  herab.    Was  die  breite  Bahn  des  Herkommens 
verfola-t,  wo  das  Herkommen  keine  Norm  und  kein  Gesetz  mehr  ist,   findet  das 
Ziel,  vor  welchem  der  Geist  der  Zeit  es  vergebens  warnt,    und  er  hat  es  ver- 
gebens gewarnt."     Weitzel    ist  ganz    unverkennbar    selbst  der  Schreiber  dieser 
Zeilen.     Aber  ich  meine,    es  klingt  aus  ihnen  nicht  freche  Schadenfreude  und 
niedrige  Schmeichelei,  sondern  diese  Worte  sind  vielmehr  der  Ausdruck  kühler 
Reflexion  eines  Politikers,   der  in  dem  Regiment  des  aus  dem  Volke  kraft  eigner 
Tüchtigkeit  hervorgegangenen  Usurpators,    ebenso  einen  Beweis    für  die  durcli 
die  Revolution  angebahnte    gesunde  politische  Entwickeluug  Frankreichs  sieht. 


")  Bd.  I,  S.  235. 


154 

wie  er  überzeugt  ist.  dass  der  Zusammenbruch  "Deutschlands  mit  Notwendigkeit 
habe  erfolgen  müssen,  weil  es  dem  durch  die  Revolution  angebahnten  Zoitgciste 
nicht  gefolgt  sei.'*)  Gewiss  ist  es  zu  bekhigen,  dass  das  deutsche  National- 
irefühl  und  Selbstbewusstsein  so  ersterben  konnte,  aber  warf  nielit  auch  Fichte"*), 
der  zwei  Jahre  darauf  seine,  die  nationale  Begeisterung  weckenden  Reden  an 
die  deutsche  Nation  hielt,  damals  noch  die  Frage  auf:  „Welches  ist  denn  das 
Vaterland  des  wahrhaft  ausgebildeten  christlichen  Europäers?"  und  antwortete 
darauf:  ,Jni  allgemeinen  ist  es  Europa,  insbesondere  ist  es  in  jedem  Zeitalter 
derjenige  Staat  iu  Europa,  der  auf  der  Höhe  der  Kultur  steht.  Jener  Staat, 
der  gefährlich  fehlgreift,  wird  mit  der  Zeit  freilich  untergehen,  demnach  auf- 
hören auf  der  Höhe  der  Kultur  zu  stehen.  Aber  eben  darum,  weil  er  unter- 
geht und  untergehiMi  nuiss,  kommen  andere  und  unter  diesen  Einer  vorzüglich 
herauf,  "*  Andrerseits  ist  auch  der  Beweis  zu  erbringen,  dass  Weitzcl,  mochte 
er  auch  in  seiner  kosmopolitischen  Befangenheit  und  in  seiner  Begeisterung  für 
die  ihm  vorschwebenden  Ziele  der  französischen  Revolution  das  Heil  der  Welt 
damals  von  Frankreich  erwarten,  doch  nicht  vergass,  dass  er  Deutscher  war. 
Durch  den  Präfekten  wurde  die  französische  Regierung  auf  ihn  aufmerksam. 
Dem  General  Savary.  dem  Chef  der  Napoleonischen  Geheimpolizei,  schien  er 
die  geeignete  Persönlichkeit,  kurz  bevor  Napoleon,  der  sich  damals  in  ]\Iainz 
aufhielt,  den  Feldzug  von  1806  eröffnete,  in  geheimer  Mission  nach  Deutsch- 
land zu  gehen.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel,  dass  man  Weitzel  zur  Beobachtung 
und  Erforschung  der  Stimmung  in  Deutschland  benutzen  wollte,  wozu  man 
vorzüglich  Männer  heranzog,  die  mit  den  litterarischen  Kreisen  Deutschlands 
Fühlung  hatten. ^*')  Weitzel  sollte,  wie  nach  seinem  Roman  „August  und 
Wilhelmine"  zu  vermuten  ist''),  dem  französischen  Hauptquartier  zu  diesem 
Zweck  attachiert  werden.  Trotz  der  glänzendsten  Aussichten  und  der  dringendsten 
Vorstellungen  Hess  sich  Weitzel  hierzu  aber  nicht  bestimmen.  Er  erklärte 
vielmehr,  dass  er,  Deutscher  von  Geburt,  dem  Lande  mit  allen  seinen  Er- 
innerungen der  Kindheit  und  der  Jugend  angehöre.  Auch  erkennt  man  aus 
seinem  Roman,  „Eugen  oder  die  Feindschaft  aus  Liebe",  Avelcher  1809  in  Mainz 
erschien,  dass  Weitzel  den  Wünschen  echter  deutscher  Patrioten  in  seinem 
Herzen  damals  nicht  mehr  fern  stand.  Er  beschreibt  ein  Maskenfest,  Unter 
den  auf  demselben  gebotenen  Überraschungen  ist  auch  ein  hundertköpfiges 
Ungeheuer,  das  sich  vergeblich  zu  erheben  bemüht,  da  die  hundert  Köpfe  in 
verschiedener  Richtung  auseinunderstreben.  Ein  Zauberer  berührt  es  mit  seinem 
Stabe,  und  die  hundert  Köpfe  verwandeln  sich  in  Glieder  eines  zehnarmigen 
Riesen.  Die  zehn  Arme  reichen  sich  brüderlich  die  Hände.  Der  Riese  steht 
stolz  und  mächtig  da.     Auf  dem  Gürtel,   von  dem  sein  Schwert  herabhängt,   liest 

'*)  Es  schweben  Weitzel  augensclieinlicli  die  Worte  aus  Rousscaus  GesoUschaftsvertrag 
^Bucli  3,  Knp.  6)  vor:  Le  peuple  se  troinpe  bien  raoins  sur  ce  (des  leitenden  Stfiatsmunnes) 
choix  que  ie  Prinee,  et  un  homme  d'un  vrai  nunite  est  presque  aussi  rare  <lans  le  ministere, 
qu'un  8ot  ä  la  tele  d'un  gouvernement  republicain. 

'*)  In  den  (irundzügen  des  gegenwärtigen  Zeitalters;  s.  Sämtliche  Werke  I5d.   7,  .S.  212. 

'"'")  Wie  z.  B.  in  Kassel  den  Gesandten  Reinhard,  den  Freund  (Joethes,  s.  Treitschke, 
Deutsche  Geschichte  Ud.   1,  8.  302. 

")  Bd.  2,  8.   102. 


1 55 

man:  Germanien.  Der  Held  des  Romans  begleitet  diese  Erscheinung  mit  dem 
Seufzer  „Gott  gebe  es!"  und  meint,  dass  sie  vielleicht  ein  hoffnungsvoller 
Blick  in  die  dunkle  Zukunft  sei. 

Der  Koman  behandelt  sonst  keineswegs  wie  Lindau  politische  Probleme. 
Von  zwei  Freunden  liebt  der  eine  die  Braut  des  anderen.  Seine  Liebe  findet 
auch  Erwiderung,  da  die  Verlobung  seiner  Zeit  nur  durch  die  Machenschaften 
einer  alten,  eitlen  und  geizigen  Tante  zu  Stande  gekommen  ist  und  nicht  auf 
wirklicher  Neigung  und  innerer  Seelenverwandtschaft  beruht.  Di(;  Lösung 
dieses  unwahren  Verhältnisses  und  die  Vereinigung  der  von  der  Natur  für 
einander  ]5estimmten  bildet  den  Korn  des  Romans.  Die  Charaktere  der  drei 
Hauptpersonen  sind  mit  sichtlichem  Fleiss  gezeichnet,  aber  alle  übertrieben, 
wie  denn  der  Verfasser  auch  hier  seiner  Gefühlsseligkeit  die  Zügel  schiessen 
lässt.  Bei  alledem  entliält  der  Roman,  in  d<!n  zugleich  in  ungezwungener 
Weise  eine  Rheinreise  eingeflochten  ist,  die  Weitzel  Gelegenheit  gibt,  die 
Schönheiten  seines  Heimatlandes  in  beredter  Weise  zu  schildern,  viele  treffende 
Bemerkungen.  In  der  Erörterung  der  eingestreuten  ästlietisch-litterarischen 
Fragen  zeigt  der  Verfasser  ein  richtigeres  und  gesunderes  Urteil,  als  wo  er  sich 
in  seinem  eigentlichen  Fahrwasser  bewegt.  In  ziemlich  ausführlicher  Weise 
spricht  sich  Weitzel  hier  auch  über  Erziehung  und  Unterricht  aus.  Die  Grund- 
sätze, die  er  entwickelt,  sind  folgende :  Alles  Wissen  ist  nur  Mittel  und  nicht 
Zweck.  Der  Unterricht  soll  doshalb  nicht  so  sehr  mit  Kenntnissen  bereichern, 
als  die  Kräfte  üben.  Die  tote  Vielwisserei  und  leere  Buchstabenweisheit  soll 
nicht  die  selbstthätige  Kraft  des  Denkens  erdrücken  und  den  Menschen  zur 
Maschine  machen.  Grossen  Wert  legt  er  darauf,  dass  das  Streben  des  Menschen, 
sich  ein  Ideal  zu  bilden,  geschont  und  geachtet  werde.  Denn  für  den  besseren 
Menschen  müsse  es  etwas  Grösseres  geben  als  das,  was  sich  seinem  Blicke 
bestimmt  und  mit  genauen  Grenzen  darstelle.  Die  grösste  Kunst  der  Erziehung 
bestehe  indessen  mehr  im  Unterlassen  als  im  Thun,  denn  im  Grunde  bilde  der 
Mensch,  auch  sogar  das  Kind,   sich  selbst. 

Die  napoleonische  Fürstenfabrik  und  namentlich  der  Krieg  mit  Spanien, 
in  dem  der  in  Rousseau'schen  Ideen  gross  gewordene  Politiker  seine  Sympathie 
für  die  Gegner  Napoleons  nicht  verleugnen  konnte,  hatten  ihm  den  Geschmack 
an  der  Politik  verdorben.  Es  erbitterte  ihn,  dem  eine  lautere  Gesinnung  und 
Wahrheitsliebe  eigen  waren,  dass  die  französische  Regierung  in  der  Presse 
sich  so  oft  der  niedrigen  Mittel  der  Falschheit  und  Lüge  bediente.  Nach 
mannigfachen  Konflikten  mit  der  Polizei  ward  ihm  endlich  im  Jahre  1811  die 
Redaktion  der  Mainzer  Zeitung  gänzlich  entzogen. 

Neben  der  Herausgabe  dieser  Zeitung  hatte  Weitzel  seit  1805  einen 
weiteren  Wirkungskreis  als  Professor  an  dem  1803  neu  gegründeten  Mainzer 
Lyceum  gefunden.  Man  hatte '  ihm  in  der  Faculte  des  Lettres,  die  man  in 
Mainz  zu  errichten  plante,  eine  hervorragende  Stellung  zugedacht,  allein  der 
Krieg  mit  Russland  verhinderte  die  Ausführung  des  Planes. 

Ohne  Zweifel  war  es  aber  weniger  seine  Lehrthätigkeit  als  seine  litterarische 
Wirksamkeit,  der  er  die  öffentliche  Anerkennung  zu  verdanken  hatte.  In  'Iciii 
damaligen  Mainz  und  seiner  Umgebung  herrschte  noch  unter  der  Nachwirkung 


156 

der  kurz    zuvor    aufgehubenen  Universität    ein    reger  Sinn    für  Litteratur    und 
Kunst.--)     Bodmann.    Lehne,    Müller,  Neeb,    Schunk.  Vogt  sind 
alles  Männer,    die    sieh    als  Forscher  einen    gewissen  Namen    gemacht    haben. 
Neben    ihnen  gab  es  noch    eine  ganze  Reihe    kleinerer  Geister.     Sie  alle    und 
ausserdem    auswärtige    benachbarte   Gelehrte  von    Ruf  wie  H  un  d  e  sh  a'g  en  , 
Gerning   und  andere  verstand  AVeitzel,    der  zwar  nicht  durch  Gelehrsamkeit 
und  Gründlichkeit,   wohl  aber  durch  schriftstellerische  Begabung  und  vielseitige 
Bildung   alle    überragte,    jetzt  heranzuziehen,    um  mit    ihrer   Unterstützung  die 
von  N.   Vogt    herausgegebenen    Europäischen  Staatsrelationen,    deren   eifriger 
Mitarbeiter  er  bisher  gewesen  war.   zu  einer  auf  weitere  Kreise  der  Gebildeten 
berechneten,    belletristischen  Monatsschrift  umzugestalten.     Das    von    ihm    und 
Vogt,  an  dessen  Stelle  später  N  e  e  b  tritt,  seit  1810  herausgegebene  „Rheinische 
Archiv^',    ist  eine  Zeitschrift,    die    bei  der  Mannigfaltigkeit    ihres  Inhalts,    der 
freien  vorurteilslosen  Stellung    ihrer  Mitarbeiter,    sowie  bei  der  sachlichen  Ge- 
diegenheit mancher  Aufsätze  den  Vergleich  mit    keinem  anderen  gleichzeitigen 
deutschen  Journal  gleicher  Art  zu  scheuen  braucht.     Es  ist  hier  nicht  der  Ort 
auf  den  reichen  Inhalt  der  in  den  Jahren  1810  bis  1814  erschienenen  fünfzehn 
Bände  dieser  Zeitschrift    im  allgemeinen  einzugehen.     Weitzel  war,   abgesehen 
von    seiner    redaktionellen  Thätigkeit,   auch    ihr  thätigster  Mitarbeiter.     Ausser 
den  regelmässig,   wie  in  den  Staatsrelationen,   von  ihm  erscheinenden  Aufsätzen 
über  die  Geschichte    der  Zeit    veröffentlichte    er    in    ihr  auch  Teile  von    sjjäter 
selbständig    erschienenen    und    weiter    ausgearbeiteten  AVerken,    so  von   seinem 
Roman  „August  und  Wilhelmine",   seiner  Selbstbiographie,  der  „Rhciureise"  und 
„Ernst  und  Scherz'-,    auf    die  wir  unteu  zurückkommen.     Auch  die    später  im 
zweiten    und    dritten  Band    seiner  Vermischten  Schriften    vereinigten  kleineren 
Aufsätze    sind  hier    zuerst    veröffentlicht.     Im  „Reiz    der  Neuheit"    geisselt  er 
mit  Ironie  und  Laune  die  politischen  Tagesschriftsteller,    die  mit    dem  Strome 
der  Zeit  schwimmend  sich  jeder    veränderten    politischen  Situation    anzupassen 
wissen.     „Der  Tod  des  Pythagoras"   und  „Panthea"  sind  schon  von  den  xVlten 
mit  reicher  Phantasie    ausgeschmückte  Stoffe.     Weitzel,   der  wie  Rousseau  die 
Vorbilder    von  Lebensweisheit    und  Sittenreinheit    in   der    antiken  AVeit    sucht, 
benutzt  sie,    um  das  Bild    eines  über  alle  Wechselfälle    des  Lebens    erhabenen 
Weisen    und  einer  hingebenden  liebevollen  Treue  zu  zeichnen.     So  recht  nach 
seinem  Geschmack    ist    die    an  Rolandseck,    den  Drachcnfels    und    das  Kloster 
Nonnenwerth    sich    anlehnende,     durch    ihre    Tragik    ausgezeichnete    Sage    von 
„Roland  und  Hildegard'\      In  den  „Briefen  aus  der  Stadt''    und  ihrem  Gegen- 
stück den  „Briefen  vom  Lande"  —  der  Titel    ist  off'enbar    nach  Analogie    von 
Rousseaus  Genfer  Bergbriefen  und  der  diese  angreifenden  „Briefe  vom  Lande" 
des  Generalprokurators  Tronchin    gewählt  —   charakterisiert  er  die    Schwächen 
und  Albernheiten  der  Alltagsmenschen.    Daneben  machte  Weitzel  das  Publikum 
durch    Übersetzungen  und  längere  Auszüge  aus  hervorragenden  Werken,   denen 
er  zugleich  eine  Kritik    und  ästhetische  Würdigung  zu  Teil    werden  lässt,    mit 
der    neu    erscheincmden  Litteratur  Frankreichs    bekannt.     Ein    genauer  Kenner 


')  \er^\.  ^Veitzels  llheinreise,  S.  87. 


157 

und  ontsdiunloner  Freund  der  Franzosen  und  ilirer  geistreich  gefälligen  Art  der 
Darstellung,  die  er  selbst  von  ihnen  gelernt  hatte,  zeigt  er  sich  doch  nicht  als 
einseitiger  Bewunderer  dersellicii.  Die  Imiih!  l'berhebung  und  geringscliätzige 
]3eurteilung  tonangeb«>nder  französischer  Journale,  wie  des  Mercure  de  France 
und  des  Journal  <!<■  TEnipire,  über  die  neueren  Erscheinungen  der  d(!utsehen 
Litteratur  weist  er  mit  scharftuii  Spotte  zurück.  Das  besonders  am  Mittelrhein 
sehr  verbreitete  Rheinische  Archiv  dienten  dazu,  Weitzels  Namen  in  litterarischen 
Kreisen  in  vorteilhafter  AVeise  bekannt  zu  machen.  Die  philosophische  Fakultät 
der  Universität  Marburg  ernannte  ihn  im  Jahre  1811,  „den  Wert  seiner  Be- 
strebungen in  Verbreitung  humaner  Gesinnungen  und  in  Beförderung  einer 
echten  Lebensweisheit  aiun-kennend'"',  zu  ihrem  Ehrendoktor  und  die  Pariser 
Universität  im  Jahre  darauf  zum  Bachclier  es  Lettres. 

Die  Kriegsjahre  1813  und  1814  entrissen  Weitzel  seiner  gewohnten  Thätig- 
keit  am  Mainzer  Lyceum.  In  der  unfreiwilligen  Müsse  schrieb  er  „unter  dem 
Geräusche  der  Waffen,  um  sich  von  dem  Boden  der  rohen  Wirklichkeit  in 
das  Gebiet  schöner  Ideahi  zu  retten",  seinen  Roman  „August  und  Wilhclmine 
oder  das  Missverständnis'"',  der  freilich  erst  1815  und  1816  bei  Schellenberg  in 
Wiesbaden,  welcher  seit  1813  auch  den  Verlag  des  Rheinischen  Archivs  über- 
nommen hatte,  in  zwei  Bänden  erschien.  Der  Hauptinhalt  des  Romans  ist  kurz 
folgender.  Ein  Bürgerlicher  verliebt  sich  in  eine  adlige  Dame.  Trotz  aller  Vorurteile 
der  Gesellschaft  finden  sich  die  Herzen  beider  zu  einander  und  halten  fest  zusammen, 
wenn  sich  auch  alles  vereinigt,  um  sie  zu  trennen.  Es  kommt  indessen  nicht 
zu  einer  glücklichen  dauernden  Vereinigung  der  Liebenden,  der  heimliche  Ver- 
lobte wird  vielmehr  verwundet  und  stirbt,  die  von  allen  Seiten  umworbene 
Braut  aber  lebt  fortan  luir  noch  ihrem  Schmerz.  Abgesehen  von  diesem  un- 
befriedigenden Schluss,  den  der  Verfasser  augenscheinlich  gewählt  hat,  um  die 
Macht  wahrer  Liebe  gegenüber  der  Engherzigkeit  und  Beschränktheit  der 
menschlichen  Gesellschaftsordnung  ins  hellste  Licht  zu  setzen,  zeigt  der  Roman 
manche  Mängel.  Die  auftretenden  Personen  haben  etwas  Schemenhaftes;  be- 
sonders die  beiden  Hauptpersonen  vereinigen  alle  Vorzüge  ihres  Geschlechtes  in 
einer  Weise,  dass  man  sich  nicht  mehr  Menschen  von  Fleisch  und  Blut  gegen- 
über fühlt.  Dazu  wird  der  Gang  der  Erzählung  allzu  oft  dadurch  unterbrochen, 
dass  die  handelnden  Personen  die  Anschauungen  des  Verfassers  über  das  Leben 
und  den  Menschen,  besonders  über  die  inenschliche  Willensfreiheit,  über  die 
Stellung  des  Weibes  zum  Manne,  über  Erziehung  und  Unterriclit  und  andere 
Fragen,  bei  deren  Erörterung  immer  die  neuesten  litterarisch  vertretenen  An- 
sichten berücksichtigt  werden,  in  allzu  deklamatorischer  Form  vortragen.  Bei 
alledem  bietet  der  Ronuiu  doch  sehr  viel  Gediegenes,  besonders  ist  die  am 
Endo  des  vorigen  Jahrhunderts  —  der  Roman  spielt  zur  Zeit  der  ersten  fran- 
zösischen Republik  —  im  süddeutschen  Adel  noch  herrschende  Vorliebe  für 
französische  Sitten  uud  französischen  Geschmack  gut  illustriert,  auch  die  Eigen- 
tümlichkeiten des  deutschen,  französischen  und  englischen  Volkscharakters  sind 
in  den  auftretenden  Personen  lebendig  und  treffend  zur  Darstellung  gebracht. 
Viele  Reminiscenzen  aus  Weitzels  eignem  Leben,  besonders  der  Göttinger 
Studentenjahre    uud    der  Zeit,    wo    er    als  Augenzeuge    die   Zustände    der  Ver- 


158 

waltung  unter  der  ersten  französischen  Republik  kennen  zu  lernen  Gelegenheit 
gehabt  hatte,  hat  Weitzel  geschickt  verwertet,  sodass  er  in  einzelnen  Kapiteln 
auch  den  heutigen  Leser  noch  durch  die  Anschaulichkeit  seiner  Erzählung  fesselt. 

3.  Die  Jahre  1814  und  1815. 

Den  grossen  Zeitereiffuisseu  folgte  Weitzel  mit  warmem  Interesse  und  ge- 
spannter  Aufmerksamkeit.  Die  elementare  Kraft  des  Volksgeistes,  die  der 
Allmacht  des  Imperators  in  Spanien  so  energischen  Widerstand  geleistet  hatte 
und  Weitzels  Verehrung  für  Napoleon  in  oben  dem  Masse  erschütterte,  als 
dieser  sie  niederzuwerfen  bestrebt  gewesen  war,  diese  Kraft  erkannte  und 
würdigte  Weitzcl  auch  in  der  deutschou  Bewegung.  Nachdem  in  der  Neujahrs- 
nacht 1814  die  Verbündeten  unter  Blücher  den  Rhein  überschritten  hatten, 
übertrug  im  Mai  dieses  Jahres  die  in  Mainz  eingesetzte  provisorische  Regierung 
Weitzel  wieder  die  R(>daktiou  der  Mainzer  Zeitung.  Er  musste  die  Druck- 
kosten selbst  tragen,  erhielt  dafür  aber  auch  den  ganzen  Ertrag  der  Zeitung. 
Zwei  kurz  hintereinander  erschienene  Aufsätze,  die  er  zunächst  in  dieser 
Zeitung  und  sodann  zusammenhängend  im  Rheinischen  Archiv  veröffentlichte, 
beschäftigen  sich  mit  den  im  Vordergrund  des  Interesses  stehenden  politischen 
Fragen. 

In  den  „Betrachtungen  über  einige  der  wichtigsten  Begebenheiten 
unserer  Tage''  führt  Weitzel  aus,  wie  mit  der  französischen  Revolution  ein  neuer 
wichtiger  politischer  Faktor  in  der  öffentlichen  Meinung,  einer  ebenso  wert- 
vollen Verbündeten  wi(^  furchtbaren  Feindin  der  Regierungen,  sich  gebildet 
habe.  Die  ziemlich  gleiche  Kulturstufe,  auf  der  die  Gebildeten  beinahe  aller 
Völker  Europas  ständen,  verbünde  die  aufgeklärtesten  Menschen  aller  Nationen 
als  Bürger  eines  unendlichen  Freistaats.  Früher  in  den  ersten  Zeiten  der 
Revolution,  wo  Frankreich  für  seine  Freiheit  und  die  Menschenrechte  kämpfte, 
habe  es  seine  Freunde  bei  allen  Völkern  der  Erde  gehabt,  die  sich  für  seine 
gute  und  gerechte  Sache  erklärten.  Die  durch  die  Verletzung  der  heiligsten 
Menschem-echte  beleidigte  öffentliche  Meinung  aber  habe  in  den  unterdrückten 
Staaten  den  Nationalgeist  geweckt.  Die  Bewegung,  die  ganz  Deutschland  in 
einem  freudigen  Gefühl  durchwandert,  ist  ein  heiliges  Gefühl,  das  mehr  von 
dem  Volke  als  von  den  Regierungen  ausgeht.  Ein  unter  solchen  Vorbedeutungen 
angefangener  Kampf  muss  glücklich  enden.  „Aber",  fährt  er  fort,  „uns,  den 
Siegern,  sei  heilig,  was  es  dem  Feinde  nicht  gewesen,  Sprache,  Sitten,  Ge- 
bräuche, Freiheit  des  Gewissens  und  der  Meinung.  Weisen  wir  Frankreich  in 
die  Grenzen  zurück,  die  ihm  die  Natur  angewiesen  hat,  und  die  vor  allem 
durch  die  Sprache  der  Bewohner  bestimmt  werden."  Bezüglich  Napoleons 
bckemit  er,  „in  ihm  habe  ich  den  Mann  der  Vorsehung  verehrt.  Mein  Herz 
hing  an  ilim  mit  Achtung,  Liel)e  und  Bewunderung.  Er  hat  diese  Gefühle, 
wie  seinen  wahren  Ruhm,  seine  Grösse,  die  Wünsche  und  Hoffnungen  der 
Menschh(^it  v(U"uichtet.  Die  Geschichte  wird  Napoleon  würdigen,  wenn  er  nicht 
mehr  ist,  und  seine  Schmeichler  wie  seine  Feinde  verstummt  sind.  Eine  seltene 
Kraft    und  ein  fester  Wille  zeichneten    ihn  aus.     Zu    seinem  Kopfe  fehlte  nur 


159 

das  Her/,  und  mir  Ucclit  wüi-de  er  ein  grosser  Mann  luMsson,  wäre  er  ein 
grosser  Mensch  gewesen".  Dem  deutsclien  Volke  wünscht  er  (ilück  zu  der 
Befreiung  von  dem  drückenden,  ihm  von  Napoleon  aufgelegten  Joche,  mehr 
aber  nocli  /u  der  Befreiung  \on  der  nocli  schmählicheren  und  gefährlicheren 
Sklaverei,  in  der  es  fremden  Sitten  und  Gebräuchen,  sowie  einer  fremden 
Sprache  untertliänig  gewesen  sei.  „Ich  bin/'  heisst  es  am  Schlüsse,  „soweit 
davon  entfernt,  den  Franzosen  Böses  zu  wollen,  dass  ich  sie  vielmehr  als  ein 
ffeistreiches,  artio-es  und  braves  Volk  liebe.  Ich  wünsche  nur,  der  Deutsche 
möge  seinen  eignen  Wert  fühlen  und  aus  übertriebener  Gefälligkeit  gegen 
fremdes  Vordienst  das   seinigc;  ni(^ht  mehr  ganz  verkennen." 

In  dem  Aufsätze  „Deutschlands  Hoffnungen",  ebenfalls  1814  geschrieben, 
entwickelt  Weitzel  seine  Ansichten  über  die  Zukunft  Deutschlands.  Würde 
die  alte  deutsche  Reichsverfassung  mit  ihren  Mängeln  und  Missbräuchen  wieder 
hergestellt,  so  meint  er,  hätten  die  Nationen,  deren  Anstrengungen  und  Opfer 
der  herrliche  Sieg  vordankt  wird,  nur  für  eine  Ordnung  der  Dinge  gekämpft, 
durch  die  sie  geschwächt  und  herabgewürdigt  waren,  dann  wäre  der  erbärmliche 
Zweck    der   grossen  Mittel    nicht  wert.      Seine  Wünsche    an  die  Mitglieder  des 


o 


Wiener  Kongresses  fasst  er  dahin  zusammen:  man  gebe  der  deutschen  Nation 
bei  aller  Beachtung  der  Individualität  der  einzelnen  Staaten  einen  Zentralpunkt, 
von  dem  die  oberste  Leitung  ausgehe,  jedem  Staate  eine  konstitutionelle  Ver- 
fassung, sowie  dem  Gesamtstaat  eine  Nationalrepräsentation;  ferner  fordert  er 
gleichmässige  Verteilung  aller  Lasten  im  Verhältnisse  des  Vermögens  eines 
jeden  Staatsbürgers,  desgleichen  unter  Aufhebung  aller  Privilegien,  soweit  sie 
nicht  aus  einem  anerkannten  Bedürfnis  des  Staates  im  Einverständnis  mit  dem 
strengsten  Recht  hervorgehen,  gleiches  Recht  für  alle,  schliesslich  —  und  hierauf 
legt  er  das  meiste  Gewicht  —  eine  Nationalerziehung.  Eine  Nation  könne  der 
begeisternden  Vaterlandsliebe  nicht  ermangeln,  denn  nur  auf  der  Grundlage 
eines  Nationalcharakters  vermöge  ein  Volk,  wie  ein  stämmiger  Stamm  auf 
seinen  tiefen  Wurzeln  befestigt,  im  Sturm  und  Wetter  ruhen.  Deshalb  komme 
es  darauf  an,  den  deutscheu  Nationalgeist  zu  wecken  und  zu  erhalten  durch 
Belobung  alles  dessen,   was  uns  zu  Deutschen  macht. 

Diese  warm  geschriebenen  Aufsätze  sind  ein  ebenso  unmittelbarer  Erguss  von 
Weitzels  Fühlen  und  Denken  in  dieser  Zeit,  als  sie  seine  politische  Grundidee  von 
der  Volkssouvcränität  zum  Ausdruck  bringen.  Neben  dem  Kosmopolitismus,  mit  dem 
er  das  politische  Leben  bisher  ausschliesslich  betrachtet  hatte,  kommt  bei  ihm  jetzt 
die  nationale  Gesinnung  zum  Durchbruch.  Klingt  der  erste  Aufsatz  an  Fichtes  Reden 
an  die  deutsche  Nation  au,  so  sind  seine  Gedanken  über  die  deutsche  Verfassung 
mit  der  Forderung  einer  Zentralgewalt  offenbar  durch  die  1814  erschienene 
Schrift  „Esquisse  de  Constitution"  des  von  Weitzel  öfter  in  seinen  Schriften  er- 
wähnten und  geschätzten  französischen  Publizisten  Benjamin  Constant  beinflusst. 

Das  meiste  Aufsehen  erregte  Weitzels  ebenfalls  in  dieser  Zeit  verfasste, 
anonym  erschienene  „Denkschrift  von  Napoleon  Buonaparte",  von  der  in  kurzer 
Zeit  zwei  Auflagen  vergriffen  waren.  In  ihr  lässt  er  Napoleon  sich  in  Bericliten 
von  Bord  des  Northumberland  über  sich  und  die  damalige  Weltlage  aussprechen. 
Der  Imperator  rechtfertigt  sich  vor  der  Welt,   indem  er  die  Anklage  derer,   die 


160 

ilin  villi  Hass  und  Gemeinheit  jetzt  in  den  Staub  zögen,  ^väll^eud  sie  ihm 
vorher  geschmeichelt  hätten,  zurückweist  und  sich  auf  die  Nachwelt  beruft,  die 
erst  das  wahre  Verdienst  erkenne.  Wenn  man  jetzt  auf  dem  Wiener  Kuugress 
auf  das  Alte  zurückkomme,  das  schon  einmal  hätte  untergehen  müssen,  und 
ein  aus  Gräbern  beschworenes  Gespenst  für  den  rettenden  Geist  gehalten  werde, 
so  sehe  er  voraus,  dass  die  Natur  sich  zu  helfen  suchen  werde.  Das  Gewitter 
der  Revolution,  das  über  Frankreich  aufgestiegen  sei,  werde  sich  über  ganz 
Europa  lagern,  und  erst  wenn  die  Natur  sich  au  brennbarem  Stoffe  erschöpft 
habe,   werde  der  Donner  aufhören  und  ein  heiterer  Tag  erscheinen. 

Als  Ergänzung  zu  dieser  Denkschrift  erschien  ein  Jahr  später  „Napoleon 
Buonai)arte's  Ansicht  der  gegenwärtigen  Weltlage  aus  Berichten  von  Northumber- 
land".  Hier  lässt  Weitzel  den  gestürzten  Machthaber  den  Nachweis  führen, 
wie  der  beständige  Krieg  für-  ihn  unter  den  Verhältnissen,  die  er  vorgefunden 
liabe,  eine  Notwendigkeit  gewesen  sei.  Das  Verhältnis  der  Staaten  zu  einander 
gründe    sich  nicht  so  sehr  auf  das  Recht    als    auf    die  Macht.     Es    gebe    kein 


o 


Völkerrecht  als  das  Gewissen  der  Fürsten  oder  ihrer  Kabinette,  und  das  er- 
sehnte Ziel,  wo  Nationen  als  gleiche  Glieder  eines  Staatenbundes  unter  einem 
gemeinschaftlichen  Gesetz  und  Richter  leben  würden,  wie  die  Bürger  eines  und 
desselben  Staates,  wo  die  Entscheidung  des  Rechtes  die  streitenden  Interessen 
ausgleichen  werde,  liege  noch  in  weiter  Ferne.  Volk  stehe  gegen  Volk  be- 
waffnet, Staat  gegen  Staat  gerüstet.  Stärke  sei  darum  der  erste  Vorzug,  und 
PHicht  des  Herrschers  sei  es,  seinem  Volke  einen  kriegerischen  Geist  zu  geben, 
denn  Frieden  habe  nur.  wer  den  Krieg  zu  führen  wisse.  Spöttelnd  weist  er 
auf  die  Versuche  seiner  Feinde  auf  dem  Wiener  Kongresse,  die  Ordnung  her- 
zustellen, zumal  auf  die  deutsche  Bundesakte,  welche,  um  ein  Fass  zu  machen, 
die  Dauben  künstlich  ohne  Reif  zusammenfügen  wolle.  Der  Gärungsstoff,  der 
in  den  Völkern  und  gerade  in  denen  liege,  die  in  der  Kultur  am  weitesten 
vorgeschritten  seien,  sei  eine  Wirkung  der  Unverträglichkeit  des  Alten  mit 
d(.'m  Neuen.  Die  Verschmelzung  dieser  beiden  Elemente,  von  der  allein  Rettung 
zu  erwarten  sei,  sei  ein  wunderbar  grosses  Kunststück,  das,  wie  es  ihm  selbst 
nicht  gelungen,   seine  Überwinder  umsonst  zu  vollbringen  bemülit  wären. 

Man  merkt,  dass  es  nicht  Napoleon,  sondern  Weitzel  selbst  ist,  der  hier 
das  Wort  führt,  um  in  diesen  Aufsätzen  mit  der  Verteidigung  Napoleons  auch 
wohl  seine  eigne  politische  Vergangenheit  zu  rechtfertigen,  vor  allem  aber,  um 
seinem  Unmut  darüber  Luft  zu  machen,  dass  die  Neugestaltung  Deutschlands 
sich  in  ganz  anderer  Weise  vollzog,   als  er  es  gehofft  und  erwartet  hatte. 

Weitzel  wurde  von  der  provisorischen  Regierung  auch  zum  Mitglied  der 
Kniiijiiission  für  die  Aufsicht  der  Schulen  der  Stadt  Mainz  ernannt  und  erhielt 
Ende  August  1814  wieder  die  Stelle  eines  Lehrers  der  Geschichte  und  Geographie 
an  dem  neu  errichteten  .Mainzer  Gymnasium  mit  einem  jährlichen  G(!halt  von 
l.")00  Franken.  So  wirkte  er  wie  früher,  aber  in  wesentlich  kleineren  Ver- 
hältnissen, da  die  Stadt  Mainz  fortan  nicht  mehr  die  Hauptstadt  eines  grösseren 
Gebietes  bildete. 


C.l 


4.  Die  Rheinischen  Blätter. 


Inzwisclicn  war  im  l[orzof^tiiin  Nassau,  das  (liiicli  die  Zutcilun^j^  des  Rlioiii- 
^i>-auos  Weitzcls  llcimailaml  i^cwdiMlcii  war.  die  I'rossfrL'iliiMr  cin-'-cfülirr.  und  di(! 
Einrii'lituii^'  cincf  auf  kniisiiniiinncllfii  (h'uiulsäi/.cn  Ihm  iilicndcn  ^\u■f'assuur'•  vcr- 
küiidi<;'t  wdidcii.  W'cii/.cl  In  achte  dci'  Heimat  und  di-m  Jjandcsf'ürstcn.  di'm 
ILm'zog  Fi'icdi'icli  .Vug'ust,  sowie  seiner  lie^ieiam^'  l(d)luif't(?  Syinpatliieri  ontfi^c^-iMi. 
denen  er  in  der  Eiidcdtun^i;-  /u  dem  im  -hdi  ISI,')  im  Uheinisclieii  Aicdiiv  er- 
seliionenen  Aufsätze  über  den  Xatienaleluirakter  der  J)outscl]en  Ausdruck  f^'iljt. 
»Seilen  damals  scheint  er  intimere  J)e/ieliii!i<4('n  zu  Wiesbaden,  wo  seit  diesem 
.Fahre  auch  das  Ivheinisclie  Archiv  erschien,  ani^(!knüi)f't  zu  liahen.  Das  freinid- 
schaftlicho  Verhältnis,  welches,  wie  uns  1)  o  r  o  w  erzählt,  zwischeu  ihm  und  dem 
Kegierungspräsidenten  Ibell  bestand,  wurde  vielleicht  schon  in  jener  Zeit  be- 
gründet. 

Die  nassauische  Itegierung  harte,  nacluhuu  bctreits  1H(.K5  dvv  Anti(|iiar 
und  Advokat  Jean  (jiijorg  Pöckelsheim  zu  Offenbach  um  dit;  Konzession  zu 
einer  politischen  Zeitung  für  Nassau  nachgesucht  hatte"),  in  den  folgenden 
Jahren  mit  dem  Pfarrer  Handel  und  Buchhändler  Schellenberg  über  die  Heraus- 
gabc einer  allgemeinen  Landeszeitung  verhandelt.  Weim  man  bei  Begründung 
des  Verordnungs-  und  Intelligenzblattes  im  Jahre  1800  den  Plan  einstweilen 
wieder  fallen  gelassen  hatte,  so  war  dies  geschehen,  weil  es  an  einer  geeigneten 
Persönlichkeit  zur  Herausgabe  einer  solchen  Zeitung  fehlte.  Der  Mangel  eines 
einheimischen  Blattes  nmsste  sich  jetzt,  v:o  man  daran  ging,  die  Verfassung 
einzuführen,  mehr  als  früher  geltend  machen.  G(dang  es  einen  Publizisten  von 
der  Vergangenheit  und  dem  Ansehen  Weitzels  für  ein  solches  Unternehmen  zu 
gewinnen,  so  konnte  die  nassauische  Regierung  sich  nur  dazu  beglückwünsciien. 
Andrerseits  musste  bei  den  bekannten  liberalen  Tendenzen  der  Regierung  Weitzel 
die  Begründung  einer  Zeitung  in  (unem  Lande,  das  die  ilim  so  verhassten 
Zensurmassregeln  aufgtdioben  hatte,  verlockend  genug  erscheinen.  Die  Unter- 
drückung von  Görres'  Rheinischem  Merkur  zu  Anfang  des  Jahres  1816  durch  die 
preussische  Regierung  eröffnete  ausserdem  einer  neuen  Zeitung  bezüglich  ihrer 
Verbreitung  am  ^Mittelrludn  günstige  Aussichten. 

Unter  diesen  Umständen  entschloss  sich  Weitzel  seine  ihm  überdies  nicht 
mehr  in  der  früheren  Weise  zusagende  Stellung  in  ^lainz  aufzugeben'^)  und 
mit  dem  Charakter  eines  Revisionsrates  und  dem  Titel  Hofrat.  sowie  (Mnem 
Jahresgehalt  von  1200  dulden  in  nassauische  Dienste  zu  treten.  Er  siedelte 
nach  "Wiesbaden  über,  um  hier  mit  dem  2.  Juli  1810  eine  viermal  wöchentlieh 
erscheinende  Zeitung,  die  Rheinischen  Blätter,  herauszugeben.  Nassau,  das 
bisher  nur  khrine  unpolitische  Amtsblätter  erzeugt  hatte''^),  kam  dadurch  mir 
einem  Schlage  in  den  13ositz  einer  dank  iler  gcnvandten  Feder  ihres  Rcnlakteurs 
bald  EinHuss    und  Ausehen    gewinnenden    politiseheu  Zeitung.     Die  Jiegioruug 


-')  A''erji;l.  Sauer,  Diis  Herzogtum  Nassau,  S.   lü.s,  Anin.   1. 
")  yer{,d.   darübor  Hric'fc   vom   Rhein,  S.   180  f. 

^*)  Siehe  lueiuen   Aufsat/:   .,I)ie  Iiitelligonzlilätter  lier  nassaui^cheii  FürsteiitiiiinT."     Ann. 
IJ.l.  XXIX,  8.  9;5-114. 

11 


162 

leistete  dem  üljrigeus  auf  AVeitzels  eigene  Reoliiumg  und  Gefahr  begründeten 
Unternelinien  möglichst  Vcrsi-hub:  alle  IJehürden,  weklie  bisher  auf  Kosteu  des 
Staats  oder  der  Kirche  die  Frankfurter  Ober-Postamts-Zeitung  zu  halten  be- 
rechtigt gewesen  waren,  wurden  angewiesen  von  jetzt  ab  die  Rheinischen  Blätter 
zu  halten,  sowie  alle  Ediktalladungen  und  sonstigen  öffentlichen  Bekannt- 
machungen, welche  abgesehen  von  dem  Jlerzoglichen  Intelligenzblatt  bisher 
noch  in  die  Frankfurter  Ober-l*ostamts-Zeitung  eingerückt  worden  waren,  in 
der  inländischen  Zeitung  bekannt  zu  machen.  Dem  Herzoglichen  Stadtdirektt>r 
zu  Wiesbaden  wurde  aufgegeben,  jedenfalls  für  sich  selbst  aus  dem  ihm  dafür 
ausgesetzten  Betrag  diese  Zeitung  gleich  dejn  Verordnungs-  und  Intelligenzblatt 
anzuschaffen  und  für  seine  Amtsnachfolger  gleich  anderen  öffentlichen  Urkunden 
aufzubewahren,  zugleich  aber  auch  darauf  hinzuwirken,  dass  in  den  Städten 
von  den  Stadtschuhheissen  und  in  den  grösseren  Gemeinden  ven  dem  Ober- 
schultheissen  ein  Exemplar  der  ]{heinischcn  Blätter  für  Rechnung  der  Gemeindc- 
kasse  angeschafft  werde. 

Selbsts'crstäudlich  erfolgte  diese  wirksame  Unterstützung  des  Unternehmens 
nicht  umsonst.     Es    liegt  kein  Vertrag  vor,    der  zwischen    der  Regierung    und 
dem  Herausgeber  der  Rheinischen  Blätter  abgeschlossen  wäre,    und  es  ist  auch 
niclit  wahrscheinlich,    dass    ein  solcher    überhaupt    abgeschlossen  ist,    vielmehr 
verstand    es  sich    bei    der  Stellung  Weitzels    zur    nassauischen  Regierung    von 
selbst,   dass  das  Blatt  den  Intentionen  der  Regierung  in  der  öffentlichen  Meinung 
die  Wege  bahnte.     Überall,   sei  es,   dass  es  sich  um  die  Vertretung  des  Stand- 
punktes   der  Regierung  dem  eignen  Lande  gegenüber  handelt,    sei  es,    dass  es 
gilt  Augriffe  in  der  auswärtigen  Presse  zurückzuweisen,   sehen  wir  Wcitzel  als 
Anwalt  der  nassauischeu  Regierung  auf  dem  Plan.     Es  ist  gewiss  richtig,   wenn 
Sauer  meint,   AVeitzel  habe  sich  der  bedeutenderen  Persönlichkeit  Ibells  unter- 
geordnet,   und  ebenso  mag    der  geistige  Urheber  mancher    aus  Weitzels  Feder 
geflossenen  Aufsätze  der  nassauische  Regierungspräsident  sein.    Bei  alledem  steht 
es  aber  auch  ebenso  fest,   dass  Weitzel  keinen  Satz    gegen    seine  Überzeugung 
geschrieben    hat.      Das    freundschaftliche    Verhältnis    Ibells    und    Weitzels    zu 
einander  bürgt  uns  dafür,    dass  der  eine  nicht    die  blosse  Kreatur  des  anderen 
war.    Der  Einklang  i>olitischer  Ansichten  und  Interessen  verband  beide  Männer, 
und    wie    die    von    Ibell    geschaffene  Verwaltungsorganisation    des    Herzogtums 
Nassau  Beachtung  und  Anerkennung  gefunden  hat,   so  kann  Weitzel  die  allzeit 
schlagfertige  Gewandtheit  und  die  besonnene  Mässigung,  mit  der  er  der  Regierung 
den    vielfachen    Anfeindungen    und    Verdächtigungen    gegenüber    unter    Nicht- 
aclitung  persönlicher  Verketzerung   in  überzeuguugsvoller  Hingebung    zur  Seite 
stand,   nur  ziu-  Ehre  gereichen. 

Übrigens  hätte  der  Umfang  des  Herzogtums  Nassau  zu  einer  Zeit,  wo 
das  politische  Interesse  im  Volke  selbst  noch  wenig  regsam  war,  der  Zeitung 
kein  genügendes  Absatzgebiet  geboten.  Weitzel  fühlte  sich  auch  nicht  so  sehr 
als  Nassauer,  wie  als  Rheinländer.  AVie  schon  aus  dem  Namen  des  Blattes 
hervorgeht,  liatte  er  mit  demselben  in  erster  Linie  ein  öffentliches  Organ  für 
die  Rheinlande  zu  schaffen  beabsichtigt.  Und  in  der  That  fasste  das  Blatt 
besonders  am  Mittelrhein  bahl  Fuss  und  spiegelt  am  unmittelbarsten  die  politische 


Stimmung  in  don  Rheinlandon  zu  einer  Zeit,  wo  es  für  Proussen  galt,  dies  neu 
erworbene  Gebiet  mit  seiner  von  den  Ijcwolnicrn  der  ultpreussischen  Stimmdundc 
so  wesentlich  verschiedenen  Bevölkerung  sei  nein  übrigen  Stuatskürpcr  zu  einem 
organisehen  Ganzen  einzugliedern. 

Weitzel  war  seiner  ganzen  Natur  nach  w(!it  davon  entfernt  tler  preussischen 
]v,(;gierung  grundsätzlicli  ojjjjositioncdl  gegenüber  zu  treten,  alier  andrc^rseits  war 
er  jederzeit  bereut,  für  die  ^^'a]lI•ung  der  Kigenrüiiilicld<eit(!n  der  Rheinländer 
sowohl  selbst  eine  Lanze  zu  bicn-lien  als  auch  l)ei'(!chtigten  Wünschen  und 
^Vusstellungen  seiner  LandsUuite  die  SpaltiMi  seines  J*datt(^s  zui-  Verfügung  zu 
stellen.  Die  durch  die  Missstimnumg  in  (h^i-  neu  erworbeneji  i'ruvinz  emplind- 
lich  bfu'ührte  j)reussische  Regierung  hätte  (hnu  fi'eimütigen  Sprecher  gern  den 
Mund  geschlossen,  wie  sie  es  zuvor  mit  Görres  und  seinem  Hlatte  gethan 
hatte.  Der  Oberpräsident  Staatsminister  von  Ingersleben  zu  Kcjblenz  ver- 
langte weg(m  zweier  im  Januar  1817  in  Nr.  15  und  16  der  Jxheinischen 
Blätter  veröffentlichten  Artikel,  in  denen  die  Organisation  der  in  den  Uhein- 
provinzen  errichteten  Regierungen  einer  scharfen  Kritik  unterzogen  wurde, 
den  Namen  des  Verfassers  dieser  Artikel,  eventuell  die  Cbersenduns:  des 
Manuskripts,  um  duich  Vergleichung  der  Handschrift  den  Einsender  aus- 
zuinittciln.  Weitzel  wies  beid(\s  mit  Entscdiiedenheit  zurück  und  erklärte  seiner 
Regierung,  dass  er  keine  Namen  nennen  würde,  es  sei  denn,  dass  ihm  nach- 
gewiesen würde,  dass  jene  Artikel  erlogene  Angaben  entliieUen.  Der  darauf  er- 
folgenden Zumutung  des  Oberpräsidenten  im  Administratiouswege  gegen  den 
widerstrebenden  Redakteur  vorzugehen,  begegnete  der  Staatsminister  von 
Marschall  mit  der  Erklärung,  dass  die  Laiidesgesetze  ihm  im  vorlieg(?nden  Falle 
nicht  erlaubten,  weitere  Schritte  zu  thun.  Ein  in  der  Nummer  vom  21.  Juni  1817 
erschienener  Artikel,  der  die  damals  in  den  Rheinlanden  herrscliende  Teuerung 
zum  Gegenstande  hatte  und  gegen  die  preussische  Regierung  den  Vorwurf  erhob, 
nicht  mit  der  erforderlichen  Umsicht  und  Schnelligkeit  der  Not  gesteuert  zu 
haben,  veranlasste  dtm  preussischen  Staatskanzler  Fürsten  Hardenberg  selbst, 
den  Ministerresidenteu  von  Mettingh  in  Wiesbaden  zu  beauftragen  über  die 
Zügellosigkeit  des  Redakteurs  der  Rheinistdieu  Blätter  dringende  Beschwerde  zu 
führen.  In  dem  Mettingh  gewordenen  Auftrag  heisst  es:  Seine  Majestät  er- 
warten die  Ausmittlung  des  Einsenders  jenes  Aufsatzes,  und  dass  man  denselben 
zur  gebührenden  Strafe  ziehen  werde,  zughdch  ersuche  ich  Sie  darauf  anzutragen, 
dass  der  Redakteur  zum  AViderruf  und  zui'  Berichtigung  der  nach  dem  ab- 
schriftlich anliegenden  Berichte  des  Staatsministers  von  Ingersleben  falsclien 
Thatsachen  angelialten  und  für  die  Folge  einer  strengeren  Censur  unterworfen 
werde.  Weitzel,  dem  Marschall  die  Beschwerdeakte  zustellte,  lehnte  wiedeium 
die  Namensnennung  ab,  da  dvv  betreff'cmde  Artikel  mir  Thatsachen  enthalte. 
„Es  ist  schmerzlich"',  schliesst  er  seine  Rechtfertigung,  „bei  den  reinsten  Ab- 
sichten und  dem  aufrichtigsten  Bestreben  nützlich  zu  sein,  solche  Vorwürfe  zu 
liören,  die  tief  demütigen  müssten,  wenn  sie  verdient  wären.  Ich  werde  gern 
alles  anstössig(i  vermeiden,  die  Erzählung  von  Thatsachen  aber  liegt  in  meinem 
Beruf.''  Wenn  Marschall  auch  dem  BxM'liner  Kabinet  s(>in  Bedauern  über  den 
Vorfall  ausdrückte,    so    begnügte    er    sich    doch   von   Mettingh    die    nassauische 

11* 


1(34 

Verorclniino;  über  Prcssfreiheit  zu  üljorsondcn  mir  der  blossen  Versiclierung,  dass 
AVeitzel  aller  Veranlassung  zu  weiteren  Besclnverdcn  aus  dem  AVeg-e  gehen 
werde.  Als  Mettingli  seinen  Auftrag  jetzt  mit  mehr  Xaclulruck  wiederholte, 
beschwerte  sicli  Marschall  seinerseits  über  das  anmassende  Benehmen  des 
preussischen  ^linisterresidenten  und  hatte  die  Gimugthnung.  dass  der  jireussische 
Minister  des  Auswärtigen  Jordan  ilim  dureh  den  nassauischen  .Miuistcrrt'sidenteu 
Generalmajor  von  L'p]stocq  erkläri'u  li«'ss,  dass  von  Mettinglis  Zudriiiglichl^eir 
und  seine  Zunuitung.  den  Redakteur  der  Kheinischen  Blätter  zur  Nennung  seines 
Korrespondeiuen  zu  zwingen,   in  Berlin   (hu'chaus  missbilligt  werde. 

^^'ie  NN'eitzel  in  dieser  Weise,  durcli  kiüne  Rücksicliren  IxMi-rr.  der 
allgeujeineu  Stimnuiiig  in  den  Kheinlanden  Ausdruck  gab,  so  wuriU'  er  andrer- 
seits durcli  nachdrückliche  Vertretung"  seiner  politischen  Überzeugungen  wied(!rum 
auch  ein  Bundesgenosse  der  preussischen  Regierung.  Bekanntlich  wurde  dem 
8taatskanzl(>r  Ilardeuberg  gelegentlich  seiner  Rheinreise,  die  er  unternalnn,  um 
die  Stimmung  der  neuen  Provinzen  aus  eigner  Anschauung  kenneu  zu  lernen,  in 
Engers  auch  vnn  Abgesandten  des  rheinischen  Adels  die  Denksclirit't,  die  Ver- 
fassungsverhältnisse der  Lande  Jülicli,  Cleve,  Berg  und  Mark  betreffend,  überreicht, 
in  der  die  Berufung  der  alten  Landstände  verlaugt  und  gegen  die  „allverwirrende 
(rleichheit  der  französischen  Revolution"'  Protest  erhoben  wurde.  Noch  weiter  s-inff 
die  V(in  Görres  verfasste  Koblenzer  Adresse  an  den  Staatskanzler  in  ihren 
Forderungen  zu  Gunsten  des  Adels,  der  katholischen  Kirche  und  der  Wieder- 
herstellung des  Feudalsystems.  Mit  beiden  setzte  sich  Weitzel  alsbald  in  den 
Rheinischen  Blättern  auseinander,  um  gegenüber  dem  Jleaktionären  in  diesen 
Kundgebungen  die  soziale  Gleichheit  und  kirchliche  Parität  mit  aller  ihm  zu  Ge- 
bote stehenden  Beredsamkeit  als  zeit-  und  volksgemäss  zu  verteidigen.  Der  liberale 
preussische  Staatsminister  verkannte  den  Einfluss  nicht,  den  die  Rheinischen 
Blätter  sich  in  den  Rheinlanden  erworben  hatten  und  trachtete  alsbald  danach, 
diesen  Herold  der  öffentlichen  Meinung  dauernd  in  das  preussische  Lager  hinüber 
zu  ziehen.  Durch  seineu  Günstling  Dorow,  der  sich  seit  Mitte  August  .1817 
zur  Stärkung  seiner  (Gesundheit,  sowie  zum  Zweck  von  Ausgrabungen  in  Wies- 
Ijaden  aufhielt  und  hier  vielleicht  zunächst  nach  höherer  Weisung  Weitzel  nebst 
den  Präsidenten  Rjell  und  von  Dalwigk  persönlich  näher  getreten  war,  Hess  er 
mit  ersterem  Verhandlungen  anknüpfen,  um  ihn  mit  seinen  Rheinischen  Blättern 
zum  rberzug  nach  Bonn  zu  bewegen.  Gelegentlich  von  llardenborgs  Durch- 
reise durch  Wiesbaden  Ende  1818  wurden  dann  durch  den  GeJieimen  Ober- 
Regierungsrat  Koreff  di(!  Grundzüge  von  Weitzels  Übersiedlung  festgestellt. 
Rjoli  und  Weitzel  hatten,  wie  Dorow  meldet,  damals  beide  den  Wunsch,  in 
preussisclie  Dienste  zu  tret(!)i.  .,  Weitzel.  den  Deutschland  durch  seine  Schriften 
und  den  Anfang  seiiiei  Selbstbiographien  kennt",  heisst  es  bei  Dorow  '-"),  „er- 
schien besonders  als  v'in  gidsser  Gewinn,  denn  seine  Stimme  hatte  guten  Klang 
in  den   liheinprovinzeii." 

Damals  Hess  W^eitzel  dem  Staatskanzler  durch  Dorow  di(!  von  Ititzterem 
ihrem  Wortlaut  nach  mitgeteilte"  j  Denkschrift  „liheinprcusseji  im  Dezember  LSIS" 


'^«)  Erlebtes  I,  S.    ITo. 

-')  a.  n.  0.  n,  S.   l.Jl  — 16«. 


lO,") 

überreichen.  In  ilicscr  scliickt  Weitzel  der  Darlegung  der  Ur.saelicii.  wanini  lsl4 
in  den  Rheinlaiiden  der  AViiiisdi  allgemein  gewesen  sei,  der  preussisclien  Mdnarchie 
einverleibt  v.n  werden,  während  die  Stiinnning  jetzt  eine  durchaus  preussen- 
f'eindliidie  geworden,  als  einen  wesentlichen  Artikel  seintw  politischen  Glaubens- 
bekenntnisses eine  Ausfülu'uiig  über  den  Einfluss  des  Volkes  und  der  öffentlichen 
Meinung  im  Prozess(!  des  Staatslebens  voraus.  „Die  Stimmung  der  Zeit",  heisst 
es,  „ist  wesentlich  demokratisch,  in  den  aufgeklärten  LändiMU  ist  sie  es  be- 
sonders und  somit  auch  am  Klu'in.  Freiheit  und  Cleicliheit,  dieser  so  ver- 
schrieene Ruf.  an  den  sich  schmähliche  und  furchtbare  Erinnerungeji  knüpfen. 
ist  das  Jjosungswoi't  der  (Jegenwart:  Freiheit,  die  Befugnis,  nur  dem  Gcisetz 
zu  gehorchen,  (lieichheit.  die  allgemeine  Verpflichtung,  einem  und  demselben 
Gesetze  unterthan  zu  sein.  In  fünfzig  Jahren  ist  in  der  schönsten  Hälfte  von 
Europa  der  Sieg  dieses  Wahlspruches  ents(;hieden.  Diese  Freiheit  und  diese 
Gleichheit  werden  dann  ihre  Jlorrschaft  begründet  haben,  ob  auf  eine  blutige 
oder  unblutige  Weise,  das  hängt  von  uns  ab.^*)  Dieser  demokratische  Geist 
ist  wesentlich  monarchisch.  Ohne  erbliche  Monarchie  weder  Freiheit  noch 
Sicherheit,  darüber  sind  alle  Verständige  unter  uns  einig,  aber  auch  darüber, 
dass  diese  Freiheit  und  Sicherheit,  wie  die  Festigkeit  des  Thrones  selbst, 
iln-o  Bürgschaft  in  einer  Verfassung  finden."  Abgesehen  davon,  dass  die 
allgemeine  Erwartung  der  Einführung  der  letzteren  bis  jetzt  getäuscht  sei, 
habe  man  die  Rheinländer  noch  durch  mannigfache  ^lissgriffe  der  preussi- 
sclien Verwaltung  besonders  gekränkt.  Das  wirksamste  ^Mittel,  die  begangenen 
Versehen  wieder  gut  zu  machen,  sei  eine  sorgfältige  Auswahl  der  höchsten 
Provinzialbeamten.  Die  Beamten  müssteu  ebenso  sehr  das  Vertrauen  des 
Volkes  wie  das  des  Königs  haben.  „Die  letzte  Bedingung  ist  am  Rhein 
besonders  wichtig,  weil  es  hier  eine  öffentliche  Meinung  unter  aufgeklärten 
Menschen  gibt."  Das  Volk  verstelle  nicht  Jeden  und  werde  nicht  von  Jedem 
verstanden,  wenn  sie  auch  dieselbe  Sprache  sprächen.  Darum  sei  es  klug  und 
billig,  einem  Lande  Vorgesetzte  zu  geben,  die  seinen  Menschen,  ihren  Begriffen, 
Sitten  und  Gewohnheiten  nicht  fremd  seien.  Man  muss  Treitschke")  Recht 
geben,  dass  aus  dieser  Denkschrift  das  naive  Selbstgefühl  des  Rheinländers 
spricht,  der  damals  auf  die  Altpreussen  als  hinter  ihm  in  der  Kultur  zurück- 
geblieben herabsah,  im  übrigen  fordert  Weitzel  aber  nicht,  wie  Treitschkc 
sagt,  dass  Jeder  von  Seinesgleichen  gerichtet  werde,  sondern,  wie  aus  dem 
Zusammenhang  klar  hervorgeht,  dass  keine  mit  den  Verhältnissen  des  Landes 
und  der  Bewohner  unbekannte  Beamte  ernannt  würden,  eine  um  se  billigere 
und  gerechtfertigtere  Forderung,  als  die  preussische  Regierung  sich  in  der 
Wahl  ilirer  Beamten  für  die  Rheinlandc  thatsächlich  arger  Missgriffe  schuldi"; 
gemacht  hatte. 


*")  Mit  Reclit  kdiiiite  Knrl  Briiuii  im  Jaliro  1S48  in  der  von  iliiii  iierausgcgebenen 
„Nassauischen  Zeiung"  (No.  70)  auf  diese  AVorte  himveison,  um  den  Nassauern  zu  zeigen,  wie 
einer  ilirer  Landsleuto  mit  proplietischom  Blick  den  kiniftiijon  Gang  der  staatlichen  Entwickelung 
Deutschlands  vorausgesagt  habe. 

^^  Deutsche  Geschichte,  Teil  2,  3    AuH.,  S    270  f. 


106 

Unror  lU-in  'J(j.  Februar  lt>19  ging  Woitzol  ein  Schreiben  Hardenbergs 
zu,  in  welchem  ihm  unter  der  Voraussetzung,  dass  er  in  seiner  Zeitung  das 
Interesse  des  preussischen  Staats  zum  Ilaujitaugenniork  nelnnen  und  solche  im 
Geiste  der  Mässiguug,  besonuenen  IJilligkeit  und  leidenschaftslosen  Prüfung 
redigieren  und  überhaupt  das  seinen  lEänden  anvertraute  Organ  der  Öffentlich- 
keit mit  Umsicht  und  Klugheit  gebrauchen  werde,  damit  der  Geist  der  ncnuMi 
Provinzen  mit  dem  der  älteren  vertraut  gemacht  und  freundlich  verbunden,  und 
ein  wuhlthätiger  EinHuss  auf  die  Stimmung  dieser  Länder  ausgeübt  werde,  die 
Autiorderung  zuging,  softirt  seinen  Wolinsitz  in  den  preussischen  Hheinprovinzcn, 
wo  es  ihm  beliebe,  zu  nehmen.  Es  wurde  ihm  für  die  JUieinischen  Blätter, 
jedoch  nur  unter  seiner  liedaktion,  die  Befreiung  von  der  Zensur  zugesichert, 
ferner,  um  ihn  einigermassen  von  der  Abhängigkeit  frei  zu  machen,  in  welcher 
jeder  Redakteur  mehr  oder  weniger  von  der  Zahl  seiner  Abonnenten  sich  be- 
finde, ein  vom  1.  Januar  1819  ab  zahlbares  Jahrgehalt  von  1000  Thalern  mir 
der  Aussicht  einer  künftigen  Erhöhung  dieser  Summe,  ausserdem  öOO  Thaler 
Umzugsgelder  und  der  Titel  eines  Geheimen  Kofratos.^")  Weitzel  konnte  sich 
aber  nicht  sofort  entscheiden.  Er  betojir  iu  dem  Antwortschreiben  vom 
12.  März^').  dass  er  die  öffentliche  Meinung  für  sich  haben  müsse,  um  den 
auf  ihn  gesetzten  Erwartungen  zu  entsprechen.  Sein  ganzes  öffentliclies  Sein 
sei  ein  Geschenk  der  öffentlichen  Meinung.  Durch  jeden  raschen  Wechsel  setze 
er  sie  aber  auf's  Spiel.  Man  würde  nicht  unterlassen  ihn  als  einen  Partei- 
gänger darzustellen,  dessen  Grundsätze  und  Dienste  käuHich  seien.  Aus  diesem 
Grunde  will  er  seine  gegenwärtigen  Verhältnisse  nur  ablösen,  nicht  abbrechen 
und  bittet  deshalb  sein  Berufungspatent  noc^h  hinausschieben  zu  wollen.  Der 
Befreiung  von  der  Zensur  wünscht  er  eine  so  ausdrückliche  Sanktion  gegeben, 
dass  er  nur  dem  Könige,  dem  Staatskanzler  und  seinem  Gewissen  verantwortlich 
Ijleibe,  gegen  untergeordnete  Stellen  und  Lokalbehördeu  sich  aber  nie  zu  recht- 
fertigenden Erörterungen  veri)flichtet  sehe.  Dem  Könige  und  dem  Vaterland  sich 
nützlich  zu  machen,  bezeichnet  er  als  einen  der  grössten  Wünsche  seines  Lebens, 
denn,  schlicsst  er.  „in  meiner  Seele  steht  die  Überzeugung  unerschütterlich  fest, 
dass  Deutschland  nur  durch  und  mit  Preussen  zu  retten  ist.''  Unter  dem 
11.  Juni  1810  weist  Weitzel  in  eincni  zweiten  Schreiben  an  Hardenberg  .darauf 
hin.  dass  er  seinerseits  die  öff'entliche  Meinung  jetzt  wohl  ziemlich  vorbereitet 
finden  dürfe,  dass  sich  die  Stimmung  in  den  Rheinlanden  aber  nur  noch  ver- 
schlimmert habe.  Gehe  er  unter  dies(!n  Verhältnissen  nach  der  ihm  zugeduchten 
Bostimnmng  ab.  daini  komme  er  in  die  liTichst  schmerzliche  Lage,  mit  der 
öffentlichen  Meinung  zu  brechen,  oder  oft  in  einer  der  Regierung  missfälligen 
Lage  zu  erscheinen.  Kv  möchte  deshalb  nicht  eher  abgerufen  werden,  bis  etwas 
Entscheidendes  füi-  das  Land,  sei  es  durch  Errichtung  von  Ständen,  oder  auf 
irgend  eine  anden^  Weise  geschehen  sei.  Weitzel  hatte  schon  zu  Godesberg 
bei  Bonn  durch  Dorow  eine  Wohnung  für  sich  besorgen  lassen.  Er  erklärt 
sich  in  einejii  S(;hreiijen  vom  l'.i.  Juni  Hardenberg  gegenüber  auch  bereit 
seinen  Lljerzug  nach    I5o)in   im  September  vorzunehmen. 


o'-o" 


^'')  Siehe  Schwann  a.  a.  O.  iiiid  den  Anlinn''. 

*')  Diesen  und  die  folgenden  JJricle   s.  JJoiow,  Erlebtes  II,  S.  105—150. 


i(;7 

Inzwisclu;]!  waren  infolge  ilcr  Jli'inoidiui'^-  Jvot/.i^ljues  /u  Maiinhciin  ajii 
2o.  März  1810  durch  Sand  und  Lünin^s  Mordanschlag  auf  Ibcll  am  1.  Juli 
desselben  Jahres  durch  die  Karlsbader  lic^schlüsse  für  die  gesamte  Presse  Deutsch- 
lands scharfe  Zensurmassrcgeln  eingeführt.  Weitzel  hatte  dadurch,  dass  er  für 
das  Lüning'sclie  Verbrechen  die  demagogischen  Umtriebe  verantwortlich  machte, 
die  liberale  Presse  Doutsclilands  gegen  sich  aufgehetzt.  Unt(!r  Hinweis  darauf, 
dass  das  bosliaft(^  G(M'ücht,  er  schreibe  im  Dienste;  dei-  Jlegierung  eine  Ilof- 
zeituiig.  ihn  ausser  Stand  setze  weiter  für  das  Land  zu  wirken,  hatte  er  untcu* 
dem  lö.  Juli  1819  dem  Minister  von  Marschall  seine  Absicht,  von  der  Redaktion 
der  ivheiuischen  Blätter  zurückzutreten,  augezeigt.  ^'^)  Es  fällt  auf,  dass  Weitzel 
in  dicsein  Schreiben  die  ilim  seitens  Preussen  gemachten  Anerbietungen,  die 
er  doch  im  Prinzip  bereits  angenommen  hatte,  gar  nicht  erwähnt,  sondern  sein 
Yorhaben,  die  Redaktion  niederzulegen,  nur  als  eine  infolge;  dei-  ungünstigen 
einheimischen  Verhältnisse  notwendig  gewordene  Massrogel  hinstellt.  Wenn  er 
auf  Verleumdungen,  heimliche  Neckereien  und  verborgene  Kränkungen  liinweist, 
denen  er  ausgesetzt  sei,  so  mag  es  dahin  gestellt  bleiben,  ob  bei  Übertriebcnlieit 
dieser  Angaben  ihre  Richtigstellung,  wie  Sauer  meint,  leicht  gewesen  wäre, 
jedenfalls  waren  diese  Verdriesslichkeiten,  unter  denen  er,  worauf  auch  das 
Schreiben  hinweist,  ein  Jahr  vorher  gelegentlich  der  sogenannten  Dillenburger 
Petition  ^^)  ebenso  zu  leiden  gehabt  hatte,  nicht  das  Hauptmotiv  für  Weitzel. 
Und  wenn  er  dem  Zureden  Marschalls  nachgebend  sich  jetzt  ontschloss,  weit<.'r 
auszuharren,  so  war  dafür  wohl  in  erster  Linie  bestimmend,  dass  er  das  er- 
wartete preussische  Berufungspateut  noch  nicht  in  der  Tasche  hatte.  Diese 
Berufung  aber  zog  sich  hinaus.  Die  Karlsbader  Beschlüsse  veranlassten  Harden- 
berg vielmehr  unter  dem  4.  September  Weitzel  mitzuteilen,  dass  Verhältnisse, 
welche  die  letzten  Vorfälle  auf  eine  ganz  unerwartete  Weise  herbeigeführt 
hätten  und  die  mit  allgemeinen  Massregeln  im  Zusammenhang  ständen,  es  iliiii 
unmöglich  machten,  ihm  die  verlangten  Papiere  in  diesem  Augenblick  zu  ül)er- 
senden.  Jedoch  liege  in  diesen  Verhältnissen  durchaus  nichts,  was  seiner  An- 
stellung und  den  dabei  ausgesprochenen  Bedingungen  bis  auf  einige,  vielleicht 
durch  allgemeine  Bestimmungen  eintretende  Modifikationen  den  geringsten  Ein- 
trag thun  könnte.  Er  hoffe  ihn  von  diesen  Modifikationen  in  wenigen  Wochen 
in  Kenntnis  setzen  zu  können  und  ersuche  ihn  bis  dahin  die  Ankündigung  der 
Verlegung  seiner  Zeitung  auszusetzen. 

Die  Bundestagsbeschlüsse  vom  20.  September  wurden  inzwischen  im 
Nassauischen  Vorordnungsblatte  unter  dem  5.  Oktober  1819  publiziert,  uml 
damit  die  Zensur  wieder  im  Herzogtum  eingeführt.  Jetzt  erklärte  AVeitzel 
der  Redaktion  dvv  Rheinischen  Blätter,  so  lange  diese  Verliältnisse  wälu'ten. 
entsagen  zu  müssen.  ^Marschall  gewährte  ihm  unter  dem  12.  Oktober  1819 
einen  Urlaub  auf  unbestimmte  Zeit,  und  Weitzel  zog  sich,  während  der 
Konrektor  Fischer  bezüglich  der  Rheinischen  Blätter  — ■  sie  gingen  am 
1.    Oktober    1820    ein,     von    da    bis    zum    Jahre    1848    erschien    in    Nassau 


^^)  Sauer,  Diis   Herzogtum  ^■(lss^ul,  S.   141   teilt  das  Sclireiben  im  Auszuge  mit. 
^*)  Saue  r  a.  a.  0.  S.  55  ff. 


168 

kein  politisches  Blatt  —  seine  Vertretung  übernuliiii.  imcli  Juhaunisberg- 
zurück.  Avo  er  ein  kleines  Lantlgut  erworben  hatte.  Wenn  gleich  darauf  in 
der  deutschen  und  ausländischen  Presse  das  Gerücht  auftauchte,  dass  er  endlich 
dem  unwiderstehliclien  Anerbieten  Prcussens  nacligogeben  und  seine  "Wohnung 
in  Bonn  gentunmen  halie.  wo  er  eine  Pension  von  1500  Thalern  genicsse, 
so  konnten  die  Kheinischen  Blätter^')  dies  Gerücht  als  unrichtig  zurück- 
weisen. „Abenteuerlich"'^)  aber  war  es  gewiss  nicht,  und  wenn  man  auch, 
Weitzels  em})tindliche  Xatur  berücksichtigend,  mit  liecht  sag(m  kann,  dass  die 
Zensurmassregeln  die  bestimmende  Veranlassung  für  ihn  waren,  die  Ivedaktiou 
aus  den  Händen  zu  geben  '*).  die  Absicht  nach  Preussen  zu  gehen,  hatte  er 
nicht  aufgegeben.  Kin  Schreiben  an  Dorow  vom  26.  November  1819  zeigt, 
wie  er  mit  Ungeduld  auf  eine  Entscheidung  aus  Berlin  w'artet,  wenn  auch 
seine  allgemeinen  politischen  Hoffnungen,  die  er  auf  Preussen  gesetzt  hat, 
untergegangen  sind.  L'nter  dem  10.  Dezember  1819  erklärt  er  seinem  Freunde: 
„AVenn  es  nur  meine  Finanzen  ertragen,  dann  verlasse  ich  schwcrli(.'h  den 
Johanuisberg  mehr!  Es  lohnt  sich  wahrhaftig  der  Mühe  nicht,  dass  mau  mit 
dem  Leben,  der  AVeit  und  den  Menschen  so  viele  Umstände  maclit.  Um  es 
gut  hier  zu  haben,  muss  man  ein  Narr  oder  ein  Spitzbube  sein,  und  ich  bin 
für  jede  Schule  und  fremde  Lehren  verdorben  und  zu  alt. "  Doch  resigniert  er 
nicht  gänzlich:  „hätte  ich'%  schreibt  er  den  6.  April  1820.  ..nie  ein  öffentliches 
Leben  gehabt,  dann  wäre  ich  mit  meinen  kleinen  Wünschen  wohl  leichter  zu 
befriedigen ;  aber  da  denke  ich  mir  ein  Vaterland,  eine  Nation,  Natioualehre 
und  Nationalglück  und  gehe  in  dem  verwaisten  Hause  durch  die  hohlen  Gänge, 
wo  Misstrauen  und  böser  Anschlag  im  Verborgenen  lauern  und  höchstens  einige 
alte  Kinder  und  kindische  Alte  Vaterlandchens  spielen,  um  das  Grosse  in  der 
Brust  des  Menschen  und  der  Geschichte  zu  parodieren. " 

Weitzel  sah  sich  indessen  gezwungen,  der  nassauischen  Regierung 
eine  bestimmte  Erklärung  zu  geben,  ob  er  in  Nassau  zu  bleiben  gesonnen  sei 
oder  nicht.  Im  ersteren  Falle  wurde  ihm  sein  bisheriger  Gehalt  von  1200  Gulden 
als  Pensicm  zugesichert.  Auf  Dorows  Rat  hatte  er  Ende  Fcsbruai'  nochmals  an 
Hardenberg  geschrieben  und  unter  Schilderung  seiner  misslichen  Lage  um  Be- 
schleunigung der  Entscheidung  seines  Schicksales  gebeten.  Nach  monatelangem, 
vergeblichem  Warten  nahm  Weitzel  das  nassauische  Anerbieten  au.  Durch  die  Gunst 
des  Herzogs  und  seines  ersten  Beamten  erhielt  er  am  20.  Dezember  1820  die  Stelle 
des  Bibliothekars  der  öffentlichen  Bibliothek  zu  Wiesbaden.  Am  18.  Juni  1820 
schreibt  er  an  Dorow:  ..Ich  musste  mich  zu  einer  Kapitulation  entschliesscn, 
die  nicht  glänzend  ausfallen  konnte,  weil  ich  eine  schlechte  Stellung  hatte. 
Das  Achtzehnnionatskind  ist  also  unzeitig  und  ohne  Leben  abffoffaniren.  Fahre 
auch  Du  hin,    wie    so  jnancher  werte  Entwurf    in  diesem  Leben!    Ich  habe  in 


•")  Jnhrg.  1819,  No.  1(57.  Wie  verbreitet  die  Rheinischen  Blätter  übrigens  damals  waren, 
lüsst  sich  daraus  f-clilicsson,  dass  dein  Yorwurt'o  drn-  IJcstccliung  ontgcgengolmltcn  wird,  Weitzel 
li.'ibe  mit  den  Kheinischen  Blättern  wohl  mehr  als   l.jO0  Tlialer  aufjjeireben. 

")  Sauer  a.  a.  O.  S.   1.51,  Anm    1. 

^'')  Schwartz,  .\nnttlen  XXIV,  S.  46  behält  deshalb  doch  gegen  Snnora.  n.  0.  8.  141, 
.\iiMi.  2,  Kocht. 


UV.) 

der  langoii  Scliwaiigerschaft  PreussiMi  viel  f^copfcit.  Am  TJlioin  gelästert,  V(tn 
iriindertcn  verkannt,  in  manolien  Interessen  gekränkt,  oft  gezwnngen  mit  liestcr 
Absieht  nnd  entscliiculenem  Willen  in  zweid(Hitig(Mn  Sinne  zu  orselieincn.  habe 
ich  nur  einen  falschen  SeJiritt  —  wenn  ich  ihn  wirklich  getlianV  in  jeder  Hin- 
sicht y.n  t(Mu>r  bezahlt/' 

J)()ro\v  teilte  die  ihm  iiiicrwartcit  gekoiuinene  Entscheidung  s('in(\s  Freundes 
Hardenberg  sofort  mit.  um  womöglich  noch  eine  Änderung  in  denn  Schick- 
sale Weitzels  herbeizuführen.  Der  Staatskanzler  aber  nahm  (Wr,  Entscbliessunir 
des  letzteren  zur  wiilkoraniencn  IFandhabe,  um  die  VtM-handlungen  mir  ilim. 
wenn  aucli  in  höflichster  Form,  abzubrechen.  Xachdeni  infolge  den*  Karls- 
bader l>eschlüsse  den  llegierungen  Mittel  in  die  Iiänd(3  gegeben  waren,  jede 
laut  werdende  Stimme  der  Unzufriedenheit  durch  die  Zensur  schon  von  vorji- 
herein  zum  Schweigen  zu  bringen,  und  es  nicht  mehr  erforderlich  schien, 
den  Massnahmen  der  Jlegierung  in  der  ()ffentlichen  Meinung  gegen  Angriffe 
und  Yerdächtigungen  das  Wort  zu  reden,  war  der  eigentliche  Zweck  von 
Weitzels  Berufung  nach  Preussen  hinfällig  geworden.  Unangenehm  aber  wai- 
es,  bei  den  einmal  gemachten  Zusicherungen  den  Rückzug  anzutreten.  Von  der 
Zwangslage  Weitzels  in  Berlin  genau  unterrichtet,  hatte  man  diese  Entscheidung 
gewiss  nur  herbeigewünscht,  um  dann,  wie  es  in  dem  Auftrage  Hardenbergs 
von  dem  Geheimen  Oberfinanzrat  Schaumann  an  Weitzel  unter  dem  24.  August 
1820  gerichteten  Schreiben  geschieht,  sein  scheinbares  Bedauern  über  dieselbe 
aussprechen  zu  können.  W^eitzel  durchschaute  die  Sachlage  nicht,  wenn  (>r  in 
seiner  Erwiderung  vom  1.  September  den  Vorwurf,  als  trage  er  selbst  di(^ 
Schuld  an  der  erfolgten  Entscheidung  durch  Darstellung  des  ganzen  Verlaufs 
der  Angelegenheit,  zurückweisen  zu  müssen  glaubt.  Hardenberg  antwortete 
darauf  unter  dem  18.  September  eigenhändig.  Er  kleidet  sein  Bedauern,  der 
Aussicht  ihn  zu  besitzen,  entsagen  zu  müssen,  in  die  verbindlichsten  AVorte 
und  bittet  ihn  zugleich  um  Angabe  der  Entschädigung,  welche  er  verlange. 
Welchen  Eindruck  das  Schreiben  auf  Weitzel  machte,  ersieht  man  aus  folgender 
Stelle  von  dessen  Brief  vom  2o.  Oktober  1820  au  Dorow:  „Dass  ich  den  so 
hoch  verehrten  Fürsten  eine  Zeche  machen  soll,  das  lieber  Dorow,  nuithen  Sie 
mir  nicht  zu.  So  etwas  verträgt  sich  weder  mit  meiner  Achtung  gegen  den 
Staatskanzler,  noch  —  erlauben  Sie  mir  den  Stolz !  —  mit  meiner  Achtung  vor 
mir  selbst.  Ich  habe  nichts  verlangt,  verlange  nichts  und  werde  nichts  ver- 
langen. Der  Fürst  soll  nicht  übel  von  mir  denken,  darin  besteht  meine  ganze 
Forderung.  Ich  will  die  gute  Meinung  verdienen,  die  er  von  mir  hat.  Man 
soll  mich  allenthalben  entbehren  können,  das  lasse  ich  mir  gefallen,  aber  an 
keinem  Orte  soll  man  mich  verächtlich  finden,  das  ist  meine  Sorge.  Dem 
Fürsten  hätte  ich  für  den  Ausdruck  seiner  gütigen  Gesinnung  schon  gedankt, 
wären  Sie  nicht  dagegen."  Nur  für  die  von  ihm  schon  in  Godcsberg  gemietete 
Wohnung  nahm  Weitzel  die  Entschädigung  an. 

Erst  allmählich  wurde  ihm  die  ganze  Situation  klar.  Die  veränderte 
Stimnmng  klingt  durch  in  dem  ]5rief  an  Dorow  vom  13.  Dezember  in  den 
Worten:  „Man  hat  doch  etwas  zu  arg  mit  mir  gespielt."  Dorow  versuchte 
auch  jetzt  noch  beim  Staatskanzler  für  seinen  Freund  zu  wirken.      Er    schrieb 


170 

zu  diesem  Zweck  au  den  Geheimen  ( )ben'egieruugsriit  Scholl,  der  inzwischen 
an  KorefFs  Stelle  getreten  war.  und  dem  er  späterhin,  offenbar  tdine  Grund,  die 
Schuld  an  der  Xichrberufung  AVeitzels  nach  Preussen  giebt.'")  Aus  dem  von 
Hardenberg  selbst  darauf  erfolgten  Antwortschreiben  vom  4.  Januar  1821  geht 
hervor,  dass  Dorow  für  den  Fall,  dass  "NVeitzels  Überzug  in  der  ursprünglich 
beabsichtigten  Form  nicht  angängig  sei,  ihn  für  eine  akadennsche  Lehrstelle 
empfohlen  hatte.  Sicherlich  erfolgten  diese  Bemühungen,  denen  Plardenberg 
nut  dem  Hinweis  begegnete,  dass  für  dergleichen  Anstellungen  der  Kultus- 
minister die  einzig  zuständige  Instanz  sei.  hinter  Weitzels  Kücken.^*) 

Während  Dorow  erst  jetzt  die  Vergeblichkeit  weiterer  Versuche  einsah, 
kennzeichnet  Weitzel  in  einem  lirief  vom  2.  Februar  den  ganzen  Verlauf  der 
Sachlage  richtig  nnt  den  ^^'orten :  „Das  Spiel  war  eine  lustige  Posse,  in  der 
ich  als  ehrlicher  Hanswurst  Prüircl  bekam.  Einmal  ist  es  den  Herren  Ernst 
gewesen,  da  die  Ivheinischen  Blätter  nocli  im  Gange  waren.  Diesen  hat  es 
gegolten;  sie  sollten  gewonnen  werden,  da  sie  nicht  unterdrückt  werden  konnten. 
Kaum  hatten  die  Karlsbader  Konferenzen  der  Sache  ein  anständiges  Ende  ge- 
macht, als  man  auch  eine  andere  Sprache  führte.  Es  hatte  ja  zu  regnen  auf- 
gehört, warum  sollte  mau  den  lästigen  Schirm  nicht  in  eine  Ecke  stellen?  So 
ist's;  und  ich  beklage  mich  nicht  dariU^cr.  Ich  liiu  nur  eiufältig.  zutraulich, 
aus  lauter  Achtung  und  Ergebenheit  furchtsam  gewesen.  Was  mir  in  allen 
Verhältnissen  des  Lebens  geblieben  ist,  blieb  mir  auch  hier,  das  Bewusstscin 
aufrichtiger  Gesinnung  und  gerader  Handlungsweise.''' 

Diese  Verhältnisse  sind  eingehender  geschildert  worden,  weil  die  Be- 
deutung, die  die  Rheinischen  Blätter  erlangt  hatten,  daraus  am  klarsten  hervor- 
tritt, und  weil  die  durch  dii;  Karlsbader  Beschlüsse  herbeigeführte  ungünstige 
Wendung  für  Weitzel,  dessen  Charakter  in  den  ^vähr(md  dieser  Verhandlungen 
an  Dorow  gerichteten  Briefen  offen  vor  uns  liegt  und  sicli  als  iu  jeder  Be- 
ziehung ehrenwert  bewährt,    einen  wichtigt'U  Abschnitt  bedeutet. 

5.   Publizistische  Arbeiten  in  der  Zeit  der  Reaktion. 

Wir  haben  Weitzels  Natur  und  Fähigkeiten  genügend  kennen  gelernt, 
um  zu  verstehen,  wie  dieser  jähe  Abbruch  seiner  politischen  Wirksaudceit  für 
ihn  verhängnisvoll  werden  musstc.  Dorow  fand  Weitzel,  als  er  ihn  IS2d  in 
Wiesbaden  wiedersah,  sehr  verändert.  Wenn  er  sagt"*®) :  „Weitzel  war  der  Mann 
für  einen  grossen  Staat ;  sein  weitstrebender  Geist  und  seine  grossartigen  Welt- 
ansichten gingen  unter  in  den  Mühen  und  in  (Im  kliüncii  Vcrhältuissen  und 
Intriguen  eines  so  eng  begränzten  bürgerlichen  Lebens",  so  hört  uuin  aus 
diesem  Urteil  Weitzels  eigene  Klage  heraus,  iliin  war  das  Arbeitsfeld  ge- 
nonmien,  auf  dem  er  im  Kampf  der  Parteien  mitten  innestehend  in  harter 
Tagesarbeit  vermöge  seiner  Schlagfertigkeit  und  Mässigung  sich  eine  beachtens- 


")  Dorow,  lürleijtes  II,  S.   109. 

'*)  Sauers  Meinung  (Annalen  XXVII,  S.  203),  uls  habe  ssicli  Weitzel  um  eine  Profetsaur 


in  Bonn  bemüht,  ist  irrig. 

")  Krlebtes,  Teil  3,  S.  351. 


171 

werte  Stellung'  gescliuffcn  liatte.     Es  fehlte  ihm   fcnKn-liin  dlv.  uninittelbaie   He- 
lühnm"'  mit  dem  öffentlicheu  Loben  und  damit  gleichsam  di(^  Scliuh!  der  Praxis, 


'O 


d'w.  für  seine    allzu  gefühlsselige  Natur    ein    uniintbehrliches  Korrektiv    liildete. 
Die    systematische  Unterdrückung    aller  freiJKiitlichen  Jleguugen,    an  die    er  so 
grosse  lloff'nungcm  und  Erwartungen  für  die  zukünftige  Gestaltung  Deutschlands, 
sowie  ganz  Europas  geknüi)ft  hatte,    wurden  von  ihm  schwer  empfunden,      fhm 
war  CS  gewiss,   dass  das  alte  Staatssystem  abgewirtschaftet  hatte  und  eine  iwnn 
Zeit  heraufgekomnuiu  war,   die  in  den  Kulturstaaten  Europas  das  Volk  zur  Mit- 
wirkung an  der  Verwaltung  der  öffentlichen  Angelegenheiten  und  am   weiteren 
Ausbau  des  Staates  berief.    Diese  richtige  Überzeugung  war  aber  bei  ihm  nicht 
zugleich  von  der  Einsicht  getragen,  dass  der  Staat  ein  organisches  Gebilde  ist,  dessen 
Entwickelung  mau  nicht  auf  Grund  theoretischer  Erwägungen    vorgreifen  darf. 
Erst    einer    jüngeren    Generation    ist    diese    tiefere    Erkenntnis    aufgegangen. 
Weitzel    sieht  das    einzige  Hindernis   für  die  Einführung  konstitutioneller  Ver- 
fassungen in  der  Abneigung  der  Regierungen,   sich  ihre  bisherigen  Machtbefug- 
nisse kürzen  zu  lassen.    Sein  politischer  Instinkt  fühlt,   dass  fernerhin  Preussens 
Entwickelung  für  Deutschlands  Entwickelung  massgebend  sein  wird.     Und  nun 
ist  es  gerade  dieser  Staat,   der  durch  sein  Beharren  in  dem  alten  Geleise  nach 
Weitzels  Meinung  dem  angebahnten  und  unabweisbaren  Fortschritt  entgegentrat. 
Auch  in  dem    engeren    nassauischen  Vaterland,    dessen  Verwaltung  Weitzel  in 
den  Jlheinischen  Blättern    so  überzeugt    und  beredt  gepriesen  hatte,    trat  unter 
dem  Druck  von  aussen    und  unter    dem  Eindruck    der  Gefahr    seitens  der  un- 
gezügelten liberalen  Strömungen  ein  gänzlicher  Umschlag  der  Verhältnisse  ein, 
den  Weitzel  selbst  in  dem  Aufsatz  „Nassau  und  der  Minister  von  Marschall''  *") 
in  geistvoller  AVeise  charakterisiert  hat.    p]s  ist  unter  diesen  Umständen,   zumal 
wenn    wir  Weitzels  Naturell    berücksichtigen,    begreiflich,   wie  in  den  späteren 
Schriften    des    nach    wie    vor    rastlos    thätigen    Publizisten    eine    unfruchtbare 
Nörgelei  an  den  bestehenden  Verhältnissen,   die  ihn  die  Welt  und  die  Menschen 
allzu    oft  mit    getrübter  Brille  betrachten  lässt,    mehr    und  mehr  Platz    greift. 

Auch  noch  in  einer  anderen  Beziehung  wirkte  das  Aufgeben  seiner  unmittelbar 
praktischen  politischen  Thätigkeit  ungünstig  ein.  Weitzel  stand  gerade  auf  der 
Höhe  seines  Wirkens;  als  namhafter  Publizist  hatte  er  sich  eine  Gemeinde 
geschaffen,  zu  der  zu  sprechen  ihm  Bedürfnis  geworden  war.  ][infort  der 
Tagespolitik  entzogen,  die  für  ihn  der  eigentliche  Lebensnerv  gewesen,  greift 
er  nicht  sislten  auf  frühere  Zeiten  zurück,  um  aus  dem  Vorrat  seiner  älteren 
Schriften  das  darin  noch  Verwertbare  seinem  nunmehrigen  grösseren  Leserkreise 
als  neue  Gabe  darzureichen.  Durch  diese  Umstände  erleidet  insonderheit  für  den. 
der  Weitzels  Schriften  im  Zusammenhange  liest,  das  Literesse  an  den  späteren  Er- 
zeugnissen seiner  Feder  eine  beträclitliche  Einbusse. 

Zunächst  gehört  freilich  die  Schrift :  ,JIat  Deutschland  eine  Revolution  zu 
fürchten?",  die  Weitzel  unter  dem  unmittelbaren  P^iudruck  von  Lönings  Mord- 
anfall auf  Ibell  im  Juli  1819  verfasste,  und  die  in  kurzer  Zeit  in  zwei  Auf- 
lagen hintereinander  bei  Schelleuberg  in  Wiesbaden  erschien,   noch  der  früheren 


")  AUjjemeine  Zeitung  1834,  Aufserordontliclie  Boil.  Xo.   114—117/118. 


172 

Periode  aii.  Die  biTeitsi  erwähnte  Denk-^e-lnitt  ülier  lilieiii|)reu»si'ü  tinder  sich 
hier,  abgesehen  von  den  ausschliesslich  die  Jiheinlande  betreffenden  Bemerkungen, 
verarbeitet.  In  Tendenz  und  Ausführung  das  gerade  Gegenteil  von  Görres' 
im  August  desselben  .lahres  erschienener  Flugschrift  ,,DeutschIand  und  die 
Ivevolutiou"  tritt  diese  Schrift  unter  Hinweis  auf  die  Notwendigkeit,  die  vor- 
handene (lärung  zu  beseitigen,  für  Ideen  ein.  die  in  Bezug  auf  Schatt'ung  einer 
Zentralgewalt  und  Keiiräsentativverfassung  Deutschlands  bei  gleichzeitiger  mög- 
lichster Schonung  der  Selbständigkeit  der  einzelnen  Staaten  die  (»edanken 
seiner  1814  veifassten  und  oben  besprochenen  Aufsätze  Aviederholen  und  weiter 
ausführen.  Entgegen  Görres'  Ideal  von  der  Wiederbelebung  des  alten  Kaiser- 
staats unter  Österreichs  Führung  weist  Weitzel  darauf  hin.  dass  Preussen  schon 
seiner  geographischen  Lage  sowie  <lein  Geist  seiner  Bevölkerung,  seiner  Kultur 
und  seinen  Sitten  nach  das  Land  sei,  auf  das  Deutschlands  Zukunft  sich  auf- 
bauen müsse.  .,Mit  gestrecktem  Körper  dehnt  es  sich  von  einer  äusserstcu 
(frenze  Deutschlands  bis  zur  anderen  aus;  seine  Sicherheit  ist  ein  Theil  der 
unsrigen,  sein  Wohlstand  ein  Theil  des  unsrigen,  jede  Gefahr  für  es  ist  auch 
Gefahr  für  uns.  und  durch  die  vielseitige  nahe  Berührung  theilt  sich  wechsel- 
seitig fast  jeder  Schmerz  und  jedes  Leiden  sympathetisch  mit.  Preussen  und 
Deutsehland  stehen  in  verwandter  Wechselwirkung;  ihr  Schicksal  ist  an  dasselbe 
liad  der  umkreisenden  Zeit  geflochten,  das  in  seinem  Hollen  die  Bande  nur 
immer  mehr  zusammenziehen  und  verschlingen  kann."")  Wie  er  hier  die 
Bedeutung  Preussens  für  die  Zukunft  Deutschlands  mit  klarem  Blick  erkennt, 
so  zeichnet  er  auch  richtig  die  Vorteile  und  Xachteile,  die  sich  aus  der  selbst- 
ständigen P]utwickelung  so  vieler  kleiner  Staaten,  wie  sie  Deutschland  besitze, 
ergeben  hätten,  um  ebenso  wojil  die  Zweckmässigkeit  eines  einheitlichen  Mittel- 
juinktes  wie  einer  foederativen,  die  einzelnen  Staaten  in  ihrer  individuellen 
Entwickelung  möglichst  wenig  hindernden  Verfassung  darzuthun.  Diese  trotz 
der  aufgeregten  Zeit  sine  ira  et  studio  verfasste  Schrift  steht  an  Gehalt  und 
politischem  Urteil  unter  den  publizistischen  AVcrken  Weitzcls  jedenfalls  oben  an. 

Die  Xusse  auf  seinem  Landsitz  in  Johannisberg  benutzte  Weitzel  dazu 
einen  Teil  seiner  früheren  Schriften  als  „Vermischte  Schriften"  in  drei  Bänden 
1820  bis  1821  ebenfalls  bei  Schelhmber"-  in  Wiesbaden  neu  herauszugeben. 
Der  erste  Band  enthält  eine  teilweise  Umarbeitung  seines  1795  erschienenen 
politischen  Bomans  „Lindau  oder  der  heilige  Bund"  unter  dem  Titel  „Der  heilige 
Bund".  Die  romanartige  Einkleidung  der  politischen  Grundideen  des  Buches  ist 
in  dieser  Neubearbeitung  besser  durchgeführt  unter  Weglassung  der  in  „Lindau" 
vorhandenen  Anspielungen  auf  Napoleon.  Auch  die  den  Kernpunkt  der  Schrift 
ausmachende  Idee  der  Verbesserung  der  Menschheit  und  der  Staaten  durch  eine 
Verbindung  der  rechtschaff'enen  und  aufgeklärten  Menschen  zu  einem  heiligen 
Bunde  ist  bezüglich  des  Wirkungskreises  den  veränderten  Verhältnissen  und 
Ansichten  des  Verfassers  entsjtrechend  geändert.  Das  Buch  bildet  so  ein 
merkwürdiges  Gemisch  jugendlicher  Cberschwenglichkciten,  die  schon  der 
etwas  schwülstige  Stil  als  aus  der  ersten  Auflage  stammend  kennzeichnet,   und 


')  2.   Aufl.,  S.   78  f. 


(•I 


Godankon    gorciftcM-     [((»litisclicr    Einsicht     und    Mouschcnkonntnis.      Scliwcrlicli 
fand  es  violo  Tjcsgi',   wie  sich  schon  daraus  (Mitnclinum  lüssf,   dass  der  Vorh^gcr 
lS2.'i  eine  neue  Titolauflago  vovanstalteto,   \y'\o  or  es  1820  ebenfalls  mit  Wcitzels 
Jtoman  „August  und    Wilhelniino"  gctlian   hatte     Den  zweiten  Jiaiid  bilden  die 
«Tösstcnteils    bereits    im    Ivlicinischen   Archiv     vcn'tfCcntlichten,     im    allgemeinen 
nur    wcmig    v(!ränderteu    Aufsätzen    „J)(!r    lieiz    d(;r    Neuheit,"    „Der    T(jd    d(!s 
Pvthageras",    „lloland  und  Uildegarde".    „Panthea  od(;r  die  Treue",    „Briefe  aus 
der  Stadt",   „Briefe  vom  Lande"  und  „Emil  und  Theod(n-".     Im  letzteren  unter- 
sucht Weitzel  in  der  Form  des  Dialogs  allgemeine  menschliche  Fragen,   wie  ilif 
über  die  Bestimmung  des  Menschen,   die  wie  seine  Ajdagcm  dreifacher  Art  s(m, 
körperli(;h,  moralisch,    intelUsktuell  und  sich  in  seinem  Leben  vollende,   weil  dies 
nicht    als  Teil  nüt    eiiiem  grösseren  Ganzen  zusammenhänge,    sondern  für  sich 
bestehe  und  vou  seinem  Anfange  bis  zum  Ende,   von  der  Wiege  bis  zum  Grabe; 
ein    geschlossenes  Ganze    bilde.      Der    dritte  JJand    enthält  neben  dem  Wieder- 
abdruck   der    Schrift    „Hat  Deutschland    eine    Itevolutiou    zu    fürcliten?",    die 
„Denkschrift    über  Napoleon",    historische,    gh'ichfalls    im  Rheinischen  Archiv 
zuerst    veröffentlichte  „Parallelen"    und    die  1820  verfasste  Denkschrift    „l'ber 
den  gegenwärtigen  Zustand  von  Euro})a'\ 

Dieser  gedenkt  Weitzel  in  einem  Bericht  an  Dorow    vom    l,'».   ^fai   1820 
mit    den  AVorten:    „Die    Denkschrift    wollen    wir    noch    ein    wenig    ruiien    und 
reifen  lassen.    Sie  ist  mein  Manifest,   mit  dem  ich  wieder  aufzutreten  gedenke, 
wenn  es  Krieg  giebt  und    zwar    als    litteiarischer  Potentat.     So    toll    auch    die 
Kirchweihmusik  sein  mag,    ein  gutes  Pfarrkind  übernimmt  dabei  eine  Stimme, 
wenn    sie  auch  selten  gehört  wird."     So  ist    auch    diese  Schrift    in    der   llott- 
nung     auf     eine     baldige     Berufung     nach    Preussen    und     eine    publizistische 
Wirksamkeit  grösseren    Stils  abgefasst.     Hervorgerufen  ist  sie    zunächst    durch 
die    Görres'sche    Flugschrift    „Teutschland    und    die    Revolution",     gegen    die 
sie  in    stiller  Polemik    nachzuweisen    sucht,    dass    die    Behauptungen    über    das 
Vorhandensein    eines    revolutionären    Geistes    in  Deutschland    nicht    so    viel    zu 
bedeuten  hätten,    wie  überspannte  Schriftsteller    und  Fanatiker  glauben  machen 
möchten.      Die    Deutschen     seien    besser    als     ihre    politischen     Institutionen, 
die  Regierungen    hätten    den    besten  Willen.     Die  Gefahr  sei,    wie    die  Dinge 
jetzt    in  Europa  ständen,    keineswegs   bedenklich,    wenn  man    ihr  zu  begegnen 
wisse.     Die  Mittel,    die    er  dazu  vorschlägt,    sind  die  bekannten:   Gesetze  und 
Institutionen,    die  dem    fortgeschrittenen  Zustande    der  Völker,    ihrer    geistigen 
Ausbildung  und  der  Entwicklung  ihria-  Industrie,  ihres  Handels,   ihres  häuslichen 
und  öffentlichen  Lebens    angemessen    seien.     Weseutlicli    erweitert  durch    eine 
Zeitgeschichte    der    einzelnen    europäischen  Staaten    liess  Weitzel    diese  Schrift 
1824  auch    selbständig  bei  Ritter    in  Wiesbaden    erscheinen.      In  den  „Briefen 
vom  Rhein"-")    erzählt    uns  Weitzel,    dass  ein  angesehener  Staatsmann  —  ge- 
meint ist  ohne  Zweifel  vou  Marschall  —  ihm  in  Bezug  auf  dies  Buch  gesagt  habe, 
um  die  AVeit  und  ihre  Angelegenheiten  zu   übersehen,    müsse  man  über    ihnen 
stehen,    ein    insofern    treffendes  Urteil,    als  es  dem  A'erfasser    nie    einfällt    bei 

»2)  S.  345. 


174 

seinen  Reformvorschlägeu  die  Macht  und  den  Wert  der  bestehenden  Yerhültuisse 
in  IJetracht   zu  ziehen. 

Diese  Sannnluug  seiner  Schriften  ergänzte  AVeitzel  durcli  eine  Selbst- 
biographie. 1821  erschien  bei  Brockhaus  in  Leipzig  davon  der  erste  Teil  unter 
dem  Titel:  -Das  Merkwürdiirste  aus  meinem  Leben  und  aus  meiner  Zeit."  Das 
Buch  Itietet  eine  zwar  etwas  selbstgefällige,  aber  mit  ebenso  grosser  Offenheit  wie 
Aus(diaulichkeit  geschriebene  Erzählung  seiner  Jugendentwickeluug.  Freilich  sind 
einzelne  Züge  mit  einer  Breite  dargestellt,  die  zu  ihrer  Bedeutung  in  keinem 
Verhältnis  steht.  Ausserdem  stören  allzu  oft  eingelegte  allgemeine  Betrachtungen 
den  Gang  der  Erzählung.  Auch  das  lange,  den  Schluss  des  ersten  Bandes 
bildende  Kapitel  über  seine  ersten  schriftstellerischen  Versuche  ist  nicht  ge- 
eignet, das  Interesse  des  Lesers  zu  steigern.  Hat  aber  dieser  erste  Band  im 
Ganzen  und  Grossen  den  Beiz  eines  Memoirenwerkes,  so  ist  der  zweite,  1823 
erschienene  Teil,  in  dem  "Weitzel  an  der  Hand  der  Darstellung  der  Ursachen  und 
des  Verlaufs  sowie  der  Ergebnisse  der  französischen  Revolution  und  der  Ver- 
gleichung  dieser  Epoche  mit  der  Zeitgeschichte  die  Richtigkeit  der  Grundsätze 
des  von  ihm  früher  und  damals  vertretenen  Rationalismus  zu  erweisen  sucht, 
jeglichen  derartigen  Interesses  bar.  Indem  er  auf  Ereignisse  zu  sprechen 
kommt,  die  von  der  Epoche  seines  Lebens,  mit  der  sich  der  erste  Band  be- 
schäftigt, durch  mehrere  Jahrzehnte  getrennt  sind,  verliert  er  vollständig  den 
Faden  der  Erzählung,  und  es  ist  sehr  begreiflich,  dass  die  Teilnahme,  die  dieser 
Fortsetzung  seitens  des  Publikums  entgegengebracht  wurde,  ihn  nicht  zur 
Vollendung  des  Werkes  ernmtigte. 

Auch  die  nächste  Schrift  Weitzels,  seine„Rheinreise",  von  der  ein  erster  Band 
1825  bei  Ritter  in  Wiesbaden  erschien,  blieb  ein  Bruchstück.  In  ihr  dient 
die  eigentliche  Reisebeschreibung  dem  übrigen  Inhalt  nur  zur  Folie.  Dennoch 
ist  gerade  dieser  Teil  des  Buches  heute  allein  noch  von  Interesse.  Wiesbaden 
und  sein  damaliges  Kurleben  sind  ebenso  wie  die  Orte  des  Rheingaues  bis 
Rüdeslieim  mit  dem  gegenüberliegenden  Ufer  zum  Teil  sehr  anschaulich  ge- 
schildert, wobei  Weitzel  sich  allerdings  für  gewisse  Partien  selbst  ausschreibt, 
indem  er  die  in  seinem  Roman  „Eugen"  enthaltene  Reisebeschreibung  in  dies 
Werk  beinahe  unverändert  herüber  genommen  hat.  Den  wesentlichsten  Teil  des 
Inhalts  bilden  aber  die  Gespräche,  die  Weitzel  mit  seinem  Reisebegleiter  und 
unterwegs  angeknüpften  Bekanntschaften  über  Gegenstände  der  verschiedensten 
Art  führt.  Darunter  sind  viele  treffende  Bemerkungen,  abei-  derjenige,  der 
Weitzels  frühere  Schriften  kennt,  findet  wenig  Neues  darin.  Sein  Vergleich 
der  d(!Utschen  und  französischen  Litteratur,  der,  wenn  er  auch  au  der  Oberfläche 
haften  bleibt,  docli  eignes  Urteil  und  Kenntnis  des  Stoffes  zur  Grundlage  hat, 
ist  uns  in  der  Hauptsache  schon  im  „Rheinischen  xVrchiv"  begegnet  und  seine 
Ausführungen  über  die  Macht  und  den  EinHuss  der  Mode  frischen  ebenfalls 
nur  einige  Kapitel  seines  Romans  „Eugen"  wieder  auf.  Auch  das,  was  sich 
aus  d(!m  Imnt  gemischten  Inhalt  schon  dem  Umfang  nach  am  deutlichsten 
abhebt,  seine  Betrachtungen  über  das  Menschenleben,  vor  allem  über  die  Motive 
der  Handlungen  des  Menschen,  über  ihre  Vorurteile  und  Fehler,  ist  grösstenteils 
nur  eine  Wiederholung  von  früher  Gesagtem   in  nur  krasserer  und  einseitigerer 


1 


I.) 


Beleuchtung,  wie  denn  der  Pessimismus  dos  Verfassers  sich  sclion  in  dem  stüneni 
Werke  vorangestellten  Motto  aus  Tassos  befreitem  Jcn-usalein  von  vornherein 
zu  erkennen  gibt. 

Wir  haben  bereits  aus  früheren  Schriften  Weitzels  gesehen,  dass  er  der 
Erziehungsfrage  als  der  Nvichtigsten  Vorbedingung  einer  gesunden  Staats- 
entwicklung ein  grosses  Interesse  entg(!genbringt.  Seine  Anschauungen  und 
Erfalirungen,  wie  er  sie  während  seiner  Mainzer  ]iehrthätigkeit  gemacht  hatte, 
hat  er  auch  in  einem  besonderen  Duclie,  das  1828  bei  Jjrockhaus  in  Leipzig 
unter  dem  Titel  „Was  soll  man  leruenV  oder  Zweck  des  Unterrichts"  lun-aus- 
kam,  in  eingehenderer  Weise  niedergelegt.  Abgesehen  von  den  schon  früher 
mitgeteilten  allgemeinen  Grundsätzen  vertritt  er  hier  die  Ansicht,  dass  Erziehung 
und  Unterricht  durchaus  nach  eine;  ]u  Plan  und  in  einem  Geiste  von  Personen 
besorgt  werden  müsse,  deren  Fähigkeit  dazu  hinlänglich  (u-probt  sei.  Zu  diesem 
Zweck  wünscht  er  eine  Körperschaft  von  Tiehrern,  welche  sich  selbst  ergänzt, 
um  sich  in  ihrer  Stärke  und  Reinheit  zu  bewahren.  Das  erforderliche  Mass 
von  Begeisterung  für  den  hohen  Beruf  des  Erziehers  lässt  es  iliiii  sogar 
rätlich  erscheinen,  dass  die  Glieder  dieser  Körperschaft  keine  Familie  haben. 
Dass  er  im  übrigen  die  Methoden,  die  man  beim  Unterricht  befolgen  solle, 
nicht  für  so  wichtig  hält,  als  Erzieher  und  Lehrer  vom  Fach  glauben  machen 
möchten,  vielmehr  mit  Rousseau  den  Gang  der  Natur  als  die'  einzig  richtige 
Methode  preist,    ist  bei  seinem  rationalistischen  Standpunkte  selbstverständlich. 

In  den  früheren  Schriften  ist  uns  auch  das  Interesse,  das  Weitzd  an 
Napoleon,  seiner  Persönlichkeit  und  seinem  Schicksal  nahm,  genugsam  entgegen- 
getreten. Augenscheinlich  gab  ihm  das  1823  veröffentlichte  gleichbetitcdte  Buch 
des  Franzosen  Massias  Veranlassung  zu  seiner  Schrift  „Napoleon  durch  sicli 
selbst  gerichtet",  die  1829  bei  Sauerländer  in  Frankfurt  a.  M.  erschien.  Urteile 
und  Aussprüche  Napoleons  über  sich  selbst,  durch  eigne  mehrfach  aus  persön- 
lichen Erinnerungen  und  Beobachtungen  der  Mainzer  Zeit  geschöpfte  Zusätze 
vermehrt,  stellt  Weitzel  hier  zu  einem  eigenartig  individuellen  Bilde  des  Lnpe- 
rators  zusammen,  das  freilich  in  seinen  verschiedenen  Elementen  schon  in  den 
vorher  erschienenen  Schriften  nachweisbar  ist. 

In  dem  1830  in  gleichem  Verlage  erschienenen,  zum  grössten  Teil  noch 
vor  der  Juli-Revolution  niedergeschriebenen  Buche  „Scherz  und  Ernst;  zur 
Charakteristik  unserer  Zeit"  bietet  Weitzel  in  acht  verschiedenen,  von  einander 
unabhängigen  Aufsätzen  Parodien  und  Satiren  auf  die  Zustände  der  Zeit  in 
politischer,  religiöser  und  litterarischer  Beziehung.  In  dem  „prophctisclien 
Almanach  auf  alle  Jahre"  wird  die  auf  Saint-Pierre  zurückgehende,  in  Deutsch- 
land durch  Kant  und  Fichte  vertretene  Idee  des  ewigen  Friedens  parodiert, 
indem  Weitzel  für  ein  bestimmtes  Jahr  der  fernen  Zukunft  und  alle  späteren 
folgende,  hier  natürlich  nur  angedeutete  Prognose  st(^llt :  Die  Wahrheit  wird  die 
erste  Ilofstelle  bekleiden  und  sich  dem  Throne  beherzt  und  gefahrlos  nähern, 
das  anständige  Wort  wird  frei  sein,  der  Überfluss  wird  die  Dürftigkeit  zu 
Gast  bitten,  die  Beamten  werden  glauben,  die  Diener  des  Gesetzes,  nicht  aber 
.  die  Herren  des  Volkes  zu  sein,  Verdienst  und  Tugend  werden  an  die  Stelle 
treten,    die    früher  Gunst  und  Vetterschaft    eingenommen,     und    die  politischen 


ITC) 

Blätter  svcnlon  inolir    an    die  Iloiligkoit    clor  Walirlieit    und  dos  Rechts    als  an 
die  Zahl  ihrer  Abnehmer  denken.     In  dem  zweiten  Aufsatze  „An  die  verehrliche 
und  verehrte  Redaktion  der  Cik-iiia''   (einer  Zeitschrift  für  di(>  nuisikalische  Welt) 
benutzt  Weitzel  eine  an  ihn  erganijeni'  Einladung  zur   Mitarbeit,   uiii   sich  über 
solche  lustig  zu  mat-hen.    die  von  Dingen   reden,    die    sie  nicht  verstehen    und 
zugleich    um    untt-r  Hinweis    auf    bestimmte  Falk'    ilie    zu  vers^jotten,    die    im 
llandunulri'hen  mit  sich  eine  Metamorphose  vornehmen  und  sogar  ihre  religi«isen 
l'berzeugungeu  itKitzlii-h    ins  Gegenteil    ändern    können.      Tn    dem    ,,]jolitisfhen 
Ulaubensbokenntnis  eines  Mannes   ohne  AVclf*  glossiert  er  den  Standpunkt  der 
Regierungen    und    Parteien    vornehmlich    in  Deutschland    auf    politischem    und 
kirchlichem  Crebiet.     ISemerkenswert    ist    darunter    seine  Verurteilung    der   von 
den  Regierungen    ergriffenen  Massregeln    gegen    die  vermeintlich    revolutionäre 
Gefahr,    die    darauf    liinauslaufe,    dass    einige  Studenten   und  Kaufmannsdiener 
sich    mit  Weltreformen    in    den  Feierstunden    die  Zeit    vertreiben.     Ausserdem 
seien  seine  Ansicht(Mi  über  die  Jesuiten  erwähnt,   die  mau  nach  seiner  Meinung 
gewähren  lassen  soll,    da  jeder  Streit,    der  Religion,    Glauben  und  Meinen  be- 
trifft,   nur    gefähilich  werde,    wenn  die  Regierungen  sich    in  ihn  mischen,      in 
der  „Dorfchronik  von  Dorfheim'',   in  der  das  Philister-  und  Spiessbürgertum  ge- 
geisselt  wird,    hält    sich  Weitzel  an  ältere,    wenn    auch  eigne,   Vorlagen.     Die 
folgenden  Aufsätze  „Deutschland""  und  „Stimmen  über  die  Reformation  und  die 
Revolution"  besprechen  Erscheinungen  der  zeitgenössischen  Litteratur.     In  dem 
ersteren  bekennt    sich  Weitzel  fast  durchweg    zustimmend   zu  dem  anonym  er- 
schienenen,   bekannten  Werke  Karl  Weber's  „Deutschland,    oder  Briefe    eines 
in  Deutschland    reisenden  Deutschen"',    in    dem    anderen  weist    er  Marheinekes 
Kritik  von  ^lenzel's  Geschichte  der  Reformation  und  die  Kritik  der  allgemeinen 
Litteraturzeitung  von  Mignets  Geschichte  der  französischen  Revolution  zurück. 
„Herr  Martin'"  bietet  dem  Leser  allerlei  politische  Klughoits-  und  Lebensregeln. 
Dem  mosaikartigen  Ganzen  wird  durch  Beifügung  einer  Sammlung  von  „Anek- 
doten,  Gedanken  und  Maximen"  ein  passender  Schluss  gegeben.    Darunter  sind 
zwar    manche,    nur    wieder    aufgefrischte   Gemeinplätze,    aber    auch    viele  Be- 
merkungen,   die    ebenso    individuell    wie    geistreich    die  grosse  Belesenheit  des 
Verfassers,    sein  lebendiges  Interesse    an  allen  das  geistige  Leben  berührenden 
Fragen  und  die  eigne  selbständige,   von  philosophischem   Geiste  getragene  Auf- 
fassung bezeugen.    Hier  am  Schlüsse,  der  unter  dem  Eindruck  der  Juli-Revolution 
geschrieben    ist,    w(üclit    auch    der  Pessimismus    des  Verfassers    einem    frohen 
Ausblick  in  die  Zukunft   in  den  für  ileii  Publizisten  charakteristischen  Worten: 
„Richtet  sich   inrin    IMick    ;iuf  das  aulblüluaide  Geschlecht,    dann    sage   ich   mit 
einer  innigen,    mächtigen   l'berzeugung:    (Glücklich  die,    so  nach   uns  kommen! 
Alles  verkündet  für    sie    (un  grosses  Jahrhundert.      Der  Strom    ist  über    seinen 
schäumenden  Fall    gekommen,    die  Gewässer    beruhigen    sich,    der  menschliche 
Geist  geht    frei    und  stark    auf    einer  breiten  Bahn.     Eine  reine  Absicht  leitet 
ihn;  ein  glühendei-  Durst  nach  Vollkommenheit,   nach  Sittlichkeit  und  Wahrheit 
verzehrt  ihn:    ein  neuer  Sinn,   ein  heilsamer  oder  verderblicher  Sinn  ward  ihm 
gegeben,   um  ihn  zu  stillen.     ])ieser  Sinn    ist  die  Presse;    dieses    neue  Ver- 
mögen,  das  sich   nicht  kennt,    erschrickt  nncli  vor  sich  selbst.      Aber  die  Zeit. 


<  I 


seine  ei,o-nen  Verivrnni>-en.  dir«  cin/io-o  unfclilliarc  Probe  der  rieHetzf,'ebun^n'n 
werden  den  (iebraudi  desselben  (n-ilncii.  o|in(>  seine  Vurtbfilr  /u  ciii/iclicii. 
und  welches  aueli  dei'  fiii'cbtliaiT  Zweifel  scvii  iwivj;,  mir  dem  die;  Prosst;  selbst 
di(!  Beherztesten  quält,  so  kann  ieii  dorji  unniö;^li(di  j-laubcn.  dass  \vir  einer 
^facht,  mit  der  die  Vorsehun««',  die  edelmütiger  und  scharfsichtiger  ist,  als  wir, 
den  Gedanken  des  Mous(dien  berei(diert  hat,  tiuchen,  eine  ilii'er  .srhihisti'u  (laben 
versclimähen  und   ilire  Widdtliat   abweisen   sollen." 


In  den  18^54  verött'entlicliten  „Ibiefc  vom  Rhein"  lierrscht  liingegen  eine  um 
so  gedrücktere  Stimmung.  Weitzcd  warnt  die  deutsclien  Kegierungen,  sicli,  nach- 
dem der  Sturm  der  Juli-Revolution  vorübcn-gerauscht  sei,  dem  Gefühl  der  Siclierheir 
hinzugeben.  Sclion  lange  glimme  aucli  in  Deutschhmd  das  Feuer  unter  dei'  Asche. 
J)io  Revornuindung  der  A^'Hker  durcli  die  Fürsten  auf  dem  Wiener  Kongresse  und 
die  Karlsbader  JJesclilüsse  liätten  das  Pulver  im  Stillen  ausgestreut  und  angehäuft. 
Indem  er  auf  die  Einfülirung  konstitutioneller  Verfassungen  dringt,  gesteht  er 
der  absoluten  Monarchie  höchstens  für  einen  kleineu  Staat,  in  dem  der  Unterthan 
in  dem  Fürsten  das  Haupt  einer  grossen  Familie  ehre  und  liebe,  eine  gewisse 
JJerechtigung  zu. 

Wenn  er  W'citerhin  auf  die  Nachteile  kleiner  Staaten  zu  sprechen 
kommt,  die  allzugern  zu  lächerlichen  Kopien  von  grossen  würden,  indem 
sie  wie  diese  eine  auswärtige  Politik  hätten,  das  kostspielige  Soldaten- 
spiel mitspielten  und  einen  glänzenden  Hof  hielten,  indem  die  Beamten  leicht 
aus  Dienern  des  Staates  zu  Dienern  des  Herrn  würden,  und  die  Fiskalität  sich 
im  persönlichen  Interesse  des  Fürsten  mit  dem  gemeinen  Eigennutz  in  einen 
Wettkampf  einlasse  und  die  Gewinnsucht  niedriger  Spekulation  überbiete,  um 
der  fürstlichen  Kasse  einen  Vorteil  zuzuwenden,  den  Bürger  oder  Gemeinden 
zu  beanspruchen  sich  berechtigt  glaubten,  so  zielen  diese  Bemerkungen  augen- 
scheinlich auf  die  damaligen  nassauischen  Zustände.  Die  seit  1830  zwischen 
Regierung  und  Landständen  hier  entstandene  Spannung,  vor  allem  der  unerquick- 
liche Domänenstreit,  hatte  in  der  Bevölkerung  eine  lebhafte  Gärung  erzeugt, 
untei'  deren  Rückwirkung  selbst  das  Wiesbadener  Badeleben  zu  leiden  hatte, 
wie  dies  Weitzel,  der  die  neue  Einrichtung  der  Dampfschiffe  benutzend  den  Rhein 
hinauffährt,  im  vierzehnten,  vom  24.  August  1832  datierten  Brief  zur  An- 
schauung bringt.  Die  Vorwürfe,  die  Weitzel  hier  dem  v.  MarschaH'schen 
Regierungssystem  macht,  klingen  auch  in  dem  bereits  erwähnten  Nachruf  auf 
den  am  22.  Januar  1834  seiner  Wirksamkeit  durch  den  Tod  entrisseneu  Minister 
durch,  wenn  Wtdtzel  dort  im  übrigen  auch  gerade  die  gutem  Seiten  dieses 
Systems  betont  und  die  Gefühle  persönlicher  Achtung  und  Verehrung  gegen 
den  Verstorbenen  warm  zum  Ausdruck  bringt.  Der  nassauische  Domänenstreit 
veranlasst  ihn,  gegen  die  von  Savigny  begründete  Rechtsschule  ins  Feld  zu  ziehen, 
welche,  um  Streitigkeiten  über  Staats-  und  TIausdomänen  zu  entscheiden,  sich  in 
die  dunkle  Vorzeit  verliere.  Weitzels  Ausführungen  zu  Gunsten  des  Naturrechts. 
so  verfehlt  sie  auch  an  sich  sind,  kennzeichnen  doch  treffend  die  damals  beliebten 
l'bertreibungen  der    historischen    Schule.       Gegenüber    der    kurhessischen    Ver- 

12 


178 

fassung  von  1831"),  der  er  vor  jeder  anderen  in  Europa  den  Vorzug  giebt,  und 
in  der  er  „einen  bedeutenden  Fortschritt  auf  der  konstitutionellen  Bahn"  sieht, 
tadelt  er  den  durchaus  tiniokratischen  Charakter  der  nassauischen  Verfassung. 
Sie  jnaehe  die  Wahl  der  Abgeordneten,  bei  der  es  doch  darauf  ankomme, 
Männer  von  Einsicht  und  Verdienst  zur  Beratung  der  Regierung  zu  berufen, 
von  dafür  ganz  gleichgiltigen  Bedingungen  abhängig. 

Im  dreiundzwauzigsten  und  in  den  folgenden  Briefen  setzt  sich  Weitzel 
mit  den  Stimmfüln-ern  der  liberalen  Bewegung  in  den  deutschen  Kleinstaaten 
auseinander.  Er  wiederholt  hier  seinen  Aufsatz  aus  den  Pölitz'schen  Jahr- 
büchern") :  „Was  würde  ich  thun,  wenn  ich  jetzt  Abgeordneter  zu  einer  land- 
stäudischen  Vi'rsammlung  in  Teutschland  wäre?''  Weitzel  bekennt  zwar  im 
allo-emeinen  seine  Cbereinstimmung  mit  Männern  wie  Jordan  und  Kotteck, 
aber  er  weist  auf  die  Gefahren  hin,  die  entstehen  müssten.  wenn  mau 
den  Grundsatz  der  Volkssouveränität  dahin  verkehre,  dass  man  der  trägen, 
seelenlosen  Masse  schmeichle  und  Hass  zwischen  Regierung  und  Volk  säe. 
..Von  dem  Volke",  ruft  er  aus,  „bin  ich,  und  für  das  Volk,  und  ich 
bin  es  fast  unbedingt,  weil  das  Volk  fast  immer  und  allenthalben  im  Nachtheile 
ist",  aber  eine  demokratische  Regierung  bezeichnet  er  nach  dem  Gange,  der 
die  Entwickelung  und  Ausbildung  des  gesellschaftlichen  Lebens  genommen  habe, 
als  ein  Unding.  Auch  republikanisch  könne  sie  nicht  sein,  nur  die  konstitutio- 
nelle Monarchie,  in  der  Regierung  und  Volksvertretung  sich  aber  nicht  befehden, 
sondern  in  der  Sorge  für  das  Staatsw^ohl  miteinander  wetteifern  müssten,  ent- 
spreche den  Anforderungen  der  Zeit.  So  unbestritten  Weitzel  hier  das  Richtige 
trifft,  so  entwirft  er  von  den  herrschenden  Zuständen,  na(!h  denen  das  Volk  den 
Regierenden  eine  fremde  Welt  sei,  die  nur  durch  Steuern,  Leistungen,  Befehl  und 
Gehttrsam  mit  der  ihrigen  zusammenfalle,   ein  übertriebenes  und  unwahres  Bild. 

In  ebenso  trübem  Lichte,  wie  die  politischen  Verhältnisse  der  Zeit, 
erscheinen  W^eitzel  auch  die  litterarischen.  Namentlich  über  die  Litteratur- 
zeitungen  und  unter  ihnen  besonders  über  die  Leipziger  giesst  er  die  volle 
Schale  seines  Ingrimms  aus.  Erinnert  man  sich  der  Kritik,  die  letztere,  wie 
wii-  gleich  sehen  werden,  kurz  zuvor  seinem  eigentlichen  Lebenswerke  hatte 
zu  Teil  werden  lassen,  so  kann  man  sich  des  Gedankens  nicht  erwehren,  dass 
weniger  heiliger  Zorn,  wie  es  den  Anschein  hat,  über  thatsächlicho  Missständo 
als  jiersünliche  Empfindlichkeit  ihm  hier  die  Fedei-  führen. 

Es  ist  dies  die  letzte  publizistische  Schrift  Weitzels,  die  wenigstens  als 
seli)ständiges  Buch  erschien.  Am  10.  Januar  18o7  rafft(!  ihn  der  Tod  nach 
kurzem  Krankenlager  dahin. 

Neben  diesen  nach  der  Reihenfolge  ihres  Erscheinens  aufgezählten  und 
kurz  skizzierten  Werken  liefcir(!  Weitzel,  wenn  er  auch  die  Redaktion  einer 
Zeirsclirifr  oder  Zeitung  jiicJu  wieder  übernahm,  doch  eine  grosse  Anzahl  von 
Aufsätzen,     besonders  für  (Wv.  Allgemeine  Zeitung,    die  Pölitz'schen  Jahrbücher 


*^)  Siehe  seinen  Aufsatz  ^Üi)!'!'  dir  cliurhessisclie  Verfassung-  von   1831."    rülitz'  Julir- 
häcli.T  ilcr  Gescliiclito  uinl  Staatskunst"    1S31,  I.  S.  385—411. 
")  Jahrg.    1S33  I.  S.  21— .^.2. 


179 

der    Geschichto     und    Sfaatskimat,     'Rottocks     allgonieinc!    politische    Annali-n, 
Weicks  Aunuleu  für   Gescliichte    und  Politik  und    dio    Frankfurter    Didaskalia 
auf  die  näher  einzugcdieu  wir  sclion   um  deswillen  verzichten  können,   weil  diese 
Aufsätze    grösstenteils    wieder    in    seinen    seihständigen   Werken    aufifeiK.ninien 
oder  wenigstens  verarbeitet  sind. 

6.   Sonstige  litterarische  und  amtliche  Wirksamkeit. 

Die  publizistischen  Schriften  Weitzels  verdanken  mehr  oder  weniger  der 
Müsse  des  Augenblicks  ihre  Entstehung.  In  seiner  Selbstbiographie  sagt  er, 
dass  seine  Schriften  gewöhnlich  dadurch  entstanden  seien,  dass  er  das,  was  er 
auf  Si)aziergängen  gedacht,  mit  Bleifeder  aufgezeichnet  habe.'^)  Er  rechnet 
sie  in  diesem  Sinne  zu  seinem  Müssiggang.  Anders  verhält  es  sich  mit  seiner 
„Geschichte  der  Staats  wissen  sc  haf  t",  deren  erster  und  zweiter  Band, 
die  Darstellung  von  der  ältesten  Zeit  bis  zur  Wiedereinsetzung  d(!r  Bourboncin 
führend,  18;>2  und  18-38  bei  Cotta  in  Stuttgart  herauskamen.  Sie  beruht  auf 
langjährigem  Studium.  Weitzel  meint  dies  Werk,  wenn  er  in  der  Vorrede  seines 
1815  veröffentlichten  Romans  „August  und  Wilhelmiue"  sagt:  „Schon  lange 
arbeite  ich  an  einem  grösseren  historischen  Werke,  das  ich  aber,  wenn  es 
meiner  Erwartung  entsprechen  soll,  unter  den  günstigsten  Verhältnissen  in 
mehreren  Jahren  erst  vollenden  werde.  Bleibt  eine  Erinnerung  an  mein  Daseyn, 
dann  ist  es,   hoffe  ich,   dieses  AVerk." 

Dasselbe  bekundet  das  grosse  Interesse  Weitzels  an  den  Staatswissen- 
schaften, das  in  Göttingen  durch  Schlözor  geweckt  ilin  nie  verlassen  hatte, 
es  bekundet  aber  auch  zugleich  das  Unvermögen  des  Verfassers,  seiner 
Aufgabe  gerecht  zu  werden.  Dazu  mangelte  es  ihm  an  wahrem  geschicht- 
lichen Verständnis.  Wie  Weitzel  als  Publizist  den  Staat  nach  abstrakten 
Ideen  ohne  Rücksicht  auf  d\o  im  Staatsleben  waltenden  Kräfte  gemodelt 
wissen  wollte,  so  verkennt  er,  dass  die  Geschichte  der  Staatswissenschaft 
die  verschiedenen  Staatsformen  und  Systeme  nach  ihrem  Geist  und  Wesen 
aus  den  jeweiligen  Zeitverhältnissen  heraus  zu  erkennen  und  zu  beurteilen  hat. 
Abgesehen  von  diesem  Grundfehler,  dem  zufolge  „alle  Erscheinungen  vcmi 
Standpunkte  des  gemässigten  neuzeitigen  Liberalismus  aufgefasst  sind"  und  nur 
diesem  eine  innere  Berechtigung  zugemessen  wird^"),  ist  die  Darstellung  be- 
sonders bezüglich  des  Altertums  und  Mittelalters  auch  recht  oberflächlich.  Das 
Buch,  auf  das  Weitzel  so  grosse  Hoffnungen  gesetzt,  fand  zwar  begeisterte 
Lübredner,  wie  in  den  Pölitz'schen  Jahrbüchern,  die  besonnene  Kritik  aber 
wies  es  ab,  die  Leipziger  Litteratur-Zcitung '")  n.iit  der  „schmerzlichen  Be- 
trachtung, dass  hier  ein  berühmter  Name  und  eine  glänzende  Darstellungsgabe 
verwendet  seyen,  um  den  flachen  und  doch  so  unheilvollen  Alltagsmeinungen 
einc^  neue  Stütze  zu  leihen."  Statt  einer  Geschichte  der  Staatswissenschaften 
wird  dem  Leser  vielmehr   ein  zusammenhängendes  politisches  Raisonnement  über 


")  T.  S    327. 

■**)  V.  Mühl,  Die  Geschieht!'   inul   l^iitenitiir  der  Staatswisseaschiifteii  I.  S.  62. 

*')  Jfthi-f,'.   1833,  8.  398. 

12* 


180 

(las  JStautsk'ben  der  Yergangenbeit  und  die  staatsvvissenschaftliclie  Litteratur  in 
dersolbon  AVoiso  und  von  demselben  Standpunkt,  wie  es  Weitzels  publizistische 
Schriften  bezüglich  iler  Gegenwart  sind,  in  diesem  Werk  geboten.  Der  dritte 
Band,   der  dasselbe  zum  Absehluss  bringen  sollte,   ist  nicht  erschienen. 

Werfen  wir  jetzt  noch  einen  Blick  auf  Weitzels  bibliothekarische 
Wirksamkeit  und  seine  damit  im  Zusammenhang  stehenden  Bemühungen  um  die 
nassauische  Landesgeschichtc  so  ist  von  vornherein  anzunelimeu,  dass  er  dem  Amt, 
in  das  er  sich  so  jibitzlich  aus  dcan  Himmel  liott'uuugsfroher  journalistischer  Er- 
wartungen heraus  versetzt  sah,  keine  besondere  Neigung,  geschweige  denn  die 
wünschenswerte  Vorbildung,  entgegenbrachte.  Weitzel  spricht  dies  auch  in  dem 
Briefe  an  Dori>w  V(im  K'^.  31ärz  1S21  deutlich  aus.  Es  kann  aucli  iiiclit  be- 
haujjtet  werden,  dass  dem  Institut  die  ihm  von  Weitzel  gewidmete  Thätigkeit 
zum  besonderen  Segen  gereicht  liätte.  Der  beissenden  Kritik  gegenüber,  die 
van  der  Linde*')  an  der  bibliothekarischen  Wirksamkeit  Weitzels  geübt  hat, 
ist  es  indessen  Pflicht  anzuerkennen,  dass  Weitzel  seinem  Beruf  mir  bestem 
Willen  und  Eifer  obgelegen  hat.  Der  unter  ihm  begonnene  Druck  der  Kataloge 
hat,  soweit  auch  ihre  ganze  Anlage  und  Ausführung  hinter  modernen  An- 
forderungen zurückbleibt,  seiner  Zeit  die  Benutzung  der  Bibliothek  unzweifel- 
haft sehr  gefördert.  Auch  lassen  manche  Fächer  der  Bibliothek  in  ihren  älteren 
Beständen  seine  sorgsame  und  einsichtsvolle!  Pflege  erkennen.  Am  unheilvollsten 
hat  Weitzel  gewirkt  als  wissenschaftlicher  Berater  der  Regierung  in  Fragen, 
wo  es  sich  um  die  Erhaltung  oder  Erwerbung  alter  Bücher  und  Handschriften 
handelte.  An  sich  kann  man  es  dem  ausgesprochenen  Bationalisten  ja  nicht 
verdenken,  dass  er  für  die  Beurteilung  des  Wertes  solcher  Gegenstände  ebenso- 
wenig A'erständnis  wie  für  antiquarische  Forschungen  überhaupt  ^^)  besass. 

Tief  bedauerlich  bleibt  es,  dass  unter  den  Bibliothekaren  Hundeshagen 
und  Weitzel  die  litterarischen  Klosterschätze  Nassaus,  denen  bereits  in  den 
Kevolutionskriegen  allzu  übel  mitgespielt  worden  war.  zum  grossen  Teil  so  zu 
sagen  systematisch  zerstreut  und  verschleudert  sind,  auch  dass  die  für  eine 
geringe  Summe  mögliche  Erwerbung  des  hochwichtigen  Bodmanu'sehen  Nach- 
lasses unterlassen  wurde. 

Weitzels  Thätigkeitsdrang  wurde  durch  das  Amt  des  Leiters  der  Landes- 
bibliothek und  des  Beraters  der  Regierung  in  litterarischen  Angelegenheiten 
auch  auf  eine  Bahn  gelenkt,  auf  der  für  ihn  noch  weniger  Lorbeeren  zu  ernten 
waren,  als  in  dem  damals  überhaupt  noch  nicht  von  vorgebildeten  Fachleuten 
ausgeübten  bibliothekarischen  Berufe.  Er  fasste  den  Plan,  eine  nassauische 
L  a  n  d  e  s  g  e  s  c  h  i  c  h  t  e  zu  schreiben.*")  Der  besondere  Auftrag,  den  er  sich  dazu 
erbat,  ward  ihm  zunächst  nur  mündlich  zu  Teil.  Im  Dezember  1824  stellte 
er  anlässlich  dieser  Arbeit  bei  dem  Staatsministerium  den  Antrag,  man  möge  die 
historischen  Urkunden  von  den  Akten  in  den  Archiven  scheiden  und  im  Lokale 


*^)  Centralblatt  für  Jiibliuthekswesen  I.  S.  50  ff. 

*^  Siehe  Kheinreise,  S.  87. 

'"')  Sauer'«  Darstellunfij  dieser  Episode  aus  Weitzels  Loben  in  der  Lebensskizze  Yoj^els 
(Aiiiialeii  XXVII,  S.  203  ff.)  enthält,  abgesehen  von  ihrer  geringeren  Ausführlichkeit,  mehrere 
rngenauigkeiien   und  bezüglich    llabids  'rh}itiij:keit  in    Idstein   auch   eine  falsche  Berichtigung. 


IHI 

dor  ütt'ontlicluMi  liibliothek  aufbewalii'un,  (liiiiiit  sie  zu  Zwecken  der  Landesj^eseliichte 
leichter  benutzbar  seien.  Vom  ^linisteriiini  aufgefordert,  nälu-re  Yurist-hläge 
über  die  Art  und  Weise  der  Ausführung  diestss  Projektes  zu  machen,  unt(!rliess 
er  es  zunächst,  wie  er  vorgieht,  wegen  d(U'  finanzieUen  Lagi;  dc.v  Bibliothek. 
Erst  in  einem  Bericht  vom  "2V).  Juni  l.Si^T  HH^ldete  (m-  dem  Ministerium,  dass 
er,  nachdem  er  die  EinUntung  zu  einer  (ajschichte  des  Hauses  Nassau,  welche 
eine  Übersicht  der  Geschichte  Deutschlands,  seiner  ])()litisohen  und  kirchlichen 
Verfassung  und  seiner  Kulturentwicklung  vem  Ende  des  achten  bis  zum  Anfang 
des  dreizehntem  Jahrhunderts  (uithalti;,  bereits  v(»Ilendet  habe,  nunuKihr  in  die 
Lage  komme,  von  dem  Archivmaterial  Oebrauch  zu  machen.  Mau  könne  siidi 
nicht  auf  die  Sachkenntnis  und  den  guten  Willen  der  Archivare  verlassen, 
sondern  es  sei  nötig,  dass  ein  Mann,  der  sich  darauf  verstehe,  an  Ort  und 
Stelle  die  brauchbaren  Materialien  auswähle.  Er  selbst  könne  es  nicht,  weil 
eine  längere  Abwesenheit  sich  nicht  mit  seinem  Dienste  vertrage  und  besonders, 
weil  er  im  IJrkundenlesen  wenig  Fertigkeit  besitze,  und  der  Zustand  seiner 
Augen  es  ilim  sehr  beschwerlich  mache.^')  Das  Ministerium  beauftragte  jetzt 
den  besten  Kenner  der  nassauischeu  Geschichte,  Pfarrer  Vogel  zu  Schönbach, 
mit  der  Durchforschung  der  Urkunden  und  zw^ar  auf  Kosten  des  Archivs. 
Vogel  begann  seine  Arbeit  im  Idsteiner  Archiv  in  den  ersten  Tagen  des  August, 
zunächst,  an  die  wenigen  Dienststunden  gebunden,  in  langsamerem  Tempo,  von 
September  ab  jedoch  in  dem  gewünschten  Umfang  von  z(din  Stunden  täglich. 
Anfang  Oktober  musste  er  die  Arbeit  aufgeben,  da  ilim  im  Archiv  kein  heizbares 
Zimmer  angewiesen  werden  konnte,  und  dort  auch  kein  Licht  gebrannt  w^erden 
durfte.  Er  hatte  seine  Arbeit  soweit  gefördert,  dass  er  bis  1400  die  historischeu 
Urkunden  nach  ihrem  Hauptinhalt  ausgezogen,  von  da  ab  sie  aber  nur  summarisch 
verzeichnet  hatte.  Weitzel  war  damit  nicht  zufrieden,  sondern  verlangte,  dass  er 
auch  aus  diesen  wie  aus  den  früheren  Urkunden  in  entsprechender  Weise  Auszüge 
machen  solle.  Er  setzte  es  auch  durch,  dass  Vogel  das  Material  zu  diesem 
Zwecke  nach  Schönbach  entliehen  w^urde,  so  dass  letzterer  während  des  Winters 
die  Arbeit  zu  Hause  fortsetzen  konnte. 

Weitzel  Hess  unterdessen  die  erwähnte  Einleitung  als  die  Frucht  seiner 
bisherigen  geschichtlichen  Studien  im  Druck  erscheinen.  Zunächst  veröffent- 
lichte er  daraus  1828'')  in  den  Brockhaus'schen  Blättern  für  litterarische  Unter- 
haltung den  Aufsatz  „Der  Kampf  der  weltlichen  und  der  geistlichen  Macht 
im  Mittelalter.  (Aus  der  noch  uugedruckten  Geschichte  des  Hauses  Nassau  von 
Joseph  Weitzel. ")  '')  Bald  darauf  gab  er  das  Ganze  als  selbständiges  Werk  heraus 
unter  dem  Titel:  „Betrachtungen  über  Deutschland.  Von  der  letzten  Hälfte 
des  achten  bis  zur  ersten  des  dreizehnten  Jahrhunderts,  oder  von  Karl  dem 
Grossen  bis  auf  Friedrich  H."  Das  Buch,  das  ebenfalls  bei  Brockliaus  in 
Leipzig  erschien,  steht  kaum  auf  der  Höhe  der  damaligen  Geschichtsforschung, 
beruht  auch  nicht  auf  selbständigem  (Quellenstudium,  sondern  auf  den  Forschungen 


^')    Professor   Baiser    in    Gielsen    bewahrte    ihn    durch    eine    geschickte    Operation    vor 
Erblindung. 

^•^)  Jahrg.  1828,  Iso.  145  ff. 

^^)  Über  den   Vuriiunien  s.  oben    Aniii.   7. 


182 

Anderer.  Das  Selbständige  daran  sind  mein-  nder  weniger  geistreiche  Eäsonne- 
ments.  Mau  sieht  nieht  ein.  was  diese  Betrachtungen  mit  der  nassauischen 
Geschichte  zu  thun  halu-n  und  mit  vcdleni  Rechte  verlangte  Luden  in  der 
Jenaischen  Allgemeinen  Litteratur-Zeitung")  statt  diesiM-  HiMiothekstoppeln  von 
dem  Verfasser  eine  (ireschichte  Nassaus. 

Hierzu  nahiu  Weitzel  jetzt  einen  vielversprechenden  Anlauf.  In  einem 
ausführlichen  Berichte  vom  IT.  Januar  1828  setzte  er  dem  Ministerium  aus- 
einander, dass,  wenn  die  von  ihm  in  Angriff  genommene  Geschichte  einen 
oftiziellen  Charakter  haben  solle,  alle  Archive,  die  eine  Ausbeute  versprächen, 
auch  die  auswärtigen,  zu  Rate  gezogen,  ausserdem  aber  auch  die  bedeutenderen 
Denkmäler,  die  sich  im  Lande  befänden,  mitgeteilt  uiul  zu  diesem  Zwecke 
aufgenommen  werden  müssten.  Zur  Bearbeitung  einzelner  Teile,  die  ihm  ferner 
läo-en.  könne  man  A'ogel,  Habel  und  den  Bibliotheksekretär  Zimmermann 
heranziehen.  Auf  diese  Weise  werde  eine  Geschichte  von  bleibendem  Wert 
geschaffen  werden.  Wenige  Tage  später  erfolgte  eine  Kabinetsordre,  welche 
die  Ausarbeitung  der  Landesgeschichte  in  der  von  Weitzel  angegebenen  Weise 
anordnete.  Infolge  dessen  wurden  die  Lokalbehörden  im  ganzen  Lande  zu 
Mitteilungen  über  die  in  ihrem  Gebiet  vorhandenen  Denkmäler  aufgefordert,^*) 
Weitzel  selbst  unterhandelte  mit  Vogel  über  die  Bedingungen,  unter  denen 
dieser  sich  zur  Mitwirkung  bei  der  Bearbeitung  der  nassauischen  Geschichte 
verstehen  wolle.  Vogel  versprach  seine  ganze  Kraft  für  die  Sache  einzusetzen, 
wenn  er  eine  baare  Zulage  von  200  Gulden  erhalte  bis  zu  seiner  Versetzung 
auf  eine  um  mindestens  diesen  Betrag  einträglichere  Pfarre,  und  wenn  ihm  aus- 
wärtige Kommissarien  nach  den  gesetzlichen  Bestimnmngen  honoriert  würden. 
Er  stellte  zugleich  seine  seit  zwanzig  Jahren  gesammelten  handschriftlichen 
Kollektaneen  zur  Disposition  des  Staates,  ohne  besondere  Vergütung  dafür  zu 
beanspruchen,  und  erklärte  seinerseits  der  beabsichtigten  Herausgabe  einer 
nassauischen  Gescliichte  entsagen  zu  wollen.  Auf  Weitzels  Empfehlung  ging  die 
Regierung  auf  das  allerdings  sehr  annehmbare  Anerbieten  Vogels  ein.  Dieser 
übersandte  jetzt  ein  Verzeichnis  seiner  handschriftlichen  Materialien  zur  nassau- 
ischen Geschichte  und  erbot  sich  zugleich  aus  seiner  Bibliothek  diejenigen  auf 
die  vaterländische  Geschichte  bezüglichen  Werke,  welche  der  öffentlichen 
Bibliothek  noch  fehlten,  letzterer  zum  Geschenk  zu  machen,  eine  Freigebig- 
keit, durch  welche  dieselbe  in  den  Besitz  einer  beträchtlichen  Zahl  meist  seltnerer 
Xassoica  kam. 

Weitzel.  der  gar  nicht  daran  dachte,  von  deJi  von  Vogel  hergestellten 
l'rkundenregesten,  noch  von  dessen  Kollektaneen  ernstlichen  Gebrauch  zu 
macheu.  beantragte  gleichwohl  bei  der  Regierung,  dass  die  für  die  nassauische 
Geschichte  in  Betracht  kommenden  Urkunden,  um  si(!  sofort  bei  der  Hand  zu 
haben,  zu  einem  besonderen  Archive  in  Wiesbaden  vereinigt  würden,  wie  er 
es  bereits  im  Jahre  1824  vorgeschlagen  habe.  Wahrscheinlich  wollte  er  dadurch 
in  den  Stand  gesetzt  werden,    die  ihm  so  lästige,   aber  unvermeidliche  urkund- 


'"*)  Jahrjj.   1828,  Xu.   21."). 

'"'')  iJio  betrotiendoii  iiiiifiingroiohoii  Akten  Ix^tiiidcii  sich  jetzt  im    Arcliiv  dos  Vereins. 


183 

liehe  Unterlage  für  seine  GeschicJite  (lurcli  den  JJibliotlieksekn.'tär  Ziniiiicniiann 
fertig-  stellen  /ai  lassen.  Sein  Vorschlag,  Jlabel  von  Schierstein  mit  jener  Arbeit 
zu  beauftragen  und  diesem  zugleich  unter  Oberaufsi(dit  des  Bibliothekars  die  Ver- 
waltung der  Altertümer,  Gemälde,  ]\lünzen  und  Kupferstiche  mit  einem  Gehalt 
von  800  Gulden  zu  übertragen,  wurde  gencdimigt.  Ilabel  ward  mit  dem 
Jahre  1829  angestellt. 

Nachdem  ei'  in  den  Wintermonaten  die  Altertüiiici  und  Kiinstgegenstände 
geordnet  liatte,  ging  er  im  April  nach  Idstein.  AVähreud  des  Sommers  schied  er 
hier  .'JOOO  Urkunden  aus  und  U>gte  zugleich  ein  Repertoriiim  darüber  an.  Es 
waren  Urkunden  des  Stifts  Limburg,  des  Jungfrauenklosters  Bethl(;liem  zu  Limburg, 
des  Stifts  Dietkirchcn,  der  Klöster  Eupertsberg  und  Eibingen,  sowie  des  Klosters 
Marienhausen.  Im  November  wurden  diese  Urkunden  nach  Wiesbaden  transportiert. 
Da  Ilabel  von  Weitzel  den  Auftrag  hatte,  nur  das  Historische  mit  gänzlicher  Über- 
gehung aller  topographischen  Nachrichtim  zu  berücksichtigen,  so  war  die  Ausbeute 
in  diesen  Klosterurkunden  sehr  unbedeutend.  Der  gründliche  Forscher  durchging 
deshalb  auf  eigne  Faust  auch  die  in  älteren  Werken  und  Deduktionen  im  Druck 
erschienenen  Urkunden  zur  nassauischeu  Geschichte  und  liess  aus  diesem 
Grunde  auch  viele  Bände  besonders  der  Medicus'schen  Deduktionssammlung  nach 
Wiesbaden  befördern.  Im  März  und  April  arbeitete  er  von  Neuem  in  Idstein, 
wo  er  über  1000  weitere  Urkunden  der  Klöster  Gottesthal,  Diett'enthal  und 
Marienstatt  ausschied  und  verzeichnete. 

Weitzel,  dem  diese  höchst  umständliche  Arbeit  viel  zu  lange  dauerte, 
arbeitete  inzwischen  ohne  das  urkundliche  Material  an  seiner  Geschichte.  Ende 
September  1829  teilte  er  dem  Ministerium  mit,  dass  er  bis  zum  nächsten  Sommer 
auf  die  Vollendung  der  Arbeit  in  zwei  massigen  Bänden,  die  hofteutlich  der 
Erwartung  des  gebildeten  Publikums  entsprechen  würden,  rechnen  dürfe.  Drei 
der  angesehensten  deutschen  Buchhandlungen  hätten  sich  schon  um  den  Verlag 
beworben.  Später,  wenn  das  historische  Archiv  erst  eingerichtet  sei,  gedenke  er 
dieselbe  Geschichte  nach  einem  grösseren  Plane  unter  Benutzung  der  ürkuiulen 
umzuarbeiten.  Der  vorläufigen  Herausgabe  des  Werkes  trat  man  indessen  höheren 
Orts  entgegen  und  forderte  vielmehr  Bericht  darüber  ein,  welche  Hindernisse  einer 
schnelleren  Ausscheidung  und  Benutzbarkeit  der  Urkunden  im  Wege  ständen. 
Weitzel  beklagte  sich  jetzt  über  Habel,  indem  er  ihn  direkt  der  Dienstvernach- 
lässigung zieh.  Vom  Ministerium  zur  Verantwortung  aufgefordert,  hatte  Habel 
zwar  die  Genugthuung,  dass  ihm  die  beruhigendsten  Zusicherungen  hinsichtlich  der 
Beurteilung  seiner  bisherigen  Dienstthätigkcit  gemacht  wurden,  allein  ein 
förderliches  Zusammenarbeiten  beider  Männer  war  fortan  ausgeschlossen. 

Der  einzige,  der  mit  Erfolg  an  der  Landesgeschichte  arbeitete,  war  Vogel. 
Ende  1832  liess  er  sein  Manuskript,  die  nassauische  Geschichte  von  496 — \'2')') 
umfassend,  dem  Ministerium  durch  Weitzel  zur  Begutachtung  vorlegen.  Letzterer 
erbat  sich  zugleich  für  den  Fall,  dass  die  Vogel'sche  Darstellung  nicht  ge- 
nüge, sondern  eine  Umarbeitung  gewünscht  werde,  einen  Urlaub  von  drei 
Wochen  und  zweihundert  Gulden  Keisegeld,  um  das  ihm  noch  unbekannte 
nassauische  Stammland  kennen  zu  lernen,  die  wichtigsten  Orte  desselben  be- 
suchen und  Sagen  und  Überlieferungen  im  Lande  nachspüren  zu  können!  Der 


184 

Herzog  uud  sein  Minister  erkannten  jetzt  wuJil,  elass  man  Weitzel  mit  einer 
Aufgabe  betraut  habe,  tleren  Schwierigkeiten  oy  nicht  einmal  ahnte,  geschweige 
(lass  er  ihnen  gewachsen  gewesen  wäre.  Man  liess  seinen  Bericht  unbeant- 
wortet. Yogel  erhielt  sein  Manuskript  erst  im  Jahre  1838  zurück.  Nach 
Weitzels  Tode  wurde  das  Filialarchiv  in  Wiesbaden,  dem  die  drei  damals  dem 
Altertumsmuseum  überwiesenen  Zimmer  des  Museumsgebäiides  links  vom  Haupt- 
eingange  vorbehalten  gewesen  waren,  wieder  aufgelöst,  die  Urkunden  wurden 
auf  Kosten  der  Bibliothekskasse  an  das  Idsteiner  Archiv  zurückbefördert. 
Diesem  wurden  auch  zusammen  mit  der  Regierungsregistratur  die  für  die  Auf- 
bewahrung der  Urkunden  zu  Wiesbaden  seiner  Zeit  für  über  559  Gulden  an- 
gefertigten elf  Schränke  zugewiesen.  • 

Wenn  auch  die  verursachten  ^[ühen  und  Kost(.'n  nicht  ganz  umsonst 
waren,  sondern  durch  das  von  Weitzel  angeregte  Unternehmen  Vogels  landes- 
gesehichtliche  Forschungen  bedeutenden  Vorschub  erhielten  und  bezüglich  der 
historischen  Denkmäler  ein  umfangreiches  Material  gesammelt  wurde,  so  spielt 
Weitzel  hierbei  doch   eine  nichts  wenis-cr    als  glänzende  Rolle.     Dass  er  seine 


'o' 


Kräfte  so  überschätzen  konnte,  hängt  mit  seiner  Auffassung  der  Geschichts- 
schreibung eng  zusammen.  Auch  hier  vertritt  er  den  rationalistischen  Stand- 
])unkt.  der  über  (^ufHenstudium  erhaben  und  die  Kathederweisheit  verspottend 
als  die  einzige  Schule  des  Geschichtsschreibers  das  öffentliche  Leben  und  das 
Wirken  in  demselben  ansieht.  Dabei  glaubt  er  angesichts  seiner  publizistischen 
Thäfigkeif.  die  doch  nichts  weniger  als  die  Summe  der  Erfahrungen  eines 
politischen  Praktikers  darstellt,  den  Namen  eines  Geschichtsschreibers  eher 
beanspruchen  zu  können,  als  ein  schulmässig  gebildeter  Historiker,  den  er  mit 
einem  potenzierten  Thorschreiber  vergleicht,  der  nur  niederschreibe,  was  und 
wer  passiert  sei.")  In  diesem  Sinne  bezeichnet  er  auch  in  dem  dem  Minister 
von  Marschall  gewidmeten  Nachruf*')  alles,  was  man  bisher  für  eine  Geschichte 
Nassaus  geboten  habe,  als  höchstens  rohen  Stoff,  der  ihr  dienen  könne,  wenn 
er  geläutert  und  geordnet  werde.  Übrigens  kann  Weitzel  weder  als  Bibliothekar 
noch  als  Historiker  ernstlich  unser  Interesse  beanspruchen.  AVir  haben  es, 
wenn  ich  auch  diese  Seiten  seiner  Wirksamkeit  nicht  mir  Stillschweigen  über- 
gehen zu  sollen  glaubte,   vielmehr  mit  ihm  als  Publizisten  zu  thun. 

Rückblick. 

Vergegenwärtigen  wir  uns  auf  Grund  der  gewonnenen  Kenntnis  von  Weitzels 
Schriften  das  Bild  des  Publizisten,  wie  es  sich  darin  wiederspiegelt,  seinen  Haupt- 
zügen nach,  so  sehen  wii.  dass  er  zunächst  ganz  unter  dem  EinHuss  des  Mannes 
steht,  der  seiner  Zeit  als  der  Verkündiger  einer  neuen  Weltordnung  erschien. 
Wie  bei  s(»  vielen  ^lännern  jener  Zeit  bildeten  die  Rousseau'schen  Schriften 
die  Lieblingslektüre  des  heranwachsenden  Weitzels,  dem  in  Mainz  der  Kontrast 
des  Zeitalters  der  Aufklärung  und  dos  Beharrens  in  mittehilterüchcm  orthodoxen 
Anschauungen    in    seiner    ganzen  Schärfe    entgegentrat.      Weitzels   Naturanlage 


*")  Briefe  vom  Khein,  S.  289  ff. 

")  Allgemeine  Zeitung   18:34,  xVulsorüril.  Beil,  ^'u.   117/118,  S.  466. 


185 

war  dorjeiiigon  Rousseaus  oii^-  verwandt.  lim  helKüTSL-lit  diesiilbc  ritor- 
sch\ven«^lichkeit  des  Gefühls,  die  Rousseau  charakterisiert  und  ihn  die  un- 
umstüssliclion  IJedinj^'ungen  und  Gesetze  des  Gescdieheus  so  oft  nicht  anerkennen 
lassen  will.  Das,  was  Ilettner  in  seiner  Litteraturgcschichte  des  acht/cdinten 
Jahrhundtn-ts'*'')  als  den  Grundtnn  der  ^"esaniten  damaligen  Ztiitstiminung  bezeichnet, 
„jenes  tiefe  grüblerische  AVeli  über  den  tragischen  AVidersjiruch  zwischen  Ideal 
und  Wirklichk(Mt,  zwischcm  den  Furdi'rungen  des  über(|uellenden  warmen 
Herzens  und  der  undiirchbrechbaren  Eng(j  und  Kälte  der  widerstrebenden  \N'elt- 
verhältjiisse"  war  aucdi  für  Weitzcd  d(M'  Grundton  seines  innersten  Denkens  und 
Empfindens.  Wie  dies  seine  Schriften  so  vielfacli  bezeugen,  so  heisst  es  auch 
in  seiner  Selbstbiographie''^):  „Ich  hatt«;  in  einer  schweren,  verhängnissvollen 
Zeit  so  viel  Herrliches  und  Gemeines,  so  viel  Edles  und  Schlecht(!s  sich  in 
Hüchtiger  Eile  verdrängen,  ein  gleiches  Schicksal  teilen,  entstehen  und  unter- 
gehen gesehen,  dass  mir  das  menschliche  Streben  recht  eitel  und  fruchtlos  vor- 
kam, und  ich  das  Dauernde  und  Begründete  nur  in  unserem  Innern  suchte. 
Diese  unglückliche  Stimmung  drängte  mich  in  allen  entscheidenden  Momenten 
meines  Lebens  von  der  Aussenwelt  in  mich  selbst  zurück,  und  die  Herrlichkeiten 
des  öffentlichen  Lebens  voll  Schein  und  Trug  Hessen  mich  so  gleichgültig  wie 
seine  Armseligkeiten  und  sein  Jammer. " 

Der  Umstand,  dass  die  Rousseau'schen  Ideen  in  der  französischen 
Revolution  praktische  Bedeutung  (erlangten  in  dem  Augenblicke,  wo  Weitzel 
den  Knabenschuhen  entwachsen  war,  wirkte  bestimmend  auf  sein  ganzes  Leben 
ein.  Für  ihn,  den  gefühlsseligen  Jüngling,  galt  es  jetzt  im  Dienste  des  von 
Rousseau  verkündigten  Evangeliums  einer  neuen  Zeit  thätig  zu  sein.  Als 
Vierundzwanzigjährigcr  tritt  er,  wenn  auch  ohne  seineu  Namen  zu  nennen,  zum 
ersten  Male  als  Publizist  auf,  um  nach  einem  missglückten  Versuche,  sich  einer 
praktisch  politischen  Laufbahn  zu  widmen,  als  solcher  in  einem  langen  Leben 
bis  zum  Ende  unermüdlich  wirksam  zu  sein.  Wie  Rousseau  kein  Mann  der 
That  und  kein  eigentlich  politischer  Kopf  war,  so  kann  man  dies  auch  nicht 
von  Weitzol  behaupten.  AVeitzel  ist  auch  kein  originaler  Geist.  Er  geht  nicht 
darauf  aus,  selbständig  ein  neues  politisches  System  aufzustellen,  sondern  er 
sieht,  erfüllt  von  humaner  Gesinnung  und  begeistert  für  edle  Gedanken,  seine 
Aufgabe  darin,  die  von  Andern  übernommenen  Ideen  durch  die  Schrift  zu  ver- 
breiten und  ihnen  zum  Siege  zu  verhelfen.  Dabei  ist  er  aber  ein  selbständiger, 
aufmerksamer  Beobachter,  der  weit  davon  entfernt  ist,  sich  einem  blinden 
Autoritätsglauben  hinzugeben. 

So  machen  denn  auch  seine  politischen  Anschauungen,  wenn  sie  auch  nie  den 
Boden  verleugnen,  aus  dem  sie  hervorgegangen  sind,  doch  unter  dem  Eindrucke 
seiner  Erlebnisse  verschiedene  Wandlungen  und  Läuterungen  durch.  Während  sein 
Enthusiasmus  für  die  republikanische  Staatsform  ihn  in  seiner  Erstlingsschrift  ein- 
dringlich vor  der  Gefahr  eines  das  Ruder  des  Staatsschiffes  ergreifenden  Caesars 
oder  Cromwells  warneu  lässt,    erlischt  bald  darauf  infolge    der    im    praktischen 


"")  III.  3,  2,  1870,  S.  392. 
"^)  Bd.  I.  S.  327. 


186 

Leben  geinacliten  Erfahrungen  die  Begeisterung  für  die  licpublik  bei  ilini  für 
immer.  Die  Grussartigkeit  der  durch  Xapdleon  hergestellten  Strafi'heit  der  Gesetz- 
gebung und  Verwaltung  lässt  den  für  alles  Grosse  so  Empfänglichen  in  dem 
Usurpator  geradezu  den  Mann  der  Vorsehung  verehren,  den  eigne  Tüchtigkeit  aus 
dem  Volke  heraus  an  die  Spitze  des  Staats  gebracht  hat,  um  die  Hoffnungen  und 
AVünsche  seiner  Zeit  zu  orfüUen.  Freilich  kann  der  Jünger  ßousseaus  der 
zwar  die  Errungenschaften  der  Revolution  zum  Teil  anerkennenden,  im  übrisen 
aber  in  Despotismus  ausartenden  Militärherrschaft  Napoleons  auf  die  Dauer 
nicht  sympathisch  gegenüberstehen.  Schon  in  „Lindau"  sucht  sich  der  idealistische 
Schwärmer  über  die  Kluft,  die  zwischen  s(ünen  politischen  Ideah'n  und  der 
Wirklichkeit  besteht,   mit  frommen  Wünschen  hinwegzuträumen. 

Nach  dem  Sturze  Napoleons  schliesst  sich  AVeitzel  den  Vertretern  des 
konstitutionellen  Liberalisnnis  au,  der  von  Frankreich  ausgehend  zwischen  der 
absoluten  monarchischen  Staatsform  und  der  in  der  Revolution  begründeten 
bürgerlichen  Freiheit  zu  vermitteln  suchte  und  auch  in  Deutschland  eine  immer 
grösser  werdende  Zahl  von  Anhängern  fand.*^")  Sein  iiopulärster  Vertreter  ist 
hier  bekanntlich  in  den  zwanziger  und  dreissiger  Jahren  unseres  Jahrhunderts 
der  JJadenser  Karl  von  Rotteck.  Während  aber  Rotteck  und  die  Mehr- 
zahl seiner  Gesinnungsgenossen  ihr  Ideal  in  der  Republik  sahen  und  sich  mit 
der  konstitutionellen  Staatsform  nur  als  mit  der  ihrem  Ideal  am  nächsten  kom- 
menden befreundeten,  ist  "NVeitzel  ein  überzeugter  Anhänger  der  Monarchie. 
Fast  mehr  noch  als  den  Absolutismus  fürchtet  er,  gemahnt  durch  die  Erfahrungen 
seiner  Jugend,   die  Majorisierung  der  Minderheit  durch  die  Massen, 

Diesen  verschiedenen,  wenn  auch  nicht  bedeutenden,  docli  immerhin  be- 
merkenswerten politischen  Wandlungen  gegenüber  bleibt  Weitzel  sich  in  \  einem 
Punkte  immer  gleich,  in  der  Betonung  der  Wichtigkeit  des  moralischen 
Momentes  im  Staate.  Hier  wirkt  zunächst  die  Rousseau'sche  Tügendherr- 
schaft  nach,  ebenso  wie  die  Vorliebe  Weitzels  für  die  Plutaich  entnommenen 
Idealgestalten  der  Antike,  die  er  seinen  Lesern  mit  wirklich  ermüdender  Aus- 
dauer immer  wieder  vorführt,  auf  Rousseau  zurückgeht.  Aber  dies  ethische 
Moment  tritt  bei  Weitzel  viel  stärker  hervor,  und  wenn  irgendwo,  so  ist  er  in 
seinen  spekulativen  Versuchen,  dies  Moment  zum  beherrschenden  Prinzip  des 
Staatslebens  zu  gestalten,  originell,  wie  dies  besonders  in  seinem  Aufsatze 
,,Betrachtungen  über  die  Ursachen  grosser  Staatsrevolutionen"  der  Fall  ist. 
Anfangs,  wo  er  noch  ganz  im  Sinne  Rousseaus  republikanischen  Ideen  huldigt, 
dringt  er  auf  die  Heranbildung  aller  Bürger  zu  sittlich  tüchtigen  Menschen. 
Entsprechend  dem  Gesellschaftsvertrag  Rousseaus,  der  den  Staat  in  eine 
Summe  von  Individuen  auflost,  glaubt  er  die  Kraft  des  Staates  auf  die  moralische 
Tüchtigkeit  des  Einzelnen  begründen  zu  müssen.  In  „Lindau",  wo  ihm  die 
Einsicht  geworden  ist,  dass  die  antike  Demokratie  Rousseaus  sich  nicht  mit 
den  komplizierten  Verhältnissen  eines  grossen  modernen  Staates  verträgt,  ver- 
langt er  einen  Bund  der  Weisesten  und  Besten  aller  Staaten,  der  den  einzelnen 
Regierungen  in  der  Leitung  der  öffentlichen  Angelegenheiten  an  die  Jlaud  gehen 


")  Bluii  tschl  i,  Gescliiclitc  des  allgemeinen  Staatsrechts  und  der  Politik.     18G4.  S.  519. 


187 

soll.  So  phantastisch  diese  Idee  auch  ist,  und  so  wenig  Weitzel  über  ihre  Durch- 
führbarkeit aucli  nur  nachgedacht  zu  haben  scheint,  gegenüber  der  Forderung, 
dass  die  Bürger  in  ihrer  Gesamtheit  zu  Tugendhelden  erzt)gen  werden  sollen, 
bedeutet  sie  ininierliiii  einen  Fortschritt.  Der  Kern  dieser  Idee  verwächst  auch 
mit  den  weiter  von  ihm  vertretenen  gereifteren  politischen  Anschauungcüi.  Hei 
der  konstitutionellen  Verfassung  legt  er  den  grösstisn  AVert  auf  die  Bestimmungen 
über  die  Wahl  der  Abgeordneten.  Diese  Wahl  nmss  seiner  Meinung  nach  in 
jeder  Beziehung,  im  passiven  und  aktiven  Sinne,  frei  sein,  sie  darf  vor  allem 
nicht  an  Keichtum  und  Grundbesitz  gebunden  werden.  Dc^nn  nur  dann  können, 
worauf  es  doch  ankommt,  die  moralisch  und  intellektuell  Tüchtigsten,  die 
Aristokratie  des  Geistes,  zu  Abgeordneten  und  Vertretern  des  Volkes  berufen 
werden. 

Dies,  seine  politischen  Anschauungen  durchdringende,  ethische  Moment  hat 
es  auch  zur  Folge,  dass  die  Erzicdumgsfrage  in  Weitzels  Schriften  einen  so 
breiten  Raum  einnimmt.  Hängt  doch  die  Verwirklichung  seines  Ideals  wesent- 
lich von  ihr  ab.  Auch  hier  ist  er  bei  Rousseau  in  die  Schule  gegangen. 
Aber  die  Absurditäten  des  „Emil"  bei  Seite  lassend,  hat  er  sich  die  wertvollen 
Bestandteile  der  Rousseau'schen  Erziehungslehre  zu  eigen  gemacht.  Nicht 
so  sehr  die  Erwerbung  von  Kenntnissen  ist  Aufgabe  der  Erziehung  und  des 
Unterrichts,  als  die  Erweckung  selbstthätigen  Nachdenkens  und  Urteilens,  be- 
sonders aber  die  Pflege  idealen  Sinnes  und  sittliclier  Tüchtigkeit.  Die  Aufgabe 
des  Erziehers  sieht  AVeitzel  als  eine  so  hohe  und  schwierige  an,  dass  ihm,  dem 
sonst  nur  die  Freiheit  der  Entwickelung  die  Gewähr  für  die  Gesundheit  aller 
Institutionen  bietet,  der  Lehrerstand,  um  sich  in  seiner  Reinheit  und  Tüchtig- 
keit zu  erhalten,  einer  gewissen  Abgeschlossenheit  zu  bedürfen  scheint.  Die 
Erziehung  ist  eine  nationale  Aufgabe.  Durch  sie  soll  begeisterte  Vaterlands- 
liebe gepflegt  werden,   ohne  die  eine  Nation  nicht  bestehen  kann. 

Bezeichnend  ist  gerade  diese  Forderung  für  Weitzel,  der  von  liaus  aus 
als  Sohn  des  Zeitalters  der  Aufklärung  und  als  Bürger  eines  deutschen  Klein- 
staates Kosmopolit  war  und  dies  auch  in  gewissem  Sinne  immer  geblieben  ist. 
Die  grosse  Zeit  des  deutschen  Freiheitskampfes  ist  aber  nicht  spurlos  an  ihm 
vorübergegangen  und  mit  dem  wiedergewonnenen  Glauben  an  die  deutsche 
Nation  ist  ihm  wie  anderen  Männern  seiner  Zeit  zugleich  das  Verständnis  für 
nationale  Kraft  und  Eigenart  aufgegangen.  In  dem  Staat,  der  in  nationaler 
Begeisterung  den  anderen  deutschon  Staaten  im  Kampf  gegen  die  Fremdherr- 
schaft vorangegangen  war,  erkennt  er  deshalb  auch  prophetischen  Blickes  den 
Grundstein,   auf  dem  sich  die  Zukunft  Deutschlands  aufbauen  muss. 

Wenn  Dorow")  sieben  Jahre  nach  Weitzels  Tode  meint,  dass  Weitzel 
als  Publizist  und  belletristischer  Schriftsteller  stets  eine  sehr  bedeutende  Stellung 
einnehmen  werde,  so  erscheint  dies  Urteil  heute,  wo  Weitzels  Schriften  auch 
in  seiner  engeren  Heimat  kaum  noch  Leser  finden,  als  sonderbare  Hyperbel. 
Als  Belletrist  kommt  Weitzel  überhaupt  keinerlei  Bedeutung  zu.  Seine  Romane 
sind    als    solche    ohne    besonderen    Wort,     das     dichterisch     freie    Empfinden 


51)  Erlebtes  IL  S.  107. 


188 

tritt  in  ihiiL'U  vur  (k-m  nächsten,  tlcni  belebroudeu  Zweck  zurück.  AVohl 
zeichnen  Leichtigkeit  und  Glätte  des  Stils  seine  belletristischen  \vi<>  pul)]!- 
zistischen  Schriften  au^;.  und  geNviss  soll  nicht  geleugnet  wiu'den,  dass 
manche  des  AuHesens  werte  Goldkörner  interessanter  Beobachtungen  und  Lebens- 
erfahrungen sich  in  ihnen  finden,  aber  der  Kern  ihres  Lihalts  zitdit  uns  nicht 
mehr  an.  I^ennoch  ist  nicht  zu  verkennen,  dass  sicli  Weitzel  seiner  Zeit  be- 
sonders als  Herausgeber  des  „Rheinischen  Archivs''  um  das  geistige  Leben  am 
Mittclrht'in   mtschicdi^ne  Verdienste  (>rworben   hat. 

In  erster  Linie  ist  Weitzel  ein  politischer  Tagesschriftsteller.  Fast  zwei 
.lahrzehnt(»  hindurch  ist  er  als  Redakteur  zweier,  ihrer  Zeit  angesehenen  Blätter 
hintereinander  thätig  gewesen.  Als  solcher  ist  er  in  seinem  eigensten  Element. 
Die  öffentliche  Meinung,  diese  mit  der  französischen  Revolution  ins  Leben 
gerufene  neue  Macht,  zu  vertreten,  nach  oben  wie  nach  unten,  darin  erkennt 
er  seinen  eigentlichen  Beruf.  Hatte  ihm  die  ^'apoleonischc  Zensur  schliesslich 
dvn  Mund  geschlossen,  so  stellt  er  nach  dem  Sturz  d(!s  Luperators  seine  ganze 
Kraft  alsbald  wieder  in  den  Dienst  dieser  Macht,  durch  deren  Nichtbeachtung 
seiner  Ueberzeugung  nach  auch  der  gewaltige  Machthaber  zu  Fall  gekommen 
war.  Sein  ganzes  Sein  und  Wirken  bezeichnet  er  geradezu  als  ein  Geschenk 
der  ()ffentlichen  Meinung.  Als  Herausgeber  der  „Rheinischen  Blätter"  hat 
Weitzel  in  den  Jahren  181G — 1819  für  Nassau  eine  wichtige  Rolle  gespielt. 
Die  Bedeutung  seines  Blattes  greift  auch  nach  Preussen  über,  so  dass  der 
preussische  Staatskanzler  sich  schon  des  geAvandten  Publizisten  zu  vergewissern 
sucht.  Die  Karlsbader  Beschlüsse  aber  bereiten  dieser  bedeutungsvollen  Wirk- 
samkeit ein  vorzeitiges  Ende. 

Der  Grundzug  von  Weitzels  politischen  Anschauungen,  der  politische 
Rationalismus,  ist,  seitdem  Niebuhr  und  Savigny  die  Einsicht  in  die  geschicht- 
lichen Grundbedingungen  des  Staatslebens  und  des  Rechts  geöffnet  haben,  und 
seitdem  das  Jahr  1848  jnit  seinen  herben  Erfahrungen  „die  Einen  die  Geschichte 
als  ein  ew^iges  Werden  begreifen  Hess  und  die  Anderen  erkennen  lehrte,  dass 
im  Staatsleben  nur  das  historisch  Begründete  vernünftig  ist"''^),  einer  richtigeren 
Erkenntnis  gewichen.  Es  ist  nicht  unsere  Aufgabe  zu  untersuchen,  welcher  Wert 
jenem  in  der  französischen  Revolution  und  ihren  litterarischen  Vorboten  wurzelnden 
Rationalisnms  in  der  Geschichte  des  Staatslebens  zukommt.  Das  aber  ist  sicher, 
dass  jene  Ijchre,  die  sich  nicht  mit  den  Geheimnissen  des  geschichtlichen 
Werdens  beschwerte,  sondern  in  der  Vernunft  und  der  Idee  des  Rechtes  die 
einzig  massgebenden  Faktoren  für  die  Beurteilung  staatlicher  Verhältnisse  sah, 
jedenfalls  dazu  beigetragen  hat,  das  in  der  Kleinstaaterei  und  dem  Kabinets- 
regiment  b(!grabene  ])(ilitische  Bewusstsein  unseres  Volkes  wieder  zu  wecken 
und  erstark(!n  zu  lassen.  Sie  dicuite  der  in  Fatalismus  auszuarten  di'oliendiMi 
neuen  historischen  Auffassung  des  Staats-  und  Rechtslcbeus  gegenüber  zugleich 
als  heilsamer  Gegensatz.  Nur  im  Kampf  der  Gegensätze  konnte  auf  der  lang- 
sam fortschreitenden  Bahn  der  Entwicklung  eine  tiefere  politische  Bildung 
Platz  greifen,   und  darum  darf  das  Verdienst  der  Männer,   die  befangen  in  den 


'^)  TreitBchke,  Deutsche  Geschichte.    Bd.  2.    3.  Aufl.,  S.  63. 


1H9 

Auscliiuumgcn,  wio  n'w  die  französische  JI(!V()lution  zur  Folge  hatte,  dem  Natur- 
recht  ]uihli,i;t(>ii  und  dasselbe  /uin  Au.sgaii<^si>uiikte  ihrer  [ntlitiselien  Bestrebuu'M'n 
maclit(ni,   nicht  verkannt  und  geschnnilert  werden."*) 

Weitzol  nimmt  unrei'  üincii,  weini  er  auch  ni(;lit  als  jn-aktischor  Politiker 
gewirkt  und  nicht  die  l'opulurität  eines  llottcud-:  oder  Jordan  erlangt  hat. 
doch  (iine  beachtenswerte  Stellung  ein.  Als  (lin  Sohn  seiner  Zeit,  in  ihren 
Anscliauung(m  und  Ideen  fussend,  ist  er  vom  besten  AVillen  beseelt  und  von 
ehrliclier  Überzeugung  geleitet,  in  nie  rastender  Thätigkeit  bestrebt  gewesen, 
an  der  politischen  Erziehung  des  Volkes  und,  was  bei  seinem  kosmopolitischen 
Stand})unkt  ein  und  dasselbe  war,  an  der  Erziehung  der  Menschheit  zu  Humanität 
uiul  SittlichkiTit  mitzuarbeiten.  Seine  Zeit  hat  ihn  geehrt  und  gefeiert,  und 
wenn  er  ihr  auch  den  Vorwurf  macht,  dass  sie  die  Preis-  und  Ehrenmünzen 
allzu  freigebig  auspräge®*),  so  können  wir,  die  wir  zwar  über  ihn  und  seine 
Zeit  hinausgewachsen  sind,  doch  in  die  Anerkennung  seiner  Zeitgenossen"*) 
einstimmen. 


A  n  h  a  n  g. 

Zur  Ergänzung  der  bei  Dorow  (Erlebtes  II,  109 — ^1.50)  mitgeteilten 
Briefe  seien  drei  von  dem  Staatskanzler  Fürsten  von  Hardenberg  teils  selbst, 
teils  in  seinem  Auftrag  an  Weitzel  in  Sachen  der  llheinischen  Blätter  gerichtete 
Schreiben,  die  bisher  nur  in  der  Vossischen  Zeitung  a.  a.  0.  veröffentlicht 
worden  sind,  nach  den  mir  gütigst  von  Herrn  Dr.  G.  Alefeld,  einem  Urenkel 
Weitzels,   übersandten  Originalen  mitgeteilt. 

I. 

Da  aus  den  bereits  gepfiogeneu  Unterhandlungen  mit  Ew.  Wohlgeboren  und 
aus  den  mündlichen  Verabredungen  mit  dem  Hofrath  Dorow  und  dem  Geheimen 
Ober-Regierungsrath  Korcff  hervorging,  dass  Sie  geneigt  wären,  unter  den  mir  von 
diesen,  durch  mich  Beauftragten,  mitgetheilten  Bedingungen  Ihre  Zeitung:  die 
Rheinischen  Blätter  betitelt,  in  den  Preuss.  Rhein-Provinzen  künftig  er- 
scheinen zu  lassen  und  in  diesen  Ländern  Ihren  Aufenthalt  zu  wählen,  so  habe 
ich  Seiner  Majestät  dem  König  Vortrag  davon  gemacht  und  bin  autorisirt.  Ihnen 
die  Bestätigung  Ihrer  vorgeschlagenen  Bedingungen  in  der  Voraussetzung  zuzusichern, 
dass  Sie  in  Ihrer  Zeitung:  die  Rheinischen  Blätter,  das  Interesse  des  jtreus- 


'^^)  Weit  gerechter  als  Treitschke  urteilt  über  diese  Publizisten  liberaler  Richtung  Georg 
Kaufmann  in  seiner  soeben  erschienenen  Politischen  Geschichte  Deutschlands  im  neunzehnten 
Jahrhundert,  S.  231  ff. 

«*)  Scherz  und  Ernst,  8.  49. 

°^)  Nicht  ohne  Interesse  ist  das  Gedicht,  welches  der  Rektor  Muili  zu  Hadamar  in 
seiner  „Nassovia,  Vaterländische  Gedichte",  S.  125—128  sechs  Jahre  nach  AVeitzels  Tode  diesem 
gewidmet  hat. 


190 

sischen  Staats  zum  Haupt-Augenmerk  nehmen  und  solche  im  Geiste  der  Mässigung. 
besonnenen  Billigkeit  und  leidensehaftlosen  Prüfung  verfassen  und  redigiren.  und 
dass  Sie  aus  allen  Kräften  dazu  beytragen  werden,  die  liberalen  Gesinnungen  und 
wühlthätigen  Absichten  der  Preussischen  Regierung  in  ihrem  gebührenden  Lichte 
darzustellen,  dass  Sie  die  Handlungsweise  dieser  Regierung  gegen  Verunglimpfung 
und  Verläumdung  muthig  vertheidigen,  Irrthümer  berichtigen,  die  Bosheit  entlarven, 
mit  einem  Worte,  nach  Ptiicht  und  Gewissen  im  Sinne  eines  redlichen  Preussischen 
Staatsbürgers  handeln  und  das  Ihren  Händen  anvertraute  Organ  der  Öffentlichkeit 
mit  Umsicht  und  Klugheit  gebrauchen  werden,  damit  der  Geist  dieser  neuen  Pro- 
vinzen mit  dem  der  älteren  vertraut  gemacht  und  tVeundlich  ver])unden  werde, 
und  so  ein  wohlthätiger  Einfluss  auf  die  Stimmung  dieser  Länder  ausgeübt  und 
die  Gemüther  für  König  und  Vaterland  gewonnen  werden. 

In  dieser  Voraussetzung  erhalten  Sie, 

1.  die  Aufforderung,  sofort  Ihren  Wohnsitz  in  den  Preussischen  Rheinprovinzen. 
wo  es  Ihrer  Conveuienz  zusagt,  zu  nehmen  und  für  Ihre  Zeitung:  die  Rheini- 
schen Blätter,  jedoch  nur  unter  Ihrer  Redaction  allein,  die  Befreyung  von 
der  Censur. 

2.  Um  Ew.  Wohlgeboren  zugleich  einigermaassen  von  der  Abhängigkeit  frey 
zu  machen,  in  welcher  jeder  Redacteur  eines  Zeitblatts  mehr  oder  weniger  von 
der  Zahl  seiner  Abonnenten  sich  befindet  und  Ihr  Wirken  dadurch  freyer  und 
rücksichtsloser  zu  machen,  einen  Jahrgehalt  von  1000  Preuss.  Tlialern,  vom 
1,  Januar  1819  an  zahlbar,  mit  dem  Versprechen,  diese  Summe  in  der  Zukunft 
zu  erhöhen,  wenn  Ihr  Blatt,  wie  es  sich  gar  nicht  anders  erwarten  lässt,  den  Hoff- 
nungen,  Wünschen  und  Absichten  der  Regierung  genügend  entsprechen  wird. 

3.  Zur  Entschädigung  für  die  Kosten,  welche  die  Aenderung  Ihres  Aufenthalts 
Ihnen  verursachen  wird,  soll  Ihnen  die  Summe  von  500  Thalern  ausgezahlt  werden. 

4.  Der  getroffenen  Verabredung  gemäss,  soll  Ihrem  Wunsche,  den  Titel  eines 
Geheimen-Hofraths  zu  führen,  gewillfahrt  und  das  darüber  auszufertigende  Patent 
Ihnen  zugesendet  werden. 

Ich  bitte  Sie,  mir  nun  die  Annahme  dieser  Bedingungen  baldmöglichst  be- 
kannt zu  machen  und  werde  mich  freuen,  wenn  ich  Gelegenheit  finde,  Ihnen  fernere 
Beweise  meiner  aufrichtigen  Hochachtung  zu  geben, 

Berlin,  den  26sten  Februar   1819, 

r,  F.   V.  Hardenberg. 
An 
den  Herrn  Hofrath  Weitzel 
Redacteur  der  Rheinischen  Blätter 
in 

Wiesbaden. 


IL 

Wohlgeborener 
Ilochzuverehrender  Herr  Hofrath! 

Ew,  Wohlgeboren  ist  es  ohne  Zweifel  bekannt,  dass  Se,  Durchlaucht  der 
Herr  StaatsKanzler  Fürst  v.  Hardenberg  sich  hierher  begeben,  um  die  Brunnen- 
kur zu  gebrauch  n.  Kurz  nach  der  Ankunft  hierselbst  wurden  mir  von  dem  Herrn 
Fürstin  mehrere  X'erhandjunfren  übergeben,  welche  sich  auf  die  Wirksamkeit  be- 
zogen, die  nach  der  bestandenen  Absicht  Ew,  Wohlgeboren  in  den  diesseitigen 
Staaten  erhalten  sollten.  Diese  Angelegenheit  ist,  mit  Ausnahme  einer  unter  dem 
2G.  Februar  v.  .1.  von  Sr.  Durchlaucht  Ihnen  gemachten    ansfübrlchen  Eröffnung, 


191 

nicht  auf  offiziellem  Wege,  sondern  durch  rrivat-Corrospondonz  mit  dem  Tl.  Geh. 
Ob.  Reg.  Kath  Korctt"  und  dem  H.  IlotVatli  Dorow  betrieben  worden.  Hierin  mag 
wohl  der  Grund  zu  suchen  seyn.  dass  die  mir  vorliegenden  Verhandlungen  unvoll- 
ständig und  ohne  allen  inneren  Zusammenhang  erscheinen.  Der  Erstere  würde 
gewiss  im  Stande  seyn,  mir  die  nötigen  Aufklärungen  zu  geben.  Da  aber  der- 
selbe nicht  hier  anwesend,  auch  nicht  einmalil  in  Berlin  ist,  sondern  sich  gegen- 
wärtig auf  einer  ihm  von  dem  Herrn  Fürsten  besonders  aufgetragenen  Geschäfts- 
Reise  befindet,  so  würde  durch  jede  Rückfrage  an  ihn  ein  neuer  Zeitverlust  her- 
beigeführt werden,  welcher  bey  dieser  ohnehin  schon  verzögerten  Angelegenheit 
billig  vermieden  werden  muss.  Von  Sr,  Durchlaucht  mit  deren  Bearbeitung  jetzt 
beauftragt,  erlaube  ich  mir  daher,  mich  unmittelbar  an  Ew.  Wohlgeboren  zu 
wenden,  indem  ich  mir  im  Voraus  Glück  wünsche,  mit  einem  Manne  in  nähere 
Beziehung  zu  treten,  dessen  Talente  und  persönlicher  Charakter  mich  stets  mit 
der  innigsten  Achtung  erfüllte. 

Die  Bedingungen,  unter  denen  Ew.  Wohlgeboren  sich  bereit  erklärt,  eine 
Wirksamkeit  im  prcuss.  Staate  zu  übernehmen,  sind  in  dem  oben  erwähnten 
Schreiben  vom  2().  Febr,  v.  J.  enthalten.  —  In  einem  Schreiben  vom  12.  März  v.  J. 
zeigten  Ew.  Wohlgeboren  dem  Herrn  Fürsten  die  Giünde  an,  weshalb  Sie  dem 
erhaltenen  Rufe  nicht  so  schnell  zu  folgen  vermöchten,  als  es  gewünscht  würde. 
Noch  erheblichere  Gründe  in  dieser  Beziehung,  waren  in  Ihrem  Schreiben  vom 
11*-  Juny  V.  J.  aufgestellt.  Sie  äusserten  darin  den  Wunsch,  zu  Ihrer  Bestimmung 
nicht  eher  abgerufen  zu  werden,  bis  etwas  Entscheidendes  für  das  Land,  sey  es 
durch  Errichtung  von  Ständen  oder  auf  irgend  eine  andere  [Weise]  geschehen  sey. 

Späterhin  zeigten  Ew.  AVohlgeboren  Sr.  Durchlaucht  an,  dass  Sie  entschlossen 
wären,  im  Septbr.  v.  J.  Ihren  Ueberzug  nach  Bonn  vorzunehmen,  und  bemerkten 
dabey,  dass  Sie  für  die  von  Ihnen  redigirten  rheinischen  Blätter  auf  die  Censur- 
Freiheit  rechneten.  Ohne  Zweifel  sind  Ew.  Wohlgeboren  in  dieser  Hinsicht  von 
Seiten  des  Herrn  Geh.  Ob.  Reg.  Raths  Koreff  Eröffnungen  zugekommen,  die  in- 
zwischen jenen  Punkt  nicht  beseitigt  zu  haben  scheinen.  Wenigstens  steht  die 
von  dem  Herrn  p.  Koreff  noch  vor  kurzem  mündlich  gemachte  Aeusserung,  „dass 
Ew.  Wohlgeboren  sich  schwerlich  der  Censur  unterwerfen  würden",  mit  der 
Aeusserung  des  H.  Hofraths  Dorow  in  einem  neuerdings  an  Se.  Durchlaucht  ge- 
richteten Schreiben,  wonach  „Ew.  Wohlgeboren  keinen  Anstand  nehmen  würden, 
sich  einer  nicht  plagenden  und  chikanirenden  Censur  zu  unterwerfen'',  in  Wider- 
spruch. 

Auf  diese  Verhältnisse  scheint  es  jetzt  übrigens  nicht  weiter  anzukommen, 
und  ich  erwähne  selbige  nur  beyläufig,  um  die  Haupt-Momente  der  Sache,  so  wie 
sie  zeither  zu  meiner  Kenntniss  gekommen  sind,  zu  bezeichnen 

Für  überwiegend  und  entscheidend  dürfte  dagegen  der  Umstand  zu  erachten 
seyn,  dass  Ew.  Wohlgeboren  neuerdings  wieder  Unterliandlungen  mit  der  Nassau- 
ischen Regierung  angeknüpft  und  ein  Ihnen  von  derselben  angebotenes  bleibendes 
Verhältniss  angenommen  haben.  Ich  kenne  die  Gründe  nicht,  durch  welche  Ew. 
Wohlgeboren  mögen  veranlasst  worden  seyn,  diesen  Schritt  zu  tliun.  ohne  zuvor 
Se.  Durchlaucht  davon  in  Kenntniss  zu  setzen.  Doch  wird  jeder,  der  die  Ehre 
hat,  Sie  persönlich  zu  kennen,  im  Voraus  diesen  Gründen  Gerechtigkeit  widerfahren 
lassen  und  die  nächste  Veranla.ssung  dazu  in  den  unglücklichen  Misveiständnisseu 
suchen  müssen,  welche  sich  in  dieser  ganzen  Angelege  heit  gekreutzt  und  sie,  ohne 
zum  Ziel  zu  führen,  bisher  verzögert  haben.  Mir  würde,  selbst  für  den  Fall,  dass 
auch  Ew.  Wohlgeboren  die  Unterhandlungen  mit  Ihnen  als  abgebrochen  betrachten, 
doch  immer  noch  das  angenehme  Geschäft  b  eiben,  Sie  zu  überzeugen,  dass  der 
Herr  Fürst  auch  nicht  den  entferntesten  Antheil  an  dem  Ausgange,  den  die  Sache 
so  unerwartet  genommen,  habe,  dass  die  hohe  Achtung,  die  Er  Ihnen  widmet, 
unverändert  fortdauert,  dass  die  Absicht,  Ihnen  im  preuss.  Staat  eine  Wirksamkeit 


192 


zu  geben,  zwar  günstigeren  Verhältnissen  vorbehalten  werden  könne,  aber  nie  auf- 
gegeben worden  ist.  Dass  endlich  Se.  Durchlaucht  mit  Vergnügen  Ihnen  für  die 
Opfer,  welche  Sie  dem  Ihnen  zugedachten  Verhältnisse  bereits  gebracht  haben 
sollten,  einen  Ersatz  gewähren  werden. 

Ew.  Wohlgeboren  werden,  wie  ich  mir  schmeichle,  den  Mittheilungen,  welche 
ich  Ihnen  hier  im  Auftrage  Sr.  Durchlaucht  zu  machen  die  Ehre  gehabt,  eine 
freundliche  Aufnahme  schenken.  Haben  Sie  die  Güte  mir  jetzt  auf  das  ausführ- 
lichste und  mit  derjenigen  (»rtenheit,  welche  ich  Ihnen  gezeigt.  Ihre  Ansichten  ver- 
traulich zu  eröt!uen.  Nicht  besser  kann  ich  dem  Vertrauen  des  verehrtesten  Fürsten 
entsitrechen,  als  wenn  ich  die  Sache  baldigst  zu  einem  Sie  befriedigenden  Ziele 
führe.  Dies  ist  alier  nur  möglich,  wenn  auch  Sie  mir  Ihr  gütiges  Vertrauen 
schenken  und,  bis  ich  Ihnen  Heweise  davon  zu  geben  vermag,  von  der  Re Uheit 
meiner  Go«innun.iren  gegen  Sie  im  Voraus  überzeugt  sind.  Bis  zum  14''  k.  M. 
hotfe  ich  hier  zu  bleiben,  sollte  es  Ew.  Wohlgeboren  nicht  möglich  s  yn.  mir  bis 
dahin  Ihre  Antwort  hier  zukommen  zu  lassen,  so  bitte  ich  solche  nach  Berlin 
zu  senden. 

Ich  bin  mit  der  ausgezeichnetsten  Hochachtung 

Ew.  Wohlgeboren 

ganz  ergebenster  Diener 

Schauraann,  Geh.   Finanz  Rath 
im  Bureau  des  H.  StaatsKanzlers  Durcbl. 
Pyrmont.   24.  Aug.   1820. 

III. 

Pyrmont,  den   13ten  Sept.    1820. 
Wohlgebohrener  Herr 

Hochgeehrtester  Herr  Revisions  Rath, 

Ich  ergreife  selbst  die  Feder,  um  Ew.  Wohlgeb.  Schreiben  an  den  Herrn 
Geheimen  Finanz  Rath  Schaumann  zu  beantworten.  Je  aufrichtiger  meine  Achtung 
für  Sie  ist,  um  desto  mehr  war  es  auch  mein  Wunsch.  Sie  für  den  preussischen 
Staat  zu  erwerben,  um  desto  lebhafter  ist  mein  Bedauern,  dass  zufällige  Umstände 
uns  im  Wege  standen,  dass  sie  meine  Antworten  verzögerten  und  Ew.  Wohlgeboren 
bewogen,  anderweitige  Verbindungen  mit  dem  Nassauischen  Hofe  einzugehn.  Es 
thut  mir  wahrlich  sehr  leid,  dass  ich  für  jetzt  der  Aussicht  entsagen  muss,  Sie 
zu  besitzen.  Sie  von  der  übrigens  durchaus  nicht  lästigen  und  drückenden  Censur 
zu  entbinden,  steht  nicht  in  meiner  Macht. 

Findet  sich  in  der  Folge  eine  Gelegenheit,  Sie  mit  uns  in  Verbindung  zu 
setzen,  so  schmeichle  ich  mir,  dass  Sie  immer  noch  geneigt  seyn  werden,  zu 
uns  über  zu  gehn  und  ich  werde  die  erste  Gelegenheit  mit  Vergnügen  ergreifen, 
Ihnen  die  Bahn  zu  eröfnen.  Jetzt  ist  es  nur  eine  Angelegenheit  für  mich,  Sie 
zu  bitten  mir  oflfen  und  freymütliig  zu  eröfnen,  welche  Entschädigung  Sie  verlangen. 
Sie  soll  Ihnen  alsbald  werden.  Erhalten  Sie  mir  ihr  gütiges  Andenken  und  seyn 
Sie  von  der  vorzüglichen  Hochachtung  versichert,  mit  der  ich  beharre 

Ew.   Wuhlgeb. 

ergebenster  Diener 
(".    V.   V.    11  ard  r  11  her  .^,^ 


Ein  Gesamtfund  römischer  Kleinerze  aus 
der  Zeit  Diocletians. 


Von 

E.  Ritterling» 


Die  Kenntnis    dieses  Fundes   verdanken  wir  einer  Bemerkuus:  Kabel 's 


o 


in    seinem    um    28.   Mai    1841     in    der    Generalversaminlun"-    des    Vereins    für 


o 


nassaiiische    Altertumskunde    und    (Tesehiclitsforschung    vorgetragenen    Jalires- 


berichte  (Annal.  III.  2,  S.  218).  Unter  den  für  das  Museum  angekauften 
Gegenständen  nennt  er:  „eine  Anzahl  von  160  Stück  besonders  wohl  cilialtener 
römischer  Kupfermünzen  von  den  Kaisern  Valerian  (so!  soll  heissen  Aurelian), 
Probus,  Diocletian,  Maximinian  (so!),  Constantius  Chlorus  etc.  mit  mannig- 
faltigen Rückseiten.  Diese  waren  in  der  Moselgegend,  angeblich 
nebst  mehr  als  2000  andern  von  demselben  Metall  in  einem 
irdenen  G  e  f  ä  s  s  ,  zum  Teil  r  o  1 1  e  n  w  e  i  s  e  zusammengelegt, 
von  einem  L  a  n  d  m  a  n  u  gefunden  worden  und  in  die  Hand  eines 
Binger  Israeliten  gekommen,  bei  dem  ich  sie  aussuchte.  Das  hiervon  gefertigte 
Verzeichnis  beschreibt  die  einzelnen,  mitunter  seltenen  Münzen".  Es  hat  sich 
ein  von  H  a  b  e  Ts  Hand  beschriebener  Zettel  erhalten,  welcher  uns  die  Anzahl 
der  Münzen,  mit  der  die  einzelnen  Kaiser  vertreten  waren,  kenneu  lehrt: 
,,1841.   25ten  Febr.   zu  Bingen  gekaufte  römische  Münzen: 

„        ,     „  ,,     ,  ,         Ju  Summa 

Versen.  Reverti      Doubl.  stüfk 

Aurelian 1  —  1 

Probus 26  6  32 

Diocletian 24  31  55 

Val.  Maximinian.   (so !)  Herc.    .  23  35  58 

Constantius  Chlorus     ....  5  3  8 

Galerius  Maximinian  (so !)    .     .  5  1  6 

Darunter  steht:  ^^  '^^  ^^^ 
„Ferner  d.    Uten  Juni  41  zu  Wiesbaden": 

Probus 9  1  10 

Val.   Maximinianus  Ilerc.      .      .  3  4  7 

Magnentius 1  —  1 

Diocletian 2  3  5 

99  84         183 

13 


194 

Daraus  ergiebt  sich,  dass  zu  den  oben  erwähnten  160  Stück  später  noch 
23  Stück  hinzugekauft  wurden,  die  demselben  Funde  entstammten  bezw.  ent- 
stammen sollten.  15ei  der  summarischen  Aufnahme  der  Münzsannnlung  des 
Museums,  welche  iS'rJ  und  in  den  folgenden  Jahren  durch  K  i  li  m  vorgenommen 
wurde  (s.  Annaleu  XXYIII.  S.  193  f.),  fanden  sich  diese  183  Stück  noch  zu- 
sammenliegend vor.  Dass  dieselben  in  Kihm's  „X.  Verzeichnisse  römischer 
Münzen",  welclies  am  Kopf  den  Vermerk  „von  Bingen"  trägt  (s.  Annal.  XXYIII. 
193  Anm.    34)    entiialteu    sind,    zeigt    eine    Zusammenstellung    mit    den    nach 

llabel  dem   Funde  angehörigeu  Stücken. 

X.Verzeichnis      Hiibel 

Aurelian 1  1 

Probus 43  42 

Diodetian 59  60 

Val.   Maximinianus  (so!)  Herc.  ...           66  65 

Constantius  Chlorus 8  8 

Galerius  Maximinianus  (so!)       .      .      •             6  6 

^lagnentius j 1 1 

184  183 

Die  Differenzen  bei  Probus,  Diocletian  und  Maximian  um  je  1  Stück  er- 
klären   sich    wolil  am  einfachsten  aus  Versehen  Kihm's   (doch  vgl.   Anm.   5). 

Der  Fund  ist  dann,  wahrsclieinlich  von  Kihm  selbst,  in  die  Samndung 
zerstreut  worden.  Doch  hat  sich  ein  von  HabeTs  Hand  auf  12  Oktavblättern 
aus  grauem  Schreibpapier  geschriebenes  Verzeichnis  erhalten,  welches  dieselbe 
Anzahl  Münzen  derselben  Kaiser,  welche  aus  dem  fraglichen  Funde  für  das 
Museum  erworben  wurden,  unter  genauer  Angabe  der  verschiedenen  Keverse, 
der  Marken  in  Feld  und  Abschnitt,  sowie  zum  Teil  auch  der  Aversbilder  und 
Umschriften  beschreibt:  es  ist  ohne  Zweifel  dasselbe  Verzeichnis,  welches  der 
Generalversammlung  vorgelegen  hat,  da  die  erst  nach  derselben  hinzugekauften 
Stücke  zum  Teil  noch  als  nachträglich  eingetragene  (so  bei  Probus  und  Maximian) 
erkennbar  sind.  Obwohl  dieses  Verzeichnis  im  einzelneu  nicht  ganz  frei  von 
Lesefehlern  und  Versehen  ist,  wurde  es  mit  seiner  Hilfe  doch  möglich,  den 
dem  Münzkabinet  des  Museums  einverleibten  Teil  des  Fundes  fast  lückenlos 
wieder  zusammenzusetzen.  Es  ergab  sich  dabei  die  bemerkenswerte  Thatsache, 
dass  die  überwiegende  Mehrzahl  der  in  der  Münzsamndung  überhaupt  vor- 
handenen Münzen  der  in  Betracht  kommenden  Kaiser  eben  diesem  Funde  ent- 
stammt ;  dadurch  findet  die  wiederholt  gemachte  Beobachtung,  dass  die  Münzen 
aus  den  letzten  Jahrzehnten  des  3.  Jahrhunderts  im  rechtsrheinischen  Grenzlaude 
und  daher  auch  in  den  entsprechenden  Lokalsammlungen  vergleichsweise  selten 
begegnen,  eine  Beobachtung,  welcher  der  Bestand  im  hiesigen  Münzkabinet  bis- 
her zu  widersprechen  sdiicii.    (Mue  weitere  Bestätigung. 

Ein  weiterer  Bestandteil  desselben  Müuzfundes  ist  iji  die  Münzsammlung 
des  Kaufniannes  Pli  i*.  L  ii^c  ii  h  ü  !i  1  in  Wiesbaden  (inzwischen  durch  Schenk- 
ung des  Herrn  Ferd.  jj  uge  n  1)  ii  li  1  dem  Museum  überwiesen)  gekommen,  in 
welcher  die  einzelnen  Stücke  den  Herkunftsvermerk  „Bingen"  oder  „bei  Bingen" 
tragen.   Wie  sich  durch  mündliche  Erkundigung  feststellen  Hess,  sind  dieselben  von 


195 

einem  Handelsmann  aus  Bingen  nach  Wiesbaden  gebracht')  und  aus  einer  grösseren 
Zalil  älmlicher  Münzen  von  dem  Samnder  ausgesucht  und  erworben  worden. 
Dieser  Umstand,  weiter  ihr  villiig  gleichartiger  Erhaltungszustand  und  die  llur- 
einstimmung,  welche  die  von  ihnen  vertretene  Kaiserreihe  mit  der  der  Museums- 
münzen, in  wclcluM'  sie  luii'  einig(!  Lücken  ausfüllen,  aufweist,  lassen  keinen 
Zweifel  darüber,  dass  sie  aus  demselben  Gesamtfunde  stammen,  wie  die  IH'A  von 
IIab(^l  beschriebenen  Stücke.  Sämtliche  dem  Funde  jetzt  noch  zuzuweiscüidcn 
Münzen  sind  Weisskupferstücke  di-itter  Grösse  mit  dem  strahlengekrönten  Kopf 
des  Kaisers;  der  Silbersud,  btü  mehreren  noch  vorzüglich  erhalten,  scheint 
bei  einer  grossen  Anzahl  erst  durch  einen  mit  ihnen  vorgenommenen  chcunisclien 
Reinigungsprozess  verloren  gegangen  zu  sein.  Die  Prägung  ist  durchweg  noch 
frisch;  stellenweise  schlecht  lesbare  Umschriften  bezw.  Prägevermerke  sind  nicht 
auf  Abnutzung,    sondern  auf  mangelhafte  Ausprägung  zurückzuführen. 

]Jei  der  Einzelbeschreibung  der  jetzt  noch  mit  Sicherheit  nachweisbaren 
Münzen  des  Fundes  sind  die  Stücke  des  Hab  el' sehen  Verzeichnisses  von 
den  Lugen  b  ühl '  sehen  nicht  getrennt;  zu  letzteren  gehören  alle  Münzen  der 
Kaiser  Tacitus,  Carus,  Carinus  und  Numerian;  hierin  wie  in  der  verhältnis- 
mässig geringen  Anzahl  von  Dubletten  zeigt  sich  die  sorgfältigere  zur  Ergänzung 
vorhandener  Lücken  getroffene  Auswahl  des  Privatsammlers  gegenüber  den 
vielfach  in  grosser  Zahl  vertretenen  Dubletten  (so  des  Diocletian  mit  Jovi  Augg.. 
Maximian  mit  Pax  Augg.)  der  Museumsmünzeu.  Yen  einem  Abdruck  des 
Habel'schen  Verzeichnisses  durfte  abgesehen  werden,  da  die  in  ihm  be- 
schriebenen Münzen  ja  fast  ausnahmslos  noch  zu  identifizieren  sind;  die  iiiehr- 
fachen  aus  der  Untersuchung  der  Münzen  selbst  sich  ergebenden  kleineren 
Abweichungen  von  Habel's  Beschreibung'  sind  in  den  Anmerkungreu  notiert. 


No. 

Zugehörig- 
keit 

Ö 

Ä 
O 

o 

Revers 

Feld 

Abschnitt 

Stück- 
zahl 

Gesamt- 
zahl 

1 

Aurelian 

60  var. 

[conjoordia  militum 
Äv.  Kopf  mit  Strahlen, 
nicht  mit  Lorbeerkranz 

TXXI 

1 

2 

» 

105 

Jovi  conser. 

— 

P 

3 

n 

113 

Jovi  conservatori 

— 

P 

4 

V 

140 

Oriens  Aug. 

— 

Q 

5 

v 

153 

Oriens  Aug.   mit  zwei 
gefesselten  Gefangenen 

— 

QXXT 

6 

y> 

154 

n 

— 

XXI 

1 

7 

Tacitus 

183 
40 

providen.  deor. 
felicit.  tenip. 

SXXI 

//T 

8 

7 

9 

n 

90  var. 

provide  (nicht  provid.)  Aug. 

— 

Q 

10 

V 

100 

Providentia  Aug. 

" 

XXI  A 

;{ 

*)  Offenbar  demselben,  von  welchem  Habel  am  11.  Juni  1S41  zu  Wiesbaden  den  zweiten 
Posten  von  23  Stück  des  Fundes   füi-  das  Museum  ankaufte. 

13* 


196 


No. 

Zugehörig- 
keit 

Cohen 

Revers 

Feld 

Abschnitt 

! 

Stück- 
zahl 

Gesarat- 
zahl 

11 

1 

Probus 

1 

nbundnntfin  Aug.] 
Der  Av.  hat  Itoppelschlag 

1 
1 

1           

1 
1 

I 

12 

n 

37 

advenhis  Aug. 

— 

:    R  ^  z 

'    0 
1    " 

13 

« 

?) 

1 

— 

1     R  Corona  [~ 

14 

- 

40 

., 

— 

R  f'iiliiion  Z 

l 

15 

. 

84 

dementia  tenip. 

-~ 

XXI  z 

1 

16 

n 

102 

conies  Aug. 

A  links 

-- 

1 

IT    1^ 

•n 

108 

comiti  Probi  Aug. 

— 

IUI 

2 

19 

« 

,      137 

conoord.  niilit. 

— 

XXI  VI 

^  u 

20 

1» 

« 

•^ 

— 

XXI 

1  )^ 

21 

1» 

164 

eüncordia  niilit. 

— 

XXI  5: 

1 

22 

n 

165 

•» 

— 

XXIA  {y) 

1 

23  24 

n 

182 

conservat.  Aug. 

— 

TXXT 

2 

25 

«* 

199 

( 

» 

— 

TXXT 

1 

26 

- 

210 

felicit.  temp. 

— 

II 

1 

27 

_ 

215 

felicitas  Aug. 

— 

A  fulmen  Z. 

1 

28 

"5 

248 

fideß  milit. 

cod.e 

XXI 

1 

29 

V 

252 

fides  niilitum 

— 

R  fulmen  f 

1 

30-34 

n 

254 

« 

— 

R  Corona  ^ 

3 

" 

yi 

n 

— 

R  Corona  A 

1      5 

n 

rt 

■n 

— 

undeutlich 

1  1 

35 

n 

256 

11 

— 

III 

1 

36 
37 

305 

Jüvi  cons.  Prob.  Aug. 

V 

— 

(?)  R  fulmen  B 
REB 

;i-^' 

38 

fl 

334 

Mnrs  viotor 

— 

III 

1 

39 

» 

■  337 

n 

— 

III 

1 

40 

rf 

398 

Pax  Aug. 

— 

IUI 

1 

41—49, 

n 

401 

n 

D  link»  2) 

— 

5 

n 

n 

» 

1 1 1  rechts 

XXI 

1 

n 

n 

?) 

V  rechts 

XXI 

1 

9 

n 

•n 

n 

— 

IUI 

•> 

.JO— 53 

y> 

435 

])iaetas  Aug. 

— 

III 

4 

54—58 

n 

437 

pietas  Aug. 

— 

III 

*u 

n 

n 

y) 

C  rechts ' 

— 

ir 

59 

n 

477 

provident.  Aug. 

— 

BXXI 

1 

60 

n. 

498 

Providentia  Aug. 

— 

XXIA 

1 

61 

j) 

515  ff. 

restitutor  orbis^) 

— 

PC  (?) 

1 

62—64 

V 

528 

Romae  aeter. 

— 

R  fulmen  A 

1 

1 

•7 

n 

— 

R  V  A  cn 

;r 

n 

r> 

>» 

— 

undeutlich 

65 

n 

642  : 

Soli  invicto 

— 

R  fulmen  f 

1 

66 

n 

643 

1 

tj 

R  fulmen  f 

1 

56 

'^)  Hu  bei  hat  statt  dessen  auf  den  beiden  in  seinem  Verzeichnisse  enthaltenen  .Stücken 
irrtümlich   L  gc'lesen. 

')  Dieses  Stück  des  Habel'schen  Verzeichnisses  fehlt  jetzt;  eine  genauere  Hcstimmung 
ist  daher  uimiöglich;  die  Buchstaben  im   Absdinitt  .scheinen  verlesen  zu  sein. 


1 


1117 


No. 


Zugehörig- 
keit 


67 
68 
69 
70 
71—73 


74 
75 
76 

77 
78 
79 

80 
81 

82 

83 

84 

85  86 

87  88 
89-  97 

98-102 

103 
104 


105-21 

122  22a 
123-25 
126-28 


Probus 


Carus 

Numerian 

Carinus 

» 

Diocletian 


a 

0) 
Ä 

o 
u 


644 
650 

n 

726 

727 

n 

n 
729 
766 

n 

816 
819 

840 

18 
49 

18 

97 
120 

147 

11 
11 

153 

w 

154 
fehlt 


169 

n 

n 

171 

n 
183 


Revers 


Soli  iiivicto 


teinpor.  felicit. 


teniporuiii  felicitus 
Victoria  Uerm. 


Virtus  Aug. 


consecratio 
pax  Augg. 

[Mars]  Victor 

priiicipi  iuuentutis 
saeculi  felicitas 

Jovi  Augg.,  stellender  Jup. 
Ac.  Brustbild  im  Mantel 

n 
Jovi  Augg. 

Av.  Brustbild  im  Panzer 

Jovi  Augg.,  stehender  Jup. 

» 

'1 

Av.  imp.  C.  Diocletianus 

p.  f.  Aug.  Büste  mit 

Strahlen  und  Mantel  n.  r. 

Jovi  Augg.,  sitzender  Jup. 

Av.  Brustbild  im  Mantel 

11 
Jovi  Augg.,  sitzender  Jup. 
Av.  Brustbild  im  Panzer 
Jovi  Augg.,  sitzender  Jup. 

1) 
Jovi  Conser.  Augg.^ 


Feld 


Abschnitt      ^ -^ 


c/a 


N 


B  links 


B  links 


D  rechts 


A  ri'ckts 
B  links 


I      :h 


R  fiilinen  f  1  1 

undeutlich  1  ' 
II  (-■)                    1 

II  <  ) 


RA 


QXX 


P 
A 

A 
P 
A 

A  (•:') 


verwischt 
A 

A 
I 

S  M  L  (••) 


i  I 


R  fuiiiicn  A     ,    1  ' 


QXXT 
XXI  Z 


'>  ) 


3    17 
2' 
2 


■  I 


69 


45 


')  Bei  diesen    und   den   nächstfolgenden  Reversen   ist   das  IlabeTsche  Verzeichnis   am 
wonigsten  genau;    nicht  nur,  dafs    er    keinen   Unterschied    in    den    verschiedenen  Abkürzungen 


198 


Abschnitt      ^  ■% 


SS 


129.  30 
131 

132 
133-38 


139 
140 


141-45 
146 
147 

148.  49 

150 
151 

152 
153 
154 
155. 56 
157.  58 
159 


n 

V 

n 
n 
1» 
n 

71 


fehlt 


297 

362 

362  lar. 

366 

n 

374 
441 

442 
444 
448 
453 

453  Tar. 

455  Tar, 


Jovi  conservat////////// 
Jovi  conservatori 
Ac.  inip.  C.  Val.  Diücletianus  jD  links 

p.  f.  Aug.  Büste  mit 

Strahlen  und  Panzer  n.  r. 

Jovi  tutatori  Augg. 

Pax  Augg. 

.,  aber  Av. 

imp.  Diocletianus  p.  Aug. 
Pax  Augg.'"),  mit  Victoria 


„  mit  Zweig 

Salus  Augg. 
aber  Av.  Kopf  mit  Strahlen 
Salus  Augg. 


TXXIT 

SXXIT 

XXI  B 


XXI  (?i 


45 


'1 
2     6 

1  ' 


saecurit.  perp.®) 
securit  perp. 


B  rtchls 


P 
II  ü'ler  A 

B 
III 
B 
A 

T 
C 

p   oder  A 
P 

A 


76 


des  Wortes  conser  oder  conservat  macht,  auch  ausser  Acht  lässt,  ob  conservatori  allein  oder 
conservat  Augg.  steht,  er  hat  auch  drei  Münzen  mit  der  Umschrift  Jovi  tutatori  Augg.  dem 
Revers  Jovi  conservatori  Augg.  zugeschrieben.  Von  dem  Revers  Jovi  tutatori  Augg.  ver- 
zeichnet er  nur  ein  Stück  mit  dem  .\bschnittsvormeik  A'  während  in  "Wahrheit  4  Stück  vor- 
handen sind,  mit  p  im  Abschnitt;  die  drei  in  seinem  Verzeichnisse  scheinbar  fehlenden  sind 
offenbar  die  gleiche  Zahl  an  14.  Stelle  eingetragenen,  mit  Revers  Jovi  Conservatori  Augg.,  im 
Abschnitt  ß. 

^)  Habel  hat  noch  ein  Stück  mit  Pax  Augg.  im  Abschnitt  S.  1'"  ein  solches  jetzt 
fehlt,  auch  dieser  Absclinittsvermerk  bei  den  Diocletian-Münzen  sonst  nicht  wiederkehrt,  liegt 
wolil  eine  falsche  P.intragung  vor,  indem  das  Stück  dem  3Iaximian  gehörte,  auf  dessen  PAX 
AVGG. -^l''"'^ß'i  S  häufig  ist.  Aus  der  richtigen  Zuweisung  dieser  Münze  an  Maximian 
durch  Kihm  wird  sich  auch  die  Differenz  zwischen  seiner  und  Habel's  Gesamtzahl  der  Dio- 
cletian-  und  Maximian-Münzen  erklären:  Kilnu  59  Diocletian-,  66  Maximian-Münzen,  Habel 
60  Diocletian-,  65  Maximian-Münzen. 

*)  Habel  hat  irrtümlich  die  Umschrift  „saecurit  publ.",  welche  bei  Diocletian  über- 
haupt nicht  begegnet. 


199 


No. 


Zugehörig-      « 
keit 


160 
161.  62 
163 
164 
165.66 
167-69 
170 
171 
172 
173-75 


176-78 
179-84 
185 
186 

187-89 


190 


191— 
222 

223-25 

226-29 

230 
231 

232-35 
236 

237-41 
242 
243 
244 
245 
246 

247. 48 

249 
250.51 


Maximian 


Revers 


Abschnitt 


435  var, 


438 


452 
454 
456 
480 
516 
517 
523 
531  var 
555 
567 
642 

647 
650 


aequitas  A[ugg.] 

conios  Augg. 
concürdiii  Augg. 


felicit.  publ. 


t'olicitas  saoc. 
Tlcrculi  invicto  Augg.') 

•n 

Herculi  pacifero 


Jovi  Augg.,  stehender  Jup. 
„  sitzender       „ 

Jovi  Conservat.  Augg. 
pax  Augg.,  Minerva 

» 

Pax  Augg.,  Pax  in.  Zweig 

Ao.  Büste  niclit   mit  Helm, 

sondern  Stralilenlcranz 

Pax  Augg.,  mit  Yictoria 


provident.  deor. 
Salus  Augg. 


saecurit.  perp. 
virtus  Augg.,  Vii-tus 

„  Hercules 

virtuti  Augg.,  Hercules 
den  Löwen  würgend 


links 

-FC--) 

links 


B  links 


B 
C 

undeutiicli 
II 

B 
B 
S 


SML 

SML 
A 
A 
A 

X///// 

Q 

•^  A  CO 
B 


B 

S 

III 

B 

C 

B 

S 

ß 

S 

S 

II 

C 

C 

C 

P 

III 

C 


1     , 

1 

Ä 

^H 

ü 

Ä 

a 

cJ 

4.:» 

N 

U) 

2  1 
ll 


1 
1 
4 
1 
5 
1 
1 
1 
1 
1 
2 

1 
2 


(1)   N 


0  Habel  hat  nur  Ilcrcuii  invicto,  welche  Umschrift  bei  3Iaximian  nicht  vorkommt. 


200 


No. 

Zugehörig- 
keit 

Cohen 

Revers 

Feld 

Abschnitt 

Stück- 
zahl 

Gesamt- 
zahl 

252 

Constantius 
Caesar 

8  «r. 

claritas  Augg. 

— 

— 

1 

253 

.* 

12 

comes  Augg. 

— 

B 

1 

254.  55 

.. 

15 

coucordia  Augg. 

— 

li 

;^ 

*t 

n 



III  (?) 

256. 57 

n 

237 

provident    deor ,  stehende 
Provideiuiii 

— 

A 

fulnien 

;i^ 

258-64 

n 

238 

„              „    sitz.Piuvid. 

— 

II 

:i' 

n 

n 

~-~ 

B 

13 

265 

Galerius 
Caesar 

11 

claritas  Augg. 

— 

PTR 

1 

266.67 

T) 

19 

concordia  Augg. 

— 

B 

0 

268 

"> 

29 

Hdes  milit. 

D  (?) 

PTR 

1 

269 

^ 

161  Tiir. 

pax  Augg.,  Pax  m.  Zweig 

— 

A 

1 

270 

fi 

162 

„                „     111.  Victoria 

— 

III 

1 

271.72 

V 

182 

provident.  deor. 

— 

II 

2 

273 

n 

194 

securit.  Augg. 

B 

1 

9 
S.S.  274 

Die  Münze  dos  Magnontius  (Ruvor.s:  Mouugramm  Christi),  wek-lic  zu- 
sammen mit  22  der  oben  beschriebenen  Stücke  von  IIa  bei  zu  Wiesbaden 
angekauft  war  (s.  oben  S.  193)  und  deragemäss  sowohl  in  Hab  el '  s  detailliertem 
Verzeichnis,  wie  in  K  i  h  m's  Übersicht  erscheint,  kann  dorn  Funde  keinesfalls 
zugehört  haben.  ^)  Nicht  nur  das  Fehlen  der  ^Münzen  sämtlicher  Nachfolger 
Diocletian's  bis  zur  Mitte  des  4.  Jahrhunderts,  sondern  vor  allem  auch  die 
durchgängig  sehr  geringe  Abnutzung  der  erhaltenen  Münzen,  die  unmöglich 
lange  im  Verkehr  gewesen  sein  können,  schlicsst  die  Möglichkeit,  dass  der 
Schatz  erst  nach  der  Mitte  des  4.  Jahrhunderts  in  die  Erde  gekommen  sei, 
unbedingt  aus.  Andererseits  ist  daraus,  dass  Constantius  und  Galerius,  welche 
im  Mai  d.  J.   305  zu  Augusti  erhoben  wurden,   auf  den  Münzen  unseres  Fundes 


*)  Auch  nocli  drei  andere  Münzen,  wolclie,  in  der  Lugenbührschen  Sammluna:  befind- 
lich, den  Fundvernierk  „Bingen"  tragen,  werden  schwcrlicli  dein  Bestände  des  Fundes  zu- 
gerechnet wenlcn  dürfen.  Es  sind:  1.  Biilon-Antoninian  des  Herennius  Etruscus,  Rev.  prin- 
cipi  iuventutis  (Cohen  26),  2.  Weisskupferstück  des  Claudius,  Rev.  fides  exerci  (Cohen  87), 
3.  Weisskupfer)«tiick  des  Quintillus,  Rev.  conco  exo[rci]  im  Abschnitt  T  (Cohen  8).  Schon 
die  geringe  Ziiiii  dieser  vor  der  aurelianisciien  Münzret'orni  geprägten  Stücke,  sowie  die  aus- 
drückliche Angabe  Habers,  der  einen  grossen  Teil  des  Schatzes  noch  beisammen  gesehen 
hatte,  dass  die  Münzreihe  mit  Aurelian  (Valerian  in  der  üIumi  angeführten  Stelle  der  Annalen 
kann  nur  ein  Schreib-  oder  Druckfehler  sein)  beginne,  schliessen  diese  drei  Stücke  von  der 
Zugehörigkeit  aus.  Dazu  kommt,  dass  die  Hilluii-.Vntoiiiniane  von  den  weisskupforiien  Antoniiiianen, 
weil  verschieden  gevvertet,  in  den  Schatzfunden  der  späteren  Zeit  getrennt  aufbewahrt  worden 
zu  sein  scheinen,  und  dass  namentlich  das  Stück  des  Claudius  im  Verhältnis  zu  den  nur  wenig 
jüngeren  des  Aurelian  autrailend  abgcschlilfen  ist. 


201 

ausnahmslos  noch  den  Caesartitol  f'üliicn,  keineswegs  mit  Sicherheit  zu  schliesseu, 
dass  der  Münzscliatz  v  o  r  jenem  .Jahre  vergraben  sein  müsse.  Denn  weiss- 
kupf'ernc!  Antoniuiane  mit  der  Strahlenkronc,  aus  welch<!n  der  Sehatz,  so  weit 
er  uns  b(^kannt  ist,  ausscldiesslicli  bestciht,  liab(!n  beide  Kaiser  als  Augusti 
überluiu})t  niclit  mchi-  geselllagen,  sdiidern  nur  nach  dem  von  Dioeletian  um 
oOO  eing(^f'ührten  ncmen  System  gemünzt.  Haben  zu  dem  Sciuitze  noch  andere 
Münzsorten  gehört,  die,  wie  ül)li(li,  von  den  Wcusskupferstücken  getrennt  ver- 
packt und  darum  vieHeicht  nicht  aufgefunden  worden  sind,  so  können  diese, 
etwa  Denare  des  diocletianischen  Fusses,  z(Mtlich  noch  etwas  weiter  herabgereicht 
haben.  Die  jüngsten  der  uns  erhaltenen  Stücke  scheinen  dagegen  nicht  nach  dem 
Jahre  ;500  geprägt  zu  sein :  die  beiden  in  der  Trierer  Offizin  geschlagenen 
Stücke  des  Galerius  mit  „claritas  Augg/'  und  „Fides  milit. "  gehören  nach 
Hettner's  Aufstellung  (Westd.  Zeitschr.  VI.  143  f.)  der  fünften,  etwa  299 
beginnenden  Emission  dieser  Münzstätte  an.  Auch  die  auf  den  i\[ünzen  Diocletians 
und  seiner  Mitregenten  in  unserem  Funde  vorkommenden  Keversumschriften  sind 
offenbar  der  überwiegenden  Mehrzahl  nach  nur  vor  der  Einführung  des  neuen 
Münzsystems  im  Gebrauch  gewesen,  da  sie  nur  auf  nach  gallieniscliem  System 
geschlagenen  Stücken  begegnen;  die  Umschriften  Jovi  Conservat  und  Jovi 
Conscrvat  Augg.  bei  Dioeletian,  Herculi  pacifero,  Jovi  conservat  Augg.,  pax 
Augg.,  Virtus  bez.  Virtuti  Augg.  bei  Maximian  erscheinen  dagegen  auch  noch 
auf  Stücken  der  zwischen  296  und  301  eingeführten  diocletianischen  Währung. 
Was  das  Gewicht  der  ^fünzen  anlangt,  so  wiegen  41  Stücke  des  Probus 
durchschnittlich  3,8  g,  140  Stücke  Diocletians  und  seiner  Mitregenten  durch- 
schnittlich 3,74  g;  am  schwersten  sind  einige  des  Probus  mit  4,6  g,  eines 
des  Dioeletian  (Collen  366)  mit  4,9  g,  eines  des  Galerius  mit  4,8  g.  Unter 
3  g  sinkt  nur  das  einzige  auf  das  Gewicht  untersuchte  Stück  Aurelian's  mit  2,8  g. 


Graf  Ludwig  von  Arnstein  und  die  Neubegründung 
des  Klosters  Münsterdreisen. 


Von 

S,  Schaus* 


Das  Privileg,  mit  doiu  Kourad  111.  im  daliv  1145  die  Errichtung  der 
Abtei  Arnstein  bestätigt  hat'),  ist  wohl  die  erste  Künigsurkunde,  die  das  Kloster 
empfangen  und  in  seinem  Archiv  verwahrt  hat,  aber  nicht  die  erste,  die  sich 
mit  ihm  befasst.  Yiehnehr  hat  derselbe  Konrad  III.  der  Stiftung  des  frommen 
Grafen  Ludwig,  schon  ehe  er  sie  von  Jloichswegen  anerkannte,  eine  grosse 
Auszeichnung  widerfahren  lassen,  indem  er  sie  auf  Ersuchen  seines  Bruders 
Friedrich  damit  betraute,  eine  alte  aber  in  Verfall  geratene  geistliche  Anstalt 
wiederher/Aistellen. 

Das  Kloster,  das  so  in  die  früheste  Arnsteiner  Geschichte  mitverflochten 
wurde,  ist  Münster  zu  Dreisen  am  Donnersberg ;  und  da  die  Urkunde,  die  also 
auch  in  die  nassauische  Geschichte  einschlägt,  nur  in  entlegenen  Werken  ge- 
druckt vorliegt,  so  rechtfertigt  es  sich  wohl,  dass  die  in  Betracht  kommende 
Stelle  hier  zur  genaueren  Kenntnis  mitgeteilt  wird.) 

König  Konrad  sagt  in  seinem  Diplom,  das  zu  Bamberg  im  Jahre  1144 
ausgefertigt  ist^) : 

—  vir  illustris  Fridericus  noster  germamis  dux  Suevie  et  Ahacie  nostram 
celsitudinem  adiens  petilt,  quatenus  ecclesiam  quandam  a  Nanfhario 
quondam   dnce    et  uxore   ipsius  Chiinigtint   in    Jionorem   dei   et    domini 


*)  Siehe  Stumpf,  Verzeichnis  der  Kaiserurkunden  ^'o.  3490.  An  der  zeitlichen  An- 
setzung  Stumpfs  darf  man  vorläufig  wohl  festhalten,  wenn  mich  Bernhard!,  Jahrbücher 
Konrad's  III.,  S.  384  die  Urkunde  in  das  Jahr  1144  rücken  möchte.  Er  vermutet,  die  Zahl 
MCXLVI  sei  vielleiciit  aus  MCXLIV  verschrieben  worden.  Im  Original  ist  die  Jahresangabe 
aber  wörtlich  ausgeschrieben. 

-)  Die  Angaben  von  KöUner,  Geschichte  der  Herrschaft  Kirchheim-Boland  und  Stauf 
(Wiesbaden   1854),  361  sind  vielfach  unrichtig. 

^)  St.  34H8.  Das  wohlerhaltene  Original  wird  jetzt  im  königl.  iillgcnieiiien  lieiclis- 
archiv  zu  München  aufbewahrt.  Der  Druck  in  den  Acta  academiae  Tlieodoi'o-l'alatinao  I 
(Mannh.  1706)  297  ist  wiederholt  in  den  Acta  Sanctorum  Octob.  XI  744  und  in  ihrer  Sonder- 
ausgabe der  Vita  1>.  Ludovici  comitis  de  Arnstein  von  V.  de  Bück,  Bruxellis  1864,  105.  Für 
die  "Wiedergabe  des  Textes  konnte  ich  durcli  die  gütige  hiermit  dankl)ar  hervorgehobene 
Vermittelung  des  Herrn  Professors  Dr.  Scheffer-Boichorst  in  JJerlin  eine  Abschrift 
Böhmer 's  nach  dem  damals  in  Darmstadt  befindlichen  Original  vergleichen. 


203 

nostri  Jesu  Christi  ei  sancfi  Saüirnini  martiris  edißcatani  congruisque*) 
sanctimonialhim  et  deo  devotarum  feminarum  disciplinis  ordinatam  sed 
iam  lomjis  retro   temporihus    ah   omni   cultu   divino   et   deo  servientium 
frequenfia   destitiitam   tandemque    ad    sue    dominationis  provintialisque 
comitis  Theoderici  potestatcm  devohdunv')  in  pristinum  sue  digniiatia  H 
religionis  rohitr  ;;er  nostrani  regiain   auctoritatem  revocaremus.     Ifaque 
ex  eins  jjetitioue  et  consensu  eandem  ecclesiam  sancti  Saturnini  in  pago 
Wormaciensi    tunc   in    episcopatii    Moguntino    sitam    nunc   commisimus 
regendam  et  ordinandam  Ludeivico  comiti  de  Arnestein  etfratribus  apud 
Ärnestein,    qui  sub  canonica  heati  Augustini  regida  et  ordinc  Fremon- 
stratensi  congregati  sunt^  ea  ratione  td  deinceps  in  omni  ciira  et  ordine 
prefato  loco  absque  ullius  persone  contradictione  provideant. 
Im  Folgenden  werden  die  Güter  und  Rechte  des  Klosters  aufgezählt. 
Im  Arnsteiner  Archiv  findet  sich,   soviel  man  sieht,   keine  Abschrift  dieser 
Urkunde,    obwohl  sie  ein  ehrenvolles  Zeugnis  für    die  Abtei  darstellt.     Jedoch 
war  man  hier  natürlich  nicht  ohne  Kunde  von  der  rühmlichen  Thatsache,   dass 
der  Stifter  einst  zum  Wiedercrwecker  jener  abgestorbenen  geistlichen  Pflanzung 
berufen  worden  war,  sondern  man  besass  eine  lebendig  ausgemalte  Überlieferung, 
die  der  Verfasser  der  Vita  Ludovici  aufgezeichnet  hat.')    Nach  seiner  Erzählung 
kam  Graf  Ludwig    einmal    im  Gefolge    des    Herzogs   Friedrich  von  SchAvaben, 
mit  dem    er  verwandt    und    sehr   befreundet  war,    zu    dem  Kloster  Münster  an 
der  Pfrimm.    Da  fand  der  Herzog  die  ehemals  von  Nonnen,   dann  von  Regular- 
kanonikern  bewohnte  Stätte    jedes  göttlichen  Dienstes  ledig  und  sah  mit  tiefer 
Bewegung,    dass  Jagdhunde    im  geweihten  Altarraum    der  Kirche  herumliefen. 
In  frommem  Eifer    entbrennend    übertrug    er  den  Ort  mit  allen    seinen  Gütern 
dem    Grafen,    der    zugleich    Laienbruder    von  Arnstein  war    (dilecto    comiti   et 
converso)    und   bat    ihn    die   klösterliche  Zucht    wiederherzustellen.     Das  nahm 
Ludwig    mit    freudiger  Dankbarkeit  an;    er  erwählte    sechs  erprobte  Kanoniker 
aus    dem    Kloster    Gottesgnaden,    gab    ihnen    andere   geeignete    Personen,    die 
Abt    Gotfrid    von    Arnstein    aussuchte,    bei    und    setzte    an    ihre  Spitze    seinen 
früheren  Kaplan  und  Notar  Markwart,   der  auch  ins  Kloster  Arnstein  eingetreten 
war.     Im  Jahr  1145  zog  dieser  als  der  erste  Abt  mit  den  Seinen  in  Münster- 
dreisen  ein. 

Vergleicht  man  den  Bericht  der  Arnsteiner  Quelle  mit  der  Urkunde 
Konrads,  so  ergiebt  sich  völlige  Übereiustimnmng  in  allem  Wesentlichen.  Der 
Biograph  Ludwigs  ist  nicht  so  unterrichtend  über  die  Vorgeschichte  und  die 
rechtliche  Grundlage  der  Stiftung  wie  die  Urkunde,  er  sagt  nichts  von  der 
Bestätigung  durch  den  König;  allein  er  bietet  dafür  das  anschauliche  Bild 
von  dem  verfallenen  Kloster  und  den  Männern  davor,  die  bereit  sind,  der  Zer- 
störung abzuhelfen  —  eine  Sceue,   die  nichts  eigentlich  Unwahrscheinliches  hat. 


^)  que  fehlt  in  Böhmer' s  Abschrift. 

^)  Dieser  Heimfull  uii  die  weltlichen  Obrigkeiten  ist  verfixssungsgcschichtiich  nicht  ganz 
ohne  Interesse;    vergl.  Waitz,    Yerfassnngsgesohichte  7,    131.     Über   das  Herzogtum   und    die 


Landgrafschaft  vom  Elsafs  s.  ebenda  60  u.  104. 


^}  Ann.  d.  Vereins  f.  nass.  Altertumskunde  XYIII,  258. 


204 

AVertvoll  ist  es  weiter,  iius  der  Vita  zu  erfahren,  dass  Amstein  den  Abt.  sein 
Mutterklüster  Gottesgnaden  aber  den  Hauptstamm  der  Insassen  für  Münster- 
dreisen  geliefert  hat.  Aber  einen  der  AVirklichkeit  fremden  Zug  hat  anscheinend 
der  Amsteiner  eingefügt,  da  nämlich,  wo  es  heisst.  dass  nach  den  Xonnen 
schon  regulierte  Chorherren  in  Münster  gesessen  hätten,  auch  sie.  ohne  die 
klösterliche  Zucht  aufrecht  erhalten  zu  können.  Davon  sa^t  die  Urkunde 
Konrads  nichts,  und  wenn  nicht  aus  anderen,  bisher  übersehenen  Quellenstelien 
irgend  eine  Stütze  dafür  beigebracht  wird,  so  darf  man  wohl  annehmen,  dass 
die  Klosterüberlieferung  hier  eine  übrigens  harmlose  Verbesserung  der  Geschichte 
vorgenommen  hat :  der  Euhm  der  Söhne  Norberts  strahlte  um  so  heller,  wenn  sie 
eine  Aufgabe  lösten,  an  der  andere  Ordensmänner  sich  vergeblich  versucht  hatten. 

Damit  ist  wohl  erschöpft,  was  der  Gegenstand  für  die  engere  nassauische 
Geschichte  bietet.  Es  sei  jedoch  gestattet,  noch  kurz  auf  einzelne  Angaben 
der  Urkunde  Konrads  für  Münsterdreisen  hinzuweisen,  die  in  sonstiger  Hinsieht 
beachtenswert,  aber,  wie  es  scheint,  nicht  genügend  beachtet  sind. 

Da  ist  zunächst  ein  kleiner,  freilich  sehr  wenig  aufschlussreicher  Ueiirag 
zur  Mainzer  Kirchengeschichte  zu  erwähnen.  Unter  den  Gütern,  die  der  König 
dem  Kloster  bestätigt,  wird  auch  genannt:  et  moim<terium,  quod  in  ciritate 
Mogontia  et  cum  omnibtis  suis  appendiciis  que  snhscripta  sunt,  maust  XXII 
et  rinee  od  carratas  rini  XXX. 

Was  für  eine  Kirche  oder  kirchliche  Anstalt  unter  diesem  monasierium 
zu  verstehen  sei.  lässt  sich  bei  dem  Fehlen  ieder  näheren  Bestimmung  nicht  sa«ren. 

Eine  andere  Stelle  in  der  Güterbestätigung  zieht  in  höherem  Grade  die 
Aufmerksamkeit  auf  sich.     Sie  lautet: 

Ea    etiam   bona    que  Beatrix    et   MahtikUs   marciomsse  Tu.<cie  pro 
animahus   suis  et   mariiorum  suorum  Gotefridi  et  JBoni/acii  admonente 
comite  Friderico  nepote  nostro  atque  preposifo  prefate  ecchsie  Anshelmo 
ad   idem   monasterium   contulerunt,    nos    quoque   petiiione    et    consensu 
sepedidi   ducis   ad   eundem    locum    restituimus    et   cotißrmamus,    omnia 
videlicet  que  p/refate  nobilissime  jemine  possederunt    in    loco  qui  dicitur 
Steten  —  —   —   et  ea  omnia  que  habuenoit  in  loco   Walesicilre. 
Dass  die  grosse  Gräfin  Mathilde  von  Tuscien.  die  Freundin  Gregors  VIL, 
Besitzungen  im  rheinischen  Lande  hatte,  ist  bekannt;  aber  die  hier  genannten') 
werden  in  der  Geschichte  ihres  Gutes,  die  wir  Overmann  verdanken,  nicht  auf- 
geführt.*)    Zugleich    berichtigt    unsere    Stelle    den    Satz    dieses    Autors,    dass 
Mathilde    keine   einzige  Schenkung    für   das  Seelenheil  ihres  Gemahls  gemacht 
habe.')     Sie    hat    diese    EhrenpHicht    durch    die    Stiftung    für    das    rheinische 
Xonnenkioster    vermutlich    gleich    nach    dem  Tode    ihres  Gemahls    erfüllt,    im 


')  Steten  ist  Stettcn  nordöstlich  von  Münsterdrei<en  bei  Kirchbeimbolanden.  AVales- 
wilre  vielleicht  Weläweüer  bei  Waltniohr  ini  Zweibrücki«-chen,  8  v.  d.  Nahnier,  Enrwicke- 
lang  der  Territorial-  und  Verfassungsverhältnisse  der  deutschen  Staaten  an  beiden  Ufern  des 
Rheins  (Frankfurt  1832),  325. 

*)  Siehe  A.  Orermann,  Gräfin  Mathilde  von  Tuscien.  Ihre  Besitzungen.  Geschichte 
ihres  Gutes  von  1125—1230  und  ihre  Kegesten  (Innsbruck  1895),  38. 

*)  Overmann,  244. 


205 

Frühjahr  107(5.  Denn  Herzog  Gottfrioil  der  Bucklige  von  Lothringen  wurde 
am  26.  Februar  1070  ermordet  und  schon  im  April  desselben  Jahres  starb  die 
^[utter  der  Mathilde,  Beatrix,  die.  wie  es  scheint,  die  Tradition  für  Münster- 
dreisen  noch  zusammen  mit  iiirer  Tochter  vollzogen  hat.'*)  Beatrix  hatte  für 
das  Andenken  zweier  Gatten  zu  sorgen,  des  1032  ermordeten  Markgrafen 
Bonifacius  von  Tuscien  und  des  1069  verstorbenen  Herzogs  Gottfried  des 
Bärtigen  von  Lothringen."  i  Der  Schreiber  Kourads  HL.  der  bei  der  Ab- 
fassung des  Privilegs  die  Schenkungsurkunde  der  Markgrätinnen  zweifellos 
benutzte,  hat  anscheinend  einen  der  Gottfriede  ausgelassen.  Dafür  ist  er  seiner 
Vorlage  um  so  sklavischer  gefolgt,  wenn  er  schreibt,  dass  Beatrix  und  Mathilde 
die  Schenkung  gemacht  hätten  admonenfe  cotnite  Friderno  nepote  nostro. 
Ein  Neffe  oder  gar  Enkel  Konrads  HL  kann  natürlich  nicht  im  Jahre  1076 
die  Markgrätinnen  von  Tuscien  beraten  haben.'")  Die  Worte  sind  gedankenlos 
abgeschrieben,  und  gemeint  ist  Graf  Friedrich  von  Mömpelgard.  der  1073  als 
Neffe  der  Beatrix  genannt  wird.'^) 

In  eine  noch  früliere  Zeit,  in  das  9.  Jahrhundert  führt  die  letzte  zu  be- 
sprechende Bemerkung  in  der  Urkunde  Konrads  zurück.  Gegen  Schluss  heisst 
es  darin:  Vf  aiitem  hcc  patfina  jirma  —  pcimaufof,  quam  in.rta  tctwreni  priri- 
leiiii  Ludcirici  recjis  secundi,  gui  femporihus  Nantharii  ducis  in  orientali 
Francin  XXXIIoiu-'i  ouuis  reguaverat,  conscrild  maiidav'nnus,  sigilli  nostri  im- 
pressione  com  i)isig)iiri  iussinuis. 

Daraus  geht  hervor,  dass  im  Jahr  1144  noch  das  Privileg  erhalten  war. 
mit  dem  König  Ludwig  der  Deutsche  die  Stiftung  des  Nonnenklosters  zu 
Münsterdreisen  durch  den  Herzog  Nantharius  bestätigt  hat.  Der  Urknnde  seines 
karolingischen  Vorgängers  hat  der  Staufer  vornehmlich  wohl  den  Hauptteil  der 
Güterbeschreibung,  darunter  die  schon  behandelte  Anführung  des  tnamisttriiim 
in  Mainz  entnehmen  lassen.  Lidern  dann  auch  die  Regierungsjalire  aus  der 
Vorurkunde  mitgeteilt  werden,  ist  die  Möglichkeit  geboten,  die  Zeit  der  ersten 
Gründung  von  Münsterdreisen  ungefähr  zu  bestimmen.  Das  o2.  Köniffsialir 
Ludwigs  des  Deutschen  wurde  in  seiner  Kanzlei,  übrigens  unrichtig  um  ein 
Jahr  zu  früli.  vom  September  863  bis  September  864  gezählt.'*)  Dazu  stimmt 
es  wohl,  dass  863  ein  Graf  Nantharius  als  Gesandter  des  Königs  Lothiu"  IL 
von  Lothringen  genannt  wird.'') 

Doch  mit  der  nassauischen  Geschichte  haben  alle  diese  Dinge  nichts  zu 
thun.   und  mehr  als  dieser  Hinweis  ist  hier  nicht  am  Platz. 


''')  Siehe  Overmann,  137. 

")  Siehe  Overmann,   r2o  u.   l'Jö. 

'^  So  liest  man  aber  bei  Remling,  l  rkundliche  Gesohiohte  der  Abteien  und  Klö*ter 
in  Rheinbayern,  II.  (Neustadt  a.  d.  Haardt  IS36V  lO.'v 

'*)  Siehe  Overmann.  1-JT.  Die  Erklärung  der  Stelle  duroh  das:  Einwirken  der  Yorurkunde 
verdanke  ich  Professor  Seh  et'ter-Boiohorst. 

'*)  Siehe  Böhmer-Mühlbacher,  Kegosta  iiuperii  I.  No.   1410  —  1412,  vgl.   p.  L\\l\. 

'*)  Siehe  daselbst  No.  1263  b.  Die  unrichtige  Angabe  ST2  tÜr  d»is  Oründungsjahr  bei 
Remling  II.  163,  ver.,'1  Hernhardi.  Konrad  III.  375,  beruht  wohl  darauf,  da^s  die  Regierung 
Ludwigs  des  Deutschen  vom  Tode  seines  Vaters  Ludwigs  des  Frvunmen  (f  S40)  ab  gez.HhU  wurde. 


Die  Auflösung 
der  nassauischen  Klosterbibliotheken. 


G.  Zedier* 


^lir  wie  -svcnig  Verständnis  und  Pietät  die  Bestände  der  infolge  des 
Reichsdcputationslniuptsohlusses  im  Jalire  1803  an  Nassau  gefallenen  Kloster- 
liibliütheken  behandelt  worden  sind,  das  hat  bereits  van  der  Linde')  au 
einigen  Beispielen  nachgewiesen.  Roth')  hat  seine  Angaben  in  mehrfacher 
Beziehung  noch  ergänzt  und  ausserdem  auf  Grund  der  in  der  Wiesbadener 
Landesbibliothek  und  in  der  bischöflichen  Priestersemiuarbibliothek  vorhandenen 
llandscliriften  und  Bücher,  sowie  der  Einsicht  in  die  auf  der  Landesbibliothek 
befindlichen  Akten  eine  „Geschichte  der  Klosterbibliotheken  Nassaus"  zusammen- 
gestellt. Diese  Geschichte  besteht  allerdings  nur  aus  sehr  dürftigen  Nachrichten, 
die  auch  die  vorhandenen,  unmittelbar  vorliegenden  Quellen  keineswegs  erschöpfen. 
Für  manche  dieser  Klosterbibliotheken  wie  Arnstein,  Deutz,  Eberbach,  Marien- 
statt, lionnnersdorf  und  Sayn  liegen  die  bei  Aufhebung  dieser  Klöster  ange- 
fertigten, freilich  manches  zu  wünschen  übrig  lassenden,  Bücherverzeichnisse 
auf  dem  Staatsarchiv  zu  Wiesbaden,  welches  unter  seineu  Akten  auch  sonst 
noch  wertvolle  Nachrichten  dieser  Art  über  andere  nassauische  Klöster  verwahrt, 
Akten,  die  von  dem,  der  eine  wirkliche  Geschichte  dieser  Klosterbibliotheken 
zu  schreiben  sich  unterfangen  wollte,  in  erster  Linie  heranzuziehen  wären.  Es 
ist  klar,  dass  eine  solche  Geschichte,  die  die  Erfassung  und  Darstellung  des 
geistigen  Lebens,  das  innerhalb  der  Mauern  der  einzelnen  Klöster  sich  entfaltet 
hat,  so  wie  der  geistigen  Beziehungen  dieser  Klöster  untereinander  oder  zu 
anderen  ausserhalb  des  nassauischen  Gebietes  liegenden  Klöstern  und  somit  die 
Geschichte  des  gcüstigen  Leljens  vcsrgangener  Jahrhunderte  zumal  auf  einem 
historisch  so  denkwürdigen  Boden,  wie  es  der  Rheingau  ist,  zum  Ziel  setzt, 
ihren  Wert    und  ihre  Bedeutung  hat.     Allein  wie   sich  materielle   und  geistige 


')  Die  Küniyliclio  liUiideHhihliutlu'U  in  Wicshadon.  Centrallil.  f.  Hil)liotlieks\vescn,  Bd.  1, 
1884,  S.  46-55. 

*)  Geschichte  und  Beschreibung  der  Küiiigl  Landesbibliothek  in  Wiesbaden.  Xebst  einer 
Geschichte  der  Klosterbibliothelien  Nassaus.     Frani<furt  a.  iL   1886.  31  S.  8°. 


207 

Kultur  ong-  b(M'ühi'on  und  letztoro  dio  erstere  zur  Voraussetzung  luit,  so  kann 
eine  solche  Geschichte,  die  zugleich  umfangroiche  iitterarische  Quellenstudien 
bedingt,  mit  Ei-fnlg  auch  erst  unternonmien  werden,  nachdem  die  äussere 
Geschichte  jener  Klöster,  für  dio  das  Staatsarchiv  zu  Wiesbaden  ein  reiches 
bisher  wenig  beachtetes  Material  auf'bewalirt,  eine  intensivere  Erforschun"-  er- 
fahren hat,   als  dies  bisher  der  Fall  gewesen  ist. 

Ich  liabo  mir  hier  ein  ungleich  bescheideneres  Ziel  gesteckt,  nämlich  einnial 
einen  Überblick  über  den  ungefähren  Umfang  jener  Bibliotheken  zur  Zeit  d(;r  Auf- 
hebung dv.Y  Klöster  zu  geben  und  sodann  den  Prozess  ihrer  allmählichen  Vernich- 
tung im  Zusammenhange  darzustellen,  soweit  dies  an  derlland  der  noch  vorhande- 
nen, dafür  in  Betracht  kommenden  Quellen  möglich  ist.  Van  der  Li  n  de  und 
R  0 1  ]i  geben  darüber  nur  einzelne  abgerissene  Notizen,  aus  denen  wir  weder 
ein  irgendwie  vollständiges  Bild  dieses  so  beklagenswerten  Vernichtungsprozesses 
gewinnen,  noch  eine  richtige  Vorstellung  erhalten  von  dem,  was  damals  auch 
nur  dem  äusseren  Umfang  nacli  an  litterarischen  Schätzen  zu  Grunde  gegangen 
ist.  ]linzu  kommt,  dass  ihre  Angaben  mehrfach  der  Berichtigung  bedürfen. 
Freilich  ist  es  auch  mir  nicht  gelungen,  aus  dem  Mosaik  der  in  den  Akten  ent- 
haltenen Einzelnachrichten,  sowie  aus  dem  in  den  erhaltenen  Bücherverzeich- 
nissen und  in  den  Büchern  selbst  vorliegenden  Material  ein  Bild  zu  entwerfen, 
das  nicht  Lücken  aufwiese  und  überall  deutliche  Konturen  böte,  aber  ich  glaube 
doch  alles  erreichbare  Material  herangezogen  und  verwertet  zu  haben. 

Der  nassauischen  Regierung  stand  1803,  als  sie  in  den  Besitz  zahlreicher 
demnächst  aufgehobener  Klöster  und  ihrer  Bibliotheken  kam,  keine  öffentliche 
Bibliothek  zur  Verfügung,  in  der  die  Bücher  derselben  hätten  untergebracht  werden 
können,  wie  dies  anderswo  der  Fall  war.  Die  seit  1730  zuerst  in  Usingen,  dann  in 
Wiesbaden  bestehende  Regieruugsbibliothek  war  damals  noch  eine  unbedeutende 
Büchersammlung-,  welche  aber  trotz  ihres  geringen  Umfanges  kaum  selbst  an 
ihrem  Aufenthaltsorte  Platz  hatte.  ^)  Schwerwiegender  war  es  noch,  dass  in 
Nassau  auch  kein  Bibliothekar  vorhanden  war,  der  die  jetzt  infolge  Aufhebung 
jener  Klöster  frei  werdenden  Büchermassen  mit  Sachkenntnis  hätte  prüfen  und 
sichten  können.  Der  Regierungsbibliothekar,  der  damalige  Regierungsaccessist 
Lange  war  mit  Regierungsarbeiten,  sowie  später  mit  der  Uutcu'bringung  der 
Klosterarchive  so  beschäftigt,  dass  seine  Fürsorge  für  die  Bücher  nicht  über 
den  guten  Willen  hinauskam,  und  der  180(5  nach  ihm  zum  Regierungsbiblio- 
thekar ernanute  Hofrat  Brodreich  war  ein  jovialer  alter  Herr,  der  das  bisher 
mühelose  Amt  nur  übernahm,  weil  er  die  mit  dieser  Sinekure  verbundenen, 
wenn  auch  sehr  geringen,  Emolumeute  gut  gebrauchen  konnte. 

Man  trug  sich  damals  mit  dem  Plan,  in  Idstein  im  Anschluss  an  das  dort  be- 
stehende protestantische  Gymnasium  und  SclmlUüu'erseminar  einen  für  die  liöhere 
Bildung  der  protestantischen  und  katholischen  Jugend  gemeinscliaftlichen  Mittel- 
punkt der  durch  den  katholischen  Rheingau  erweiterten  nassau-usingischen  Lande 
zu  schaffen,  und  wie  man  im  Idsteiner  Schloss  eine  besondere  Kapelle  zur  Aus- 
übung des  katholischen  Gottesdienstes  eingerichtet  und  einen  katholischen  Pfarrer 

')  Siehe  meinen  Aufsatz:  „Zur  Vorgeschiclite  der  Landesbibliothek  zu  Wiesbaden'"  in 
den  Mitteilungen   1898/99,  Sp.  84—90  u.   112—117. 


208 

dahin  berufen  hatte,  so  -wollte  man  hier  auch  aus  jenen  Klosterbibliotheken 
eine  geistlich  katholische  Bibliothek  begründen.*)  Zu  diesem  Zweck  vereinigte 
man  hier  in  den  Jahren  1804  bis  1806  mit  nicht  geringen  Transportkosten 
Bücher  aus  dem  Antouiterliause  zu  Höchst,  sowie  den  Klöstern  Sayn.  Rommers- 
dorf,  Deutz  und  Eberbach,  d.  h.  man  häufte  sie  in  den  Zimmern  des  dritten 
Stockes  im  sogenannten  Saarbrücker  Bau  des  Idsteiner  Schlosses  wüst  aufeinander 
und  überliess  sie  den  zahlreich  dort  vorhandenen  Ratten  und  Mäusen,  Be- 
kanntlich zog  sich  die  Organisation  des  Schulwesens  in  Nassau  noch  eine  Reihe 
von  Jahren  hin.  Die  nassau-usingischen  und  nassau-weilburgischen  Lande 
einigten  sich  1806  im  Herzogtum  Nassau  und  die  Bildung  eines  besonderen 
katholischen  Priesterseminars  zu  Limburg  wurde  schon  damals  in  Aussicht  ge- 
nommen. Diese  Umstände  führten  zumal  bei  der  Unruhe  der  Zeiten  in  der 
begonnenen  Auflösung  der  Klosterbibliotheken  bald  wieder  einen  Stillstand  herbei. 

Machen  auch  wir  hier  einen  Augenblick  Halt,  um  zu  sehen,  wie  viel 
Bände  in  jenen  Jahren  nach  Idstein  kamen,  und  wie  gross  der  Umfang  dieser 
damals  aufgehobenen  Klosterbibliotheken  anzusetzen  ist. 

Die  bedeutendste  dieser  Bibliotheken  war  die  Eberbacher.  Sie  zählte 
gegen  8000  Bände.  Der  Transport  einer  so  umfangreichen  Büchersammlung 
Hess  sich  nicht  auf  einmal  bewerkstelligen,  wie  das  bei  deu  anderen  möglich 
war.  und  zog  sich  in  die  Länge.  Ein  beträchtlicher  Teil  —  nach  dem  noch 
vorhandenen  Verzeichnis  1100  Werke")  in  über  2000  Bänden  —  verblieb  sogar 
damals  im  Kloster,  weil  der  Transport  bei  den  infolge  der  ungünstigen  Witterung 
nicht  fahrbaren  Wegen  mittels  der  Kellereifuhrwerke  unmöglich  war,  und  die 
Regierung  die  vorgeschlagene  Beförderung  zu  Wasser  nach  Biebrich  v.egen  der 
Kosten  nicht  genehmigte.*)  Der  um  die  Regierungsbibliothek  verdiente  da- 
malige Regieruugsassessor  und  Referent  in  Bibliotheksaugelegenheiten  vonUngern- 
Sternberg  gibt  uns  in  einem  Bericht  an  die  Regierung  aus  dem  Jahre  1805 
nicht  uninteressante  Nachrichten  über  die  Bibliothek  der  ehrwürdigen  und  be- 
rühmten Abtei.  Er  sagt,  die  Bibliothek  sei  geteilt  in  eine  alte  und  neue.  Die 
erstere,  in  welcher  ohne  Zweifel  aus  Platzmangel  die  selten  oder  gar  nicht  mehr 
gebrauchten  Bücher  zusammengestellt  waren,  sei  in  drei  kleineren  Zimmern 
untergebracht'),  die  letztere  in  einem  70  Schuh  langen  und  25  Schuh  breiten 
Saale.    In  diesem  seien  vierzehn  Schränke  in  den  Wänden  befestigt,   über  diese 


*)  Siehe  Firnhaber,  C.  G.,  Die  Xassauischc  Simultaiivolksscliiile,  Bd.  1,  S.  204. 

^)  Hier  wie  weiterhin  sind  die  in  Samnielbänden  enthalteneu  Werke  nicht  gerechnet, 
da  die  ungenauen  YerzeichniSfje  auf  diese  höclist  selten  Rücksicht  nehmen. 

")  van  der  Linde  a.  a.  0.,  S.  51  will  glauben  machen,  man  habe  den  Transport  mit 
solcher  Sorglosigkeit  ausgeführt,  dass  dieser  mehrei-e  tausend  Bände  umfassende  Teil  der 
Bibliothek  überhaupt  ganz  übersehen  sei.  So  schlimm  war  es  doch  nicht,  wie  dies  die  Akten 
ausdrücklich  bezeugen.  Da  die  Bibliotheksfrage  gleich  darauf  überhaupt  für  einige  Jahre  ins 
Stocken  geriet,  verlor  man  allerdings  den  in  der  Abtei  zurückgebliebenen  Büchervon-at  gänz- 
lich aus  dem  Auge. 

^)  Aller  Wahrscheinlichkeit  nach  war  es  diese  Bibliothek,  welche  1806  im  Kloster 
zurückgelassen  wurde;  es  wäre  sonst  merkwürdig,  dass  AVerke  aus  allen  Fächern  der  Bibliothek 
in  diesem  Reste  vorhanden  waren,  wie  dies  aus  dem  Verzeichnis  ersichtlich  ist. 


201) 

Schräuko  huifc  eint'  liroift'  (iiillcric,  die  iiiun  mittels  cinci  'IVciipc;  erstinyo. 
Auf  dieser  Gallorio  seien  die  einzelnen  Repositurien  mit  folgenden,  in  vergoldeten 
Buchstaben  angebrachten,  t'berschriften  versehen :  A.  Sacra  Biblia  Sancti  Patres 
Concilia  et  Scribtores*)  Ecclcsiastici,  B.  Theologi  Scholastici  Morales  et  Polemici, 
C.  Cath(^gistae,  Canoucs  et  Rituales,  D.  Ascetae  et  Spirituales,  Concionatores 
et  Miscellanei,  E.  Juris  Civilis  Comment.  et  Consulti,  F.  Pliilosophi  Ethici  Medici 
Mathematici  et  Technici,  G.  Historici  Geographi  Cronol.  et  Philologi,  IT.  lluma- 
niores.  Nach  diesem  System  seien  die  Bücher  der  Bibliothek  übisrhaupt  g(!- 
ordnet  und  meist  mit  Buchstaben  Ixv.cuclnK^t.  Die  auf  dem  Bücherrücken  bo 
hndlichen  Buchstaben  A  bis  II  in  besonders  grosser  Kapitalschrift  sind  auch 
heute  das  beste,  manchmal  freilich  verschwundene,  äussere  Erkennungszeichen 
der  Eberbachcr  Bücher.')  Diese  Beschreibung  lehrt  uns,  was  wir  unter  dem 
bei  Roth'")  vorkommenden  custos  inferioris  bibliothecae  zu  verstehen  habim. 
Wir  greifen  auch  wohl  nicht  fehl,  wenn  wir  in  der  oberen,  in  offcuicn  Jic- 
posituren  aufgestellten  IJibliothek  die  wahrscheinlich  am  Treppenaufgang  ver- 
schliossbare  Eberbacher  Abtsbibliothek  vermuten,  deren  besondere  Existenz  sich, 
wie  schon  Roth  bemerkt  hat,  aus  den  Inschriften  der  Bücher  ergibt,  sodass 
die  untere  in  verschlossenen  Schränken  aufgestellte  Bibliothek  für  den  (icsbrauch 
der  Kouventualen  bestimmt  gewesen  wäre.  Eine  besondere  Abteilung  bildeten 
die  verbotenen  Bücher  in  drei  verschlossenen  Schränken,  die  damals  allerdings 
ihres  wesentlichen  Inhalts  bereits  beraubt  waren.  Das  wohlgeordnc^te,  umfang- 
reiclie  Klosterarchiv  war  in  einem  besonderen  Zimmer  in  zwei  Schränken  ver- 
wahrt. Hier,  niclit  in  der  Bibliothek,  befand  sich  damals  auch  dvv  Oculus 
nicmoriae,  das  berühmte  zwei  Bände  umfassende  Eberbacher  Kopiälbuch  nebst 
achtzelm  alten,  grösstenteils  auf  Pergament  geschriebenen  und  mit  schwerem 
Messing  beschlagenen  Chorbüchern.  Für  letztere  bezeugt  dies  von  Ungern- 
S  1 0  r  n  b  e  r  g  in  seinem  Bericht,  für  den  Oculus  memoriae  ergibt  sich  dies  daraus, 
dass,  als  im  Jahre  1804  der  Präsident  des  Departements  Donnersberg  denselben 
für  Hodmann  auf  zwanzig  Tage  von  der  nassau-usingischen  Regierung  leih- 
weise erbittet  und  die  letztere  zurückmeldet,  dass  das  Buch  trotz  eifrigster 
Nachforschungen  in  der  Eberbacher  Bibliothek  und  dem  bereits  nach  Idstein 
gebrachten  Teil  derselben  nicht  habe  aufgefunden  werden  können,  Bodmann 
der  nassauischen  Regierung  mitteilen  lässt,  dass  das  Buch  sich  nicht  in  der 
Bibliothek,  sondern  im  Archiv  des  Klosters  befinde.  Die  Sache  ist  deshalb 
nicht  gleichgiltig,   weil  mau  daraus  (M-sieht,   dass  auch  bezüglich  der  Erhaltung 


*)  V.   Uiigerji-Stornbüi'g  vermerkt  uusdrücklich  diesen  Lapsus. 

°)  Roth  (a.  a.  ().,  S.  21)  giebt  die  roten,  Idtiueii  oder  grünen  Signaturen  als  untcr- 
sclicidende  Merkmale  an,  an  denen  man  die  Eberbaoher  J3ücher  weithin  in  der  AViesbadener 
und  Limburger  Bibliothek  erkenne,  als  ob  niclit  mehr  oder  minder  jede  alte  Klüsterbii)liothek 
sich  solcher  farbiger  J$üchcrsignaturen  bedient  hätte,  wie  dies  denn  auch  bei  einer  ganzen  Keiiie 
nassauischer  Klöster  zutriil't.  Nach  Roth  (a.  a.  0  ,  S.  23)  besitzt  die  Landesbibliothek  keine 
60  Eberbacher  Bücher  mehr,  und  doch  kamen  schon  1804  aus  Eberbach  mehrere  Imndert 
juristische  und  historische  Werke  in  die  Regierungsbibliothek,  die  grösstenteils  wenigstens  in 
den  Akten  namhaft  gemacht  werden,  und  diese  Werke  sind  samt  vielen  anderen  auch  iieute 
noch  im  Besitz  der  Landesbibliothek. 

'"j  Ueschichtsquellen  aus  Nassau,  T.  4,  S.  159. 

14 


210 

der  Klosterarchive  keine  besondere  Sorgfalt  obgewaltet  bat.  Denn  der  Oeulus 
raemoriae  hat  bekanntlicli  ein  eigentümliches  Schicksal  gehabt.")  Man  hat 
seinen  AVert  trotz  B  o  d  m  a  n  n  ,  der  eine  Beschreibung  der  Handschrift  bei- 
fügte, nicht  erkannt,  und  dieselbe  ist  -wahrscheinlich  zugleich  mir  jenen  alten, 
ebenfalls  wertvollen  pergamentnen  Chorbüchern,  die  im  Jahre  1820  von  Idstein 
nach  Wiesbaden  abgeliefert  wurden,  dorthin  gekommen  und  hier,  wie  wir  dies 
wissen.  1821  nach  seinem  Pergamentwert  verkauft.  Gleich  anfangs  im  Jahre 
1864  wurden  nun  ausser  den  nach  Wiesbaden  in  die  Kegierungsbibliothek 
gelangenden  mehnn-en  hundert  juristischen  und  historisch(>n  Werken  die  Ab- 
teilungen A  und  B.  die  bei  weitem  grossten  der  Bibliothek,  nach  Idstein 
geschafft.  Es  wird  dies  ziemlich  die  ganze  eine  Hälfte  der  im  grossen 
Bibliothekssaal  aufgestellten  Bücher  gewesen  sein,  also  etwa  3000  Bände. 
Dann  wurde,  wie  schon  gesagt,  die  Fortschaffung  der  Bücher  unterbrochen. 
Die  Verschlage  wurden  zum  Transport  der  zu  Schiff  nach  Biebrich  beförderten 
Sayner,  Kommorsdorfer  und  Deutzer  Bibliotheken  gebraucht,  und  als  man  endlich 
im  Frühjahr  1806  die  andere  Hälfte  der  Eberbacher  Bücher  aus  dem  Biblio- 
thekssaal abholte,  kamen  die  Fuhrwerke  bei  den  aufgeweichten  Wegen  ver- 
mutlich mir  knapper  Not  nur  bis  Wiesbaden,  und  man  sah  sich  gezwungen, 
die  zweiten  oOOO  Bände,  in  60  Kisten  verpackt,  hier  einstweilen  im  Kontrollhof 
unterzubringen,  um  für  den  Weitertransport  nach  Idstein  eine  günstigere  Jahres- 
zeit abzuwarten.  Da  aber  beim  Eintritt  derselben  die  Bibliotheksfrage  in  den 
Hintergrund  getreten  war,  wurden  sie  vergessen  und  standen  dort  noch  bis  zum 
Jahre  1821,  wo  man  sich  ihrer  endlich  erbarmte,  freilich  um  ihnen,  wie  wir 
weiter  unten  sehen  werden,  nach  dieser  langen  Gefangenschaft  zum  grossen 
Teil  vollends  den  Garaus  zu  machen. 

Bezüglich  der  Bibliothek  des  Antoniterhauses  zu  Höchst  erfahren  wir  nur, 
dass  sie  unter  der  Plünderung,  der  alle  diese  Klosterbibliotheken  in  den  Kriegs- 
zeiten der  neunziger  Jahre  des  achtzehnten  Jahrhunderts  nachweislich  ausgesetzt 
gewesen  sind,  und  bei  der  auch  die  damals  im  Gebrauch  befindlichen  Kataloge 
sämtlich  verloren  gingen,  ganz  besonders  arg  gelitten  habe,  sodass  der  gegen 
3000  Bände  betragende  Bestand  nur  noch  „wertlosen  Plunder,  höchstens  drei 
oder  vier  ueuoro  Bücher  von  Wert"    enthalte. 

l'ber  Sayn,  Bommersdorf  und  Deutz  liegen  die  bei  Aufhebung  dieser 
Klöster  verfertigten  Bücherverzeichnisse  vor. '^)  Der  Umfang  der  beiden  unteren 
Bibliotheken  war  nur  gering.  Die  Rommersdorfer  Bibliothek,  die  früher  die 
in  jenen  Kriegszeiten  nach  Bendorf  geflüchtete  Sayner  an  Zahl  und  Wert  der 
Bü(;her  übertroffen  hatte,  zählte  kaum  noch  300  Werke,  darunter  sechs  Hand- 
schriften und  41  Inkunabeln.  Mehr  als  doppelt  so  stark  war  die  Sayner  Bibliothek, 
die  bescmders  reich  an  neueren  juristischen  Schriften  war  —  die  dort  vorhandene 


")  Darüber  s.  Ilabel  in  den  Ann.  lil,  3,  S.  2üö  und  vun  der  liiiide  a.  a.  O.,  S.  52, 
Anm.   1. 

*")  Diese  Klöster,  sowie  die  zu  Ehrcnbreitstein  und  Linz  fielen  im  Jahre  1815  infolge 
(jebietsaustauschcs  zwisr-lion  Preussen  und  Nassau  an  ersteren  Staat.  Sie  waren  damals  aber 
bereits  von  der  nassauischen  Regierung  aufgelöst  und  über  das  Schicksal  der  in  ihnen  ent- 
halten gewesenen  Bibliotheken  schon  entschieden. 


211 

Dinhiktioiishibliothek  o-dano-to  damals  direkt  nach  Wiesbaden  in  ilie  ücüieruiiirs- 
bibliotliek  —  danobon  aber  aucli  cune  lleilie  wertvoller  theologischer  SaimiKil- 
werkc  besass,  wie  die  Acta  Sanctoruin,  welche  die  jetzige  Landesbibliothek 
erst  vor  einigen  Jahrzehnton  für  ttuires  Geld  und  noch  dazu  in  einem  unvoll- 
ständigen Exemplar  erwarb.  Die  Zahl  der  in  beidiMi  IJil)li()theken  voriuind(;n(!n 
Bücher  betrug  kaum  mehr  als  2000  Bände;. 

Charakteristisch  und  gewiss  typisch  für  die  Verhältnisse,  die  diese  Kloster- 
bibliotheken in  den  letzten  zwei  Jahrzehntcm  durchgemacht  hatten,  ist,  was  der 
Abt  Godefridus  und  der  lichrer  Schmitz,  der  frühere  Bibliothekar,  über  die 
Dcutzer  Bibliothek  an  die  Regierungs-Kommissaro  berichten.  Nachdem  sie 
zunäclist  des  Verlustes  gedacht,  den  die  Bibliothek  dadurch  erfahren,  dass  die 
Abtei  b(ü  der  Errichtung  der  kurfürstlichen  Universität  zu  Jjonn  Bücher  aus 
verschiedenen  Fächern  und  von  vorzüglichem  Werte  —  das  im  Staatsarchiv  zu 
Wiesbaden  vorhandene  Verzeichnis  weist  35  Werke  in  116  Bänden,  darunter 
Baronius  und  andere  grosse  theologische  Sammelwerke  auf  —  dahin  habe  ab- 
geben müssen,  erzählen  sie,  dass  während  des  letzten  Kriegs  schrecklic-li  in  der 
Abtei  gehaust  sei,  alle  Zimmer  seien  erbroclien  und  durchsucht,  ein  grosser  Teil 
der  Bücher  sei  verdorben,  andere  seien  weggeschleppt.  Dies  habe  sich  öfter 
bei  den  Vor-  und  Rückmärschen  wiederholt.  Unter  anderem  habe  di^r  fran- 
zösische General  Desjardins,  der  dreizehn  Wochen  mit  seinem  Hauptquartier 
in  der  Abtei  gelegen,  sich  ein  Lieblingsgeschäft  daraus  gemacht,  täglich  in  die 
Bibliotliek  zu  gehen.  Er  habe  nach  und  nach  Einsicht  von  allen  Werken  ge- 
nommen und  manche  Stücke,  besonders  die  in  Bänden  aufbewahrt  gewesenen 
Landkarten,  an  sich  genommen.  Damals  sei  auch  der  Katalog  abhanden  ge- 
kommen. Für  die  Bibliothek  habe  schon  seit  langer  Zeit  nichts  augeschafft 
werden  können.  Dem  Herkommen  gemäss  hätte  zwar  jeder  Konventual  bei 
Ablegung  seiner  Ordensprofession  zehn  Reichstiialer  zum  Besten  der  Bibliothek 
gezahlt,  in  den  letzten  achtzehn  Jahren  seien  aber  nur  neun  Konventuale  zur 
Profession  gelangt,  und  diese  wenigen  Gelder  habe  man  bei  den  auf  allen  Seiten 
herrschenden  Bedürfnissen  wie  auch  schon  vordem  zur  Haushaltung  verwenden 
müssen.  Li  früheren  Zeiten  war  dagegen  die  Deutzer  Klosterbibliothek  sehr 
gepflegt  worden,  wie  man  dies  jetzt  noch  aus  den  grösstenteils  gut  erhalteniMi 
und  mit  teilweise  schön  ausgestatteten  Einbänden  versehenen  Büchern  ersieht. 
Die  zwei  auf  dem  Staatsarchiv  zu  Wiesbaden  befindlichen,  sich  ergänzenden 
Verzeichnisse  führen  gegen  2400  Werke,  darunter  34  Handscln-iften  in  etwa 
4500  Bänden  auf.  Von  diesen  kam  eine  Anzahl  juristischer  Bücher  ebenfalls 
gleich  damals  in  die  Wiesbadener  Regierungsbibliothek. 

Alles  in  Allem  enthielten  die  fünf  Klöster  Eberbach,  Höchst,  Rommers- 
dorf,  Sayn  und  Deutz  zusammen  über  18  000  Bände  und  damit  stimmt  es, 
wenn  sich  bei  der  im  Jahre  1818  erfolgenden  Verzeichnung  der  nach  Idstein 
geschafften  Bücher,  zu  denen  1817  noch  750  Bände  aus  dem  Franziskaner- 
kloster zu  Limburg  kamen,  dort  2530  Folianten,  gegen  2400  Quartanten  und 
etwa  8000  Oktavbände,  also  zusammen  12  939  Bände,  vorfanden.  Denn  von 
der  Summe  von  18  000  Bänden  sind  die  in  Eberbach  zurückbleibenden  2000, 
ferner  die  1806  im  Kontrollhofe  zu  Wiesbaden  deponierten  3000  Bände,   sowie 


■J\'2 

tlio    mohrereu    liumlort  Werke,     welche  aus  Ebevbach.    Deutz  und  Sayn  in  die 
Regierungsbibliothek  zu  \ViesI)adeu  gelaugten,   in  Abzug  zu  bringen. 

Es  ist  daraus  ersichrlieh.  dass  man  i»  diesen  Jahren  noch  keine  Büclier- 
versteigerungen  vurnahni.  wenigstens  nicht  grösseren  Unifangs.  In  den  Akten 
werden  solche  auch  nicht  erwähnt.  Nur  Rössel  in  seiner  Ausgabe  der 
Diplomatischen  (ieschicbte  der  Abtei  Eberbach  von  Hermann  Bär '3)  weiss  von 
o-rossen  Versteigerungen  der  Bibliothek  dieser  Abtei  zu  berichten.  Er  sagt. 
dass  die  Eberbacher  Bücher,  mehrere  Wagen  voll,  1806  nach  Wiesbaden  ge- 
fahren und  hier  auf  der  Hofkammer  pfundweise  versteigert  worden  seien. 
Buchbinder  und  andere  Geschäftsleute  liätten  das  alte  Pai)ier  gekauft.  Vor 
allem  gedenkt  er  des  Fragmentes  eines  1853  von  ihm  für  den  nassauischen 
Altertumsverein  erworbenen,  mit  schönen  Miniaturen  und  Initialen  ausgestatteten 
riK.ralbuches  aus  dem  vierzehnten  Jahrhundert  im  grössten  Folio,  das  von  dem 
Inhaber  einer  Wiesbadener  Pianofortefabrik  nebst  anderen  kleineren  Büchern 
damals  gesteigert  und  dessen  feines  Pergament  von  diesem  verschnitten  sei,  um 
die  Ilämmerchen  seiner  Instrumente  zu  verledern.  Nach  allem,  was  wir  über 
den  Umfang  jener  Bibliotheken  erfahren,  muss  in  Rücksicht  auf  den  später  in 
Idstein  vorhandenen  Büchervorrat  eine  solche  Versteigerung,  nocli  dazu  in  dieser 
Ausdehnung,  im  .Jahre  1806  aber  als  völlig  unwahrscheinlich  bezeichnet  werden. 
Zudem  scheint  daraus,  dass  bei  der  Aufhebung  der  Abtei  achtzehn,  grössten- 
teils auf  Pergament  geschriebene,  alte  Chorbüchcr  vorhanden  waren,  1820  aber 
von  Idstein  vierzehn  „Alte  Chor-  oder  Wechselgesänge  auf  schönes  Pergament 
geschrieben^  nach  Wiesbaden  abgeliefert  wurden,  doch  geschlossen  werden  zu 
müssen,  dass  die  Versteigerung  jener  pergamentnen  Chorbücher  nicht  schon 
1806,  sondern  frühestens  1820  stattgefunden  hat.  Schliesslich  begriffe  man  auch 
nicht,  warum,  wenn  man  einmal  mittels  Versteigerungen  mit  den  alten  Büchern 
aufräumte,  die  in  dem  Wiesbadener  Kontrollhofe  stehenden  Kisten  unberührt 
davon  j?ebliebeu  wären.  Nach  allem  scheint  es  als  sicher  angesehen  werden 
zu  müssen,  dass  Rössel  sich  hier  eines  Anachronismus  schuldig  gemacht  hat, 
indem  er  die  Thatsache  der  Versteigerung  ohne  weiteres  in  das  Jahr  setzte, 
in  welchejn  die  Eberbacher  Bibliothek  aus  der  Abtei  entfernt  worden  war. 

Erst  mit  dem  Jahre  1813  trat  die  Bibliotheksfrage  in  ein  neues  Stadium. 
In  diesem  Jahre  wurde  die  bisherige  Regierungsbibliothek  zu  Wiesbaden  als 
Central-Regieruugs-Bibliothek  durch  Erlass  vom  12.  Oktober  zu  einer  öffent- 
lichen Bibliothek  umgewandelt.  Die  Bezeichnung  „öffentliche  Bibliothek", 
die  sich  schoii  von  vornherein  (einbürgerte  und  auch  bereits  vorher  amtlich 
gebraucht  wurde,  wurde  durch  Erlass  vom  3.  Mai  1817  zur  offiziellen.  Schon 
am  2>^.  Februar  1813  war  der  Hofgerichtsadvokat  Dr.  Bernhard  Hundeshagen 
in  nassauischc;  Dienste  übernommen  worden,  „um  sich  bei  der  Aufsicht  der 
Regierungsbibliothek  gebrauchen  zu  lassen."  Man  hatte  gelegentlich  der  Auf- 
lösung jener  oben  erwähnten  fünf  Klosterbibliotheken  die  Entdeckung  gemacht, 
dass  in  dies(!n  I5ücliersammlung(!n  doch  mehr  enthalten  sei.  als  was  zu  einer 
L'eistlich   katholischen  Bibliothek    erfcn-derlich    oder    für  eine    solche    auch  nur 


13 


')  H(l.   1,  S.  553. 


2ia 

wünschenswert  war,  und  Imtte  beschlossen,  jetzt  in  erster  Linie  für  die  erweiterte 
liihliothek  der  nauptstadt  den  Rahm  aus  jenen  Kh)sterbibli()tliekon  abschöpfen 
zu  lassen.  Für  diese  Aufgabe  glaubte  man  jetzt  in  irundeshagon  den  richtigen 
Mann  gefunden  zu  liabiui. 

Dieser  war  entschieden  ein  talentvoller  Mann  mit  viels(;itigen  Interessen 
und  Kenntnissen,  aber  litterarisch  doch  nicht  durchgebikhit,  dazu  unlji'ständig 
und  ohne  inneren  Halt.  Ein  guter  Mathematiker  und  geschickter  Zeichner, 
war  ein  Architekt  an  ihm  verloren  gegangen.  Das  erste,  was  cn  für  die 
Bibliothek  that,  war  ein  Entwurf  für  den  Umbau  der  ungenügenden  Lokalität, 
in  der  dieselbe  untergebracht  war.  Aber  auch  die  städtischen  liauten  inte- 
ressierten ihn  mehr  als  seine  Bücher,  und  wie  für  einzelne  (iebäude  und  Plätze 
der  Stadt,  so  entwarf  er  auch  einen  Plan  für  den  Ausbau  Wiesbadens  selbst. 
Im  Jahre  1814  wurde  er  sogar  zu  militärisch-topographischen  Arbeiten  amtlich 
verwendet  und  seinem  bibliothekarischen  IJerufe  auf  längere  Zeit  entzogen. 
End<>  1817  wurde  er  wegen  seines  illoyalen  Benehmens  seines  Amtes  entsetzt 
und  entlassen.  Abgesehen  von  der  grenzenlosen  Unordnung,  die  seine  Verwaltung 
ausgezeichnet  hatte  und  durch  die  mehrere  damals  angefertigte  Verzeicli- 
nisse  von  Klosterbibliotheken  spurlos  verloren  gingen,  hatten  sich  auch  wieder- 
holt sonstige  Unregebnässigkeiteii  in  der  Geschäftsführung  ergeben.  Dass 
eine  solche  Persönlichkeit,  der  es  an  dem  ersten  aller  bibliothekarischen  Er- 
fordernisse, dem  Sinn  für  Ordnung,  gebrach,  nicht  gerade  zum  Leiter  einer 
Bibliothek  berufen  war,   versteht  sich  von  selbst. 

Aber  auch  der  uns  hier  interessirenden,  ihm  zugefallenen  Aufgabe  der 
Sichtung  der  Klosterbibliotheken  war  er  nicht  gewachsen,  und  er  hat  sich  durch 
die  Art  und  Weise,  wie  er  sich  derselben  entledigt  hat,  ein  keineswegs  rühm- 
liches Denkmal  gesetzt. 

Am  13.  Juni  1813  zum  Bibliothekar  ernannt,  hatte  er  schon  in  den 
Monaten  März,  April  und  Mai  nacheinander  die  Klöster  Notgottes,  Ehrenbreit - 
stein,  Linz,  Montabaur,  Limburg  und  Bornhofen  besucht  und  die  für  die  Wies- 
badener Bibliothek  ihm  geeignet  erscheinenden  Werke  ausgeschieden,  das  andere 
aber  allemal  an  Ort  und  Stelle  versteigern  lassen.  Nur  in  Notgottes,  das  er 
zuerst  aufsuchte,  nahm  er  sich  die  Zeit,  die  Handschriften,  nur  8  an  Zahl, 
die  Inkunabeln  über  100  und  weiter  ungefähr  20  andere  bemerkenswerte, 
meist  jnathematische,  ihn  besonders  interessierende,  Bücher  aufzuzeichnen. 
Die  ganze  Bibliothek  umfasstc  über  4000  Bände,  von  denen  noch  nicht 
der  vierte  Teil  für  die  Wiesbadener  Bibliothek  bestimmt  wurde.  Die 
Bibliothek  der  Kapuziner  zu  Thal  Ehrenbreitstein  war  von  ziemlich  gleicher 
Stärke,  aber  die  aus  ihr  von  Hundeshagen  getroffene  Auswahl  war  ge- 
ringer, zumal  dem  Stadtpfarrer  zu  Ehrenbreitstein,  geistlichen  Bat  Hommel, 
erlaubt  wurde,  die  merkwürdigsten  Bücher  für  die  dortige  Pfarrbibliothek  zurück- 
zidialten.  Aus  der  1593  Bände  umfassenden  Bibliothek  der  Kapuziner  zu  Linz 
wählte  Hundeshagen  nur  235  Bände  aus,  aus  Montabaur,  wo  die  Bibliothek 
allerdings  noch  kleiner  als  die  zu  Linz  war,  sogar  nur  60  Bände.  Die  Biblio- 
thek der  Franziskaner  zu  Limburg,   unter  deren  Resten  sich  Bücher  aus  Gronau 


214 

und  aus  der  alten  Franziskanerbibliotliek  zu  Marburg'*)  finden,  schlägt 
Hundeshagen  zu  10  000  Bänden  an.  von  denen  aber  nur  750  mit  besonderer  Rück- 
sicht auf  das  Priesterseniinar  zu  Limburg  ausgesonderte  Bände  erhalten  blieben. 
Auch  in  Bornlu.fen  fand  er  unter  24:)0  Bänden  nur  50  der  Erhaltung  und  Ein- 
reihuno- in  die  AViesbadener  Bibliothek  wert.  Im  Ganzen  wählte  er  aus  diesen 
über  2.")  000  Bände  enthaltenden  sechs  Klosterbibliotheken  nur  4345  Bände, 
Handschriften.  Inkunabeln  und  im  übrigtni  vorwiegend  theologische  und  histo- 
rische AVerke  aus.  Hess  dieselben  in  Kisten  verpacken  und  bis  auf  die  750 
Limburger  Bände,  die  im  dortigen  Kloster  verblieben,  bis  sie  1  Hl 7  nach  Idstein 
transportiert  wurden,  nach  Wiesbaden  abgehen,  wo  sie  bis  Mitte  Juni  sämtlich 
eingetroffen  waren.  Die  übrigen  20  000  und  mehr  Bände  wurden  versteigert, 
zum  «'rössten  Teil  als  Makulatur  verkauft.  Auf  das  oberflächliche  Ermessen 
eines  für  diesen  Zweck  durchaus  nicht  mit  den  nötigen  litterarischen  Kennt- 
nissen ausgerüsteten  Mannes  hin  wurden  neben  gewiss  vielen  Dubletten,  die 
festzustellen  Hundeshagen  übrigens  gar  nicht  in  der  Lage  war,  weil  er  keine 
Kataloge  in  Händen  hatte,  unersetzliche  litterarische  Schätze  verschleudert  und 
der  Vernichtung  preisgegeben.  AVenn  nicht  noch  alte  Kataloge  dieser  Biblio- 
theken auftauchen,  ist  —  hinsichtlich  Notgottes,  das  auch  die  alte  Johannisberger 
Bibliothek  in  sich  enthielt,  und  Limburg  ist  auch  nach  den  kleinen  erhalten 
gebliebenen  Resten  auf  einstige  höchst  wertvolle  Büchersammlungen  zu  schliessen 
—  jede  Möglichkeit  genommen,  uns  von  diesen  Bibliotheken  ein  Bild  und  von 
diesem  aus  Rückschlüsse  auf  die  ehemalige  geistige  Regsamkeit  und  Bedeutung 
dieser  Klöster  zu  machen. 

Auch  aus  dem  Kloster  Marienthal  auf  dem  Westerw^ald  wählte  Hundes- 
hagen 1814  an  der  Hand  zweier  über  diese  Bibliothek  ihm  übersandten  Ver- 
zeichnisse^^), welche  sich  gegenseitig  ergänzen  und  im  ganzen  nahezu  600  Werke 
aufweisen,  nur  zwölf  Werke,  darunter  sechs  mathematische,  aus.  Kaum  so 
viele  Werke,  darunter  freilich  die  beiden  grössten  Kostbarkeiten  der  Bibliothek, 
die  Hildegard-Handschriften,  kamen  in  demselben  Jahre  aus  Eibingen  nach 
Wiesbaden. 

Wie  schon  erwähnt,  wurde  Hundeshagens  bibliothekarische  Thätigkeit 
alsdann  eine  Zeit  lang  unterbrochen.     Hernach  beschäftigte  ihn  die  Aufstellung 


'*J  Daher  stammt  wahrscheinlich  auch  die  wertvolle  Pergamenthandschrift  41,  Tiieodorichs 
Leben  der  hl.  Elisaljcth.  Landgräfin  von  Hessen,  enthaltend,  die  llundeshagon  noch  in 
Limburg  vorfand,  dem  im  Übrigen  auch  hier  mitgeteilt  wurde,  dass  ein  feindlicher  (französischer) 
Kommissar  die  Bibliothek  besonders  bezüglich  der  Handschriften  geplündert  habe. 

'■^j  van  der  Linde  (a.  a.  O.,  S.  52)  erwähnt  diese  Verzeichnisse,  sagt  aber  nicht,  dass 
hier  das  Marienthal  auf  dem  Westerwald  zu  verstehen  sei.  Deshalb  bezweifelt  Roth  die 
Richtigkeit  seiner  Angabe,  da  das  ihm,  wie  es  scheint,  allein  bekannte  Marienthal  im  Rhein- 
gau damals  längst  aufgehoben  gewesen  sei.  Dass  aber  die  Verzeichnisse  sich  auf  das  auf  dem 
Westerwald  bei  Breitscheid  (Kreis  Altenkirchen)  gelegene  Marienthal  beziehen,  ergiebt  sich 
daraus,  dass  das  eine  Verzeichnis  unterzeichnet  ist:  Christianus  Liborius  Helfrich  p.  t.  Pi'arr- 
verwalter  zu  Marionthal  181.3,  19.  Juni  Der  Staats-  und  Adress-Calendor  des  Herzogthums 
Nassau  für  du.«  Jalir  IHK:!  S.  107  führt  diesen  als  Pfarrer  von  Marienthal  im  Landkapitcl 
Cunostein-Engers  auf.  v.  d.  Linde  giebt  den  N'amen  falsch  an,  weil  er  die  nicht  grade  sehr 
deutliche  Hand  nicht  richtig  gelesen  hat. 


215 

dci'  iius  dun  Kl()st('in  Iicrbcigescliafftün  Büc-hcr.  S(!ino  Entlassiino-  voran- 
lasstc  abermals  eine  längorc  Pause  in  (h-r  Entscheidung^  iibcjr  das  Schicksal 
der  Klosterbibliotheken.  ])(Min  sein  Nachfolger,  Professor  Pagenstecher  aus 
Herboin,  starb  kurz,  nachdem  er  sein  neues  Amt  angetreten  hatte.  Der  IJiblio- 
thekssekrotär  Bette  aber,  der  alsdann  interimistisch  die  Jiibliothek  verwaltete 
—  unt(!r  dieser  Verwaltung  wurde  endlicli  auf  Anregung  des  Direktors  des  in 
der  ehenuiligen  Abtei  inzwischen  eingerichteten  Korrektionshauses  der  längst  in 
Vergessenheit  geratene  Hest  der  Eberbacher  Bibliothek  nach  Wiesbaden  in  die 
r)ffentli(;he  Bibliothek  abgeliefert  —  war  v.\n  kranker  hypochondrischer,  jeder 
Initiative  entbehrender  Mann. 

Erst  am  20.  Dezember  1820  erhielt  die  Bibliothek  einen  neuen  Vorsteher 
in  der  Person  des  Publizisten  Johannes  Weitzel.  Inwiefern  diese  Wahl  ein  Miss- 
griff' war,  dafür  darf  ich  auf  meinen  Aufsatz  in  diesem  Annalenbande'^)  verweisen. 
Weitzel  war  in  gewisser  Weise  das  Gegenstück  zu  Ilundeshagen.  Erachtete 
dieser  vermöge  eines  gewissen  antiquarischen  und  persönlichen  Interesses  vor- 
nelnnlich  Handschriften  und  Inkunabeln,  sowie  im  übrigen  mathematische  Werke 
und  Seltenheiten  in  dem  Bücherchaos  der  Klosterbibliotheken  als  erhaltungswürdig, 
so  sah  der  allen  antiquarischen  Neigungen  abholde  Weitzel  seine  Aufgabe 
darin,  möglichst  die  neueren  Werke  aus  diesen  Bibliotheken  auszulesen,  da- 
gegen das  Übrige  und  zumal  die  ältere  theologische  Litteratur,  falls  sie  nicht 
von  ganz  besonderer  Bedeutung  war,  mehr  oder  weniger  als  unnützen  Ballast 
abzustossen.  So  hat  er  Ilundeshagen,  der  doch  einen,  wenn  auch  weniger 
auf  litterarischer  und  historischer  Durchbildung  beruhenden,  sondern  mehr  aus 
individueller  Neigung  hervorgehenden  Trieb  hatte,  die  älteren  und  selteneren 
Werke  zu  retten,  in  der  Vernichtung  der  Klosterbibliotheken  in  qualitativer 
Hinsicht  noch  übertroffen. 

Sein  Mitarbeiter,  der  1823  Bette  ersetzende  Bibliothekssekretär  Zimmer- 
mann hat  ihn  dabei  nur  unterstützt.  Ohne  die  Verdienste  dieses  jNEanues  um  die 
Bibliothek  —  die  unter  der  Weitzel'schen  Verwaltung  durchgeführten  Ordnungs- 
arbeiten und  die  Herstellung  der  im  Druck  erschienenen  Kataloge  wäre  ohne  die 
gewissenhafte,  Peissige  und  hingebende  Arbeit  Zimmermanns  nicht  m()glich  ge- 
wesen —  schmälern  zu  wollen,  findet  man,  wenn  man  den  Spuren  seiner  Thätig- 
keit  nachgeht,  das  Urteil  seines  späteren  Vorgesetzten,  des  Geheimen  Kegierungs- 
rats  Dr.  Koch'^),  dass  es  ihm  trotz  eifrigsten  Bemühens  und  trotz  ausgedehnten 
encyklopädischen  Wissens  nicht  gelungen  sei,  den  Mangeleines  höheren  Bildungs- 
ganges auszugleichen,  durchaus  bestätigt.  Dies  zeigt  insbesondere  die  Art  und 
AV(!ise,  wie  Zimmermann  die  Handschriften  und  Inkunabeln  mit  äusserlich 
allerdings  sehr  sauber  ausgestatteten  Inhaltsverzeichnissen  versehen  hat,  die 
meist  unvollständig,  mehrfach  falsch  sind  und  häufig  höchst  triviale,  die  L'onie 
van  der  L  i  n  d  e  '  s  mit  Recht  herausfordernde  Bemerkungen  enthalten. 


'")  Siehe  besonders  S.  180. 

^'}  Siehe  Der  Wanderer,  Beiblatt  zur  Xassauischen  Allgemeinen  Zeitung  1850,  Xo.  137: 
„IMiilipi)  Zimmermann,  eine  Erinnerung."  Veranlasst  wurde  dieser  Artikel  durch  den  Zimmcr- 
mann's  Verdienste  überschätzenden  Nekrolog  in  No.  228  und  229  desselben  Jahrgangs  der 
Nass.  Allgeni.  Zeitung. 


216 

"NVeitzel  nuhiii  sich  der  Einziehung  der  noch  überall  im  Lande  zerstreuten 
Klosterbibliotheken  oder  ihrer  Reste  sofort  nach  seinem  Amtsantritt  mit  allem 
Eifer  an.  Zunächst  war  ein  geräumigeres  Lokal  für  die  öffentliche  Bibliothek 
eine  seit  Jahren  bestehende  Forderung  der  2sotwendigkeit,  die  jetzt  infolge  des  zu 
erwartenden  Zuwachses  dringender  denn  je  wurde  und  im  Jahre  1821  endlich 
dadurch  ihre  Erledigung  fand,  dass  der  Bibliothek  die  Räume  im  Erdgeschoss 
des  neuen  Palais,  des  jetzigen  Museumsgebäudes,  rechts  vom  Eingang,  ein- 
geräumt wurden. 

Schon  im  Jahre  1818  hatte  die  Oberschulbehörde,  die  noch  immer  über 
die  in  Idstein  für  die  ehemals  geplante  geistliche  Bibliothek  angehäuften  Bücher- 
massen die  Aufsicht  führte,  nach  dem  inzwischen  höchst  mangelhaft  hergestellten 
und  noch  unvollständigen  Verzeichnis  dieser  Bücher  17  Werke  für  das  Päda- 
gogium zu  Dillenburg.  25  für  das  theologische  Seminar  zu  Herboru.  83  für 
das  Gymnasium  zu  W'eilburg  und  70  für  die  öffentliche  Bibliothek  zu  Wies- 
baden ausgesucht.  Der  Obersclmlrat  Schellenberg  schlug  vor,  dass  alle  für 
das  zukünftige  katholische  Seminar  in  Limburg  dienlichen  Werke  in  Idstein 
bleiben,  die  übrigen  aber  nach  Gewicht  verkauft  werden  sollten.  Nur  die 
Schriften  des  fünfzehnten  Jahrhunderts  solle  man  zurückbehalten,  bis  man  sich 
durch  genaue  Autopsie  von  ihrer  Untauglichkcit  überzeugt  habe.  Dem  pensio- 
nierten Amtsassessor  Selenka  wurde  aufgegeben,  das  von  dem  Kandidaten  Jeckel 
begonnene  Verzeichnis  zu  vollenden,  um  über  die  noch  nicht  darin  aufgenommenen 
Bücher  in  gleicher  Weise  verfügen  zu  können.  Man  nahm  auf  Anregung 
Schellenbergs  auch  in  Aussicht,  dies  Verzeichnis  zu  gleichem  Zweck  auf  die 
1819  aus  Eberbach  in  die  öffentliche  Bibliothek  zu  Wiesbaden  gelangenden 
2000  Bände,  sowie  auf  die  im  dortigen  Kontrollhofo  noch  stehenden  60  Kisten 
voll  Bücher  auszudehnen. 

Mit  der  Ernennung  Weitzels  zum  Bibliothekar  der  öffentlichen  Bibliothek 
wurde  diesem  nach  Massgabe  der  von  der  Oberschulbehörde  gemachten  Vor- 
schläge die  Fürsorge  über  die  in  Idstein,  sowie  über  alle  sonstigen,  noch  in 
Klöstern  lagernden  Büchermassen  übertragen.  Jetzt  wurden  die  im  Kontrollhofe 
zu  Wiesbaden  so  lange  verwahrten  Reste  der  Eberbacher  Klosterbibliothek 
aus  ihrer  unwürdigen  Lage  endlich  befreit.  Die  Bücher  wurden  noclimals  ge- 
sichtet und  gelichtet,  das  bei  dieser  zweiten  Musterung  für  Wiesbaden  oder 
Weilburg,  Herborn  und  Limburg  überliaupt  tauglich  Befundene  wurde  heraus- 
gesucht und  verteilt.  Der  an  Wiesbaden  fallende  Teil  wurde  alsdann  mit  dem 
vorhandenen  Bestände  der  Bibliothek  verglichen  und  die  Dubletten  oder  die 
vermeintlichen  Dubletten  —  eine  Berücksichtigung  der  Sammelbände  und  eine 
genaue  Vcrgleicliung  der  Ausgaben  fand  natürlich  nicht  statt  —  wurden  mit 
allem,  was  von  vornherein  unbeachtet  geblieben  war,  zur  Veräusserung 
bestimmt. 

Dasselbe  Verfahren  wurde  mit  den  damals  noch  in  ihren  Klöstern  rulienden 
und  jetzt  allmählich  nach  Wiesbaden  geschafften  Büchersamndungen  befolgt. 
Zunächst  kam  die  noch  an  Ort  und  Stelle  befindliche  Franziskanerbibliothek 
zu  Iladamar  an  die  Reihe.  Die  Regierung  hatte  1816  bestimmt,  dass  die  In- 
kunabeln und  die  des  Aufbewahrens  werten  Bücher  der  Landesbibliothek  zufallen. 


lMT 


alles  Übrige  aber  zu  ihrem  Verteile  verkauft  werdcüi  solle.  lnf()lf>(!  dessen  hattn 
schon  damals  Professor  Pistor  in  Jladamar  (lr(n  Fünftel  ihn-  JJibliothck  ver- 
zeichnet. Jlundeshagen,  dem  im  ^Fai  1817  dieser  Katalog-  zugestellt  war.  um 
danach  die  Auswahl  zu  treffen,  hatte  ihn  aber  verschlep])t.  Der  Rektor  Frorath 
zu  Hadamar  wurde  dalier  mit  der  Anfertigung  eines  neuen  Verzeichnisses  be- 
auftragt. I)i(^  in  z(^]in,  wenn  auch  mit  Gitterthüren  verwahrten  Schränken 
aufgestellte,  dennoch  arg  mitgenommcme  und  gt^piündertc^  liibliothek  umfasstc; 
noch  etwas  mehr  als  700  Werken  in  etwa  2000  Bänden.  Davon  wurde;  der 
theologische  Teil  ganz  für  Limburg  aufbewahrt,  27  Werke  kamen  nach  Weil- 
burg, 20  nach  Wiesbaden,  das  tlbrige  wurde  bis  auf  18  von  Frovatli  für 
lladamar  erbetene  als  Makulatur  v(>rsteigert. 

Ebenso  wurde  jetzt  dm  Bibliothek  der  Abtei  Schönau,  die  Weitzel  zu 
diesem  Zweck  besuchte,  im  März  1821  aufgelöst.  Das  1809  bereits  auf  Ver- 
anlassung der  nassau-weilburgischen  Regierung  augefertigte  Verzeichnis  hat  sich 
leider  nicht  im  Staatsarchive  zu  Wiesbaden  erhalten.  Der  Umfang  dieser  alten 
Ivlosterbibliothek,  die  jetzt  nach  Wiesbaden  überführt  wurde,  wird  dem  der 
Bibliotheken  zu  Notgottos  und  Arnstein  gleich  gekommen  sein  und  kann  mit 
Wahrscheinlichkeit  auf  etwa  4000  Bände  angenommen  werden.  Die  neuere 
Litteratur  war  weniger  vertreten,  dafür  umso  mehr  die  ältere,  "von  der  auch 
eiu  wertvoller,  äusserli(!h  leicht  erkennbarer  Rest  in  Wiesbaden,  Limburg, 
Weilburg  und  Herborn  erhalten  ist. 

Bei  der  Bibliothek  der  Abtei  Marienstatt  dagegen  sparte  man  die  Trans^xn-t- 
kosten.  Gegenüber  dem  vom  Kirchenrat  Schröder  zu  Hacheuburg  leidlich  ver- 
fertigten Verzeichnis  dieser  ehemals  gleichfalls  bedeutenden  Büchersammlung^^), 
die  noch  immer  unter  rund  2000  Bänden  mehr  als  40  Inkunabeln  —  darunter 
eine  Reihe  von  Sammelbänden  —  besass,  beobachtete  man  die  grösste  Zurück- 
haltung, sodass  jetzt  nur  noch  eine  Handvoll  von  dorther  stammenden  Drucken 
des  fünfzehnten  Jahrhunderts  in  Wiesbaden  und  den  drei  anderen  Orten  auf- 
zutreiben ist.  Die  Landesbibliothok  ist  allerdings  1822  durch  die  Marienstatter 
Bibliothek  in  den  glücklichen  Besitz  des  Gutenberg'schen  Catholicons  gelangt. 

Leider  unterblieb  die  1822  erwogene  Einverleibung  der  IJibliothek  der 
1817  aufgelösten  Hohen  Schule  zu  Herborn  in  die  Landesbibliothek.  Durch 
sie  hätte  letztere  einen  besonders  auf  dem  Gebiet  der  Reformationslitteratur 
höchst  wortvollen  Zuwachs  erhalten.  ]\lan  beschränkte  sich  von  Seiten  der 
Landesbibliothek  vielmehr  darauf,  eine  Reihe  brauchbarer  Bücher,  soweit  sie 
für  das  theologische  Seminar  zu  Herborn  nicht  weiter  in  Frage  kamen,  aus 
der  nahezu  10  000  l>ändo'")  umfassenden  Bibliothek  auszusuchen. 


^*j  Über  die  Verwahrlosung  derselben  s.  v.  d.  Tiindo  n.  a.  0.,  S.  53. 

"J  Der  damals  als  veraltet  ausgeschiedene  und  auf  dem  Speicher  eines  jetzt  abgerissenen 
Anbaues  der  Hcrborner  Stadtkircho  untergebrachte  Teil  der  Hohen  Schulbibliothok  —  darunter 
vornehmlich  der  grösste  Teil  der  mehrere  tausend  Bünde  umfassenden  liibliotheca  l'auseniana 
—  blieb  sich  hier  sechs  Jahrzehnte  hindurch  selbst  überlassen.  In  den  achtziger  Jahren  des 
neunzehnten  Jahrhunderts  wurde  sie  unter  der  Hand  au  die  Königliche  Bibliothek  zu  Berlin 
zu  Gunsten  der  theologischen  Seminarbibliothek  verkauft. 


21f^ 

Auch  iiii  (las  CJyinnasiimi  zu  Weilburg  wurdou  ^später.  im  -laliro  I80I. 
400  AVorko  von  Ilerborn  ubgogebcn.  Im  .hilirc  1883  erhielt  dagegen  die  dortige 
Seniinarbibliothek  seehszehn  CeutniM-  IJücher.  denen  weircrliin  iiorli  zu  ver- 
schiedenen Malen  weitere  Sendungen  folgten,  aus  der  Landesbibliothek,  sodass 
jene  Bibliothek  in  ilu-er  älteren,  jetzt  in  der  ehemaligen  feuchten  Küche  des 
Herborner  Schlosses  untergebrachten  Hälfte  einen  verhältnismässig  respektablen 
Rest  aus  nassauischen  Klosterbibliotheken  aufweist. 

Es  ist  nicht  zu  verwundern,  dass  bei  der  strengen  Musterung,  der  die 
von  allen  Seiten  zuströmenden  Büchermassen  von  Weitzel  unterworfen  wurden, 
sich  ein  gewaltiger  Haufe  sogenannter  Makulatur  sclmeil  ansammelte.  Unter 
dem  1^1'.  -lanuar  1823  bittet  AVeitzel  das  Staatsministerium,  sich  der  Mengen 
von  „alten  Predigten  unbekannter  Mönche,  finster  asketisclie  und  dogmatische 
Ausgeburten  obskurer  Theologen"  durch  eine  Versteigerung  entäussern  zu  dürfen. 
Die  Erlaubnis  dazu  wurde   ihm  anstandslos  erteilt. 

Im  September  1823  wurde  die  ehemalige  Regieruugsbibliothek  zu  Plachen- 
burg.  7.")  Centner,  nach  Wiesbaden  geschafft.  Mit  dieser  Bibliothek,  die  früher 
schon  unter  der  nassau-weilburgischen  Verwaltung  zum  Transport  nach  Ehrcn- 
breitstein  bestimmt  gewesen,  deren  Auslieferung  damals  aber  verweigert  worden 
war,  weil  die  Bibliothek  ein  Fideikommiss  sei,  ist  besonders  für  die  Abteilung 
der  Xassoica  eine  wertvolle  Grundlage  gelegt. 

Auch  aus  Idstein  Hess  jetzt  Weitzel  alles,  was  von  den  in  den  Jahren 
1803  bis  1806  und  1817  dorthin  geschafften  Klosterbibliotheken  noch  vorhanden 
war,  herbeiholen.  Es  waren  noch  350  Centner.  Die  Kosten  des  Transportes, 
150  Gulden,  wurden  durch  den  Verkauf  von  100  Centnern  weiterer  Makulatur 
gedeckt.  Zugleich  wurden  mehrere  tausend  angebliche  Dubletten  versteigert. 
Das  Staatsministerium  billigte  Weitzels  Verfahren  durchaus  und  benachrichtigte 
ihn  unter  dem  11.  August  1824,  dass  „das  befriedigende  Resultat  der  Ver- 
äusserung  der  iJoubletten  gerne  ersehen  worden". 

In  Weilburg  lagerte  noch  immer  die  schon  zwanzig  .Jahre  früher  dahin 
gebrachte  Bibliothek  der  alten  Prämonstratenser-Abtei  Arnstein  zusammen  mit 
der  gleichfalls  längst  ausser  Gebrauch  gesetzten  ehemaligen  nassau-weilburgischen 
R(!gierungs-  und  Hofkammerbibliothek.  Ihrer  erbarmte  man  sich  jetzt.  Um 
Transportkosten  zu  sparen,  wurde  Zimmermann  nach  Weilburg  geschickt  mit 
dem  Auftrage,  das  Unbrauchbare  auszuscheiden  und  an  Ort  und  Stelle  zu  ver- 
kaufen. 23'/i!  Centuer  Bücher  stiess  man  als  Makulatur  auf  diese  Weise  schon 
in  AVeilburg  al).  73  Ccntner  kamen  nach  Wiesbaden.  Die  Arnsteincr  Bibliothek 
lieferte  nach  Weitzels  lieiidit  fast  nur  Makulatur,  die  Rogierungsbibliothek 
dagegen  bot  (üne  gute  Ausbeute, ^*^)  Und  doch  weist  das  freilich  jeder  Kritik 
spottende  Verzeichnis  dieser  alten  Abteibibliothek,  die  durch  Verkauf  schon 
im  achtzehnten  Jahrhundert  grosser  Kostbarkeiten  entäussert  worden  war,   unter 

-")  In  ihr  hofiindeii  «ich  unter  niulerem  niülirere  hundert  Exemplare  von  Krenier's 
goneiilo},'ischer  (jeschiclite  des  alten  ardennisiilien  (leHchlechtes,  die  zu  (iunsten  der  Bibliotheks- 
kasse 1S'J9  un  Kaut'iiiaiin  Klciiisclmiidt  zu  Idstein  als  Makulatur  für  114  H.  42  kr.  verkauft 
wurden. 


219 

den  etwii  1^^00  Werken  in  viertluilbhiuseud  Bänden  ausser  einer  j^anzen  Reilie 
rcrgamonthandscliriften-'-)  beinalie  100  Bände  mit  Inkunabeln  auf. 

In  Erniaugelun<^  anderer  Nachrichten  über  das,  was  an  Handschriften  und 
Druckwerken  damals  verst(;igert  worden  ist,  ist  es  ganz  instruktiv,  einen  Blick 
in  di(!  alten  Rechnung-s-Journale  dor  Landesbiblioth(>k  /u  werfen.  Jlier  finden 
wir  unt(;r  Kapitel  VI,  wo  die  unvorhergesehenen  Einnahmen  aufgeführt  sind, 
folgende  Posten: 

1820  aus  versteigerten  BibUothels-EJ'eUen 240  ß.  52  kr. 

und  123  „  46  „ 

182o   atis  alten,  für  Mahilatiir  versteigerten  Büchern  .     .  102  ,,  45  „ 

1824  aus  dem  Verkauf  des  teihveise  veräusserten  Doubletfen- 

Vorrats  im  II.  Qtl.  1824 .       7i  „     —  „ 

aus  versteigerter  Makulatur  und  unbrauchbarem  Per- 
gament     262  „     14  „ 

ans  den    am    24. — 28.    Jtüy    versteigerten    Biicher- 

Doubktten 333  ,,     48  „ 

aus  dem  Verkaufe  der  Beste  der  Douhletten-Bibliothek     451  „     —  „ 
aus  der  £u  Weilbnrg  verkauften^  aus  der  Arnsteiner 

Klosterbibliothek  abgesonderten  Makulatur     .     .       57  „     —  ,, 
(Die  wertvolle  Bibliothek  ging  also  pro  Centner 
für  etwas  mehr  als  2  fl.   ab !) 

Ferner  werden  noch  verschiedene  Sorten  von 
Dubletten-Yerkäufen  an  Private  aufgeführt;  im 
Ganzen  betrug  das  Ergebnis  der  Veräusserungcn 
in  diesem  Jahre  1374  ß.  14  kr. 

1825  aus  der   Versteigerung  von  Doubletten 189  „       8  ,, 

1826  für  Makulatur  und  Bücher- Doubletten  von  der  Herr- 
mann'scheu  Buchhandlung  in  Frankfurt      ....     160  „     —  ., 

1827  Desgl " ^40  .,     -  „ 

1833  für  eine  Parthie  Doubletten  und  als  Makulatur  aus- 
geschiedener Bücher  von  der  Herrmann' sehen  Buch- 
handlung        300  „     —  „ 

Unter  solchen  Umständen  war  es  ein  Glück,  dass  die  Seminarbibliothek 
zu  llerborn,  die  Gymnasialbibliothek  zu  Weilburg  und  vor  allen  Dingen  das 
1829  begründete,  aber  längst  vorher  in  Aussicht  genommene,  katholische  Seminar 
in  Limburg  Abzugskanäle  für  die  Landesbibliothek  bezüglich  der  in  dieser  zu- 
sammenkommenden Büchermassen  bildeten.  Dadurch  ist  einer  noch  weiter- 
gehenden Verschleuderung  und  Vernichtung  jener  wertvollen  litterarischen 
Schätze,  die  zum  Teil,  wi((  die  Handschriften,  auf  nassauischem  Boden  ent- 
standen sind,  in  ilirer  Gesamtheit  aber  die  Jlauptrepräsentanten  des  geistigen 
Lebens,  das  in  vergangenen  Jahrhunderten  sich  innerhalb  der  Grenzen  des 
Nassauerlandes  entfaltet  hat,   darstellen,   und  denen  darum  naturgemässer  Weise 

^')  Im  Verzeichnis  steht  meist  nur  „altes  Manuscript  auf  Pergament",  was  uns  ja  freilich 
für  den  vorliegenden  Zweck  genug  sagt. 


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220 

aiu'h  in  der  iiassauischen  Landosbibiiuiiiok   zu   W'iosbaJeii  (nn  IHirenplatz  hätte 
augcwiesen  werden  sollen.  Avenigstons  in  etwas  entgegengewirkt  worden. 

Übersehen  wir  noch  -^inmal.  wtis  wir  über  den  äusseren  Umfang  der 
nassauisehen  Klosterbibiiotlieken  zur  Zeit  ihrer  AuHösung--)  haben  feststellen 
können  und  stellen  wir  die  einzelnen  Klosterbibliotheken  nach  ihrer  Grösse 
zusauinien.    nändieh 

Limburg mit  etwa  10000  IJänden 

Eberbach SOOO 

Deutz 4  500 

2sotgottes 4000 

Sehöuau ,,       „  4000 

Arnstein ,        .,  'M){)0 

Ehrenbreitsteiu „  .'»500 

Uöchst -5000 

Bornhof  en „        .,  2500 

Marieustatt „        „  2000 

Hadamar „       „  2000 

Savn „  1800 

Linz IGOO 

Montabaur „        ..  1200 

Rommersdorf     ....        „        „  700         „ 

Marienthal ,       „  600         „ 

Eibingen ,.        ..  600 

so  ergibt  sieh  dic^  Gesamtsumme  der  in  ihnen  entJialten  geweseneu  iJüclier  auf 
rund  55  000  Bände,  Hiervon  ist  leider  nicht  mehr  der  fünfte  Teil  in  der  Landes- 
bibliothek zu  Wiesbaden,  sowie  in  der  bischöfliclion  Priesterseminarbibliothek 
zu  Limburg,  der  evangelischen  Seminarbibliothek  zu  lierborn  und  den  Gym- 
nasialbibliothekeu  zu  Weilburg,  Wiesbaden  und  Iladamar  erhalten.  Als  Mass- 
stab dafür,  wie  die  erhaltenen  Beste  sich  auf  diese  sechs  Bibliotheken  verteilen, 
sei  bemerkt,  dass  die  Anzahl  der  Inkunabeln,  wie  sie  sicli  mir  gelegentlich  ihrer 
Verzeichnung  in  diesem  Jahre  ergab,  in  der  Landesbibliothek  zu  Wiesbaden  oo9, 
in  der  Seminarbibliothek  zu  Limburg  317,  in  der  Gymnasialbibliothek  zu  Weil- 
burg 7L  in  der  Seminarbibliothek  zu  ][erborn  60,  in  der  Gynmasialbibliothek 
zu  Wiesbaden  10  und  in  der  Gynmasialbibliothek  zu  Hadamar  o  beträgt. 
Darunter  befinden  sich  allerdings  79  aus  der  Hohen  Schulbibliothek  zu  Herborn, 
15  aus  der  ehemaligen  Gymnasialbibliothek  zu  Idstein  und  einzelne  anderswoher 
stammende  Werke.  Die  Zahl  aller  in  diesen  Bibliotheken  enthaltenen  Drucke  des 
fünfzehnten  Jahrhunderts  beläuft  sich  nach  Ausschluss  der  Dubletten  auf  nur  741. 

^'0  Rücksichtlich  fast  aller  dieser  Bibliotheken  muss  uiftii  iiiimor  im  Auge  behalten,  dass 
feindliche  Hände,  aber  auch  und  nicht  zum  wenigsten  sachverständige  Konventualen  sie  vor 
der  Aufliebung  der  Klöster  bereits  des  A'"orzüglichsten  beraubt  hatten,  wie  denn  in  ganz  Süd- 
deutschluiid  die  holländischen  und  englischen  Ausgaben  lateinischer  und  griechischer  Klassiker 
nie  80  wohlteil  gewesen  sein  sollen  wie  im  Juhrc   1802. 


Annal.  d.  Vereins  f.  Nass.  Altert,  u.  Gesch.  Bd  XXX. 


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ANNALEN  DES  VERELNS 


FÜR 


NASSAUISCHE  ALTERTUMSKUNDE 


UND 


GESCHICHTSFORSCHUNG. 


EINUNDDREISSIGSTER  BAND- 

ERSTES  HEFT. 

•      1900. 


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WIESBADEN. 
VERLAG  VON  RUD.  BECHTOLD  &  COMP. 

1900. 


DIE  INKUNABELN 

NASSAUISCHER  BIBLIOTHEKEN. 


VERZEICHNET 

VON 


DR.  GOTTFRIED  ZEDLER 

BIBLIOTHEKAK  AN  DEB  LANDESBIBLIOTHEK  ZU  WIESBADEN. 


FESTSCHRIFT 


ZUR 


FÜNFH  UNDERTJÄHRIGEN  GEDÄCHTNISFEIER 

JOHANN  GUTENBERGS 

HERAUSGEGEBEN 

VOM 

VEREIN  FÜR  NASSAUISCHE  ALTERTUMSKUNDE 
UND  GESCHICHTSFORSCHUNG. 


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WIESBADEN. 
VERLAG  VON  RUD.  BECHTOLD  &  COMP. 

1900. 


Die  Ergebnisse  der  ebenso  methodisch  wie  sorgfältig  durchgeführten 
Typenvergleichung  der  Inkunabeln  des  British  Museum  und  der  Oxford  Library, 
wie  sie  in  Proctors  Index  vorliegen,  haben  die  Inkunabelnforschung  geradezu 
aui  eine  neue  Basis  gestellt.  Ihr  nächstes  weiteres  Ziel  wird  die  Feststellung 
der  ihren  Drucken  nach  zwar  unterschiedenen,  ihrem  Namen  nach  aber  noch 
unbekannten  Drucker  sein  müssen.  Die  Lösung  dieser  Aufgabe  wird  wesent- 
lich Sache  einer  von  der  Lokalforschung  ausgehenden  monographischen  Behand- 
lung der  einzelnen  Drucker  und  Druckorte  sein.  Die  Vorbedingung  für  solche 
Einzelforschungen  bleibt  aber  immer  die  Verzeichnung  und  Nachweisung  des 
überall  zerstreuten  Inkunabelnmaterials,  Dass  dies  in  Deutschland  in  derselben 
einheitlichen  Weise  geschehen  wird,  wie  jetzt  in  Frankreich  durch  den  Pelle- 
chetschen  Katalog,  ist  mindestens  zweifelhaft.  Denn  abgesehen  von  den 
grösseren  Schwierigkeiten,  welche  einem  solchen  Unternehmen  bei  uns  aus  ver- 
schiedenen unschwer  zu  erkennenden  Gründen  entgegenstehen,  scheint  gegen- 
wärtig die  Meinung,  dass  man  das  letzte  Ziel  der  Inkunabelnforschung, 
die  Herstellung  eines  Gesamtkatalogs  aller  Drucke  des  fünfzehnten  Jahr- 
hunderts, direkt  erstreben  müsse  und  könne,  in  den  interessierten  Kreisen  die 
vorherrschende  zu  sein.  Meines  Erachtens  sollte  man  freilich  in  Deutschland 
sowie  in  den  anderen  beteiligten  Ländern  das  Beispiel  Frankreichs  nachahmen. 
Es  wäre  dies  eine  erreichbare  Aufgabe,  welche  dadurch,  dass  sie  der  Spezial- 
forschung  das  Material  an  die  Hand  gäbe,  um  die  für  einen  Gesamtkatalog 
erforderlichen  Vorarbeiten  erfolgreicher  und  in  grösserem  Massstabe  als  bisher 
in  Angritf  nehmen  zu  können,  die  Herstellung  des  letzteren  am  sichersten  in 
die  Wege  leiten  würde.  Denn  ein  neuer  Hain,  welcher  in  der  Verzeichnung 
der  einzelnen  Drucke  in  mancher  Hinsicht  gewiss  kürzer  und  präziser  als  die 
oft  allzu  umständhche  Beschreibungen  erfordernden  Inkunabelnkataloge  von 
heutzutage  sein  könnte,  müsste  doch  nicht  allein  über  die  noch  unbekannten 
Drucke,  sondern  auch  über  die  noch  unbekannten  Drucker  die  nötige  Aus- 
kunft geben.  Dass  dies  aber  bei  dem  heutigen  Stande  der  lukunabelnforschung 
in  befriedigender  Weise  geschehen  könne,   wird  man  nicht   behaupten  wollen. 

Wie  dem  aber  auch  sei,  einstweilen,  solange  nicht  ein  allgemeiner  inter- 
nationaler Inkunabelnkatalog  oder  doch  ein  Gesamtkatalog  der  in  den  deutschen 
Bibliotheken  vorhandenen  Inkunabeln  unternommen  wird,  kann  die  Veröffent- 
lichung von  Verzeichnissen  einzelner  Sammlungen  zweifellos  nur  dienlich  sein. 
Ist  das  vorliegende  auch  nur  sehr  bescheidenen  Umfangs,  so  giebt  es  doch 
Auskunft  über  die  Inkunabelnbestände  eines  grösseren  Gebietes,  insofern  als 


—     VI      — 

samtliche  Wiegendrucke  der  im  Gebiet  des  vormali^'en  Herzogtums  Nassau 
bestehenden,  für  diese  Litteratur  im  wesentlichen  wohl  einzig  in  Beti-acht 
kommt^nden  Bibliutheken  darin  verzeichnet  sind.  Mit  wenigen  Ausnahmen 
stammen  die  liier  aufgeführten  Drucke  aus  den  im  Jahre  18<)3  durch  den 
Reichsdeputatioushauptschluss  an  Nassau  gefallenen  und  damals  aufgehobenen 
zahlreichen  Klosterbibliotheken  sowie  aus  der  Bibhothek  der  Hohen  Schule  zu 
Herbom.  Im  vorhergehenden  Bande  dieser  Zeitschrift  ist  von  mir  des 
Näheren  nachgewiesen,  wie  pietätlos  nicht  nur  mit  den  Beständen  jener  Bibho- 
theken  umgegangen  worden  ist,  sondern  wie  auch  infolge  ungünstiger  Umstände 
und  durch  tlie  Schuld  unberufener  Bibliothekare  diese  zu  spärlichen  Resten 
zusammengeschmolzenen  Bücherschätze  nicht  einmal  in  der  nassauischeu 
Landesbibliothek  vereinigt,  sondern  obendrein  möglichst  im  Lande  zerstreut 
worden  sind. 

Die  hier  verzeichneten  Inkunabeln  verteilen  sich  ausser  auf  die  Landes- 
bibliothek und  die  Bibliothek  des  Vereins  für  Nassauische  Altertumskunde 
und  Geschichtsforschung  zu  Wiesbaden,  auf  die  bischöfliche  Seminarbibhothek 
zu  Limburg  a.  d.  Lahn,  die  evangelische  Seminarbibliothek  zu  Herborn  sowie 
auf  die  Gymnasialbibliotheken  zu  Weilburg,  Wiesbaden  und  Hadamar.  Über 
die  Art  der  Verteilung  giebt  das  Register  B  am  Ende  eine  Übersicht,  ebenso 
wie  man  im  Reirister  C  zusammengestellt  tindet,  was  sich  über  die  Zugehörig- 
keit dieser  Drucke  zu  einer  jener  ehemahgen  Klosterbibliotheken  oder  zur 
Hohen  Schulhibliothek  ermitteln  liess.  Wo  dafür  in  den  Büchern  selbst  die 
Indizien  fehlen  oder  durch  Herausreissen  von  Blättern  oder  durch  Entfernung 
der  inneren  Deckelbeläge  verloren  gegangen  sind,  ist  es  allerdings  nur  ganz 
vereinzelt  möghch  gewesen  an  der  Hand  der  bei  der  Auflösung  der  Kloster- 
bibliotheken verfertigten,  höchst  ungenauen  Verzeichnisse  die  einstige  Heimat 
zu  bestimmen. 

Mit  welcher  Gleichgültigkeit  trotz  angeblicher  Sorgfalt  die  Bücher,  nach- 
dem aus  den  der  Aufbewahrung  überhaupt  für  wert  erachteten  die  wirklichen 
oder  vermeintlichen  Dubletten  ausgesondert  und  veräussert  worden  waren,  an 
die  verschiedenen  Bibliotheken  verteilt  worden  sind,  dafür  liefert  auch  dieser 
Katalog  die  sprechendsten  Belege.  Man  vergleiche  nur  No  21,  wo  von  den 
vier  Bänden  der  Summa  universae  theologiae  des  Alexander  de  Ales,  welche 
aus  der  Franziskanerbibliothek  zu  Limburg  stammen,  der  1.,  3.  und  4.  Band 
jetzt  in  der  Landesbibliothek  zu  Wiesbaden,  der  2.  dagegen  in  der  Bibliothek  zu 
Limburg  betindlich  sind,  oder  No  54,  wo  von  den  vier  ebenfalls  aus  dem 
Franziskanerkloster  stammenden  Teilen  der  Summa  theologica  des  Antoninus 
Florentinus  Teil  1.  2,  4  und  die  er^te  Hälfte  des  3.  Teiles  der  Gymnasial- 
bibliothek zu  Weilburg,  die  zweite  Hälfte  dieses  Teiles  dagegen  der  Landes- 
bibliothek zu  Wiesbaden  zugeteilt  worden  sind,  oder  No  120,  wo  von  ein  und 
demselben  Exemplar  des  Dictionarius  des  Petrus  Berchorius  jetzt  Teil  1  in 
Weilburg,  Teil  3  in  Limburg,  Teil  2  überhaupt  nicht  mehr  vorhanden  ist,  wo- 
mit freilich  nicht  gesagt  sein  soll,  dass  die  grosse  Masse  der  jetzt  nur  noch 
unvollständig  erhaltenen  Exemplare  auf  Rechnung  der  mit  der  Aufhebung  der 
Klosterbibliotheken  betrauten  Bibliothekare  zu  setzen  sei.  Es  führte  aber 
viel  zu  weit,  wenn  man  die  Sorglosigkeit  und  Unachtsamkeit,  welche  bei  der  Ver- 


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teilung  stattgefunden  hat,  hier  noch  weiter  illustrieren  wollte.  Ohnehin 
kann  jeder,  der  sich  dafür  interessiert,  mit  leichter  Mühe  dies  Sündenregister 
aus  dem  Katalog  selbst  vervollständigen. 

Die  Landesbihliothek  besass  bisher  kein  weiteres  Verzeichnis  ihrer  Inku- 
nabeln als  das  im  Jahre  1823  im  ersten  Hefte  des  „Cataloges  der  ütfentHchen 
Bibliothek  zu  Wiesbaden"  verötl'entlichte.  Damals  war  die  Auflösung  der 
Klosterbibliotheken  noch  nicht  beendigt  und  vor  allem  war  über  das  Schicksal  der 
Bücher  noch  nicht  endgültig  entschieden  worden.  So  kommt  es,  dass  von  den  dort 
verzeichneten  nahezu  hundert  Wiegendrucken  jetzt  verschiedene  nicht  mehr 
nachweisbar  sind.  Ihrer  hat  man  sich  wohl  bei  den  im  Laufe  der  nächsten 
Jahre  wiederholt  stattfindenden  grossen  Makulatur-  und  Dublettenversteige- 
rungen entledigt,  wie  denn  auch  eine  ganze  Reihe  anderer  wertvoller  Bücher, 
ja  selbst  Handschriften  spurlos  verschwunden  sind.  Auch  die  Gymnasialbiblio- 
thek zu  Weilburg  ist  im  Besitze  eines  Verzeichnisses  ihrer  Inkunabeln  und 
alten  Drucke  bis  zum  Jahre  1550*,  welches,  wenn  es  auch  nicht  ganz  voll- 
ständig und  genau  ist,  doch  bei  Feststellung  des  dortigen  Bestandes  von  mir 
mit  Dank  benutzt  werden  konnte,  ebenso  wie  die  in  dem  Wiesbadener 
Clymnasialprogramm  von  1882  enthaltene  Mitteilung  Wedewers  über  die  in 
der   Bibliothek    dieses  Gymnasiums  vorhandenen  Inkunabeln. 

Tjpenvergleiche  in  grösserem  Umfange  vorzunehmen,  dem  stand  meist 
die  räumliche  Trennung  der  Bestände  im  Wege.  Wo  sich  mir  die  Gelegen- 
heit dazu  bot,  habe  ich  sie  nicht  verabsäumt  und  bei  späterer  Einsicht  des 
Proctorschen  Index  meine  Beobachtungen  meist  bestätigt  gefunden.  Wo 
Proctors  Autorität  fehlt,  muss  ich  bei  dem  Mangel  ausreichenden  Materials, 
zumal  mir  auch  Burgers  Monumenta  leider  nicht  zugänglich  waren,  die  Rich- 
tigkeit meiner  Beobachtungen  dahingestellt  sein  lassen.  Proctors  Bestim- 
mungen bin  ich  ü1)erall,  auch  wo  sie  von  den  Angaben  anderer,  sonst  zuverlässiger 
Kataloge  abweichen,  ohne  Bedenken  gefolgt,  ebenso  wie  ich  mich  durchweg 
seiner  Bezeichnungen  für  die  ihrem  Namen  nach  noch  unbekannten  Drucker 
bedient  habe. 

In  der  Hauptsache  handelte  es  sich  für  mich  nur  um  die  Feststellung 
und  eventuelle  Beschreibung  der  in  den  genannten  Bibliotheken  vorhandenen 
Bestände,  eine  Arbeit,  die  mühevoller  war,  als  es  der  vorliegende  Katalog 
vermuten  lässt,  da  ich  nur  den  allernotwendigsten  bibliographischen  Apparat 
mit  mir  führen  konnte  und  deshalb  gezwungen  war,  manche  überflüssige  Be- 
schreibung vorzunehmen.  Was  die  von  mir  bei  der  Beschreibung  befolgte 
Methode  betrifft,  so  bin  ich  dabei  von  der  Überzeugung  ausgegangen,  dass 
auch  ein  noch  so  minutiöses  Verfahren  unter  Umständen  nicht  genügen  wird, 
um  zwei  verschiedene,  aber  einander  sehr  ähnliche  Drucke  richtig  auseinander- 
zuhalten. Dazu  würde  in  jedem  Falle  nur  die  photographische  Nachbildung 
ausreichen,  und  in  solchen  Fällen  kann  nur  eine  genaue  Vergleicbung  der 
Drucke  die  charakteristischen  Unterschiede  an  die  Hand  geben.  Im  ül)rigen 
ist  zwar  eine  peinliche  Akribie  bei  Beschreibung  von  Inkunabeln  erfordt- rlich, 
aber  zugleich  doch  auch    die  Beschränkung   auf  das  Notwendige    und  Zweck- 


*  Dies  von  dem  damaligen  Direktor  des  Gymnasiums  E.  Bernhardt  verfasste  Verzeichnis 
findet  sich  im  Programm  des  Gymnasiums  für  1877/78. 


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massige  geboten.  Ich  sehe  keinen  Grund  ein.  ■warum  die  an  sich  schon  so 
zeitraubende  Arbeit  z.  B.  durch  die  Unterscheidung  von  i  und  r  oder  von 
f  und  s  erschwert  werden  soll,  und  pflichte  unbedingt  der  im  Campbellschen 
und  Pellechetschen  Katalog  zur  Anwendung  gekommenen  Praxis  bei,  welche 
dergleichen  als  ..Hyperakribie"  getrost  bei  Seite  lässt.  Die  Mode  die  ver- 
schiedenen Typeuarten  des  (Originals  durch  Anwendung  der  gotischen  oder 
römischen  T\"pe  bei  der  Beschreibung  zur  Darstellung  zu  bringen,  ist  eben- 
falls zum  mindesten  überflüssig,  in  vielen  Fällen,  wenn  nicht  die  Typenart 
ausserdem  noch  besonders  charakterisiert  wird,  sogar  irreführend.  Dagegen 
haben  die  in  den  älteren  Katalogen  sich  vortindenden  vielfachen  DiÖerenzen 
in  der  Blattzählung  es  auch  mir  notwendig  erscheinen  lassen,  die  Signaturen 
und  Blattlagen  genau  zu  beachten  und  anzugeben,  was  sich  ohnehin  aus 
sonstigen,  schon  von  anderer  Seite  hervorgehobenen  Gründen  empfiehlt. 

Dass  durch  dies  Verzeichnis  für  die  in  Nassau  vorhandenen  Wiegendrucke, 
welche  naturgemäss  in  der  Laudesbibliothek  hätten  vereinigt  bleiben  sollen, 
wenigstens  wieder  eine  ideale  Einheit  hergestellt  werden  konnte,  das  ist  in 
erster  Linie  das  Verdienst  der  Vorstände  der  beteiligten  Institute  und  ihrer 
Bibliothekare,  bei  denen  ich  überall  das  grösste  Entgegenkommen  gefunden 
habe.  Dafür  sei  auch  an  dieser  Stelle  Sr.  Gnaden  dem  Herrn  Bischof  DoiiiNicüS 
sowie  den  Herren  Domkapitular  Dr.  Höhlee  und  Subregens  Goebel  zu  Lim- 
burg, Bibliotheksdirektor  Professor  Dr.  Lieseuaxg,  Gymnasialdirektor  Dr. 
Fischer  und  Professor  Dr.  Spiess  zu  Wiesbaden.  Gymnasialdirektor  Dr.  Padxus 
und  Oberlehrer  Dr.  GrsDLAcn  zu  Weilburg.  Professor  Knodt  zu  Herborn  und 
Oberlehrer  Dr.  Otto  zu  Hadamar.  dessen  freundliche  Bemühungen  mich  des 
Nachforschens  an  Ort  und  Stelle  überhoben,  herzlich  gedankt.  Bei  der 
Arbeit  selbst  haben  mich  ferner  die  Herren  Bürger  in  Leipzig  und  Velke 
in  Mainz  unterstützt.  Ersterem  verdanke  ich  den  Nachweis  zu  No  249, 
letzterem  den  zu  No  620.  Auch  die  Buchhandlung  Joseph  Baer  &  Co.  in 
Frankfurt  am  Main,  die  mir  den  Pellechetschen  und  Proctorschen  Katalog 
sowie  andere  bibliographische  Hilfsmittel  mit  bekannter  Liberalität  zur  Ver- 
fügung stellte,  hat  mich  zu  Dank  verpflichtet,  dem  bücherk-undigen  Prokuristen 
dieser  Firma  Herrn  Sondheim  schulde  ich  für  mehrfache  freundliche  Mit- 
teilungen besonderen  Dank.  Vor  allem  aber  sei  dem  Vorstande  des 
Vereins  für  Nassauische  Altertumskunde  und  Geschichtsforschung,  der  den 
Druck  dieser  Arbeit  ermöglichte,  mein  Dank  gesagt.  Kann  sie  leider  nicht 
Ausk-unft  geben  über  das,  was  Gutenbergs  Kunst  auf  nassauischem  Boden  im 
fünfzehnten  Jahrhundert  in  Eltville  und  Marienthal  geleistet  hat,  so  wird  sie 
doch  hofientlich  mit  dazu  anregen,  dass  über  die  noch  an  so  vielen  Orten 
aufbewahrten  unbekannten  Inkunabelnbestände  Kataloge  veröffentlicht  werden 
aus  denen  die  Forschung  wie  anderswo  so  auch  bezüglich  der  nassauischen 
Wiegendrucke  neue  Impulse  empfangen  und  zweifellos  auch  weitere  Resultate 
gewinnen  wird. 


1  Accursius,  Franciscus:  Casus  in  terminis  super  novem  libris  Justi- 
niani  codicis.     [Argentinae,  t)'pogr.  vitarum  patnim]  s.  a.     2^. 

Hain-Copinger  *6g.     PelUchet  41.     Praetor  430. 

Der  Rubrikator  hat  am  Ende  die  yahreszahl  148g  vermerkt. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Schonau.) 

2  Acta  et  decreta  Concilii  Constantiensis.  Hagenoae,  Henricus  Gran, 
1500.     40. 

Hain-Copinger  ^6og. 
Limburg.     {Aus  L/adamar.) 

3  AdrianusCarthusiensis:  Liber  deremediisutriusquefortunae.  [Coloniae, 
Ulricus  Zell]  s.  a.    4«. 

//airt  *gj.     Pellechet  SS-     Praetor  858. 
Limburg. 

4  Aegidius,  Franciscus:  Verba  aurea  de  gratia  dei,  virtutibus  et  vitiis. 
[Coloniae,  Ulricus  Zell]  s.  a,     4o. 

Hain-Copinger  */OS-     Pellechet  66.     Praetor  884. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

5  Aegidius  Suchtelensis :  Elegantiarum  viginti  praecepta.  Daventriae, 
Rieh.  Pafraet,  1490.     4o. 

Hain-Copinger  6 ££8.      Campbell  Suppl.  J,  6/2. 
Wiesbaden  LB. 

6  Aeneas  Sylvius:  Historia  Bohemica.  [Basileae,  Johannes  de  Amer- 
bach,  1489?]     4". 

Hain  *2£4.     Pellechet  i/6.     Praetor  ^626. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Natgottes,  vorher  in  yohannisberg.) 

7  Aesopus:    Fabulae,  deutsch,     o.  0.  Dr.  u.  J.?     2o. 

Bl  za  leer.  Bl  ib:  Holzschnitt:  „ESOPVS"  umgeben  von  allerlei  Tieren  darst.  Bl  2a  Z  i : 
C  Vita  Esopi  fabulatoris  clarissimi  e  greco  latina  per  |  Rimicium  facta  ad  reuerendissimum 
patre?  dominum  Anthonium  Tituli  sancti  Chrisogoni  prespiterü  Car  dinalem  T)[H!zschniii- 
initia/e]A3  leben  des  hochberümten  fabeldichters  Esopi.  auß  kriech-l  ischer  zungen  in  latejm/ 
durch  |,  Rimiciü  gemachet/  an  de  hoch  wirdigen  vater  herren  antho-  nium  des  titeis  sancti 
Chrisogol  ni  priestern  Cardinalen.  Vnd  ;  fürbaß  da?  selb  leben  Esopi  mit  j  seinen  fabeln/ 
die  ettwo  romu-  ;Iu3  von  athenis  seine  sun  Thiberino  auß  kriechischer  zungen  in  latein/ 
gepracht  hat  gesendet/  vü  mer  etlich  '  d'  fabel  Auiani.  auch  doligami.  Aldefonsy.  vü  schimpf  || 
reden  poggij  vnnd  anderer,  yegklich  mit  jrem  titel  ob  \  verzeichnet,  auß  latein.  von  doctore 
heinrico  3teinhö-|iwel  schlecht  vü  verstentlich  geteütscht.  nitt  wort  auB    '  wort,  sunder  syn 

z 


o      

auB  syn  lie  Bl  J^a  Z  15:  G  Hie  hat  ein  end  das  leben  esopi  Fl  112  'das  Ixxvij  plat]  b  Z  18: 
C  Ein  ennde  habent  die  fabeln  Esopi  die  vö  de  hoch-  gelerten  meyster  Rimicio  newlich 
auß  kriechischer  zungen  in  latein  gepracht.  welche  fabeln  vö  Romu  lo  in  seinen  vier 
büchem  nit  begriffen  werden-  Bl  iil  ^das  Ixxviij  platj  b  Z  i:  C  Die  fabeln  Auiani  Bl  12g 
[das  Ixxxxiiij  plat]  b  Z  : :  C  Gesamelt  fabeln  Bl  rS5  [das  cxx  plat]  b  Z  31 :  C  Hienach  volget 
das  Register  über  die  gemeinen  punckten  der  materi  diß  püchlins.  Bl  160b  Z  16:  C  Hie 
hat  ein  ende  das  Register  der  gemeinen  punkten  vnd  materi  diß  büchlins  Es  folgen  dann 
ohne  Anfang  und  Ende  vier  Blätter  aus  der  Hystoria  sigismundi:  der  tochter  des  fürsten  tancredi 
von   salemia   vnd   des   iünglings  gwisgardi. 

//o'.-'J  Bl  ohne  Sign  1/  Layjm  i—i  6,5  //smf,  Bl  3^—^55  »umerteri  I—CXX,  36  Zeüen, 
goth.   Schrxß,   mit  ca   200   Holzschnitten. 

Bl  161 — 163  und  168—1/0  fehlen. 

Wiesbaden  LB. 

8  Aesopus  moralisatus  cum  bonö  commento.  [Coloniae,  Henricus 
Quentell],  1489  4". 

Hain-Copinger  *304.     Pellechet  212.     Praetor  12g  2. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes,  vorher  in  fohannisberg.) 

9  Alanus  ab  Insulis:  Doctrinale  altum  seu  liber  parabolarum  metrice 
conscriptus  cum  expositione.     [Coloniae,  Henricus  Quentell]  s.  a.     40. 

Bl  la   Titel:    Doctrinale    altum    seu    li-|  ber   parabolarum  Alani   metrice  descriptus  cü 
sententijs  jj   et    metrorum    expositionibuu  [!]    vtilis    valde    ad    bonorü    mo  |rum  instructionem 
Darunter  der  Holzschnitt:  ein  Lehrer  mit  z-un  Schülern,  im  Spruchbande  die  Inschrift:  Accipies  tanti  etc. 
f  Bl  mit  Sign  [AA—CC3,  das   Weitere  fehlt],  4^  Zeilen  (Bl  2  a),  goth.  Schrift,  drei  Schriftgrössen. 
Wiesbaden   G.     [M  48).     {Aus  Idstein,   Gymn.  Bibl.) 

10  Alanus  ab  Insulis:  Doctrinale  altum  seu  liber  parabolarum  metrice 
conscriptus  cum  expositione.     Coloniae,  Henricus  Quentell,  1497.     4®. 

Bl  la  Titel:  Doctrinale  altü  |  seu  über  parabolarü  Alani  me|  trice  descriptus  cum 
sententijs  ;  metrorü  expositöibo.  vtilis  |  valde.  ad  bonorum  morum  :  virtutum  que  via  sunt 
ad  bea  titudinemi  instructionem.  Bl  2Sb  Z  34:  C  Doctrinale  altü  parabolaii  Alani  cum 
glosa  finit  feliciter  C  Impssum  Colonie  p  Henricum  Quentell.  Anno  domini  .]  Millesimo 
quadringentesimo   nonagesimo    septimo    Bl  26   leer. 

26  Bl  mit  Sign  [AA,^  BB—DDl\  Bl  2  a  45  Z,  sonst  verschieden,  goth.  Schrifl,  vier  Schrißgrdssen. 

Hain  382. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

11  Albertanus  Brixiensis:  De  arte  loquendi  et  tacendi.  Coloniae, 
[Henr.  Quentell],  1487.     4". 

Bl  la  Titel:  Tractatus  de  arte  '|  loquendi  t  tacedi.  Bl  ib:  Compendiosus  tractatus 
de  arte  loquendi  :  tace,  di  multum  vtils  [!]  \\  (  iVoniä  indicendo  :|  multi  erant  nee  est  aliqs 
qui  linguä  sua?  ad  |  etc.  Bl  Sb  am  Ende:  Explicit  liber  de  doctrina  loquendi  et  tacendi 
ab  Albertano  causidico  brixiensi  ad  instructione  filiorum  suoy  compositus.  ||  Impressus  ac 
finitus  Colonie  Anno    dTii  M".  cccc.  Ixxxvij. 

8  Bl  [Bl  3  ist  signtrt:  AAüj\,  3g  u.  40  Zeilen,  goth.  Schrift,  drei  Schriftgrössen. 

Hain-Copinger  40 3.     Praetor  1288. 

Limburg.     {Aus  Limburg^) 

12  Albertus  Magnus:  Commentum  in  libros  physicorunL  Venetiis, 
Johannes  et  Gregorius  de  Gregoriis,  1488. 

Pellechet  334.     Hain-Copinger  518. 
Sign:  a  3,  b — «4,  jr3. 
Herbom  1/6/.     {Aus  Deutt.) 


—     3     — 

13  Albertus  ]\ragnus:    Compendium  theologicae   veritatis.     [Coloniae], 
N[icol.]  G[oetz],  s.  a.     2«>. 

Hain  *433. 
Limburg. 

14  Albertus  Magnus:  Compendium  theologicae  veritatis  cum  tabula 
Thomae  Dorniberg  de  Memmingen.     [Coloniae?  Daventriae?]  s.  a.     2^. 

Hain  *434.     PelUchet  2^4. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

15  Albertus  Magnus:  De  adhaerendo  vero  deo.  [Ulmae,  Job.  Zainer, 
1473.]     20. 

Hain  *42g.     Praetor  2^ Ol. 
Limburg.     (Aus  Limburg.) 

16  Albertus  Magnus:  De  secretis  mulierum  et  virorum  [Eustadii, 
Reyser?]  s.  a.     4o. 

Hain  *S49-     L>as  S  am  Anfang  grosse  Holzschnittinitiale. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Eberbach.) 

17  Albertus  Magnus:  Liber  aggregationis  seu  de  virtutibus  herbarum 
seu  secreta  secretorum.  Quaestiones  naturales  philosophorum.  Antverpiae, 
Godfridus  Bac,  1499.    4». 

Campbell  Suppl.  2  No  84a.     Pellecket  j6j. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstaä.) 

18  Albertus  Magnus:  Postilla  in  evangelium  Johannis.  [Coloniae, 
Johannes  Guldenschatf,  c.  1478].     2^. 

Hain-Copinger  *4Sg.     Pellecket  2g£.     Praetor  I2i£. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Sckönau.) 

19  Albertus  Magnus:  Scriptum  in  «^uattuor  libros  sententiarum. 
[Lugduni,  Job.  Syber?],  s.  a.    2^. 

Pellecket  385. 
Limburg.     [Aus  Deutz.) 

20  Albertus  Trottus  de  Ferrariis:  Tractatus  de  horis  canonicis. 
[Lugduni,  Nicolaus  Pistoris  et  Marcus  Reinhardus  de  Argentina,  c.  1478]. 

Hain-Copinger  *£g6.     Pellecket  40 J. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Arnstetn.) 

21  Alexander  de  Ales:  Summa  universae  theologiae.  Norimbergae, 
Antonius  Koberger,  1481—1482.     4  Bde     2». 

Hain-Ci>pinger  *64J.     Pellecket  431. 

Wiesbaden  LB :  Bd  i,  3,  4.   \ 

Umburg:  Bd  2.  ]     (^''"^  Limburg.) 

22  Alexander  de  Ales:  Summa  universae  theologiae.  Papiae,  Johannes 
de  Birretis  et  Franciscus  de  Girardenghis,  1489.     4  Bde     4". 

Hain-Copinger  ^644.     Pellecket  432. 
Limburg.      Nur  Bd  i,  3  u.  4.     [Aus  Deutz.) 


-     4     - 

23  Alexander  Anglicus:  Destructorium  vitiorum.    Coloniae,  [Ludovicus 
de  Renchen],  1485.     2'\ 

Hain-Copmger  *6£o.      PdUchtl  4j^.     Prcct^v  13/6. 
Limburg.     [Aus  Eberbcuh.) 

24  Alexander    de   Villadei:    Doctrinale    cum    commento  Ludovici    de 
Guaschis,     Basileae.  [Johannes  de  Amerbach],  1486.     2<>. 

Hain-Copngfr  V-^/-      Praetor  /S/O. 

IValburg.     [Aus  Limburg.) 

25  Alexander  de  Villadei:  Doctrinale  seu  grammatica  latina,  metrice. 
Coloniae,  Henricus  Quentell,  1492.     4". 

Bd  I:  Bl  la:  Prima  pars  doctrinaUs  Alexandri  cum  sententijs.  notabilibus,  et  vo- 
cabuloru?  lu  cida  expositione.  nönulliscj  annexis  argumentis  cum  eo/  ]rundem  replicis  ad 
nouellorum  in  grammatica  incipienti,|Um  profectum.  cum  quibusdam  alijs  additis  pro  in 
seien- ;tijs  aliqualiter  prouectis  Darttttter  der  Hokschnät  mit  dem  Magister  und  zwei  Schülern ;  auf 
dem  Spruchband  aie  Inschrift:  Accipies  tanti  etc.  Bl  124a  Z  j6 :  .  .  .  Explicit  feli  'citer  Impressa 
in  felici  Colonia  circa  summü  p  Henricum  Quentell  \\  Anno  a  natiuitate  Xpi.  M.  cccc.  xcij. 
qnto  Kalendas  Septembris  —  Bd  II:  Bl  la:  Glosa  notabilis  secunde  |  ptis  Alexandri  cum 
interlinialibusexpositionibo  textus  eiusde  in  planissimis  sentetijs.  subiüctis  ppulchre  ordina  |tis 
questionibo  atcj  argumetis  cü  replicis  cötra  eoninde?  ;'  etc.  Darunter  derselbe  Holzschnitt  zvu  in 
Bd  I.  Bl  114  a  Z  40:  C  Explicit  feliciter  scda  ps  Alexädri  cum  glosis  metroy  interlinealibo  |( 
planissimisqi  eorüde  subiüctis  sentetijs  fam  rectü  sniandi  modü.  multis  ||  cü  .  .  .  ||  .  .  .  ||  .  .  . 
Im-;  pressa  in  sancta  Colonia  p  Henricü  Quentell  circa  summum  Anno  in- Jcamationis 
dominice  M.  CCCC.  XCij.  quarto  ydus  Octobris.     Bl  114b  leer. 

Bd  I   224  Bl  [al—sl,  /4,  t/4], 

Bd  II  114  Bl  \ai—pi,  q^s^\ 

46  Zeilen,  goth.  Schrift,  5  Schriftgrossen. 

Limburg. 

Alexander  Magnus  s.  Liber  Alexandri  de  praeliis. 
Alliaco  3.  Petrus  de  Alliaco. 

26  Alphonsusa  Spina:  Fortalitium  fidei  contra  fidei  christianae  hostes. 
Xorimbergae,  Anton  Koberger.  1485.     2o. 

Hain- Cef  inger  *8f3.     Pellechet  ß6j. 

Zu  Beginn  des    Textes  ist  die  Initiale   U  eine  schöne  Federzeichnung. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Schdnau.) 

27  Ambrosius  Mediolanensis  Opera.   Basileae,  Johannes  de  Amerbach, 
1492.     3  Bde  2o. 

Hain-Cofinger  *Sg6.      Pellecket  S79- 

Limburg.     {Aus  Höchst.) 

28  Ambrosius  Mediolanensis:  De  officis  libri  III.   [Coloniae,  Ulr.  Zell], 
s.  a.     40. 

Hain-Copinger  *g05.     Pellechet  £88.     Praetor  86o. 
Limburg.     {Aus  Limburg,  vorher  in  der  Kirche  zu  Königstein.) 

29  Ambrosius    Mediolanensis:    De    officiis.     Acc.  Senecae  libellus  de 
quattuor  virtutibus.     [Parisiis.  ülr.  Gering,  1472.]     4o. 

Hain-Copinger  go/.     Pellechet  £gi. 
Limburg.     (Aus  Ehrenbrettstein.) 


—     5     — 

30  Ambrosius  deSpira:  Quadragesiinale  de  floribus  sapientiae.  Venetiis, 
Antonius  de  Valentia,  Jacobus  Britannicus  sociique,  1481.     2'^. 

Hairt'Ci-'pinger  *g20.     PelUchet  6oo. 
6o  u.  6l   Zeilen. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

31  Amici:  Sermones  Amici  dicti.    Basileae,  Nicolaus  Kesler,  1495.   40. 

Hain-Copinger  g24.     Pellechet  604. 

Das   voräegende  Exemplar  ist  nur   von  Bl  LXXXI  ab  erhalten.     Der  Druck  stimmt  mit  dem 
bei  Hain  angeführten  am  Schlüsse  überein. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Eberbach.) 

Ancona  s.  Augustinus  de  Ancona. 

32  Andreae,    Johannes:     Additiones  ad   speculum  iudiciale  Durantis. 
[Argentinae,  G.  Hussner,  ca  1470.]     2^. 

Hain  *ioSj.     Pellechet  6^0. 
Limburg.     (^Aus  Rommersdorf^ 

33  Andreae,    Johannes:     Lectura    super    arboribus    consanguinitatis, 
affinitatis  et  cognationis  spiritualis.  Norimbergae,  Fridericus  Creussner,  1477.  2». 

Hain  *i02g. 

Herbom  1525.     (Aus  Herbom  HSch.) 

34  Angelus    de   Clavasio:    Summa    angelica   de   casibus    conscientiae. 
Argentinae,  Martinus  Flach,  1489.     20. 

Hain-Copinger  *5388. 
Limburg.     (Aus  Eberbach.) 

35  Angelus    de    Clavasio:    Summa   angelica    de    casibus   conscientiae. 
Argentinae,  Martinus  Flach,  1495.     2». 

Hain-Copinger  *£jg/. 
Limburg.     (Aus  Hadamar.) 

36  Angelus   de    Clavasio:    Summa    angelica    de   casibus   conscientiae. 
Argentinae,  Martinus  Flach,  1498.     2o. 

Hain-Copinger  *S399- 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes) 

37  Angelus    de    Clavasio:    Summa    angelica   de   casibus    conscientiae. 
Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1488.     2'>. 

Hain-Copinger  "5385. 
Wiesbaden  LB.     (Aus  Linz.) 

38  Angelus    de   Clavasio:     Summa    angelica    de   casibus   conscientiae. 
Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1492.     2^. 

Hain-Copinger  *5395. 
Limburg. 

39  Angelus    de    Clavasio:    Summa  angelica   de    casibus    conscientiae. 
Venetiis,  Georgius  Arrivabenus,  1487.     4*^. 

Hain-Copinger  *£384. 

1.  Herbom  S  IV  3/0.     (Aus  Limburg.) 

2.  Limburg. 


40  Angelus   Je    Clavasio:     Summa   angelica    de    casibus    conscientiae 
Venetiis.  Georgius  Arrivabenus,  1489.     4". 

Bl  I  leer.  Bl  3a  \Sign  2]:  C  Epla.  F.  Hieronymi  tomieli  Icctoria  Ad.  fv.  p.  F.  Angelü 
de  clauasio  fsentis  operis  Auctorem:  in  qua  orat  eius  Reuerentiam :  vt  ipsum  opus  im- 
primi  faciat:  ppter  talem  et  tantam  dicti  operis  excellentiam  et  vtilitatem.  Pluribu3  retro 
actis  temporibus.  Reuerende  ac  mi  cordialissime  pater.  Ad  lecturam  ca  suum  etc.  Bl  ja 
[3"z,-n  j  :  In  nomine  domini  nostri  iesu  christi.  Amen.  |  C  Incipit  prologus  in  summa  An- 
gelica: de  casibus  conscientie:  per  fratrem  Angelum  de  clauasio:  or  dinis  minorum:  eic. 
Z  j/ :  C  Explicit  prologus  incipit  tabula  dcclaratoria  ordinis:  contentorum  in  predicta 
summa.  Bl / a  St^:  j,  numer.j  a:  Incipit  summa  angelica:  |!  (  >  Bbas  debet  esse  pre  sbyter 
c.  i.  de  '  rf<r.  Bl  ^840.  numer.  j-Sa  Zjo:  C  Explicit  summa  Angelica  de  casib9  ascie  p  || 
fratre  Angelü  d'  clauasio  cöpilata;  maxima  cü  \  diligetia  reuisa:  :  ßdeli  studio  emendata 
sicut  I  ip?  op9  p  se  sati'  attestabit':  Venetijs  ipressa  per  Georgiü  de  Riuabenis  Mätuanü: 
Als  Pa  retem.  Anno  dhi.  M.  cccclxxxix.  7  Idus  Octo  bris.  jS4a^  /olgi  Jas  Registrum  und  das 
Dru.keT^ewken. 

jg4  Bl  mit  Sign  [li,  a — s,  r,  d,  y,  A—V^,  Xi,  75]  und  Numerierung  \Bl ^ — 384  =  1 — 3/8\, 
2  Spalten  ausgenommen  die  ersten  Seiten,  £i  Zeilen,  goth.  Schrift,  2  Schriftgrössen. 

Copinger  II,   i,  1662. 

IVUsbaden  LB.     [Aus  Herbom  HSck.) 

41  Ansjelus  de  Clavasio:  Summa  angelica  de  casibus  conscientiae. 
Venetiis,  Paganinus  de  Paganinis  Brixiensis,  1499.     kl.  8o. 

Hain-Coptn^er  ^^401. 

Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

42  Angelus  de  Ubaldis  de  Perusio:  Repetitio  legis  Si  insulam  ff.  de 
verbo  obl.  Acc.  repetitiones  aliae.  Brixiae,  Boninus  de  Boninis  de  Ragusio, 
1491.     2'^ 

Bl  la  \Sign  CJ  a.-  C  Repetitio  legis  Si  insulam.  ff.  de  vbo.  obli.  p  claris.  d.  |  Angelum 
de  vbaldis  de  Perusio  iuris  vtriuscj  doctore.  \  Bl  40.^  Z  i^ :  (c)Iuitas  mutui  datione  diu:  qz 
lex  ista  cu^  sua  mä  vtilis  nöbilis  :  practicabilis  e:  hac{jrcne  eä  repetedä  elegi.  Bl  6aa 
Z  41:  C  Repetitio.  S-  Si  duobus  vehiculum.  in.  1.  Si  vt  certo'  .ff.  commodati.  Bl  ga^  Z  ^ 
V.  u.:  C  hanc  lege  repetiit  petrus  t  iö  Ci.  in  eius  repetitiöe  de  lectans  dixit  eä  sümo  digito 
attingedä  sie  et  nos  faciamus  altiori  ü.  stilo  vt.  j.  patebit  resecatis  supfluis.  j  (s)  I  certis 
änis.  etc.  Bl  /2aß  Z  26:  C  Elegantissimas  has  Repetitiones  Impressit  Boni  [nus  de  Boni- 
nis   de  Ragusio  BrTxie    anno    domini.    M  CCCCXCi    die.  XI.  Marcii.       FINIS,     Bl  12b  leer. 

Bl  ija  Sgn  £]  a:  G  Lex  Falsus  procurator.  C.  de  Furtis  Repetita  per  '  clarissimum 
Dominum  Angelum  de  Perusio.  Bl  /5jß  Z  26 :  C  Repetitio  Excelletissimi  domini  Saldi  de 
Perusio  '  super.  1.  edicto  diui.  C.  de  edicto  diui  adri.  tollendo.  Bl  i/b^  ZI  ^6 :  (e)  Milius. 
ff.  de  minoribus  etc.  Bl  2iba  ZI  g :  C  L.  Si  filius  qui  patri.  ff.  de  vul.  :  pu.  Bl  24ba  ZI  jg : 
C  Composita  :  repetita  anno  domini  M.  CCCLXIIII.  de  |  mense  octobris  in  die  beate  vrsuline 
per  me  arsendinü  do  mini  Rainerii  etc.  Bl  24ba  ZI  4g:  Lex  in  eos.  ff.  de  custodia  reorum 
per  dominü  Albri  |cu5  de  rosato  de  pergamo.  Bl  246^  ZI  66:  C  Albricus  de  rosato  de  Per- 
gamo  dixit  suprascripta    ,  omnia  :c. 

24  Bl  mU  Sign  \CDEFi),  2  Spalten,   64—6/  ZI,  goth.  Schrift,  eine  Schriftgrdsse. 

Der  erste  Teil  ist  =  Hain  15883.  Auch  dies  ist  augenscheinlich  (j.  die  Sign.)  nur  ein  Teil 
eines  grösseren   Ganzen. 

WUsbaden  LB.     (Aus  Herborn  HSch.) 

43  Angelus  de  Ubaldis  de  Perusio.  Repetitio  1.  qui  se  patris.  C.  unde 
liberL     [Perusii]  s.  t.  et  a.     2o. 

Bl  z a  [Si^n  a'\  a:  Solemnis  repetitio.  1.  qui  se  patris.  C.  unde  libe!]ri  nuperime  [!]  reperta 
subtili  ingenio  que  non  reperi  tur  in  lecturis  nee  alibi  imprcssa.  Famosissimi.  J.  U.  || 
monarce.  d.  Angeli  magistri  Fräeisci  de  Perusio      non  minus  vtilis  q.  nccessaria  eurantibus 


habere  I'  materiä  successionu?  cü  alleget'  per  aJiquos  docto-'res  i  pauci  habeant.  In  qua 
cösistit  virtus  vtilitas  ac  intelligentia  ipsius.  1.  ;6.  Fl  ^,;ß  ZI  33:  Finis  alteriua  solemnis 
repetitionis.  1.  qui  se  pa  tris.  C.  vnde  übe.  edita  ab  eximio  :  famosissimo.  J.  U.  monarcha. 
d.  Angelo  magistri  Fräcisci  de  Pe  nasio  nunc^  impresse.  in  qua  consistit  virtus  :  vtili-  taa 
ipsius  legis.    [  FINIS. 

4  Bl  mit  Sign  [aj],  2  Spalt fn,   64  ZI,  i^oth.  Schrift,  eint  SchH/tgrdsse. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Herbom  HSch.) 

44  Angelusde  Ubaldis  de  Perusio:  Repetitio  l.  si  vacantia  C  de  bonis 
vacantibus  etc.     s.  1.  t.  a.     2''. 

Hain  *is88i. 

Wusbaden  LB.     {Aus  Herbom  HSch.) 

45  Anna,  S.,  Gebete  an  — .   Reutlingae,  [Michael  GreyffV,  1494.]   kl.  S". 

El la:  Zu  Reutlingen  in  sant  ,|  Niciaus  capellen  da  beschächen  vil  \f  wunderbarlicher 
zaichen  von  blinde  wartzechte  leuten  stumen.  jungen  vn  |  alten  von  mengerley  kranck- 
heit  vnd  stand  hernach  fast  zway  gute  gebet  |  vö  sant  Anna  vn  jrem  geschlächt.  Da- 
runter ein  Holzschnitt:  die  hl.  Anna  mit  Marta  u.  Jesus.  Bl  i  h:  O  ^Holzschnitt]  Du  aller  hailigoste  '  vn 
vsserwölte  hoch  gelopte  vnnd  gnad'  reiche  frow  Sant  ;  anna.  Ein  müter  ma  rie  der  muter 
gottes    !  Unnd    ain    groszmuter    vnsers    herren   |  Jhesu    christi    etc.       Bl  3b    ZI  n :    C    Babst 

Alexander   d.  vj.  hat    geben      ablasz vn  hat  di  sen  ablasz  bestätigt  auff  den  Oster- 

tag  II  als  man  zalt  M.  cccc.  Ixxxxiiij.  Jar.  Bl  4a  ZI  21:  ryche.  Amen.  Getruck  [!]  zu 
reütlingen.     Bl  40:  Das  Reutlinger  Stadtwappen. 

4  Bl  ohne  Sign,  20  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine  Schrift^rösse. 

Diesen  dem  Büchlein  von  der  Liebe  Gottes  [Hain  ^4063)  beigebundenen  Druck  kennt  Steiff,  Zur 
Geschichte  des  Reutlinger  Buchdrucks,  {Reutlinger  Geschichtsblätter  Jahrg  1/2  i8go  u.  18 gl  No  4—J, 
Jahrg  3  1892  S  8— II  u.  Jahrg  7  i8g6  S  16—20)  nicht. 

Herbom  PVJ  g6  an.     {Aus  Herbom  HSch.) 

46  Anselmus  Cantuariensis:  Opera  et  tractatus.  Norimbergae,  Caspar 
Hochfeder,  1491.     3  Bde  2'\ 

Hain-Copinger  *II34.     Pellechet  /p/. 

Limburg:    2  Exemplare.     {Aus  Amstein  und  aus  Schönau.) 

Herborn  HX  3.     {Aus  Limburg) 

47  Antoninus  Florentinus:  Chronicon  sive  Opus  historiaiiim.  Basileae, 
Nicolaus  Kessler,  1491.     2o. 

Hain-Copinger  *ii6i.     Pellechet  815. 
Limburg:    Bd  i.     {Am  Rommersdorf.) 
Wiesbaden  LB :    Bd  3. 

48  Antoninus  Florentinus:  Chronicon  sive  Opus  historiarum.  Xorim- 
bergae,  Antonius  Koberger,  1484.     2o. 

Hain-Copinger  *ii^g.     Pellechet  813. 

Herbom  I/32 :  nur  Bd  2  und  3  vorhanden.     {Aus  Limburg.) 

49  Antoninus  Florentinus:  Confessionale.  Argentinae,  Martinus  Flach, 
1492.     4°. 

Hain-Copinger  *I200. 

Weüburg.     {Aus  Höchst). 

50  Antoninus  Florentinus:  Summa  theologica.  Argentinae,  Johannes 
Grüninger,  1490.     4  Bde     2'\ 

Hain-Copinger  ^1248.     Pellechet  882.  * 

Limburg:  Bd  i,  3,  4  {aus  Eberbach)  und  Bd  3  u.  4  {aus  Rommersdorf.) 
Wiesbaden  LB :  Bd  3  und  4.     {Aus  Schönau.) 


—     8     — 

51  Antoninus  Florentinus:  Summa  theologica.  Argentinae,  Johannes 
Griininger.  1496.     -4  Bde  2«. 

Hain-Cofinger  *l24g.     FeiUcket  884. 

Limburg:  Bd  I — 4.      {Aus  Sayn),  ferner  Bd  i  u.  J. 

WU:baden  LB :    Bd  4. 

52  Antoninus  Florentinus:  Summa  theologica.  Norimbergae.  Antonius 
Koberger,  1477— U79.     4  Bde  2'\ 

Hcun-Copin^er  '1242.     Pellechet  8//. 
Herbom  1/31.     [Aus  RcTnmersdorf.) 

53  Antoninus  Florentinus:  Summa  theologica.  Norimbergae,  Antonius 
Koberger.  1486—1847.     4  Bde  20. 

Hain  *I246.     PeUechet  883. 
Limburg:    Bd  j.     {Aus  Schönau.) 
IVUsbaden   LB :    Bd  1—4.     {Aus  Deutx.) 

54  Antoninus  Florentinus:  Summa  theologica.  Venetiis,  NicoL  Jenson, 
1477-1480.     4  Bde  2o. 

Hain-Ccfinger  *1242.      Pellechet  8/8. 
Weilburg:    Bd  i,  2,  j,  j.   4.     {Aus  Limburg.) 
Wiesbaden  LB. :    Bd  J,  2.     {Aus  Limburg.) 

55  Antoninus  Florentinus:  Johannis  Molitoris  tabula  sive  repertorium 
super  totam  JSummam  Antonini.     [Coloniae,  Henricus  Quentell],  1490.     2^. 

Hain-Cofinger  '1261.     Praetor  1301.     Pellechet  8gi:    {Basileae?) 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Schönau.) 

56  Antoninus  Florentinus:  Tractatus  de  instructione  simplicium  con- 
fessorum.     [Daventriae,  Rieh.  Pafraet].  s.  a.     4^. 

Bl  I  leer.  Bl  2a:  (iNcipiüt  Rubrice  super  Tractatü  de  instructio'jne  seu  directöe 
simpliciü  confessoria.  Et  primo  De  ptäte  fl,  cöfessoris  in  audiedo  ofessiones  j  :  absoluendo. 
Capitulü  primü.  itc.  Bl  ja  Sign  at\:  Prologus  super  Tractatü  de  instructione  |!  seu  direc- 
tione  simplicium  confessorum.  Editü  i|  a  domino  Anthonino  archiepö  florentino.  Bl  ij^b 
am  Ende:  Explicit  Summa  ofessionü.  seu  Interroga  toriü  pro  simplicibus  Cöfessoribus. 
Editü  I  ab  Archepo  Florentino,  videlicet  fratre  Anthonino  ordinis  predicatorum  •:• 
Bl  136  leer. 

136  Bl  [a—h,  k—q^,  i,  ri]  28  Zeüeti,  goth.  Schrift,  eine  Schriftgrösse. 

Hain-Copinger  ii/ic.      Campbell  164. 

Limburg.     {Aus  Umburg.) 

57  Antonius  de  Bitonto:  Sermones  dominicales  per  totum  annum. 
Argentinae,  Johannes  Griininger,  1496.     kh  8. 

Hain   *3220. 

Limburg. 

58  Antonius  de  Butrio:  Speculum  de  confessione.  Acc.  Speculum 
aureum  animae  peccatricis,  Hugonis  speculum  ecclesiae,  Rodorici  Zamorensis 
et  Galagaritani  Hispani  speculum  vitae  humanae,  Dionysii  de  Leuwis  alias 
Rikel  speculum  conversionis.  Lovanii,  Johannes  de  Westphalia.  s.  a.  [nicht 
vor  1483.]     2'>. 

Haut-Copmger  '418^. 

Bl  44 — 5J   den   tractatus   artis   bene   moriendi  enthaltend  fehlen  in  dem  vorliegenden  Exemplar. 

Limburg, 


—     9     — 

59  Apoll  onius,     Petrus:      Libellus     maiorum     fastorum.       Mediolani, 
Philippus  de  Mantegatiis,  1492.     4». 

Hain-Copinger  i2go.     Pdlechet  gii. 
Wüsbadin  LB.     [Aus  Herbom  HSck) 

60  Apuleius  Madaurensis:  Opera.   Venetiis,  Philippus  Pincius  Mantua- 
nus,  1493.     2'>. 

Hain  *I3I^.     PelUchet  g2^. 
IVfilburg^,     [Aus  Rimimersdorf.') 

Aquila  s.  Petrus  de  Aquila. 
Aquino  s.  Thomas  de  Aquino. 
Argentina  s.  Thomas  de  Argentina. 

61  Aristophanes:  Comoediae  novem,  graece.  Venetiis,  Aldus  Ma- 
nutius,  1498.     2o. 

Hain-Copinger  *i6£6.     PelUchet  11/ 4. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Herborn  HSch.) 

62  Aristoteles:  Copulata  super  veterem  artem.  [Coloniae,  Henricus 
Quentell],  1490.     2o. 

Hain  *i6/3. 

Limburg.     {Aus  Limburg.) 

63  Aristoteles:  De  anima  cum  commentariis  secundum  doctrinam 
Alberti  Magni.     Coloniae,  Henr.  Quentell,  1497.     2». 

Hain-Copinger  i/ii.     Pellechei  12 lO. 
Weilburg.     [Aus  Herbom  HSch.) 

64  Aristoteles:  De  meteoris  libri  IV  cum  commentariis  Jacobi  de 
Amstbrdia.     Coloniae,  Henricus  Quentell,  1497.     2^. 

Pellechet  1204.      Copinger  II,  /,  616. 
Sign:    A—Nl,   O—P'. 
Weilburg.     [Aus  Herbom  HSch.) 

65  Aristoteles:  De  physico  auditu  libri  octo  cum  commentariis 
Joannis  Harderwyck  iuxta  doctrinam  Alberti  Magni.  Coloniae,  Henricus 
Quentell,  1497.     2o. 

Voullieme  g^.     Hain-Copinger  16044. 
Limburg.     (Aus  Limburg^ 

66  Aristoteles:  Parva  naturalia  cum  commentariis  Johannis  de  Mech- 
linia  secundum  Alberti  Magui.     Coloniae,  Henricus  Quentell,  1498.     2o. 

Pellechet  1215.     Hain  i;;i8. 

Das  vorliegende  Exemplar  hat  106  Bl  \A—Q\  R^,  Sz]. 

Weilburg.     [Auz  Herborn  HSch.) 

67  Aristoteles:  Problemata,  latine,  Theodoro  Gaza  interprete  cum 
vita  Aristotelis.     [Coloniae,  Henricus  Quentell.  1496?]     4*>. 

Bl  la  Titel:  Probleumata  Arestote  lis  determinätia  multas  questiones  de  varijs  cor- 
poru;  I|  humanoy  dispositionibD  valde  audientibD  suaues.  cum  i  eiusde  Aresto.  vita  :  morte 
metrice  descripta.  subiüctis  metroy  cü  interlineali  glosa  sententialibo  expositionibD.  Bl  ib 
leer.     Bl  2a  {Sign  atj']:   [JMnes   homines   naturaliter    scire   desi-  derät.  vt  scribit  Arestoteies 


_      10      — 

pnceps  phi' losophorum  pmo  metaphisice.  Cui9   '     BI  jj   {Sign  fuj]  .i    ZI  2^:  x  semper  p  in- 
finita   seculoi«    secula.     AMEN.     i^>  33^:    Incipit    über    de    vita    ;    morte  Arestotelis      omniü 
philosopho^  principis.      Bl  ^o  ^i    ZI  2i:    vbi  statum  :  religione    ipsoy    intueri    valent  seipsos 
iudicaturi      Explicit    liber  de  vita  i  morte  Arestotelis. 
^O  Bl  mii  Sign  Iß^gl,  -44],  36  Zfuen,  goth.   Schrift. 

Copinger  II,  /,   623  ist  nicht  ganz  genau.     Praetor  I3g3. 

Wiesbaden   G.  {M  48.^     [Aus  Idstein   Gymn.  Bibl.) 

88  Aristoteles:  Problemata  lat..  Theod.  Gaza  interprete  cum  vita 
Aristotelis.     [Coloniae,  Henr.  Quentell],  s.  a.     40. 

Hain  'i/2i.     Froctar  1410. 
Weüburg.     {Aus  Höchst.) 

69  Aristoteles:  Problemata  lat.,  Theodoro  Gaza  interprete  cum  vita 
Aristotelis.  s.  l.  t  a.     40. 

Hain  1^23  genügt. 

Fl  4.'?a  Z!  /.•  nobis  concedat  deus  in  secula  benedictus  AMEN  \\  3-5^  Concludendo 
ergo  finaliter  ;  cum  veritate  dico.  q,  Arestoteies  p  dei  misericordiam  etc.  ZI  30:  Ibi  eni 
statum  ;  religione  suam  intueri  valent  seipsos    iudicaturi.     Bl  48b  leer. 

48  Bl  [Sign  a — hi\,  36  und  44  Zeilen,  goth.  Schrift,  drei  Schriftgrössen. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

70  Astesanus:  Summa  de  casibus  conscientiae.  [Argentinae,  Job. 
Mentelin,  c.  1472.]     20. 

Hain- Copinger  *l8Sg.     Praetor  2II. 

Limburg.     {Aus  Limburg,  vorher  in   Griinberg.) 

71  Astesanus:  Summa  de  casibus  conscientiae.  Coloniae,  Henricus 
Quentell.  1479.     2  Bde  2». 

Hain-Copinger  *i8g4.     Pellechet  1406. 
Limburg.     (Aus  Sayn.) 

72  Astesanus:  Summa  de  casibus  conscientiae.  Coloniae,  Henricus 
Quentell,  1479.     2  Bde     2o. 

Hain-Copinger  *l8g£.     Pellechet  140/. 
Limburg.     (Aus  Limburg.) 

73  Auetori tates  Aristotelis.     Daventriae,    [Eich.  Pafraet],    1489.     40. 

Campbell  ig2.     Pellechet  I4ßl.     Hain-Copinger  ig33. 
Wiesbaden  LB. 

74  Augustinus  de  Ancona:  Summa  de  ecclesiastica  potestate. 
[Xorimbergae,  Petrus  Wagner?;  Lugduui,  Petrus  Ungarns?],  s.  a.     2o. 

Hain-Copinger  g^g. 

Bl  3 a(x  ZI  2  steht  summa  und  nickt  summa. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Höchst.) 

75  Augustinus,  S.  Aurelius:  Canones  iuxta  triplicem  quam  edidit 
regulam.     Argentinae.  Martinus  Schott,  1490.     2o. 

Hain  *2076.     Pellechet  1568. 

148  Bl  \a  b  dfh  k  t  zA,  c  e  g  il  mn  0  p  q  r  s  A  Bl\;  dU  Tabula  umfasst  Bl  I—I2,  Bl  13S  «•  13^  ^"r. 

Wiesbaden  LB.:  3  Exemplare  (aus  Schönau  ohne   Tabula  und  Höchst.) 

Limburg. 


—    11    — 

76     Augustinus,     S.    Aurelius :      De     caritate.       [Coloniae,     typo^r 
Dictyos,  1471—75.]     -l«.  ^^l^^ö'- 

^//«.-    Incipit  Tractatus   bti  Augustini    de    caritate.     Bl  2b    ZI  22 :    Explicit    bmo  bti 
Augustini  epi  de  caritate. 

2  Bl  okn<;  Sign,  2/  Zeilen,  goth.   Schrift,  eine  Schrijtgrösse. 

Hain-Capinger  208g.     Praetor  p/p. 

Limburg. 

11     Augustinus,    S.  Aurelius:    De  civitate  dei  cum  commento  Thomae 
Valois  et  Nicolai  Triveth.     Basileae,  Johannes  de  Amerbach,  1489. 

Pellechet  155g.     Hain-Copinger  2064. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Schunau.) 
Her  bor n  1/4/.     [Aus  Rommersdorf.) 

78  Augustinus,  S.  Aurelius:    De  civitate  dei  cum  commento  Thomae 
Valois  et  Nicolai  Triveth.     Basileae,  Johannes  de  Amerbach,  1490.     2o. 

Hain-Copinger  *2o66.     Pdlecket  l^6l. 
Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

79  Augustinus:    De   civitate    dei   cum    commento  Thomae  Valois  et 
Nicolai  Triveth.     Friburgi,  [Kilianus  Piscator],  1494.     2». 

Hain-Copinger  *2o68.     Pellechet  1562. 
Herborn  804.     [Aus  Herbom  HSch.) 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

80  Augustinus,   S.  Aurelius:    De  civitate  dei  cum  commento  Thomae 
Valois  et  Nicolai  Triveth.     Moguntiae,  Petrus  Schöfier,  1473.     2". 

Pergamentexemplar ,    aus   dem   leider  Bl  i  u.   2  sowie  46  weitere  Blätter  herausgeschnitten  sind. 
Hain-Copinger  *20S/.     Pellechet  IS55- 
Wiesbaden  LB. 

81  Augustinus,  S.  Aurelius:  De  sancta  virginitate.   [Coloniae,  Gulden- 
schatf?  ter  Hoernen?  G.  ten  Raem?,  c.  1480?] 

Hain-Copinger  *20/8.     Praetor  i^ig.     Pellechet  156g. 

Roth,    Die  Druckerei  zu  Eltville  S.  7,    Anm,  4  zueist  den  Druck  Gutenberg,  Klemm  No.  4  der 
Eltviller  Presse  zu. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Arnstein.) 

82  Augustinus,    S.  Aurelius:   De    trinitate  dei.     Basileae,   Johannes 
de  Amerbach,  1489.     2'>. 

Pellechet  1541.     Hain  203/. 

Die  Beschreibung  Copingers  zu  dieser  No.  trifft  nicht  zu,  passt  vielmehr  zu  H.  *203g. 

Herbom  1/4/.     (Aus  Rommersdorf.) 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Schönau.) 

83  Augustinus,  S.  Aurelius:  De  trinitate  dei.     Basileae,  Johannes  de 
Amerbach,  1490.     2». 

Hain-Copinger  *20jg.     Pellechet  1542. 

Limburg:  2  Exemplare.     [Aus  Schönau  und  Hadamar.) 

84  Augustinus,    S.   Aurelius:   De  trinitate  dei.      [Friburgi,    Kilianus 
Piscator],  1494.     2o. 

Hain-Copinger  *2040.     Pellechet  154$. 
Herbom  804.     [Aus  Herborn  HSch.) 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 


—     12     — 

85  Augustinus,  S.  Aurelius:    Epistolae.     [Argentinae.  Joh.  Mentelin, 
1468  (?).]     2*>. 

Hatn  *ig66.     PilUchet  1481.     Bl  ^Oa  leer,  Bl  /ob  nur  Sp.  ß  van  4§  Zfilen. 
Wusbaden  LB. 

86  Augustinus.  S.  Aurelius:  Epistolae.     Basiliae,  Johannes  de  Amer- 
bach,  1493.     2'>. 

Ham-Copnger  *ig6g.  PeUechet  1483. 
Herbem  I/4g.  \Aus  EJirenbreüsletn.) 
Limburg:  2  Exemplare.     [Aus  Limburg  und  Schönau.) 

87  Augustinus,   S.  Aurelius:    Psalmorum  explanatio.     Basileae,  Joh. 
de  Amerbach,  1489.     2«. 

Hain-Copmger  ig/Z.      VouUiime  128.     PeUechet  1485. 
Limburg.     {Aus  SchMau.) 
Wusbaden  LB. 

88  Augustinus,  S.  Aurelius:  Psalmorum  explanatio.  Basileae.  Johannes 
de  Amerbach,  1497.     2». 

Hain-Q^pinger  *ig/j.     PeUechet  148/. 
Limburg.     yAus  Limburg.) 

89  Augustinus.    S.  Aurelius:   Psalmorum  explanatio.     Venetiis,   Ber- 
nardinus  Benalius,  1493.     2^. 

//ain  *ig/J.     PeUechet  i486. 
Limburg.     {Aus  Deutz.) 

90  Augustinus,  S.  Aurelius :  Homiliae  et  primo  de  eo  quod  psalmista 
ait:   Quis  est  homo  etc.     [Coloniae,   L'lr.  Zell,  c.  1467.]     4o. 

Hain-Ccpinger  *ig84.  PeUechet  14g/. 
Limburg. 

91  Augustinus,     S.    Aurelius:     Liber    prolocutionis    et    meditationis. 
[Argentinae,  typogr.  Henrici  Ariminensis]  s.  a. 

Hain  *2I02.     Praetor  J02.     PeUechet  158/:  H.   Eggesteyn  c.  14/2. 
Limburg.     \Aus  Notgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 

92  Augustinus,    S.    Aurelius:    Sermonum    opera    plura    et    diversa. 
Basileae,  Johannes  de  Amerbach,  1494 — 1495.     2«. 

Umburg. 

Wiesbaden  LB.     Dies  Exemplar  endet  mU  Bl  248,  der   Titel  ist  demgemäss  handschr.  geändert. 

93  Augustinus,  S.  Aurelius:  Sermo  de  verbis  evangelicis  <f/t:.   [Coloniae, 
Arnoldus  ter  Hoemen],  s.  a,     4'^. 

PeUechet  I4gg. 
Limburg. 

94  Aureolus,    Petrus:     Tractatus    de    conceptione    virginis    Mariae. 
[Moguntiae,  Petrus  Schoetfer],  s.  a.     4'^. 

Hain-Copinger  "2142.     PeUechet  1614. 

Limburg.     {Aus  Amstein.) 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes,  vorher  in  Johannuberg.') 


—     13     — 

95  Aurifaber,  Aegidius:  Speculum  exemplorum.  Argentinae,  [typogr. 
Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1490.     2'). 

Hain-Copinger  *i4gi8. 

Am  Ende  feklfn  einigt  Blätter. 

Limburg.     {Aus  Sayn.) 

96  B albus,  Johannes,  de  Janua:  Catholicon.  [Argentinae,  typogr. 
singularis  R,  c.  1470.]     2o. 

//ain  *23^I.     Proctor  246.     Pellechet  16 gg. 
Weilburg.     (Aus  PammersJor/.) 

97  Baibus,  Johannes,  de  Janua:  Catholicon.  Moguntiae,  [Joh.  Guten- 
berg], 1460.     20. 

Hain-Copinger  ^2254.     Pellechet  I/02.     Proctor  146:  Printer  of  Catholicon. 

Ueber  die  beiden  Zeichnungen  am  Schlüsse  dieses  Papierexemplars  s.  van  der  Linde,  Gutenberg, 
Stuttgart  18/8.  S.^J.  Anm.  u.  Centralblatt  Jür  Bibliothekswesen  /.  S.^4.  Anm.  sowie  Roth,  F.  W  E., 
Geschichte  und  Beschreibung  der  Königl.  Landesbibliothek  in  Wiesbaden.  Frankfurt  a.  M.  1886. 
S.  2/.  Sicherer  als  hierdurch  ist  übrigens  die  Herkunft  durch  das  noch  vorhandene  l^erseichnis  der 
nach    Wiesbaden  aus  Marienstatt  gelangten  Bücher  bezeugt. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

98  Baibus,  Johannes,  de  Janua:  Catholicon.  Venetiis,  Hermannus 
Liechtenstein,  1483.     2». 

Hain-Copinger  *23J/.     Pellechet  1/05. 
Weilburg.     [Aus  Notgottes.) 

99  Bai  düng,  Hieronymus:  Aphorismi  compunctionis  theologicales. 
Argentinae,  Joh.  Gruninger,  1497.     4^. 

Hain-Copinger  *22/0.     Pellechet  I/20. 

Die  Überschriften  in  goth.,  das  Übrige  in  röm.  Schrift.  Dies  Exemplar  hat  in  der  letzten  Zeile: 
MCCCCXCVII. 

Limburg:  2  Exemplare  [deren  eines  aus  Limburg). 

100  Baptista  Mantuanus:  Bucolica.  s.  1.  t.  a.?    4o. 

Elia  Titel:  Baptiste  Mantuani  !j  Bucolica  seu  adolescentia  \\  in  decem  eglo  'gas  diuisa: 
Ab  Jodoco  Badio  Ascen  |sio  familiariter  exposita:  cum  '|  indice  dictionum.  i  EHalogus  cius- 
dem  de  vita  beata:  ||  Carmen  eiusdem  de  sancto  Joanne  Baptista.  [  Hermanni  Buschij  oda 
de  contemnendo  mun|jdo  &  amanda  sola  virtute  &  scientia.  ]|  In  eglogas  Mantuani  Decato- 
sticon  ;|  omniü  earü  argumeta  complectens  \\  Joannis  Gallinarij  Budorini.  ||  Es  J eigen 5  Distichen. 
El  4b:  Baptista  Mantuanus  Carmelita  :|  Paridi  Ceresario.  S.  P.  Ti.\\etc.  Dat.:  Kalendis 
Septembris  Anno  domini  MCCCCXCVIII.     Bl  ggb  ZI  32 :  Murice  vestes.     Bl  100  [leer?]  fehlt. 

100  Bl  mit  Sign  [ABDEGHKLNOQRS2,  CFIMPT4]  und  Blattzählung,  26  und  jg  Zeüen, 
röm.  Schrift,  nur  die  beiden  ersten    Worte  des   Titels  in  goth.  Schrift,  drei  Schrißgrössen. 

Weüburg.     [Herbom  HSch.) 

101  Baptista  Mantuanus:  De  patientia.  Basileae,  Johannes  Bergmann 
de  Olpe,  1499.     4«. 

Pellechet  iSlJ.     Hain-Copinger  2 40/. 
Limburg.     [Aus  Deutz.) 

102  Baptista  de  Salis  s.  Trovamala:  Summa  casuum  conscientiae 
dicta  Rosella  seu  Baptistiaua.     Norimbergae,   Antonius  Koberger,   1488.     2". 

Hain-Copinger  *i4i8i. 
Limburg,     [Aus  Hadamar.) 


—     14     — 

103  Baptista  de  vSalis  s.  Trovamala:  Summa  casuiim  conscientiae  dicta 
Rosella  seu  Baptistiana.     Spirae.  [Petrus  Drachj.  1488.     2"J. 

Hj-irfCcpinger  ^14180.      Pro<ti}r  2J/4.  » 

Limburg.     (Aus  HadamarA 

104  Baptista  de  Salis  s.  Trovamala:  Summa  casuum  conscientiae  dicta 
Rosella  seu  Baptistiana.     Venetiis,  Georgius  Arrivabenus,  1495.     80. 

Haifi'Copin^fr  ^1418^. 
Limburg.     [Aus  Rcmmersdorf^ 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Marimstatt^ 

105  Barbatia,  Andreas:  Repetitio  Rubricae  de  fide  instrumentorum 
Mediolani.  [Philippus  de  Lavagnia],  1490.     2^. 

Bl  la  \Sign  a.\  a  ZI  i :  Repetitio  Solemnis  Rubrice.  De  fide  instrumen  torum.  Edita 
per  excellentissimum  virü.  :  iuris  vtriuscj  Monarcham.  diuum  dnm  Andream  Barbaciä 
Sei  culum  '!'  Messanensem.  Bl  i6a^  ^^39-  Clarissimi  iuris  vtriusc^  Monarce  ac  Sere- 
nissimi Regis  Aragonum.  :c  Nobilis  cösiliarii  D.  Andres  barbacie  Siculi  de  fide  instru. 
solenis  Repeticio  Ml  i  est  impressa  die  V  Mensis  Nouebris  Mcccclxxxx.     Bl  i6b  leer. 

l6  Bl  mii  Sign  \a  b^\  und  SpallenzäAlung,   6j  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine  Schrißgrösse,  mit  Margin. 

Copinger  11,  I,   No  86g. 

Wiesbaden   LB.     {Aus  Herbom  HSch.) 

106  Barbatia,  Andreas:  Repetitio  legis  cum  acutissimi  C.  de  fidei- 
commissis.     Bononiae,  Hugo  Rugerius,  1492.     2"^. 

Bl  la  leer.  Bl  ib  ZI  i :  C  Reuerendissimo  in  xpo  pri  ac  dno  domino  Aloysio  Capre 
Mediolaneii.  epo  pisauren.  dignissi  mo  Reuerendissimi  legati  :c.  Bononie  locütenenti  bene- 
merito  iurecösultissimo  i  dno  suo  vnico  j  Ugo  Rugerius  Bononien.  impressor  debita  cömen- 
datöe  premissa.  S.  P.  D.  (c)  Ogitanti  mihi  etc.  ZI  IJ:  Datum  Bononie  ex  edibus  nostris  die. 
xxij.  ianuarij.  Mcccclxxxxiij.  diuo  Johanne  Bentiuolo  ||  feliciter  regente  pacemtp  totius  patrie 
nostre  iam  iam  longissimo  tempe  nutriente.  Bl  2a  [Sign  aijj  a;  C  Repetitio  egregia  ac  pere- 
grina  legis  cu?  acu-  tissimi.  C.  de  fideicömissis  edita  per  excellentis-  simum  virü  i  iuris- 
vtriuscj  monarcham  dominü  i  Andream  barbatiam  siculum  messanensem  mili-  tem  nobilissi- 
mum.  Bl  ß4a^  ZI  i^ :  C  Impressa  Bononie  impensis  acuratissimi  Ugo-  nis  de  Rugerijs. 
Anno  salutis.     Mcccclxxxxij.   die  \\  vero  octana  [!]  Martij.     Am  Ende  das  Druckerzeichen. 

S4  Bl  mit  Sign   [a4  b  c  dl  e/^],  2  Spalten,   66  Zeilen,  goth.  Schrift,  zwei  Schriftgrössen. 

Wusbaden   LB.     (Aus  Herbom  HSch) 

107  Barthol omaeus  de  Chaimis:  Interroaatorium  seu  confessionale. 
Moguntiae,  Petrus  Schöffer  de  Gemsheim,  1478.     4". 

Hain-Copinger  *248j. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Amstein.) 

108  Bartholomaeus  de  Chaimis:  Interrogatorium  seu  confessionale. 
8. 1.  t.  a.     40. 

Hain-Copinger  *24/g. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Notgottes,  zorher  in  fohannisberg) 

109  Bartholomaeus  de  Glanvilla:  De  propietatibus  rerum.  Argentinae, 
[typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483J,  1485.     2'\ 

Hain   "2506.      Proctor  £g2. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Deutt.) 


—     15     — 

HO  Bartholomaeus  de  Glanvilla:  De  proprietatibus  remm.  Coloniae, 
Johann  Koelhoff  de  Lübeck,  1-483.     2o. 

Hiün   "2^04. 

Das  vorlie:retide  Exemplar  ist  am   Anfang  und  Ende  verstümmelt. 

Herbcnn    V  VI  ii.     [Aus  Limburg^ 

111  Bartholomaeus  Pisanus:  Summa  de  casibus  conscientiae.  [Spirae, 
Petrus  Brach,  1480?]     2o. 

Hain-Copinger  ^2^24. 
VVUsbaden  LB. 

112  Bartholomaeus  de  Usingen:  Parvulus  logicae.  Lipsiae,  Wolfgang 
Steckel  1499.    4o. 

Bl  la  Titel:  Paruulus  Loyce.  Commentarij  figurales  loyce  Compendiu?  vbertim  '| 
aperientes  In  famatissima  Erffurdiensi  achademia  ;j  per  Bartholomeü  de  Usingen  liberaliü 
disciplinarü  |  interpretem  elucubrati.  Qui  non  protrita  nee  peniten  da  docent  sed  dyalec- 
tice  documenta  multiiuga  erudi[|tione  conspicua  reddunt.  Necnon  loyce  totius  prima  fun- 
damenta  ordinatissime  tradunt.  ßl  ib  leer.  Bl  ja  [Sign  aij];  Plrca  initium  Paruuli  ,  loyce 
ante  textus  exordiu?  quedam  pambularia  inj^totä  loycam  ett:.  Bl  140a  ZI  4:  profuturos  in- 
cepi  ac   ad  finem  vs(j  perduxi.      Die  Schlussschrift  ist  herausgeschnitten, 

140  Bl  mit  Sign  \a, — r,  e—f,  h — /,  /,  m,  0 — s,  v—z,  r2i,  d,  g,  k,  n,  t^]  41  Zeilen,  goth.  Schrift, 
j  Schriftgrössen. 

Hain  2^j6. 

Die  Typen  sind  dieselben  wie  in  Hain  *2£24. 

Wiesbaden  LB. 

113  Bartholomaeus  de  Usingen:  Parvulus  philosophiae  naturalis. 
Lipsiae.  Wolfgang  Steckel,  1499.     4^. 

Harn  *2534. 
Wiesbaden  LB. 

114  Bartolus  de  Saxoferrato:  Lectura  super  L  et  IL  parte  Codicis. 
Venetiis,  Andreas  Torresanus  de  Asula,  1488.     2". 

Hain  ^25 46.     Pellechet  igo^. 

In  dem  vorliegenden  Exemplar  Bl  la  [vielmehr  2a,  Sign  AA2]  a  Z  I  steht:  Ubrica  ista  statt 
wie  bei  Hain  und  Pellechet  Ubrica  illa. 

Wiesbaden  LB:    Nur  Pars  I  vorhanden.     {Aus  Ehrenbreitstein.) 

115  Bartolus  de  Saxoferrato:  Lectura  super  I  et  LE  parte  digesti 
veteris.  Yenetiis,  Petrus  Maufer,  Johannes  de  Forlivio  et  Hercules  de  Buscha, 
1480—1481.     20. 

Hain  *2S/2.     Pellechet  ig22. 

Wiesbaden  LB :    Nur  P.  J  vorhanden.     [Aus  Ehrenbreitstein.) 

Baysio,  s.  Guido  de  Baysio. 

116  Beda:  Repertorium  sive  tabula  auctoritatum  xlristotelis  cum  com- 
mento.     Coloniae,  Henr.  Quentell,  1495.     40. 

Hain-Copinger  *2/J4. 
Weilburg.     {Aus  Höchst.) 

117  Beda:  Repertorium  sive  tabula  auctoritatum  Aristotelis  cum  com- 
mento.     ^'orimbergae,  Petrus  Wagner,  [1490?]     4». 

Hain-Copinger  *2/JJ. 

Auf  Bl  2  ist  das  A  eine  Holzschnitiinitiale. 

Wiesbaden   G.     {M  4S.)     {Aus  Idstein  Gymn.  Bibl) 


—     16     — 

118  Beichtbüchlein  [Magdeburgi,  Simon  Koch.  c.  i486].     4o. 

Bl  la:  0  Eyne  schone  geystlike  lere  vn  vnderwijsinge  van  der  bychte.  wo  eyn 
mjmsche  bychten  schal.  Ock  wo  he  sine  penitentie  holden  vn  gode  offeren  schal.  Dci7"unter 
nn  H.\t::hniit  fznfn  Bfuhtvaier  und  drei  Beühtmdf  dar;teilend.  Bl  ib:  C  Eyne  lere  wo  de  mynssche 
syne  penitentie  J  gode  offeiren  vn  beruwen  schal.  Bl  lob  ZI  24:  len.  De  glorie  vn  vroude 
des  hemels. 

10  Bl  mit  Sign  [33,  3»],  JO   Zfilen,  goth.  Schrift,  eine  Schriftgrösse. 

Im  dem  zerlegenden  Exemplare  ist  Bl  4  herausgerissen,  vgl.  Falk  im  Centralblatt  f.  Bibliotheks- 
-ivaen  Jahrg.  /,  i8go.  S.  ^44. 

Limhdrg. 

119  Berber ius  Johannes:  Viatorium  utriusque  iuris.  [Argentinae, 
Joh.  Pryss].  s.  a.     8». 

Hain-Cepinger  *2/g3.     Praetor  5/2. 
IViesöaden  LB.     [Aus  Amslein.) 

120  Berchorius,  Petrus:  Dictionarius  seu  Repertorium  morale.  Norim- 
bergae,  Antonius  Koberger.  1489.     3  Bde  2o. 

Hain-C^ypinger  2801.     Pellechet  2060. 
Weüburg:    Bd  i  {Aus  Limburg.) 
Limburg:    Bd  J.     (Aus  Limburg.) 

121  Berchorius,  Petnis:  Liber  bibliae  moralis  s.  Moralisationes  bibliae. 
[Coloniae],  Bartholomaeus  de  Unckel,  1477.     2». 

Hain-Copinger  *2/gy.     Pellechet  20S9- 
Limiurg.     (Aus  Deuts.) 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

122  Bernardinus  de  Busti:  Rosarium  sermonum  praedicabilium. 
Hagenoae,  Henricus  Gran,  1500.     2  Bde  2o. 

Hain  ^4164,     16  nicht  nummerierte  Bl,  Bl  16  leer. 
Limburg.     {Aus  Limburg.) 

123  Bernardinus  Senensis:  Sermones  de  evangelio  aeterno.  Basileae, 
Nicolaus  Kessler,  s.  a.     2^ 

Hain  '2828.  Bl  jooa  Z  26  steht  in  dem  vorliegenden  Exemplar:  Semones[!]  de  charitate. 
siue  de  euägelio  eter/  \\ 

Limburg.     {Aus  Deutt.) 

124  Bernardinus  Senensis:  Sermones  de  festivitatibus  virginis  gloriosae. 
Norimbergae,  Fridericus  Creussner,  1493.     40. 

Hain-Copinger  "2832. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Höchst.) 

125  Bernardus  Claraevallensis:  Epistolae  cum  aliis  eiusdem  tractatibus. 
Basileae,  [Nie.  Kessler],  1494.     2o. 

Hain-Copinger  *28/2.     Pellechet  2106. 
Limburg.     [Aus  Herbom  HSch.) 

126  Bernardus  Claraevallensis:  Epistolae  cum  aliis  eiusdem  tractatibus. 
Parisiis,  [Ulricus  Gering],  1494.     4". 

Hain-Copinger  28/4.      Praetor  82gg.      Pellechet  2108. 
Limburg.     {Aus   Limburg.) 


—     17     — 

127  ßernardus  Claraevallensis:  Flores  de  diversis  sermonibus.  Coloniae, 
Johannes  Koelhoff  de  Lübeck,  1482.     2". 

Hain-Capinger  2g26.      Voulliime  /gg.     Pfüechet  2/81. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Schönau.) 

128  Bernardus  Claraevallensis:  Floretus.  [Coloniae,  Hearicus  Quentell, 
c.  1490.]     40. 

Hain-Copinger  *2gi2.     Pellechel  2166. 

Klemm  und  Pellechet  halten  diese  Ausg.  für  die  Editio  princefs.     Copinger  setzt  sie  /^OO  an. 

IViesbaden  LB. 

129  Bernardus  Claraevallensis:  Sermones  super  cantica  canticorum. 
Acc.  Gilberti  sermones  super  cantica  canticorum.  Argentinae,  Martinus  Flach, 
1497.     20. 

Halft- Copinger  *28£g.     Pellecket  20gS. 

Limburg:    2  Exemplare  [deren  eines  aus  Herbom  HSch.) 

130  Bernardus  Claraevallensis:  Sermones  super  Cantica  Canticorum. 
Parisiis,  [ülricus  Gering],  1494.     4'^, 

Hain-Copinger  28^8.      Pellechet  20g/.     vgl.  Proäor  82g g. 
Bl  /  Z  j:    tiue  q.- 
Limburg.      {Aus  Limburg.) 

131  Bernardus  Claraevallensis:  Sermones  super  Cantica  Canticorum. 
Rostock,  fratres  communis  vitae  ad  S.  Michaelem,  1481.     2o. 

Bl  I  fehlt.  Bl  2aa  rot:  Repertoriü  notabiliü  sentenciarü  in  omelias  mel|1iflui  doctoris 
bernhardi  super  cantica  canticorü.  |j  schwarz  (jbel  alacri  Cayn  contracto  vultu  obtulit  ;  etc. 
Bl  4b^  rot:  Quisquis  videris  hoc  repertorium  si  ad  vnguem  in  j!  puncto  nö  inueneria  quod 
queris  leges  paulisper  vel  superiora  vel  inferiora  et  non  fraudaberis.  Memen  to  etc.  Bl  ^a 
rot:  Incipiunt  sermones  egregij  atc^  melliflui  doctoris  beati  ;|  bernhardi  Clareuallensis  abbatis 
Sup  cantica  canticorü  ,1  schwarz:  ()Obis  fratres  alia  q.de  selb:  aut  cer-  |te  aliter  dicenda  sunt. 
Ulis  siquide  lac  ||  etc.  Bl  20/ a  ZI  i  rot:  Ad  laudem  et  gloriam  omnipotentis  deL  gloriose 
virginis  i  marie.  et  omnium  sanctoy.  Finiunt  feliciter  elegantissimi  at?  (!)  pulcherrimi  ser- 
mones beati.  Bernardi  clareuallesis  abbatis  doctoris  melliflui  super  Cantica  canticorum 
suma  cü  diligen  cia  correcti  atcj  impressi  in  Ro?stock  per  fratres  Cois  vite.  ad  sanctü 
Michaelem.  Anno  a  natiuitate  domini.  Millesimo  'j  quadringentesimo  octuagesimopmo 
qnto  kaledas  Augusti.     Darunter  das  Druckerzeiihen  rot.     Bl  208  fehlt. 

208  Bl  ohne  Signaturen,  J/   Zeilen,  die   Tabula  60  Zeilen,  goth.  Schrift. 

Hain-Copinger  2856.     Pellechet  20g5. 
Pellechet  weicht  etwas  ab. 
Herbom   833  b. 

132.  Bernardus  Claraevallensis:  Sermones  de  tempore  et  de  sanctis. 
[Parisiis,  ülricus  Gering,  c.  1494,]     40. 

Hain-Copinger  "2843.     PMechet  2086.     vgl.  Praetor  82gg. 
Limburg.     {Aus  Limburg.) 

133  Bernardus  de  Parentinis:  Expositio  officii  missae.  [Spirae.  JoIl 
et  Conr.  Hist?],  s.  a.     2«. 

Hain-Copinger  *i24l6. 
IViesbaden  LB.     {Aus  Eierbach.) 


—     18     — 

134  Bernardus  Parmensis:  Casus  longi  super  quinque  libros  decre- 
talium.     Argentinae,  [Job.  Pryss].  1498.     2'\ 

Hain-Copmgtr  *2g^8. 
Limburg.     {Aus  Uml>urg.) 

135  Bernardus  Parmensis:  Casus  longi  super  ijuinque  libros  decre- 
talium.     Argentinae,  s.  t,  1493.     2o. 

Hain  *2pj6. 
WiescaJfft  LB. 

Bertorius  s.  Bercborius. 

136  Betrübnisse  Marias.    Magdeburg.  Johannes  Grashover,  1486,    4". 

Bl  la  [Signz'i]:  Hijr  beghynnet  dat  bock  van  der  bedroj  ffenisse  vnde  herteleyde  der 
hogheloue  ;  den  konnigynnen  der  alderleueste  mo  der  cristi  marien  C  Dat  erste  capittel.  ,| 
sprickt  Wu  dat  maria  to  bethleem  ghynck  vnd  wu  ;  se  ore  kynt  ghebar  vnde  van  oreme 
groten  armoyde.  Darurtier  Holzschnitt:  Maria  und  Josef  das  "Jesuskind  anbetend.  Bl  ~4b  ZI  l6 : 
C  Loff  vnde  ere  sy  der  benedygeden  moder  mari  'en  de  dusse  materien  dem  dichter  in  syn 
herte  heft  gegheue  welke  materie  is  ghemaket  nach  der  ge  bord  cristi  vnses  heren  ver- 
teynhundert  dar  na  in  dem  vyfTundeachtentighesten  iare  Unde  den  dar  na  in  den  ses?- 
undeachtentighesten  iare  dorch  Jo  ;hannem  grashoue  borgher  to  magdeborch  is  ghe  prentet 
worde  Des  de  almechtighe  god  maria  syn  |1  benedigede  moder  myt  allem  hymmelschen 
here  to  \  ewyghen  tyden  ghelouet  syn.  Bl  ~ß  a  Holzschniit  Maria  mU  Jünf  Schwertern,  die  durch 
ihr  Herz  gehn,  darstellend.  Bl /jb:  C  Hijr  beghynnet  de  vyff  betroffenisse  marien  i|  der  leuen 
soten  moder  cristi.  Bl  /8b  ZI  28 :  scheyde  myt  den  armen  dyner  barmherticheyt  amen 
Di£  letzten  Blätter  fehlen.  Vorhanden  sind  i8  Bl  mit  Sign  [a — /4,  ki],  28  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine 
Schriftgrösse  mit  eingedruckten  Initialen  und  vielen  Holzschnitten,  vgl.  Falk,  Der  Magdeburger  Drucker 
Johann   Graschoff  i486  in   Centralblatt  f.  Bibliothekswesen  Jahrg.  /,  l8go,   S.  246 — 248   und  344. 

Limburg. 

137  Biblia  latina.     [Argentinae,  Job.  Grüninger],  1483.     2o. 

Hain-Cjpinger  3088.     Praetor  43/.     Pellechet  2^15. 
Limburg:  nur  von  Bl  JO^  [Hain  J04]  ab  vorhanden. 

138  Biblia  latina.     Basileae,  Jobannes  Froben,  1491.     8'^. 

Hain-Copinger  *3ZO/.     Pellechet  232g. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

139  Biblia  latina.     Basileae,  Johannes  Froben,  1495,     8o. 

Hain-Copinger  *3Il8.     Pellechet  2JJ^. 
Herbem  ig 3.     (Aus  Herbom  HSch.) 
Limburg  [unvollständig). 

140  Biblia  latina.     [Basileae,  Johannes  de  Amerbach],  1481.     2«. 

Hain-Copinger  *3o8l.     Praetor  /S^'^-     P'U^chei  2 30 8. 
Herbom  1/6.     [Aus  Eberbach.) 
Limburg.   [Aus  Limburg.) 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Rammersdorf.) 

141  Biblia  latina.     [Basileae,  Johannes  de  Amerbach],  1482.     2o. 

Hain-Copinger  *3o86.     Praetor  /^ÖJ. 
Limburg.     [Aus  Sayn.) 

142  Biblia  latina.     [Basileae,  Bernh.  Richel],  1475.     2". 

Hain-Copinger  "3053.     Praetor  /S24.     Pellechet  22/ pr. 
Wiesbaden  LB.     Nur  Bl  228—4^5  vorhanden. 


—     19     — 

143  Biblia  latina.     Coloniae,  Conradus  de  Homborch,  1479.     2^ 

Hain-Copinger  *jo/i.     Pellechet  2JOO. 
IJmburg.     {^Aus  Sayn.) 

144  Biblia  latina.     [Coloniae,    Nicolaus  Goetz.    c.  1472.J     2  Bde.     2**. 

Bd  /:  Bl  I  \Uer?\  fehlt.  Bl  2'aa:  Incipit  epla  sancti.  leronimi  ad  !|  paulinü  psbitey 
de  omnibD  diuine  !|  historie  libris.  Ca.  I.  [|  ()Rater  ambrosi9  ]  tua  michi  munus:,cula  pferes, 
detu- |lit  simul  et  suauis  simas  Iräs.  que  a  pncipio  amicicia-  rü.  fidem  pbate  ^U.  Bl  £a^ 
ZI  j6:  Explicit  plogus  in  penthateucon  i|  moysi.  Incipit  über  bresich  quem  [  nos  genesim 
dicimus  •:•  ||  Capitulum  primum.  i;  Bl  5jß.*  ()N  pncipio  creauit  deus  ce  lum  et  terram.  Terra 
aute  li  eat  inanis  :  vacua:  :  tene||bre  erat  sup  faciem  abisai:  ||  x  spüs  dni  ferebat  super 
a||quas.    eic.      ßl  Jj6a^    ZI  40:    Spiritus    laudet    dnm.     Explicit    psalterium  •:•    Bl  3^6 b  leer. 

Bl  I:   336  Bl  ohne  Sign    [35  Lagen:   i^n,  16—20,  22—2;;  2g,  3^5,  13—15,  21,  28,  30, 

32—34,  36*>  3^i]- 

Im    Übrigen  s.  Pellechet  2268.      Copinger  II,  I,  1020 ■ 
Limburg  und   IViesbaden  LB. 

145  Biblia  latina.     [Coloniae,  Nie.  Goetz,  c.  1473.]     2  Bde     2o. 

Hain-Copinger  ^3042.     Praetor  iii/.     Pellechet  22/2. 

Limburg:  2  unvollständige  Exemplare ,  das  eine  mit  dem  Buche  Tobiae  beginnend  und  mit  dem 
Evangelium  fohannis  endigend  {aus  Deutz),  das  andere  die  libri  Regum,  Paraäpomenon,  Esdrae,  und 
das  Psalterium  enthaltend  {aus  Sayn). 

Wiesbaden  LB :  nur  Bd  2,  in  dem  aber  das  Druckerzeichen  am  Ende  fehlt.     (Aus  Rommersdorf.) 

146  Biblia  latina.     [Coloniae,  Nie.  Goetz,  c.  1475.]     2  Bde     2o. 

Hain-Copinger  ^3046.     Praetor  1118.     Pellechet  226g. 
Limburg:  nur  der  IL    Teil  vorhanden. 

147  Biblia  latina.     Coloniae,  [Nicolaus  Goetz],  1480.     2  Bde    2o. 

Copinger  II,  i,  IO25.      VaullUme  223. 
Wiesbaden  LB:  nur  Bd  i  vorhanden.     [Aus  Limburg.) 

Es  ist  dies  die  Bibel,  auf  die  sich  v.  d.  Lindes  Kritik  des  alten  Inkunabelverzeichnisses  der  Wies- 
badener  Landesbibliothek  (Centralblatt  für  Bibliothekswesen  I,  S.  £4)  bezieht. 

148  Biblia  latina.     Moguntiae,  Petrus  Schöifer.  1462.     2  Bde     2o. 

Schön  rubricirtes  Exemplar  auf  Pergament,  das  Bl  laa  ZI  i  \roi\:  Incip  epla  sei  iheronimi 
ad  paulinü  psbite-||rü:  de  oinibD  diuine  historie  libris;  Ca.  pmü.  ||  ( jRater  ambrosius  beginnt, 
vgl.  Pellechet.  Bl  2o6  u.  20/  haben  gefehlt,  sind  aber  von  H.  Klemm  in  Dresden  im  fahre  18S3 
sehr  kunstvoll  nachgebildet  worden. 

Hain-Copinger  *3050.     Pellechet  228z. 

Wiesbaden  LB:  nur  Bd  i. 

149  Biblia  latina.     Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1478.     2o. 

Hain-Copinger  *3o68.     Pellechet  22 g6. 

Nach  handschriftlicher  Notiz  auf  dem.  letzten  Blatte  kostete  diese  Bibel  im  Jahre  I4gi  5  Gulden, 
das  Rubriciren  12  Albus. 
Wiesbaden  LB. 

150  Biblia  latina.     [Spirae,  Petrus  Drach],  1489.     2o. 

Hain-Copinger  "^3105.     Praetor  23/8.     Pellechet  232/. 
Hadamar.     (Aus  Hadamar.) 
Wiesbaden  LB.    (Aus  Sayn.) 

151  Biblia  latina.     Yenetiis,  Nicolaus  Jenson,  1479.     2". 

Hain-Copinger  *30/3.     Pellechet  2302. 

Im  vorliegenden  Exemplar  fehlen  die  beiden  ersten  Bl. 

Wiesbaden  LB. 


—     20     — 

152  Biblia  latina.     Venetiis.  Franciscus  Renner,  1480.     4«. 

Hain-Opnger  'jO/S.    PelUchet  2^0$ • 
Um'ourg. 

153  Biblia  latina  cum  Concordantiis.  Argentinae.  [Johannes  Grüninger] 
1497.     20. 

Hain-Capinger  *JI22.     Prcctor  4^g. 
Limburg.     (Aus  Hadamar.) 

154  Biblia   latina    cum   postillis  Hugonis    de  Sancto  Caro.      Basileae, 
Johannes  de  Aiuerbach.  1498—1502.     7  Bde     2o. 

Hain-Copinger  31/ 5.     Pd'.echet  23^4. 
Limburg.     [Aus  Eöerbach.) 

155  Biblia   latina   cum   postillis  Nicolai   de  Lyra.     Argentinae.  [Job. 
Grüninger].  1492.     4  Bde     2'\ 

Hain-Copinger  "J/Ög.     Praetor  462.      Pellechet  2348. 

Limburg:  2  vollständige  Exemplare  [aus  Sayn  und  Notgottes\  ein  3.  Ex.,  nur  P.  II,  {aus  Deute). 

156  Biblia  latina  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.     [Lugduni],  Johannes 
Syber.  [1496?]     4  Bde     2". 

Hain-Copinger  ^3163.     Proctor  8542.     Pellechet  2342. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

157  Biblia  latina  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.    Norimbergae,  Anton. 
Koberger.  1485.     4  Bde     2'^. 

Hain-Copinger  *3/66,     Pellechet  234^. 

IViesbaden  LB :  nur  Bd  4  vorhanden.     [Aus  Höchst.) 

158  Biblia    latina    cum    postillis    Nicolai     de    Lyra.       Norimbergae, 
Antonius  Koberger,  1487.     4  Bde     2^. 

Hain-Copinger  *3l6/.     Pellechet  2346. 

Limburg:  ein  Exemplar  [aus  Deutz),  ein  2.  Ex.  nur  Bd  i,  2  und  4  [aus  Rommersdorf),  ein  3.  Ex. 
nur  Bd  I  [aus  Deutz)  u.   Bd  4  laus  Hadamar). 

159  Biblia  latina  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.    Norimbergae,  Anton. 
Koberger,  1497.     4  Bde     2'^. 

Hain-Copinger  "'31/I.     Pellechet  23£0. 
Limburg:   nur  Bd  i  u.  3.     [Aus  Deutz). 

160  Biblia  latina  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.     Venetiis,  Franciscus 
Renner,  1482.     3  Bde     2«. 

Hain-Copinger  *3l6£.      Pellechet  2344. 
Limburg:  Bd  I.     [Aus  Rommersdorf.) 

161  Biblia  latina  cum  postillis  Nicolai  de  Lyra.     Venetiis,  Octavianus 
Scotus,  1489.     4  Bde     2o. 

Hain-Copinger  *3i68. 
Limburg:  nur  Bd  i  u.    2. 

162  Biblia    latina   cum   glossa  ordinaria  Walafridi  Strabonis  et  inter- 
lineari  Anselmi  Laudunensis.    [Argentorati,  Adolphus  Rusch,  1480.]    4  Bde    2'\ 

Pars  II  Bl  la  abweichend  von  Hain   und  Pellechet:    ()Iginti    et   j  duas    litteras  es  'se  apud 
hebre-  os  etc. 

Hain-Copinger  *3l/3.      Proctor  2g g.     Pellechet  2352. 

Limburg:  Bd  I  u.   4.      IViesbaden   LB.:  Bd  2  u.  3.     [Aus  Deutz.) 


—     21     — 

163  Biblia  germanica.    Argentinae,  [Job.  Grüninger],  1485.    2  Bde    2o, 

DU  Holzschnitte  sind  kolorirt,  der  2.  Band  ist  mit  vielen  schönen  Initialen  versehen. 
Hain-Ccrpinger  "^3138.     Praetor  443.      Pellechet  23/6. 
IViesboilen  LB.     {Aus  Hadamar.) 

164  Biblia  germanica.    [Norimbergae,  Andreas  Frisner  et  Job.  Sensen- 
schmid,  c.  1472.]     2o, 

Hain  '3132.      Praetor  2204.     Pellechet  23/I. 
Wiesbaden  LB.     (Aus  Sayn.) 

165  Biel,  Gabriel:  Expositio  sacri  canonis  missae.   Reutlingae,  Johannes 
Otmar,  1488.     2o. 

Hain-Copinger  *3i/8. 
Limburg.     (Aus  Xotgottes.) 

166  Biel,  Gabriel:  Expositio  sacri  canonis  missae.   Tubingae,  [Jobannes 
Otmar],  1499.     2o. 

Hain-Copinger  *3i^g. 
Wiesbaden  LB. 

167  Biel,  Gabriel:  Expositio  sacri  canonis  missae.   Tubingae,  [Johannes 
Otmar],  1499.     4». 

Hain-Copinger  *3i8l, 
Herbom  341, 

168  Biel,  Gabriel:  Sermones  de  festivitatibus  Christi  et  virginis  Mariae 
atque  de  sanctis,     [Tubingae,  Johannes  Otmar],  1499.     4o. 

Hain-Copinger  ^3184.     Praetor  3234. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes,  vorher  in  yohannisberg.) 

Bitonto  s.  Antonius  de  Bitonto. 
Blony  8.  Nicolaus  de  Blony. 

169  Boethius:  De  consolatione  philosophiae  c.  comm.  Acc.  Job.  Gerson: 
De  consolatione  theologiae.     Coloniae,  Johannes  Koelhoff  de  Lübeck,  1488.   2'\ 

Hain-Copinger  *338o 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Schönau.) 

170  Boethius:    De  consolatione  philosophiae  cum  commento.     Daven- 
triae,  Jac.  de  Breda,  1490.     4» 

Hain-Copinger  3381.     Campbell  312. 
Wiesbaden  LB. 

171  Boethius:  De  consolatione  philosophiae  cum  commento.    Hagenoae, 
[Henricus  Gran],  1491.     40. 

Hain  *3383.     Proctor  31/2. 
Wiesbaden  LB. 

172  Boethius:   De  consolatione  et  de  uisciplina  scholarum.     Venetiis, 
Johannes  et  Gregorius  de  Gregoriis,  1497.     2o. 

Copinger  //,  /,  1118. 

Der   Titel  ist  nicht  in  Kapitalschrifi. 

Weüburg.     {Aus  Herbom  HS  eh.) 


—     22     — 

173  Boethius:    De    Jisciplina   schoUirium    cum    commento.      Coloniae, 
Henricus  Quentell.  1489.     4ö. 

Hain-Ccfinger  24^9- 
WUibaden  LB. 

Boloj]'ninus  s.  Ludovicus  Bolocminus. 

174  Bonaventura:  Biblia  pauperum.  [Argentiuae,  Johann  Pryss], 
1490.     4. 

Hain-Capinger  *J^03.     ZI  J  des    TiUh  steht  omniius,  wie    VouWJme  26 1  angiebt. 
Herbem  S  l'  £.     {Aus  Herborn  HSch.) 

175  Bonaventura:  Breviloi^uium.  Acced.  Biblia  pauperum.  Yenetiis, 
Johannes  de  Colonia  et  Johannes  Manthen  de  Gherretzem,  1477. 

Hain  '34/3. 

Limburs;:  Nur  die  Biblia  pauperum  vorhanden.     {Aus  Amstein.) 

176  Bonaventura:  Liber  protectuum  religiosorum.  [Daventriae. 
Richardus  Pafraet.  14ö3— 1484.]     4'). 

Hain-Copin^er  3£lO.     Campbell  1442.     Proctor  8g 6/. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Notgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 

177  Bonaventura:  Libri  et  tractatus  varii.  Argentinae,  Martinus 
Flach,  1489.     2«. 

Hain-Ccpinger  "346^- 
Limburg. 

178  Bonaventura:  Libri  et  tractatus  varii.  [Coloniae,  Bartholomaeus 
de  Unckel],  14S4.     2'\ 

Bl  la  Titel:  Tractatus  sancti  Bonauenture  ,'  Breuiloquium  |  Itinerarius  mentis  in  deum  || 
Paruum  bonum  Regimen  conscientie  Föns  vite  Soliloquium  siue  De  quattuor  exer- 
citijs  deuotorü  Lignum  vite  ,  Centiloquium  Apologia  pauperum  Epistola  eiusdem  eli- 
minans  errorem  [  cuiusdä  magistii  circa  regulam  beati  Francisci  ,  Epistole  plures  ''  Epis- 
tola eiusdem  dans  regulä  oibus  in  christo  viuere  volentibus  Uiginti  passus  de  virtutib9 
bonorum  religiosorum  De  reductöe  artium  ad  theologiä  De  tribus  ternarijs  infamibus  J 
Expositio  orationis  dominice  De  Septem  gradibus  contemplatöis  Laudismus  de  sancta 
cruce  11  Laudisonus  de  sancta  cruce.  Bl  ib  leer.  Bl  ^4  ist  leer.  Hain  F.  /J  ist  also  Bl  ^5. 
Bl  83  [Hain  81]  ist  dagegen  nicht  leer,  ist  vielmehr  Hain  82\  Von  Blatt  ig^  ab  ist  der  Schrift- 
charakter ein  anderer,  dennoch  ist,  wie  der  Titel  zeigt,  Jas  Werk  so,  wie  es  Hain  anführt,  ein  rinheit- 
liches.  Der  zuletzt  im  Titel  angeführte  Laudisonus  de  sancta  cruce  ist  identisch  mit  Laudismus 
de  Santa  cruce.  Das  Werk  hat  im  Ganzen  2^8  Bl  mit  Sign  [a—fi,  g — h3,  aa*,  bbi,  A — C4, 
D—Gl,  H—P',,   Qs,  a—i*,  ks]. 

Im    Cbri^en  s.  Hain-Copinger  *3463.     Procter  I143.      Vgl.    Voullieme  Nachtr.  S.  262. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Limburg.) 

179  Bonaventura:  Opuscula  parva.  Argentinae,  [typogr.  Jordani  de 
Quedlinburg,  a.  1483].  1495.     2^. 

Hain-Copinger  ^346 8.      Proctor  63g. 
Limburg:    Pars  //.     [Aus  Limburg.) 

180  Bonaventura:  Perlustratio  in  quattuor  libros  sententianim« 
Friburgi,  Kilianus  Piscator,  s.  a.     4  Bde     2o. 

Hatn  '354t. 

Beigebunden  ist  aie  Tabula  Bl  i — /£  [75^  w/  überklebt]  der  Kobergerschen  Ausgabe  v.  T^OO 
=  Hain  "3543- 

Limburg:    Bd  i  u.  2.     [Aus  Limburg.) 


23     — 


181  Bonaventura:  Perlustratio  in  quattuor  libros  sententiarum.  Norim- 
bergae,  Antonius  Koberger,  [1491].     5  Bde.     2«. 

Du   Tabula  -jjeicht  von  Hain  ab. 

Bl  la  Titel:  Tabula  super  libros  sententiay  '  cum  Bonauentura.  Bl  tb  leer.  Dl  2a 
{Sign  ai\  a;  Johannis  bekenhaub  moguntini  in  scripta  diui  j  bonauenture  cum  textu  senten- 
tiarum  tabula,  quam  ,  siquis  etc.  Bl  g8b^:  Tabule  sup  textü  sententia^  cü  Bonauentura 
fi||nis.  In  qua  sparsim  viciola  quedä  adnotaui  in  Bo  nauentura  et  lombardo  suis  locis 
em8danda.  Vere  ;or  -r/r.  Bl  ggaa:  Sequuntur  värij  irticu  li  erronci  omnium  pene  facul- 
tatum.  in  anglia  et  pa.i;risius  studiose  :  auctoritatiue  condenati  cum  reuoca  tionibus  eorun- 
dem.  II  rf^.  Bl  112  leer.  Bl  iija  [Si^  ggj  a.'  Ordo  questionum  di,,ui  Bonauenture  etc. 
Bl  1x8 a<^  ZI  10:  nolle  debeamus.  d.  Bl  118 b  leer.  118  Bl  {Sign  a^,  b-ql,  13,  -4,  ggi].  Das 
Übrige  wie  Hain. 

Hain-Copinger  *3540.      Praetor  2068. 

Herbom  814  b:  Bd  i  u.  2  mit  der   Tabula.     (Aus  Herbom  HSch.) 

Limburg:  Bd  1—5  [mit  der  Tabula  Bl  i—g8)  und  ein  2.  Ex.  von  Bd  2.     {Aus  Limburg.) 

Wiesbaden  LB:  Bd  J  u.   4.     [Aus  Marienstatt.) 

182  Bonaventura:  Perlustratio  in  quattuor  libros  sententiai-um. 
Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1500.     2o. 

Hain-Copinger  ^3543. 

Limburg:    Nur  die   Tabula  Bl  1—75  vorhanden.     (Aus  Limburg.) 

183  Bonaventura:  Sermones  de  tempore  et  sanctis.  Reutlingae, 
[Johannes  Otmar],  1485.     2o. 

Hain  *3S!/-     Praetor  270;^. 
Wiesbaden  LB. 

184  Bonaventura:  Sermones  mediocres  de  tempore.  Argentinae, 
[typograph.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1496.     4o. 

Hain-Copinger  *3523.     Praetor  668. 
Limburg. 

185  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium  cum  Clementinis. 
Basileae,  Johannes  Proben,  1494.     4». 

Hain-Copinger  *36/g. 

Nach  einer  handschrifil.  Notiz  wurde  das  Buch  zu  Mainz  1494  für  18  Albus  gekauft. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Herbom  HSeh.) 

186  Bonifacius  YIII:  Liber  sextus  decretalium  cum  Clementinis. 
Basileae,  Johannes  de  Amerbach  et  Johannes  Proben.  1500.    4». 

Hain-Copinger  ^3626. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Ehrenbreüstein.) 

187  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium  cum  Clementinis. 
[Basileae,  Nicolaus  Kessler,  1495?]     2*>. 

Hain-Copinger  *3585.      Praetor  76g 7. 

In  dem  Exemplar  aus  Deutz  steht  Bl  5 a  Text  rot:  Incipit  sextus  liber  decre.  Im  Öhrigen 
stimmt  alles  mit  Hain  überein. 

Limburg:  2  Exemplare.     {Aus  Deutz  und  Rommersdarf.) 

188  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium.  Basileae,  Michael 
Wenssler,  1477.     2o. 

Hain  *359S. 
Limburg. 


—     24     — 


189  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium.  Lugduni,  Johannes 
Syber,  1482.     2o. 

Du  z-ier  ersten  Bl  \die  Rubricae  enth.?\  fehlen.  Bl  §a  [Sign  a.  v."  Text  ß  rot:  Incipit 
sextus  liber  decre  talium.  |l  Dann  schwan  (  ONIFACIUSa  Epüs»>  |  Kommentar  a:  qiUia  pre- 
posterus  est  ordo  prius  humana  subsidia  pe  tere  ut  illis  deficientibus  diuini  fauoris  gratia 
postu-  letur  de  cöse.  di.  i.  omnis  christianus  in  fi.  Iccirco  ego  Johänes  andree  etc. 
Bl  i4£a^:  Liber  sextus  decretalium  una  cum  apparatu  dompni  [!  iohänis  andree.  diligen- 
tissime  emendatus.  feliciter  explicit.  Impressus  j  impendio  magistri  Johänis  syber  almani. 
Anno  salutis  do-  minice.     Mcccclxxxii.    pridie  kalendas  may.     Bl  146  [^^/j  fehlt. 

146  Bl  mit  Sign  [a5,  b — j4]  2  Spalten.  Text  in  grösserer  Schrift  vom  Kommentar  umgeben. 
Kommentar  68 — 6g  Zeilen,  goth.   Schriß, 

Hain  j6oi. 

Limburg, 

190  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium.  Lugduni,  Michael 
Wenssler,  1494.     2o. 

Copinger  II,  i,  I308. 
Limburg. 

191  Bonifacius    VIII: 
Antonius  Koberger,  1486.     2o. 

Hain-Copinger  *^6lJ. 
Wiesbaden  LB. 


Liber     sextus     decretalium,       Norimbergae, 


192  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium  cum  Clementinis. 
Venetiis,  Baptista  de  Tortis,  1496.     2«^. 

Bl  I  rot  oben:  Cum  priuilegio  weiter  unten:  Sextus  et  clemejjtine  de  tortis. 
Hain-Copinger  *^622. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

193  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium  cum  apparatu  Joannis 
Andreae.  Venetiis,  Bartholomaeus  [de  Blavis]  de  Alexandria,  Andreas  [de 
Torresanis]  de  Asula,   Maphaeus  [de  Paterbonis]  de  Salodio  socii,  1482.     40, 

Hain  *j6o4. 

Limburg.     (Aus  Hadamar.) 

194  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium.  Venetiis,  Joannes  et 
Gregorius  de  Gregoriis,  1489.     2^ 

Hain  *j6i4. 

Wiesbaden   LB.     {Aus  Herbom  HSck.) 

195  Bonifacius  VIII:  Liber  sextus  decretalium.  Venetiis,  Thomas  de 
Blavis  de  Alexandria,  1489.    4». 

Bl  T  leer.  Bl  2  a  {Sign  a3-\  a  ()Irca  lecturaj  arboris  diuersis  olim  ||  diuersuro  moduj 
tenentibus :  Jo.  de  deo  hispanus  post  illos  lecture  ipsi9  ;|  arboris  nouü  modü  assumens  per  \\ 
etc.  Bl ßa  Text  rot:  Incipit  sextg  liber  decretaliü  j|  schwarz  ()ONIFACIUSa  Episco-|j  Kommen- 
tar: f)Uia  pposterus  e  ordo  pus  humana  subsidia  '  petere:  vt  illis  deficietib9  diuini  fauoris 
gra  postulet:  etc.  Bl  r^^a^  rot:  Liber  sextus  decretaliü  vna  cum  apparatu  donmini.  [!] 
Joannis  andree  accuratissime  castigans  feliciter  explicit.  Uene  tijs  impressus  opera  at<y 
impensa  Tbome  de  Blauis.  de  Ale /xädria  Anno  salutis  Christiane  M.  cccc.  Ixxxix.  die.  xiiij. 
aug.     Bl  rßßb   Regutrum  und  Jas  Drucktrzeiehen.     Bl  156  fehlt. 

Iß6  Bl  mit  Sign  [a—s^,  /6j.  2  Spalten,  Text  in  grösserer  Schrift  vom  Kommentar  umgeben, 
letzterer  6j  Zeilen,  goth.  Schrift. 

Hain  3615. 

Wiesbaden  LB. 


—     25     — 

Bonum  universale  de  proprietatibus  apum  s.  Thomas  Cantiprateusis. 

196  Brack,    Wenceslaus:    Vocabularius    rerum.     [Argentinae,    typogr 
Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483J,  1491.     40. 

Hain   ^J/O/.     Praetor  663. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

197  Brack,  Wenceslaus:  Vocabularius  rerum.  [Spirae,  Conr  Histi 
1496.     40.  Lt..        3tj, 

Hain   *3/lO.     Praetor  2432. 

Limburg:  2  Exemplare.     (Aus  Limburg  und  aus  Arnstein.) 

198  Brant,  Sebastian:  In  laudem  virginis  Mariae  multonimque  San- 
ctoinim,  et  varii  generis  carmina.  [Basileae,  Johannes  Bergmann  de  Olpe 
c.  1494.]     40.  o  P  , 

Hain  *j/jj. 
Limburg. 

Brant,  Sebastian,  s.  KlagspiegeL 

199  Brant,  Sebastian:  Narrenscliiff,  latine  interprete  Jacobo  Locher 
Philomuso.     Argentinae,  Johannes  Grüninger,  1497.     40. 

Hain  *J/4g.     vgl.    Voulliime  284. 
Limburg:  2  Exemplare. 

200  Brant,  Sebastianus:  Varia  carmina.  Basileae,  Johannes  Bergmann 
de  Olpe,  1498.    4o. 

Hain-Copinger  *3/Sl. 
Limburg. 

201  Bruno  Herbipolensis :  Psalterium  ex  doctonim  dictis  collectum. 
[Eustadii,  Michael  Reyser,  i486.] 

Hain-Copinger  *40II.     Praetor  JI2J. 

IViesbaden  LB.     [Aus  Notgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 

202  Bruno  Herbipolensis:  Psalterium  ex  doctorum  dictis  collectum. 
Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1497.     40. 

Hain-Copinger  ^4013. 

Limburg.     [Aus  Arnstein.) 

203  Büchlein  von  der  Liebe  Gottes  samt  dem  Spiegel  der  kranken 
und  Sterbenben  Menschen.     Augsburg,  Hans  Froschauer,  1494.     8«^. 

Hain  *4o6j. 

140  Bl;  Bl  140  ist  leer.   Bl  13g  Z  g:  im  vorliegenden  Ex.  criisti  [!J  geburt.  M.  cccc.  xcJij, 

Herborn  PVd  g6.     {Aus  Herbom  HSck.) 

Busti  s.  ßernardinus  de  Busti. 

Butrio  s.  Antonius  de  Butrio. 

Caccialupis  s.  Johannes  ßaptista  de  Caccialupis. 


—     26     — 

204  Caesar.  C.  Jul.:  Commentarii  Je  bello  Gallico  et  (ie  hello  civili. 
Venetiis.  Theodonis  de  Ragazonibus,  1490.     2'^. 

Hain- Cef mger  ^42 ig. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Herbem  HSck.) 

205  CalJerinus,  Johannes:  Repertorium  iuris.  [Basileae.  Michael 
WensslerJ  1474.     2o. 

Hain-Copinger  *4248.     Proctor  /461. 

.Auf  Bl  I  .\[iniatur  einen  Rechts  gelehrten  darstellend,  ebenfalls  das  A  zu  Anfang  gemalte  Initiale. 

Wiesbaden  LB.     (Aus  Rommersdcrrf.) 

206  Campanus,  Johannes  Antonius:  Oratio  in  conventu  Ratisponensi 
dicta  ad  exhortandos  principes  Germanorum  contra  Turcos  et  de  laudibus 
eorum.     [Romae,  Stephanus  Planck],  s.  a.     4". 

Hain   *42gO.     Proctor  3/32. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Eierbach.) 

Canones  poenitentiales  s.  Petrus  episcopus  Civitatensis. 

207  Caracciolus  Robertus:  Opus  quadragesimale  quod  de  poenitentia 
dictum  est.     Argentinae,  Martinus  Schott,  1485.     2^. 

Hain-Copinger  ^4436.     Proctor  3g5. 

Limburg. 

208  Caracciolus,  Robertus:  Sermones  de  laudibus  sanctorum.  Spirae, 
Petrus  Drach.  1490.     2". 

Hain-Copinger  *4484. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

209  Caracciolus,  Robertus:  Sermones  de  laudibus  sanctorum.  Venetiis, 
Bernardinus  BenaHus,  1490.     4o. 

Hain  *44S2. 
Limburg. 

210  Caracciolus,  Robertus:  Tractatus  de  divina  caritate.   s.  1.  t.  a.  2o. 

Bl  la:  Incipit  tractatus  de  diuina  caritate  opilatus  per  Reue-  Irendü  sacre  Theologie 
doctore  magistrü  Robertum  de  Li  tio  ordinis  minorum  in  quo  ostenditur  cü  omni  ueritate 
sa-|  cre  sancte  scripture:  qualiter  deua  benedictus  quätum  in  se  |)  est  omnibus  peccatoribus 
offert  indulgentiam  &  remissio  nem  peccatorü  neminem  excludes  a  salutis  uia.  Bl  48a 
ZI  ig:  per  gratiam  &  in  futuro  per  gloriam.     Amen.     Bl  48b  leer. 

vgl.   im    übrigen    Copinger  //,  /.   I4S4- 

Limburg.     [Aus  NotgoUes,  vorher  in  Johannisberg.) 

Carchano  s.  Michael  de  Carchano  Mediolanensis. 
Cassia  s.  Simon  de  Cassia. 

211  Cassianus,  Johannes:  De  institutis  Coenobiorum,  de  origine  causis 
et  remefliis  vitiorum,  de  collationibus  patrum.  Basileae,  [Job.  de  Amerbach], 
1485.     20. 

Hain-Copinger  ^4562     Proctor  ^^56^. 

Limburg.     [Aus  Notgottes.) 


—     27     — 

212  Cassianus,  Johannes:  De  institutis  Coenobiorum,  de  origine  causis 
et  remediis  vitiorum.  de  collationibus  patrum.  Basileae,  Johannes  de  Amer- 
bach,  1497.     2«. 

Institutis  ce- 

Bl  la   Titel      Joannes         .       nobiorum. 
;.,       .  de     _  .    - 

Cassianus  Origie:  causis 

et  remedijs 

vitiorum. 

Collatiöibus 

patrum 
Bl  ib:  Auctor  quis  ac  qualis  fuerit:  quos  libros:  ad  quos:  :  de  quibQ  '  scripserit: 
cömedaticia  breuisqi  expositio.  j]  etc.  Bl  2 a  \Stgn  2\:  Notabilium  dictorü  iu-  xta  alphabeticum 
ordine?  I  librorum  Joannis  Cassia-!(ni:  annotatio  jj  rfr.  Bl  220a^  ZI  ;^o :  Expliciüt  viginti- 
quattuor  ;}  collationes  sanctoy  patrum  i|  conscripte  ab  Johanne  eremi-  ta  qui  et  Cassiing 
dicit:  Im-  presse  Basilee  per  magistrü  ,  Joannem  Amerbach :  Anno  domini  M.  CCCC. 
Ixxxxvij.  j    Deo  gratias.     Bl  220  b  leer. 

Hain-Copinger  4564.     Die  Blattzahl  u.  das    Übrige  richtig  bei  Copinger. 
Herbom  1/8/.     [Aus  Herbom  HSch.) 

213  Casus  in  terminis  super  Institutis,  [Argentinae,  Joh.  Prj'ss, 
1498—99].     20. 

Hain- Copinger  *4666. 
Limburg.     [Am  Limburg.) 

214  Casus  papales,  episcopales  et  abbatiales.     s.  1.  t.  a.     4'^. 

Bl  la  ZI  i:  C  Casus  Papales.  Episcopales.  et  Abbatiales.  ||  ()Rimus  casus  Papalis  e 
in  illo  qui  percutit  enor;,miter  clericü.  Bl  4a  ZI  jj:  Finiüt  casus  Papales  Epäles  &  abba- 
tiales.   Bl  4b  leer. 

4  Bl  ohne  Sign,  34  Zeilen,  röm.    Type. 

Wiesbaden  LB.     [.4us  Eberbach.) 

215  Cato  cum  glossa  et  moralisatione.  Argentinae  [Martinus  Flach], 
1487.     40. 

Hain-Copinger  *4/2i.     Praetor  6/2. 
Limburg. 

216  Cato  cum  glossa  et  moralisatione.  Basileae,  Nicolaus  Kessler, 
1486.     40. 

Hain  *4/i8. 

Limburg.     [Aus  Ehrenbreitstein.) 

217  Cepolla,  Bartholomaeus:  Cautelae.  [Argentinae,  Johannes  Pr)-ss], 
1490.     40. 

Hain  *486ß.     Praetor  54/. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Amstein.) 

Chronica  s.  Rudimentum  novitiorum. 

218  Chrysostomus,  Johannes:  De  compunctione  cordis.  [Daventriae. 
Richard  Pafraet,  1491].     8o. 

Hain-Copinger  *^046.      Campbell  424. 
Wiesbaden  LB. 


—     28     — 

219  Chrysostomus.  Johannes:  Liber  dialogorum  de  dignitate  sacerdotii. 
[Coloniae.  ülr.  Zell.  U72].     -t^. 

Hain-Copm^er  "'£048.      Prodor  8S7- 
Limburg. 

220  Chrysostomus,  Johannes:  Homiliae  LXX  in  evangelium  S. 
Matthaei.  Georgio  Trapezuntio  interprete.  Coloniae.  Johannes  Kuelhoff  de 
Lübeck  1487.     2«. 

Hain  '5OJ5. 

iVie:badfn  LB.     [Aus  Afarürtsiati.) 

221  Chrysostomus.  Johannes:  Sermo  super  Psalmum:  Miserere  mei 
deus.     [Coloniae.  Ulr.  Zell,  1466—67].     4^. 

Hain-Cofingtr  'SOJI-     Prodor  8og. 
Signaturen  hat  dies  Exemplar  nicht. 
Limburg. 

222  Chrysostomus,  Johannes:  Sermones  de  patientia  lob.  Coloniae, 
JoL  Koelhoff  de  Lübeck,  1487.     2*>. 

Hain-Ccpinger  *502/. 

Das  Werk  hat  6o  Bl  {Sign  /4,  a— <rS/,/3,]  in  der  Blatinumerierung  sind  die  Zahlen  XXIII 
und  XXV  übersprungen. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  SchSnau.) 

223  Chrysostomus,  Johannes:  Sermones  de  patientia  lob.  [Coloniae, 
Ulr.  ZeU.  1467} 

Bl  I  leer.  Bl  2  a  Säctissimo  et  Clemetissimo  dno.  |  dno  Nicoiao  diuiä  puidetia  pape 
qui-  to  sce  Romane  ac  vniusalis  eccie  sümo  pontifici.  Lilij  Tifernatis  vltimi  suorü  | 
seruorü  prologus  in  sermones  sancti  Johannis  Crisostomi.  Bl  47b  am  Ende:  Expliciüt 
sermoes  Sancti  Joli.  Criso-  Storni  In  iustü  et  beatü  lob  de  pacia.     Bl  48  leer. 

48  Bl  ohne  Sign  mit  2/  Zeilen,  goth.  Schrift.     Die  6  Anfangszeilen  in  grösserer  Schrift. 

Hain-Copinger  5024.     Praetor  808. 

Limburg. 

224  Chrysostomus,  Johannes:  Sermones  XXV  e  graeco  latine  versi 
a  Christophoro  Persona.     [Coloniae,  Joh.  Koelhoff  de  Lübeck,  1487].     4o. 

Hain-Copinger  *^040.     Prodor  10/8. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Schönau.) 

225  Cicero,  Marcus  Tullius:  De  officiis.  Venetiis,  Jacobus  de  Paganinis, 
1491.     2'^. 

Hain-Copinger  *52/7. 

Weilburg.     [Aus  Idstein   Gymn.  Bibl.) 

226  Cicero,  Marcus  Tullius:  Epistolae  ad  familiäres  cum  commentario 
Hubertmi  Clerici  Crescentinatis.    Venetiis,  [Andr.  de  Paltascichis?].  1480.   2o. 

Hain-Copinger  *5l87.     Prodor  £662. 

Weüburg.     Die  ersten  drei  Blätter  fehlen.     {Aus  Herbom  HSch.) 

227  Cicero,  Marcus  Tullius:  Orationes.  Venetiis,  Bartholomaeus  de 
Zanis  de  Portesio,  1499.     20. 

Hain  "5128. 
Wusbaden   LB. 


—     29     — 

228  Cicero,  Marcus  Tullius:  Synonyma  s.  de  proprietatibus  terminorum. 
[Moguntiae,  Petrus  Schöffer.  c.  1476].     4o. 

Hain- Ccfinger  *5346. 
WeÜburg. 

229  Cicero,  Marcus  Tullius:  Tusculanarum  quaestionum  libri  cum 
commentario.     Venetiis,  Johannes  de  Tridino,  1494.     2o. 

Bl  la  Titel:  MARCI  TVLII  [!]  CICERONIS  TVSCV  LANARVMQVAESTIONVM. 
Bl  ib  Iftr.  Bl2a  [-%«  aiij  Text:  MARCI  TVLII  [!]  CICERONIS  TVSCVLANARVM  QVAES- 
TIONVM  LIBER  PRIMVS.  Kommentar:  CVm  defensionum.  Temporibus  quibus  Cesar 
rerum  potiebatur:  &  multum  Cice-|ironi  etc.  Bl  £8a  unter  dem  Text:  Marc»  Tulii  [!]  Cice- 
ronis  Tuscula^  [!]  quaestionü  finis.  ||  Impressarü  Venetiis  per  Joanne  de  Tridino  maxima  cum 
di-|jligemia.     M.  cccc.  Ixxxxiiii.  die  tertia  Februarii.     Darauf:  Registrum  huius  operis. 

ßS  Bl  {a—i\  k-^\,  44  und  6o  Zeilen,  röm.  Schriß,  drei  Schri/tgrössen,  mit  eingedruckten  Initialen. 

Hain  531g. 

Weilburg.     [Aus  Idstein   Gymn.  Bibl.) 

230  Claudianus,  De  raptu  Proserpinae.     s.  1.  t.  a.     4*^. 

Bl  la:  Vorausgehen  6  Distichen,  dann:  Claudiani  proserpina  incipit  ;  (  Nferni  raptoris 
equos  afflatacy  curru  jl  Bl  22  a:  Claudiani  proserpina  finit  feliciter.     Bl  22b  leer. 

22  Bl  ohne  Sign  \j  Lagen:  i—2^,  p],  28  Zeilen,  röm.  Schriß. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Eierbach.) 

Clavasio  s.  Angelus  de  Clavasio. 

231  Clemens  V:  Constitutiones  cum  apparatu  Joh.  Andreae.  Basileae, 
Michael  Wenssler,  1476.     2». 

Hain-Copinger  *^4i8. 
Limburg. 

232  Clemens  V:  Constitutiones  cum  apparatu  Johannis  Andreae. 
Lugduni,  Michael  Wenssler  1495.     2*^. 

Copinger  II,  I.     Nr.  l6/j. 
Limburg. 

233  Clemens  V:  Constitutiones  cum  apparatu  Joannis  Andreae. 
Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1486.     2o. 

Hain-Copinger  *5435- 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

234  Clemens  V:  Constitutions  cum  apparatu  Joannis  Andreae.  Venetiis, 
Bartholomaeus  [de  Blavis]  de  Alexandria,  Andreas  [de  Torresanis]  de  Asula. 
Maphaeus  de  Paterbonis  de  Salodio  socii,  1482.    4*>. 

Hain  ^5428. 

Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

235  Clemens  V:  Constitutiones  cum  apparatu  Joh.  Andreaa  Venetiis, 
Johannes  et  Gregorius  de  Gregoriis,  1489.     2^. 

Hain  ^£442. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Herbem  HSch.) 


—     30     — 

236  C 1  e  m e  n  s  V :  Constitutiones  cum  apparatu  Joannis  Andreae.  Venetiis, 
Thomas  de  Blavis  de  Alexandria.  1489.     4o. 

ßl  I  fehlt.  Bl  2a  \Si^  A^\  a  Text  rot:  Incipiüt  cöstitutiöes  clemen  tis  pape  quinti 
vna  cü  appa-  ratu  domini  Joänis  andree.  |1  ^fAt^jars ;  OANNESa  epi  scopus  seruus  ser-  uoruj 
dei  Dilectis  ttc.  Kiymmentar:  (  -Oannes.  gratiosum  hoc  nomen  per  interpre'  tationes  etc. 
Bl  -6a  a  rot;  Opus  clemetinarü  Ipensa  atcp  idustria  thome  de  bla  uis  de  alexädria.  Uenetijs 
impressü  feliciter  finit:  vna  cum  apparatu  domini  Joannis  Andree  anno  salutis  ,.  dnce.  M. 
CCCCLXXXUIIII.  die  primo  lunij.  Laus  deo.  Bl /6b  leer.  Bl  //a  [Si^  k]  a  rot:  Incipiunt 
decretales  extrauagates  que  ema-  narunt  post  sextum.  |i  etc.  Bl  840,0.  ZI  ^4:  nostri  anno 
secüdo.     Bl  8411^  Registrum  und  darunter  das  Druckerzeichen  rot. 

84  Bl  mit  S:^  [A — //*,  7°,  A'4],  Text  in  grösserer  Schrift  vom  Kommentar  umgeben;  letzterer 
63  Zeilen,  die  Extravagantes  £4  Zeilen,  goth.  Schrift. 

Hain  5441. 

WUsbaden  LB. 

Co  einer,  Johannes,  de  Vanckel  s.  Koelner. 
Columna  s.  Guido  de  Columna. 
Comestor  s.  Petrus  Comestor. 

237  Compendium  de  reformatione  Canonissarum.     s.  1.  t.  a.     8^. 

WUsbaden  LB.     [Aus  Notgottes.) 

238  Compendium  octo  partium  orationis.    Argentinae,  s.  t.  et  a.    4". 

Copinger  II,  i,  I/I^  =   VouUieme  354. 
Limburg.     [.Aus  Limburg^ 

239  Computus  Nurenbergensis.  [Lipsiae,  Martinus  Landsperg,  c. 
1490].    4^ 

Bl  la  Titel:  Computus  nirenbergensis.  Bl  ib:  ()mia  cü  inferiora  motib9  corpm  supioy 
gubemä  tur  ideo  de  ipsoy  motuü  inuetiöe  piter  i  cognitöe  nö  tn  01m  s^  tm  solis  :  lune 
gnoräcia  qb9  circa  diuinü  officiü  etc.  Bl  na  [Sign  b^]  ZI  11:  Sequitur  scdüs  über.  Bl  zoa 
ZI ^:  Finis.  Contenta  primi  libri  Computi  nyrenbergensis.  ZI  22:  Contenta  scd'i  libri  Com- 
puti  nyrenbergensis.     ZI  2g:  De  oppositione  media. 

20  Bl  mü  Sign  [a,  b*,  c^],  //  Zeilen,  [Bl  20 :  2g   Zeilen),  goth.  Schrift. 

Limburg.     [Aus  Hadafnar.) 

Concilium  Constantiense  s.  Acta  et  decreta. 

240  Conradus  de  Bnmdelsheim:  Sermones  de  tempore.  Argentinae, 
Joh.  Grüninger,  1484.     2\ 

Hain-Copinger  *  14826. 

Herbom :    nur   77  /.     (Aus  Limburg.) 

Cordiale  quattuor  novissimorum  s.  Gerardus  de  Vliederhoven. 

241  Corona  beatae  virginis  Mariae.  [Argentinae,  typogr.  Vitarum  patriun 
a.  1483],  s.  a.     2". 

Hain  *S747-     Praetor  426. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

Correctio  fratema  s.  Tractatus  de  traterna  correctione. 
Cracovia  s.  Mattliaeus  de  Cracovia. 


—     31     — 

Cursus  librorum  philosophiae  naturalis  secundum  nam  doctoris  subtilis 
Scoti  s.  Xicolaus  de  Orbellis. 

242  Cursus  optimarum  quaestionum  cum  textualibus  expositionibus 
Porphyhi  etc.     [Coloniae,  Henr.  Quentell,  c.  1490].     2". 

Hain  *SS6S. 

Limburg.     [Aus  Limburg.) 

243  Cursus  optimorum  quaestionum  cum  textualibus  expositionibus 
novae  logicae  Aristotelis  etc.     [Coloniae,  Henr.  (Quentell,  c.  1490].     2**, 

Harn  *S866. 

Limburg.     (Aus  Limburg.) 

244  Curtius  Rufus,  Q.:  De  rebus  gestis  Alexandri  Magni  cum  commen- 
tario  Bartholomaei  Merulae.  Venetiis,  Johannes  [de  Cereto  de  Monteterrato] 
de  Tridino  alias  Tacuinus,  1494.     2°. 

Hain-Copinger  *5885. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Herbom  HSch.) 

Dan  s.  Jordanus  de  Quedlinburg. 

245  Danhusen,  Petrus:  Relatio  de  obsidione  urbis  Rhodiae  ad  Frideri- 
cum  Imperatorem.     [Argentinae,  Henricus  Knoblochtzer,  1480].     4*^. 

Hain  *5g22.     Praetor  j/8. 

In  der  Schlussschriß  steht  in  dem  vorliegenden  Exemplar:  Danbussen. 

Wiesbaden:    JVass.  Altertumsverein. 

246  De  defectibus  in  missa  occurrentibus.     s.  1.  t.  a.     4". 

ßl  la  De  defectibus  occurretibus  in  missa  |  ()Egula  dirigens  missarum  celebratores 
vt  II  caueät  a  defectibus  periculis  et  disturbüs  [\  etc.  Bl  gb  ZI  lo:  tercia  parte  summe.  || 
Digna  bona  laude  semper  Wormacia  gaude.     Bl  lO  Uer. 

lO  Bl  ohne  Signaturen,  2/ — 2g   Zeilen,  goth.   Schrift,  eine  Schriftgrösse. 

Limburg.     [Aus  Arnstein.) 

Declaratio  modi  et  formae  venditionis  s.  Gerardus  de  Elten. 
Dialogus  inter  clericum  et  militem  s.  Guilelmus  de  Ockam. 

247  Dialogus  inter  Salomonem  et  Marcolphum.  [Argentinae,  Georg. 
Husner],  s.  a.    4^ 

Hain-Copinger  *  142 46.     Praetor  384. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Eberbach.) 

248  Dialogus  inter  Salomonem  et  Marcolphum.  [Spirae,  JoL  et  Conr. 
Hist,  1480].     4". 

Hain-Copinger  *  142 48.     Praetor  2 40/. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Eberbach.) 

Disputatio  inter  clericum  et  militem  s.  Dialogus. 

249  Donatus,  Aelius:    De  octo  partibus  orationis.     [Utrecht?]     4°. 

Fragment  von  2  Bl  au/  Pergament,  ohne  Sign,  2/  Zeilen,  dieselbe  goth.  Schrift  zvie  Holtrop 
Monuments  typogr.  Taf.  2g(j3).  Das  Holtropsche  Facsimile  giebt  auch  eine  Seite  des  Textes  unseres 
Fragmentes  wieder,  dock  ist  es  ein  anderer  Druck;  das  vorliegende  Exemplar,  welches  ich  auf  der 
Innenseüe  des  Deckels  von  Na.  i8i  [Wiesbaden  LB.)  fand,  lautet  ZI  I :  I  acci  t  vti  quod  declina- 
bitur  sie  [Njtö  hie  :  hec  t  hoc  M  legens  gtö  huius  legentis  dtö  huic  legcnti  accö  hüe  i  i| 
häc  legente  x  hoc  leges  vtö  o  leges  ablatö  ab  H  :  ab  1,  .  .  .  ZI  2^—2/  stimmen  genau  mU  dem 
Fragment  bei  Holtrop  über  ein. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Marienstati.) 


—     32     — 

Dorbellus,  Nicolaus  s.  Nicolaus  de  Orbellis. 

Dorniberg.  Thomas,  de  Memmingen:  Tabula  in  Compendium  theologicae 
veritatis  s.  Albertus  Magnus. 

250  Dorp.  Johannes:  Commentum  super  summulas  Johannis  Buridani. 
[Taui-ini?].  Johannes  Fabri.  1490.     4°. 

Bl  la  Titel:  Cömentü  magistri  Johänis  dorp  |  super  textu  summularum  magistri  |1  lo- 
hannis  Buridani.  Bl  if>  ZI  i  Q  Etsi  liberaliü  arliü  [qs  zenocrates  calcedoni9  platonis  auditor 
admicula  dicebat  phi  losophiel  etc.  Bl2a  [i'/f«  aij]  a  Zlr:  ()yaletica  est  ars  artiü  sei  ;entia 
sciarü  ad  oiu?  me-  thodoy  pricipia  viam  habens  ( )Ste  est  traiCtatus  sümulay  magri  Joliis 
Buridani  q  i  se  |  Dtinet  nouem  tractatus  ,  ptiales.  etc.  Bl  2^jd^  ZI  8:  C  Et  sie  finit  totus 
sumularum  liber  eruditissimi  magistri  loh.  dorp  veri  nominaliü  opinionü  recitatoris  interptis 
et  expositoris  textus  Buridani  per  lohannem  fabri  dilige  tissimü  impressorem  impressus. 
Anno  dni      MCCCC.   XC.  die   vero.  xvij.     Der  Monatsname  fehlt.     Bl  2^4  leer. 

2S4  Bl  \a — 74,  rj,  A — A]  2  Spalten,  £0   Zeilen,  goth.  Schrift,  J  Schriftgrössen. 

Hain   6400. 

Limburg.     {^Atis   Limlmrg.) 

251  Duns  Scotus.  Johannes:  Scriptum  in  quattuor  libros  sententianim. 
Venetiis.  Johannes  de  Colonia  et  Johannes  Manthen  de  Gerretzem,  1477 — 78. 
4  Bde.     2°. 

Hain- Geringer  '"6416. 

Wiesbaden  LB :    Nur  Bd  i  vorhanden,  Bl  245  bis  261  fehlen.     {Aus  Eberbach.) 

252  Duranti,  Guilelmus:  Rationale  divinorum  officiorum.  [Argentinae, 
Georg.  Husner],  s.  a.     2°. 

Hain-Cofinger  *646s.     [mit  dem  bei  Hain  angeg.  Druckfehler).     Praetor  j6/. 
Limburg.     {Aus  Limburg.) 

253  Duranti,  Guilelmus:  Rationale  divinorum  officiorum.  Argentinae. 
[typogr.  Jordani  de  QuetUinburg  a.  1483],  1493.     2^ 

Hain- Cjpinger  '6 4g 6.     Proctor  626. 
Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

254  Duranti,  Guilelmus:  Rationale  divinorum  officiorum.  Basileae, 
Nicolaus  Kesler,  1488.     2". 

Hain-Cofinger  ''64g^. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Höchst.) 

255  D  u  r  a  n  t  i ,  Guilelmus :  Rationale  divinorum  officiorum.  Norimbergae, 
Antonius  Koberger,  1481.     2°. 

Hain  *64<9_S- 

Wiesbaden  LB.     (Aus  Manenstatt.) 

256  Duranti,  Guilebnus:  Rationale  divinorum  officiorum.    s.  1.  t.  a.   2°. 

Hain  "646^. 

360  Bl,  das  erste  Bl  leer. 

Herbom  16/2:    2  Exemplare.     (Aus  Rommersdorf  und  Herbom  HSch.) 

'1^1  Duranti,  Guilelmus;  Speculum  iudiciale.  Argentinae,  Georgius 
Husner  et  Johannes  Bekenhub,  1473.     2°. 

Hain  *6^o6. 

Am    Ende  fehä  ein  Blatt. 

IVeilburg.     {Aus  Rommersdorf.) 


—     33     — 

258  Ebrardus,  ülricus:    Modus  latinitatis.    s.  1.,  t.,  a.     4^ 

Hain  *6S3S. 

Limburg.     [Aus  Limburg.) 

Elegantiarum  viginti  praecepta  s.  Aegidius  Suchtelensis. 

259  Elimandus:  Gesta  Romanoruin.  [Argentinae,  Johannes  GrÜDin-^erl 
1488.     2\  "    ■■' 

Hain-Copingfr  *//4S-     Praetor  450. 
Weüburg.     [Aus  Rommersdcr/.) 

260  Elimandus:  Gesta  Romanorum.    s.  1.,  t,  a.     2". 

Copinger  11,  i,  2/i/.      Vouliieme  40/. 
Bl  CIX  ist  handschr.  ergänzt. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Notgottes.) 

261  Ephrem  Syrus:   De  compunctione  cordis,  de  iudicio  dei  et  resur- 
rectione.     [Basileae,  Jacobus  WolÖ],  s.  a.     2°. 

Bain- Copinger  *6ßg/.     Praetor  //IT. 
Weüburg.     [Aus  Deutz.) 

262  Eucherius:    Libellus  de  contemptu  mundi  cultuque  dei.    [ZwoUis, 
Tymannus  Petri  de  Os,  c.  1497].     4". 

Campbell  /Og.     Hain- Copinger  66 g2? 

Der   Titelholzschnitt  stellt  einen  Bischof,  der  Holzschnitt  auf  Bl  ib  Christus  dar,  auf  dem  Spruch- 
band des  letzteren:    salvator  mundi  salua  nos. 

Limburg.     [Aus  Limburg.) 

263  Eusebius:  De  praeparatione  evangelica  Georgio  Trapezuntio  inter- 
prete.     Tarvisii.  Äüchael  Manzolinus,  1480.     2*^. 

Hain-Copinger  *6/02. 
Limburg.     [Aus  Notgottes.) 

264  Eusebius:  Epistola  ad  Damasum  de  morte  Hieronymi  etc.  [Coloniae, 
Ulricus  Zell],  s.  a.     4°. 

Hain-Copinger  *6/ig.     Praetor  868  u.  862. 
Limburg. 

265  Eusebius:  Historia  ecclesiastica  latine  interprete  Ruffino.   [Argen- 
tinae, Henr.  EggesteynJ,  s.  a.     2". 

Hain  *6/o8.     Praetor  28g. 
Limburg.     [Aus  Höchst.) 

266  Evangelien  und  Episteln.   Strassburg,  Hans  Grüninger,  1500.   2°. 

Hain  *6/4/. 

Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

267  Exhortatio  de  celebratione  missae  per  modum  dialogi  inter  pouti- 
ficem  et  sacerdotem.     [Esslingae,  Conradus  Fyner],  1473.     4*^. 

Hain-Copinger  *6//3.     Praetor  245/. 

Das  erste  und  die  zwei  letzten  Bl  fehlest,  sind  handschriftlich  ergänzt. 

Limburg.     [Aus  Natgottes,  vorher  in  Johannisberg) 


—     34     — 

268  Exhortationes  novitiorum,  colloquium  Jesu  cum  puero  editum 
a  Dionysiü  Carthusiensi.  colloquium  Jesu  et  senis.  de  iudicio  mortis  et  variis 
eius  casibus.     Daventriae.  Richardus  Patraet,  1491.     4^ 

Hain-Copinger  5///.      Campbdi  /Tg. 

In   Campbells  Beschreibung  muss   es  statt  F  i6  heissen  F  ib,  femer  steht  Bl  J4b    Z  2  dyonisio 
und  nicht  dijonisio.     Dit  ru.>ei  letzten  Blätter  fehlen  in  diesem  Exemplar. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

Expositio  hymnorum  s.  Hymnarius. 

269  Farinator,  Matthias:  Lumen  animae  s.  über  moralitatum.  [Argen- 
tinae.  typogr.  Legendae  aureae  a.  1481],  1482.     2°. 

Hain-Cypingtr  *lOS33-     Proäor  413. 
Limburg. 

Earrago  s.  Hegius,  A. 

Fasciculus  temporum  s.  Rolevinck,  Werner. 

270  Felicianus:  Tractatus  de  divina  Providentia.  [Spirae,  Johanneset 
Conradus  Hist],  s.  a.     4°. 

Hain  "ög^l.     Praetor  2416. 
WeÜburg. 

Ferrariis  s.  Johannes  Petrus  de  Ferrariis. 
Ferrerius  s.  Vincentius  Ferrerius. 

271  Fi  ein  US,  Marsilius:  De  -sita  triplice.  [Basileae,  Johannes  de 
Amerbach],  s.  a.    4". 

Hain-Copinger  */o6j.     Praetor  76^0. 
Weilburg.     {Notgottes,  vorher  in  Johannesberg.) 

F  0  r  m  u  1  a  vivendi  canonicorum  s.  Rolevinck,  Werner. 
Friburgensis  s.  Johannes  Frihurgensis. 

272  Fusigna,  Jacobus:  Libellus  artis  praedicationis.  Acced.  über  de 
arte  bene  moriendi  et  canones  poenitentiales.  [Coloniae,  Bartholomaeus  de 
Unckel,  c.  1476.]     2\ 

Bl  laa:  Incipit  libellus  artis  pdica'  cionis  opositus  a  fratre  iacobo  ||  fusingnam  ordinis 
frat?  pdi-  catorum.  ;  etc.  Bl  22 a^  ZI  2g:  Et  sie  est  finis  libelli  J  de  arte  pdicandi  |!  <r/r. 
Bl  220(1  Incipit  pherniü  de  arte  be Jne  moriendi  !|  etc.  Bl 320^  ZI 30:  Explicit  liber  de  ar-||te 
bene  moriendi.  ,  Et  sie  est  finis.  Bl 32ba:  ()T  saeerdos  cauci9  ,]  in  speciali  circa  peni|  tecias 
arbitret  No  'tädi  süt  casus  in  q-Ubs  p  canöes  certe  pe|]ne  etc.  Bl  36 aa  ZI  22:  Expliciüt 
canones  pniales. 

36  Bl  ohne  Sign,  2  Spalten,  38  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine  Schriftgrösse. 

Hain  /3gg. 

Limburg. 

Gallensis  s.  Johannes  Gallensis. 

273  G  a  1 1  u s  abbas  Cisterciensis :  Dialogus  Malogranatum  dictus.  [Coloniae, 
Ludovicus  de  Renchen?],  1487.     2''. 

Bl  J/ — 40  fehUn,  di^  benachbarten  Blätter  sind  durch  Brand  beschädigt. 

Hain-Copinger  */4£i.     Praetor  12/ g. 

Wiesbaden  LB.     (.4us  Limburg,  vorher  in   Gronau) 


—     35    — 

Geminiano  s.  Johannes  de  S.  Geminiano. 
Gemma  vocabulorum  s.  Yocabularius. 

274  Georgius  de  Ungaria:  Tractatus  de  moribus  Turcorum.  [Urachi, 
Conradus  Fyner,  c.  1480.]     4P. 

Bl  2  a  grosse  Hohschnittinitiale  I. 

Hain-Copinger  *l^6/2.     Procior  2822. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgoties,  vorher  in  yohannisberg.) 

275  Gerardus  deElten:  Declaratio  modi  et  formae  venditionis  ac  emtionis 
redituum  perpetuorum  et  vitalium.  [Coloniae,  Arnoldus  terHoeruen,  c.  1475.]  2*^. 

Das  Zeilenzeichen  in  der  vorletzten  Zeile  am  Ende  zwischen  quorücüc^  und  saniorü  ist  bei  Hain 
irrtümlich  gesetzt. 

Hain-Copinger  *6o66.     Praetor  g6£. 
Limburg. 

276  Gerardus  de  Yliederhoven:  Cordiale  quattuor  novissimorum. 
Coloniae,  Henr.  Quentell,  1492.    4o. 

Hain-Copinger  *£/o/. 
Bl  I  fehU. 
Limburg. 

^11  Gerardus  de  Vliederhoven:  Cordiale  quattuor  novissimorum. 
Daventriae,  Jacobus  de  Breda,  [c.  1491.]     4^. 

Hain-Copinger  36g/.     Campbell  IJ06. 
Limburg.     [Aus  Amstein.) 

278  Gerardus  de  Vliederhoven:  Cordiale  quattuor  novissimorum. 
Daventriae,  Richardus  Pafraet,  1494.    4o. 

Hain-Copinger  *£/o8. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Marienstatt.) 

279  Gerardus  de  Zutphania:  Tractatus  de  spiritualibus  ascensionibus. 
Acc.  Meditationes  de  vita  et  beneficiis  Jesu  Christi  cum  gratiarum  actione.  — 
Horologium  devotionis  circa  vitam  Christi.  [Argentinae,  Johannes  Pryss,  1495]. 
kl.  80. 

Hain-Copinger  *  162g 4  ist  nur  ein  Teil  des  Druckes.  Es  gehören  dazu  ferner  die  bei  Copinger  // 
/,  3g54  und  Hain  *8g2g  aufgeführten  Drucke. 

Copinger  zu  Hain  *i62g4  irrt,  wenn  er  sagt,  dass  Bl  I  leer  sei.  Es  sind  104  Bh  davon  ent- 
hält das  erste  Bl  den  TUel ,  wie  es  Hain  richtig  angiebt.  Alsdann  setzt  si^h  der  Druck  folgender- 
massen  fort: 

BlioSa  Tüel:  De  vita  t  beneficijs  \\  saluatoris  Jesu  chrillsti  deuotissime  medi  tationes 
cum  gratialirum  actione.  Bl  105b  leer.  Bl  io6a  [Sign  Ö,].-  Prefatio.  (I  desideras  pfecte 
munda'yia  vitijs/  si  nobiliter  dita-;  ri  in  vtutibus/  si  altissime  il  luminari  in  jcptur  /  si 
gl'io  jse  triüphare  de  inimic]  si  co  piose  asolari  in  aduerb:  etc.  Bl  216a  ZI  15 :  cü  ipo  resurgas 
in  gloria.  Amen  [,  Laus  deo.  Bl  216b  leer.  —  Dann  folgt:  Bl  21;^ a  TUel:  Horologium  deuoti|| 
onis  circa  vitam  xpi  vgl.  Hain  *8g2g.     Bl  J04  leer. 

304  Bl  [Sign  A—Z,  Aa—Pp^\,  23  und  24  Zeilen,  goth.  Schrifl,    Titel  in  grosserer  Schrift. 

Wiesbaden  LB. 

3* 


—     36     — 

280  Gerson,    Johannes:     Opera.     Argentinae,    Martinas   Flach,    1494. 
3  ßde     20. 

Hain-Ccpinger  *^62£, 

Herbem  2442I244J:  Bd  1  mit  Imtntarium  u.  Bd  J.     {Aus  Herbom  HSch.) 

281  Gerson,  Johannes:  Opera.  [Argentinae,  Joh.  Pryss],  1488.  3  Bde  2o. 

Hiim-Cofinger  ^^622.      Prcxtor  £24 — 53^- 

Limburg:    Bd  i. 

IViesbadtm  LB:    Bd  2  und  J.     {Aus  Schänau) 

282  Gerson,  Johannes:  Opera.   Coloniae,  Johannes  Koelhoff  de  Lübeck, 
1483.     4  Bde     2^ 

Hjin-Cjpinger  /621. 

Limburg:  nur  Bd  2.     {Aus  Hadamar,') 

283  Gerson,  Johannes:  Opera.   [Norimbergae.  Georg.  Stuchs  de  Sulz- 
bach], 1489.     40. 

Hain-Copinger  "^62^.     Praetor  226J. 

IViesbadtn  LB :    Bd  1  mit  Inventarium.     {Aus  Schönau.) 

284  Gerson,   Johannes:    Conclusiones   de   diversis   materiis   moralibus. 
[Coloniae,  Ulr.  Zell],  s.  a.     4». 

Hain  */6jg.     Proctor  86g. 
WUsbaden  LB. 

285  Gerson,  Johannes:  De  cognitione  castitatis  et  pollutionibus  diurnis. 
[Coloniae,  Ulr.  Zell],  s.  a.     4». 

Hain  ^/6go.     Prodor  80/ . 
IVUsbaäin  LB. 

286  Gerson,    Johannes:    De    custodia  linguae.     [Coloniae,   Ulr.  Zell], 
s.  a.     40. 

Bl  la  ZI  I  steht  in  diesem  Exemplar:   Incipit  Nöbilis  questio  de  Custodia  ligue  [!] 
Hain   */683,   nicht  */682.     Proctor  834. 
IVUsbaden  LB. 

287  Gerson,  Johannes:  De  efficacia  orationis  ^/^.    [Coloniae,  Ulr.  Zell], 

s.  a.     40. 

Hain  */68/.     Proctor  8j£. 
Wiesbaden  LB. 

288  Gerson,     .Johannes:      De    laude    scriptorum.      [Coloniae,    typogr. 
Augustiui  de  tide],  s.  a.     4^. 

Hain-Copinger  */688.     Proctor  lOg/. 
WUsbaden  LB. 

289  Gerson,  Johannes:  De  mendicitate  spirituali.    [Coloniae,  Ulr.  Zell], 
s.  a.     40. 

Hain  */6/S.     Proctor  855. 

Herbom  in  2443''.     {Aus  Herbom  HSch.) 

290  Gerson,  Johannes:    De  passionibus  animae.     [Coloniae,  Ulr.  Zell], 
s.  a.     40. 

Bl  t  leer.     Bl  2a:    Incipit    tractatus    nobilis    de  passioni  'bus  ale.  venerabil'  mgri  J0I3. 
gerson.    !()Assionü  feruore  effectü  etc.     Bl  2^a:   Explicit    tractatus  notabil'  de  pa8sionij|bu8 


—     37     — 

aTe.  Ed:t9  a  mgro  Johäne  Gerson  H  Cäcellario  parisiensi  necn5  professore  !  sacre  theologie 
eximio.  Bl  j/b:  de  male  rndendo  caueant.  Malos  rumores  '  fU.  ist  verdruckt  ist  Bl  --Qb 
Bl  28a:  Incipit  tractatulus  bon9  eiusde  de  modo  viuendi  omniü  fideliü  |  etc.  Bljrb:  Expli- 
ciunt  regule  pulchre  eiusdem  de  (]  modo  viuendi  omnium  fidelium.     Bl  j3  Ucr. 

32  Bl  ohne  Signaturen,  27   Zeilen,  goth.  Schrift,  cwei  Schri/tgrössen. 

Herbom  12443  b.     [Aus  Herbom  HS  eh.) 

291  Gerson,  Johannes:    De  passionibus  animae.    [Coloniae,  ülr.  Zell], 
s.  a.     40. 

Hain  ^6/8  genügt,  nur  steht  Bl  i  [vielmehr  2]  a  ZI  i  passioibj  und  nicht  passiöib9.    33  Bl, 
Bl  I  und  32  sind  leer. 
Praetor  805. 
Wiesbaden  LB. 

292  Gerson,  Johannes:  De  pollutione  nocturna,  an  impediat  celebrantem 
vel  non.     [Coloniae.  Ulr.  Zell],  s.  a.     4o. 

Hain  *^6g6.     In  diesem  Exemplar  steht  Bl  la  Z  2:    JoÄ.     Praetor  83/. 
Wiesbaden  LB. 

293  Gerson,  Johannes:  De  remediis  contra  pusillanimitatem.   [Coloniae, 
Ulr.  Zell],  s.  a.     4o. 

Hain  *//05.     Praetor  838. 
Wiesbaden  LB. 

294  Gerson,  Johannes:  De  remediis  contra  pusillanimitatem.   [Coloniae, 
tjpogr.  Daretis],  s.  a.     4<^. 

Hain-Copinger  *//o6.     Praetor  gg6. 
Herborn  in  2443b.     {Aus  Herborn  HSch.)     • 

295  Gerson,  Johannes:    De  simonia  etc.     [Coloniae,   typogr.  Daretis], 
s.  a.     40. 

Hain-Copinger  '^/;ro8.     Prodor  gg/. 
Herbom  in  2443  b.     {Aus  Herbom  HSch.) 

296  Gerson,  Johannes:  De  simplificatione,  stabilitione  et  mundificatione 
cordis.     [Coloniae,  Ulr,  Zell],  s.  a.    4o. 

Hain-Copinger  */68l.     Praetor  8^3. 
Herbom  2443b.     (Aus  Herborn  HSch.) 

297  Gerson,  Johannes:    De  sollicitudine  ecclesiasticorum.     [Coloniae, 
Ulr.  ZeD],  s.  a.    4o. 

Hain-Copinger  */668.     Praetor  8/4. 
Wiesbaden  LB. 

Gerson,  Johannes:  Imitatio  Christi  s.  Thomas  a  Kempis. 

298  Gerson,   Johannes:    Opus  tripartitum  de  praeceptis  decalogi,    de 
confessione  et  de  arte  moriendi.     [Coloniae,  Ulr.  Zell],  1467.    4». 

Hain-Copinger  /'S 53.     Die  Beschreibung  Hains  genügt.     Praetor  804. 
Wusbaden  LB. 

Gesta  Romanorum  s.  Ehmandus. 


—     38     — 

299  Gouda,  Guilelmus:    Expositio  mysteriorum  missae  et  verus  modus 
rite  celebrandi.     Coloniae,  Heuricus  QueutelL  [l-tQOj.    -i^. 

Hain-Ciypinger  */836. 
IVustadtm  LB.     {Aus  Nottgottes,  vorher  in  Jchannisberg^ 

300  Gouda.  Guilelmus:   Expositio  mysteriorum  missae  et  verus  modus 
rite  celebrandi.     Coloniae,  [Henricus  Quentell],  s.  a.     4°. 

Hain  *-^828.     Praetor  1384. 
irürsiaJfTt  LB.     [Aus  Nctgottes.) 

301  Gratianus:     Decretum    cum    apparatu.      Argentinae,    Johannes 
Grüninger,  1484.     20. 

Hatn-Cofinger  */goi. 

Der  Kaufpreis  des  Buches  sammt  Martini  Margarita  betrug  nach  handschriftlicher  (75.  J.)  Notiz 
auf  dem  inneren    Vorderdeckel  3  ß.  u.  6  Allnts. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Eberbach.) 

302  Gratianus:     Decretum    cum    apparatu.      Argentinae,    [Jobannes 
Grüninger],  1489.     2o. 

Hain-Copinger  *790/.     Praetor  452. 
Unünirg:  3  Exemplare. 

303  Gratianus:     Decretum    cum    apparatu.      Argentinae,    [Johannes 
Grüninger],  1490.     2». 

Hain-Copinger*  ;^gog.  Hain:  quadringentesitno  (jtr)  j(7^/4<!Tfj<wqnadringentesimo.  Praetor  45^. 
Wiesbaden  LB :    2  Exemplare,  davon  eines  aus  Linz. 

304  Gratianus:  Decretum  cum  apparatu.   Basileae,  Michael  Wenssler, 

1481.  20. 

Hain  */8gS- 
Herbom  P   VI  I02. 

305  Gratianus:  Decretum  cum  apparatu.   Basileae,  IMichael  Wenssler, 

1482.  20. 

Hain-Copinger  */8g6. 
Limburg  und   Wiesbaden  LB. 

306  Gratianus:  Decretum  cum  apparatu.   Venetiis,  Baptista  de  Tortis, 
1496.     20. 

Hain  *pgi5. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes) 

307  Gratianus:   Decretum  cum  apparatu.     Venetiis,  Nicolaus  Jenson, 
1477.     20. 

Hain-Copinger  /8gO. 

Auf  Bl  2  {Sign  at\  über  den  Anfang  des  Textes  schöne  Miniatur,  die  Überreichung  der  Dekretalen- 
Sammlung  durch   Gratian  an  den  Papst  Eugen  darstellend;  ausserdem  schone  gemalte  Initiale  H. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Deutt.) 

308  Gratianus:  Decretum  cum  apparatu.   Venetiis,  Petnis  [de  Piasiis] 
Cremonensis  dictus  Veronensis,  1483.     4o. 

Hain-Copinger  *^goO. 
Limburg.     {Aus  Hadamar.) 


—     39     — 

.'509     Gregorius     Magnus:      Commentum     super    cantica     canticorum. 
[Coloniae,  ülr.  Zell,  c.  1473].     2o. 

Hain-Ciypingtr  */g3/.      VoidlUme  ^/p.     Praetor  8g 4. 
Limburg. 

310  Gregorius  Magnus:  Dialogorum  libri  quattuor.  [Argentinae, 
Jacobus  Eber],  s.  a.     4». 

Hain-Copinger  */gS9-     Praetor  ^Og. 
Herbem  NX  J.     (Aus  Limburg.) 

311  Gregorius  Magnus:  Dialogorum  libri  quattuor.  Coloniae,  ßartho- 
lomaeus  de  Unckel,  [1480.]     4o. 

Hain-Copinger  */g62. 
Limburg.     (Aus  Sayn.) 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgoties.') 

312  Gregorius  Magnus:  Dialogorum  libri  quattuor.  [Coloniae,  Ulr. 
Zell,  c.  1473]. 

Bl  laa:  ()stoy  libro^  ctuor  dyalolgoy  beati  gregorij  pape  |  in  hoc  cösistit  efrect9 
compedio  ;se  cöscriptus  q.  pm9  j  tertig  de  jdiuersis  virtutibj  :  miracuf  scö  rü  tractant  etc. 
ßl  2aa:  ()Vadam  die  dum  ni  |mis  quorüdam  secu  jlariü  tumultibus  de  pssus  etc.  Bl  8iba  Z  ij: 
Explicit  liber  quartus  dya||logoruin  gregorij. 

8l  Bl  ohne  Signaturen,  2  Spalten,  J/  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine  Schrift  grosse. 
Limburg.     [Aus  Notgottes.) 

313  Gregorius  Magnus:  Dialogorum  libri  quattuor.  Parisiis,  Udalricus 
Gering  et  Bertholdus  Rembolt,  1494.    4o. 

Hain-Copinger  */g64. 

Herbom  1/8/.     [Aus  Herbom  HSch.) 

314  Gregorius  Magnus:  Explanatio  in  Septem  psalmos  poenitentiales. 
Moguntiae,  Jacobus  Meydenbach,  1495.     4». 

Hain-Copinger  */g4i. 

Limburg:    2  Exemplare,  das  eine  aus  Limburg.     Im  anderen  Ex.  fehlt  Bl  i. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Notgottes.) 

315  Gregorius  Magnus:  Moralia  s.  expositio  in  Jobum.  Basileae, 
Nicolaus  Kesler,  1496.     2». 

Hain-Copinger  */gS4. 

Wiesbaden  LB :    2  Exemplare,  davon  das  eine  aus  NotgotUs. 

316  Gregorius"  Magnus:  Moralia  s.  expositio  in  Jobum.  [Coloniae, 
Conradus  Winters  de  Homburg,  1475].     2o. 

Hain-Copinger  */g2/.     Praetor  11//. 
Limburg.     (Aus  Deutz.) 

317  Gregorius  Magnus:  Pastorale  s.  Regula  pastoralis.  [Coloniae, 
Ulr.  Zell,  1472].     4o. 

Hain-Copinger  */g8l.     Praetor  851. 
Limburg:    2  Exemplare. 


—     40     — 

318  Gregorius  Magnus:  Pastorale  s.  regula  pastoralis.  Venetiis, 
Hieronymus  de  Paganinis  Brixiensis,  1492.     4". 

Hain-Cofingfr  *-g86. 
Limburg.     [Aus  NoigoCtes.) 

319  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Norim- 
bergae,  Antonius  Koberger,  1482.     2". 

Hiiin-C.'finger  *8oi4. 

Umburg:    2  Exemplare,  davon  das  eine  aus  Deutz. 

Wiesbaden  LB. 

320  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  (juinque  cum  glossa.  Norimbergae, 
Antonius  Koberger,  1493.     2^. 

Hdin-Copinger  *8ojO- 

Limburg:    2  Exemplare.     [Aus  Rommersdorf  und  Sayn.) 

321  Gregorius  IX:  DecretaHum  libri  quinque  cum  glossa.  Spirae, 
Petrus  Drach,  1492.     2«. 

Hain-Copinger  *8028.     2^4  Bl,  Bl  2/4  leer. 
Limburg. 

322  Gregorius:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Venetiis, 
Bartholomaeus  de  Blavis  de  Alexandria,  Andreas  de  Torresanis  de  Asula, 
Maphaeus  de  Paterbonis  de  Salodio  socii,  1482.     4o. 

Hain-Copinger  *8oi^. 
Limburg.     [Aus  J/adamar.) 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Montabaur.) 

323  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Venetiis, 
Baptista  de  Tortis,  1491.     2«. 

Hain  *8o26. 

Das  Exemplar  ist  dadurrh  verstümmelt,  dass  Blätter  zu  Anfang  jedes  Buches  und  am  Ende  ohne 
Zweifel  -jjegen  der  auf  ihnen  enthaltenen  Initialen  herausgerissen  sind. 
Wiesbaden  LB. 

324  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Venetiis, 
Baptista  de  Tortis,  1500.     2o. 

Hain  *Sosg. 
Wusbaden  LB. 

325  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Venetiis, 
Johannes  Herbort,  1481.     2o. 

Bl  21  ist  auf  Pergament  handschriftlich  ergänzt. 
Hain-Copinger  *8oiI. 
Wiesbaden  LB. 

326  Gregorius  IX:  Decretalium  libri  quinque  cum  glossa.  Venetiis, 
Paganinus  de  Paganinis  Brixiensis,  1489.     2'>. 

Hain  *8o24. 
Limburg.     [Aus  Deutz.) 

327  Gritsch,  Johannes:  Quadragesimale.  Coloniae,  Henricus  Quentell, 
1481.     20. 

Hcun-Copinger  *8o68. 
Wiesbaden  LB. 


—     41     — 

328  Gritsch,    Johannes:     Quadragesimale.      Norimbergae,    Antonius 
Koberger,  1479.     S«. 

Hain  "So 66. 

Herbom  ig  6 8.     {Aus  Umburg.) 

329  Guido    de    ßajsio:     Rosarium    decretonim.      Venetiis,    Johannes 
Herbort,  1481.     2o. 

Hain  *2/T/.     Pellechet  2014. 
Umburg.     (Aus  Limburg.) 

330  Guido  de  Columna:  Historia  Troiana.  [Argentinae,  typogr.  ritarum 
patriun  a.  1483],  s.  a.     20. 

Hain  *S503.     Praetor  42g. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Notgottes.) 

331  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  cui-atonira.  Argentinae, 
[Martinus  Flach],  1487.     4». 

Bl  la  Tüel:  Manipulus  curatorü.  ||  officia  sacerdotuj  scd'm  ;|  ordine  septe  sacrametoy  |; 
perbreuiter  oplect^s.  Bl  ib  leer.  Bl  2a  [Sign  a^j  beginnt  die  Tabula;  die  Bl  jb  endigt.  Bl  4 
[Sign  a4]  Adoris  epistola.  Bl  5 b  beginnt  der  Text:  Tractatus  primus  de  ,,  sacramentis  in 
generali.  Et  habj  tria  capitula.  ||  etc.  Bl  121a  Z  24:  Hec  circa  officiü  curatorü  breuiter 
a  me  pstricta  sunt  ||  etc...  Hec  in-  sup  exarata  sunt  in  famosa  ciuitate  Argentinensiü. 
Anino  diii.  M.  cccc.  Ixxxvij.  x.  die  mensis  Maij.  Bl  121b:  De  conditöibus  requi  aitis  in 
sumente  eucharistie  sacramentü.  Das  Werk  endigt  auf  dieser  Seite  mit  Z  jj:  Pontificem  sup 
hijs  semp  dicendis  adibis.     Bl  122  leer. 

J22  Bl  mU  Sign  [d— <?4,  /Sj,  J7  Zeüen,  goth.  Schriß,  zwei  Schriftgrössen. 

Hain-Copinger  8 ig 4.     Praetor  6;ri. 

Herborn  P  i^  36.     (Aus  Herbom  HSck.) 

332  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  curatonim.  Argentinae, 
s.  t.,  1493.     40. 

Bl  la  TU.:  Manipulus  curatoy  offi|;cia  sacerdotum  bm  ordijnem  Septem  sacramento-!| 
rum  perbreuiter  comple:|ctens.  Bl  ib  leer.  Bl  2  u.  3  enthält  die  Tabula.  Bl  4  {Sign  a  4]: 
Incipit  feliciter  doctissimi  \\  ac  famosissimi  viri  dni  Guidonis  de  möte  Rotherij  liber.  \  Mani- 
PUI9  curatoy  vulgarit'  appellat.  in  q  p  necessaria  of  ficia  eoy  q'bo  cura  animay  omissa  est 
bm  septe^sacramentoy  j]  ordine  breuiter  ptractant'  Actoris  epistola  |  \x)  Euerendo  in  christo  \ 
pri  ac  dno  dfio  Richarde  diuia  prouiden  jtia  etc.  Bl  iiob  Z  34:  pces  ad  deü  fidelit'  fundat. 
Hec  insup  exarata  süt  in  famosa  !|  ciuitate  Argen.  Anno  dni.  M.  cccc.  xciij.  Bl  iiia:  De 
cöditionibus  requisitis  |!  in  sumente  eucharistie  sacrm  Z  24:  Casus  episcopales  patent  in 
his  versiba.  Es  folgen  6  versus.     Bl  iiib  u.  112  leer. 

112   Bl  mU  Sign   [a—c  egi In p ^^,  fkkmo^,  dri]  55  Zeiün,  goth.  Sehriß,  2  Schriftgrössen, 

Copinger  II,  i,  2845. 

Limburg.     (Aus  Hadamar.) 

333  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  curatorum.  Argentinae, 
8.  t.,  1493.    40. 

Hain-Copinger  ^8205. 
Weüburg     (Aus  Höchst.) 

334  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  curatorum.  Coloniae,  Barthol. 
de  Unckel,  1476.     2o. 

Bl  laa:  [JEuerendo  in  xpo  \\  patri  ac  dno  dno  '  raymüdo  diuina  puidentia  sancte  'I 
valentie  sedis  epi,scopo  Suo^  deuotoy  mim9  guido  d'  möte  rotherij  cü  deuota  :  humili 
recömedatione  sc  totü  i|  suis  obseqis  mäcipatü-  etc.  Bl  lafi  Z  35:  Incipit  prologus  in  librum 
q  i|dicitur   manipulus   curatorum  \\  Bl  2aa   Z  21:  Incipit   libellus    q  d'r  manipu-J  lus  curatoy 


—     42     — 

qui  hx  tres  ptes  et<r.  Fi  go6^  Z  2^:  Explicit  manipulus  curatorü  libellus  vtilis  ac  sacer- 
dotibD  p  necessarius  impssus  aute  colo  nie  p  bartholomeü  de  vnckel.  ad  laude  dei  :  ad 
vtilitatem  ec  clesie  sue  sancte  i  Anno  dni  millesimo  qdringen  tesimoseptuagesimo  sexto  in 
vi  gilia  palmaif  Bl  lOOaa:  Incipit  tabula  siue  registrü  |  manipuli  curato^^  ßl  loob^  am 
Ende:  Explicit  tabula      Et  sie   est  finis    ,  Deo  gracias    •:• 

JOO  ßl  ohne  Signaturin,  2  Spa'.Un,  ^8  Znien,  goth.  Schrift,  eine  Sckri/tgrösse. 

Hain-Qypinger  81/ £. 
Limburg. 

335  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  curatorum.  Coloniae,  Hen- 
ricus  Quentell,  s.  a.     2'\ 

ßl  ra  [Si^  a  i]  Z  i:  [leuerendo  in  xpo  patri  ac  domi  no:  dno  Raymundo  diuina  pui- 
dentia  sce  valentie  sedis  episcopo  Suorum  deuotoy  j  minimus  guido  de  monte  rotherij  cuj 
deuo  ta  et  humili  recommendatione  se  totü  suis  |1  obsequijs  mancipatum.  e/c  Bl  2a  \Sign 
a2\  Z  10:  Explicit  :  plog9.  Incipit  libell9  q  d'r  maipulg  curatoy  q  h^  tres  ptes  '  eU.  Bl  /j6a 
Z  22:  Hie  curatorum  manipulus:  p  ecclesie  curä  et  regimen  presertim  gerentibus  humili 
8ti  lo  compilatus:  per  Hinricum  quentel  Colo,|nie  impressus.  Admissus  ab  alma  vniuersi-H 
täte  Colonien.  et  aflibatus :  finit  feliciter. 

136  Bl  mit  Stgn  [a—mi,  «4,  ^4],  38  Zeilen,  goth.  Schrift,  2  Schrißgrössen. 

Hain  8l6g  ? 

Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

336  Guido  de  Monte  Rochen:  Manipulus  curatorum.  Acc.  Jacobus 
Fusigna,  libellus  artis  praedicatiouis.  —  De  arte  bene  moriendi.    s.  l.,  t.,  a.    2"\ 

Hain  '8162. 

Bl  1055^  Z  36:  humili  stilo  compilat9.     Et  modus  siue  !|  106  Bl  [Bl  106  leer.) 

Limburg.     [Aus  Amstein.) 

337  Guilelmus  de  Gouda:  Tractatus  de  expositione  missae.  Daven- 
triae,  Richardus  Pafraet,  s.  a.     4". 

Bl  2gb  Z  24  steht  richtig  obseruätia  und  nicht  wie  bei  Campbell  obseruätie. 
Hain-Copinger  ^821.     Campbell  888. 
Limburg.     [Amstein.) 

338  Guilelmus  de  Ockam:  Dialogus  inter  clericum  et  militem  super 
dignitate  papali  et  regia.     [Coloniae,  Gosw.  Gopsj,  1475.     4''. 

Bl  la:  Disputacio  Iter  clericum  et  milite  sup  potesta||te  prelatis  ecclesie  atcy  prin- 
cipib}  terrae  com  missa  sub  forma  dyalogi  incipit  feliciter.  Bl  13b  Z  10:  Et  sie  est  finis. 
ßl  14a:  Cöpendium  de  vita  anticristi  incipit  feliciter  |  Bl  16 b  Z  23:  Explicit  opendiü  de 
vi|,ta  anticristi  sub  Anno  ]^ni.     M.  cccc.  Ixxv. 

Im    Übrigen  s.  Hain-Copinger  6jl/.     Praetor  I135. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

339  Guilelmus  de  Ockam:  Dialogus  inter  clericum  et  militem  super 
dignitate  papali  et  regia.     Coloniae,  Henricus  Quentell,  [149  .j.    4'\ 

Hain-Copinger  *6ll£. 
IViesbaden  LB.     [Aus  Amstein.) 

340  Guilelmus  de  Ockam:  Dialogus  inter  clericum  et  militem  super 
dignitate  päpaü  et  regia.     [Daventriae,  Richard  Pafraet],  1491.     40. 

Hain-Copinger  *6iig. 

Limburg,     [Aus  Nothgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 


—     43     — 

341  Guilelraus  de  Ockam:  Quaestiones  et  decisiones  in  .[uattuor  libros 
sententiarum  cum  centilogio  theologico.   Lugduni,  Johannes  Trechsel,  1495.   2«. 

Hain-  Copinger  *iig42. 
Limburg.     {Aus  Ebfrbach.) 

342  Guilelmus  de  Ockam:  Quodlibeta  septera.  Argentinae,  [typogr. 
Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1491.     2». 

Hain- Copinger  *iig4i.     Praetor  66 1. 
Limburg.     {Aus  Eberbach.') 

343  Gui  Herrn  US :  Postilla  super  epistolas  et  evangelia.  Argentinae, 
[typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1485.     2». 

Hain  *S262.     Praetor  ^g4. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 

344  Guillermus:  Postilla  super  epistolas  et  evangelia.  Argentinae, 
[typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1490.     2». 

Hain  *82/2.     Praetor  6^/. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Notgottes.) 

345  Guillermus:  Postilla  super  epistolas  et  evangelia.    Coloniae   s  t 
1482.     20. 

Blia  leer.  Bliba  Z  i:  [jltam  bona  et  exitü  beatü  !|  Ego  frat'  gwillerm9  sacre  the  ologie 
pfessor  etc.  Bl  ibß  Z  jj;  Epistola^^  i  euägelio^«  de  te^Ipore  et  aanctis  über  incipit.  Bl  123a 
\n.  CXXijJ  ß:  Postille  sup  Epistolas  et  EuägeHlia  dScales  etc.  collecte  p  religiosü  patrem 
fratrem  |i  Gwillermü  theologü  eximiü:  magiijstrum  Parisiensem.  nouissime  imps  [se  äno  salutis 
millesimo  quadringelltesimo  octuagesimo  secundo:  decimo-,  septimo  kal'.  Augusti:  finiüt 
felicit'  II  in  sancta  Colonia:  Es  folgt  du  Tabula,  Bl  125b  {n.  CXXv]  ß  Z  jp;  ExpUcit  tabula  euan-Ü 
geliorum  et   |  Epistolarum. 

125  Bl  numenrt  und  mit  Sign,  2  Spalten,  4g  Zeilen,  got/i.  Schrift,  j  Sehriftgrössen. 

Ln  der  Blattzählung  zwei  Fehler:  LXiüj  statt  L  Vi  und  XCVH  statt  Ciü.  Bl  84  und  85  sind 
handschriftlieh  ergänzt. 

Limburg.     {Aus  Limburg.) 

346  Guillermus:  Postilla  super  epistolas  et  evangelia.  Coloniae, 
Henricus  Quentell,  1494.    4o. 

Hain-Copinger  *8285. 

Limburg:    2  Exemplare.     {Aus  Amstein  und  Hadamar.) 

347  Guillermus:  Postilla  super  epistolas  et  evangelia.  [Spirae,  Petrus 
Drach],  s.  a.    2o. 

Copinger  LI,  i,  2862.      Voullieme  £03. 

Bl  ib  endigt  die  erste  Zeile  hinter  Gvuillerinus. 

Herbom  in  16/2.     {Aus  Rommersdorf.) 

348  Guillermus:   Postilla  super  epistolas  et  evangelia.    s.  1.,  t..  a.     2". 

ßl  la  leer.  Bl  ib:  Eximij  doctissimicj  viri  fratris  Guillermi.  N.  Sacre  theologie  \  p- 
fessoris  parisiesis  Dignissimi  In  exposicöe.  Epl'ay  atcy  euä-  ]geliorum  p  circulum  anni  tä 
de  tpe  quam  d  Sanctis  occurren  jcium  Prologus  feliciter  incipit.  |,  [jltä  bona  i  exitü  beatü. 
Ego  frater.  Guillermus.  sacre  j|  theologie  pfessor  mim9  pisi9  educat9  Sacroy  cuägelio  rum 
etc.  Bl  6a:  EHgnissimi  supramemorati  doctoris.  In  epistolas  :  Euägelia  q  |l  p.  Anni  cir- 
culum in  sancta  dei  ecclesia  occurrunt:  Exposicio  ad  |  laudem  dei  feliciter  Incipit.  Bl  jgsb 
Z  II :  Explicit  postilla  sup  Euägelia  dnicalia  ;  sup  euägelia  de  säctis:  etc.  Z  jj;  Vin. 
i.  vinceci9  Raban9.     Et  sie  de  alijs: 

igz  Bl  ohne  Signat.,  j6  Zeilen,  goth.  Schrift,  eine  Sehrifigrösse. 

[Jmburg. 


—     44     — 

[Guillermus:    Postilla  super  epistolas   et   evangelia  de  tempore   et  de 
sanctis  et  pro  defiinctis.     s.  1..  t.,  a.     4'1] 

Hain-Ccfingtr  ''8241.     Ist  nach  Praetor  kein  Druck  des  1$.  Jahrhunderts. 
Limburg.     {Aus  Hadamar.) 

349  Guillermus  Parisiensis:  De  Septem  sacramentis.  [Moguntiae, 
Jac.  Meydenbach.  c.  1495].     4*^. 

Hain-Copinger  *8siO.      Procter  164. 
Wiesbaden  LB:    2  Exemplare.     {Aus  .Votgottes.) 

350  Guillermus  Parisiensis:  Rhetorica  divina.  [Basileae,  Joh.  Amer- 
bach,  1490.]     2o. 

Hain-Copinger  *8203.     Prjctor  /62J. 
WeiUmrg.     {Aus  Deutt.) 

Guillermus  Textor  de  Aquisgrano  s.  Textor. 

351  Haemmerlein,  Thomas:  Hortulus  rosarum  de  valle  lacrimarum. 
Basileae,  Johannes  Bergmann  de  Olpe,  1499.     8'\ 

Bl  la  Tuet:  Hortulus  rosarü  ;|  de  valle  lachryma-  rum  continens  egregias  :  deuotas  || 
sentecias  I /.j(99.  ,  Nihil  sine  causa,  j]  Olpe,  jj  Ode.  S.  Braut.  [!]  Ji  In  cömendatione  Hortuli 
Rosarü  Es  fy^gen  6  Strophen,  die  erste  auf  derselben  Seite,  die  anderen  auf  Bl  ib.  Bl  2a  {Sign 
a  ii\:  Incipit  Ortulus  rosay  de  valle  la-'!crimarum.  Es  folgen  die  Kapitelüberschriften.  Bl  3a 
{Sign  a  /»]  beginnt  Kap.  i:  [c]  Vm  sancto  sanct9  ||  eris:  j  cü  peruerso  ,j  peruerteris.  Atten|| 
de  diligenter  frater  ;|  etc.  Bl  ii^a  Z  8:  rectionem  \\  Hugonis  de  säcto  victore  opus-jcula  de 
studio  orädi:  &  de  tribus  '  dietis:  Basilee  opera  &  expensis  ;|  Johannis  Bergman  de  Olpe 
im-  pressa  finiunt  feliciter  Bl  115b:  Ad  gloriosam  vir'lgine  mariä:  ex  ver-(|bis  Apuleii 
Precatio.  S.  Brant.  Bl  ii/b:  In  laude  virginis  \\  gloriose  ex  vbis  beati  Bernardi  cla-|| 
reuallcnsis:  Salutatio  S.  Brant:  Bl  118 b  Z  13:  pfundum  j|  queat  inuestigare?  ||  149g.  |j  Nihil 
sine  causa:       Olpe.     Bl  iig  und  120  leer. 

120  Bl  mit  Sign  [a— p  4J  ig  Zeilen,  römische  und  goth.  Schrifl,  2  Schriftgrössen. 

Hain-Copinger  8g 3g. 

Wiesbaden  LB.     {Aus  iVotgottes.) 

Harentalis  s.  Petrus  de  Harentalis. 
Hassia  s.  Henricus  de  Hassia. 

352  Hegius,  A.:    Farrago.     Daventriae,  [Rieh.  Pafraet],  1495.     4'>. 

Campbell  /42. 
Wiesbaden  LB. 

353  Henricus  de  Hassia:  De  arte  praedicandi.  Argentinae,  Martinus 
Flach,  s.  a.     4o. 

Hain  *83g8.     Proctor  ^25. 
Wiesbaden  LB. 

354  Henricus  Hostiensis  de  Segusio:  Summa  in  quinc^ue  libros  decre- 
talium.     [Argentinae,   typogr.  Henrici  Ariminensis],   1478 — 1479.     2    Bde     2". 

Ham-Copinger  *8g62.     Bl  la  Z  3  steht  vulgariore  statt  vulgari. 
Wiesbaden  LB.     {Aus  Schlau.) 
Limburg.     {Aus  Rommersdorf.) 


—     45     — 

355  Herben,  Matthaeus:  De  constructione  substantivorum  in  simili  casu. 
s.  1.,  t.,  a.     4**. 

Bl  I  \leer?\  fehlt.  Bl  2a:  De  constructione  substantiuorum  in  simili  casu  ;  ()Eu8  pater. 
dei  pris:  deo  patri.  deü  prej.  :c.  |  ( lEus  filius.  dei  filij.  deo  filio.  dcum  filium.  et  cetera.  | 
(jEus  spiritussanctus.  dei  spüssäcti-  deo  spirituisctö.  |1  Papa  Innocentius.  pape  innocetij. 
pape  innocetio  ||  etc.  Bl  2jb  Z  12:  Dyasinthetica  per  Matheü  herben.  Rectorem  scholariu? 
beati  Seruatij  ex  eruditissimis  Grämatice  pfessoribus  Gua-,  rino  at<j  Nicoiao  perotto  Archie- 
piscopo  Sipontino  domino  j|  suo  extracta  desint  feliciter.     Bl  24  [leer i;\  fehlt. 

24  Bl  mit  Sigyt  [a  b  ^4]  ^g   Zeilen,  goth.  Schrift,  2  Schriftgrössen. 

Limburg.     [Aus  Limburg!) 

356  Hermannus  de  Schildis:  Speculum  sacerdotum.  Moguntiae,  s.  t, 
[c.  1480].    40. 

Hcun-Copinger  *l4£ig. 
Limburg.     [Aus  Limburg.) 

357  Hermannus  Torrentinus:  Opusculum  de  generibus  nominura,  de 
heteroclitis,  de  patron\Tnicis,  de  nominum  signiticationibus.     s.  1.,  t.,  a.     4^ 

Bl  la  Titel:  Hermäni  Torrentini  opu  sculum  perutiie.  [|  De  Generibus  nominum  De 
Heteroclitis  |  De  Patronymicis  [j  De  Nominü  significatöibus  Darunter  Holzschnitt  [die  Buchstaben : 
ihs  umgeben  von  den  Symbolen  der  vier  Evangelisten.)  Bl  ib:  C  Hermänus  Torrentinus  docto 
t  religioso  vi-j'ro  Joanni  vinsemio.  S.  Bl  2  a  [Sign  AijJ.-  C  De  generibus  nominü.  Caput 
pmum.  |]  {)Enera  noim  unt  [!]  sex.  masculinü.  femininü.  neutrü.  cöm-j|ne.  epicenum  :  omne.  etc. 
Bl  24a  Z  18 :  Zi^ania  grece  lolium  latine  herba  nocens  frumento.   ||  C  Et  sie  est  finis. 

24  Bl  mit  Sign  [A^  B^   C4  DA,  jg   Zeilen.     Goth.  Schrift.     Drei  Schriftgrössen. 

LJmburg.     [Aus  Limburg.) 

358  Herodotus:  Historiarum  libri  IX  interprete  Laurentio  Valla. 
Venetiis,  Johannes  et  Gregorius  de  Gregoriis,  1494.     2^. 

Hain-Copmger  *84/2. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Herbarn  HSch.) 

359  Herolt,  Johannes:  Liber  de  eruditione  Christi  fidelium.  [Argen- 
tinae,  Georgius  Husnerj,  s.  a.     2«. 

Hain  *8SI/-      Proctor  ^£/. 

Limburg.     [Aus  Notgottes,  vorher  in  yohannisberg.) 

360  Herolt,  Johannes:  Sermones  super  epistolas  dominicales.  [Argen- 
tinae,  Georg.  Husner],  s.  a.     2^. 

Hain  *8SlO.     Proctor  SS  8. 
Limburg.     [Aus  Hadamar.) 

361  Herolt,  Johannes:  Sermones  de  sanctis.  s.  1.,  t,  a.  [nicht  nach 
1489].     2^ 

Bl  I  leer.  Bl  2a  [Sign  a^]  a;  Incipit  Registrum  ||  breue  hui9  operis  bm  ordine?  al  pha- 
beti.  effect9  spealiores  cuiusli-|  bet  sermonis  breuissime  indicäs.  ||  ()Ndreas  noue  habet 
puilegia.  bmöe  |j  etc.  Bl  6a  leer.  Bl  fa  {Sign  b  i\:  Incipiüt  sermones  discipuli  de  sanctis 
per  an  |ni  circulü  In  quorü  quolib^  tria  deducunt'  mebra  ,  Sequitur  Prologus  In  eosdem  , 
OAudate  dominü  \  sanctis  eius  psal.  cl.  |!  etc.  Bl  ii2b  Z  31:  nunc?  vel  raro  audiuit  integram 
missam  vel  sermonem.  hoc  qre  in  pm-jlptuario.  xlvi.  m.  Expliciüt  Sermöes  discipuli  de 
scis  p  äni  circulü. 

112  Bl  [Sign  ai,  d—i\  k~l5,  m—n',,  ol],  J/  und  38  Zeilen,  goth.  Schrift,  zwei  Schriftgrössen. 

Der  Rubrikator  hat  am  Ende  die  Jahreszahl  148g  vermerkt. 

Wiesbaden  LB.      {.Aus  Sc/ionau.) 


—     46     — 

362  Herolt,  Johannes:    Sermones   de  tempore.     [Coloniae,  Ulr.  Zell], 
1478.     20. 

Hain-Ciypinger  84/g. 

Limburg:    2  Exemplare.     {Aus  Rammersdorff  und  aus  HaJamar.)    Das  R.  Exemplar  ist  defekt, 
es  fehlt  Bl  i  und  der  Schiuss. 

363  Herolt,  Johannes:  Sermones  de  tempore  et  sanctiscum  promptuario 
exemplorum.     Norimbergae,  Antonius  Koberger,  1480.     2^. 

Hjin  *S4Sl. 

Limburg.     [Aus  Umiurg.) 

364  Herpf.    Henricus:    Speculum    aureum    decem    praeceptorum    dei. 
Moguntiae,  Petrus  Schöffer,  1474.     2^. 

Hain-Copinger  "852^. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Limburg.) 

365  Herpf,    Henricus:    Speculum    aureum    decem    praeceptorum    dei. 
Norimbergae.  Antonius  Koberger,  1481.    2o. 

Hain  *8S24, 
LinUntrg. 

366  Herveus:  Quattuor  quodlibeta.   Venetiis,  Raynaldus  de  Noyimagio, 
1486.     20. 

Hain-Copinger  ^8530. 

Herbom  808.     {Aus  Herhom  HSch.) 

Limburg:    am  Ende  defekt.     {Aus  Eberbach.) 

367  Heylin.  Johannes,  de  Lapide:  Resolutorium  dubiorum  circa  cele- 
brationem  missarum  occurrentiunL     Argentinae,  Martinus  Flach,  1494.     40. 

Hain-Copinger  *ggog. 

Wiesbaden  LB.     {Notgottes,  vorher  in  Johannisberg.) 

368  Heylin,  Johannes,  a  Lapide:    Resolutorium  dubiorum  circa  cele- 
brationem  missarum  occurrentium.     Coloniae,  Henricus  Quentell,  1493.    4o. 

Copinger  //,  /  34g £.      Voulliime  ^48. 

Limburg.     {Am  Notgottes,  vorher  in  johannisberg^ 

369  Hieronymus:  Aureola  ex  floribus  S.  Hieronymi  contexta.    [Spirae, 
typogr.  Gestorum  Christi],  s.  a.     2o. 

Hain-Copinger  *8586.     Proctor  2322. 
Limburg.     {Aus  Limburg.) 

370  Hieronymus:     Commentaria    in    biblia.      Yenetiis,    Johannes    et 
Gregorius  de  Gregoriis,  1497—1498.     2  Bde     2o. 

Hain  "8581. 

Die  Initialen  sind  eingedruckt. 

Bl  g    Titel  Z  2  steht  queationes  und  nicht  wie  bei  Hain  quaestiones. 

Limburg.     {Aus  Deutz.) 

371  Hieronymus:    Epistolae  et  tractatus.     Basileae,  Nicolaus  Kesler, 
1492.     2  Bde     2o. 

Hain  '8^6/. 

Limburg:    nur  Bd  2.     {Aus  Hadamar.) 

Wiesbaden  LB.     {Aus  EhrenbreUstetn.) 


—     47     — 

372  Hieronymus:    Epistolae  et  tractatus.     Basileae,  Nicolaus  Kesler 
1497.     3  Bde     2». 

Haift-Copingfr  ^SsS^. 

Limburg:    Bd  i  u.  2.     {Aus  Eberbach.) 

373  Hieronymus:  Epistolae  et  tractatu8.   Moguntiae,  Petrus  Schöffer, 
1470.     20. 

Hatn  *8554.     Das  vorliegende  Exemplar  stimmt  genau  mit  Hains  Beschreibung  überein. 
Wiesbaden  LB. 

374  Hieronymus:  Epistolae  et  tractatus.     Venetiis,  Johannes  Rubeus 
Vercellensis  1496.     2». 

Hain-Copinger  ^8^6^. 
Limburg.     [Aus  Höchst.) 

375  Hieronymus:  Expositio  symboli  contra  Jovinianum  haereticum. 
[Coloniae,  Ulr.  Zell,  c.  1470].     4". 

Hain-Copinger  *(?5/<5'.     Praetor  8//. 
Limburg. 

376  Hieronymus:  Liber  contra  Helvidium  Je  virginitate  Mariae. 
[Coloniae,  typogr.  Dictyos,  1471 — 75].     4o. 

Bl  la:  Incipit  liber  beati  Jheronimi  cötra  helindiü  [!]  ||  de  virginitate  sancte  dei  geni- 
tricis  Marie  \\  Bi  1$ a  Z  lo :  Explicit  liber  beati  Jeronimi  contra  Helindiü  [!j  ;;  de  virginitate 
sancte  dei  genitricis  Marie:  .  Bl  i^b:  Incipit  epistola  sei  Jeronimi  ad  Gaudecium,  de  inst- 
tucione  [!j  filie:  |j  Bl  i8b  Z  26:  Explicit  epistola  bti  Jeronimi  ad  gau.  ut  sup  Bl  iga: 
Incipit  Epistula  beati  Jheronimi  ad  panmajxhium  et  Occeanum.  ||  Bl  21b  Z  14:  Explicit 
eplä  bti  Jeronimi  ad  pämachiü  et  oc: 

21  Bl  ohne  Sign,  27  Zeüen,  goth.  Schrift,  eine  Schrißgrösse. 

Hain-Copinger  85/5.     Proctor  g86. 

Umburg. 

377  Hieronymus:  Vitae  sanctorum  patrum.  [Argentinae,  typogr.  vitarum 
patrum  a.  1483],  1485.     2o. 

Hain-Copinger  *86oo.     Praetor  422. 

Wiesbaden  LB. 

WeUburg.     [Aus  Rommersdorf.) 

378  Hieronymus:  Vitae  sanctorum  patrum.  [Coloniae,  Arnold,  ter 
Hoernen,  ca.  1470]. 

Hain  *8S93-     Proctor  ^/j. 
Umburg. 

379  Hieronymus:  Yitae  sanctorum  patrum.  [Coloniae,  Conrad.  Winters, 
c.  1476?] 

Bl  laa  Z  i:  Incipit  plogus  in  vi||tas  Säctoy  patrum.  ||  ()Enedictus  deus  q  vult  ||  omes 
homines  saluos  j  fieri  t  ad  agnicöem  ve|]ritati3  venire:  qui  etiaj  \\etc.  Bl ^ßa^  Z21:  Liber 
de  vitis  sanctoy  Paty  Heremitay  atg  Möchoy  se  cüd9  finit  foeliciter  •:•  •:•  Bl  36aa  Z  i: 
Incipit  plog9  Palladij  epi  in  liby  tertiü  de  vitis  patrü.  ßl  116 aa  Z  24-  Pars  quarti  üb", 
xiij.  de  hospi' talitate  explicit  foeliciter.  ;|  DEO  GRATIAS.  Bl  Ii6b  u.  11/  leer.  Bl  j6oa^ 
Z  J^:  Explicit  liber  quintus  de  vi' tis  sanctorum  patrum    •:•     !   DEO  GRATIAS. 

160  Bl,  2   Spalten,   41  Zeilen.      Goth.  Schritt. 

Hain-Copinger  8^86? 

Limburg.     [Aus  Hadamar.) 


—     48     — 

380  Hieronymus:  Vitae  sanctorum  patrum,  deutsch.  [Herbipoli, 
Georg.  Reyser,  1480?].     2o. 

Hain-Cofvtgfr    *S6oj.      Prociijr   32  £l    zveiss   nicht,    wekhem    Druckort  dies  fr   Druck   angehört. 
Wiesbaden  LB.     [Aus  Schönau.) 

Hispanus  s.  Petrus  Hispanus. 

381  Holkot,  Robertus:  Opus  super  sapientiam  Salomonis.  [Coloniae, 
Conrad.  Winters,  c.  1479].     20 

Hain- Geringer  *S/S3.     Proctar  Il88. 
Umburg.     {^Aus  Deuiz.) 

382  Hollen,  Gotschalcus:  Praeceptorium  divinae  legis.  Coloniae, 
Johannes  Guldenschaff,  1481.     2'^. 

H^tn-Copinger  S/66. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  .Marienstatt.) 

383  Homiliarius  doctorum  a  Paulo  Diacono  collectus.  Spirae,  Petrus 
Drach,  1482.     2^. 

Hain-Cofinger  *S/gO. 

Herbom  20£6.     (Aus  Herbom  HSch.) 

Limburg.     (Aus  Limburg.) 

384  Honorius:  Expositio  super  cantica  canticorum.  [Coloniae,  Joh. 
Guldenschaff,  c.  1480].     4». 

Hain-Copinger  *88o2.     Praetor  12^0. 
Limburg.     (^Aus  Amstein.) 

385  Horatius:  Opera  cum  annotationibus  Jac,  Locher  Philomusi. 
Argentorati,  Johannes  Grüninger,  1498.     2*^. 

Hain- Coptnger  *88g8. 
Hadamar  G. 

Horologium  aeternae  sapientiae  s.  Suso,  Henricus. 

386  Hortulus  animae.     l.?,  t.?,  a.?     kl.  8o. 

Bl  la  Titel  rot:  Ortulus  anime.  Bl  ib  beginnt  das  Kalendarium.  Bl  20  {Sign  rr4]  rot: 
Sequit  registrü  prtis  libelli  Bl  24b  Z  21:  Uigilie  mortuorü,  ccviij.  cuj  plu|]ribus  collectis  in 
fine  annexis.  Finis.  Der  Druck  ist  zum  grossen  Teil  durch  handschriftlichen  Text  ersetzt,  daher 
eine  genaue  Beschreibung  nicht  möglich,  zumal  Anfang  und  Ende  des  eigentlichen  Textes  sowie  die 
Schlussschrift  überhaupt  nicht  mehr  vorhanden  sind.  Blattzählung,  Signaturen  sind  vorhanden,  22  Zeilen, 
Rot-  und  Sch-juarzdruck,  goth.  Schriß,  der   Titel  in  grösserer  Schrift,  zahlreiche  Holzschnitte. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  NotgotUs.) 

Hortulus  rosarum  in  valle  lacrimarum  s.  Haemmerlein,  Thomas. 
Hort  US  sanitatis  s.  Johannes  de  Cuba. 
Hostiensis  s.  Henricus  Hostiensis  de  Segusio. 

387  Hugo  de  S.  Caro:  Postilla  super  psalterium.  Norimbergae, 
Antonius  Koberger,  1498.     2«. 

Hain-Copinger  *8g/3. 
Limburg.     [Aus  Deutz.) 


—     49     — 

388  Hugo  de  S.Victore:  De  sacramentis  christianae  fidei.   Argentinae, 
[typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1485.     2^. 

Hain-Copinger  *go2^.     Praetor  Sg/. 
Limburg. 

389  Humbertus:  De  praedicatione  sanctae  crucis.  [Norimbergae, 
Fridoricus  Creusner],  s.  a.     4o. 

Hain-Copinger  *g02g.     Praetor  2igj. 
Limburg.     [.Aus  Dfuiz.) 

390  Hymnarius  s.  Expositio  hymnomm.  Coloniae,  Henricus  Quentell, 
1492.    4". 

Hain  *6^84- 

Limburg.     [Aus  Amstfin.) 

391  Hymnarius  s.  Expositio  hymnorum.  Coloniae,  Henricus  Quentell, 
1494.     40. 

Hain  *6;-86. 

Herborn  P  IV  ^rg.     {Aus  Herhom  HSch.) 

Jacobus  Januensis  s.  Jacobus  de  Voragine. 

392  Jacobus  de  Theramo:  Consolatio  peccatorum  s.  Belial.  [Argen- 
tinae, Henr.  Knoblocbtzer],  1484.     2o. 

Bl  I  fehlt.  Bl  2a  [Sign  a  ij]  a:  Reuerendi  patris  domini  Jacobi  |j  de  Theramo  Com- 
pendium  pbreue  [j  Consolatio  peccatorum  nuncupatü.  |:  Et  apud  nonnullos  Belial  vocitatü  j| 
ad  papä.  Vrbanum  sextum  conscrip-||tum.  Incipit  feliciter.  Bi  gja^  Z,  ^i:  seculorum. 
AMEN.  II  Explicit  über  belial  nücupat9  al's  |[  peccatoy  consolatio.  ,  Anno  dni  M«.  || 
cccclxxxiiij.     Bl  g^b  und  g4  leer. 

g4  Bl  mit  Sign  [a  b  e g  i  l  m  n^,  c  if  k  ki\  2  Spalten,  42  Zeilen,  gath.  Schrift,  eine  Schriftgrösse. 

Praetor  J/J. 

Wiesbaden  LB.     [Aus  Schönau.) 

393  Jacobus  de  Voragine:  Legeuda  sanctorum  seu  historia  Lombardica. 
[Argentinae,  Georg.  Husner,  ca  1475].     20. 

Bl  la  leer.  Bl  iba:  De  festiuitatibus  que  occur-ürunt  infra  tpus  renouationis  |  ete. 
Ende  der  Tabula  auf  Bl  2b^  Z  32.  Bl  3  [num.  /]  Z  /:  Incipit  prologus  sup  legendaj  san- 
ctoy  qua  cöpilauit  frater  ||  iacobus  natione  lanuesis  ordinis  fratrü  pdicatoy.  ||  ()Niversü  temp9 
pntis  vite  i  qttuor  distinguit'  jj  sc^  1  tep9  deuiatiöis.  renouatiöis  siue  reuocati|'onis.  recöncili- 
ationis.  et  peregrinatöis.  Temp9  |!  deuiatiöis  e/e.  Bl  jg4  [num.  CCCXCII\  a  Z  ig:  Explicit 
legenda  lombardica  iacoi|bi  de  voragine  etc.  Bl  3g4b:  De  decem  milibo  martirum. 
Bl  422  [num.  CCCCXX\  a  Z  2g :  et  odoris  fragrantia  vsqt  in  octauä  diem  ibi  manebat. 
Marti-||ri  lucie  ideo  oiücta  fuit.  <j  ipsa  odilia  duobus  modis  martir  ||  fuit  voluntate  et  carnis 
maceratione.     Bl  422b  leer. 

422  Bl  [2  nicht  num.,  I—CCCCXX]  ohne  Sign,  38  Zeilen,  goih.  Schrift,  i  Schriftgrösse. 

Limburg. 

394  Jacobus  de  Voragine:  Legenda  sanctorum  seu  historia  Lombardica. 
Argentinae,  [Georg.  Husner],  1479.     2°. 

Bl  I  fehlt.  Bl  2aa:  Incipit  tabula  super  legen  das  sanctorum  secundum  or  dincm 
alphabeti  collecta.  et  |  primo  premittitur  prolog9  i  qui  ostendit  modum  reperi-  endi  materias 
contentaa  in  j;  diuersis  locis  huius  volumifnis.  '  PROLOGVS  ,  (IVoniam  sicut  die  ysidor9 ,  etc. 
Der  Prologus  schliesst  Bl  2a^  Z  3g :  uersis.  Bl  x6aa  am  Ende:  Finit  tabula  feliciter.  Bl  l6b 
und  il^a  leer.  Bl  i^b  folgt  der  prologus  super  legendas  sanctorum.  Bl  l8a  Z  8:  Explicit 
prologus.     Incipiunt  capitula.     Bl  20a:  Incipit  legenda  sanctoru;  que  lombardica  nomir.atur 

4 


—      so- 
hl- storia   Et   primo   de    festiuitatibus   que    occurrunt   infra   tem-j^pus  renouationis  quod  re- 
presentat    ecclesia    ab    aduentu    vscj       ad    natiuitate?    domini.     Bl  412a  am  Ende:  Hoc   opus 
historie  lombardice.  deo  opitulan  te.  cum  legendis  in  fine  annexis.  est  impres-  sum  Argentine. 
Anno  domini  Millesinco-  quadringentesimo  septuagesimo  nono.     Bl  412  b  her. 

412  Bl  ohne  Sign  [j/  Lagen,  davon  i,  2,  4  —  8,  1O—14,  l^,  V>  '9—-3<  -^5.  -Ö".  2S—SO, 
32-3^.  3^-40,  4^-47'  49\  3.  9,  '5.  ^/>  37'  jO,  5/5.  r8,  24.  31,  41,  48  <\  39-40  Zeüev, 
goth.  Schrift,  2  Schrijigrössen. 

Prodor  3S9- 

Wtesl.iden  LB.     [Aus  Noigoties.) 

395  Jacobus  Je  Voragine:  Legeiida  aurea  s.  historia  Lombardica. 
Argentinae.  [typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1483,     2'^. 

Fl  I  fehlt.  Bl  2aa:  Incipit  tabula  su  'per  legendas  sanctorum  secundu?  J  ordinem 
alphabeti  collecta.  et  pri-,  mo  premiltitur  prologus  qui  GSte|  dit  modum  reperiedi  materias 
c5  tentas  in  diuersis  locis  huius  vo-  luminis  Prologus.  j  ()Voniam  sicut  ||  dicit  ysidorus 
in  libro  de  sum'  mo  bono  e.'c.  Bl  ijaa:  Incipit  legenda  sanctorum  que  |  lombardica  no- 
mlatur  historia.  Et  primo  de  festiuitatibus  que  occur  runt  infra  tempus  renouatöis  qd'  || 
representat  ecclesia  ab  aduetu  vscj  ad  natiuitatem  domini  ;j  Legenda  Prima  A  j  De  aduentu 
domini  i  Duent9  domi  ni  per  quattu  or  septimanas  agit'  ad  signi  ficandü  etc.  Bl  2430^ 
Z  5;  US  p  omnia  secula  seculorü.  amen  ;|  Explicit  legenda  lomi.bardica  Jacobi  de  voragine 
ordinis  predi  catorum  episcopi  ianuensis.  Bl  24jba:  Sequuntur  quedä  ;'  legende  a  quibusda? 
alijs  superad-  dite.  Et  primo  de  decej  milibg  mar],tyrum  Bl  2//ti^  Z  26:  bent  q.  corpus 
Christi  est  ;  sanguis  eius  I  Expliciunt  quo  |rüdam  sanctorum  legende  adiuncte  post  Lom- 
bardicam  hi-  storiam.     Impresse  Argentine.     Anno  dni  M.  cccccxxxiij.     Bl  2;^8  leer, 

2/8  Bl  ohne  Sign  [3g  Lagen:  i,  3—5,  7,  g,  IT,  13,  15,  17,  19,  21,  23,  25,  2/,  2P.  JA  JJ. 
15,  39*,  2f  ^,  •^,  ^0>  ^-,  14,  16,  18,  20,  22,  24,  26,  28,  30,  32,  34,  36,  381,  J75],  2  Spalten, 
4/  Zeilen,  goth.  Schrift,  3  Schriftqrössen. 

Wiesbaden  Lß-     [Aus  Eberbach.) 

396  Jacob  US  de  Voragine:  Legenda  sanctorum  seu  historia  Lombardica. 
Argentinae,  [typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1485.     2'J. 

Bl la  Titel:  Lombardica  historia  ||  que  a  pleriscj  Aurea  |  legenda  säctorum  ap-||pellatur. 
Bl  ib  leer.  Bl  2a  {Sign  i\  o.:  Incipit  tabula  super  \\  legendas  sctö^t  scdm  ordine  alphabeti 
collecta.  et  primo  premittitur  p!  logus  qui  ostendit  modü  reperiedi  j  materias  contentas  in 
diuersis  lo  eis  huius  voluminis.  Die  Tabula  endigt  Bl  I2b^.  Bl  I3aa:  Incipit  prologus  su-j;per 
legendas  sanctoy  quas  collegit  j  in  vnum  frater  iacobus  natione  ia-  nuensis  ordinis  fratrum 
predicato-  rum.  Ä /jjß;  Explicit  prologus.  .5'/7j<5a.-  Incipiunt  capitula.  Bl  i^ a  [Sign  a]  a: 
incipit  legenda  sctö^  que  lombar:  dica  noiatur  historia  Et  primo  de  fe  ]stiuitatib9  que  occurrüt 
infra  temp9  renouatöis  qd'  representat  eccl'ia  ab  |i  aduetu  vscj  ad  natiuitate  domini.  Bl  233/)^: 
Explicit  legenda  lom  bardica  lacobi  d'  voragine  ordinis  pdica,  torum  episcopi  ianuesis. 
Impressa  Argen  tine.  Anno  domini.  M.  cccc.  Ixxxv.  Finita  i  ||  die  sancti  Floriani 
martiris.  Cuius  legeda  |1  repitur  in  additionibus  huius  voluminis  |I  in  legenda.  CXCV.  || 
Sequuntur  additiones.  Bl  234  leer.  Bl  26g b^  am  Ende:  Expliciüt  quorü/]!dam  sanctoy  legende 
adiücte  post  ;  Lombardicam  historia?.  Impresse  ,,  Argetine  Anno  dni.  M.  cccclxxxv  |1 
Finite  in  die  sancti  Floriani  marty;|ris.     Bl  2^0  {jedenfalls  leer)  fehlt. 

2/0  Bl  [/4,  23,  a4,  bi,  c\  di,  <f4,  /3,  gA,  hi,  /4,  ki,  l\  ml,  «4,  oi,  /4,  ql,  r4,  sZ,  /4,  vi, 
x4,  yl,  24,  AI,  Ba,  C),  Z?4,  Ei,  F\  Gl,  HS,  Ii,  K\,  Li,  .1/4,  N^\,  2  Spalten,  47  ^"^^»^ 
goth.  Schrift,  3  Schrftgrössen. 

Proctor  600. 

Weilburg.     [Aus  RommersdorJ.) 

397  Jacob U3  de  Voragine:  Legenda  sanctorum  seu  liistoria  Lombardica. 
Argentinae,  [typogr.  Jordani  de  Quedlinburg  a.  1483],  1489.     2*>. 

ni  la   Titel:   Lombardica  historia   j  que  a  pleriscp  Aurea   ;  legenda  säctorum  ap;  pellatur 

Bl  ib   Uer.     Bl  2a    {Sgn  i\   (x:    Incipit  tabula  super  |;  legendas  sctöy  scdm  ordine  alphabeti. 


—     51     — 

Colle-I|cta  et  primo  premittitur  prologus  qui  oste-'  dlt  modü  reperiendi  materias  contentas 
i  diuersis  locis  huius  voluminis;  j'  Prologus  |  [  jVoniam  sicut  |]  dicit  ysidor9  in  libro  de 
sümo  i|  etc.  Bl  i2aa:  Incipit  prologus  su-  per  legcndas  sanctoy  quas  collegit  in  vr.ü  frater 
Jacobus  natione  ianuensis  ordinis  \\  fratrum  predicatorum  Bl  ißa  [Sign  a\  a:  Incipit  legcnda 
sctöy  que  lo